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und

sein^ Verhalten zum Ode.

Eine Reihe

experimenteller Untersuchungen über ihre gegenseitigen Kräfte
und Eigenschaften

mit Rücksicht auf die praktische Bedeutung,

welche sie für Physik, Chemie, Mineralogie, Botanik, Physiologie, Heilkunde, gerichtliche
Medicin, Rechtskunde, Kriegswesen, Erziehung, Psychologie, Theologie, Jrrenwesen,
Kunst, Gewerbe, hausliche Zustände, Mcnschenkcnntniß und das gesellschaftliche Leben
im weitesten Umfange haben.

Karl Freiherrn von I^eichenbach,

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Zweiter Band.

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Vorwort

zum zweiten Bande.

In dem dreizehnten seiner physiologischen Briefe (zweite Auflage) theilt uns Hr. Prof. Vogt zu Genf seine Meinung über Sensitivität und Od mit, die ich meinen Lesern zum Besten zu geben, nicht unterlassen darf. Er läßt sich dort S. 322 in seiner bekannten eleganten Sprachweise also vernehmen:

'„Die ganze Reihe von Unsinn, den man unter dem Titel der „odifchen Erscheinungen in die Welt hineingequalmt hat, beruhen „lediglich auf einer gesteigerten Nervenerregbarkeit, durch welche „Empfindungen und Eindrücke, die in dem gewöhnlichen Leben spurlos vorübergehen, dem Bewußtseyn mitgetheilt werden. Ich habe „eine Frau beobachtet, die durch tagelanges heftiges Erbrechen an „den Rand dcS Grabes gebracht worden war und wo man eine „Magenkrankheit vermuthete, während nur eine beginnende Schwanger„schaft die Ursache der abnormen Magenreizbcirkeit war. Bei gänzlicher Erschöpfung des Körpers war daS Nervensystem in einem „solchen Zustande gesteigerter Erregbarkeit, daß die Kranke nicht „nur die Tritte der Dorfbewohner hörte, wenn ich sie kaum sehen „konnte, sondern auch die einzelnen Personen, welche über die Straße „gingen, ihren Tritten nach unterschied. Wie man sieht, brauchte „diese Empfänglichkeit nur noch um ein Geringes sich zu steigern, „um Erscheinungen herbeizuführen, die man, besonders wenn man „mit betrügerischen Personen zu thun gehabt hätte, als magnetisches „Hellsehen würde bezeichnet haben." Dieß ist der nämliche Weltweise, der dann gleich auf der gegenüberliegenden Pagina in folgender weitern Ergießung sich gefüllt:

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„Ein jeder Naturforscher wird wohl, denke ich, bei einiger „maßen folgerechtem Denken auf die Ansicht kommen: daß alle jene „Fähigkeiten, die wir unter dem Namen der Seelenthätigkeiten begreifen, nur Funktionen-der Gehirnsubstanz sind; oder, um mich „einigermaßen grob hier auszudrücken: daß die Gedanken in demselben Verhältnisse etwa zu dem Gehirne stehen, wie die Galle „zur Leber, oder wie der Urin zu den Nieren. Eine Seele anzunehmen, die sich deö Gehirnes wie eines Instruments bedient, mit' „dem sie arbeiten kann, wie eS ihr gefällt, ist ein reiner Un> „sinn; u. s. w.

Hiemit sehen wir uns wieder einmal von einem dieser gelehrten Herren auf daS Feld der Grobheit gezerrt und in die leidige Notwendigkeit versetzt, auf seinem rauhscholligen Boden mit Widerwillen und Ekel gegen Unbill u»S zur Wehre zu setzen. — In dem Verfahren deS Angreifers muß man zweierlei unterscheiden, eine sittliche und eine unsittliche Handlung. Indem er wissenschaftliche Einwürfe erhebt, ist er im Rechte; indem er Grobheit hinzufügt, begeht er ein Unrecht. Die Abwehr hat demnach die zweifache Aufgabe: die Einwürfe bündig zu widerlegen, dann die Beleidigung zurückzuweisen und Grobheit zu bestrafen.

ES muß bemerkt werden, daß der Man», der hier fo manierlich als besonnen spricht, derselbe seines vielgenannten Namens ist, welcher ohne eine blasse Idee auch nur von dem politischen Einmaleins zu besitzen, den Muth hatte, sich in das deutsche Parlament zu Frankfurt schicken zu lassen; der dann von der Tribüne der Paulskirche mit der Prätension von staatswissenschaftlichem Tiefblicke „die ganze Reihe von Unsinn in die Welt hineingequalmt hat," mit der er in knabenhaft politischem Unverstand sein Möglichstes dazu beitrug, Deutschland um die Früchte seiner Bewegung von 1848 zu bringen und bei dem sich die besten und edelsten Männer unseres Vaterlandes dafür zu bedanken haben, daß deutsche ProfessorenweiSheit in Europa spottsprüchwörtlich geworden ist.

Eine ähnliche kleine Probe von wissenschaftlichem Tiefblicke scheint nun Hr. Vogt an der Sensitivität und dem Ode ablegen zu wollen. Er wird erlauben, daß wir seine Versuche hiezu ein wenig der Zergliederung unterziehen. — Zunächst hält er mir entgegen, daß „die ganze Reihe der odischen Erscheinungen lediglich auf einer gesteigerten Nervenreizbarkeit beruhe." — Sehr wohl; er erkennt also wortgenau an, daß odische Erscheinungen eristiren, und dieß die ganze Reihe, die ich vorgeführt habe, denn außer mir hat Niemand in solcher Weise welche vorgeführt. Er beehrt sie zwar mit dem Urbanen Prädikate eines QualmS von Unsinn, waS ich von einein Professor, der selbst so vielen Unsinn debitirt hat, allenfalls vor Ohren gehen lassen könnte; allein da er versichert, daß diese Erscheinungen alle auf Nervenerregbarkeit beruhen, und alles, was auf etwas ruht, selbst ein Etwas seyn muß, so müssen jene vorhanden, sie müssen existent seyn. — Run, mit dieser Anerkennung der odischen Erscheinungen bin ich bis Hieher zufrieden; wir haben an ihr eine BasiS, die wir unS nicht wieder escamotiren lassen wollen.

Wenn er nun aber weiter fortfahrend mir entgegenhält, daß diese Erscheinungen „auf einer gesteigerten Nervenerregbarkeit beruhen, durch welche sie, im gewöhnlichen Leben spurlos, dem Bewußtseyn mitgetheilt werden," so frage ich ihn, für waS ich im Allgemeinen den subjektiven Theil derselben überall ausgegeben, ob ich nicht selbst ihn einer höheren, einer gesteigerten Nervenreizbarkeit beigemessen habe? Gleich in meiner ersten Abhandlung, die im Mai 1845 in LiebigS Annalen erschien, sprach ich mich entschieden dahin aus, daß die Sensitivität auf einer gesteigerten Nervenreizbarkeit beruhe, daß nicht nur daS Gemeingefühl, sondern auch die sensoriellen Nerven in erhöhter Erregung sich befinden, daß „eine außerordentliche Verschärfung der Sinne" in Geruch, Geschmack, Gehör stattfinde, und daß in Gefühl und Gesicht Apperceptionen stattfinden, deren gewöhnliche Menschen unfähig seyen. Dasselbe habe ich schon in den ersten Blättern der „Dynamide ic." in den „odischen Briefen" S. 13 und an hundert andern Stellen meiner Schriften wiederholt, tausende von Deutschen, Engländern und Franzosen, die sie gelesen haben, sind Zeugen davon. Was soll also ein solcher Einwurs, der gar kein Einwurf ist? Ein Einwurf, der nichts besagt, als eine Wiederholung und Bestätigung von dem, was bereits durch mich selbst gesagt ist!

Diese Art von erhöhter Nervenreizbarkeit mit ihren Besonder Helten habe ich in den Ausdruck „Sensitivität" zusammengefaßt, und ich muß mich nicht eben viel dabei vergriffen haben, da er Hrn. Vogt selbst S. 300 seiner „physiologischen Briefe" unwillkürlich entwischt, wo er von „sensitiven Nervenfasern" spricht.

Freilich sind wir darüber hiemit noch nicht eben zu Ende. Hr. Vogt will mir eigentlich noch mehr sagen, was in seinem Bewußtseyn

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