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teile und Annehmlichkeiten, sondern verschliefst ihnen auch die Möglichkeit, einer anderen immer dringender hervortretenden Forderung der allgemeinen Bildung, der näheren Bekanntschaft mit der Kunst, irgendwie gründlich zu genügen. Es handelt sich hier nicht allein, ja nicht einmal in vorwiegendem Masse, darum, erhaltene Eindrücke festzuhalten; dafür sorgen jetzt Bilderwerke aller Art leichter und besser. Wir müssen vielmehr betonen, dass nur der ordentlich sehen kann, der wenigstens einigermafsen imstande und gewöhnt ist, das Gesehene wiederzugeben. Allgemeine Eindrücke werden auch andere davontragen; aber unendlich mehr und bleibenderen Genuss und Vorteile für seine Geistesbildung hat der, welcher die Schönheitslinien zu verfolgen geschult ist, auch wenn er nicht in jedem Einzelfalle den Stift herausnimmt und wirklich zeichnet. Warum wird die Forderung einer gründlichen Vorbildung auf der Schule immer nur für das philologische Gebiet erhoben? Warum lässt man sie auf dem, wahrlich auch zur humanistischen Bildung gehörigen, Kunstgebiete so völlig aufser Acht? Und vergessen wir nicht, dass diese Vernachlässigung des Zeichnens den Schülern der philosophischen Gymnasien einen bleibenden und meist im ganzen Leben nicht mehr einzubringenden Nachteil zufügt. Das Zeichnen, wie alle Handfertigkeiten, muss von Jugend auf geübt werden, wenn es mit irgend welchem Erfolge ausgeübt werden soll. Selbstverständlich rede ich nicht von geborenen Malern und Bildhauern; diese haben von jeher ihre Begabung auch unter den widrigsten Lebensverhältnissen zur Geltung zu bringen gewusst und können aus philologischen Gymnasien ebenso gut wie aus Alphütten oder Schusterwerkstätten hervorgehen. Ich rede nur von demjenigen Masse von Zeichenfertigkeit, welches man unschwer jedem Durchschnittsmenschen in der Jugend beibringen kann, und welches ihn befähigt, in der Kunst (wie auch in der Wissenschaft, wovon später!) ordentlich zu sehen und das Gesehene einigermassen festzuhalten. In dieser Richtung thun die philologischen Gymnasien bekanntlich nur eben genug, um die Finsternis recht sichtbar zu machen; weit mehr geschieht an den Realgymnasien, und wenn auch dies nach meiner persönlichen Ansicht noch nicht ganz genügt, so ist es doch ein Schritt auf dem richtigen Wege, und muss man für alles darin geleistete dankbar sein. Welch verschwindend kleiner Bruchteil der Gymnasialschüler vermag später, wenn ihm der Mangel an Zeichenfähigkeit drückend geworden ist, denselben noch zu verbessern! Und diese Fertigkeit würde er nicht, wie seine Kenntnis des Griechischen, später doch so gut wie ganz verloren haben, denn auf Schritt und Tritt bietet sich ja Gelegenheit zur Uebung darin, und allermindestens doch zum Sehen! Selbst diejenigen Hochgebildeten, welche im Herzen oder »unter sich« von den Naturwissenschaften als einer niedrigeren Species von Geistesbeschäftigung reden (und ich kann aus Erfahrung bezeugen, dass es solche Käuze nicht allein unter Stockphilologen giebt), werden im Hinblick auf die Kunst kaum zu leugnen wagen, dass die Realgymnasien inbezug auf Zeichenunterricht für allgemeine Bildung mehr als die philologischen Gymnasien thun!

Kein Wort will ich verlieren über den schweren Nachteil, welchen der Gymnasialunterricht für die allgemeine Geistesbildung des modernen Menschen durch die Vernachlässigung der Naturwissenschaften mit sich bringt. Offene Thüren braucht man nicht einzustofsen; genug glaube ich schon zur Begründung meiner Ueberzeugung gesagt zu haben, wonach die, an sich ja schätzenswerte, Kenntnis der griechischen Sprache viel zu teuer erkauft wird durch das Zurücktretenlassen der neueren Sprachen, des Zeichnens und der Naturwissenschaften. Wohlgemerkt: ich rede immer noch von der allgemeinen Bildung«, von der des Staatsmannes, Juristen, Mediziners, Historikers, Chemikers, Technikers, Kaufmannes, ja von der des Philologen selbst. Ich wage es auszusprechen, dass dem Philologen, Juristen oder Arzt, welcher jene Bildungsmomente vernachlässigt hat, weit mehr zur wirklichen Geistescultur fehlt, als dem Realschulabiturienten, der sich später zum tüchtigen Maschinenbauer oder Kaufmann ausgebildet hat. Mein Ideal ist also nicht der Ausbau des heutigen philologischen Gymnasiums, sondern derjenige des Realgymnasiums zu einer allgemeinen Bildungsanstalt für alle ein Höheres erstrebenden Elemente der Nation. Wer Griechisch oder mehr Lateinisch

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deutscher Ingenieure.

lernen will oder für seinen Beruf lernen muss, der wird es dann ebenso gut thun, wie man heute Französisch in grösserem Umfange, Englisch, Italienisch oder Sanskrit aufserhalb des Gymnasiums erlernen muss.

Ideale pflegen sich aber, wenn überhaupt, nur sehr langsam zu verwirklichen, und durch Ueberstürzung kann man den bestberechtigten Forderungen nur schaden. Rechnen wir also mit den philologischen Gymnasien als etwas historisch gegebenem, als einer ehrwürdigen Institution, die zu feste Wurzeln geschlagen hat, um trotz ihrer Mängel von heute auf morgen beseitigt werden zu können. Lassen wir nicht aufser Acht, dass recht viele anders als wir über diesen Punkt denken, dass wir deren Meinung achten müssen und ihnen nicht das Recht zur Wahl eines philologischen Bildungsganges verkümmern dürfen, selbst wenn wir dies thun könnten. Ganz aufser Frage erscheint ja die Möglichkeit der Annahme, dass die fast ausschliesslich aus dem philologischen Gymnasium hervorgegangenen mafsgebenden Kreise sich in absehbarer Zeit für dessen Beseitigung oder vollständige Umformung aussprechen werden. Vergessen wir auch nicht, dass die menschliche Natur zum Glück viel vertragen kann, und dass der Gymnasialabiturient, wenn er Zeit und Mühe nicht scheut, recht vieles, wenn auch nicht, oder höchst selten, alles, was er infolge seiner verkehrten Erziehung vermissen muss, später nachholen kann. Zunächst und vermutlich auf eine ziemliche Zahl von Generationen hin kann das höchste erreichbare Ziel nur die völlige Gleichberechtigung der Realgymnasien mit den philologischen Gymnasien zu allen Studien sein, und die Erreichung dieses Zieles wird gerade in Frage gestellt, wenn die Realgymnasien irgend welche Sonderrechte für die technischen Fächer in Anspruch nehmen, mögen auch sonst triftige Gründe dafür sprechen. Vor allem müssen wir es ja erstreben, dass die Nötigung zur Wahl zwischen verschiedenen Berufsarten so weit wie möglich gegen das Ende der Schulzeit hinausgeschoben werde, und dies können wir ja doch nur erreichen, wenn beide Arten von Anstalten den Zugang zu allen Berufsarten offen haben.

Meine Ansicht ist also die, dass jeder Berechtigungsunterschied zwischen den philologischen und den Realgymnasien verschwinden sollte; die von einer oder der anderen dieser Anstalten mit dem Zeugnisse der Reife Entlassenen sollten zu jeder Art des Studiums an Universitäten, technischen und künstlerischen Hochschulen sowie zur Ableistung aller Prüfungen an denselben befugt sein. Möge dann der Realschulabiturient, welcher Theologie, Philologie, alte Geschichte usw. studiren will, ebenso gut eine gewisse Zeit auf das nachträgliche Studium des Griechischen verwenden, wie es der Gymnasialabiturient auf die Erwerbung von mehr mathematischen und graphischen Kenntnissen thun muss, wenn er ein technisches Fach ergreifen will. Es wird dem ersteren meist leichter als dem letzteren fallen!

Eine Beschränkung der einen Sorte von Abiturienten auf die Universitäten, der anderen auf die technischen Hochschulen (einschliesslich der Bau-, Berg-, Forstakademien usw.) hat um so weniger einen Sinn, als die Unterscheidung zwischen beiden Arten von Hochschulen eine ganz willkürliche, nur auf zufälligen, historisch gegebenen Verhältnissen beruhende ist. An den Universitäten ist nicht nur immer die ganz entschieden zu den technischen Fächern zählende Medicin, sondern zuweilen auch Land- und Forstwirtschaft untergebracht, denen wohl noch niemand einen höheren »humanistischen « Rang zugebilligt hat als der Architektur, dem Ingenieurwesen, der technischen Chemie, welche Fächer wahrlich auf mindestens ebenso breiten wissenschaftlichen Fundamenten aufgebaut sind wie die zuerst genannten, einschliesslich der Medicin; wie denn auch bekanntlich die reinen Naturwissenschaften, insbesondere Physik und Chemie, und die Mathematik in ihren höchsten Verzweigungen an den Polytechniken mindestens ebenso gründlich wie an den Universitäten gelehrt werden. Es giebt sogar Skeptiker, nach deren Meinung selbst die Rechtsgelehrtheit in ihrer praktischen Anwendung wesentlich ein technisches Fach ist, bei welchem die wissenschaftliche Seite des Studiums recht sehr zurücktritt, namentlich wenn, wie das wohl in dieser Facultät nicht selten ist, das Triennium zum grofsen Teil in der Kneipe und auf der Mensur zugebracht worden

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31. October 1885.

ist, mit Ergänzung der dadurch entstehenden Wissenslücken durch die hochgradig »humanistische« und »ideale« Institution des >>Einpaukers«, welche in den von den Juristen mitleidig über die Achsel angesehenen technischen Fächern des gewöhnlichen Sprachgebrauches nicht entfernt in demselben Grade verwendbar ist, weil man bei diesen auch in der Praxis zu viel wissenschaftlich denken muss.

Wenn ich also auch durchaus dafür eintreten muss, dass völlige Gleichheit gewahrt, mithin auch den Gymnasialabiturienten der Besuch der technischen Hochschulen offen gehalten werde, so kann ich doch nicht umhin, zu betonen, dass ihre Vorbereitung nicht nur für alle technischen Studien im gewöhnlichen Sinne des Wortes, sondern auch für das Studium der reinen Naturwissenschaften und der Medicin derjenigen der Realschulabiturienten weitaus nachsteht. In dem eingangs erwähnten Schreiben an die Chemiker-Zeitung habe ich unumwunden bekannt, wie schmerzlich ich selbst noch heut meine eigenen Lücken in der Mathematik und im Zeichnen fühle, trotzdem ich dieselben später erkannt und auszufüllen gesucht hatte. Es war aber zu spät; was Hänschen nicht gelernt hatte, das fiel Hans zu schwer, in solcher Weise zu lernen, dass es ihm in Fleisch und Blut übergegangen wäre, und gerade so, wie mir, wird es gewiss auch recht vielen anderen gehen. Allerdings erschwerte sich die Sache in meinem Falle noch dadurch, dass ich vom Gymnasium auf eine Universität ging, wo mir die erwähnten Mängel erst spät so stark fühlbar wurden, dass ich eine Abhilfe suchte; der an ein Polytechnikum übertretende Gymnasiast würde sie vom ersten Augenblick an spüren und sofort an ihrer Beseitigung arbeiten müssen. Aber unter allen Umständen scheint es mir völlig fraglos, dass das Realgymnasium die bessere Vorbildung für alle naturwissenschaftlichen und medicinischen, ebenso wie für die technischen Studien giebt. Hier kommt es namentlich in Betracht, was wir bei der allgemeinen Bildung nicht zu berücksichtigen brauchten, dass die an ihnen gegebene mathematische Schulung nicht nur weitergehend, sondern auch gründlicher als an den Gymnasien ist. Ihre Abiturienten werden dadurch befähigt, an der Hochschule gleich die höheren Zweige der Mathematik zu treiben; aber, was vielleicht noch mehr wert ist, ihr Geist ist von vornherein mehr geschult, mathematisch zu denken, etwas, was der grofsen Mehrzahl der Menschen schon in ihren Knaben- und ersten Jünglingsjahren beigebracht werden muss, wenn es bleibende Früchte tragen soll. Das mathematische Denken ist aber nicht nur für den Physiker, den Ingenieur und Maschinenbauer nötig es frommt dem Chemiker, ja selbst dem Botaniker, Physiologen, Mediciner, und kann ihn vor manchen Irrtümern und Ungenauigkeiten bewahren, auch da, wo es sich nicht um unmittelbare Anwendung von mathematischen Formeln handelt. Jedenfalls kann man das Zukunftsideal dieser Wissenschaften nur darin erblicken, dass sie immer exacter werden, d. h. mathematische Grundlagen gewinnen, und das wird erst möglich sein, wenn ihre Bekenner weitaus mehr mathemathische Schulbildung besitzen, als sie von den philologischen Gymnasien mitbringen können, wo mit seltenen Ausnahmen dieser Unterricht keineswegs mit der Lust, Liebe und Gründlichkeit betrieben wird, die ihn zu einem bleibenden Besitztum des Schülers machen könnten. Besonderen Wert möchte ich auf die darstellende Geometrie legen, als wissenschaftliche Grundlage des Zeichnens.

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Was die naturwissenschaftlichen Kenntnisse betrifft, denen der Realschulabiturient demjenigen des Gymnasiums weit überlegen ist, so lege ich zwar z. B. als Lehrer der Chemie wenig directen Wert auf die chemischen Vorkenntnisse eines jungen Mannes, welcher die Chemie als Lebensberuf ergreifen will. Man fängt ja doch an der Hochschule, auch der technischen, wieder von vorn damit an, und dabei kann ein Gymnasialabiturient bei genügendem Fleifse vallständig mitkommen, obwohl es ihm natürlich etwas schwer fallen muss. Nur da, wo die praktischen Laboratoriumsübungen schon im ersten Semester beginnen, z. B. am Züricher Polytechnikum, macht sich der Mangel an chemischen Vorkenntnissen mehr fühlbar, aber immerhin nicht als unübersteigliches Hindernis. Dagegen halte ich solche Vorkenntnisse für weit wichtiger für solche, welche nicht Chemie studiren, welche sie vielmehr nur als Hilfswissenschaft oder als Bestand

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teil ihrer allgemeinen Bildung brauchen, und ähnlich werden wohl die Vertreter anderer Naturwissenschaften denken. Am meisten macht sich der naturwissenschaftliche Vorunterricht an den Realschulen dadurch geltend, dass deren Schüler mehr geübt werden, zu beobachten und die Beobachtungen zu brauchbaren Schlüssen zu combiniren. Als Geistesschulung ist dies sicherlich mindestens ebenso wichtig für die Allgemeinbildung des Menschen, wie die »formale«, durch das Studium der alten Sprachen zu erwerbende Schulung; dass die erstere für die Betreibung der naturwissenschaftlichen, medicinischen und technischen Studien unendlich wichtiger als die letztere sei, wird jetzt wohl niemand mehr im Ernste bezweifeln können. Wenn vor einiger Zeit hier und dort, leider zum Teil an sehr auffallender Stelle, behauptet worden ist, dass umgekehrt die Realschulabiturienten der Fähigkeit ermangelten, naturwissenschaftliche Thatsachen von einem höheren Standpunkte aufzufassen, dass sie nicht wissenschaftlich productiv seien und in den höheren Semestern regelmässig von den Gymnasialabiturienten überholt würden, so ist dies schon längst von berufenster Seite als ein Spiel der Fantasie, als eine Ausgeburt blinden Vorurteiles und als jeder thatsächlichen Grundlage entbehrend nachgewiesen worden. A us meiner eigenen Erfahrung als Lehrer kann ich zwar nicht den directen Gegenbeweis erbringen, insofern als an unserem Polytechnikum nur wenig Gymnasialabiturienten studiren und ein Vergleich zwischen diesen wenigen und der Ueberzahl der anderen Studirenden natürlich nicht mafsgebend wäre; aber so viel darf man behaupten, dass intelligentere, wissenschaftlicher denkende und productivere Leute, als die fähigeren unter unseren Schülern, sich sicher an keiner Universität vorfinden, obwohl dieselben fast nie Griechisch und gröfstenteils nicht einmal Lateinisch gelernt haben.

Wir kommen nun zum Zeichnen. Wie schwer ein Gymnasialabiturient, welcher sich den Naturwissenschaften oder der Technik (einschliesslich der Medicin) widmet, den Mangel an Zeichenfertigkeit fühlen muss, liegt wahrlich auf der Hand. Er leidet darunter einmal, weil der Zeichenunterricht, wie wir oben ausführten, aufserordentlich viel zum richtigen Sehen beiträgt, und zweitens, weil es ihm auf Schritt und Tritt nahe liegt, seine Beobachtungen und Gedanken graphisch festzulegen. Er steht vor der Schwierigkeit, dass ihm nicht nur die fast immer unvermeidliche nachträgliche Erlernung der Elemente des Zeichnens sehr viele, den Realschülern erspart bleibende Zeit kostet, sondern auch, dass es häufig selbst bei bestem Willen und genügendem Zeitaufwande nicht mehr möglich ist, an der Hochschule noch alles nötige vollständig und gründlich nachzuholen. Eine wirklich schön ausgeführte, saubere und richtige architektonische oder Maschinenzeichnung wird selten jemand liefern, der zum erstenmale als Studirender das Reifsbrett vorgenommen hat und jetzt erst mit den Elementen des Linearzeichnens hat kämpfen müssen, und ähnlich geht es mit dem Freihandzeichnen, wie ich an einer früheren Stelle ausgeführt habe.

Freilich giebt es noch immer Leute, welche behaupten, dass selbst für die hier erwähnten Fachstudien die Vorkenntnisse in Mathematik, Zeichnen, Naturwissenschaften und den neueren Sprachen gar nicht in Betracht kommen gegenüber der >>formalen Geistesdisciplin« und »idealen Richtung«, welche durch die Beschäftigung mit der griechischen Sprache, und nur mit dieser, erzeugt werde, und gegenüber dem Vorteil, einige termini technici besser zu verstehen. Für solche habe ich nicht geschrieben; niemand ist so blind, wie der, welcher nicht sehen will. Wer dagegen die vorliegende Frage mit Unbefangenheit prüft, wird sich, selbst wenn seine eigene Erziehung und seine vorgefasste Neigung ihn sonst in andere Richtung weisen, der Ueberzeugung nicht verschliefsen können, dass einem Vater, dessen Sohn schon frühzeitig zu naturwissenschaftlichen oder technischen Studien bestimmt ist, unbedingt anzuraten sei, ihn einem Realgymnasium anzuvertrauen. Eine grofse Schädigung ist es für die deutsche Heilkunde, dass Kastenvorurteile es bisher verhindert haben, für ihre Studirenden dieselbe Art der Vorbildung offen zu halten; möchte bald eine rein sachliche, nicht verschwommen ideale Beurteilung dessen, was not thut, auch hier Platz greifen!

September 1885.

Landwirtschaftliche Maschinen. (Fortsetzung von Seite 131.) Säemaschinen.

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Um rasche, gleichmässige und vollständige Entwickelung der Kulturpflanzen aus Samen zu erzielen, muss der Samen beim Säen auf eine bestimmte Tiefe unter den Boden gebracht und so verteilt werden, dass jeder Pflanze der richtige Wachsraum auf dem Boden zur Verfügung steht.

Bei der ältesten Art des Säens mit der Hand findet keine ganz gleichförmige Verteilung des Samens statt, und beim Unterbringen desselben mit der Egge, dem Cultivator oder dem Pfluge wird auch nicht auf gleiche Tiefe untergebracht. Verwendet man eine Breitsäemaschine, so wird die Verteilung eine gleichmässigere als mit der Hand, aber das Unterbringen bleibt gleich schlecht. Säet man mit der Reihenoder Drillsäemaschine, so zieht man parallele Furchen von gleicher Tiefe, streut den Samen in dieselben und bedeckt ihn mit Erde. Dabei ist die Unterbringung gleichmässig, und man kann auch mit Spanngeräten zwischen den Pflanzenreihen hacken; aber die Pflanzen entwickeln sich nicht nach allen Seiten hin gleichmässig, weil dazu in den Reihen kein Raum vorhanden ist. Man hat deswegen auch noch Dibbelmaschinen, welche wie Reihensäemaschinen säen, aber den Samen nicht ununterbrochen in die Reihen streuen, sondern nur in bestimmten, gleichen Abständen einige Samen niederlegen und namentlich bei Pflanzen mit grofsem Wachsraume, wie Mais, Kartoffeln und Rüben, Verwendung finden.

Bei allen drei Maschinenarten wird ein auf Rädern gehender breiter Saatkasten über das Feld gezogen und so gesteuert, dass man schliefslich das ganze Feld einmal überfahren hat. Während der Fahrt entnehmen die Säevorrichtungen dem Kasten den Samen, der durch die Saatleitung dem Boden zugeführt wird und sich je nach der Construction breitwürfig, dicht in Reihen oder in gleichen Abständen in den Reihen verteilt, für welche letzteren kleine Furchen oder Rillen durch besondere Vorrichtungen gezogen werden.

Die Vorteile der Säemaschinen, und insbesondere der Drillmaschinen, sind ganz bedeutend und bedingen nicht nur Samenersparnis, sondern auch höhere Erträge, so dass beim gedrillten Getreide Samenersparnis und Mehrertrag 200 bis 300kg Körner für das Hektar ausmachen. Diese Vorzüge werden auch allgemein anerkannt, und es sind deswegen in Deutschland nach der Zählung vom 5. Juni 1882 schon in 63 842 Wirtschaften Säemaschinen im Gebrauche.

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Bei allen Arten von Säemaschinen ist die eigentliche Säevorrichtung der wichtigste Bestandteil, der aber leider noch nicht allen Anforderungen vollständig entspricht. Zur Vermeidung von Wiederholungen sollen die Säevorrichtungen vor den ganzen Säemaschinen betrachtet werden.

1. Säevorrichtungen.

Von einer Säemaschine verlangt man gewöhnlich, dass sie für die verschiedenen in der Landwirtschaft vorkommenden Samen brauchbar sei, und dass man sie für die dabei üblichen Saatmengen möglichst genau einstellen könne. Ganz besonders nötig ist es aber, dass die für das Hektar bestimmte Saatmenge auch auf die kleinsten Teile des Ackers gleichmässig verteilt wird, so dass bei breitwürfiger Saat auf jede Flächeneinheit, bei Reihensaat auf die Längeneinheit jeder Reihe und bei Dibbelsaat auf jede Pflanzstelle gleichviel Samen kommt; dazu ist erforderlich:

1. dass jede Säevorrichtung einer Säemaschine gleich stark säet. Die Erfüllung dieser Bedingung hängt fast nur von der genauen Ausführung der Säevorrichtungen ab;

2. dass wechselnde Fahrgeschwindigkeit die Gleichmässigkeit der Saat nicht beeinflusst. Diese Bedingung können auch die brauchbaren Säevorrichtungen nur dann erfüllen, wenn man ruckweise Bewegung dadurch vermeidet, dass man die Zugtiere in ungleichem Schritte gehen lässt, oder die stofsweise Wirkung bei gleichem Schritte durch elastische Anspannung möglichst unschädlich macht. Da nämlich bei allen Säevorrichtungen der Samen von der Säevorrichtung bis zum Boden 0,35 bis 0,5 Sekunden lang fällt, so kommt der Samen, der an einem Punkte von der Säevorrichtung aus

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deutscher Ingenieure.

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1. Ausflusssäevorrichtungen müssen so grofse Oeffnungen haben, dass die Samen in allen Lagen durchgehen können. Die Ausflussgeschwindigkeit ist bei Samen nicht wie bei Flüssigkeit proportional der Quadratwurzel aus der Druckhöhe, sondern für jede Druckhöhe nahezu gleich, so dass man ohne Verstopfen in jeder Sekunde beinahe gleiche Ausflussmenge hat. Da jedoch die üblichen Saatmengen möglichst kleine Ausflussöffnungen nötig machen, so bleiben leicht einzelne Körner auf den Rändern der Oeffnungen liegen und vermindern die Ausflussmenge um so mehr, je länglicher die Körner sind, so dass häufig vollständiges Aufhören des Ausflusses eintritt, wenn man nicht ein Rührwerk anwendet.

Bei den Williamson'schen oder Hohenheimer Säekapseln füllt man den Samen in eine oder mehrere am Umfange cylindrische Kapseln auf horizontaler Achse, die sich beim Fahren drehen und den Samen durch gleichmässig verteilte regelbare Oeffnungen am Umfange ausfliefsen lassen. Da der Reihe nach alle Oeffnungen nach unten kommen und auch der Samen nach unten rutscht, wo der Ausfluss stattfindet, so bildet der Samen selbst das Rührwerk. Man erzielt bei wechselnder Geschwindigkeit ungleiche Saatmengen für das Meter Weg, weil die Ausflussöffnungen um so weniger durchfallen lassen, je kürzere Zeit sie in der tiefsten Stellung sind. Das Füllen der Kapseln ist auch sehr unbequem und würde für sich allein das allmählige Verschwinden dieser Säevorrichtung erklären.

Bequemer in der Behandlung ist die von Eckert in Deutschland eingeführte Reid'sche Säevorrichtung (Fig. 1 und 2), bei welcher der Samen durch stellbare Oeffnungen im Boden des Saatkastens ausfliefst, während kleine Scheiben a (Fig. 3) auf einer vom Fahrrade aus in Bewegung gesetzten Welle b den Samen über den Ausflussöffnungen hin- und herschieben und nicht nur Verstopfungen, sondern auch den ununterbrochenen Ausfluss an einer Stelle verhindern und ihn dadurch etwas mehr proportional dem Wege machen. Die grofse Einfachheit dieser Säevorrichtung hat sie bei Breitsäemaschinen sehr beliebt gemacht, obgleich sie bei verschiedener Fahrgeschwindigkeit verschieden stark säet und ganz genau mit Beginn und Ende der Fahrt ein- und ausgerückt werden. muss. Im Hügellande mit seiner wechselnden Fahrgeschwindigkeit und bei Reihensäemaschinen, wo gröfserer Wert auf ganz richtige Saatverteilung gelegt wird, findet diese Säevorrichtung wenig Verwendung.

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2. Schubsäeräder. Bei allen Schubsäerädern fliefst der Samen vom Saatkasten aus tiefer liegenden Schubsäerädern zu, welche sich in einem Gehäuse um eine wagerechte Achse drehen und mittels Schaufeln oder Rippen den Samen durch den zwischen Gehäuse und Rad gebildeten Kanal herausschieben. Dabei unterscheidet man nach der Lage der Rippen Räder mit Aussenrippen, Seitenrippen und Innenrippen.

Ein Schubsäerad mit Aufsenrippen einer Breitsäemaschine von Carl Beermann in Berlin zeigen Fig. 4 und 5. In diesen Figuren ist a der Saatkasten, b das Gehäuse und c das Schubrad, welches sich in der Richtung des Pfeiles dreht. Der untere Teil g des Gehäuses ist als Klappe um Zapfen auf und ab drehbar und wird durch eine Feder i (Fig. 4) festgehalten. Zur Beseitigung von Ver

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Fig. 5.

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wiegend durch Reibung mitnehmen, während die Reibung an den Kanalwänden die Körner zurückzuhalten sucht. Fährt die Maschine bergauf oder bergab, so ändert sich die Steigung der unteren Kanalwand g, die Reibung der Körner an derselben nimmt andere Werte an, und das Gewicht der Körner wirkt mehr schiebend oder zurückhaltend als beim Fahren in der Ebene, so dass man bergauf etwas grössere und bergab etwas kleinere Saatmengen bekommt als in der Ebene. Dieser Uebelstand tritt um so stärker hervor, je mehr Samenkörner im Kanal über einander liegen können. Siedersleben beseitigt diesen Mangel an seinem Saxoniarade dadurch, dass er statt vieler Rippen nur wenig Nasen anbringt und diese bis nahe an die Kanalwand gehen lässt, welche durch eine stellbare Feder in ihrer Lage gehalten wird. Während Rippen mit ihren Kanten viele Körner zwischen sich und der Kanalwand quetschen müssen, wenn der Zwischenraum eng ist, so werden bei Nasen nur wenige gequetscht, und Siedersleben sucht, durch genügend schwache Spannung der die Klappe festhaltenden Feder auch das Quetschen dieser wenigen Körner zu vermeiden. Da aber bei stellbaren Federn die Spannung der einzelnen Federn leicht ungleich ausfallen wird, so kann bei unpünktlicher Stellung die eine Säevorrichtung einer Maschine Körner quetschen, während die andere sie unbeschädigt durchgehen lässt und bei zu geringer Spannung vielleicht überhaupt zu grofse Saatmenge giebt.

Die Schubräder mit Aufsenrippen lassen sich auch so einrichten, dass sich der Kanal über dem Rade befindet und die Körner nicht mehr durch ihr Gewicht an die obere Kanalwand drücken. Derartige Räder sind an den alten Ducket'schen Säemaschinen und den nach ihrem Vorbilde gebauten Maschinen von Alban, Thaer usw. angewandt. Will man bei ihnen das Abscheren einzelner Körner beim Eintritt in den, oft kurzen, Kanal vermeiden, so muss die Kanalwand weich sein, und man wendet deswegen stellbare Bürsten als Abschluss an, hat aber dabei ähnliche Wirkungsweise wie bei Säevorrichtungen mit Federn und überdies grofse und ungleiche Abnutzung. Um einen festen Abschluss des Kanales über dem Rad anwenden zu können, machen M. & L. Lins an ihrem Nutenwalzendrill die Rippen so schräg, dass die Körner leichter ausweichen als abgeschert werden können; dabei ist es natürlich nicht zu vermeiden, dass der in Bewegung gesetzte Samen in den Nuten zwischen den Rippen durch sein eigenes Gewicht etwas rutscht, so dass die Saatmenge für gleiche Wege nicht bei allen Fahrgeschwindigkeiten ganz gleich ist und auch bergauf und bergab ohne Kastenstellung keine ganz gleiche Saatmengen erzielt werden.

Seitenrippen an den Schubsäerädern werden bei einigen amerikanischen Maschinen angewandt; dabei hat man abweichend von den Rädern mit Aufsenrippen merklich verschiedene Saatmengen beim Hin- und Herfahren an einem Hang entlang.

Innenrippen am Kranze des Rades werden auch an amerikanischen Maschinen angewendet. Man lässt dann den Samen dem unteren Teile des Rades zufliefsen, so dass er ähnlich wie in Fig. 5 durch das Gehäuse geht, aber nicht von oben, sondern von unten her, also durch einen bei g liegenden gerippten Radkranz geschoben wird. Bei gleicher Kanalhöhe arbeiten diese Räder bergauf und bergab besser als Räder mit Aussenrippen.

Wie aus den Beschreibungen hervorgeht, haben die · Schubräder besserer Construction den Vorteil, dass ihre Saatmenge von der Fahrgeschwindigkeit, von Stöfsen und von mäfsiger Bodenunebenheit nicht bedeutend beeinflusst wird; einzelne kann man auch für verschiedene Samen einrichten und, wo es nötig ist, den Saatkasten für grofse Steigungen stellbar machen. Alle Schubräder ohne Federn haben aber den Mangel, dass sie sich leicht verstopfen, dass teilweise Verstopfung bei der Arbeit nicht leicht wahrzunehmen ist, und dass alle Verstopfungen schwer zu beseitigen sind, bei Raps auch leicht ganz bedeutende Beschädigungen des Samens auftreten; während Federn leicht ungleiche Saatmenge der einzelnen Säevorrichtungen herbeiführen. Diese Nachteile werden von den Landwirten so hoch angeschlagen, dass gerade in denjenigen Gegenden Europas, wo man den

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Was bei den Zellenrädern geschöpft ist, wird auch in den Trichter abgeliefert;. es muss deswegen dafür Sorge getragen werden, dass sich die Zellen unter allen Umständen gleich stark füllen. In der Ebene füllen sich die Zellen bei gleicher Schieberstellung stets gleich stark, und die gewöhnlichen Aenderungen in der Fahrgeschwindigkeit beeinflussen auch die Saatmenge nicht fühlbar; wenn man aber bergauf fährt, füllen sich die Zellen bedeutend mehr und bergab bedeutend weniger, so dass man ganz wesentlich verschiedene Einsaat bekommt und zur Erzielung gleich starker Saat gezwungen ist, den Saatkasten durch eine besondere Vorrichtung (Regulator) stets in der wagerechten Lage zu erhalten, welche er in der Ebene einnimmt. An einem Hange hin und her weicht die Saatmenge nicht merklich von der in der Ebene ab, weil die Seitenwände der langen Zellen das Abrutschen des Samens in den Schöpfraum verhindern. Die Löffelräder entleeren bei mäfsiger Geschwindigkeit einen Teil des geschöpften Samens, ehe sie den Rest in den Trichter ausschütten. Vergröfsert man die Geschwindigkeit, so wirkt die Centrifugalkraft auf den Samen und verhindert sein vorzeitiges Abfallen immer mehr, bis von ungefähr 30 Umdr. an der Samen zum Teile gar nicht mehr in den Trichter fällt, sondern bei übermäfsiger Geschwindigkeit aus dem Schöpfraume heraus auf den Boden geschleudert wird. Obgleich also die Saatmenge der Löffelräder mit wachsender Fahrgeschwindigkeit zuerst zu- und dann immer mehr abnimmt, so sind die Unterschiede bei den gewöhnlichen Geschwindigkeitsänderungen doch nicht von wesentlichem Einflusse. Beim Bergauf- und Bergabfahren nimmt im allge

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