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hielt sie noch immer einen gewissen Grad des Ver, standes, so »venig sie es auch selbst Wort haben «ill.

-,'Unter diesen Umständen that sie mit ihrem Manne eine neue Reise nach Paris, und dieß war gnade der Ort, wo sie bey ihrer Jugend wieder zur Vernunft Hütte kommen tonnen, wenn sie dies« Reise in einer andern Gesellschaft, als ihres tränt« lichen, mürrischen und eifersüchtigen Mannes getha» hätte. -Sie gestehet selbst, daß sie von Verehrer» Liebhabern umgeben gewesen, daß sie sich eitel nach der Mode gekleidet habe, und daß sie den' Geliebten ihres Herzens sehr oft aus dem Gesichte rloren habe. Aber der Zwang, welchen sie sich Ansehung ihres Mannes anthun mußte, hielt von der schönen Welt immer zu sehr entfernt, ließ ihr unangenehme Augenblicke genug übrig, sie denn fteylich nicht besser als mit den süße» Trimmen ausfüllen tonnte, an welchen sie einmahl ft vielen Geschmack gefunden hatte. Einmahl ließ sie sich bewegen, einer vergnügten Mahlzeit zu S. Cloud beuzuwohnen, und es scheinet, daß die gesellschaftlichen Reihe ihre Wirkung gethan, denn sie llagt, daß Gott sie auf das empfindlichste dafür 'gezüchtiget, und sich ihr drey Monate lang entzo< gen habe. Doch ein Zufall brachte sie bald wieder auf ihre alte Grille. Als sie einmahl nach Notrei Dame gehen wollte, redete ein gemeiner unbekannt ter Mensch sie an, und sagte ihr so viel herrliches von der heil. Dreyeinigkeit, daß sie darüber erstaunte. Was si« aber noch mehr aus aller Fassung bracht«/

pare» die andächtige« Schmeicheleien, die er ihr »achte, indem er ihr von de» großen Dingen vorpr« , digte, die Gott mit ihr vorhabe. Alle Umstehend« sagten, daß der Mensch wahnfinnig sey; allein sie wußte «as Ding besser, und hielt ihn für nichts gei ringers als für einen Abgeordneten der ewigen Wew heit, zumahl da der Mensch bald darauf verschwand «der sich vielmehr in dem Gedränge verlor.

Von Paris reise« sie mit ihrem Manne »ach Orleans und von da nach Touraine, und überall erwarb ihr ihr Stand und ihre Jugend Verehrer, und der Kampf der Natur und Gnade, wie sie das Ding nennet, machte ihr tausendfaches Leiden. Sie nahm ihre Zuflucht zu den Beichtvätern, ab« die waren keine Mystiker, und verstanden alsovo, ihrem Anliegen nichts. Ihre Zärtlichkeit ging ft weit, daß sie es auch für eine Untreue an ihrem Geliebten hielt, wenn sie an fremden Orten die Seltenheiten besähe, die es daselbst gab. Au« ihrer weitläufigen Beschreibung erhellet sehr deut, lich, wie viele Mühe es ihr getostet, ihre Vernunft zu unterdrücken, und es gelang ihr auch nicht eher, als bis sie wieder nach Hause kam, da denn die Einsamkeit und die häuslichen Leiden wieder ihre vorige Wirkungen thaten.

Sie fand bey ihrer Rückkunft ihre Kinder a» , den Blattern krank, woran auch eines starb, und ihr Mann bekam sein' Podagra mit der größten Heftigkeit. Bald darauf, nehmlich den 4ten Ott. 1670 bekam sie im 22ten Jahre ihres Alters selbst die Blattern, und zwar mit einer außerordentliche»

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Hchtztett. So gefährlich und schmerzhaft auch ihl« Krankheit war, so überstand sie selbige doch, M hatte «ine herzliche Freude, daß sie nunmehr ihm Schönheit los war, die ihrer Schwärmerei) lliher so manchen tückischen Streich gespielet hatte; ftz», daß sie auch ihre Haut mit keiner Pomade schmieren wollte, weil die Stimme ihres Geliebten «in Innern zu ihr sagte: wenn ich dich schön haben M«> so hätte ich dich gelassen, wie du wärest. I« dieser ging so strenge mit ihr um, daß er ihr auch befahl, nach kaum abgeheilten Blattern an die Luft, und mit unverdecktem Gesichte unter dieLeute zu gehen, damit ihre Demuth setzt da triunv ichiren möchte, wo sonst ihre Eitelteil triumphiret hane-, und man wird wohl nicht lange fragen, ob su dm Befehl befolget habe.

0b sie nun gleich durch den Verlust ihrer Schön» heil, »ie sie glaubte, auf der einen Seite gewann, so »nlor sie desto mehr auf der andern, denn ihr« häMchen Widerwärtigkeiten nahmen zusehendszu. Vorher hatten ihre Reihe noch oft die üble Laune ihres Mannes in Schranken gehalten oder unter» drückt, aber jetzt überließ er sich ihr ohne Zurück« Haltung. Da die Bewunderung, welche sie bisher l»n außen genossen hatte, sich nunmehr von selbst «ller, so blieb ihr gar nichts mehr übrig, als der Gegenstand ihrer Einbildungskraft, und sie warf sich demselben ohne alle Einschränkung in die Arm», ohne dabey im geringsten einigen äußern Wohlstand zu beobachten. Sie communicirte alle drey bis X«Taa.e, lag dabey ganz« Stunden in den Kit, cben auf ihren Knien, und verschenkte alles was sie hatte und habhast werden konnte, an die Anne» und an die Kirchen. Alles das erzählet sie mit so vieler Ruhmredigkeit, daß man deutlich genug sieh«, daß Stolz und Eitelkeit ihre herrschende Leidenschaft war, die auch beu ihrer ganzen Schwärs merey zum Grunde lag. Hatte ihre Andächteley ihr vorher tausend Verdruß zugezogen, so machte selbige sie jetzt, da sie häßlich war, völlig verächtt lich, und es vereinigte sich alles, sie daran zu hin, dern und sie zu kränken. Man glaubte desto mehr Ursache dazu zu haben, da sie das Hauswesen da« über vernachlässigte, und nichts als ihre süßenTröume dachte, sah und hörte. Sie ging an einem Tage zehn Mahl in den Garten, nach etwas zu sehen, warum ihr Mann sie befragt hatte, sähe es aber immer nicht, oder vergaß es doch, so bald sie es gesehen hatte. Eine solche Zerstreuung hätte auch wohl den kaltblütigsten aus der Fassung gebracht. Zugleich blieb sie bey allen Vorwürfen, die ihr geznacht wurden, siemochte» auch kommen, vsnwem sie wollten, jederzeit stumm und sprachlos, und da man das für Verachtung oder Verstockung hielt, so machte sie ihre Sache dadurch natürlich nicht besser. Ihre Schwachheiten sielen so gar ihrem kleinen Sohne auf, dtr sich ein Geschäft daraus machte, seiner Mutter zu spotten. Da sie sich ein, bildete, daß alles das von ihrer zärtlichen Liebe zu Gott herrührte, so ertrug sie es nicht allein mit Gedult, sondern wüste sich auch viel mit ihrem Kreuze, und war unruhig, wenn sie einmahi

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kl» paar Stunden R«he hatte, und nicht verfolgt ward, weil sie das einer Kälte Gottes gegen sie zuschrieb. Die Ursache ist wohl, weil die unang« nehmen Empfindungen von außen den Werth ihrer süßen Hirngefpinnfte erhöheten, die freylich nicht so lebhaft auf sie wirken konnten, wenn sie nicht entgegengesetzte Empfindungen von außen hatte. . - ^ Aller dieser Widerwärtigkeiten ungeachtet, setzte sie doch ihre freywilligen Kastzyungen, so oft sie nur Gelegenheit dazu hatte, ununterbrochen fort; sie geißelte sich mit Nesseln, ließ sich gesunde Zähne ausziehen, und hegte schmerzhcifte mit der größte» Zärtlichkeit. Sie wollte sich einmahl geschmolzenes Bley auf die bloße Haut gießen, machte es aber so ungeschickt, daß es herunter floß, ohne ihr de» geringsten Schaden zu thun. Wenn sie einen Brief zusiegelte, so tröpfelte sie sich Siegellack auf die Hand, und wenn sie einen Wachsstock in der Hand hatte, so ließ sie ihn lange in die Finger brennen.

Da sie von ihren Blattern her ein böses Auge behalten hatte, so schickte man sie nach Paris, sich daselbst heilen zu lassen. In ihren gegeuwärtigen Umständen war dieser Ort ihr nun nicht mehr g« fihrlich, denn alles was ihre Eitelkeit hätte schmei« cheln können, fiel jetzt von selbst weg. Sie fand hier vielmehr neue Nahrung für ihre Ausschwei« fungen, denn die im vorigen genannte Mutter Granger empfahl sie an einen schlvärmerischea Geistlichen Bettot, der der Mentor ihres Gewift sens in Paris seyn sollte Allein, er war ihr nicht 'MMtzUch, «lS>Pe gehofft hatte, weil ihr noch dl«

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