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besonders wertvoll ist, daß, nicht nur die theoretisch wichtigen Erscheinungen, sondern auch viele abseits liegende Fragen behandelt werden, die sich der Theorie nicht so recht anpassen, aber praktisch wichtig sind. So ist z. B. ein ganzes Kapitel dem Durchgang der Elektrizität durch Nichtleiter gewidmet und behandelt unter anderm Isolatordurchschläge, Kathodenstrahlen, Funken und Lichtbogen nebst ihren vielen technischen Anwendungen. Man merkt überall, daß der Verfasser selbst reiche praktische Erfahrungen hat und so das Wichtige vor dem Unwichtigen hervorzuheben versteht. Nur daß er hierbei alle eigenen Erfindungen zu dem Wichtigen zählt, ist manchmal etwas anfechtbar. Aber für solche Leser, die wie der Verfasser gegen alles Fremde allzu ungläubig sind, ist eine Stärkung des Glaubens an den Autor vielleicht ganz gut. Und im übrigen können diese kleinen Eigenheiten den hohen Wert des Buches nicht beeinträchtigen. [319] Dresden.

Barkhausen.

Wege zur Relativitätstheorie. Von R. Lämmel. Stuttgart 1921, Franckhsche Verlagshandlung. 76 S. mit 25 Abb. Preis geb. 5,20 M.

In den einzelnen Kapiteln werden Wege beschritten, die an den Kernpunkt der Relativitätstheorie heranführen, ohne aber die Lösung selbst zu bringen. Das ist ohne tiefere mathematische und physikalische Vorkenntnisse auch nicht möglich, so daß das Büchlein seinen bescheidenen Zwecken recht wohl gerecht wird.

Die technisch wichtigen Mineralstoffe. Von K. Mieleitner. München und Berlin 1919, R. Oldenbourg. 195 S. mit 9 Abb. Preis geh. 15,50 M + Teuerungszuschläge.

Da in den Lehrbüchern der Mineralogie die Lehre von den Lagerstätten der Mineralien durchweg nicht genügend gewürdigt wird, will das vorliegende Buch zur Ergänzung über die Art des Vorkommens der technisch wichtigen Mineralien, über ibre Bildung und Verbreitang kurze, aber erschöpfende Auskunft geben. Statistische Angaben sind absichtlich nicht aufgenommen worden. Auch Hinweise auf die Art der Verwendung der behandelten Mineralien in der Technik sind nur vereinzelt vorhanden. Gr.

Abhandlungen und Vorträge aus dem Gebiete der Mathematik, Naturwissenschaft und Technik. Heft 5: Raum, Zeit und Relativitätstheorie. Von Prof. L. Schlesinger. Leipzig 1920, B. G. Teubner. 40 S. mit 7 Abb. Preis geh. 2,80 M.

deutscher Ingenieure.

Der Kreisel. Seine Theorie und seine Anwendungen. Von Dr. R. Grammel. Braunschweig 1920, Fr. Vieweg & Sohn. 350 S. mit 131 Abb. Preis 32 M + Teuerungszuschlag.

Der große Reiz des Gegenstandes liegt beim Kreisel ohne Zwelfel in der Verbindung von Praxis und Theorie; diese dem Ingenieur näher zu bringen. ist der Leitgedanke des Buches. Der theoretische erste Teil enthält die kinematischen und dynamischen Grundlagen und behandelt den kräftefreien Kreisel, den Kreisel unter Zwang und den schweren Kreisel. Der zweite Teil bringt Anwendungen wie Kollermühlen, Fahrzeuge, Flugzeuge, Kompaßkreisel, Richtkreisel und andere mehr, in drei wohl unterteilten Abschnitten.

Die Naturwissenschaften in ihrer Entwicklung und in ihrem Zusammenhange. Von F. Dannemann. 2. Aufl. 1. Bd. Von den Anfängen bis zum Wiederaufleben der Wissenschaften. Leipzig 1920, W. Engelmann. 486 S. mit 65 Abb.

Die erste Auflage dieses hervorragenden Warkes ist in Z. 1911 S. 518 und 1914 S. 553 eingehend besprochen worden. Die zweite wurde erweitert und mit Unterstützung einer Reihe hervorragender Forscher wesentlich verbessert. Ohne Zweifel sind die Naturwissenschaften. heute mehr denn je im Fluß; ein Werk, das ihren Werdegang in vorbildlicher Weise schildert, ist der Beachtung jedes Gebildeten anzuempfehlen.

Die Relativitätstheorie Einsteins und ihre physikalischen Grundlagen. Von M. Born. Berlin 1920, Julius Springer. 242 S. mit 130 Abb. Preis geh. 34 M, geb. 42 M.

Relativitätstheorie und Erkenntnis A priori. Von H. Reichenbach. Berlin 1920, Julius Springer. 110 S. Preis 14 M. Sammlung Vieweg Heft 51: Zur Elementaranalyse der Relativitätstheorie. Von Prof. Dr. C. Isenkrahe. Braunschweig 1921, Friedr. Vieweg & Sohn. 133 S. Preis geh. 6 M und Teuerungszuschlag.

Eine Besprechung der eingesandten Bücher wird vorbehalten. Die Bücher werden kurze Zeit in unserm Lesesaal an besonderer Stelle zur Einsichtnahme ausgelegt, können aber nicht verliehen werden.

Berichtigung.

Der in Z. 1920 S. 1120 für Müller: Ueber zeichnerische Auswertung wirtschafts- statistischen Nachrichtenstoffes angegebene Preis von 8 M ist inzwischen auf 24 M erhöht.

Zuschriften an die Redaktion.

Die Relativitätstheorie von Einstein.

Zu den beiden in Z. 1920 S. 593 u. f. sowie S. 687 u. f. veröffentlichten Aufsätzen von B. Rülf und R. v. Mises sind uns eine Anzahl Einsendungen zugegangen, die in der üblichen Weise mit den Entgegnungen der Verfasser zu veröffentlichen wir angesichts des knappen Raumes unserer Zeitschrift nicht imstande sind, zumal eine völlige Klärung der noch im Fluß befindlichen und heiß umstrittenen einschlägigen Fragen nicht zu erwarten ist. Statt dessen haben wir uns bemüht, eine kurze objektive Darstellung des augenblicklichen Standes der Relativitätsfrage unter Berücksichtigung der uns zugegangenen Einwände von einer maßgebenden Stelle za erhalten. Unsere Anfragen bei mehreren hervorragenden Physikern haben nicht zu dem erwünschten Erfolg geführt. Das nachstehend abgedruckte Antwortschreiben eines dieser Herren, Prof. Gustav Mie in Halle, kennzeichnet immerhin die Sachlage so zutreffend, daß wir es unsern Lesern nicht vorenthalten wollen:

An die Schriftleitung

der Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure.

Vor einiger Zeit habe ich von Ihnen einige Aufsätze und Schriftsätze zugeschickt bekommen, die sich mit der Einsteinschen Gravitationstheorie befaßten; zugleich fragten Sie mich, ob ich in der Lage wäre, für Ihre Zeitschrift einen Bericht über den Stand der Relativitätstheorie zu schreiben, der im Umfange von etwa vier Seiten Klarheit bringen sollte. Ich habe nun alle Schriftstücke durchgelesen, und ich kann nur sagen, daß ich daraus wieder erneut gesehen habe, daß diese äußerst schwierigen Dinge nur für jemand zugänglich sein können, der sich ganz intensiv in sie vertieft. Ein Aufsatz von vier Seiten kann gar kein sachliches Interesse haben, Ihre Leser würden daraus höchstens ersehen können (und selbst das wahrscheinlich nur mangelhaft), auf welcher Partei« ich stehe, und ich halte das eigentlich für ziemlich belanglos. Anderseits ist Ihnen aber darin unbedingt zuzustimmen, daß die ganze Frage zur Zeit gar kein praktisches Interesse hat. Es kann ja sein, daß sich in viel späteren Zeiten einmal Konsequenzen ergeben, die auch praktisch

wichtig werden wer will das wissen? Beispiele gibt es ja in der Geschichte der Technik genug für solche Fälle. Indessen vorläufig wissen wir das nicht, und man kann wohl annehmen, daß dann, wenn die Fragen einmal praktisch aktuell werden sollten, auch ganz von selber das Verständnis für sie weiter verbreitet werden wird, weil dann eben das Interesse dafür ein ganz andres ist als jetzt. Aber das geht uns gar nichts an. Ich würde Ihnen raten, in Ihrer Zeitschrift keinen Raum mehr dafür zu verschwenden, jedenfalls bitte ich Sie, von meiner Mitwirkung in diesem Falle absehen zu wollen, so sehr ich sonst daran interessiert bin, die Beziehungen zwischen Technik und Physik zu pflegen. Wer weiteres erfahren will, hat Gelegenheit, in guten Broschüren nachzulesen. Die Literatur über Relativitätstheorie und Gravitationstheorie ist schon ziemlich angeschwollen, aber ich brauche Ihnen die wichtigeren älteren Arbeiten wohl nicht aufzuzählen, weil sie ja ziemlich verbreitet sind. Neuerdings ist eine Broschüre von Professor Kirchberger in Charlottenburg erschienen, die ich rühmend hervorheben möchte, weil sie mit großer Klarheit die wesentlichen Gedanken der Theorie ganz im Sinne Einsteins auseinandersetzt. Der Titel der Arbeit ist: »Was kann man ohne Mathematik von der Relativitätstheorie verstehen?« Während Kirchberger, wie erwähnt, sich ganz uneingeschränkt auf den Standpunkt Einsteins stellt, vertrete ich selber in einer Arbeit: »Die Einsteinsche Gravitationstheorie«, die im Frübjahr in der » Deutschen Rundschau« veröffentlicht werden soll, meine ziemlich weit von Einstein abweichende Auffassung. Auch meine Arbeit ist ohne Gebrauch mathematischer Symbole und Rechnungen, also, wie man dann zu sagen pflegt, allgemein verständlich geschrieben. Wer sich aber wirklich wissenschaftlich mit der Theorie befassen will, der sei darauf hingewiesen, daß demnächst der zweite Band von dem ausgezeichneten Werk Hrn. von Laues: »Die Relativitätstheorie‹, erscheinen soll, in welchem die neueren Gravitationstheorien und vor allem die Einsteinsche Gravitationstheorie eine alles bisher bekannte umfassende Darstellung erfahren soll.

Mit dem Ausdruck größter Hochachtung

Gustav Mie.

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BD. 65

Aus dem Inhalt: Gedanken zur Geschichte des Maschinenbaues Kraftverteilung in Balken und Bögen/ Abbau der Gold- und Platinfelder von Kolumbien Die Straßennetze in englischen Großstädten Schmieren mit Ölemulsionen Eisenbetonschiffe Deutsche Konjunkturtafeln. (Vollständiges Inhaltsverzeichnis am Anfang des Textteiles.)

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An Beispielen wird gezeigt, daß die Konstruktionen des Ingenieurs nur innerhalb gewisser Grenzen entwicklungsfähig sind, nach deren Ueberschreiten der gesteigerte Bedarf auf neuen Wegen zu befriedigen ist. Dies gilt auch für die Maschinenelemente, wie aus der Betrachtung der Seil-, Riemen- und Zahnradantriebe, sowie der Nietverbindungen hervorgeht. Letztere scheinen der bezeichneten Entwicklungsgrenze nahegekommen und besonders sorgfältiger Erwägung bedürftig zu sein. Zum Schluß werden die Fachgenossen anyeregt, ihre Sondergebiete in ähnlicher Richtung zu durchforschen und so für die Ausbildung des Nachwuchses durch Aufzeigen der durchlaufenen Entwicklungswege eine neue, besonders wertvolle Quelle der Belehrung zu erschließen.

Es klingt vielleicht paradox, ist aber deshalb nicht weniger wahr, daß die Maschinen älter sind als der Maschinenbau wenn wir das Wort im heute üblichen Sinn gebrauchen. Es bedurfte eben einer langen Vorbereitungszeit, in der die verschiedensten Maschinen, von einzelnen Meistern als Einzelwerke ersonnen, unter großen Schwierigkeiten mit den bestehenden, für den neuen Zweck wahrscheinlich oft ganz ungenügenden Hilfsmitteln erbaut, gewissermaßen zusammengebastelt und dann in unermüdlicher Ausdauer von all den Kinderkrankheiten befreit werden mußten, die dem ganz Neuen stets anhaften werden. Diese Meister stützten sich auf die Jahrtausende alten Handwerkserfahrungen, die auch für unsere neuesten Errungenschaften und Werkstatterfahrungen viel öfter die eigentliche Grundlage und Stütze sind, als uns klar zum Bewußtsein kommt. Erst nachdem der Bedarf an Maschinen aller Art so groß und allgemein geworden war, daß einzelne Werkstätten sich ständig der Herstellung von Maschinen widmen konnten, setzte der Maschinenbau im heutigen Sinne des Wortes ein. Dieser Zeitpunkt mag für unsere Verhältnisse etwa reichlich ein Jahrhundert zurückliegen. Wie die Entwicklung erfolgte, steht uns allen klar vor Augen, ebenso wie der enge Zusammenhang mit der Hebung der Verkehrsmöglichkeiten durch die Eisenbahnen. Einem zögernden Anwachsen, das verknüpft war mit all den Kämpfen und Wechselfällen, die zur Romantik eines Berufs gehören, deren letzte Ausläufer uns aus Eyths Dichterwerken noch so traulich entgegenklingen, folgte der steile Aufstieg, der zur Industrialisierung der Welt führte, die z. B. in Deutschland so plötzlich kam, daß es nicht gelang, den Gefahren in menschlicher Hinsicht vorzubeugen, die letzten Endes zum Zusammenbruch geführt haben.

Der Ingenieur, der in diesem raschen Aufstieg die Elemente der Bewegung zu regeln hatte, konnte nicht Zeit finden, beschaulich die Geschehnisse zu verfolgen, die sich vor seinen Augen, unter seinen Händen abspielten, die er selbst veranlaßte.

Er hatte dazu auch keine besondere Veranlassung, solange alles im Fluß war und der Strom wohlgeordnet dahinstrich. Wohl aber erscheint es heute, wo unter dem Druck der Verhältnisse alle Grundlagen durchzuprüfen sind, und wo wir auf ein gutes Jahrhundert Maschinenbau zurückblicken können, geboten, einen Augenblick stillzustehen und Umschau zu halten, den Blick vom Nächsten auf die Ferne, vom Einzelnen auf das Allgemeine zu lenken.

Bei solchem Unterfangen wird es gut sein, am Anfang Beschränkung zu üben, mit Einzelheiten zu beginnen und hier zu prüfen, wie der Fortschritt erfolgte, wie der Konstrukteur der Steigerung der Ansprüche zu genügen wußte oder zu genügen bestrebt war.

Ueberschauen wir also heute einmal nach des Tages Müh und Arbeit unbefangenen Auges die Entwicklung einzelner Konstruktionen und der Maschinenelemente, die zu ihrem Aufbau dienen! Jedem von uns wird dann und das soll das

dieses Vorselten den

Leitmotiv unserer heutigen Unterhaltung sein bei einigem Nachdenken eine ganze Reihe von Beispielen gegenwärtig, in denen, wenn die Leistungsfähigkeit gesteigert werden mußte, die neuen Anforderungen zunächst durch Vergrößerung und Verstärkung oder verhältnismäßig einfache Verbesserungen befriedigt werden konnten, bis dann, nicht selten ziemlich unerwartet, eine Grenze erreicht war und, wenn die Anforderungen diese überschritten, ein völliges Verlassen der vorherigen Konstruktions- und Ausführungsgedanken, das Einschlagen ganz neuer Wege zur unabweisbaren Notwendigkeit wurde. Die Möglichkeit, dem zu entsprechen, ist freilich jeweils nicht ohne weiteres, sondern nur dann gegeben, wenn solche neuen Wege schon gebahnt sind: andernfalls muß der neu aufgetauchte Bedarf warten, bis sie gefunden sind. Fast immer aber sorgt der rege Geist des Erfinders, der den Aufgaben des Tages vorauseilt und der deshalb auseilen ist nämlich seine tragische Schuld klingenden Lohn seiner Gedankenarbeit ernten darf, dafür, daß, schon ene der eigentliche Bedarf sich einstellt, Anfänge neuer Lösungen zutage treten. Diese gilt es dann in der Art der alten Meister so auszuarbeiten, daß praktisch brauchbare Erzeugnisse entstehen, daß die geniale Erfindung der harten Wirklichkeit standhält. Dabei müssen wir aber folgendes beachten, was am besten durch ein bekanntes Beispiel erläutert sei: Ein alter Philosoph und Zauberkünstler hat vor 2000 Jahren zwar ein durch Dampf betriebenes rasch umlaufendes Ding erfunden, aber für die Dampfturbine sind wir ihm deshalb noch lange keinen Dank schuldig. Es wäre nur mit Gefühlsduselei zu vergleichen, wollte man in solchen Fällen von einem eigentlichen Erfindungsgedanken im Sinne der Vorerfindung sprechen was nur zu oft geschieht und zu einem Zerrbild der wirklichen Verhältnisse, zu einer weitgehenden Unterschätzung der Leistungen des erfinderischen Ingenieurs namentlich in Laienkreisen (vielleicht auch beim Patentamt?) zu führen pflegt.

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Einige Beispiele mögen nun das oben gekennzeichnete Leitmotiv erläutern. Als die Hüttenwerke begannen, mechanischen Antrieb zu brauchen, war das Wasserrad die Kraftmaschine. Die Hüttenwerke waren an Orte gebunden, an denen neben Erz und Holz Wasserkraft zur Verfügung stand oder, wie Schiller sagt:

Des Wassers und des Feuers Kraft
Vereinigt sieht man hier,

Das Mühlrad, von der Flut errafft,
Umwälzt sich für und für . . .

Jahrhunderte lang konnte das Wasserrad durch Vermehrung von Breite und Durchmesser, Verbesserung der Getriebe und der Konstruktion, durch Uebergang vom Holz zum Eisen als Baustoff dem stetig wachsenden Bedarf an Leistung angepaßt werden. Dies aber war der Natur der Sache nach nur bis zu einer gewissen Grenze von Durchmesser und Breite möglich und berechtigt. Da rasch noch größere Leistungen gebraucht wurden, waren völlig neue Konstruktionen nötig: das Wasserrad ist durch die Turbine und die Dampfmaschine verdrängt worden, die beide, als der Bedarf brennend wurde, glücklicherweise schon eine längere Entwicklungszeit hinter sich hatten.

Selten erfolgt diese Verdrängung so übergründlich wie bei den Wasserrädern, deren Bau sozusagen_ganz aufgehört hat und wohl erst unter der Wirkung der Kriegsfolgen den ihm unter den geänderten Verhältnissen der Neuzeit zukommenden Umfang wieder annehmen dürfte. Meist bleibt das Alte und füllt, nach Form und Ausführung der jeweiligen Zeit angepaẞt, seinen Platz aus, soweit er ihm zukommt.

Von den beiden Verdrängern der Wasserräder hat die Turbine, zeitlich viel jünger als die Dampfmaschine und in ihren Ausführungsformen sehr beweglich, in stetig ansteigender Linie den Gipfel der Entwicklung wohl noch nicht erreicht. Die Dampfmaschine ist längst auf ihm angelangt. Zäh war der Kampf: Steigerung der Abmessungen, der Dampfdrücke, des Dampfgefälles, der Umdrehungszahl, der Dampftemperatur, der Zylinderzahl und der Gesamtanordnung, alle wurden der Reihe nach wiederholt vorgenommen, zunächst mit dem Ergebnis bedeutender Erhöhung der Leistung (und Wirtschaftlichkeit), allmählich mit immer geringerem Erfolge, bis neue Konstruktionen nur noch geringe Vermehrungsmöglichkeiten für die Leistung ergaben (wenigstens solange nicht völlig neue Grundlagen für Dampferzeuger und Maschine entstehen, denn wir wollen keine Propheten sein, und in der Technik wie überall dreht sich das Rad der Zeit im Kreise). Als der Bedarf nach weit größeren Einheiten sich gebieterisch geltend machte, war die Dampfmaschine außerstande, zu folgen: die Dampfturbine trat an ihre Stelle auch sie schon seit längerer Zeit in der Entwicklung gereift, trotzdem zunächst mit Argwohn betrachtet und als Neuling eingeschätzt —, in steter Entwicklung ist sie gewachsen und wächst sie vor unsern Augen fort. Neben ihr beginnt die Gasturbine aufzuleben. Wird sie der Ueberwinder der Dampfmaschine sein? Die Antwort auf diese Frage gehört der Zukunft.

Anders als beim Wasserrad hat bei der Dampfmaschine das Erreichen des Gipfels kein Verschwinden gebracht. Im Gegenteil hat sie, den Aufgaben, für die sie geeignet ist, immer vollkommener angepaßt, ihr Feld voll behauptet.

Die planmäßige Verfolgung der Entwicklung solcher Maschinen, die ihre Grenze erreicht haben, vom Anfang bis zum Ende oder zum heutigen Stand müßte eine reizvolle Arbeit und ihre Ergebnisse könnten von höchstem erzieherischem Werte für werdende und jüngere Ingenieure sein. Denn hier wären Ueberblicke möglich, die die Erkenntnisse ausweiten

was um so bedeutungsvoller erscheint, je mehr die Not der Zeit dazu zwingt, durch Spezialisierung Höchstleistungen auf dem Einzelgebiet anzustreben. Wir brauchen dringend Enzyklopädisten, wobei der Begriff den technischen Sonderverhältnissen angepaßt werden müßte.

Bei der Durchführung solcher Untersuchungen wird den zugehörigen Maschinenelementen volle Beachtung zu schenken sein; denn auch in diesem engeren Kreis spielen sich ganz ähnliche Vorgänge ab. Ein Beispiel bieten die Mittel zur Kraftübertragung.

Von der Schnur, die seit alter Zeit zur Bewegungsübertragung diente, führte der Weg zum Seil und zum Riemen. Das erstere vermochte als Drahtseil auch auf größere Entfernung Leistungen fortzuleiten. Die ihm beschiedene Grenze war in unsern Jugendtagen erreicht, und heute begegnen wir dem Transmissionsseil für große Abstände zwischen Kraftmaschine und Arbeitstelle nur noch an verborgenen Stellen: die elektrische Kraftübertragung hat es geradezu vernichtet. Als Drahtseilbahn-Antrieb hat es freilich seine Daseinsberechtigung bewahrt.

deutscher Ingenieure.

Weit stattlicher war die Entwicklung des Seil- und Riemenantriebes bei geringerer Entfernung. Immer dicker und zahlreicher wurden die Seile, immer breiter die Riemen. Bis auch hier die Grenze erreicht war und dem elektrischen Strom oder der unmittelbaren Kupplung die weitere Entwicklung zufiel, abgesehen von den Fällen, in denen die große Elastizität des laufenden Uebertragungsmittels nicht entbehrt werden kann. Daß diese Bewegung auch heute noch nicht abgeschlossen ist, daß Seil und Riemen auch bei kleinen Leistungen mehr und mehr durch den zunehmenden Einzelantrieb in ihrem Bestand gefährdet erscheinen, wie dem durch stete Vervollkommnung des Riementriebes entgegengearbeitet wird, das ist allgemein bekannt. Wir erleben hier das seltene Beispiel eines friedlichen Kampfes bis aufs Messer. Eines der ältesten Mittel zur Kraftübertragung bildet das Zahnrad. Vom Holz zum Gußeisen, zu Bronze, Stahl, Stahlguß und Sonderstahl, vom Triebstockrad zum spielfrei geschliffenen Rad mit Sonderverzahnung, von bescheidener zu hoher Uebersetzung, vom langsamen Gang zur höchsten Geschwindigkeit läuft die Jahrhunderte lange Entwicklung. Schon schien auch für das Zahnrad beim Schiffsantrieb die Stunde gekommen, in der es durch einen neuen Konstruktionsgedanken beiseite geschoben werden sollte, als die äußerste Anstrengung aller Beteiligten dem bewährten Element nochmals zum weiteren Bestande verhalf. Ob aber nicht trotzdem auch hier das Wort gilt: »Aufgeschoben ist nicht aufgehoben«, muß dahingestellt bleiben. Zweifellos wird freilich beim Zahnrad die Annahme berechtigt sein, daß es seinen Platz in der Reihe der Maschinenelemente dauernd zu wahren wissen wird innerhalb des ihm zukommenden Gebietes.

Schließlich sei noch ein Blick auf die unmittelbare Kraftübertragung im eigentlichen Sinne des Wortes geworfen, wie sie durch die Niete in ihrer Anwendung auf den Kesselbau gekennzeichnet erscheint.

Solange die verfügbaren Kesselbleche klein und die in Betracht kommenden Drücke nach heutiger Anschauung unbedeutend waren, wurden die ebenfalls für unseren Maßstab kleinen Kessel aus einzelnen Stücken mit den »Nietnägeln, zusammengenagelt. Zur Kopfbildung reichten wenige Hammerschläge aus, die Dichtung erfolgte bekanntlich zunächst mit Kuhmist. Bald stiegen die Anforderungen an die Kessel; größere Bleche wurden nötig und daher auch erzeugt, deren Befestigung und Verbindung stärkere Nieten erforderte. Die warm geschlagene Eisenniete fand ausschließlich Verwendung, das Verstemmen besorgte die Dichtung an Nieten und Blechen. Beide bestanden bis Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts aus dem faserigen Schweißeisen, das die Werkstatt seit vielen hunderten von Jahren zu behandeln verstand, das Material war trotz Erhöhung seiner Güte im Wesen gleich geblieben, nur die Größe der Stücke hatte zugenommen.

Der seit der Mitte des letzten Jahrhunderts auf allen Gebieten der Tecknik mächtig gesteigerte Bedarf an schmiedbarem Eisen fand dann durch die Flußeisen- und Flußstahlherstellung seine Befriedigung. Auch im Kesselbau gewann der neue Baustoff Eingang, allerdings unter heftigen Kinderkrankheiten, die sich so unangenehm fühlbar machten, daß, wie mir bekannt geworden ist, der Leiter eines der größten deutschen Dampfkessel-Ueberwachungsvereine ernstlich daran dachte, ein Verbot der Verwendung des Flußeisens für Dampfkessel herbeizuführen, und Hilfe hierzu bei anderen suchte. Das Verbot unterblieb, die Kesselschmiede lernten den neuen Stoff richtig behandeln, und die Dampfkessel konnten nun in immer bedeutenderer Größe gebaut werden. Damit wuchs die Nietenstärke bis zu der Grenze, die durch die Möglichkeit gezogen war, daß der Kopf von Hand geschlagen werden mußte, d. i. etwa 1 Zoll.

Nun setzte die Nietmaschine ein, die schon längere Zeit vorher aus andern Gründen ihre Laufbahn begonnen hatte, und in ununterbrochener Folge reihte sich eine Steigerung der Blechstärke an die andere, nabmen die als zulässig erachtete Zugfestigkeit der Bleche und der Durchmesser der Nieten zu. Alles scheint im besten Flusse, die Blechstärken übersteigen heute 2 Zoll, die Festigkeit 6000 kg/cm2, jede Nietenstärken kann anstandslos verarbeitet werden, und fast niemand denkt daran, daß ein Umstand von wesentlicher Bedeutung von Grund aus eine Aenderung erfahren hat, nämlich der Einfluß des Nietens auf das Blechmaterial.

Der von Hand geschlagene Nietnagel wirkte auf die zu verbindenden Bleche nur verschwindend wenig ein; die heutige starke Niete, von der gewaltigen Nietmaschine gestaucht, die auch schlecht passende Bleche zusammenholt, was die Handnietung nicht vermochte, füllt das Nietloch unter hoher Pressung, die wie Flüssigkeitsdruck wirkt; sie beansprucht die Bleche weit über die Streckgrenze und erhitzt das so miß

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