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deutscher Ingenieure.

wassers örtlich angesammelt werden; sonst aber ist diese Corrosion über das ganze Innere des Kessels verteilt. Ist sie soweit vorgeschritten, dass die Walzschicht, ich möchte sagen, die Politur der Platten, durchbrochen ist, so giebt sie der ganzen Oberfläche ein welliges Aussehen. 2. Eine zweite Form der inneren Corrosion zeigt sich darin, dass an einzelnen Stellen, aber immer über grössere Flächen verteilt, sich Löcher von der Grösse bis zu einer kleinen Haselnuss bilden. Die an den inneren Kesselwandungen anhaftenden Schmutzteile geben denselben, wenn sie trocken sind, eine hellere Färbung, während das Lampenlicht in die Corrosionen seinen tiefen Schatten wirft und so den Platten das Ansehen eines Siebes giebt. Ich erwähnte vorhin, dass diese Corrosionen noch häufig Rätsel bieten, und will da eines Falles gedenken, wo bei einem Kesselsatz von 2 in Construction und Anbringung der Armatur vollkommen gleichen Kesseln in dem einen derselben eine bestimmte Platte in der bezeichneten Weise corrodirte; man vermutete die Ursache im Material, erneuerte die Platte aus bestem Material, und schon nach 3 wöchentlichem Betriebe traten die Anfänge ganz derselben Corrosionen an der eingesetzten Platte zu Tage. 3. Die dritte Form der Corrosion unterscheidet sich von der vorigen zunächst dadurch, dass sie nicht über grössere Flächen verteilt vorkommt, sondern mehr Linien bildet, besonders an den Feuerungen in und unter der Rostfläche; es zeigen sich plötzlich Pockennarben, von denen auch wohl eine in die andere übergeht, so dass sich förmliche Gruben bilden. Diese Form führt man auf dieselbe Ursache wie die vorige zurück, weshalb man sie in England beide mit dem gemeinsamen Namen »Pitting« bezeichnet. Es ist hier von Interesse, zu bemerken, wie verschieden sich diese Corrosionen wieder zeigen bei den glatten Feuerrohren und bei den gewellten Rohren; während bei den glatten Rohren die Gräben mehr dem Laufe des Rohres folgen, liegen sie bei den gewellten

Rohren in den Thälern und folgen in ihrem Laufe dem der

Ringe. Man schreibt diese Corrosionen im allgemeinen nicht dem Materiale zu und sollte besonders bei den gewellten Rohren auch wohl um so weniger dazu berechtigt sein, weil das Material dieser als ein besonderes gutes und ausgearbeitetes angesehen werden muss; doch scheint auch hier das Material von Einfluss zu sein, denn man will an der Nordsee gefunden haben, wo man ausser deutschen Rohren auch solche von Fox selbst anwendet und die ersteren durch die letzteren ersetzt hat, dass sich die Fox’schen besser halten. Was ist nun die Ursache dieser abnormalen Corrosionen, besonders der unter 2 und 3 beschriebenen, durch welche die dabei beteiligten Kreise natürlich lebhaft beunruhigt werden?

Man verfiel auf die Elektricität als Ursache. Man wandte früher noch mehr als heute metallene Siederöhren an und hatte somit die beiden Materialien, eine Kupferlegirung und Eisen, in genügenden Mengen bei einander, um sich eine galvanische Wechselwirkung zu erklären; jedoch auch im Kessel mit eisernen Siederöhren kommen solche Corrosionen vor. Nun mussten die metallenen Condensatorröhren herhalten, und da man nichts besseres wusste, verschwieg man sich lange Zeit selbst die Thatsache, dass das Wenige, was vom Verschleisse der Condensatorröhren in den Kessel komme, der Menge nach zu gering sei, um derartige Verwüstungen anzurichten. Da setzte endlich die englische Admiralität im Jahre 1874 eine Commission nieder, um den Ursachen der Zerstörung in den Kesseln der englischen Marine nachzuspüren. Diese Commission war mit ganz bedeutenden Mitteln ausgestattet; sie arbeitete von 1874 bis 1880 und hat gewiss viel wertvolles Material zusammengestellt; es gelang ihr aber nicht, die Frage nach der Ursache und nach einem praktischen Universalmittel gegen die Corrosion endgiltig zu lösen. Ein wichtiges und Hauptresultat ihrer Arbeiten inbezug auf die Corrosion lag jedoch darin, dass sie erklärte:

»der Verschleiss der Condensatorröhren ist ohne »Einfluss auf die Corrosion,« »die Fettsäure hat ihren Anteil an den Corrosionen«,

und dass sie zeigte, wie durch galvanische Wirkung von Zink in Verbindung mit dem eisernen Kesselmaterial ein Mittel gegen Corrosion gefunden sei, und dass, so lange ein metallischer Contact zwischen beiden Metallen vorhanden, wenig oder

keine Corrosion stattfinde. Sie machte den Vorschlag, eine Reihe von Zinkplatten, mechanisch zwischen Knebeln festgebolzt, in die Kessel einzuhängen. Diese Theorie scheint nach den neueren Untersuchungen richtig zu sein; aber der schwache Punkt dieses Verfahrens liegt darin, einen elektrischen Contact zwischen beiden Metallen zu unterhalten; denn das Zink oxydirt immer sehr bald an der Stelle, wo es von dem eisernen Knebel oder Bolzen festgehalten wird; das Oxyd ist ein schlechter Leiter, und somit hört der elektrische Contact auf. Um diesen Uebelstand zu beseitigen, empfahl die Commission eine grosse Anzahl dieser Platten einzuhängen, den Contact öfters zu untersuchen und die Platten, wenn nötig, zu erneuern. Dies war wohl das beste, was die Commission in dieser Beziehung erreichte; sie fügte aber in ihrem Bericht wörtlich hinzu: »Die Kosten für das zum wirksamen Schutz erforderliche Zink sind unzweifelhaft ein wichtiger Factor bei Erledigung der Frage, wie weit dieses Mittel zweckmässig angewandt werden könne« –, und da der wirkliche Verbrauch an Zink viel grösser ist als zum Schutz der Kesselplatten erforderlich, so ist es wichtig zu bestimmen, ob dieser bedeutende Verbrauch nicht vermieden werden kann. Natürlich beschäftigte sich auch die Privatindustrie lebhaft mit dieser Angelegenheit und suchte das Errungene für sich auszubeuten und zu vervollkommnen. Die Bemühungen liefen zunächst darauf hinaus, an den Commissionsvorschlag anschliessend eine bessere Art der mechanischen Befestigung des Zinkes zu finden. Das beste in dieser Richtung ist wohl der Vorschlag von Philipps, einem Mitgliede der obigen Commission; dieser lässt sehr sauber gearbeite konische Zapfen in den Kessel hineinragen und auf diese dann gewalzte Zinkplatten, auf den Konus vorher sorgfältig aufgepasst, durch eine Schraubenmutter aufpressen. Aber auch dies reicht nicht aus, denn trotzdem das Zink auf den Konus fest aufgepresst wird, so oxydirt es sehr bald an der ganzen Berührungsfläche des

Konus, womit der elektrische Contact dann aufhört. Um

diese Erscheinung genauer zu verfolgen und festzustellen, wurden in einem Kessel 6 Zinkplatten auf die genannte Weise befestigt, dann von jeder derselben ein isolirter. Draht durch eine Kautschukstopfbüchse aus dem Kessel herausgeleitet, ein zweiter Draht an die Aussenseite des Kessels befestigt und zwischen beiden dann eine kleine Batterie und ein Galvanometer eingeschaltet. Es zeigte zunächst bei allen Platten ein vom Zink durch den Zapfen und so weiter laufender Strom, dass bei allen 6 anfangs ein vollkommener Contact vorhanden war. Nach 2 Dampftagen hörte aber schon in 2 Leitungen der Strom, also der Contact, auf, und nach 12 Tagen zeigte nur noch eine Leitung Contact. Der Kessel wurde am 13. Tage geöffnet; keine der Platten war aufgebraucht, aber alle hatten zwischen Zink und Zapfen eine starke Lage Oxyd gesetzt. Gleichzeitig mit den eben besprochenen Bemühungen, das Mittel der Corrosion in einer mechanischen Vereinigung von Zink und Eisen zu finden, arbeitete zu gleichem Zweck im Auftrage von Allan brothers, den Inhabern der sogenannten Allan-Linie, in Glasgow ein namhafter Chemiker Namens Hannay. Nach einer vielverbreiteten Ansicht sind freier Sauerstoff und Kohlensäure die Ursache der Corrosionen. Versuchte nun Hannay, den Sauerstoff vollständig zu absorbiren, so ging die Corrosion doch nach wie vor vor sich. Ein Zusatz von Alkalien, um die Kohlensäure vollkommen zu absorbiren, verursachte dermassen ein Ueberschäumen, dass für die Maschine Gefahr entstand und von diesem Versuch Abstand genommen werden musste. Hannay kam nun zu dem Schlusse, dass diese beiden Stoffe wohl die Corrosion unterstützten, aber nicht die Hauptursache derselben wären; er beobachtete dann die schon vorhin erwähnte Erscheinung, wie manchmal die Corrosion in ganz bestimmten Linien, namentlich an den Feuerungen, sich zeigte, und schloss hieraus, dass sich beim Kesselbetriebe thermoelektrische Ströme bildeten zwischen den heisseren und kälteren Teilen der Kesselwandungen, bei welchen die kälteren Teile den positiven Pol bildeten und demnach corrodirten. Um diese Thatsache näher zu untersuchen, wurde ein besonderer Versuchskessel für 14 Atm. Druck gebaut, der

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wurde die kältere Platte positiv elektrisch und corrodirte. Somit war denn diese Vermutung der elektro-thermischen Ströme zu einer bestimmten Thatsache geworden, und es wurden nun zunächst Versuche gemacht, den Kessel in allen Teilen gleichmässig zu erwärmen; das misslang jedoch; verhinderte man die Corrosion auf der einen Stelle, so konnte man sicher sein, dass sie auf einer anderen wieder zum Vorschein kam. Es schien somit der einzige mögliche Weg zur Vermeidung der Corrosion darin zu liegen, dass man alles Eisen am Kessel negativ elektrisch machte, und man erreichte dies durch einen künstlichen galvanischen Strom, welcher etwas stärker als der thermo-elektrische war; man stellte eine kleine Batterie auf, leitete den Strom der positiven Elektrode in das Kesselwasser, befestigte den negativen an die Aussenseite, und siehe da, während eines sechsmonatlichen derartigen Versuches hatte die Corrosion vollkommen aufgehört. Hieraus folgt: » Der natürliche Strom verursacht Corrosion, während ein stärkerer künstlicher Strom die selbe verhindert. t Da der natürliche Strom zwischen den Metallen nun sehr gering ist, so kam Hannay auf den Gedanken, dass es genügen würde, statt der Aufstellung der Batterie eine einfache galvanische Verbindung zwischen einer Masse Zink innerhalb des Kessels und dem eisernen Kesselmateriale herzustellen, und seine weiteren Bestrebungen zielen darauf, aus dem ganzen Kessel eine galvanische Batterie zu machen. Die Verbindung des Zinks mit dem Kessel stellt er auf die Weise her, dass er einen Kupferdraht mit dem Zink förmlich amalgamirt, dieses dann noch besonders präparirt, damit es nicht zu schnell aufgebraucht werde, und das andere Ende des Kupferdrahtes dann an den Kessel lötet. Ueber dieses Verfahren hört man sehr gute Resultate; ich will nur bemerken, dass, wenn auf diese Weise die etwa auftretenden thermoelektrischen Ströme überflügelt werden sollen, es nötig ist, dass das Kesselwasser schon angesäuert sein muss. Infolge dessen schreibt Hannay vor, dem Kesselwasser schon von vornherein einen gewissen Salzgehalt zu geben. Er hat nun seine Schlussfolgerung schon weiter gezogen, denn er hat, wahrscheinlich in der Absicht, die erforderliche Ansäuerung des Kesselwassers zu vermeiden, in neuerer Zeit ein Patent genommen, nach welchem er das Zink in Flaschen mit durchlässigem Stöpsel einkapselt, und damit ist dann thatsächlich eine der Daniell’schen ähnliche Batterie aus dem ganzen Kessel hergestellt!). Eine Erscheinung will ich noch erwähnen, welche man beobachtet haben will. Man behauptet nämlich, dass das nach Art der Marine eingehängte Zink den Kesselstein härter mache, während nach der Hannay’schen Methode es gar nicht zu einem starken Niederschlage kommen soll; man erklärt dies auf die Weise, dass bei der Zersetzung des Wassers durch den galvanischen Strom der Wasserstoff dann das Eisen gegen Ablagerung schütze.

Nun, m. H., aus dem bisher gesagten möchte es scheinen, als

ob in dem galvanischen Strom ein Universalmittel gegen jede Corrosion gefunden sei; aber das alte Sprüchwort: »Eines passt sich nicht für alle«, ist auch hier am Platze. Die Hauptaufgabe liegt darin, eine Corrosion auf ihre Ursache zurückzuführen und danach den richtigen Weg zu ihrer Bekämpfung einzuschlagen. Ich habe Ihnen als Veranlassung zu Corrosionen aufgeführt: einmal die Fettsäure, und zwar für sich allein als Ursache für die mit dem allgemeinen Namen Rost bezeichnete Corrosion, und dann als Stütze für die thermo

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Pommerscher Bezirksverein: Corrosionen an Schiffsdampfkesseln. 353

Umlauf des Kesselwassers verhindert ein örtliches Ansammeln von schädlichen Verunreinigungen. Es ist Thatsache, dass beispielsweise Kessel, bei denen dieser Grundsatz befolgt ist, am wenigsten unter Corrosionen leiden; freilich tritt diesem Gedanken eine andere, in ihrer Art gewiss auch höchst berechtigte Erwägung entgegen, nämlich der Kostenpunkt für den Erbauer; aber ganz abgesehen hiervon ist es erstaunlich, wie wenig noch heute solche Grundsätze von manchen Constructeuren gewürdigt oder gekannt werden. Den zweiten Weg zur Bekämpfung der Corrosionen deutet das Wort Reinlichkeit an. Wenn Fettsäure die Ursache oder der Träger der Corrosion ist und man sie nicht ganz neutralisiren kann, so kann man doch vieles thun, um ein Ueberhandnehmen derselben zu vermeiden. Es ist sehr schwierig, manchmal geradezu unmöglich, vom Heimatshafen aus die Instandhaltungsarbeiten in fremden Häfen zu überwachen, und mit Vorliebe werden unter allerhand Gründen und Vorwänden die Kesselreinigungsarbeiten gerade für fremde Häfen aufgespart, wo sie eben nicht zu überwachen sind. Auch seitens der Rhedereien wird gar häufig das hier Erforderliche zu wenig gewürdigt; jeder Tag am Lande wird als Verlust angesehen, in den Häfen wird die Arbeit gejagt, so dass sie oft gar nicht mit der nötigen Gründlichkeit ausgeführt werden kann. Das Kesselreinmachen gehört zu den unangenehmsten Arbeiten an Bord, und wie oft ist solch ein Kessel so gebaut, dass das Reinmachen nur unter den grössten körperlichen Anstrengungen und Verrenkungen möglich ist. Möchte doch jeder Constructeur eines solchen Kessels auch dazu verdammt sein, ihn stets reinigen zu müssen! Der dritte Weg ist nun endlich die Anwendung von chemischen oder physikalischen Mitteln, d. h., dem Kesselwasser durch Zusätze seine Säure zu nehmen, oder beim Auftreten von thermoelektrischen Strömen künstliche galvanische Ströme anzuwenden. Der Betrieb eines jeden Kessels unterliegt anderen Bedingungen, anderen Verhältnissen, und in jedem einzelnen Falle muss man sich entscheiden, welche Mittel man anwenden kann und darf. Die Verwendungsweise der mechanischen Einhängung des Zinkes ist aus der Kriegsmarine auch vielfach in unsere Kauffahrteiflotte übergegangen, wird aber hier durch Unkenntnis der beabsichtigten Wirkungsweise dermassen vereinfacht, dass von irgend einer galvanischen Wirkung, welche doch der Benutzung des Zinkes zu Grunde liegt, gar keine Rede mehr sein kann. Das Zink wirkt thatsächlich hier nur chemisch, indem es durch Oxydation einen Teil des vorhandenen Sauerstoffes absorbirt, was sich natürlich durch andere Chemikalien viel leichter erreichen liesse.«

An diesen Vortrag knüpft sich eine lebhafte Verhandlung, an der sich namentlich die Herren Betke, Hoffert, Uhlmann, Engelbrecht und andere beteiligen.

Am 19. v. M. hat der Verein, einer Einladung des Hrn. Commerzienrat Dr. Delbrück folgend, einen Ausflug nach der Züllchower Cementfabrik zur Besichtigung der daselbst aufgestellten 50pferdigen Gaskraftmaschine unternommen, an der sich etwa 18 Mitglieder beteiligten. Für die liebenswürdige Aufnahme daselbst spricht der Vorsitzende dem Hrn. Dr. Delbrück den Dank des Vereines aus.

Der Antrag des engeren Vorstandes: »Den Vereinsbeitrag von 15 Mark in der zweiten Hälfte des November des vorhergehenden Jahres zu zahlen,« wird ohne Widerspruch angenommen.

Die Commission zur Beratung der Anträge des Frankfurter Bezirksvereines erstattet nachstehenden Bericht: Zur Beratung der Anträge des Frankfurter Bezirksvereines zur Förderung des deutschen Technikerstandes fanden sich heute die Herren: Kohlstock, Markwart und Woytt zusammen. Nach reiflicher Beratung der vom Frankfurter Bezirksvereine gestellten 6 Anträge fasst die Commission ihre Ansichten über dieselben in folgendem zusammen: Ad 1. Der verlangten periodischen Herausgabe einer vollständigen Uebersicht der höheren technischen Stellen im Reichsdienst wie der technischen Aemter in den Einzelstaaten und der für ihre Besetzung massgebenden Bedingungen sowie der Veröffentlichung einer stetigen Uebersicht der eintretenden Vacanzen vermag die Commission nicht zuzustimmen, da das verlangte ein mit nicht geringen Schwierigkeiten verbundenes vollständiges litterarisches Unternehmen darstellt, zu welchem dem Vereine sowohl die Kräfte als die Mittel fehlen. Den

deutscher Ingenieure

jüngeren Technikern muss es nach Ansicht der Commission überlassen bleiben, sich die Kenntnis der vorhandenen Stellen, die Bedingungen zur Erlangung derselben aus vorhandenen Uebersichten in Fachkalendern usw. oder durch directe Nachfragen bei den Behörden zu verschaffen. Ad 2. Den an und für sich als zweckmässig erscheinenden Antrag ad 2 kann die Commission um deswillen nicht befürworten, weil die Gewinnung vieler auswärtiger Correspondenten in den wichtigsten Handels- und Industrieplätzen der verschiedenen Weltteile dem Vereine Kosten auferlegen würde, welche für denselben zu hoch erscheinen müssen. Ad 3 und 4. Die Commission empfiehlt die positiven Vorschläge in den Anträgen 3 und 4 dem Hauptvereine zur Berücksichtigung durch eine Eingabe an das Reichskanzleramt.

Ad 5 und 6. Die Anträge 5 und 6 sind der Commission in ihrer jetzigen allgemeinen Fassung nicht verständlich; es ist in denselben von Vereinen ehemaliger Studirender die Rede, mit welchen der Hauptverein in Verbindung treten soll; ob bezw. wo solche Vereine bestehen, ist nicht ersichtlich. Den Mitgliedern solcher Vereine Raum für ihre Publicationen

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Patent bericht.

Kl. 5. No. 3O54O. Brunnenbohrapparat. Tecklenburg, Darmstadt. Das verröhrte Bohrloch wird durch drehendes oder stossendes Bohren mit Wasserspülung hergestellt. Das belastete Bohrrohr besitzt über der Krückelführerbühne eine Stopfbüchse mit einer Schale, durch welche das oben abgedrehte hohle Bohrgestänge hindurchgeht. Auf das obere Ende des letzteren ist ein Gummischlauch befestigt, welcher in die Schale herabhängt. Das Spülwasser wird vermittels einer Druckpumpe in das Bohrrohr eingeführt, fällt zwischen diesem und dem Bohrgestänge bis zur Bohrlochssohle, steigt dann mit dem Bohrschmand durch den Meissel und das Bohrgestänge in die Höhe und fliesst durch den Gummischlauch in die Schale, wo der Schmand sich absetzt und vom Krückelführer beobachtet werden kann. Das trübe Wasser wird vermittels eines Gummischlauches aus der Schale

fortgeführt. Kl. 2O. No. 3O569. Bewegliche Achsbüchsen für Eisenbahnfahrzeuge. F. Grondona & Co., Mailand.

In dem Achshalter f ist der Rahmen g senkrecht geführt, welcher mit der Feder verbunden ist und von der ungeführten Achsbüchse i mittels deren Traverse h und der Hängelaschen a oder der Hängebolzen b getragen wird. Bei zweiachsigen Wagen werden Hängelaschen a angewendet, welche nur eine F –T-; auf die Radachse nahezu - - - senkrechte, horizontale Bewegung von i gegen „f und g zulassen. Bei dreiachsigen Wagen geben die Erfinder der Mittelachse eine feste Führung und wenden für alle Achsbüchsen die Endachsen-Hängebolzen b an, weil dieselben ausser der Bewegung von i nach vorn und hinten des Wagens zugleich eine seitliche Verschiebung, also eine vollständige Einstellung der Räder und Achsen in die durchfahrenen Curven, zulassen. Die Beweglichkeit der Achsbüchsen kommt nicht nur in Curven zur Geltung, sondern auch bei kleinen Hindernissen, wie Schienenstössen und mangelhafter Ausrichtung des Geleises. Sobald das Hindernis passirt ist, bewirkt das Gewicht des Wagens, dass die Achsbüchse wieder in ihre normale Mittellage zurückkehrt.

Kl. 42. No. 30544. Neuerung an der unter No. 20509 patentirten (Gutmann'schen) Wage (Z. 1884, S. 8). H. Mohr, Mannheim. Der die Last aufnehmende Hebel ist rechtwinklig zur Geleisrichtung und der Gewichtshebel rechtwinklig zum Lasthebel angeordnet, so dass die Hebelstellungen dieser und der abgeänderten Ehrhardt'schen Wage (D. R.-P. No. 29716, Z. 1885, S. 137) übereinstimmen. Zur Bewegung der zum Abheben des Rades dienenden Schraube ist eine für links und rechts verwendbare Rätsche benutzt; ausserdem sind

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Zungen zum Einspielen und eine zweite Tellerfussschraube behufs Erhöhung der Standfestigkeit hinzugefügt.

Kl. 35. No.30615. Verschluss für Fahrstuhlöffnungen. M. Martin, Bitterfeld. Bei abwesendem Fahrstuhle sind die Thüren, bei anwesendem Fahrstuhl und geöffneten Thüren ist der Fahrstuhl gesperrt. In einer Büchse g am Fahrschachte, Fig, 1, ist ein mit Längs- und Quernut versehener Kolben h verschiebbar, welcher in das zum Einrückhebel der Antriebsvorrichtung oder der Bremse führende Seil eingeschaltet ist. Wird die Thür M/ geöffnet, so dreht sich der volle Teil des Bogenstückes a in die Quernut von g und h, und h ist in g gesperrt. Wird die Thür nur unvollkommen geschlossen, und zieht man dann am Steuerseil in einer oder der anderen Richtung, so wirkt die Längsnut von h auf die oberen oder unteren schrägen Flächen des Zahnes k an a, wodurch die Thür ganz geschlossen wird, so dass nun, sobald die schrägen Flächen der Knagge l des .“ Fahrstuhles den federnden Riegel s frei geben, dieser entweder unmittelbar in einen mit der Thür fest verbundenen Teil eingreift, Fig. 2 (für Flügelthüren, welche durch eine wagerechte Welle und zwei Kegelradgetriebe verbunden sind), oder einem zweiten Riegel r einzugreifen gestattet, Fig. 3 (für einflüglige Thüren).

Kl. 46. No. 30568. Rückschlagventil für die Gaszuleitung von Gasmotoren. J. Peitzer, Charlottenburg. Damit der Verpuffungsschlag der Gasmaschine sich nicht durch den Gasbeutel hindurch in die Gasleitung fortpflanze und ein Zucken der angeschlossenen Gasflammen verursache, ist ein nach

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Band XXIX. No. 18. 2. Mai 1885.

Patent bericht. Z55

sitzigen entlasteten Ventiles sind zwei in einander liegende Ventile c d von wesentlich verschiedenen Querschnitten angewandt, von denen das kleinere d bei geringem Gas- (Dampf-, Luft-) Verbrauch in b allein gegen den Ueberdruck in a geöffnet wird, während bei stärkerem Verbrauche die Schraube s der Ventilspindel auch das Ventil c öffnet. Um das bei plötzlichem Nachströmen gespannter Gase zu befürchtende stossweise Schliessen und Zittern der Ventile zu vermeiden, ist aus zwei starren Platten on und einer biegsamen, gewellten Metallhaut m ein Luftsack gebildet, dessen enge Oeffnung r die Fortpflanzung des Druckes von b auf n nur langsam gestattet, so dass die Führungsglocke g des Ven

# tils d die Platte h nur allmählich niederdrücken kann und die Ventile sanft geschlossen werden. Um die Metallhaut m bei ganz geöffneten Ventilen vom Drucke der bei i regelbaren Feder f zu entlasten, hat h Anschläge h!, welche sich gegen den Kopf k” der Spindel k legen.

Kl. 47. No. 3O594. (Zusatz zu No. 27389, Z. 1884, S. 591). Kupplung für Draht- und Hanfseile. A. Engelmann, Hannover. Die Muffe a, Fig. 1, für das innere Drahtseil erhält Kegelform, und statt mittels eines rotwarm angepressten Gewindes wird das Drahtseil mittels eines Keiles k in a befestigt, indem man die einzelnen Drähte auf die äussere Kegelfläche von k legt und in der Höhlung x verlötet. Die Teile b d d! h i sind dieselben wie im Hauptpatent, nur soll bei grossen Seilscheiben statt der dortigen gelenkigen Oesenverbindung c c eine starre Verbindung durch den Bolzen Nf

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umgekehrt).

Rohre behufs Legung von Curven einen stumpfen Winkel bilden.

K1. 47. No. 3O631. Neuerungen an Schmierbüchsen. J. Spruch, Hameln a. W. Ein langes Schraubengewinde verbindet die Vase v mit dem Deckel d und dient im Vereine mit dem federnden Halter h und der Auskerbung d* des Deckelrandes zur Regelung und Sicherung der Federspannung. Der Stand des Kolbensk ist durch ein mit dem Deckel fest verbundenes Glasrohr g ersichtlich, welches besser als eine aufgestülpte Glasglocke den Inhalt vor Staub schützt und weniger dem Zerbrechen ausgesetzt ist. An der Kolbenstange ist eine Scala und am Glasrohr eine Marke angebracht (oder auch Hat man z. B. erprobt, dass bei einer bestimmten Fettsorte die Schmierung am zweckmässigsten erfolgt, so lange die Marke zwischen den Punkten 3 und 5 der Scala steht, so kann man durch Nachschrauben die Marke wieder auf 3 stellen, sobald der Kolben bis 5 gesunken ist, um die Vorrichtung stets vorteilhaft wirken zu lassen.

K1. 49. No. 3OO99. Werkzeuge zur Metall- und Holzbearbeitung. F. Podany, Wien. An ihren Längskanten gezahnte und mit Schlitzen c versehene, dünne Stahlblätter a, Fig. 1, werden zur HD Bildung schleifbarer Raspeln oder Feilen in einen Rahmen b, Fig. 2, eingesetzt und gegen einander versetzt mittels der durch die Schlitze c hindurchgeführten Schrauben zusammengepresst. Die Versetzung der Blätter geschieht durch h. Anlegen gegen die krumm aus

geschnittene, die Schleifstellung durch Anlegen gegen die gerade Stirnwand des Rah- # mens. Zur Bildung von Handeisen, Schneidstählen usw. of werden ungezahnte Blätter f”, Fig. 3, in der durch Fig. 4 und 5 angegebenen Anordnung an einander gelegt und durch Schrauben d zusammengehalten, je nachdem man Werkzeuge mit gerader oder profilirter Schneidkante erhalten will.

Kl. 58. No. 3O892. E’üllschieber mit Verstellbaren Oeffnungen für Pressen zum Verdichten VT

pulverförmiger Körper. H. Gruson,
Buckau-Magdeburg. Um bei der Her-
stellung gepressten (prismatischen) Pulvers
die einzelnen Pulvermengen, welche durch
eine Reihe von Oeffnungen d des Schiebers
D aus dem Fülltrichter F in die Matrizen
des Tisches A befördert werden, genau regeln
zu können, sind die Hülsen d entweder ge-
schlitzt, Fig. 2, und werden durch eine
Schraube e erweitert bezw. verengt, welcher
Aenderung die innere federnde Blechhülse
folgt, oder die Hülse d ist geschlossen, Fig. 3,
und e wirkt als Druckschraube nur auf Er-
weiterung bezw. Verengung der federnden*..
geschlitzten inneren Hülse. (o,

K1. 64. No. 3O653. E'eststellvorrichtung für selbstschliessende Ventilhähne. J. Heuchemer, Cannstatt. Das Ventil wird durch einen Druck auf den Hebel f geöffnet - MÄ und kann mittels des in die SÄSXS Nut i der Ventilstange c einfallenden Stiftes g in der geöffneten Lage festgestellt werden.

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Litteratur.

Sir William Siemens. Ueber die Erhaltung der Sonnenenergie. Eine Sammlung von Schriften und Discussionen. Aus dem Englischen übersetzt von C. E. Worms. Mit 6 in den Text gedruckten Holzschnitten und einer lithographirten Tafel. Berlin, 1885. J. Springer. IX und 156 Seiten. 4 %. -Wie der Verfasser in der seinem Buche vorangeschickten Widmung an Spottiswoude sagt, so verdankt es seine Entstehung einer Reihe von Schriften, welche den Zweck verfolgten, die von ihm im Februar 1882 der Royal Society mitgeteilte Hypothese über die Sonnenenergie zu bekämpfen. Es beginnt demnach mit einer ausführlichen Darlegung dieser Hypothese, welche bekanntlich darin besteht, dass infolge der am Sonnenäquator durch die Rotation verminderten Schwere fortwährend ein scheibenförmiger, der Hauptsache nach aus Wasserdampf und Kohlendioxyd bestehender Gasstrom aufsteigt, dessen Bestandteile in gewisser Entfernung von ihrem Ursprunge durch die Sonnenstrahlen stets wieder dissociirt werden. Gleichzeitig strömen an den Polen dissociirte Gase fortwährend wieder ein, welche dann, während sie die Sonnenoberfläche passiren, ihre aus den Sonnenstrahlen erhaltene Verbindungswärme wieder ausgebend verbrennen. Diesen Gasstrom sieht Siemens in der gewaltigen Ausbreitung der Corona, wie sie bei den neuesten totalen Sonnenfinsternissen in Amerika beobachtet worden ist und eine beigegebene lithographirte Abbildung trefflich vorführt. Zu stützen versucht er aber seine Hypothese durch wichtige Versuche über die Dissociation des Wasserdampfes, welche im zweiten Abschnitte mitgeteilt werden. Die seiner Hypothese von den Amerikanern Morris und Sterry Hunt, den Engländern Archibald und Fitzgerald und den Franzosen Faye und Hirn gemachten Einwände sind nun mannichfacher Art. Sehen wir von dem öfters wiederholten Vorwurf eines durch sie hergestellten Perpetuum mobile ab, da Siemens seine Hypothese ausdrücklich nur auf die nicht als Licht in den Weltenraum oder auf die Planeten fallende Energie erstreckt, so dreht sich die Discussion hauptsächlich um die Annahme eines mit Aether oder mit Gas- und Staubteilchen erfüllten Raumes, mit dem die Hypothese steht und fällt. Gegen diese Annahme richtet Faye hauptsächlich seine Angriffe und zwingt Siemens, eine ausserordentliche Verdünnung dieser Gase (bis zu 0,000001 unserer Atmosphäre) zuzugeben, wobei dieser jedoch berechnet, dass eine so dünne Gasmasse doch noch, an den Sonnenpolen einströmend, den vorausgesetzten Erfolg haben könne. Die Controverse mit Hirn dreht sich hauptsächlich um die Höhe der Sonnentemperatur und die damit zusammenhängende Frage, ob die Dissociation dieser Gase ausserhalb oder nicht vielmehr im Herzen der Sonne, in welches sie erkaltet hineinsinken, stattfinden muss. Das führt auf eine ausführliche Erörterung über das Wesen der Sonnenflecken und ebenso wird die Natur des Zodiakallichtes und der Kometen aus der Hypothese zu erklären versucht. Drei Anhänge, deren Mitteilung den grössten Dank verdient, über die Beobachtungen des Sonnenlichtes, welche Abney in grossen Höhen anstellte, über Dissociation von verdünnten Gasverbindungen von Liveing und über das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Ausstrahlung und Temperatur schliessen das sehr lesenswerte Buch ab. Gerade weil es den Streit nicht zum Austrage bringt, ist die Veröffentlichung oder besser Zusammenstellung seines Inhaltes ebenso wie die Uebersetzung ins Deutsche von grösster Bedeutung. Dass die Herausgabe durch Siemens selbst geschah, ist ein schöner Beweis für die Wahrheitsliebe und Objectivität des zu früh verstorbenen Forschers. Die Uebersetzung ist bis auf wenige Einzelheiten gelungen, die Ausstattung, wie wir es bei dem Springer'schen Verlage nicht anders gewohnt sind, rühmenswert.

Die Darstellung des schmiedbaren Eisens in praktischer und theoretischer Beziehung. Von Dr. Hermann Wedding, Kgl. Preuss. Geh. Bergrat. Erster Ergänzungsband: Der basische Bessemer- oder Thomas-Process. Braunschweig, Druck und Verlag von Friedrich Vieweg & Sohn. 1884.

Das Eisen, das für den Menschen wertvollste und wichtigste Metall, spielt im friedlichen wie im feindlichen Kampfe um das Dasein, sowohl des Einzelnen wie der Völker, eine so hervorragende Stelle, dass sich hieraus das gewaltige Bestreben nach Fortschritten in Gewinnung und Darstellung desselben erklärt. Die Kenntnis hierüber ist nicht nur für die Fachleute, sondern auch für weitere Kreise und insbesondere für die Gesammttechnik von höchstem Interesse, und die auf diesem Gebiete wichtigste Erscheinung der Neuzeit, die Entphosphorung des Eisens, hat die Entwicklung der deutschen Eisenindustrie in ganz besonderer Weise beeinflusst. In dem vorliegenden Werke vereinigt der Verfasser in übersichtlicher und erschöpfender Form eine Beschreibung der wesentlichsten Vorkommnisse auf theoretischem und praktischem Gebiete mit einer kritischen Behandlung zu einem abgeschlossenen Bande, welcher eine geeignete Ergänzung zu seinem vor etwa 7 Jahren erschienenen bekannten Werke: »Die Darstellung des schmiedbaren Eisen s« bildet. In zehn Abschnitten werden mit Hinzufügung zahlreicher Holzschnitte und dreier lithographirter Tafeln zunächst die vor der Einführung des Thomas'schen EntphosphorungsProcesses vorhandenen Zustände geschildert und hierauf die auf letzteren bezüglichen Patente und deren praktische Erfolge beschrieben, während ein Anhang über den Stand der ebenfalls in letzterer Zeit angestrebten Entschwefelung des Eisens willkommene Aufklärung giebt. Der Phosphor ist unter allen fremden Körpern, welche das schmiedbare Eisen enthält, der schlimmste Feind für die gute Beschaffenheit desselben, namentlich aber des Flusseisens und Stahles, und da derselbe in Form phosphorsaurer Salze in vielen Erzen vorkommt, so sind die Bestrebungen seiner Ausscheidung auf alle Stufen der Darstellung ausgedehnt worden, hatten indessen trotz ihrer Mannigfaltigkeit so geringe praktische und gewinnbringende Erfolge, dass sie nur den Beweis der Aussichtslosigkeit lieferten, bis der Engländer Thomas den theoretisch bereits früher vorgezeichneten Weg der Reinigung des Roheisens von Phosphor in der basisch ausgefütterten Bessemer-Birne in praktischer Weise beschritt. Von diesem Augenblicke bis zu der heute erzielten grossartigen Entwickelung des Verfahrens sind in allen dabei beteiligten Ländern zahlreiche Versuche vorgeschlagen und zum grössten Teil auch durchgeführt worden, an denen sich die deutsche Technik in hervorragender und erfolgreicher Weise beteiligt hat. Die Sichtung eines so reichen Stoffes, wie hier Theorie und Praxis in verhältnismässig kurzer Zeit geliefert haben, konnte nur bei steter aufmerksamer Verfolgung der Vorgänge

gelingen; der Verfasser hat die Aufgabe vollkommen gelöst,

und werden die übersichtliche Zusammenstellung sowie die berechtigte unparteiische Beurteilung für Wissenschaft und Praxis wertvolle Hilfsmittel bei den ferneren Arbeiten bieten, welche zur Vervollkommnung einer der wichtigsten Erfindungen unseres Jahrhunderts noch erforderlich sein werden. R. M. D.

Vermischtes.

Stapelläufe und Probefahrten.

Am 17. d. M. fand auf der Werft der Flensburger Schiffsbau-Gesellschaft der Stapellauf des für die Flensburg-Ekensunder Dampfschifffahrt-Gesellschaft erbauten Salondampfers, Stapel No.78, statt, welcher in der Taufe den Namen Ernst Günther erhielt.

Die Ä des Schiffes beträgt 116 Fuss (35,4m) bei einer Breite von 21,2 Fuss (6,55o) und entsprechender Tiefe. Der Dampfer ist, ausschliesslich für die Passagierfahrt auf hiesiger Föhrde in Aussicht genommen und demgemäss schmuck und bequem ausgestattet; er gewährt Aufnahme für etwa 500 Fahrgäste und wird bei der grossen Schnelligkeit, welche die Maschine demselben zu verleihen imstande sein wird, angenehme Fahrt bieten.

Eine Ausstellung von Kraft- und Arbeitsmaschinen für das Kleingewerbe in Nürnberg ist für die Zeit vom 15. Juli bis 30. September d. J. geplant; dieselbe soll in drei Gruppen umfassen: 1. Kraftmaschinen für das Kleingewerbe, 2. Werkzeuge und Arbeitsmaschinen für das Kleingewerbe, 3. Erzeugnisse des Kleingewerbes. – In derselben Zeit findet in Nürnberg eine internationale Ausstellung von Edelmetallarbeiten statt.

Selbstverlag des Vereines. – Commissionsverlag und Expedition: Julius Springer in Berlin N. – A. W. Schade's Buchdruckerei (L. Schade) in Berlin S.

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