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wttbe glauben, daß sie um seinetwillen gekommen sev, und das könne dem Rufe der Heiligkeit, worin er stehe, einen tödtlichen Stoß versetzen. Auch Kr Bischof schüttelte anfänglich den Kopf, allein inder Folge, da er sie persönlich kennen lernte, ließ er sich ganz von ihr einnehmen, welches desto leichter war, da la Combe bey ihm in einem vor< züzlichen Ansehen stand. Sie wußte den schwache» Mann so gut zu nützen, daß er auch zu ihrem Von theile sogleich an die Bischöfe von Marseille und Grenoble schreiben, und viel Aufhebens von ihrer Heiligkeit machen mußte. Damit der Bischof kei, »m Verdacht bekommen möchte, so gab sie vor, daß sie eigentlich zur Marquise de Prunai gewollt hätte, und nur durch Abenteuer nach Vercelli wäre verschlas gm worden. Um nun eine so theure Person in seinem Disthume zu behalten, schickte er den la Combe nach Turin, und ließ die Marquise mit ih« rer Tochter zu sich einladen, weil er damit umging, eine Sammlung von Heiligen zu Bercelli anzulegen, und zu ihrem BeHufe eine eigene Congregation zu stiften. Der gute Mann bedachte nicht, daß sich niemahls zweu Heilige, geschweige mehrere mit ein« ander «ertragen; zum Glück ward ohnehin nicht« daraus, und es scheint, daß die Guyon die Sache selbst nicht gewünscht, weil sie mehr Geschmack an der irrem den Ritterschaft als an einem eingezogenen Leben fand.' Die Achtung-, welche der Bischofihr bezeigte, der Jesuiten neugierig, der HeK den Zahn zu fühlen, daher er sie Fächern der Theologie examinirre. Sie verstand zwar von all« dein Kram nichts; allein Gott flößte ihr die Antworten auf alle seine verfänglichen Fragen auf der Stelle ein, so daß der Jesuit darüber erstaunte.

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Ihre neue unbesonnene Reise zu demlaCombe brachte alle ihre Verwandte, und wer sonst auf Wohlstand and gute Sitten hielt, völlig wider sie auf. Besonders ärgerte sich ihr Prüder, der P. la Mn the, Prior der Barnabiten zu Paris darüber, dm bisher alles angewandt hatte, sie zur Vernunft zu< rück zu führen. Da er sähe, daß alle Vorstellum gen und glimpfliche Mittel vergebens waren, st suchte er wenigstens den Mönch von ihr zu trennen, damit doch das Aergerniß vor den Augen der Welt nicht so sehr auffallend seyn möchte. Ohne Zweifel geschähe es in dieser Absicht, baß er seinen Orden« bruder, den la Combe, als Fastenprediger nachP« riS zu ziehen suchte, weil er nicht glaubte, daß sie das Aergerniß so weit treiben und ihm Hs in die Hauptstadt nachkommen würde. <Sr schrieb' daher an den General der Barnabiten, und stellet«^ihm vor, daß sein Orden jetzt keinen einzigen guten Pr« diger in Paris habe, daher ihre Kirche leer bleibe. Es sey Schade, daß man einen Mann, wie la Comb« sey, an einem Orte lasse, wo er nur seine Sprache verderbe. Paris sey ein anständig«« Schauplatz für seine Talente, zuMahl da ihr Kl« ster daselbst nicht bestehen könnte, wenn sie nicht einen Mann von dieser Art hätten. Der General war dazu willig; allein da der Bischof den Mönch nicht von sich lassen wollte, so ward dießmahl nicht« Frankreich Wörde bringen können. Da der Gen« ral ' Vicar keine Ursache haue, dem Bischof von Wercelli gefällig zu seyn, so gab er dem la Combe Befehl, nach Paris zu geht», und daselbst die jährlichen Predigten zu halten, und sogleich »ar auch die Guyon entschlossen, mit dahin zu gehen. Sie versichert, ihr Bruder habe den Generalis «ar, ausdrücklich gebeten, seine Schwester von dem Mönche begleiten zu lassen. Ist dieses gegründet, so geschähe es gewiß aus keiner andern Ursache, als weil la Möthe überzeugt war, daß das ohnehing« schehen würde, daher das Aergerniß geringer war, wenn beyde den Befehl des Ordensobern vorwenden konnten. La Combe ging einige Tage vor ihr ab, um unter Weges einige Geschäfte zu besorgen, und sie am Eingange der Gebirge zu erwarten, sie aber ließ der Bischof von Vercelli auf seine Kosten bii nach Turin begleiten. Sie brachte einige Tage bey der Marquise de Prunai zu, welche indessen indem - inner« Leben sehr weit fortgerückt w^r, und lehre» sie Salben und Pflaster kochen, welches denn die Marquise bewegte, ein Hospital an ihrem Ortt jU stiften. Sie versichert, Gott habe ihr und dem la Combe auf der ganzen Reise offenbaret, daß sie sthr großen Leiden entgegen gingen; es kann stzn, daß ihr so etwas geahndet hat, und es wai wohl sehr natürlich, daß es ihr ahnden mußte, indem s« durch ihre närrischen Streiche sowohl ihren «nges« henen Verwandte», als der Kirche Ursache genug zum Mißvergnügen gegeben hatte. Zu Chamber?» traf sie ihren Bruder, den la Mothe an , nxlchtt zur Wahl eines Generals nach Rom reise«, und sich sehr freundlich gegen sie stellet«, damit sie nicht etwa wieder einen Seitensprung machen und auf gut Glück in die weite Welt hinein reisen möchte. Hier nennet« sich auch la Combe von ihr auf eine kurze Zeit, indem er nach Tonon ging, die lieben München, Schwestern und andere andächtige weiltt liche Seelen zu segnen, sie aber ging nachGrenyble. Hier bekam sie das tägliche Fieber, und ein andich? tiger Dettelmönch, den sie bey ihrer vorigen Am Wesenheit hatte kennen lernen, kurierte sie mit Vi, per«, welche er ihr in allen nur möglichen Brühen auftischte. Nachdem sie wieder hergesteller war, kam auch la Combe nach Grenoble, und beude langten den Tag vor Magdalena 1686 in Pari«

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^ Da beuder enge Verbindung je langer je mehr Aergerniß anrichtete, so war auch ihrer Verwandt ten, und besonders ihres Bruders, erste Sorge 0« hin gerichtet, sie von dem Mönche zu trennen, und sie zu bewegen, nach Montargis, ihrem GeburtSs orte zu gehen, und daselbst in der Stille zu lebe». Sie sagt, es sey solches aus Eigennutz geschehen, um sich ihres Vermögens zu bemächtigen, und die Vormundschaft ihrer Kinder an sich zu ziehen. Allein der letzter« hatte sie sich ja schon gleich nach ihrer Flucht nach Gex begeben, und zu eben dersek ben Zeit hatte sie auch ihr Vermögen an ihre Kim der abgetreten, und sich nur ein mäßiges Jahrgeld »orbehalten. Es fällt also dieses Vorgeben ganz, weg, und es ist ungleich wahrscheinlicher, daß syl'

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