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schloß. Ihr Liebling und GewissenSrath, derP. la Combe, bestärkte sie anfänglich gleichfalls darin; aber, als die Sache ein solches übles Ende nahm> wußte er sich sehr geschickt heraus zu lügen, «ndem er sagte, er habe wohl gewußt, dag sie nicht gelin, gen würde; allein er habe vergessen > sie ihr abz« rächen. ^' i

Ihr Entschluß war gefaßt, ober da sie ihn g» heim halten muste, weil ihre Verwandle sie sonst «ls eine Närrin»» würden haben einsperren lassen, so entdeckte sie ihn nur wenig vertrauten Personem Sie brachte indessen ihre Sachen in aller Stille in Ordnung, und schrieb eine große Menge Briefe, und da.sie das bey ihren erhitzten Leidenschaften mlt großer Leichtigkeit that, so daß sie selbst darüber erstaunte, so schrieb sie alles einer unmittelbare» Mitwirkung Gottes zu. Eine gewisse Nonne, welche eine nicht geringer« Narrinn gewesen sey» muß, hatte eine Erscheinung, worin sie das Herz der Guyon gan; mit Dornen bedeckt, den liebe» Gott aber sehr vergnügt heraus gucken sähe, und nun war dem Fasse vollends der Boden ausg«< Koßen." 5// Sie nahm ihre Tochter von fünf Jahren und «in paar Bediente mit, und überließ die veyden übrigen Kinder der Vorsorge der heil. Jungfrau. Zugleich nahm sie so viel mit, als sie ohne Verdacht zu erwecken mitnehmen konnte; nicht, die Bedürft niffe ihrer Reise zu bestreiten, denn das hätte noch ein wenig Vernunft verralhen, sondern, um eS als eine Wahnfinnige zu Paris zu verschenke». Die Neriäumdung sag« zwar hernach, sie hötte schr große Summe» «oNHause mitgenommen, und sie unter die Verwandten des P. la Combe «usg« «hejlet-; allein sie läugnet eS, und versichert, daß sie nur yoosLivres mitgenommen, alles, nebst ihre» nothdürftigen Wäsche, dem Kloster der neubekehrten Nonnen zu Paris, von welchem das zu Ger, wie es scheinet, abhing, geschenkt, und sich nur so viel zurück behalten habe, als zu ihrer Reise auf der Seine nach Anneci erfordert wurde, und auch das behielt sie nicht in ihrer Gewalt, sondern übergab «s ein paar Schwestern, welche sie aus dem eben gedachten Kloster mit sich nahm. Sie kam daher den Abend vor dem Magdalenen s Tage i68l so «rm zu Anneci an, daß sie auch keinen Dreyer hatte, einem Bettler ein Almosen zu geben, und daher ihre Hemdetnöpfe daran wenden muß». Den folgenden Tag las ihr der Bischof von Genf, Her jetzt noch ihr Gönner war, eine Messe an dem? Grabe des heil. Franciscus von Saleö, und sie Z «rneuerte vey dieser Gelegenheit ihre Vermählung ^ Mit Gott auf die feyerlichste Art. Den Tag darauf' reise« sie über Genf nach Gex. ^ !l

Allein sie war kaum angekommen, als sie dke iFolgen ihrer begangenen Thvrheit sehr empfindlich ^ fühlte. Das Haus, in welchem sie ihre wichtig« Rolle spielen wollte, befand sich in sehr armseligen' Umständen, und es war nicht einmahl «n Bettfnr' He und ihre Tochter zu haben. Die letzterebefand sich von denBeschwerlichkeiten einer so abenteuerlichen I Meise ihrer närrischen Mutter schwach und krank,

und sie hatte sich aller Mittel beraubt, ihr die nö, chige Pflege widerfahren zu lassen. Sit hülle sie gem zu den Ursulinerinnen zu Tvnon gelhan, al< lein man wollte ihr nicht verstatten, dahin :u re» sm. Nunmehr verschwanden auf einmahl alle die prächtigen Hirngespinnste, womit sie sich bisher geweidet hatte; die Vernunft erwachte noch einmahl bey ihr, und sie empfand die lebhafteste Reue. Aus ihrer eigenen Erzählung erhellet indessen beut, lich genug, daß ihre getäuschte Eitelkeit ihr die meiste Kränkung verursachte. Ohne Zweifel hatte sie sich eingebildet, hier als eine neue Heilige mit großem Gepränge aufgenommen zu werden und ihre Hchwörmerey überall verbreiten zu können. Ab lein es geschähe nichts weniger als das, und da sie »ft ihr Noviciat halten mußte, so sollte sie jetzt gu horchen, so gut wie eine andere Schwester. Sie fand bey den dasigen Nonnen auch gleich sehr w« »ig Hang und Stimmung zu dem innern Leben, so daß sie wohl sähe, daß sie hier nur sehr schlecht «ürde glänzen können. Das war ihr unerlrag< lich, allein als sie den einmahl gewagten Schritt »icht sogleich wieder zurück thun konnte, so wüste s» keinen andern Rath, als an ihren geliebte» la Combe zu schreiben, daß er zu ihr kommen, unl> sie aus ihrer Verlegenheit befreyen sollte.

Dieser verzog auch nicht lange, und so bald sie dm lieben Mann mir erblickte, so erwachte ihre Schwärmerey wieder in ihrer ganzen Stärke. Sie fühlte einen Strom von Gnade auS dem Inner« dmn Snl, in di, ihrige , «n,d «u« der ilMen in

. > die feinige fließen, und da er eben dasselbe empfand, > , so versenkten sich beyde «ermittelst dieser Ebbe und Fluth in die göttliche und unsichtbare Einheit. AK , Zes das gieng so geistig zu, daß beyder Seelen d« durch nicht einen Augenblick außer Gott beschäftiget wurden. Da ihr das noch etwas neues war, ven muthlich weil ihre Bekanntschaft mit dem Mönch bisher noch ein wenig entfernt gewesen war, so ihat es auch die lebhaftigste Wirkung auf sie, und sie vergaß in einem Augenblicke ihren ganzen Küm, mer. Nachdem diese erste gegenseitige Ebbe und Fluth ein wenig vorüber war, klagte sie ihm Ihre Noch, und der listige Mönch war galant genug, ihr in allem Recht zu geben. Er sagte, ihre Toct> 5er müsse nach Tonon gebracht werden; dieNeubu kehrten schickten sich zu ihrer Denkungsart nicht, (vielleicht weil sie zu viel Verstand für eine solche Närrinn mit aus ihrer vorigen Religion gebrache hatten, denn die allermeisten waren bloß aus Zwang und politischen Rücksichten zur römischen Kirche getreten;) sie möchte daher ohne alle Verbindung in Ger bleiben, bis Gott ihr seinen Willen näher, würde zu erkennen geben. Um sie dazu desto träft «iger vorzubereiten, wurde sie in der Nacht plötzk lich aufgeweckt, und hörte eine Stimme, welche sagte: »im Buche ist von mir geschrieben, daß ich , »deinen Willen thue;« welches ihr denn eine neue

Entzückung abjagte. Gleich darauf sagte eine Stimme im Innern: «du bist Petrus, und auf «diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde, „und da Pe»u< «n dem Kreutz« gestorben ist, s« «sollst du auf dem Kreutz« sterben.« In der nichi ften Nacht erfolgte eine ähnliche Erscheinung, und den Tag darauf versicherte la Cvmbe ihr, daß auch ihm sey offenbaret worden, daß sie der Felsen sey, auf welchen Gott ein großes Gebäude gründe» wollte; und nun ward ihr Stolz und ihre Eitelfeit so rege gemacht, daß auch der noch übrig« Funke gesunder Vernunft dadurch erstickt ward.

Der Mönch begleitete sie nach Tonon, wohin sie ihre kranke Tochter brachte, und hier lernte sie einen andern Fantasten, einen Einsiedler, den Bruder Anselrnus, kennen, welcher ein großer Wunder« thöterwar, und allem Ansehen nach mit dem la Combe im Bunde stand, wenigstens sagte er bey« den tausend herrliche Sachen vor, welche Gott mit ihnen vorhabe, verschwieg ihnen aber, auch nicht, daß sie viel Kreutz würden erfahren müssen. Ei« mahl hatte er eine Erscheinung, worin der Guyon der Kopf abgeschlagen, ihr aber auch sogleich wie, der aufgesetzt, und sie hernach mir Blumen gekrönt wurde; den la Combe hieb man mitten von etnaw der, setzte ihn aber auch wieder zusammen, und bekleidete ihn mit einem rothen Mantel, worauf sie beude eine lange Predigt an das häufig versam« «nelte Volk hielten. Durch dergleichen plumpe Kunstgriffe gelang es denn dem listigen Mönche, «ineNärrinn, welche schon von sich selbst nur zu sehr dazu gestimmt war, ganz an sich zu fesseln.

Den meisten Kummer machte ihr nur ihre Tochl lm, die sie mit in ihr abenteuerliches Schicksal ven flochten hatte, und die ZlMtux sprach zu laut, als

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