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dem Genitiv, und außerdem überall, wo der Positiv, starke Form zeige. Dies ist aber meines Wissens nicht der Fall. Schon im Gothischen liebt der Superlativ schwache Form ; aber im Althochdeutschen ist die starke Form so selten, daß sie nur als Ausnahme gelten kann. Noch bei Notker habe ich vergeblich einen starken Superlativ gesucht; dagegen habe ich schwache Form gefunden, wo der Positiv starke zeigen würde, z. B. Hattemer 3, 225 danne wirdet allero dingo unrehtesta, daz nu rehtesta ist. 241* fone diu ist not,

. taz tiu wizentheit forderosta sî. 2646 tu dinero muoter zeizesto bist. 2686 wanda si wizzig unde heilig ist unde ungewartósta ist ich skônista. 2786 daz fierda daz imo nähesta was. 308a also ouh tiu hizza starchesta ist in mitten dag. Ich will nicht alle Beispiele hersetzen; aber Erwähnung verdient noch 3624 sîn êristporno, wo der Superlativ êrist sogar auf porno einzuwirken scheint. Auch vom Comparativ habe ich bei Notker keine starke Form gefunden; das bei Grimm 4, 519 angeführte Beispiel finde ich nicht.

Ebenso steht der Superlativ ohne Artikel nur schwach bei Kero. Hattemer 1, 30 hreinisto lib. dera horsami starchistun waffan. 31 wirsiston scalcha. 94 in iunkistun steti. Ebenso in den Hymnen, bei Isidor und den Fragm. theot. 2. B. 17, 11 fona himilo hohistin, was natürlich schwacher Singul. ist, obgleich im lateinischen e summis caelorum. Ich zweifle, ob man bei Tatian einen starken Superlativ finden wird.

Dagegen haben wirklich die Wolfenbüttler Stücke guatlichi in hohostem, gloria in excelsis (Malm. 175), und Muspilli der satanaz altist. Ferner das Neuburger Gebet (Diut. 2, 382) an demo giustiemo (d. i. jungistemo) taga. Dieß Gebet ist jedoch schon aus jüngerer Zeit, wenn auch nicht aus dem zwölften Jahrh. wie Graff angibt. Otfrid hat ebenfalls iungistemo 5, 23, 140 und von eristera uuoralti 3, 20, 156. Die Gl. flor. bei Eccard 2, 986 unchustichistemo. Die Wiener Beichte Maßm. 140 mir sundegistera unde mir meintatigistero uber alla meintatigen. Dieß sind alle Beispiele des flectierten starken Superlativs, die ich aus älterer Zeit zur Hand habe; unflectierte finden sich öfter. Erst mit dem eilften Jahrh. erscheint auch der flectierte zahlreicher, z. B. in der Wiener Genesis; im Summar. Henrici u. 5. w.

Ebenso werden die Ordinalzahlen in den ältesten Denkmälern schwach und ohne Artikel gebraucht. Die ältesten Übersetzungen des Symbolums haben in thritten dage, in drittin take, später an demo

W.

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dritten tage.

Bei Maßm. S. 76 erscheint an demo drizigistemo iare.

Für das Althochdeutsche ist also schwache Form des Superlativs Regel, und starke nur seltene Ausnahme. Im Adverbium dagegen ist die unflectierte Form die Regel, auffallend auch mit Präpositionen az jungist, az érist, ze meist, ze vorderôst u. s. w. Gr. . 3, 106. 587.

I, 2. NACH DEM BESTIMMTEN ARTIKEL schwache Form. Die Ausnahmen sind sehr selten.

37, 2 vil der varender diete CB, varenden DA. Man kann, wie ich im Wörterbuch vermuthete, varender als von diet regierten Genitiv betrachten, nach folc sceotantero im Hildebrand.

202, 3 die sturmkiiene man BA (bei mir ein Druckfehler kienen).

304, 3 diu vil schoeniu meit C, diu minnekliche meit N. 2199, 1 der vil getriwer man C.

338, 2 die minnekliche erwerben C, die minnehlichen werben N.
496, 4 die wegemiede A.
797, 1 der êregernder (gernde N) man.
2276, 3 die êregernde man CB.
2334, 4 der (ein D) viurrôter (rôte BA) wint.

549, 2 die junge kinige guot, wo vielleicht nur der Strich über dem e erloschen ist. Ebenso ist 386, 3 die rehte wazzerstrâzen viel. leicht ein Schreibfehler in Cfür rehten in allen andern.

2269, 3 dem einem (einen) man, wo aber einem besondern Nachdruck hat.

Dazu aus der Klage :
346 diu vil schedelichiu nôt.
440 diu stäheliniu bant CB, ebenso Wolfram Wh. 423, 21.
2069 die êregernde (den N) frouwen.
2350 der hochgeborner mêr.
3313 die êre tragende A (den die andern).
3368 diu lange werndiu (N wernde C) nôt.

Es ist dieß im Ganzen eine kleine Zahl von Ausnahmen; auf eine Regel lassen sie sich nicht bringen ; doch scheint es, daß die zusammengesetzten Adjectiva besonders geneigt sind, die starke Form zu bewahren, wie êregernde. Nicht ganz sicher, weil bloß durch a bezeugt, ist 1493, 4 daz wągist.

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Eine beachtenswerthe Ausnahme machen öfters Adjectiva, denen nach dem Artikel noch ein Possessivum oder der Genitiv ir vorhergeht.

1022, 3 der mîn vil lieber man CBJ.
1075, 2 der ir getriuwer lip.
1079, 4 der ir vil winneklîcher (B, lîche C) lîp.
1246, 4 daz ir vil groezlîchez (B, grozliche C) klagen.
1557, 3 daz ir vil langez scheiden.
2072, 4 daz sîn vil starkez ellen (C, die andern ohne Artikel).
Kl. 1488 der sîn vil hôchvertiger (a N, hôchvertliche C) sin.
2573 daz iuwer grôz ungehaben.
3591 daz sîn vil wênigez (B) kint.

Doch ist auch in diesem Fall die schwache Form die gewöhnliche. 66, 3 die ir vil lichten brünne.

2145, 4 diu ir vil grozlichen sêr.
245, 4 daz sîn vil grezliche leit.
566, 1 die sîne rîchen geste.
486, 4 die mine hæhsten friunde.
755, 4 die unsern lieben friunde.
1445, 4 die unser besten friunde.
1714, 3 die iuwern schoenen tohter.
2427, 4 der mînen edelen herren.

Es steht ferner die starke Form meistens, wenn ein Zahlwort zwischen dem Artikel und dem Adjectivum steht.

186, 4 die zwêne grimme starke (C grimmige B) man.
212, 3 die zwêne kilene man, 1827, 1.
Aber 1472, 1 die zwêne jungen kinige (wo jedoch B junge).
KI. 4024, 4 die zwêne sumerlange tage.
Aber 3849 der drier edelen kinige.

Die unflectierte Form ist durch den Reim in folgenden Beispielen gesichert:

734, 1 sprach der lobes rich, wofür N der kiinic rich.

1249, 1 diu trūric gemuot. 1946, 3 Hiltbrant der ellens rîch. 2153, 1 Gêrnôt der hôchgemuot.

KI. 2364 Hildeburc diu schanden vri.

Es ist also immer der Fall, den Gr. 4, 541 behandelt, bei vorausgehendem Eigennamen. Nur 734, 1 geht der Name nicht voraus; vielleicht bieß es ursprünglich sprach Gunther der lobes rîch mit vier

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Hebungen, wie 2331, 2 sprach Volker der helt guot, wo jedoch ebensowohl Volker als eingedrungene Glosse betrachtet werden kann.

Außerdem sind die Beispiele selten.
801, 1 daz herrenlîch (hêrlîche B) gesinde.
Kl. 2545 C die heidenisch diet.

Sehr häufig erscheinen die zwei Adjective edel und übel im Nominativ unflectiert. Da aber daneben öfters edele und übele steht, und gerade nach l das e häufig nicht geschrieben wird, so ist es sehr wahrscheinlich, daß überall die schwache Form hergestellt werden muß, wie 47, 4 B diu edele Kriemhilt. 1247, 1 B der edele Riedegêr. 1652, 1 A der edele marcgrâve. 2049, 1 B der edele B. 60, 4 BC diu edele kiiniginne; ebenso 1131, 4 C (fehlt bei Lachmann). 1049, 3 C der edele recke (fehlt bei Lachmann). 1051, 2 C diu edele frouwe (fehlt bei Lachmann). 217, 4 B der ubile tiufel.

I, 3. NACH DEM UNBESTIMMTEN ARTIKEL im Nom. und Acc. Sing. immer starke Form. 4, 3 ein ellens rîcher man. 4, 1 ein richiu kiiniginne. 661,4 ein ungehiurez wîp. 2130, 2 ein grimmiu nôt. 1186, 4 ein liebez bieten. Beispiele des Accus. Fem. 133, 2 ein minnekliche meit. 189, 2 eine liehte brinne. 437, 4 eine veste brinne. 944, 2 eine scharpfe strâlen. 1158, 1 eine rîche fürsten abtey. 1954, 3 eine schæne frouwen u. s. w. Im Accus. des Masc. kann starke und schwache Form nicht unterschieden werden.

Abgeworfene Flexion im Nom. Masc. 13, 3 ein edel man. 1509, 1 ein kiene spileman. 1550, 1 ein vil kiiene man, 1813, 1; 1966, 1 Kl. 1057 ein arm man. 1453 ein junc man.

2051 ein guot list. Vom Femin. 2176, 4 ein übel hôchgezît.

Im Neutrum vorherrschend. 2, 3 ein schone wîp, 15, 3. 504, 2 ein kiiene getwerc. 514, 4 ein schöne griezen, 1703, 4 u. s. w.

Dagegen im Genitiv und Dativ ist die Regel schwache Form. Ausnahmen sind selten. 941, 2 in einer kurzer (B A) stunde. 1569, 3 in einem schænem (B) brunnen. 1808, 2 in eime grimmem (A) muote. 2419, 3 von eime starkem (A) swerte. Also kein einziges Beispiel

aus C.

I. 4. NACH PRONOMEN, ZAHLWORT u. s. w.
a) nach dem persönlichen Pronomen.

1281, 3 ich jâmerhaftez wîp. 1123, 2 ich vil armez wîp. 1287, 1 ich armiu kiinigin. 2388, 3 ich ellender recke. 2379, 3 N ich armer Dieterich. Kl. 3247 ich armez wîp. 840 ich arm (armer a) man. Also mit Subst. immer stark. Ohne Substantiv meistens schwach. 1785, 4

man.

ich vil arme (Ca, Femin.). Kl. 1624 ich vil arme (Masc. Reim). Dazu stelle ich sogleich 123, 3 ich eine. 180, 1 ich selbe. 366, 2 Femin. aber stark. Kl. 1818 ich ellender.

Genit. 1066, 4 mîn, armer Kriemhilde, nôt. 2202, 4 mîn, vil ellendes hant. 1721, 1 mîn ellendes solt. Dazu 59, 1 mîn eines hant. 1090, 2 zer mîn eines guot. 2363, 4 vor mîn eines handen. 1176, 4 mit mîn selbes guote. 1537, 2 ine wart mîn selbes mâge nie rehte vrô. Also in allen Fällen stark. Ist Kl. 1618 owê mîn ellende unflectiert? schwerlich ellende Substantiv. Dativ. 558, 4 owê mir armen (armer BA) meide.

(armer BA) meide. 929, 4 mir armen wêbe. 1089, 2 mir armem wîbe (CB). 1091, 4 mir armen wîbe. 1739, 4 mir armen (armem B) wîbe, 2207, 4. Kl. 2169 mir vil ellendem

Ohne Subst. 1242, 3 an mir armen (armer aBA). 2211, 1 owê mir gotes armen (armem B?). Dazu 1054, 4 mir selber (Femin.). Also überall Schwanken zwischen starker und schwacher Form. Accus. Kl. 1046 mich armen Dietriche. Dazu 2435, 3 mich selben.

Plur. finde ich Nom, nur 1513, 1 wir selbe, 1228, 4.
Genit. 2252, 4 unser ellenden (ellender aJA) tôt.
Accus. 753, 2 N uns wegemiede (-müeden J) geste.
1867, 3 lât uns wegemieden haben gemach.
2154, 3 uns sturmemiede (CBA, miieden DJ).

Von der zweiten Person im Sing. weiß ich kein Beispiel als 1564, 2 du selbe. Im Plural ist der wirkliche von dem höflichen zu unterscheiden.

312, 1 ir guoten degene! 517, 1 ir guoten (gute B) ritter! 559, 2 ir edelen (vil schone BA, schoenen DJ) juncfrouwen! 874, 1 ir guoten knehte: 998, 1 ir vil boesen (bose C) zagen! 1567, 1 (C

( fehlt) ir stolzen ritter guot! 1678, 4 ir snelle degene! (a ? NC fehlt) 1725, 1 ir edelen (edele B, C fehlt) künige rêch! 1760, 3 ir snellen (snelle BA) degene! 2001, 1 ir guoten knehte! 2065, 2 ir lieben friunde! 2171, 1 ir edelen (edel B) ritter guot! 2313, 4 ir guoten (guote A) degene! Während also der Vocativ ohne Pronomen immer starke Form hat, zeigt er nach dem Pronomen in der Regel schwache. Dagegen das Possessivum 574, 1 ir, mîniu mägedîn !

Der höfliche Plural 106, 2 ir, edel Safrit! 2405, 4 ir eine.

Vom Genitiv habe ich nur Beispiele des höflichen, und zwar nur mit selbe. 910, 2 mit iuwer selbes hant.

1493, 3 nach iuwer selbes willen. 1779, 2 durch iuwer selbes friuntschaft.

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