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Drabicii und der Poniatowa Prophezeyungen vier Mahl heraus, und zwar am vollständigsten in seinem I.uce e lenebri«, ?lmsterdam, 1665,4, von welchen Ausgaben ich schon in seinem Leben im ersten Theile dieses Werkes das Nöthige gesagt habe.

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66. Christina Poniatowa,
«ine Prophetinn.

L>a diese den Faden da aushob, ws Kolter ihn niederlegte, so schließt sie sich billig auch hier an ihn an. Ihre Geschichte ist in mehr als einer Rücksicht merkwürdig. Besorg ders flehet man daraus, wie wenig Feinheit bey gewissen herrschenden Vorurcheilen erfordert wird, dem plumpesten Betrüge ein Ansehen zu ver, schassen. Leider ist ComeniuS in seinem I.uce e «nebri« auch hier die einzige Quelle, aus wel, cher alle übrigen geschöpft haben, und da kann man denn leicht denken, daß er alles wird ver« schönen, und zum Vortheil seiner Heldinn gedrehet haben. Indessen gucket der Betrug doch überall vor, und wir würden davon noch mehr überzeugt werden, wenn die Aufsätze derjenigen Aerzte, welche die Narrinn untersuchten und zum Theil in der Cur halte«, wären bekannt gei macht worden.

Christina PoniÄowa von Duchnjck war dl« Tochter eines protestantischen Geistlichen inBöh, men, Julian Poniatow, oder nach PohlnischerSitte Poniatowöky, welcher «in geborner Kas thojik von Adel aus Pohlen war, auch eine Zeit lang in einem Kloster-Orden gelebt hatte, abev hernach zu den Prolestanten übergetreten war, und weil er sich in Pohlen nicht sicher befand) nach Böhmen ging, wo man ihm eine Prediger» stelle >. vermuchlich zu Duchnick, anvertrauet«. Als die evangelischen Geistlichen vermöge des Be< fehles von 1624 das Land räumen sollten, viele aber im Vertrauen auf KotterS Prophezeiungen im Lande blieben , und sich be» ihren Glaubensgenossen verbargen, hielt sich Poniatow heimlich in Prag auf. Als aber auch 1627 der, Adel verbannet wurde, so nahm der Burggraf von. Mahren, Carl von Zerotm, denselben als sei« nen Bibliothekar zu sich, und da seine Frau be« reics verstorben war, so thar er sein« älteste Tochi ur Christinam, welch« 1610 geboren war, folg.« lich damahls etwa 16 Jahr alt war, zu der Freyherrmn Sngclburg von Zelking, welch« auf ihrem Schlosse Branna, nicht weit von dem Ursprünge der Elbe wohnt?.

Christina kam im Oktober ^1627 zu derseli l«n, allein schon im folgenden Monathe finge» sich ihre Erscheinungen und Offenbarungen an. Sie sollte den i2ten Nov. der Freyherrinn etwas hohlen, und als sie dabey die Augen von unge< für auf den Himmel warf, so glaubte sie etwas «n demselben zu sehen, was einer großen Rull)« oder einem Besen glich, d« von Mitternacht nach Mitrag zeuch«! war. Sie «rschrack da« über, lief zurück und rief mehrer« Personen Herl Hey, das Wunderlichen mit anzusehen; allein, sls diese'kamen, «ar dasselbe schon verschmun, den. Acht Tage darauf, nöhmlich den lyten Nov. ward sie gefährlich krank, da denn die Frey, Herrinn einsir Arzt aus Arnau., den Michael LiHavius, eine» Sohn des bekannten ChymikerS, Andreas LibaviuS zu Halle, hohlen ließ. D« dessen Hülfe nicht sogleich anschlagen wollte, so schickte die Frcyherrinn zu einer ihrer Frcundim nen, der Esther von Wchymtz, Baronesse vo» Sadov, und da man glaubte, daß die Kranke sterben würde, so ließ sie auch ihren Geistlichen, den Johann Stadius hohlen, der aber ein we, »ig entfernet war, daher er erst einige Tage dar» auf komm«, konnte. Zum Unglücke war Fan, rast Comenius in der Nähe, der denn darüber zukam, und der Sache sogleich die schöne Wen« dung gab, welche sie wirklich bekam. Ihm zu Folge bekam die Kranke nach vorhergegangenen Schmerzen im Unterleibe von Zeit zu Zeit kurz« Ohnmächten, in welchen sie entweder wie tobt da lag, oder allerlei) Fantasien hatte. Den S2sten Nov. befand sie sich in einer solchen Ohnmacht in einem weitläufigen Gebäude, in wels «Hern ein schön gedeckter Zisch mit einem Palnv zweige lag. Ein weiß gekleideter Knabe nahm den, Wen weg, und jetzt« ihr dafür «in« schöne gob bene Krone, mit den Worten: diese sollst du Hai den, wenn du in deinem Glauben verharrest. Den folgenden Tag bekam sie wieder eine solche Ohnmacht in Comenii Gegenwart, in welcher sie sich im Betre aufrichtete, starr auf «was sa« he, und dabey ausrief: der Bräutigam! der Bräutigam'. Als sie wieder zu sich kam, erzähl« te sie, daß sie sich in einer schönen Stadt befuiu den, und eine herrliche Mnsik gehöret habe. Wahrend derselben, scy ihr ein ehrwürdiger GreiS begegnet, welcher ihr erzählet habe, daß jetzt die Hochzeit des Bräutigams gefeiert werde. Er habe sie auch zu demselben geführet, da er denn wunderschön gewesen sey. Sie habe ihn sogleich für den Sohn Gottes erkannt, und ihn angebe, «her, worauf das Gesicht verschwunden, sie aber wieder zu sich selbst gekommen sey. Den folgen« den Tag gegen Abend hakt« sie, wie sie vorher« sagte, wieder eine solche Entzückung, welche eine halbe Stunde dauerte, weit umständlicher war, als die vorigen, aber immer auch nur den Bräu« tigam betraf. Der Arzt LibaviuS, «elcher g« genwärttg war, gestand, daß seine Kunst hier «in Ende habe. Comenlus erstaunte über das ZpeÄscuIum ttupencZum, wie er es nennet, und sagt zwar noch nicht, was er davon geurtheilet habe; wer «ber weiß, wie geschwinde er in sob chen Fällen mit unmittelbaren göttlichen Offen» barungen fertig war, der kann in Ansehung se« nes UrthetleS nicht lange zweifelhaft ftyn. Daß die anwesendm Damen hier den Finger Gott« erkannten, ist sich noch wenig« zu verwundern, daher die Freyherrinn auch die Hände gen Him, «ttl hob, und ausrief: ich danke dir Gott, daß du mich noch in diesem Leben ein Vorbild jener Herrlichkeit sehen lassest!

Ich mühte mich sehr irren, wenn alle diese Erscheinungen nicht sehr gewöhnliche Zufälle eil neS verliebtm hysterischen Mädchens waren, de, ren Einbildungskraft durch allerley^bibiische Bilder irre geleitet war; denn Comenius gestehet selbst, daß sie sich zwischen ihren so genannten Entzückungen die Offenbarung Johannis vorlesen lassen. Man weiß, daß bey solchen und alle« ähnlichen Kranken die Einbildungskraft die vor« hergegangenen Eindrücke in dem Paroxysmo nur fortsetzet. Was Wunder, daß ein vollblü' tiges verliebtes Mädchen in demselben von dem Bräutigam, von dem Lohne der Beständigkeit und andern solchen Herrlichkeiten fantasiret, da ihre Seele vorher mit nicht« andern, beschäftiget war? Bis so weit war ihre Krankheit nicht allein sehr wahr, sondern auch sehr natürlich. Allein da die Narrinn sähe, daß alle Anwesende die Sache auf einen andern Fuß nahmen, daß man in den gewöhnlichsten Zufällen nichts al« unmittelbare Wirkungen Gottes erblickte, und sie selbst folglich für ein auserwähltes Rüstzeug des Herrin hielt: so mußte das ihre weibliche Eitelkeit nothwendig kitzeln, und sie verleiten, Kunst mit der Natur zu verbinden, um dadurch die Wichtigkeit, welch« man ihr schon beylkgke.

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