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W sie; allein ihr Vater hatte gegen alle etwas ein«
zumnüen. Vermuchlich sähe er aber am Ende doch,
laß seine Tochter einen Mann brauchte; aber er
M unverständig genug, daß er dabey mehr auf
ftmm Vonheil als auf ihre Neigung und ihren
Gemülhszustand sähe. Unter denjenigen, welch«
sichbi herum sie beworben hatten, befand sich auch
«»weitläufiger Verwandter, der ihr an Iahren> ,
Lilien, und Denkungsart sehr unähnlich war,
sich schon einige Jahre her um sie beworben hatte,
aber bisher immer war abgewiesen worden. Allein
«besaß ein großes Vermögen, und da ihr Vater
befürchtete, seine Tochter möchte bey den vielen
liebhabern, die sich um sie bewarben, ohne ihn
«lchlen, so bestimmte er sie wider den Willen ihrer
Nmer diesem Menschen, ohne ihr ein Wort davon
ju!»M, ja sie muste sogar den 28t«n Jan. 1664
lm Heirachs-Contract unterschreiben, ohne daß
sie «He, was sie unterschrieb. Ihr Bräutigam
warder Herr von Guyon, ein Sohn des berühm«
lex Unternehmers des Canales von Briare, der
sich ben diesem Baue ein großes Vermögen erworl
bin hatte. Ob sie nun gleich nicht die geringste
Neigung zu diesem Menschen empfand, ja, ihn
nicht einmahl ehe als ein paar Tage vor der Hoch«
l«l zu sehen bekam, so war sie,doch anfänglich froh,
baß sie nur heirathen sollte, weil sie dadurch hoffte,
wehr Freyheit zu bekommen, und der unaufhörli-
chen Kränkungen, welchen sie von Seiten ihrer
Nutrer ausgesetzt war, los zu werden. Allein,
d« sie keine Liebe zu ihrem Gatten empfand, der

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U»d da er gar bald entdecke» mußte, Saß seine Neuverlobte keinr Liebe zu ihm empfand, so kack zu ihren Platze» Noch seine und seiner Mutter Eb fersacht. Ihr Vater warein Mann vonGeschmack, Nid hatte alles angewandt, den Geist seiner Tochl »r auszubilden. Und bey ihren gutettAnlagen hatte sie seine Ekwartung Übertroffe«. Alles, was sie sagte und sprach, ward bewundert und «hoben. Ihre Schwiegermutter war gerade der Gegensatz davon; der Verstand ihrer Schwiegertochter war Hr ein Dorn in den Augen; so bald sie den Mund «Kfthat, hieß es, sie wvlle nur Lehren gebe», und wenn es Bestlche gab, unl> sie in dem GesprZche th« Metsiung sagen wollte, so nannte man d«S siteitewunv' widersprechen > hieß sie auf Vi« Ulttnstsnvigste Art schweigeil Ihr Mann, tt» dnn sie eine bessere Begegnung hätte erwarte» kö«? «M, ward «on seiner Mutter sehr bald eingenoiw Mn, und machte es kein Ha« besser. Nun seh« Ulan ein iunges> blühendes empfindsames MSbchen !»» noch nicht sechzehn Jahren in di<e Lage/ ft >väre es kei» Wunder , wenn sie auf die gröbsten ««blichen Ausschweifungen gerieth. Vor diese« bewahrte sie nun zwar ihr Stolz und die strenge Aufsicht ihrer Schwiegermutter; allein sie vetfiet daför auf andere, welche nur zu vielen Einfluß auf ihr folgendes Leben hatten. > "'Mre Schwiegermutter war das unerträglichste' !M Weib unter der Sonne, eine wahre Megäre, Kelche von bem Morgen bis in di? Nacht nichts H« als zcmken und schelten, und sie bey jeder Ge,

ttgenheit mit den- empfindlichsten Demüthignngn» kränkte. Ihr Mann stimmte damjtM, und maß» zog ihr so gar. die niedrigsten Personen im Haust yoe» Ihre Mutter > die dies« Unanständigkeit««» von fremden Personen erfuhr, und Stolz genoA besaß, .die weiblichen Rech« zu empfinden, macht« ihrer Tochter die bittersten Vorwürfe wegen ihrer Feigheit und Nachgiebigkeit, und so ward sie von allen Seiten gepeiniget. War es ein Wund«, Haß das Andenken an ihre vorigen Verehrer, an die Achtung unü Bewunderung, welche sie von ihnen genossen.hau«, hoppelt lebhaft auf sie wirkte, und jhr ihre gegenwartig, Lagez!u° wahrenchölle machte? Wasihre Plage.vermehrte,>wai, daß ihr« Schwiel gwmutter jederzeit auf das verächllichfte von ihre» MelteM-sprach, «yd beyaftdern ihrer eigenen Schwi« gertschter nicht schonte, um dadurch den Bcyfalj zu vermindern, den ihr ihre äußern und innen« Vorzügeverschafften. Ben dem alle > war sie fast keinen Augenblick allein, ihren Schmerz dey Eiyj samkeit anzuvernauen, sondern mußte den ganze«» Tag in dem Zimmer ihrer zänkischen Schwiege Mutter zubringen, und wenn sie von dieser befreyet war, so hatte sie.ein Kammermädchen zur Aufs« herin, welche sie auf die unanständigste Art miß« handelt« Ihrer Mutter durfte sie von alle d«m nichts klagen, weil ihr solches nur neue Verweist über ihre feige Duldsamkeit würde zugezogen haben. Der stumme Gram verzehrte sie daher so, daß sie sich ganz unähnlich ward, und sie ward dabey s« schüchtern, daß sie sich nicht getrauet«, ohn«ihtt in ihrer Gegenwart kein Wort vorbringen konnte: Alles das geschähe schon in den ersten Monaten ihrer Ehe? und Ha ihre Empfindsamkeit und ihre Einbildungskräften derselbe» keine Nahiung fam den, ihr Stolz und die Umstünde ihr auch nicht »erstatteten, ihr Herz auf unerlaubten Wegen zu Vekchsftigen', so zerieth sie ganz natürlich wieder? auf den Gegenstand, der sie schon ehedem an sich gezoqen hsrttt, ich meine die Religion, und da sie» sehr lebhafte Empfindungen hatte-, so siel sie ailch nunmehr mit der größten Heftigkeit auf dieselbe/ da ihr.'m Herzen alle andere Aussichten abgeschniu MiMaren.' ,? 4'-' - öz«, WiSie verbannte sogleich alle Romanen, las wi« der die Bibel, und Herligengeschichten, und berhete< «nd weinte de»!gai,zm Tag. Sie machte sich zwardadurch ihr"Schicksal in Ansehung ihrer Schwiegen »utter nichi leichter, envarb.sich aber mehr G« dsld, es zu. «tragen, und ward bev allen Kränkung gen m d Demüchigungen so gelassen als ein Lamm, Allein ihre natürliche Lebhaftigkeit lieiMch nicht so>

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