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kleinen Speisenaufzug mit Handbetrieb. Die Antriebwelle W ist in der langen Bodenhülse des Kippgestelles G gelagert und stützt sich nur durch zwei weit aus einander stehende, unter dem Kippgestelle angebrachte Schneiden BB, deren gemeinschaftliche Achsenrichtung senkrecht zur Welle läuft, auf der festen Maschinengrundplatte ab. Seitenschwankungen sowie Ueberschreitungen des beabsichtigten Ausschlages werden durch Führung des prismatischen Hülsenkopfes in einem lagerartigen Gehäuse F mit aufgeschraubtem Deckel verhindert, welches mit der Maschinengrundplatte zusammengegossen ist. Die Kraftübertragung zwischen der Haspel- und Lastwelle wird durch Reibungsräder vermittelt, indem sich die Lastrolle L mit ihren konisch abgedrehten Rändern in die entsprechend keilförmig ausgedrehten Umfangsnuten des Trieblings T durch ihr Eigengewicht und die Belastung des endlosen Fahrstuhlseiles einpresst. Um diesen Anpressungs- sdruck stets selbstthätig und ungeschwächt zur Geltung zu bringen, sind die Lager der Lastrolle in prismatischen Führungen des Bockgestelles

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deutscher Ingenieure.

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der Welle W neigt und hierdurch die Bremsscheibe von der Berührung mit dem über dieselbe fortgespannten Bremsbandbogen C befreit wird. Dies ist bei Vor- und Rücktrieb der Fall. Um die Last bequemer, als durch Haspeln, senken zu können, ist noch der besondere Hebel D durch einen lose auf die Welle aufgesetzten Zugarm J derart mit derselben in Verbindung gesetzt, dass man auch unabhängig von der Benutzung des Haspelseiles durch einen Zug am Hebelseile S das Niederkippen der Welle und die Lüftung der Bremse veranlassen kann. Es dürfte hervorzuheben sein, dass sich der beabsichtigte Zweck ohne die störenden Einflüsse der Kippstellung der ganzen Maschine in mindestens gleich einfacher und zuverlässiger Weise bei fester Montirung aller Gerüstteile durch Benutzung der jetzt in Deutschland mehr und mehr verbreiteten Sperrradbremse erreichen lässt!).

Beachtenswert bleibt der Antrieb der Lastrolle durch Reibräderübersetzung mit ununterbrochenem Eingriff und selbstthätig geregelter Anpressung durch den Lastzug. Eine derartige Anordnung des Antriebes – aber in festem Maschinengestelle gelagert – dürfte sich auch für kleinere und mittlere Aufzüge mit Riementrieb und Reibungsräderübersetzung, wie beispielsweise bei Stuhlwinden in Mühlen und Getreidespeichern, mehr empfehlen, als das jetzt übliche Ein- und Ausrücken der Reibungsräder für Betrieb und Stillstand durch Heben und Senken der Trommelwelle.

Es wäre dann, um den Betrieb mit einem einzigen offenen Riemen und fester und loser Scheibe zu ermöglichen, wiederum auf die Antriebwelle nur eine Sperrradbremse zu setzen und der Lastniedergang, welcher durch Lüften der Sperrradbremse

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rechts- oder linksläufig, dessen Ein- und Ausrückung von der Steuerungstrommel T aus durch die Schraube mit der Mutter M und den doppelarmigen Hebel H bewirkt wird, welcher die Kupplungsmuffe in den rechten oder linken Reibungskegel einpresst. Hier tritt der Uebelstand auf, dass ausser der mangelhaften Stabilität des ganzen Maschinengestelles auch noch die zum Niederkippen der Welle während des Betriebes erforderliche Kraft durch den Zahndruck geliefert werden muss, um die Lastwelle der Wirkung der Bremse zu entziehen, und dass ferner durch die Kippbewegung der Welle sowohl der Schnittpunkt der Wellenrichtungen, wie das genaue Zusammenfallen der Kegelradspitzen verloren geht, so dass von einem regelrechten Zusammenarbeiten der Zahnräder keine Rede sein kann. Die vorstehenden Erörterungen verschiedener neuerer ConStructionen erwecken das für unsere heimische Industrie erfreuliche Bewusstsein, dass auch auf dem Sondergebiete der Hebezeuge, in welchem England lange Zeit die unbestrittene Führerschaft eingenommen hatte, die in dem letzten Jahrzehnt in Deutschland betriebene Pflege dieses Zweiges Erfolge zu verzeichnen hat, welche die frühere unbedingte Ueberlegenheit der englischen und amerikanischen Constructionen zurückdrängen. Einzelne der Constructionen zeigen, dass man sich zwar den neueren deutschen Ausführungen im Grundgedanken anschliesst, ohne aber bei dem Versuch, auf dieser Grundlage selbstständig weiter vorzugehen, glücklichere Lösungen der Aufgaben zu finden. Ad. Ernst.

*) Vergl. Ernst, Hebezeuge S. 265 u. Taf. X.

der BezirkSVereine.

»Das Kochen der Speisen hat den Zweck, dieselben mund- und magengerecht zu machen. Das Mundgerechtmachen ist Sache der Kochkunst, wogegen das Becker'sche KochVerfahren seine eigentliche Bedeutung im Magengerechtmachen der Speisen findet.

Becker hat durch vielfache Versuche festgestellt, dass zum Garkochen der Speisen die Zuführung einer bestimmten Menge von Wärmeeinheiten erforderlich ist, welche unter einer bestimmten Temperatur zugeführt werden muss und sich nach der Art der Speisen richtet. So z. B. bedarf das Fleisch unter Einhaltung einer niedrigen Maximaltemperatur einer geringeren Anzahl Wärmeeinheiten als Hülsenfrüchte, welche mindestens Siedehitze haben müssen, um gar zu werden.

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Band XXIX. No. 38. 19. September 1885.

Die Aufgabe eines zweckmässigen Kochverfahrens ist es nun, die in der Natur uns sich bietenden Speisen so zu bereiten, dass sie verdaulich werden, und dass die in ihnen enthaltenen Nährstoffe unserem Körper auch zugutekommen. Die bisherigen Kochverfahren erfüllen diese Aufgabe nur in unvollkommener Weise, indem die Zubereitung der sämmtlichen Speisen unter Einwirkung einer und derselben hohen Temperatur, nämlich der Siedehitze, geschieht, gleichviel ob Fleisch oder Hülsenfrüchte zubereitet werden sollen. Nun ist es aber bekannt, dass bei einer Temperatur von über 700 C. die Fleisch- und Bluteiweissstoffe gerinnen, hart und schwer verdaulich werden, so dass dadurch dem Fleische die wertvollsten Nährstoffe entzogen werden. Beim Kochen der Fleischbrühe scheidet sich das Eiweiss, sobald die Suppe zu sieden anfängt, in Form von grünen Flocken aus, welche abgeschäumt und fortgeworfen werden, bis die Suppe klar ist. Eine solche Suppe ist kein Nährmittel mehr. Die hohe

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Der Kochapparat, s. Figur, ein aus Schmiedeisen gefertigter rechteckiger Behälter, ist durch Doppelwandungen mit Einlagen von schlechten Wärmeleitern so vollkommen wie möglich gegen Wärmeverluste nach aussen hin geschützt und nach Bedarf durch Scheidewände in mehrere Kammern geteilt, deren jede in der Nähe des Bodens ein fein durchlöchertes Dampfzuführungsrohr b nebst Absperrventil c erhält. d ist der Dampfverteiler, an den sich das Hauptdampfrohr anschliesst. Die Kammern dienen zur Aufnahme des Wasserbades, welches durch den einströmenden Dampf erwärmt und zum Kochen gebracht werden kann. In das Wasserbad werden die mit Speisen gefüllten Kessel aus verzinntem Schmiedeisen oder Kupfer hineingesetzt, und zwar entweder lose, so dass sie wieder herausgenommen werden können, wie bei ee, oder fest mit der Herdplatte verbunden, wie bei 0 o. Jede Abteilung ist mit einem gleichfalls isolirten Deckel l verschliess

bar, der mit einer ringsum laufenden schmalen Zarge m ver

sehen ist, welche in ein auf der Herdplatte i befindliches niedriges Wasserbad von 2° Höhe hineingreift, so dass hierdurch ein Wasserverschluss entsteht. Die Kochgefässe sind mit Deckeln geschlossen, deren überhängende Kanten bis unter die Oberfläche des Wassers reichen, so dass weder die aus den Speisen sich entwickelnden Dämpfe austreten noch die aus dem Wasserbade kommenden Dämpfe an die Speisen gelangen können. Sind in der erwähnten Weise die Kessel mit den Speisen in das Wasserbad gesetzt, so wird der Deckel l geschlossen und Dampf in das Wasser geleitet. Sind mehrere Kammern vorhanden, so kann man in jeder eine andere Temperatur erzielen, und zwar immer diejenige, welche erfahrungsmässig zum Kochen der betreffenden Speise erforderlich ist.

Damit der Wasserbestand in der Kammer durch den hinzutretenden Dampf sich nicht erhöhe, sind die Ueberlauf

Breslauer Bezirksverein: Das Becker'sche Verfahren zum Kochen der Speisen im Wasserbade.

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röhren a a angebracht. Die festen Kessel haben Abschlusshähne ff, während die beiden Wasserbäder durch die Hähne pp bezw. durch das Ventil k entleert werden können. r r sind zwei Säulen mit Rollen und Ketten zur Gewichtsausgleichung der Deckel l. Sobald die gewünschte Temperatur erreicht ist, was man durch die an jeder Kammer befindlichen Winkelthermometer bestimmt, wird der Dampfzutritt abgesperrt und das Kochen ohne neue Wärmezufuhr geht weiter bis zu Ende. Der zum Kochen erforderliche Dampf wird – wenn nicht schon ein Dampfkessel vorhanden – in kleinen Dampfentwicklern erzeugt, deren Grösse – /2 bis 4a" Heizfläche – abhängig ist von der beanspruchten Leistung des Koch apparates. Die Vorteile der Becker'schen Einrichtung gegenüber den gewöhnlichen Kochherden bestehen darin, dass

1) alle Nährstoffe in den Speisen erhalten und aufgeschlossen werden,

2) eine bedeutende Ersparnis an Brennstoff erzielt wird,

3) die Bedienung eine möglichst einfache ist.

Ein Ueberkochen oder Anbrennen der Speisen ist ausgeschlossen, und gewinnen dieselben durch die gleichmässige Temperaturzuführung bedeutend an Geschmack; auch hat sich ergeben, dass eine weitaus grössere Ausbeutung der Rohmaterialien (bis 40 pCt.) erzielt wird. Nach den Kochversuchen beim 2. Garde-Ulanenregiment in Berlin betrug der Gewichtsverlust beim Kochen von Schweinefleisch nur 22./2pCt., während bei der gewöhnlichen Kochmethode das Fleisch 30 pCt. verlor; bei Rindfleisch stellte sich das Verhältnis auf 22 pCt. zu 31,7 pCt. In der Irrenanstalt Brieg verlor Schöpsenfleisch 20,66 pCt. im Becker'schen Apparate, während der Gewichtsverlust bei der Behandlung auf dem gewöhnlichen Kochherde 27,18 pCt. betrug.

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deutscher Ingenieure.

Weitere Beobachtungen zeigten die merkwürdige Thatsache, dass Hülsenfrüchte u. a. durch das Kochen im Becker'schen Herd ein bedeutend grösseres Volumen geben als durch das Kochen im offenen Kessel. Beim 2. Garde-Ulanenregimente fand Iman bei einem vergleichenden Versuche, dass eine vor dem Kochen gleiche Menge Kartoffeln nach dem Kochen im Becker'schen Herde 209, im offenen Kessel 142 ergab. Bohnen und Kartoffeln gemischt ergaben 240 gegenüber 165, so dass sich hier zugunsten des Becker'schen Verfahrens ein Gewinn von 75 herausstellte. Es erklärt sich dies dadurch, dass bei langsamem Eindringen der Wärme nach dem Innern zu die Stärke viel mehr aufgeschlossen wird, wodurch ein grösseres Aufquellen entsteht. Dies scheint auf den ersten Blick gegen das Becker'sche Verfahren zu sprechen, da die Speisen im gleichen Volumen weniger Nährstoffe enthalten. Durch den besseren Aufschluss der Stärke wird aber die Speise viel verdaulicher und für den Körper besser ausgenutzt, so dass dadurch der scheinbare Nachteil mehr als aufgehoben wird.

Der Brennstoffverbrauch beim Becker'schen Herd ist gegenüber den gewöhnlichen Herden äusserst gering, und betrug derselbe z. B. beim I. Bataillon des Eisenbahnregiments

zu Berlin täglich 27 bis 305, während man früher in der

selben Zeit für dieselben Speisenmenge 85 bis 95* Kohlen benötigte. In der Irrenanstalt Brieg betrug die Brennstoffersparnis bei einem kleinen Becker'schen Herde 47 pCt. Dieses günstige Resultat erklärt sich sowohl durch die vorzügliche Isolirung, welche die Temperatur des Wasserbades in 1 Stunde nur um 19 C. abnehmen lässt, als auch durch den Umstand, dass die beim gewöhnlichen Kochherde zum fortwährenden Sieden der Speisen aufgewendete latente Wärme, welche dem Kochprocesse nicht zugutekommt, beim Becker'schen fortfällt. Durch das ununterbrochene Warmbleiben des Herdes eignet sich dieser ganz besonders für Volks- oder Fabrikküchen; man kann ihm die Speisen entnehmen, wann man will, sie sind stets warm und haben vermöge der Aufbewahrung unter Luftabschluss immer einen frischen guten Geschmack. Um die aufgespeicherte Wärme während der Nacht auszunutzen, setzt man Fleisch schon des Abends ein, so dass dasselbe des anderen Tages zu jeder Stunde gar gekocht herausgenommen werden kann.

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»Die Anbringung an zwei vorhandenen Cornwallkesseln von 165" Heizfläche für die Firma Brooks, Showbridge & Co. in Grays (Essex) zeigt Fig. 1. Bei dieser Anordnung ist die Möglichkeit gegeben, die feuerberührte Heizfläche gegen die gewöhnliche Einmauerung um ein bedeutendes zu vergrössern.

Eine andere Anordnung ist aus Fig. 2 ersichtlich; hier ist die Einrichtung getroffen, dass die völlige Abscheidung

Fig. 2.

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des Kesselsteines in einem cylindrischen Oberkessel, der gleichzeitig Dampfsammler ist, vor sich geht. b ist der Verbindungsstutzen mit dem Dampfkessel, während bei c das Speisewasser eintritt; der Umlauf des Wassers erfolgt in der Richtung der Pfeile und das gereinigte Wasser tritt bei ein den eigentlichen Dampfkessel. Die Anordnung bei einem Rootkessel von 250" Heizfläche, ausgeführt für die Firma Felten & Guilleaume in Köln, wird durch die Fig. 3 veranschaulicht. Hier ist auch wieder ein Oberkessel K. vorhanden, der, ausserhalb der feuerberührten Fläche liegend, gleichzeitig Kesselsteinabscheider

Fig. 3.

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und Dampfsammler ist. Ein zweiter cylindrischer Kessel K1 von geringeren Abmessungen, gleichfalls zur Abscheidung des Kesselsteines dienend, liegt unten und stellt die Verbindung mit dem Sieder des Kessels her.

Die Entfernung des Kesselsteines, der ungefähr zu 75 pCt. aus sandiger Masse, zu 15 pCt. aus porösem Stein und zu etwa 10 pCt. aus festerem Stein (welcher letztere sich hauptsächlich an den Wandungen in der Wasserlinie ansetzt) besteht, geschieht je nach dem Härtegrade des Speisewassers alle 2 bis 6 Monate durch Oeffnen der Cylinder, Herausnehmen und Reinigen der Siebeinlagen, welche Arbeit durch 2 Leute in wenigen Stunden auszuführen ist. Bei einem in der Stollwerck'schen Fabrik zu Köln mit der

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ZZ Einrichtung versehenen Rootkessel von - 160°" Heizfläche, der täglich 16 bis 20ebm

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Wasser verdampfte, betrug das Gewicht der während fast zweier Jahre (101 Wochen) bei 6maliger Reinigung aus den

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Band XXIX. No. 38. 19. September 1885.

Kesseln entfernten Kesselsteinmasse 2227*é, so dass also durchschnittlich bei 17 wöchentlichem Betriebe 3715 Kesselstein entstanden; dabei wurden die Siederöhren des Kessels nach 4jährigem Betriebe noch völlig ohne Kesselstein gefunden. Bis jetzt sind 19 Kessel der verschiedensten Systeme mit zusammen 2396q" Heizfläche mit der beschriebenen Einrichtung versehen; 9 Kessel mit 8504" Heizfläche sind in Montage und 24 Kessel mit 2802." Heizfläche in Ausführung, so dass in kurzem 52 Kessel mit 60489" Heizfläche durch den Stollwerck'schen Apparat gespeist werden; gewiss ein günstiges Zeichen für die Brauchbarkeit desselben! Die Vorteile des Verfahrens bestehen in folgendem: 1. Verhinderung der Kesselsteinbildung im Dampfentwickler und daher Vermeidung des Durchbrennens und Glühendwerdens der Kesselplatten und Siederöhren. Vermeidung der durch die Kesselsteinbildung hervorgerufenen Betriebsstörungen. 2. Ersparnis an Kohlen wegen der stets kesselsteinfreien Oberfläche der feuerberührten Teile. 3. Wegfallen der zeitraubenden, kostspieligen und dem Kessel nachteiligen Arbeit der Kesselreinigung (Abklopfen des Kesselsteines). Entfernung des Kesselsteines aus dem Kesselsteinabscheider binnen kürzester Zeit, wodurch Betriebsstörungen vermieden werden. 4. Schnellere Dampfentwicklung durch Einführung des Wasserumlaufes bei allen Kesselsystemen. Verhinderung des Siedeverzuges und somit Verminderung der Explosionsgefahr durch den Umlauf des Wassers. 5. Fortfall der Ueberwachung des Verfahrens und der Betriebskosten für die Entfernung des Kesselsteines.« Hr. Wetzig legt der Versammlung eine neuere Schutzbrille vor, welche das Auge nach allen Seiten hin deckt und namentlich für die Gussputzer von Wert sein dürfte. Hr. Kleinstüber berichtet hierauf über die dem Vereine zur Aeusserung zugegangenen Anträge des Frankfurter Bezirksvereines, betr. die Förderung des deutschen Techniker standes. Hr. Frief bringt die Anträge des Magdeburger Bezirksvereines, betr. die laufende Veröffentlichung reichsgerichtlicher Entscheidungen gewerblichen und industriellen Interesses in der Zeitschrift und die Bildung von technischen Schiedsgerichten im Rahmen der Bezirksvereine zur Besprechung; nach längerer Verhandlung wird dem ersteren der Magdeburger Anträge allgemein eine Bedeutung zugesprochen, zu dem 2. Antrage verhält sich die Versammlung ablehnend.

Versammlung vom 17. April 1885. – Vorsitzender: Hr. Frief. Schriftführer: Hr. Floegel. Anwesend 20 Mitglieder. Infolge einer Anfrage des Hrn. Schneider macht Hr. Flögel einige Mitteilungen über die drei augenblicklich im Vordergrunde stehenden Hauptsysteme von Eisenbahnbremsen ). Auf die Frage, ob man für die neueren Bremsen bei den Eisenbahnen noch nicht versucht habe, die Elektricität nutzbar zu machen, erwidert Hr. Floegel, dass auf der Ausstellung 1878 zu Paris in der Achard'schen Bremse dieser Gedanke vertreten gewesen sei; ausser von Versuchen auf französischen Bahnen sei ihm jedoch über eine weitere Verwendung derartiger Bremsen in der Praxis nichts zu Ohren gekommen. Hr. Leuthold berichtet hierauf über einen neuen Motor für den Kleingewerbebetrieb, den »Goepel-Reck'schen Simplex-Motor« (D. R.-P. No. 11990), welcher von 2 bis 6 N mit Eincylinder- und von da bis 12 N mit Zwillingsmaschine gebaut werde. Der Motor besteht aus dem gusseisernen Dampferzeuger mit schmiedeisernen, nach Art der Field'schen eingesetzten Röhren, der Feuerung und der Dampfmaschine mit Speisepumpe. ?) Der Simplex-Motor von 6 N hat z. B. bei 6 Atm. Dampfspannung: o28,5°" Heizfläche, 0,35'm Rostfläche, 120 Wasserinhalt,74 Dampfinhalt, macht 140 Umdr. in 1 Min. bei 2>< 125" Cyl.-Dmr. und 200mm Hub. Die ganze Höhe des 6 N-Motors beträgt etwa 2250mm bei 890" Ofendmr. und 1900 >< 1900" Verbrauch an Grundfläche; das Gewicht 37506, der Koksverbrauch /2 bis °/4", der Wasserverbrauch 250 für 1 N in 10 Stunden, der Preis etwa 3700 /. 3) Den Motor bauen z. Zt. Klotz, Günther & Kops in Merseburg, C. Hoppe in Berlin. Einer Einladung des Mitgliedes Hrn. Wachtel folgend, unternahm der Verein am 15. Mai einen Ausflug zur Besichtigung der Breslauer Filiale der Actien-Gesellschaft H. F. Eckert - Berlin. Des eingetretenen ungünstigen Wetters wegen musste leider die Vorführung der Dampfpfluglocomotive, System Savage, unterbleiben;

!) Z. 1883 S. 95; 1884 S. 848, 962; 1885 S. 438.

*) Eine neuere Construction D. R.-P. 31373 s. Z. 1885 S. 543.

*) Ein derartiger Motor im Betriebe wurde von den Mitgliedern des hiesigen Bezirksvereines bei dem am 10. Juni veranstalteten Ausflug auf den Breslauer Maschinenmarkt besichtigt und erregte allgemeines Interesse. W.

Breslauer Bezirksverein: Lilienthal-Motor. 745

Hr. Wachtel, der Leiter des hiesigen Werkes, sprach über den Lilienthal'schen Motor!) und dessen Vorzüge für den Kleinbetrieb. Ein derartiger Motor von 2 N, welcher zum Betriebe der Werkstatt genannter Filiale dient, wurde sowohl in Thätigkeit, als auch nach dem Kaltstellen in seiner inneren Einrichtung vorgeführt; zur Erläuterung wurde ausser dem bereits in diesem Blatt a. a. O. Gesagten folgendes mitgeteilt: »In das unter der Maschine zur Speisung des Dampferzeugers angebrachte Condenswassergefäss müssen als Ersatz für Verdunstwasser in der Woche zweimal je 9 Wasser zugegeben werden; also beträgt dieser Verlust in 1 Stunde Oe 0,3". Zur Kühlung des abgehenden Dampfes werden bei voller Ausnutzung stündlich etwa 600 Wasser gebraucht. Da der vorhandene Brunnen nicht soviel Wasser zu liefern imstande ist, und da man das fehlende Wasser nicht aus der städtischen Leitung entnehmen wollte, weil dieses zu teuer, so wurden im Freien Behälter gegraben, in welchen das warme abgehende Kühlwasser abgekühlt wird. Die Herstellungskosten der Behälter betrugen etwa 180 % als einmalige Ausgabe, wohingegen der Bezug des Kühlwassers aus der Stadtleitung täglich mindestens auf 60 Pfg. zu rechnen wäre. Die Kühlwasserpumpe ist sowohl mit dem Brunnen als mit den genannten Behältern durch einen Rohrstrang mit Dreiwegehahn verbunden; 5 Stunden am Tage wird das Wasser für die Kühlung des Condensators aus dem Brunnen entnommen, den übrigen Teil liefern die Sammelbassins. Es wird, wo Wassermangel und Abhilfe deshalb schwer ist, geraten sein, statt der Wassercondensation einen Luftcondensator zu benutzen. Im Winter wird bei H. F. Eckert der abgehende Dampf, ehe er in den Condensator tritt, auch zur Heizung der Werkstatt verwendet, für welchen Zweck er ein Heizröhrennetz durchstreicht. Der Dampfentwickler wird mit Koks aus der städtischen Gasanstalt gefeuert, und werden täglich bei 10stündiger Arbeitszeit etwa 45°s verbraucht. 1" dieses Koks kostet frei Fabrikhof 65 Pfg., und da 1" 355 wiegt, so kostet die tägliche Heizung etwa 83 Pfg. Der Motor dient zum Betriebe von 2 Support-Drehbänken (210 bezw. 350mm hoch, 1500 bezw. 3000mm lang), 1 Coulissenhobelmaschine, 2 Bohrmaschinen für Löcher bis 30 und 18", 1 Schmiedeventilator, 1 Schleifstein von 1" Dmr. und 1 Kühlwasserpumpe. Zur Bestimmung der Nutzleistung diene folgende Rechnung:

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d Summe / 2,635.

Demnach stellt sich 1 N für 1 Tag bei 10stündiger Arbeitszeit auf O> 1,32 %.

Es ist bei dieser Berechnung noch zu berücksichtigen, dass, um dem Dampferzeuger den Zug nicht zu schmälern, in den Schmiedfeuer-Rauchfang ein besonderes Blechrohr eingesetzt wurde, welches 100 % kostete, welches unter die Beschaffungskosten eingerechnet ist.

Im Anschlusse hieran wird es interessant sein, einige ähnliche Berechnungen, welche kürzlich Glaser’s Annalen”) als Auszug aus dem Hannoverschen Gewerbeblatte No. 9 vom 25. April d. J. brachten, zu wiederholen; dieses schreibt:

Nach den Versuchen mit dem Dynamometer, welche Prof. Hartig in Dresden mit dem Lilienthal'schen Motor angestellt hat, waren die Resultate hinsichtlich des Brennmaterialverbrauches sehr günstig. Das Princip dieses Dampfentwicklers ist nicht neu, sondern schon in den 30er Jahren von dem Schotten Ruth ven und dem Amerikaner Perkins in Anwendung gebracht, namentlich für Heizzwecke. Die Eigentümlichkeit der Anordnung und die ganze Zusammenstellung von Kessel und Maschine scheint Grund zur Erteilung des Patentes No. 16103 gegeben zu haben. In der Provinz Hannover sind in letzter Zeit zwei Lilienthal'sche Motoren (bei Franz Heuser & Co., Stadt Hannover, Giesserei und

1) Z. 1885 S. 30. *) Glaser's Annalen vom 15. Mai 1885 No. 190 S. 195 und vom 1. Sept. 1883 No. 149 S. 95. n

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deutscher Ingenieure.

Diese Ermittelungen stimmen auffällig mit denen für grosse Maschinen von Prof. Grove!) angestellten überein. Zu erwähnen wäre noch, dass bei der im Besitze des Hrn. Heuser befindlichen Maschine beide Schlangenröhren des Dampfentwicklers 44,0" Länge bei 15" lichter Weite und 8,36! Inhalt haben.

Ein Wasserstand bildet sich bei dem Lilienthal'schen Motor, wie sich der Erfinder bei den Versuchen mit einem Glasprobekessel überzeugt hat, nicht. In den unteren Spiralgängen schreitet das stetig eingepumpte Speisewasser vor, bis es sich auf die der Spannung entsprechende Temperatur erwärmt hat; dann beginnt die Bildung von Dampfblasen, und es erzeugt sich ein schaumartiges Gemisch von Wasser und Dampf, welches immer schneller und schneller das Dampferzeugungsrohr durchströmt und schliesslich das Aussehen des reinen Dampfstromes erhält.«

Am 10. Juni c. a. veranstaltete, wie alljährlich, der Verein einen gemeinsamen Besuch des Breslauer Maschinenmarktes. Ausser der bereits erwähnten Besichtigung des Simplex-Motors wurde eine eingehendere Aufmerksamkeit dem Otto'schen Gasmotor (Vertreter ist das diesseitige Mitglied Hr. E. Glaser), der Ausstellung von Werkzeug- Rohstahl, fertigen Werkzeugen usw. der Firma Körner & Schulte, den Ausstellungen des Vereinsmitgliedes H. Meinecke sen., des Hrn. Schnackenburg u. a. gewidmet, und war wieder viel des neuen, Interesse erregenden zu verzeichnen.

Abends fand eine gesellige Vereinigung der Mitglieder im Garten des »Dominikaner« statt. s

1) W. 1876 S. 269 und Z. 1885 S. 31.

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