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Hr. Vrofeffor Unger f") und Hr. Steiger (u) find fogleich krankf fo wie fie auf das Meer kommen, Hr. Profeffor Rösner (U) wird auf dem Meere felbft bei fchwaäfbewegter See unverzüglich feekrankf und dieß ift bei ihm zu allen Zeiten und unter allen Umftänden fo. Hr. Ekkenfteinläö) wird auf kleinen Binnenfeen feekrank. Die Frau Preinreiel; (35)- Katharina Rupp (")f find nicht einmal im Stande, in einem Kahne auf der Donau auszuhalten, ohne daß ihnen wehe wird und fie fich erbreehen. Frl. Zinkel wurde feekrank- als fie auf der Donau von Wien nach Preßburg fuhr. Ja wenn fie nur in einem Kahn liber die Donau feßt, hält fie kaum bis an das gegenüberliegende Ufer aus, ohne in Erbrechen zu gerathen. Viele andere halten eine kurze Wafferfahrt zwar nothdiirftig ausf aber fie ift ihnen entweder unangenehm oder fie fühlen fich in beftändiger Gefahr der Anwandlung von Uebelkeit; fo Frau Ebel-mann f")f Müller (37), beide Fräulein Geraldini f“. lb")x Zinkel-Baier (90), KarhanfWf, Barbara Hek f")- und die Herren Enter fi")t Ezapek (m), Schiller (57). - Hr. von Sidorowicz ift fo empfindlich gegen folihe Sihaukelbewegung- daß er es kaum auf einem Donaudampfboote aushält. Die einzige Ausnahme-e die 'mir in diefer Beziehung vor-kam, machte Hr. Ingenieur Major Vhilippifiö), ein Seemann von Handwerk, der die Erde mehrmal umfegelt hat und mich oerfiäzerte, niemals feekrank zu werden, Lange Seegewohnheit mag ihm diefe Dauerhaftigkeit anerzogen haben, denn in feinem Naturell liegt fie ficher nicht, - Es kam mir die Erinnerung znriickz daß Hr. Fichtner (Q1) vor ungefähr 27 Jahren einmal mir erzählt hatte- er feh fo fehr der Seekrankheit mitetworfen- daß er, fo oft er zur See gewefenf ftets kaum aus dem Hafen gekommen feh, als er fchon feekrank gewefen und auch nie friiher davon befreit worden feh, als bis er das Ufer wieder betreten habe, Nach diefer dunkeln Reminiscenz vermuthete iihh Hr. Fichtner möchte wohl fenfitiv fehn. Er ift mir nur als ein kräftiger gefunder ftarker Mann bekannt nnd ich hatte außerdem nicht die geringfie Urfaehe zu einer folchen Wahrfäfeinliclfkeit. Im feften Glauben jedoch an die Unfehlbarkeit meines Wahrzeiihens fchrieb ich ihm und bat ihnz mir in mitten meiner Apparate einen Befueh zu fchenken. Er hatte die Freundlichkeit für mich, meinen Wunfih zu erfüllen und fiehe da - ich fand an ihm einen der intereffanteften Senfitiven, die ieh kenne. - So gewiß ift die Seekrankheit eine Begleiterin der Seufitivitäty daß man zu den ihr borzugsweife unterworfenen Perfonen nur hingehen und fie als Senfitioe begrüßen darf!

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v. litetchenbaehL der fenfitive Menfcv. 1* * 23

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F. 740. Za noch mehr) auch nur die Nähe von fich drehenden größern Gegeuftänden ift den Senfitiven unleidlich. Nahe bei der Frl. Zinkel (im) drehte ich mich in der Dunkelkammer fchnell im Kreifel) um gewiffe Lichterfcheinnngen zur Beobachtung zu bringen) von denen fpäter hier die Rede fehn wird. Aber beim erfien Verfuche entfehte fie fich fo fehr vor den toidrigen Empfindungen) die ihr dieß verurfachte) daß fie auf die Leicchten nicht mehr fchaute) und ich meinen Kreifel mehrmals wiederholen nncßte und miihfant nur zu dem gelangte) was ich eigentlich wiffen wollte. Sie fchilderte die ihr durch das Kreifeln verurfachte Peinlichkeit fo fchmerzlich) daß fie nach ihrer Berficherung lieber zehnmal die fiärkften Rückfiriche von Fuß zu Kopf ausgehalten haben würde) als diefe qualvolle Vroeedur. Ich ließ dieß noch durch einen Dritten vor ihr wiederholen (M). Der Erfolg war derfekbe. - Ein andermal begab ich mich im Fiufterti hinter die Frl. Zinkel ("kh und kreifelte mich in ihrem Rücken) fo daß fie wohl mein Getrippel hören mochte) aber dennoch nicht wußte) was eigentlich hinter ihr vorginzz. Ich hatte mich aber kaum einmal um mich felbft gedreht) als fie fchon nu) auf das Lebhaftefie über die Unannehmlichkeit beklagte) die ich ihr bereite. die Richtung und drehte mich in uncgekehrtem Sinne um meine Axe) allein die Klagen wurden wieder ebenfo laut. _ Diefen Verfuck) wiederholte ich mit Frl. Beherfikz)) fie vertrug ihn aber ebenfo wenig und klagte unter andern Befchwerden über peinliche Lauwidrigkeit) mit der ncein .Kreifeln fie überhäufte. - Hr. Atifcltüh (W7) gibt uns ein bemerkenswerthcs Beifpiel. Als Knabe war er in einer Erziehungsanftalt) in welcher tägliche Turnübungen gemacht wurden. Bei feiner körperlichen Gewandtheit unter feinen Eameraden der befie Turner) war es ihm ärgerlich) in einer einzigen der vielerlei Be: wegungen es diefen nicht gleichthiccc zu können. Dieß war eine eiferne Kugel)

Darauf wechfelte ich '

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F. 741. Die Erklärung von allen diefen befouderen Fällen) die im Leben täglich vorkommen) wird fich nach den für die Trennung oben ausgemittelten Gefehen ccnfchwer ergeben. - Der Menfch mit feinem odifch

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mit der Uitordnung der odifchen Zufiände in ihnen ein Wirrwarr der Encpfindung) der den Niederern peinlich) den Höhern aber völlig unerträglich wird und aus einem Gemenge von Trennungsfmtnerzen aller Art mit einigen angenehmen Beigabeti befteht) das fie unwiderftehlicl) niederwirft und dem qualvollfien Schwindel preisgibt, D_er Tanz) und zwar am allermeiften der fchönfie von ihnen) der deutfche Walzer) ift eine vollftäudige Perturbation aller odifchen Znftäitde eines Menfhen in feinem Innern und in feinem Verhältniffe zur polaren Außenwelt des Erdballs.

. Wasvojtn Walzen hier gefagt worden) gilt in noch verftiirktem Maße vom Kreif el. Man kann ficher feyn) daß ein höherer Senfitiver nie ein Kreifelfchläger" werden kann und daß ein' gutei Pirouettetänzer niemals fenfitiv ift. _

Mit der ,Schaukel ifi es nicht vie( beffer. Die Füße nnd damit die Längenaxe des Menfchen ftehen dabei fenkrecht bald im magnetifchen Nordpole bald Südpole) oder im Wefien oder Oft-en) je nachdem die Schaukel pendelt) und ununterbrochen werden die Odpole anders follicitirt. - Die Seekrankheit und die Schaukel fiehen fich aber ganz nahe.

F. 742. Daß nach diefen Gründen jede fchnelle Wendung einem Seufitiven unangenehm und fchmerzlich fallen muß) erklärt fich nun faft von felbft. ueberall) fo wie er einige Augenblicke weilt) hat er mit den Erdpolen und allen Umgebungen eine Art von odifchem Rapport angeknüpft und mehr oder ncinder beftimmt eingegangen. Dreht er fich langfam in eine andere Richtung) fo findet die odifche Strömung oder wie man es nennen tvill) Zeit fich zu löfen) fich neu zu knüpfen) fich anders zu ordnen. Gefchieht dieß aber rafch) fo erzeugt dieß in-utiferem Nervenfhftente einen ebenfo rafchen Ruck) der den Senfitiven fühlbar und fofort als Erfchütterrcng fchtnerzhaftet wird, Es kömmt dabei wenig darauf an) ob die Veränderung cnehr im pofitiven oder mehr im negativen Sinne vor fich geht) und ob die Drehung nach rechts oder nach links vorgenommen wird. Es führt fich immer die Empfindung auf den Trennnngsfcljmerz zurück) in jedem verlaffenen Verhältniß tritt augenblicklich der Rückfchlag der Trennung ein und thut weh oder wohl) und da die pofitiven mit den negativen Trennungen überall eng verbunden find und jeden Augenblick tvecljfelic) fo wird die Empfindung der Lauwärme und des Schmerzes immer die Oberhand gewinnen und vorherrfchend ins Bewußtfehtt gelangen.

S. 743. Hieher gehört dann auch noch ein Rückblick auf große Gefellfchaften und Volksgewühle überhaupt) das den Senfitiven fo unangenehm ift) wie wir oben F. 144 fahen. Außer den dort erörterten Gründen kömnct noch der Treuuungsfmncerz hinzu. Die Menge der Menfhen) von denen jeder feine eigene odifche Atmofphäre mit fich herumfcljleppt) geht unter einander jeden Augenblick odifche Atiziehtcngen und illbfioßtcttgeit) mit einem

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