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FUNFZEHNTES BUCH.

Aesculapius (622–744)

Julius Caesar (745-870)

Schluss (871–879).......

AUS DEN ELEGISCHEN BÜCHERN.

Vertheidigung des Dichters gegen den Vorwurf der Un

thätigkeit (Am. I, 15.).......

Auf den Tod des Tibullus (Am. III, 9.)

Falerii (Am. III, 13.)

Schlussgedicht (Am. III. 15)

Seite

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Raub der Sabinerinnen (A A. I, 101-130)

Macht der Poësie und der Musik (A. A. I, 321–348) .. 243

AUS DEN FASTEN.

ERSTES BUCH.

Sitten des alten Roms (191–218)...........

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Carmenta und Evander, Hercules und Cacus, die Ara

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LEBEN UND SCHRIFTEN DES OVIDIUS.

Ueber die Lebensumstände und Schicksale unseres Dichters gibt er uns selbst in einem seiner späteren Gedichte (Trist. IV. 10) ausführliche Nachricht. Ausserdem aber nimmt er oft Gelegenheit, über sich und einzelne Ereignisse seines Lebens zu sprechen, so dass wenige Dichter des Alterthums uns so zuverlässig bekannt sind, wie Ovidius. Auch haben sich einige Lebensbeschreibungen von ihm aus dem späteren Alterthum erhalten, sie theilen uns aber keine erhebliche Thatsachen mit, die wir nicht aus den Gedichten selbst schon kennen gelernt hätten.

P. Ovidius Naso war geboren zu Sulmo im Lande der Peligner, im Jahre nach Caesar's Ermordung 709, (711 nach Varro, 43 v. Chr.) Sein Vater gehörte schon durch seine Geburt dem Ritterstande an, und scheint ein nicht unbeträchtliches Vermögen besessen zu haben: das sehen wirtheils aus der Erziehung die er dem Ovidius und seinem nur um ein Jahr älteren Bruder gab, theils aus der Unabhängigkeit mit welcher unser Dichter noch in späteren Jahren sein Leben ganz nach Lust und Laune, ohne irgend einen äusseren Erwerb, geführt hat. Die Jünglinge wurden früh nach Rom gebracht und dort den namhaftesten Lehrern zum Unterricht übergeben: uns werden unter

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ihnen besonders M. Porcius Latro und Arellius Fuscus genannt, welche ihre Zöglinge zunächst nach der damals üblichen grammatisch-rhetorischen Methode unterwiesen. Sie bekamen hier Anweisung zur Kenntniss der Litteratur und zur eigenen Composition, auch wurden praktische Uebungen angestellt, um sie im Reden über aufgegebene Themate und im Schreiben von Suasorien und Controversen zu üben. Diese Erziehung war vorzüglich darauf abgesehen, den künftigen römischen Staatsmann zu bilden, ihn für die Bekleidung der administrativen und richterlichen Aemter zu befähigen, damit am Schluss der Laufbahn im Senate die Summe der politischen Einsicht, die so gewonnen war, zur Leitung der Regierung im umfassendsten Sinne benutzt würde. Für diese Thätigkeit aber war unter der Alleinherrschaft des Augustus aller Reiz verloren : der Ehrgeiz hatte kein Ziel mehr vor sich zu erreichen, da alle Frucht schon von einem Einzigen vorhergenossen war: sich durch Talent emporzuschwingen, wie Cicero, wie Caesar und so viele Andere, war nicht mehr vergönnt, die politische Tugend bestand nur darin, sich unterzuordnen und den Willen des Herrschers auszuführen. Kein Wunder also, dass nun viele Römer den öffentlichen Schauplatz verliessen, und nur in den Freuden die das unabhängige Privatleben bot noch eine Befriedigung fanden. Das Leben in Rom ward von nun an ein Leben des Genusses und der heiteren Sinnlichkeit: das Streben für den Staat hatte aufgehört, und Jeder dachte zunächst nur an sich. Unter diesen Eindrücken wuchs Ovidius heran, er hatte die schrecklichen Zeiten der Bürgerkriege nicht mehr erlebt; als er nach Rom kam, war Alles schon geebnet und in seine Bahn gewiesen; nur der Wunsch des Vaters trieb ihn in die staatsmännische Richtung, und er bekleidete in Wirklichkeit auch schon einige Aemter, er wurde Triumvir capitalis, Centumvir und Judex. Der Tod seines Bruders, der in dessen zwanzigstem Jahre erfolgte, scheint den Vater gegen den jüngeren weicher und nachsichtiger gemacht zu haben, so dass er von nun an seiner angeborenen, fast unwiderstehlichen Neigung zur Poesie sich mehr hingeben durfte, auch der damaligen Sitte gemäss eine grössere Reise nach Sicilien, Griechenland und Kleinasien unternahm, die ihn

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mehrere Jahre von Rom abwesend hielt. Er war schon mit manchen Gedichten öffentlich aufgetreten und hatte grosse Aufmerksamkeit erregt; er wurde daher gern in die Kreise der angesehensten damals lebenden Dichter und ihrer Freunde aufgenommen, und erhielt von ihnen die willkommenste Anregung. Unter diesen nennt er Aemilius Macer, Licinius Macer, Ponticus, Bassus, Horaz, Tibull, Properz. Virgil hat er nur noch gesehen, nicht aber näher kennen gelernt; auch Tibull starb zu früh, als dass ein tieferes Verhältniss hätte begründet werden können. Die ersten Gedichte, mit denen Ovidius auftrat, sind Amorum 1. III, Liebeselegien, in denen er als ein sehr junger Mann seine Begegnisse und Erfahrungen im Gebiet der Liebe darstellt. Sie sind im Sinne der damaligen Zeit, wo der Umgang der gebildeten Männer mit schönen und geistreichen Libertinen allgemein üblich war, so sehr, dass die regelmässige Ehe dadurch in einem besorgnisserregenden Maasse abnahm. Daher finden wir auch bei den meisten Dichtern jener Zeit ähnliche Verhältnisse besungen jeder von ihnen hatte eine Geliebte, der er mit allem Feuer der Liebe und der Begeisterung seine Muse widmete; so Horaz, Tibull, Properz, und von vielen jetzt nicht mehr erhaltenen wird es uns ebenfalls berichtet. Wie viel Wahrheit, wie viel Dichtung in diesen Darstellungen sei, wer möchte das heute noch bestimmen wollen? Man hat dem Ovidius diese seine Gedichte in höherem Maasse zur Last gelegt, als den anderen Dichtern, mit denen er lebte: gewiss mit Unrecht. Ovidius nennt seine Geliebte Corinna, ein erdichteter Name, wie er selbst berichtet, ausser ihr wendet er sich auch an andere, und schildert in diesen Liebesliedern, die sämmtlich im elegischen Versmaasse sind, alle Stadien einer glücklichen so wie unglücklichen Liebe, wie sie in solchem Verhältniss vorkommen konnten. Schon aus der Gleichzeitigkeit dieser Erscheinung bei so vielen Dichtern, so wie aus der Uebereinstimmung der speciellen Gegenstände der Darstellung erkennen wir, dass mehr der Dichter aus allen diesen Schilderungen spricht als der Biograph, und Ovidius sagt es auch selbst in seinen späteren Werken, mit Beziehung auf die Vorwürfe die ihm für seine ersten Dichtungen

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gemacht wurden, dass sein Leben ohne schwere Vergehungen dahin gegangen sei. Dabei sind wir weit entfernt, ihn uns als einen Tugendhelden zu denken: die ganze Zeit war locker und aufgelöst, und Alle die uns näher bekannt sind geben nach unseren heutigen Begriffen zu manchem ernsten Tadel Anlass. Ovidius hatte jetzt sogar schon zwei Frauen gehabt und sich von beiden scheiden lassen; wahrscheinlich von der zweiten war ihm eine Tochter geworden. Aber er war nur nicht schlimmer, als seine Zeitgenossen, und wir sind nicht berechtigt, jede poetische Blume für geschichtliche Wahrheit zu nehmen. Je grösser die sinnliche Wahrheit seiner Ausmalungen, je lebhafter die Farben die er aufgetragen hat, um so mehr müssen wir uns hüten, unbegründete Schlüsse daraus zu ziehen. Die Vortrefflichkeit der Gedichte bekundet sich gerade am meisten aus der häufigen Verkennung die dadurch ihrem Urheber zu Theil geworden ist.

Der Beifall den Ovidius auf dieser Laufbahn fand bewog ihn, noch länger auf derselben zu verharren, und ein grösseres Gedicht über denselben Gegenstand zu versuchen. Wahrer Dichterruhm ging damals wie jetzt am meisten aus grösseren Compositionen hervor: besonders Virgil strahlte in unvergänglichem Glanze, auf ihn blickten die Jüngeren als ein Vorbild immer hin. So versuchte denn Ovidius auch auf seinem Gebiete ein grösseres Werk, die Ars amandi, die er ebenfalls in elegischem Versmaasse in drei Büchern dichtete. Dieses Gedicht ist in seiner Weise eines der vollendetsten die uns aus dem rõmischen Alterthum übrig sind. Er bringt in demselben alle diejenigen Künste durch welche die beiden Geschlechter einander fesseln und sich für einander erhalten können gleichsam in ein System, und erläutert seine Lehren durch Beispiele und Vergleiche aus der Götter- und Fabellehre, die ihm seine vertraute Bekanntschaft mit den griechischen Dichtern reichlich an die Hand gab. Auch die Gegenseite beschäftigte ihn, und so schrieb er denn Remedia Amoris, L. I, in ähnlicher Weise. Von einem Gedicht, Medicamina faciei, ist uns noch ein grösseres Bruchstück übrig, worin er die verschiedenen Toilettenkünste beschreibt die damals zur Erhaltung und Verbes

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