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große Dinge mit ihr vorhabe. Wie sehr das ihre Eigenliebe kitzelte, schimmert deutlich genug durch, so sehr sie auch dabeu die Miene der Demuth und Ergebung in de» Willen Gottes anzunehmen

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Sie begab sich den /olgendm Sommer auf ihr Landgut, und Ha sie hier wieder allein war, so beförderte und nährte die Einsamkeit ihren verliebe ten Grillenfang. Zugleich hörteauch ihr bisheriges Kreutz auf; alle ihre bisherige Feinde wurden jetzt ihre Freunde, und sprachen wenigstens Gutes von' ihr, und selbst ihre zänkische Schwiegermutter war jetzt mit ihr zufrieden, vielleicht weil sie selbige nicht wehr um sich hatte; so sehr veränderte sich alles, sobald nur ihre Leidenschaft einen Gegenstand hat», an welche.» sie sich heften konnte. Einige Geschäft« riefen sie bald darauf nach Paris, und da sie b« teils darauf gestimmet war, andächtige Abenteuer zu erleben, so blieben sie auch nicht lange aus. Sie gteng bald nach ihrer Ankunft in eine dunkele Kitt che, um daselbst zu beichten, und wandte sich an den ersten den besten Beichtvater, ohne ihn zu rem nen, oder ihn nach der Zeit wieder gesehn zu hcü ben. Nachdem sie ihre Beicht abgelegt hatte, welche sehr kurz war, sagte der Geistliche zu ihr: Ich weiH «icht wer sie sind, aber ich fühle einen inner» Trieb in mir, ihnen zu fuge», daß siedasthun^ was Gott von ihnen verkangen wird. Sie antwortete: ich bin eine Wittwe, welche kleine Kinder von vier bis sechs Jahren hat, was könnte Gott anders von mir verlangen, als sie zu erziehen? Der GeitZk «che ««inerte: das weiß ich nichtsabeti sie wüst sm wissen, ob Gvtt ihnen feinen Willen hat zu «kennen gegeben,'und wenn das ist, so kann sick «ich« abhalten, ihn zu «ollziehen. — Ist die ganze Geschichte nicht eine Erdichtung vonihr, ihre« Ausschweifungen dadurch ein Ansehen zu geben, so» w« es gewiß eine angestellte Sache, ihre Eitelkeit «lid Leichtgläubigkeit dadurch zu täuschen, Genug, sie faßte den Entschluß, ihre Kinder und alle« zu «rlassen, «enn Gott es von ihr fordern würde. Ich übergcheein andres Abenttuermiteinem schwärmerischen Dominicaner, ob es gleich dabey auch; licht an Träumen'und Einbildungen fehlt, und «wähne nur des Anfanges ihrer Bekanntschaft «it dem Bischof von Genf, d' Arenthon.

Weser hielt sich damahis zu Paris auf, und beste eben in dieser Stadt etwas zu thun haue, , so ward sie vermittelst des eben gedachten Dominik, uners mit ihm bekannt. Der Einfall, welchen sie ehedem hatte, nach Genf zn gehen und resormitt' i» werden, hatte sich ihr zu fest eingeprägt, und ivenn gleich an der letzten iHälfte desselben Key ihrer jek jigen Veränderung nicht mehr zu denken war, fo? »«ihr doch die erste Hälfte immer noch merkwün big. Personen von solchen Denkungsarten wird >ie zufälligste Verbindung der Umstände merkwü», >ig. Der ehemshlige Gedanke nach Genf zu ges hm, und der Bischof von Genf jetzt in Paris und «^Bekannter von ihr; das konnte nicht natürlich' iugchen. Kurz, sie eröffnete dem Bischoff ihr Vors Haben, daß sie sich dahin begeben, und aus ihrem

Vermöge» «ne Anstalt für alle dtejenkge» stifte« »ollte, «reiche sich von ganzem HerM zu Gott b« kehren und, sich ihm ohne Einschränkung ergeben, würden. Der Bischofs billigte es,, ganz natürlich, nur schlug er ihr Gex für den Ort der Anstalt vor; allein sie antwortete , daß ihr Ruf nach Genf «nd nicht nach Gex gehe. Sie befragte ihre» GewH, sensrath Bertst, und so kalt er bisher gegen sie gethan ha« > so sehr billigte er jetzt ihr Vorhaben, und versicherte ihr, daß Gott ihtn schonvor einiger Zeit offenbaret habe, daß er erwaS Großes! aus ihr machen wollte. Sie hing diesem Gedanken nach ihrer Rückkunft nach, und hatte ,mehrere geheim, nißvolle Träume, welche ihr nichts als: Kreutz, Verfolgung und Schmerzen ankündigten. Die ganze Sache hing nur noch von dem P. la Combe ab, mit welchem sie einen vertrauten Briefwechsel unterhielt, und ohne dessen Einwilligung sie «ich» «ehr that. Dieser bestärkte sie gleichfalls darin^ und schrieb ihr, daß er drey heilige Nonnen in der Gegend habe bethen lassen, und daß sie alle darin überein kämen, daß Gott sie nach Genf verlange. Eine Nonne von der Visitation, welche auch im Gerüche der Heiligkeit lebte, war gleicher Meinung, und versicherte, wie ihr wäre offenbaret worden, daß sie eine Tochter des Kreutzes zu Genf werde«' sollte. Eine andere Närrin«, eine Urselinerin« wollte von Christo gehöret haben, daß er sie zu« Auge der Blinden, zum Fuße der Lahmen, zun, Arme der Armlosen u. s. f. bestimmt habe. Ihr Hausgeistlicher hatte noch immer Bedenken dabey> und glaubte, es stecke ein Betrug dahinter; allein^ nachdem Claude Mattin, ein anderer Ordenösans tast, ihm sein, Bedenrlichkeiten gehoben hatte, so blies er mit dm übrigen in Ein Horn. Das waren denn freylich nur zu viel Bewegungsgründe', eine «tele Närrin« zu einem albernen Sueich, zu «e« Mki,,-,^" 6- ',

'Sie Hesteh« selbst, daß sie sick, ohne aUe Uebett ltMg dem Willen Gottes überlassen, und bereuet « sehr als eine begangen« Untreue, daß sie «in einziges Mahl über den wichtigen Schritt, welche« sltthun wollte, vernünftig «achgedacht habe. Ins dessen fanden sich doch allerley Hindernisse, welche die Ausführung ihres Entschlusses verzögerten; wenn sie selbigen gleich nicht ganz hindern tonnten. Ihre Schwiegermutter, welche befürchten muste, baß sie wieder Heirathen möchte, ward auf tinmahl kmer Sanftmuth und Gefälligkeit gegen sie. Sie zejgte dieses besonders, als die unsrige gefährlich krank ward, da sie selbige fast keinen Augenblick verließ. Die Erkenntlichkeit höttesie zurück halte« können und sollen; allein, wenn man glaubt, einen göttliche» Beruf zu einer Thorheit zu haben, sd tztzt,man sich über solche Kleinigkeiten, dergl. z. D. die Dankbarkeit gegen Wohlthaten, die Sorge für die Erziehung ihrer Kinder u. s. f.ssnd, sehr leicht hinweg. Der Winter vor ihrer Abreise war ha« «t>d anhaltend, und sie erzählt bey dieser Gelege»! hst die Almosen, welche sie und ihre Schwiegermutter ausgetheilet, mit vieler Prahlerey. Auß« 5tln, «aS sie insgeheim an Hausarme gäbe», verthellten sie in ihr^emlHause wöchentlich. 96 Dub z«nd Brote. Ich übergehe««»« Züge ihrer Ruhm, redigleit, z. V. daß sie Wunder lhat, und täglich Wunder erfuhr, und einmahl an einem sehr, heißen Tagt vermittelst weniger Worte einen kühlen Wind entstehen ließ. Das waren ihr, wie sie sagte, so viele Bestätigungen ihres göttlichen Rufes, ^M sie beschloß, demselben blindlings zu folgen, und da ihre Eitelkeit uM Einbildungskraft dadurch inv nier Mehr erhitzt wurden, so machte sie die «bew teuerlichsten Entwürfe. ^-^ ./>.^,M

'Ihr erster Anschlag war auf Genf gerichtet, wo sie sowohl Ketzer als neubelehrte Katholiken, beren es damahls mehrere daselbst gab, zu ihr« Schwärmern) verführen, oder wie sie sich ausdrückt, zum inner« Leben in Gotd bringen wollte. llF Hiese Absicht zu erreichen, wollte sie sich ein klein« Zimmer miethen, und da sie.mil Salben und an» «erer Auacksalberey umzugehen wußte, besonders da sie ein sicheres Mittel wider den Krebs zu haben glaubte, so wollte sie sich auf diese Art b«y de» Menschen einschleichen, und glaubt« in ihren G« tanken schon, eine Menge derselbe» ^ durch ihre Schmiererey angesteckt zu haben. Allein, diejtlch gen von ihren Freunden, welche noch ein wenig Verstand hatten, und besonders der Bischoff von .'Genf, widerriechen ihr ein solches närrisches Vorhai b«n, und wollten vielmehr, daß sie nach Gex gehen, und daselbst eine bereits angefangene Stiftung für Hieubitehrte Katholicken weiblichen. Geschlechts vol,tou)en sollte, wozu sie sich denn endlich «uch «n«.

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