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Sie sind unser Vorbild im Leben und Streben, und Ihnen verwandt zu sein ist unser Stolz. . Endlich grüße ich auch Sie, werthe und liebe Hüttenbrüder und namentlich Sie, die heute zum ersten Male das Stiftungsfest mit feiern, die berufen sind, im hohen Sinne unserer Vorgänger fortzuwirken, welche wir, heute unter uns zu sehen, das Glück und die Ehre haben. Seien Sie glücklich, wie wir es sind, dem Vereine „„Hütte““ anzugehören. Ja und das dürfen wir sein, denn dort, wo die herrlichen Bauten eines Schinkel uns den griechischen Geist so ansprechend vorführen, wo ein unerschöpflicher Geist, wie Alexander v. Humboldt geboren ward und wirkte, wo ein Borsig aus unserer Mitte entstand, dort haben unsere Vorgänger die Fahne der Hütte vor einundzwanzig Jahren aufgepflanzt und behütet, und dort blüht die „„Hütte““ auch heute noch. Unser größter Stolz aber ist die Gründung des Vereines deutscher Ingenieure durch unsere schwache Kraft. Ihn bewahren Sie stets im Herzen, werthe Hüttenbrüder! Dann werden Sie Ihr Ziel erreichen, und dieses Ziel ist dasselbe für beide Vereine. Die „„Hütte““ pflanzt, erzieht und genießt den reichen Blüthensegen, der Ingenieurverein veredelt und sammelt die Früchte. Wessen Verdienst das größere ist, das entscheiden wir nicht, sondern reichen uns einig die Hände, diese Aufgabe zu erfüllen. Und inmitten des Getöses der Maschinen und der Hammerschläge hören wir gern die Sprache der Wissenschaft, die Freunde der Künste und Industrie. Durch solch ein Zusammenwirken, durch solch eine Einigung der Kräfte erhält die Arbeit Würde, die Wissenschaft wird fruchtbar und der Mensch gebessert. Es lebe, es wachse, es blühe diese Einigkeit!“ (Bravo!) Der dritte Gegenstand der Tagesordnung war der Vortrag des Hrn, Grinda, Mitgliedes der „Hütte“, über die

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„Um die Zeit der Gründung der „„ Hütte““ herrschte am Königl. Gewerbe-Institute zu Berlin in allen Verhältnissen ein kalter, alles verknöchernder Geist, welcher besonders auf das Leben der damaligen Zöglinge seine Schatten warf. Anstatt des frischen, frohen Lebensmuthes der Jugend beherrschte alle ein engherziges abgeschlossenes Wesen. Auf welchem Wege dieser unfruchtbare Geist zu vernichten, war das Bestreben so manches intelligenten Jünglinas.

g Im Jahre 1846 sahen wir sich zwei Vereine unter den Zög

lingen bilden. Während der eine, von Euler begründet, sich den Cultus der Wissenschaft zur Aufgabe stellte, suchte der zweite Verein unter Rollmann durch ein inniges Zusammenleben den Kastengeist unter den Zöglingen zu bannen. Auf solchen Grundsätzen beiderseitig basirend, mußte naturgemäß bald eine Annäherung beider Vereine erfolgen, die schon am 16. Mai 1846 überging in die Vereinigung unter dem Namen „„Verein der Zöglinge des Gewerbe - Institutes““. Am 11. December 1846 fand die Taufe dieses Vereines auf den Namen „„Hütte““ Statt.

Hauptsächlich den Bemühungen Euler's war diese Vereinigung gelungen, und so hat ja denn auch stets derselbe den Mitgliedern als Hüttenvater vorangeleuchtet.

Die Constitution des jungen Vereines erlangte schnell die nöthige Festigkeit durch Einführung passender Statuten, und wenn dieselben auch schon mannigfach geändert, so ist das Grundprincip, „„der Verein bezweckt durch seine Gründung ein näheres Aneinanderschließen der Zöglinge des Gewerbe-Institutes, theils zur gegenseitigen Belehrung, theils zur gesellschaftlichen Unterhaltung““, doch niemals angetastet worden.

Obgleich schon anfänglich die ganze Gesammtheit der Zöglinge ins Auge gefaßt worden, so führte man doch, um Neid und Mißgunst besser bekämpfen zu können, die Ballotage ein, und so wurde das Werk, im Vereine mit Gleichgesinnten, bestens gefördert.

Wie es bis auf die Jetztzeit geschehen, so fanden schon damals an jedem Sonnabende Versammlungen Statt, deren erster Theil zu wissenschaftlichen Vorträgen und Discussionen unter Leitung eines Vorsitzenden, deren zweiter unbegrenzbarer zum Aufschwung des gemüthlichen Lebens unter einem Kneipwart diente.

Technische Zeitschriften und Werke, gemeinsamer Besitz der Mitglieder, dienten, so gering ihre Zahl auch damals noch war, doch schon viel zum erleichterten Studium. So konnte denn auch Euler, bei seinem Scheiden am 31. August 1848, mit Stolz

auf die Arbeit und getrosten Blickes in die Zukunft schauen. Die „„Hütte““ erlitt hierdurch aber einen empfindlichen dreifachen Verlust; denn sie verlor auf einmal in Euler den tüchtigsten VorÄn den gemüthlichsten Kneipwart, ein rastlos actives Mitglted. Es tritt jetzt eine kurze Zeit des Kampfes ein, die Vernichtung der alten nicht mehr zeitgemäßen Institutionen, ein Streit, durch den sich, gleich einem rothen Faden, die Aufhebung der Ballotage hinzieht. Am 10. Januar 1852 wird dieselbe denn auch aufgehoben, und somit ist formell die „Hütte“ dazu gemacht, was sie sein soll: ein Asyl für alle Studiengenossen, welche den Drang fühlen, mitzuarbeiten an dem gemeinsamen Werke, zur gegenseitigen Belehrung und gesellschaftlichen Unterhaltung. "Die Mitgliederzahl, bis dahin nie über 30 gestiegen, wuchs jetzt bald um das 4- bis 5fache an; damit erwuchs der „Hütte“ aber auch eine Arbeitskraft, welche, gehörig benutzt, auch etwas Großes leisten mußte und in der That denn auch leistete. Nur unter solchen Verhältnissen konnte die Idee von Sudhaus, welcher im Juli 1852 Vorsitzender geworden, zur Geltung kommen. Er gründete am 12. November 1853 das Zeichenunternehmen, das, auf dem Principe der Gegenleistung beruhend, den Fleiß der Jugend mit den Erfahrungen des praktischen Mannes vereinigend, sich eben auch nur dadurch so aufschwingen konnte. Das Unternehmen war ein schwieriges; doch wurden die Hindernisse durch den Fleiß und die Intelligenz der Hüttenmitglieder beseitigt; es schaffte dem Techniker bald einen großen Nutzen, und wie fruchtbringend es gewirkt hat und noch wirkt, könnte wohl die ganze technische Welt in zustimmender Weise bezeugen. Für die Ausnutzung der Arbeitskraft der Mitglieder konnte die „ „ Hütte““ denselben aber auch Entsprechendes bieten. Die Hüttenbibliothek, der Journalcirkel waren damals schon ein kostbarer Schatz, und das wissenschaftliche Leben sowohl, als die erfrischende Gemüthlichkeit in den Hüttenversammlungen regte wohl so manchen laschen Geist zur stärkenden Arbeit an. Wie die Ehrenmitglieder der „ „ Hütte“ näher zu bringen, dieser Idee unterlag schon die Gründung des Zeichenunternehmens; die Wege zu finden, wie dieselben aneinander näher zu fesseln, das war Peters vorbehalten, der im August 1854 Vorsitzender geworden. Er wollte das schöne Band des gemeinsamen Schaffens und der Freundschaft in der „„ Hütte““ auch in's praktische Leben übertragen wissen. Dieser Idee entsprang die Gründung des Vereines deutscher Ingenieure, die sich am 10. Stiftungsfeste der „„Hütte““ vollzog. Dieses große Jubelfest in Halberstadt vereinigte Alle, die gewirkt hatten und noch arbeiteten an dem Ausbaue der „„ Hütte““. Von Ost und West waren sie gekommen; die Einen, um zu sehen, was aus ihrem Werke geworden, die Anderen, um sich zu stärken an dem Anblicke so vieler lieber Gestalten, deren Geist ihnen vorangeleuchtet in ihrem Thun und Schaffen, und beide Theile wurden befriedigt. Gestärkt kehrte man zu erneuter Arbeit zurück. Die „„Hütte““ arbeitete wiederum an der Verwirklichung einer schönen Idee. Schon am 20. April 1856 hatte Stühlen den Antrag eingebracht, „„eine Commission von 8 Mitgliedern zu wählen, um aus den Vorträgen der Herren Lehrer des Institutes ein Vademecum zusammenzustellen““. Der Antrag wurde freudig aufgenommen, und eine Commission auch gewählt, welche durch ihre Arbeit im höchsten Grade das Vertrauen rechtfertigte, das man in sie setzte. Es wurde durch dieses Werk ein Mittel geschaffen, welches das Studium der Maschinenconstruction wesentlich erleichterte, sowohl dem noch Studirenden, als auch dem ausübenden Techniker eine werthvolle Fundgrube ist. Durch solche Arbeit hatte sich die „„ Hütte““ nicht allein Ruhm erworben; sie erlangte auch pecuniäre Vortheile. Die erste Auflage war schnell vergriffen, und die mit den Jahren darauf folgenden anderen 6 Auflagen brachten der „„Hütte““ ein ziemliches Vermögen ein, das jederzeit in der Hüttenbibliothek angelegt, und diese dadurch mit der Zeit zu einer ganz unerschöpflichen Fundgrube für die Studirenden wurde. Bei solch emsiger Arbeit mußte wohl ein guter Geist die Mitglieder der „„Hütte““ beherrschen. Alles war zur Thätigkeit angespornt, Jeder hatte seine Beschäftigung, und wo noch Etwas rauh ist oder fehlt, da concentrirt sich die arbeitende Kraft. So sehen wir die „„Hütte““ ums Jahr 1859 stattlich aufgebaut dastehen. Von nun ab wird der Schwerpunkt in das Institut selbst hineinverlegt; die „„Hütte““ widmet ihre Kraft dem heilsamen Umsturze der starren, nicht mehr zeitgemäßen Verhältnisse des GewerbeInstitutes. Der Fortschritt siegt endlich, und so wird im Jahre 1860 aus dem Gewerbe-Institute eine polytechnische Akademie mit freien Studirenden. Die „„Hütte““ wendet jetzt wieder die Aufmerksamkeit ihren inneren Zuständen zu. Man arbeitet mit regem Eifer, wie zuvor, und jetzt kommt noch das Bewußtsein des sich frei fühlenden Menschen hinzu. Der wissenschaftliche Theil der Versammlungen wird durch gehaltvolle Vorträge verschönt, interessante Discussionen beleben die Versammlung; ebenso blüht das gemüthliche Leben der „„Hütte““, sprudelnder Witz und nie versiegender Humor begleiten die Hüttenmitglieder. * Auf Anregung von Herrmann werden wissenschaftliche Preisaufgaben gestellt, und die Hütte findet Gelegenheit, die Lösungen zu krönen, dem Verdienste um wissenschaftliche Leistungen Geltung zu verschaffen. Immer ging die Hütte da voran, wo es galt, etwas Gutes zu schaffen. So entstand ein Flottenverein, Turnverein, ein Verein zur Unterstützung Bauer's, alles Vereine, deren Schwerpunkte in der Hütte lagen. Die Herausgabe des „„Sachregister technischer Journale““ documentirte wiederum den regen Arbeitsgeist der Hütte; doch mußte dies Unternehmen nach einigen Jahren aufgegeben werden, wenn daraus nicht pecuniärer Nachtheil erwachsen sollte. So waltet die Hütte bis auf die Jetztzeit fort, als ein Asyl für alle die Studiengenossen, welche den Drang fühlen, mitzuwirken an dem gemeinsamen Werke zur gegenseitigen Belehrung und gesellschaftlichen Unterhaltung.“ – Hr. E. Dittmar aus Eschweiler: „ M. H. Nach den längeren Reden, welche wir soeben gehört haben, gestatten Sie mir nur noch wenige Worte. . Wenn unsere Stiftungsfeste besondere Schalttage sein sollen in unserem Vereinsleben, an denen Rechenschaft abgelegt werde über unsere Thätigkeit, so gezieut es sich wohl nach dem Vortrage über die Geschichte der Hütte seit dem letzten Decennium, daß hier auch von uns über die Vergangenheit der Hütte Zeugniß abgelegt werde. Meine Vergangenheit in der Hütte berechtigt mich vielleicht dazu, über die Hütte das Wort zu ergreifen. Wer, wie ich, die schönsten Erinnerungen seiner Jugendzeit gerade an die Hütte anknüpft, wer dann in späteren Jahren den Ernst, die Wandlungen und die Täuschungen des Lebens kennen gelernt hat, der wird mit mir voll Freude darüber sein, daß wir heute kein zerfallenes Haus vor uns sehen in unserer „„Hütte““, sondern ein ausgebautes und wohlentwickeltes Gebäude. Bedauern Sie es nicht, meine jüngeren Herren Hüttenbrüder, daß es Ihnen nicht beschieden war, in dem letzten Decennium so große Thaten zu schaffen, als in den vorhergegangenen zehn Jahren von uns geschaffen sind. Bedenken Sie, daß, wenn es ehrenvoll ist, Reichthümer zu erwerben, es auch ebenso ehrenvoll ist, sie recht zu erhalten. Uns ist es vielleicht beschieden gewesen, zu sammeln; Sie waren die glücklichen Erben. Seien Sie aber sicher, daß mit der gewissenhaften Verwaltung dieser Schätze Sie eben solchen Dank verdienen, wie Die, welche sie gesammelt haben. (Bravo!) Wenn nun von unseren vielen Plänen und Träumen der Jugend gerade die „„Hütte““ keine Täuschung geworden ist, so danken wir das zunächst den herrlichen Principien, auf welche die Hütte gleich Pfeilern gegründet ist, dann aber dem Fleiße und regen Sinne der Bauleute, welche daran gearbeitet haben. Für uns ältere Hüttenmitglieder ist es Pflicht und Schuldigkeit, Ihnen, den jüngeren Mitgliedern, die in den letzten zehn Jahren an der Hütte gearbeitet haben und die hierher geeilt sind, um Rechenschaft abzulegen, unseren Dank auszusprechen für die treue Führung, welche Sie dem Werke der Hütte haben angedeihen lassen. Möge Gott die Hütte ferner behüten, möge sie gedeihen, möge sie blühen! Mögen die kommenden Generationen ihrer Mitglieder in ihr das erblicken, was sie uns war, wozu wir sie gegründet haben: eine Stätte der Freiheit, der Freundschaft, der Fröhlichkeit und Arbeitsamkeit! Möge sie für das kommende Decennium feststehen und allen Stürmen trotzen! M. H. jüngeren Mitglieder von der Hütte, ich sage Ihnen nochmals im Namen der älteren Mitglieder meinen warmen Dank.“ (Lebhafter Beifall. – Die Verhandlung wird hierauf auf eine halbe Stunde vertagt.) Nach der Pause wurde weiter in die Tagesordnung gegangen und zwar zunächst von Hrn. Dr. Grashof aus Carlsruhe der Geschäftsbericht und Geschichte des Vereines deutscher Ingenieure wie folgt vorgetragen:

„ M. H. Es ist meine Aufgabe, zugleich mit dem üblichen Geschäftsberichte, der sich diesmal auf die beiden letzten verflossenen Jahre zu erstrecken hätte, in kurzer Uebersicht die bisherige Geschichte unseres Vereines vorzuführen. Indem aber das, was ich Ihnen sonst als Geschäftsbericht gegeben haben würde, zum großen Theile in diesen historischen Ueberblick herübergenommen werden mußte, werde ich mich heute auf den Letzteren beschränken und mir vorbehalten, einige rein geschäftliche Notizen morgen in der Sitzung, welche speciell der Besprechung der inneren Vereinsangelegenheiten gewidmet sein wird, nachzutragen. Der Verein wurde gegründet am 12. Mai 1856 in Alerisbad bei Gelegenheit des 10jährigen Stiftungsfestes der „„Hütte““, von welcher die Anregung dazu ausgegangen und ein vorläufiger Statutenentwurf vorgelegt worden war. Hervorgegangen zunächst aus der Idee eines Bandes zur Vereinigung der früheren Hüttenmitglieder, wurde doch mit richtigem Blicke der Zweck des Vereines von vornherein viel allgemeiner definirt, als „„inniges Zusammenwirken der geistigen Kräfte deutscher Technik zur gegenseitigen Anregung und Fortbildung im Interesse der gesammten Industrie Deutschlands““, wodurch insbesondere Zweierlei als Grundcharakter des Vereines ausgedrückt ist: die Förderung deutscher Technik um ihrer selbst willen durch geistige Mittel der Forschung und Belehrung im Gegensatze zur Verfolgung persönlicher materieller Interessen, und zweitens die gleichmäßige Umfassung der gesammten deutschen Nation unter Ausschluß jeglicher Bevorzugung besonderer Landes- oder Bezirksinteressen. Die constituirende Versammlung, unter dem Vorsitze von Hrn. Euler, damals Hüttenmeister des Eisenhüttenwerkes Trippstadt bei Kaiserslautern, aus nur 23 meist jüngeren Männern bestehend, welche außerdem noch 14 Anmeldungen abwesender Berufsgenossen vorlegen konnten, nahm ohne Debatte das Statut in der Form an, wie es auf Grund des Entwurfes der „„Hütte““ aus der Vorberathung eines Ausschusses hervorgegangen war, indem sie eine durchgreifende Revision auf Grund der inzwischen zu machenden Erfahrungen erst für die nächste Hauptversammlung in Aussicht nahm. Dem für das erste Vereinsjahr, gerechnet bis zum 1. October 1857, gewählten Vorstande, bestehend aus den HHrn. Euler als Vorsitzendem, Grashof als Director und den Mitgliedern Braunschweig, Kankelwitz, Peters, Pützer und Sudhaus, wurde unbedingte Vollmacht für alle zum weiteren Ausbaue des Vereines erforderlichen Schritte gegeben, insbesondere auch ihm überlassen, sobald als thunlich nach seinem Ermessen mit Herausgabe der Zeitschrift vorzugehen als des Mittels, welches neben den zu gründenden Bezirksvereinen vor Allem dem Vereinszwecke dienen, alle Mitglieder in geistigem Rapport erhalten und den Verein nach Außen repräsentiren sollte. Letzteres geschah mit dem 1. Januar 1857, und es konnte das erste Heft die Namen von 172 Mitgliedern bringen, die bis zum 15. December 1856 eingetragen waren, großentheils zu engeren Verbänden gruppirt in 5 Bezirksvereinen, dem niederrheinischen Bezirksvereine, gegründet am 24. August 1856, Ätner Bezirksvereine, gegründet am 30. August / dem Bezirksvereine für Aachen und Umgegend, gegründet am 2. November 1856, dem Pfalz-Saarbrücker Bezirksvereine, gegründet am 7. December 1856, und einem westphälischen Bezirksvereine, gegründet am 14. December 1856. Immerhin war bei mangelnder solidarischer Verpflichtung in Betreff etwaigen Mißerfolges das Vorgehen des Vorstandes, gewählt und bevollmächtigt nur durch einen kleinen Bruchtheil der Mitglieder, zu jener Zeit nicht ohne Bedenken und schwere Verantwortlichkeit, um so mehr, als der Entschluß, durch Hrn. Buchhändler R. Gaertner in Berlin von vornherein die Zeitschrift auch Nichtmitgliedern zugänglich zu machen, nothwendig die Ga

rantie eines regelmäßigen Erscheinens der Hefte in bestimmtem

Umfange bedingte. Im Jahre 1857, nachdem inzwischen die Mitgliederzahl in stetigem Wachsen geblieben war, Dank der gesunden Anläge des Vereines, der Wirksamkeit seiner Bezirksvereine und einzelner im Vereinsinteresse besonders thätiger Mitglieder, sowie auch der trotz ihrer noch geringen Hülfsmittel nicht ohne Anerkennung gebliebenen selbstständigen Haltung der Zeitschrift, und nachdem insbesondere noch zwei weitere Bezirksvereine sich constituirt hatten:

der oberschlesische Bezirksverein als sechster am 15. Februar 1857 und der Bezirksverein für Magdeburg und Umgegend als siebenter am 20. Juni 1857, fand die erste Hauptversammlung des Vereines am 14. und 15. September in Berlin Statt. Sie war fast allein der vorgesehenen Revision des Statutes gewidmet, wobei u. A. beschlossen wurde, das Vereinsjahr hinfort mit dem Kalenderjahre zusammenfallen zu lassen. Für das somit bis zum 1. Januar 1859 gerechnete zweite Vereinsjahr wurden in den Vorstand gewählt die HHrn.: Bischof, Hüttenmeister in Mägdesprung, welcher indessen ablehnte, ohne daß eine Neuwahl hätte vorgenommen werden können, ferner Grashof als Director und die Mitglieder Braunschweig, Dreßler, Duske, Hänel und Pützer, wobei zu bemerken ist, daß, während nach dem ursprünglichen Statut nur der Vorsitz alljährlich wechseln mußte, nach der neuen Fassung auch 2 durch das Loos bestimmte der übrigen 5 Vorstandsmitglieder außer dem Director für das nächste Vereinsjahr nicht wieder wählbar sein sollten. Am 1. Januar 1858 betrug die Mitgliederzahl 310. Die Hauptversammlung dieses Jahres fand Statt in Cöln am 23. bis 25. September, in welcher der Geschäftsbericht des Directors nur eine unerfreuliche Thatsache zu melden hatte: die in Folge nicht glücklicher Anlage und Leitung bevorstehende (demnächst eingetretene) Auflösung des damaligen westphälischen Bezirksvereines. Nachdem im Uebrigen der Verein sich in befriedigender Weise ausgedehnt und consolidirt hatte, legte diese seine Hauptversammlung auch von weiter gehenden Bestrebungen technischen Interesses, wie sie nur mit vereinigten Kräften erfolgreich durchzuführen sind, erfreuliches Zeugniß ab. Nach einigen Vorträgen der HHrn. Euler über Trockenkammern für Torf, Braunkohlen und Holz zu metallurgischen Zwecken, Peters über die Rohmaterialien der westphälischen Eisenindustrie und Schiele über den dermaligen Zustand der Gasfabrication, wurde ein Antrag von Hrn. Peters, die bisher über die deutschen Steinkohlen und technisch verwendbaren Brennstoffe überhaupt veröffentlichten Arbeiten zusammenzustellen und die Lücken nach einem umfassenden Plane zu ergänzen, zum Beschlusse erhoben, und Hr. Peters mit der Leitung dieses Unternehmens beauftragt. Ein Antrag des oberschlesischen Bezirksvereines, welcher die in Preußen bestehende Praxis officieller Begutachtung der Dampfkesselanlagen durch Baubeamte als unzulänglich und nicht mehr zeitgemäß darstellte und die Berathung geeigneter Schritte zur Abänderung dieses Verfahrens befürwortete, wurde unter Anerkennung der Motive im Allgemeinen zunächst den speciell preußischen Bezirksvereinen zur Begutachtung vorzulegen beschlossen. Als eine die innere Organisation des Vereines betreffende, durch den angewachsenen Umfang der Verwaltungsgeschäfte bedingte Statutenänderung wurde endlich in dieser Versammlung bestimmt, daß die Verwaltung der Casse, die Versendung der Zeitschrift und die laufende rein geschäftliche Correspondenz (Arbeiten, welche bisher der Director Anfangs allein, später mit Hülfe eines Assistenten besorgt hatte) hinfort einem besonderen Vorstandsmitgliede als Geschäftsführer mit eigener Verantwortlichkeit übertragen werden sollten, unbeschadet der Anweisung aller Zahlungen durch den Director, so daß die Thätigkeit des Letzteren sich auf die Redaction der Zeitschrift und die Correspondenz namentlich mit dem Vorstande in nicht rein geschäftlichen Vereinsangelegenheiten concentriren könne. Zum Vorstande für das dritte Vereinsjahr 1859 wurden demgemäß gewählt die HHrn.: Schiele, damals Gasdirector in Crefeld, als Vorsitzender, Grashof als Director, Duske als Geschäftsführer und die Mitglieder Baur, Euler, Kayser und Völckers. Hatte schon das Jahr 1858 keine wesentliche Erweiterung des Vereines aufzuweisen, indem es mit 355 eingetragenen Mitgliedern abschloß, zu den nach dem Eingehen des westphälischen verbliebenen 6 Bezirksvereinen aber neue nicht hinzugekommen waren, so war das Jahr 1859 in Folge des italienischen Krieges, der damit zusammenhängenden theilweisen Mobilmachung und allgemeinen Geschäftsstockung, noch weniger dem Vereinsleben günstig, und es sah sich durch diese Umstände sogar der Vorstand genöthigt, im Einverständnisse mit den Bezirksvereinen die Hauptversammlung dieses Jahres ausfallen zu lassen und seine Functionen ohne Neuwahl auf das folgende Jahr auszudehnen. Die Mitgliederzahl

zeigte gänzlichen Stillstand; zu Ende 1859 betrug sie 352. Zumeist seine Zeitschrift hat den Verein über diese schlimme Periode hinweggeholfen; die Beihülfe ihres buchhändlerischen Absatzes, welcher sich auf der ungefähren Höhe von 180 Exemplaren erhielt, war wesentlich nöthig, um Ausgabe und Einnahme einigermaßen im Gleichgewichte zu erhalten. Als Anfang der Ausführung des betreffenden Beschlusses der Cölner Versammlung brachte sie u. A. in ihrem II. und III. Bande einen längeren Aufsatz von Hrn. Peters über den Heizeffect der Brennmaterialien und die gesetzmäßigen Beziehungen zwischen den wichtigeren Eigenschaften der Steinkohlen. Die Hauptversammlung des vierten Vereinsjahres, welche am 27. bis 29. August 1860 in Dresden abgehalten wurde, war ausgezeichnet durch ein sehr herzliches, gastliches Entgegenkommen und zahlreiche Betheiligung des sächsischen Ingenieurvereines, durch eine höchst zuvorkommende Aufnahme Seitens der Staatsbehörde, durch die Wahl eines ersten Ehrenmitgliedes in der Person von Hrn. Bergrath Professor Dr. Weisbach und durch anregende Verhandlungen. Nach einigen Vorträgen der HHrn. Dietze über den geschichtlichen Entwickelungsgang der Dampfschifffahrt, Völckers über Indicatorversuche und Grashof über die Giffard'sche Dampfstrahlpumpe, von denen namentlich der zweite der Versammlung Anlaß bot, ihr lebhaftes Interesse für die empfohlene allgemeinere Verwendung jenes nützlichen Instrumentes, des Indicators, an den Tag zu legen, wurde zunächst der in voriger Hauptversammlung vom oberschlesischen Bezirksvereine gestellte Antrag, die officielle Begutachtung der Dampfkesselanlagen in Preußen betreffend, berathen und derselbe dadurch erledigt, daß die Veröffentlichung der beiden ausführlichsten der darüber erstatteten Gutachten, nämlich des Aachener und des Magdeburger Bezirksvereines, durch die Zeitschrift beschlossen, im Uebrigen aber es nicht für angemessen erachtet wurde, daß unser nicht preußischer, sondern deutscher Verein als solcher diese Angelegenheit durch eine an die preußische Regierung zu richtende Vorstellung weiter verfolge. Aus Veranlassung eines von Hrn. Euler eingebrachten Antrages, die Erstrebung gleichen Maßes für Deutschland betreffend, führte die Debatte zu der Erklärung der Versammlung, daß die möglichst baldige Einführung des Meters oder, wie damals zur Vermittelung entgegengesetzter Meinungen noch hinzugefügt wurde, des 0,3 Meter-Fußes als gemeinsamen deutschen Maßes im Interesse der Technik dringend wünschenswerth sei. Von wichtigeren, die Verwaltung der Vereinsangelegenheiten betreffenden Beschlüssen ist die damals getroffene Bestimmung zu erwähnen, daß die Redaction der Zeitschrift, welche bisher dem Director allein obgelegen hatte, hinfort durch eine Commission besorgt werden solle, bestehend aus dem Director als Hauptredacteur und aus wenigstens 2 Hülfsredacteuren, Alle jährlich neu zu wählen und persönlich dem Vereine verantwortlich. Maßgebend hierfür war zumeist die Erwägung, daß, während einerseits die Redactionsarbeit zu umfangreich war, als daß sie von einem Einzelnen als Nebenarbeit dauernd besorgt werden konnte, doch andererseits der Verein noch nicht die Mittel besaß, einen Redacteur so zu entschädigen, daß er Zeit und Kräfte ausschließlich oder vorzugsweise der Redaction hätte widmen können. Im zweiten und dritten Vereinsjahre hatte die Ausgabe die Einnahme überschritten, und wenn gleichwohl ohne namhaftes Deficit abgeschlossen werden konnte, so war es den Ueberschüssen des ersten Vereinsjahres, bedingt durch die überwiegende einmalige Zahlung von Eintrittsgeldern, zu danken. Das fünfte Vereinsjahr 1861 hub an mit 367 Mitgliedern. Der Vorstand wurde gebildet von Hrn. Simons, Eisenbahnbauinspector in Saarbrücken, inzwischen leider zu früh dem Vereine durch den Tod entrissen, als Vorsitzendem, ferner den HHrn. Dietze, Euler, Grahl und Kayser außer dem Director und Geschäftsführer, welche überhaupt für die ganze hier darzustellende Vereinsepoche jährlich wiedergewählt wurden; die Redactionscommission bestand neben dem Director aus den HHrn. Ludewig, Dr. Weber und Werner. Es bezeichnete dieses Jahr einen wesentlichen Fortschritt in den Verhältnissen des Vereines, welcher sich zunächst durch die Gründung von drei neuen Bezirksvereinen zu erkennen gab: 4 des Thüringer Bezirksvereines am 30. Juni als siebenten, des Stettiner Bezirksvereines am 12. Juli als achten und des Cölner Bezirksvereines am 28. August als neunten. Die Hauptversammlung dieses Jahres zu Bingen am 1. bis 4. September zeichnete sich zumeist durch fröhlich geselligen Verkehr aus, begünstigt durch die Schönheit der Natur und die Theilnahme einer größeren Zahl von Damen. Indessen wurden doch auch die ernsten Verhandlungen nicht ganz darüber versäumt, wenn schon verschiedene Gegenstände unerledigt blieben. Nächst Vorträgen der HHrn. Höch über die von ihm begründete, auf Gegenseitigkeit beruhende allgemeine deutsche Feuerversicherungsgesellschaft für Fabriken, Dr. Meidinger über einen neuen Mechanismus für die oscillirenden Schaufeln der Dampfschiffräder und Dr. Wilkens über Wesen und Fabrication des Ultramarins, ist von gefaßten Beschlüssen besonders eine wichtige Erweiterung des Statutes zu erwähnen, dahin gehend, daß neben den nur örtlich begrenzten Bezirksvereinen hinfort auch eine Gliederung des Vereines nach Zweigvereinen solle stattfinden können, welche besonderen Zweigen der Technik gewidmet sind, und für welche dieselben Bestimmungen wie für die Bezirksvereine gelten mit der Ausnahme, daß das unbedingte Recht der Mitgliedschaft eines Zweigvereines nur die betreffenden Fachmänner haben, wenn sie Mitglieder des Vereines überhaupt sind und im Bereiche des betreffenden Zweigvereines wohnen. Die unmittelbare Veranlassung dieses Beschlusses wurde geboten durch die kurze Zeit zuvor stattgefundene Gründung eines technischen Vereines für Eisenhüttenwesen in Rheinland und Westphalen zum Zwecke der Fortbildung des Eisenhüttenwesens und der Vertretung der Interessen dieses Industriezweiges. Dieser Verein hatte den Wunsch eines eventuellen Anschlusses an unseren Verein zu erkennen gegeben, welcher denn auch später in Gemäßheit des oben erwähnten Beschlusses durch Erklärung vom 15. November 1861 erfolgte. In derselben Hauptversammlung wurde ferner der Anstoß zu Verhandlungen gegeben, welche uns demnächst noch eingehender beschäftigen sollten. Auf Grund eines Antrages des Thüringer Bezirksvereines, die Versammlung wolle erklären, daß die baldmöglichste Inkraftsetzung eines zweckmäßigen deutschen Patentgesetzes für die Industrie von höchster Wichtigkeit sei, wurde zunächst der Vorstand mit Niedersetzung einer Commission beauftragt, welche in Verbindung mit Sachverständigen außerhalb des Vereines die Patentfrage bearbeiten, Gutachten der Bezirks- und Zweigvereine einholen und in der nächsten Hauptversammlung Bericht erstatten sollte. Mit Bestätigung des zeitigen Directors und Geschäftsführers, sowie der Redactionscommission in ihren Functionen wurden Hr. Schiele, Director der neuen Gasfabrik in Frankfurt a. M., zum Vorsitzenden und die HHrn. Daelen, Dietze, Euler und Neumann zu Vorstandsmitgliedern für das nächste Jahr gewählt. Dieses sechste Vereinsjahr 1862 konnte bei seinen nunmehr neun Bezirksvereinen und einem Zweigverein mit 495 Mitgliedern beginnen und erwies auch in seinem weiteren Verlaufe sich nicht ungünstig für die Entwickelung des Vereines, da inzwischen die industriellen Verhältnisse sich überhaupt wieder gebessert und befestigt hatten, und ein neuer Impuls durch die Londoner Ausstellung gegeben wurde. Auch wurde im Laufe des Jahres der sächsisch-anhaltinische als zehnter Bezirksverein am 11. Mai gegründet. Bei der am 3. bis 6. September in Eisenach abgehaltenen Hauptversammlung wurden Vorträge gehalten von den HHrn. Straus über die Bewegung des Wassers in Flußbetten, Kohl und Neumann über die Industrieverhältnisse Thüringens. Demnächst waren die in voriger Versammlung theils unerledigt gebliebenen, theils zur Ausführung empfohlenen Anträge zu Vereinsunternehmungen weiter zu berathen. Zu Ersteren gehörte ein Antrag des oberschlesischen Bezirksvereines, betreffend die Sammlung tabellarisch zusammengestellter Resultate des Dampfmaschinenbetriebes; derselbe, durch eine Commission vorberathen, wurde mit den von der Commission empfohlenen Modificationen der vorgelegten Tabellenentwürfe zum Beschlusse erhoben, und der oberschlesische Bezirksverein mit der Ausführung beauftragt. g Die gleichfalls vom oberschlesischen Bezirksvereine und von der Commission empfohlene Herausgabe eines deutschen Ingenieurkalenders wurde als Vereinsunternehmen abgelehnt. Bekanntlich ist die Idee später von dem Vereinsmitgliede Hrn. Stühlen aufgegriffen worden, welcher unter Mitwirkung des jetzigen westphälischen Bezirksvereines einen solchen Kalender bearbeitet hat, welcher im Verlage von G. D. Bädeker in Essen mit bestem Erfolge nunmehr schon als zweiter Jahrgang pro 1867 erschienen ist.

Eine andere Commission, gebildet aus Vertretern der Bezirksvereine, hatte unterdessen eine Zusammenstellung der einem deutschen Patentgesetze unterzulegenden Principien ausgearbeit und vorgelegt, worüber indessen eine Einigung nicht zu erzielen war, so daß nach lebhafter Debatte diese Angelegenheit noch einmal behufs Berichterstattung in nächster Hauptversammlung an die Bezirksvereine und den Zweigverein zurückzuverweisen beschlossen wurde. Von Statutenänderungen, welche in dieser Versammlung beschlossen wurden, ist namentlich die Reduction der bisher unbeschränkt gewesenen Stellvertretung bei Abstimmungen in den Hauptversammlungen auf höchstens 10 durch ein einzelnes Mitglied abzugebende Stimmen zu erwähnen. Auch wurde das seither schwankende Verfahren bei den Vorbereitungen der jährlichen Hauptversammlungen in der Weise geregelt, wie es durch die §§ 43 bis 44 unseres zeitigen Statutes bestimmt wird. Hr. Geh. Commerzienrath Alfred Krupp in Essen wurde zum Ehrenmitgliede, die HHrn. Professoren Dr. Zeuner und Reuleaux wurden zu correspondirenden Mitgliedern des Vereines erwählt. Im siebenten Vereinsjahre 1863, mit 587 Mitgliedern beginnend unter der Vorstandschaft von Hrn. Maschinendirector Haenel aus Magdeburg und den Mitgliedern HHrn. Daelen, Euler, Gruson und Thometzek außer dem Director und Geschäftsführer, wurde am 9. April der Breslauer Bezirksverein als eilfter gegründet, und in den Tagen vom 13. bis 15. Juli tagte in Magdeburg eine Commission, bestehend aus den HHrn. Euler, Hoffmann, Kayser, Krug, Kurtz, v. Loeben und Schrader, als Vertretern der Bezirksvereine, zur Feststellung der der nächsten Hauptversammlung vorzulegenden Principien eines deutschen Patentgesetzes. Diese Hauptversammlung wurde in Braunschweig vom 31. August bis 2. September abgehalten. Sie war besonders durch die Beschlußfassung in der Patentfrage ausgezeichnet, nachdem dieselbe schon zwei vorhergegangene Hauptversammlungen, die Specialvereine in vielen Sitzungen und verschiedene Commissionen beschäftigt hatte. Die von der letzten Commission vorgelegten Principien wurden von der Versammlung en bloc angenommen, indem mit Rücksicht darauf, daß in denselben die Meinung der überwiegenden Mehrheit aller Vereinsmitglieder indirect ihren Ausdruck gefunden hatte, kleine Meinungsverschiedenheiten der zufällig anwesenden Mitglieder von diesen selbst unterdrückt wurden. Insbesondere wurde der Werth einer guten Patentgesetzgebung im Gegensatze zu der in den letzten Jahren hervorgetretenen, gegen das Patentwesen überhaupt gerichteten und besonders von volkswirthschaftlicher Seite in doctrinärer Weise ausgehenden Reaction hervorgehoben. Möglichste Verbreitung der vom Vereine empfohlenen Grundsätze durch Anschreiben an sämmtliche deutsche Handelskammern und durch die Presse wurde beschlossen, und es wurden die HHrn. Gaertner, Philippson und Schiele ersucht, dieselben auf dem damals nahe bevorstehenden volkswirthschaftlichen Congresse in Dresden zu vertreten. In derselben Versammlung wurden Vorträge gehalten von den HHrn. Lange über Dampfpflüge, Schiele über künstliche Beleuchtung und deren Beziehungen zur Cultur, Veit - Meyer über die Canalisirung großer Städte. Ein Geschenk des Mitgliedes Hrn. Völckers, bestehend in dem Honorar für die erste Auflage seines verdienstlichen Werkes „Der Indicator“, wurde mit gebührendem Danke angenommen, und als Beitrag für das Denkmal Redtenbacher's (inzwischen auf dem Hofe des Polytechnicums in Carlsruhe als gelungene Büste in Erz auf Granitpostament ausgeführt) wurden in Anerkennung der hervorragenden Verdienste des Todten um die technische Wissenschaft 100 Thlr. bewilligt. Der zeitige Director des Vereines hatte an dieser Versammlung nicht persönlich Theil nehmen können, indem er, einem aus Veranlassung des Todes Redtenbacher's an ihn ergangenen ehrenvollen Rufe nach Carlsruhe folgend, eben in der Uebersiedelung begriffen war. Sein Anerbieten, unter diesen Umständen anderen Händen das seither von ihm verwaltete Vereinsamt zu übergeben, wurde nicht gebilligt, vielmehr seine Wiederwahl in ehrender Form vollzogen. Indessen konnte es nicht fehlen, daß dadurch eine Störung in der bisherigen collegialischen Verwaltung wenigstens der Redaction der Zeitschrift herbeigeführt wurde; Hr. Ludewig, welcher schon früher den geschäftlichen Theil vorwiegend besorgt hatte, mußte jetzt in noch höherem Grade selbstständige Verfügung treffen, während die auf ihm ruhende Arbeitslast entsprechend wuchs.

Während auch der Geschäftsführer Hr. Duske und die Mitglieder der Redactionscommission (HHrn. Ludewig, Dr. Weber und Werner) in ihren Aemtern bestätigt wurden, gingen aus der Wahlurne hervor: Hr. Schiele zum drittenmal als Vorsitzender und die HHrn. Daelen, Gruson, Kayser und Dr. Wilkens als übrige Vorstandsmitglieder für das nächste Vereinsjahr. Nachdem seit der Stockung in den Jahren 1859 und 1860 schon in den letzten Jahren 1861 bis 1863 eine stetige Zunahme von im Durchschnitte 110 Mitgliedern jährlich stattgefunden hatte, begann jetzt für die drei letzten Jahre 1864 bis 1866 des zu schildernden Decenniums eine Periode noch schnelleren Wachsthums von durchschnittlich 180 Mitgliedern im Jahre, welches namentlich im achten Vereinsjahre 1864 sein Marimum erreichte; in ihm wuchs die Mitgliederzahl von 699 bis 904. Besonders hat hierzu die am 10. April sogleich mit einer namhaften Zahl von Mitgliedern erfolgte Constituirung des zwölften, nämlich des neuen westphälischen Bezirksvereines beigetragen, welcher seitdem durch ein besonders schnelles Wachsthum und reges Vereinsleben die Erwartungen reichlich erfüllt hat, welche man von einem richtig angelegten Bezirksvereine in dieser durch ihre Industrie so ausgezeichneten Provinz hegen durfte. Die Hauptversammlung des Jahres 1864 tagte am 5. bis 7. September in Heidelberg. In Folge der in erfreulicher Weise gewachsenen Theilnahme der Mitglieder an der Lieferung von Beiträgen zur Zeitschrift konnte eine wesentliche Erweiterung von deren Umfang beschlossen werden ohne Steigerung des Mitgliederbeitrages von 5 Thlr., indem nur der buchhändlerische Preis von 6 auf 7 Thlr. erhöht wurde, eine Maßregel, welche auf den buchhändlerischen Absatz keinen nachtheiligen Einfluß gehabt hat, indem vielmehr derselbe sich auf der Höhe von etwa 220 Exemplaren erhielt. Auf eine Frage von größter Wichtigkeit für die Industrie, welche schon die Hauptversammlung in Dresden vor 4 Jahren beschäftigt hatte, kam auch die Heidelberger Versammlung in bestimmterer Form zurück, indem aus Veranlassung eines Antrages des westphälischen Bezirksvereines die baldige allgemeine Anwendung

des Metermaßes als dringendes Bedürfniß anerkannt, und an

die Mitglieder die Aufforderung zu richten beschlossen wurde, durch Anwendung dieses Maßes in den von ihnen geleiteten Bureaur und Werkstätten die officielle Einführung desselben durch die deutschen Regierungen zu beschleunigen. Es wurde dabei im Gegensatze zu dem vermittelnden Standpunkte der Dresdener Versammlung besonders auch die Schädlichkeit einer halben Maßregel, wie des 0,3 Meter-Fußes, betont und auf die Wichtigkeit der Anfertigung guter Metermaßstäbe hingewiesen. Eine Einwirkung auf die Bearbeitung der technischen Hülfsbücher in Metermaß konnte von Seiten des Vereines zunächst nur dadurch ausgeübt werden, daß wenigstens von seiner Zeitschrift dasselbe seitdem als Normalmaß angenommen und jede in anderem Maße gegebene Zahlenangabe in Metermaß umgerechnet beigefügt wurde. Auch auf die Patentfrage kam die Versammlung noch einmal zurück, indem sie aus Veranlassung der entgegenstehenden Beschlüsse des volkswirthschaftlichen Congresses in Dresden, welche durch die Bemühungen seiner dort anwesenden Vertreter, besonders von Hrn. Philippson, nicht hatten verhindert werden können, wiederholt an den vom Vereine aufgestellten Principien festhalten zu müssen erklärte. Seitdem sind diese Principien mit zwei erläuternden Denkschriften. Hrn. Kayser's und unseres Zweigvereines für Eisenhüttenwesen auf Kosten des Vereines als besondere Broschüre gedruckt und mit entsprechendem Anschreiben an eine große Zahl von Adressen, insbesondere an die deutschen Handelskammern und technischen Corporationen versendet und zugleich Hrn. Gaertner in Commissionsverlag gegeben worden. Wenn auch ein unmittelbarer Erfolg solcher Maßregeln natürlich nicht zu erwarten ist, so läßt sich doch mit Sicherheit annehmen, daß dadurch eine nicht zu unterschätzende Einwirkung auf das Urtheil in maßgebenden Kreisen zu Gunsten unseres Standpunktes ausgeübt wurde. Vorträge wurden in dieser Versammlung gehalten von den HHrn. Dr. Meidinger zur Geschichte der Dampfmaschine, Peters über die Schulze-Delitzsch'schen Genossenschaften in ihren Beziehungen zur Arbeiterfrage, Uhlhorn über einen von ihm erfundenen Regulator für Windmühlen und Grashof über die der Organisation polytechnischer Schulen zu Grunde zu legenden Prineipien. Der letztere Vortrag, mit einem Referate über die sich

daran anschließende Discussion auch als besondere Broschüre gedruckt, gab die Anregung zu einer weiteren Beschäftigung des Vereines mit der betreffenden Frage; die Bezirksvereine und der Zweigverein wurden zu ihrer vorläufigen Besprechung und demnächst zur Wahl von je einem Deputirten aufgefordert, welche als Commission mit einigen außerdem vom Vorstande einzuladenden Vereinsmitgliedern eine Vorlage für die nächste Hauptversammlung ausarbeiten sollte. Kurze Zeit nach der Heidelberger Versammlung wurde eine noch wesentlichere Störung in der Redactionsverwaltung durch die Berufung von Hrn. Ludewig als Professor an das Polytechnicum in Zürich herbeigeführt; eine zeitweise Stockung im regelmäßigen Erscheinen der Zeitschrift war die fast unausbleibliche Folge, und wenn auch dieser Uebelstand alsbald gehoben wurde durch die aufopferungsvollste Thätigkeit Hrn. Ludewig's, besonders in der Unterhaltung alter und Anknüpfung neuer Verbindungen mit einer großen Zahl von Vereinsmitgliedern als Specialreferenten für besondere Themata, sowie auch durch die von Hrn. Ziebarth in Berlin geleistete Hülfe bei gewissen, die persönliche Anwesenheit am Druckorte erheischenden geschäftlichen Besorgungen, so blieb doch der Zustand ein nicht gesunder und mußte in Verbindung mit dem angewachsenen Umfange der Redactionsgeschäfte überhaupt und den auf eine weitere Ausbildung der Zeitschrift abzielenden Wünschen mehr und mehr zu der Ueberzeugung von dem Bedürfnisse einer durchgreifenden Reorganisation der Redactionsverhältnisse hindrängen. Das neunte Vereinsjahr 1865 hub an, wie schon erwähnt, mit 904 Mitgliedern, und zwar unter der Vorstandschaft von Hrn. Kayser, Civil-Ingenieur in Breslau, als Vorsitzendem und den Mitgliedern HHrn. Gruson, Kesseler, Peters und Thometzek außer dem Director und Geschäftsführer. Am 16. Juli wurde der Bezirksverein an der Lenne als dreizehnter Bezirksverein überhaupt gegründet, gewissermaßen als Abzweigung von dem in kürzester Zeit zu übergroßer Ausdehnung gelangten westphälischen. Am 7. und 8. Juni tagte in Eisenach die Commission zur Ausarbeitung eines Gutachtens über die Principien der Organisation polytechnischer Schulen, bestehend aus den HHrn. Dr. Bothe, Duske, C. Gaertner, Grashof, Hammer, Kankelwitz, Kayser, Neumann, R. Peters, Pützer, Schnelle, Dr. Stammer, Stöß, Werner, Dr. Zehme und Dr. Zeuner; das Resultat ihrer Arbeiten wurde durch eine besondere Broschüre zur Kenntniß der Vereinsmitglieder gebracht. Die Hauptversammlung dieses Jahres zu Breslau war ausgezeichnet durch mannigfache Verhandlungen und durch eine längere dreitägige, ebenso technisch anregende, als durch gastliche Aufnahme erfreuende Ereursion in den Hüttenbezirk Oberschlesiens, so daß die Versammlung sich über den Zeitraum vom 4. bis 9. September erstreckte. Die von der eben genannten Commission vorgelegten Principien der Organisation polytechnischer Schulen wurden von der Versammlung mit einigen unerheblichen Aenderungen gebilligt, und es wurde beschlossen, daß sie, wie demnächst geschehen ist, nebst erläuternden Motiven durch eine besondere Broschüre verbreitet und diese allen deutschen Regierungen, Landesvertretungen, höheren Lehranstalten und industriellen Vereinen übersendet werden solle. Die Frage der deutschen Mittelschulen in ihrer Bedeutung als passendste Vorbereitung für die technische Hochschule, welche in Verbindung mit den Aufnahmebedingungen der letzteren in dem Heidelberger Vortrage mit berührt worden war, hatte die Commission vorläufig außer Betracht zu lassen sich genöthigt gesehen; in Beziehung darauf beschloß die Breslauer Versammlung, daß die Bezirksvereine und der Zweigverein aufgefordert werden sollten, diese Frage in ihren Sitzungen zu berathen und darüber der nächsten Hauptversammlung zu berichten. Zum dritten Male wurde auf die brennende Frage des einheitlichen deutschen Maßes eingegangen und in Erweiterung eines vorjährigen Vereinsbeschlusses der Vorstand beauftragt, im Namen des Vereines die Industriellen Deutschlands, sowie die technischen und Handwerkervereine aufzufordern, das Metermaß von jetzt ab in Gebrauch zu nehmen und dadurch die zu erwartende officielle Einführung desselben zu beschleunigen, ferner die Namen der dieser Aenderung sich anschließenden Fabriken durch die Vereinszeitschrift zu veröffentlichen. Dieser Auftrag ist seitdem in seinem ersten Theile ausgeführt, und mit Ausführung des zweiten Theiles im Jahrgange 1867 der Zeitschrift begonnen worden.

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