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Band XXIX. No. 40.

3. October 1885.

Patentbericht.

787

regulator ausgeglichen, indem dieser den Arm s eines Winkelhebels mehr nach links oder rechts legt. Die Schraubenwelle r bei Schiffen wird durch Plattenfedern ww, Fig. 3, mit der Triebwelle q verbunden und erfährt durch den beim Heraustauchen aufhörenden Wasserwiderstand eine Längsverschiebung, welche dann ähnlich wie die des Dreifusses wirkt.

einer durch die Schwungradachse gehenden, sondern in einer dazu senkrechten Ebene, und werden durch eine oder (bei durchgehender Achse) zwei Federn f belastet, welche entweder in der Pfeilrichtung ziehend oder besser gegen Hebel d bezw. gegen Daumen drückend wirken, damit beim Federbruche die Windungen sich auf einander setzen und völlige Betriebsstörung vermieden wird. In allen Fällen geht die Mittellinie der Feder durch die Schwungradachse, um das Ausbauchen der Feder infolge der Centrifugalkraft ihrer Massenteilchen und damit die Reibung in der Federhülse zu vermeiden. Die schiefcylindrische Hülse N, Fig. 2, zur Verstellung des Steuerexcenters wird nicht durch einen schraubenförmig gewundenen, sondern durch einen graden Keil m auf der Welle geführt und steht ausserdem geschränkt (excentrisch) zur Welle, wodurch ähnlich wie beim Hauptpatente sowohl die Excentricitat als auch der Voreilungswinkel des Steuerexcenters geändert wird.

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SO

Kl. 85. No. 31954. Selbstschliessendes Auslaufventil. Ernst Grueneberg, Königsberg i/Pr. Die Eröffnung des Röhrenventiles a geschieht durch Niederdrücken

des Handhebels c. Hört der
Druck auf letzteren auf,
tritt Druckwasser durch die
feinen Oeffnungen 1, 2 und
den engen Raum zwischen
dem Ventilgehäuse und dem
Kolben 5 über letzteren,
dass ein langsamer Schluss
des Ventiles a erfolgt. Der-
selbe kann geregelt werden
durch Einstellen der Mutter di,
welche die Oeffnungen 1,

2 ganz

zudeckt (bei hohem

Wasserdruck) oder dieselben mehr freigiebt. Auf eine Verminderung des hydraulischen Stosses beim Ventilschlusse wirken auch die A-förmigen Durchflussöffnungen des Röhrenventiles a hin.

Kl. 85. No. 32035. Spülheber mit Wasserverschluss. F. Cuntz, Karlsbad (Böhmen). Das den Behälter allmählich füllende Wasser steigt bis über den inneren Heberscheitel, ohne hier überlaufen zu können, weil die im Heberinnern hinter dem Wasserverschluss eingesperrte Luft nicht entweichen kann. Hat aber der Wasserspiegel im Behälter eine gewisse Höhe über dem Heberscheitel erreicht, so wird der Wasserverschluss von der im Heberinneren verdichteten Luft durchbrochen, das Wasser stürzt nach und setzt den Heber in Thätigkeit. Derselbe läuft nun so lange, bis der Wasserspiegel im Behälter unter den kürzeren Heberschenkel sinkt. Letzterer muss aber tiefer als der Wasserverschluss ausmünden, um unter allen Umständen eine absetzende Wirkung des Hebers zu ermöglichen.

Kl. 85. No. 32216. Ausfluss-Ventilhahn. Herbert Trott, London. Der Ventilhahn soll vorzugsweise durch einen Schwimmer bethätigt werden, welcher an dem Excenterhebelarm 1 angreift. Die Klappe e ist mit einem elastischen (oder einem aus Weichmetall bestehenden) Futter versehen und hängt in der Längsrichtung verschiebbar in 2 Zapfen c, die so gestaltet sind, dass der Schwerpunkt der Klappe e beim Aufliegen auf der überhängenden Sitzfläche weit über ihren Aufhängepunkt hinaussteht, während bei Eröffnung der Klappe nach kurzem Ausschlage der Schwerpunkt unter dem Aufhängepunkte steht. Die Eröffnung des Ventiles soll hierdurch erleichtert werden. Durch Lösen der Schraube a kann die Klappe e herausgenommen und diese nebst ihrem Sitz“ untersucht werden.

Kl. 87. No. 32337. Vorrichtung zum Spannen von Riemen, Gurten und Seilen. (Zusatz zu No. 10924.) G. Lohf, Berlin. Die Anordnung unterscheidet sich von der des Hauptpatentes dadurch, dass bei beschränktem Arbeits

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Fig. 3

Dreifuss efff in der Hülse d verschiebt, welcher mittels Ringes h und Gestänges ik einen Keil m zwischen zwei Rollen no, Fig. 2, treibt und mittels Hebels p die Stange v des Regulirkolbens verschiebt. Kleine Aenderungen der Dampfspannung werden durch einen bei u angreifenden Centrifugal

ਸ਼ raume die Spannbacken f einzeln und unabhängig von einander und vom Hebelwerk an den Riemenenden befestigt werden können, worauf erst der eigentliche Riemenspanner mittels der Haken k eingehängt wird.

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deutscher Ingenieure.

Litteratur. C. Koppe. Die Ausgleichungsrechnung nach der Mischung erreicht ist. Nachdem der Verfasser noch mit. Methode der kleinsten Quadrate in der praktischen wenigen Worten die Vorteile der Heizung mit Leuchtgas Geometrie. Nordhausen, Jul. Koppe. 1885. 6 M.

gegenüber derjenigen mit festen Brennstoffen hervorgehoben Der Verfasser beabsichtigt nicht, ein vollständiges theore- hat, geht er im folgenden Abschnitte zu einer allgemeinen tisches Lehrbuch der Ausgleichungsrechnung zu geben, sondern Besprechung der Apparate und der Bedingungen über, welche will die Resultate langjähriger Arbeiten an der Gotthardbabn an richtig construirte Heizbrenner gestellt werden müssen, und in der Schweiz zur Anregung und Unterstützung anderer und entwickelt die Grundtypen des ihm patentirten Brenners. bekannt machen. Das Werk ist ausschliesslich für Geodäten

Unter Vernachlässigung derjenigen Apparate, welche sich geschrieben und enthält die theoretischen Grundlagen nur in praktisch nicht bewährt haben und keine sparsame Verwenknapper aber klarer Form, legt dagegen den Hauptwert auf dung des Gases gestatten, werden an der Hand von Abbilvollständig durchgeführte Beispiele. Nachdem einleitend die

dungen die Apparate für den Küchen- und Hausgebrauch Beobachtungsfehler und das Gesetz ihrer Verteilung besprochen sowie für ähnliche Zwecke hinsichtlich ihrer Construction und sind, wird im ersten Abschnitte die Methode der kleinsten Handhabung. besprochen, und zwar: einfache Kochapparate, Quadrate, angewendet auf einfache Ausgleichungsaufgaben, be- Wandkocher, combinirte Kochapparate, vollständige Gasherde handelt. Die folgenden 4 Abschnitte enthalten: Mittlerer und eine Spiessbrateinrichtung. Nach einer Schilderung der Fehler und Gewichte, Vermittelnde Beobachtungen, Bedingte Art und Weise, wie er die Kochversuche mit verschiedenen Beobachtungen und Vermittelnde Beobachtungen mit Bedin- Apparaten vorgenommen hat, stellt der Verfasser diese selbst gungsgleichungen. Die Schrift ist für Geodäten eine sehr ausführlich in einer Tabelle zusammen, die dem Laien schätzenswerte, da sie zufolge der vielen praktischen Beispiele ein klares Bild darüber giebt, welche Apparate zur Benutzung beste Gelegenheit bietet, sich mit den Ausgleichungsrechnungen zu empfehlen sind und welche nicht, und knüpft daran eine bekannt und vertraut zu machen. Die Ausstattung ist zu Berechnung der Kosten des Kochens auf Gasfeuer, welche rühmen.

K.

für eine aus 5 Köpfen bestehende Familie für alle Küchen bedürfnisse mit einem Gaspreise von 15 Pf. für 1cbm monat:

lich 6 M 85 Pf., und beim Preise von 20 Pf. für 1cm 9 M Die Verwendung des Gases zum Kochen, Heizen 15 Pf. ergiebt. und in der Industrie von J. G. Wobbe, Ingenieur und

Weiter folgen Beschreibungen von Kaffeeröstern, PlättGasdirector. Commissionsverlag von E. Zenker in Troppau. eisenwärmern, Friseureisenwärmern und Feuerunterzündern.

Ein erfreuliches Zeichen der zunehmenden Erkenntnis Nach Besprechung einiger Gasöfen mit und ohne Abzug für der grossen Vorteile, welche die Benutzung des Leuchtgases Zimmerheizung sowie der Badeöfen und Warmwasserapparate für Heizzwecke bietet, ist es, dass uns nach kurzer Zeit eine behandelt der Verfasser im vierten Abschnitte die Apparate für zweite diesen Gegenstand behandelnde Schrift vorliegt, deren Laboratorien und Industriezwecke, als: Bunsenbrenner, GlasVerfasser als Mitglied der vom Vereine deutscher Gas- und schmelzrohr, Gaslötrohr, Lötkolbenwärmeapparat, eine GlühWasserfachmänner niedergesetzten Commission zur Verwen- und Lötlampe für Juweliere usw. und endlich noch Schmelzdung des Gases zu Koch-, Heiz- und Industriezwecken sowie öfen für Metalle, Glas usw., und schliesst mit einem Verals Erfinder der ihm patentirten, aus mehrjährigen Arbeiten zeichnis ausgeführter Anwendungen des Gases für verschiedene hervorgegangenen Heizbrenner die eingehendsten Studien hier- Heizzwecke. über gemacht hat, weshalb das Erscheinen derselben ganz

Die in kurzer Fassung gehaltene, höchst anregend gebesonders mit Freuden zu begrüssen ist.

schriebene und mit 56 sauber ausgeführten Abbildungen verUnter thunlichster Weglassung wissenschaftlicher Erörte- sehene Schrift giebt jedem, der sich für die Ausnutzung der rungen wird im einleitenden Abschnitte die zur Erzielung Heizkraft des Leuchtgases interessirt und dieselbe anwenden einer vollkommenen Verbrennung des Leuchtgases demselben will, die nötigen Fingerzeige, so dass bei Auswahl der zweckbeizumischende nötige Luftmenge besprochen und hervor- mässigsten Apparate der Laie nach dem Studium dieser Schrift gehoben, dass man suchen müsse, für Heizzwecke eine Flamme nicht mehr willenlos den Anpreisungen der Händler preismit einem kleinen, durchsichtig blaugrünen Kern zu bekommen. gegeben ist. Möge der Herr Verfasser den wohlverdienten Die zur vollkommenen Verbrennung theoretisch erforderlich Lohn für seine Arbeit dadurch erreichen, dass sein Werk Mischung von 1 Volumen Gas mit 6 Volumen Luft ist ohne einen recht grossen Leserkreis findet und zur vermehrten Zuhilfenahme von Gebläsen nicht vollständig zu erreichen, Anwendung des Leuchtgas zum Kochen und Heizen beiträgt. weil die Flamme schon zurückzuschlagen beginnt, bevor diese

G. Schaar.

Vermischtes. Ueber die Verwendung geteerter sog. asphaltirter guss

Auf Grund sorgfältiger Untersuchungen und Erwägungen ist eiserner Röhren zu Wasserleitungzwecken macht Dr. ThörnerOsnabrück im Junihefte 1885 von Stahl und Eisen bemerkens

Dr. Thörner zu der Ueberzeugung gekommen, dass diese Bläschen

bereits beim Teeren der Röhren, wie es in üblicher Weise durch werte Mitteilungen. Die Veranlassung zu seinen Untersuchungen bot eine Wasserleitung, welche trotz klaren Quellwasserzuflusses nach

Eintauchen in heissen Teer ausgeführt wird, besonders bei nicht frisch

gegossenen Röhren entstehe, und dass dann durch jeweiliges Freieiniger Zeit des Gebrauches ein durch gelbe Flocken so verunreinigtes

werden von Wasser und durch Wechsel des Druckes die erhärteten Wasser lieferte, dass dasselbe zu Trink- und Waschzwecken nicht mehr brauchbar erschien. Diese Verunreinigungen traten besonders

Bläschen springen und zu einer kräftigen Oxydation des Eisens Verdann stark auf, wenn vorübergehend einzelne Teile des Rohrnetzes,

anlassung geben. Er schlägt vor, die Röhren sobald wie möglich

nach dem Gusse und Erkalten und bevor dieselben in den heissen besonders die höher und vom Hauptstrang entfernter gelegenen, bei starker Entnahme in den unteren Teilen wegen ungenügenden Zu

Teer getaucht werden, mit einer leicht netzenden Flüssigkeit zu über

ziehen, damit auf diese Weise das Anhaften von Luftbläschen an flusses oder zu geringer Durchlassweite der Anschlussstücke vom

den Wandungen vermieden werde, und empfiehlt dazu Alkohol, PeWasser entblösst wurden. Seine vergleichende Untersuchung des an

troleum, Toluol und andere Stoffe, die sich leicht mit dem Teer verder Quelle entnommenen und des getrübten Wassers aus der Leitung

mischen und beim Erkalten leicht wieder verdunsten oder im Teerergab, dass die Trübungen einzig und allein aus Eisenoxydhydrat

überzuge fest gebunden bleiben. Die Ausführung denkt er sich in und organischen Substanzen bestanden, und zwar lieferte er den

der Weise, dass das Benetzmittel in dem betreffenden durch eine Nachweis, dass die organischen Substanzen lediglich vom Teer her

Dampfschlange erhitzten Behälter auf die Oberfläche des Teers aufstammten. Einige aus der Leitung entnommene Röhren zeigten am

gegossen werde, so dass es darauf eine 2 bis 4cm starke Schicht ganzen Umfange eine starke ockerartige Ablagerung, ohne das unter derselben der Teeranstrich verletzt schien; eine Reinigung derselben

bilde, infolge dessen die Röhren durch einmaliges Eintauchen erst erwies sich als wirkungslos, da nach kurzem dieselben Erscheinungen

benetzt und dann geteert würden. Bei Anwendung leicht flüchtiger

Benetzmittel, deren Siedepunkt niedriger liegt als die Temperatur auftraten. Die nähere Untersuchung der Röhren mit Hilfe der Lupe ergab, dass die Röhren innen mit zahllosen warzenartigen Gebilden

des Teers, würden zwei Behälter und zweimaliges Eintauchen in die übersäet waren, welche sich als mit einer Eisenoxydhydratschicht

getrennten Flüssigkeiten erforderlich sein. überzogene Teerbläschen herausstellten.

Selbstverlag des Vereines.

Commissionsverlag und Expedition: Julius Springer in Berlin N.

A. W. Schade's Buchdruckerei (L. Schade) in Berlin 8.

ZHITSCHRIFT DES VEREINES DEUTSCHER INGENIEURE .

Band XXIX.

Sonnabend, den 10. October 1885.

No. 41.

Angelegenheiten des Vereines.
Zum Mitglieder-Verzeichnisse.

Sächsischer Bezirksverein.
Aenderungen.

Herm. Grundke, Ingenieur bei C. Lüdecke, Neustadt a/Dosse.

Keinem Bezirksverein angehörend.
Berliner Bezirksverein.
Paul Krülls, Ingenieur der A.-G. für Anilinfabr., Berlin S.O., An

Richard Drossbach, Director bei J. Uhle, Aachen. der Treptower Brücke.

Theod. Fuls, Wasserwerksingenieur, Minden i/W.
Julius Kühl, Ingenieur d. A.-G. H. F. Eckert, Berlin 0., Thaerstr. 63. E. Kiebitz, Ingenieur, Rossla a/Harz.
C. Ulrich, Ingenieur, Lübeck.

Aug. Römpler, Ingenieur der Schultheiss-Brauerei A.-G., Berlin N.,

Schönhauser Allee 38/39.
Frankfurter Bezirksverein.
R. v. Baumbach, Ingenieur, i/F. C. Kleyer & Co., Frankfurt a/M.

Eduard Seeber, Ingenieur, Ohrdruf bei Gotha.
Nikolaus Henzel, Ingenieur, Wiesbaden.

Gabriel Zahikjanz, Ingenieur des Georgs-Marien-Bergwerks- und Carl Kesseler, Civilingenieur, Wiesbaden.

Hüttenvereines, Osnabrück.
Paul Oehler, Ingenieur, Offenbach a/M.

Neue Mitglieder.
Kölner Bezirksverein.

Karlsruher Bezirksverein.
Carl Borg, Betriebsing. d. Bergischen Stahlindustrie-A.-G., Remscheid.

Wilh. Seith, Grossh. Maschineningenieur, Freiburg i/B.
Oberschlesischer Bezirksverein.

Keinem Bezirksverein angehörend.
D. Meyer, Director der H. Koetz’schen Maschinen- und Dampf-
kesselfabrik, Nicolai 0/S.

Robert Zimmermann, i/F. Zimmermann, Hanrez & Co., Maschi

nenfabrik, Monceau sur Sambre, Belgien. Bezirksverein an der niederen Ruhr. Gustav Schwabe, Ingenieur, Biala bei Bielitz (Galizien).

Gesammtzahl der ordentlichen Mitglieder: 5402.

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Mitteilungen von der Gewerbe- und Industrieausstellung in Görlitz 1885.

Von H. Maihak, Ingenieur in Berlin.

(Hierzu Tafel XXX.)

(Fortsetzung von Seite 758.) Im ersten Teile unseres Berichtes erwähnten wir auf

poundsystemes bei der Dampfmaschine erschwert, so bietet Seite 651 eine schnell laufende, liegende Compound- dennoch die Benutzung hoher Dampfspannung das Mittel zur maschine, welche von der Görlitzer Maschinenbau- Erreichung beider Vorteile. Im vorliegenden Falle steht anstalt und Eisengiesserei in Görlitz besonders für den hierzu Dampf von 10 Atm. Ueberdruck aus dem ebenfalls Zweck construirt und ausgeführt ist, um die gleichzeitig von von der Görlitzer Maschinenbauanstalt ausgestellten Sectionaldieser Firma ausgestellte und im Betrieb befindliche Gülcher'- Röhrendampfkessel Patent Köhler (s. S. 652) zur Verfügung. sche Compound - Dynamomaschine von 320 Ampère Strom

Die Maschine hat 180mm bezw. 300mm Dmr. des Hochstärke zu betreiben. Diese Dampfmaschine ist durch die druck- bezw. des Niederdruckcylinders bei 250mm gemeinFig. 1 bis 4 auf Tafel XXX dargestellt.

schaftlichem Kolbenhube; bei 8 Atm. Anfangsspannung im Bei fast allen Betriebsanlagen für elektrische Beleuchtung Hochdruckcylinder, achtfacher Nettoexpansion und 300 Umdr. liegt Raummangel vor, und ist deshalb eine gedrungene An- in 1 Min. ergiebt die Maschine eine dem Kraftbedarfe der ordnung derselben meistens Bedingung; ferner ist ein möglichst Dynamomaschine entsprechende, inbezug auf den Dampfvergleichmässiger, ruhiger und namentlich stofsfreier Betrieb der brauch vorteilhafteste Normalleistung von 30 Ne. Dynamomaschine eine Grundbedingung für ruhiges, angenehmes

Wie bereits Seite 651 hervorgehoben, ist der Kraftbedarf Licht, welche durch Riementransmissionen, Vorgelege usw. der Gülcher'schen Compound - Dynamomaschine stets proin merkbarer Weise beeinträchtigt wird. Allen Anforderungen portional der Anzahl der brennenden Lampen bezw. in dieser Beziehung dürfte nur eine directe Kupplung der der erzeugten Lichtstärke"). Der hierdurch ermöglichte Dynamomaschine mit ihrem Betriebsmotor gerecht werden sparsame Betrieb kann jedoch nur dann erzielt werden, wenn der können. Als Hinderungsgrund stand einem solchen Antriebe Betriebsmotor eine selbstthätige Geschwindigkeits- bezw. Kraftbisher die fast allen Dynamomaschinen eigentümliche sehr regelung bewirkt, also durch eine Dampfmaschine mit einer hohe Umdrehungszahl und ausserdem die Schwierigkeit ent- zuverlässig wirkenden Präcisionssteuerung. Am besten wird gegen, Dampfmaschinen auszuführen, welche solche Ge- dieser Anforderung immer eine Ventilmaschine entsprechen; schwindigkeiten dauernd zulassen, hierbei eine zuverlässige doch steht der Verwendung einer solchen die erforderliche Geschwindigkeitsregelung und einen möglichst sparsamen Be- hohe Umdrehungszahl hindernd im Wege. trieb sowie eine gefahrlose Bedienung während des Betriebes

Ventilmaschinen mit auslösenden Klinkensteuerungen ermöglichen.

können von vornherein nicht in Betracht kommen, da solche Zunächst ist es als ein wesentlicher Vorzug der Gülcher- zweckmässig wohl kaum mehr als 90 Umdr. gestatten; weite schen Dynamomaschinen anzuerkennen, dass sie mit verhältnis- kann man in dieser Beziehung bei sorgfältigster Einzelconmässig sehr geringer Umdrehungszahl laufen, so die vorliegende struction mit zwangläufigen Ventilsteuerungen gehen. mit nur 300 in 1 Minute, was eine directe Kupplung mit

Die Görlitzer Maschinenbauanstalt betrieb bereits 1883 in der Dampfmaschine möglich macht. Dieselbe ist als liegende Compoundmaschine mit nebeneinander liegenden Dampfcylindern ausgeführt, welche auf eine gemeinschaftliche Kurbel

1) An dieser Stelle möge noch berichtigend erwähnt werden, dass welle arbeiten, deren 2 Kurbeln unter 90° gegeneinander ver

a. a. Orte die Wirkungsweise der beiden im Hauptstrome bezw. im

Nebenschlusse liegenden Bewickelungen in einer für die Gülcher'sche setzt sind. Zur Erzielung eines möglichst gleichförmigen ruhigen

Compound-Dynamomaschine nicht ganz zutreffenden Weise dargestellt Ganges ist auf eine sorgfältige Gewichtsausgleichung der an ist und nach einer uns von Seiten der Actiengesellschaft für elekund für sich leicht gehaltenen bewegten Massen besonderer Wert trisches Licht und Telegraphenbau Helios in Ehrenfeld-Köln zugegelegt, und sind deshalb die Kurbeln mit Gegengewichts- gangenen Mitteilung folgendermassen erfolgt. Sind nur wenige Lamscheiben versehen (s. a. weiter unten); ausserdem sind die pen im Betriebe, so ist der durch die grobe Bewickelung der Elektrobeiden Schwungräder scheibenförmig ausgeführt und voll

magnete fliessende Hauptstrom zu schwach, um deren Magnetisirung ständig abgedreht.

bewirken zu können. Es wirkt dann fast allein der Nebenschluss, Die angegebene hohe Umdrehungszahl ermöglichte es

überwiegt also gegenüber der an genannter Stelle gegebenen Ernicht, in einfacher Weise die Maschine mit Condensation zu

klärung bei dem Betriebe von nur wenigen Lampen die Wirkung des

Hauptstromes, und erst in dem Masse, in welchem Lampen weiter versehen. Erscheint dadurch die Sparsamkeit des Betriebes

eingeschaltet und die Gesammtstromstärke gesteigert wird, verstärken von vornherein beeinträchtigt und die Anwendung des Com- die Hauptspulen die Wirkung des Nebenschlusses.

des

Ingenieure

liegenden Maschine ist eine eigenartige Vorrichtung in Anwendung, deren Construction Fig. 19 verdeutlicht. Die beiden Kurbelzapfen, die 4 Excenter und die 2 Kreuzköpfe tragen je ein Gefäls a mit dem um einen Bolzen beweglichen Bügel c, welcher mit schaufelförmig gekrümmten Zwischenwänden d versehen ist. Senkrecht über der Drehungsachse der Kurbel

Fig. 19.

der Hygieneausstellung in Berlin durch zwei ihrer Maschinen mit Collmannsteuerung mehrere Dynamomaschinen, und zwar arbeiteten dieselben bei 125 Umdr. in 1 Min. tadellos ruhig und sicher. Zwei andere grössere Walzenzugmaschinen arbeiten seit Jahren in den Walzwerken der Königs- und Laurahütte andauernd sogar mit 135 Umdr. in 1 Min.; über eine derselben ist früher in W. 1881 S. 34 berichtet.

Ausführliche Versuche an einer Dampfmaschine mit einer einfacheren Gestaltung der Collmannsteuerung haben den Beweis geliefert, dass dieselbe bei sorgfältigster Construction aller Einzelteile 250 Umdr. in 1 Min. ermöglicht, und sind gegenwärtig Maschinen für solche Geschwindigkeiten in der Ausführung begriffen.

Die ausgestellte Maschine (Taf. XXX) ist jedoch am Hochdruckcylinder mit Präcisions-Flachschiebersteuerung, am Niederdruckcylinder mit Meyer'scher Steuerung versehen. Erstere zeigt einen trapezförmigen Expansionsschieber, durch dessen vom Regulator bewirktes Heben und Senken eine Veränderung der Füllung in den Grenzen zwischen 3 pct. und 55 pct. erreicht ist. Obwohl der Expansionsschieber nicht entlastet ist, wirkt der Regulator doch durchaus genau und sicher. Derselbe ist sehr kräftig ausgeführt; er erhält seinen Antrieb von der Schwungradwelle mittels hyperbolischen Räderpaares aal und veranlasst mit Hilfe der Stangen bb und der Hebel cc eine Drehung der Welle d, welche Drehung mittels des gegabelten Armes e eine wagerechte Verschiebung der an ihrem einen Ende verzahnten Stange f bewirkt. Die Zähne von f sind im Eingriffe mit einem Zahnradsector g, Fig. 1 bis 3, so dass die Verschiebung von f eine Verdrehung der Schieberstange s bewirkt, ohne deren hin- und hergehende Bewegung nebst derjenigen des mit s fest verbundenen Bügels h zu beeinflussen. Die Bewegung dieses Bügels überträgt sich mittels der 4 Knaggen h1 auf den Trapezschieber, dessen Verstellung in senkrechter Richtung durch den Einfluss der Verdrehung von s unter Vermittelung der Verzahnung i k, Fig. 4, veranlasst wird. Vermöge dieser Anordnung bewirkt der Regulator in jeder Stellung die Drehung der Expansionsschieberstange und das Heben und Senken des Expansionsschiebers mit unverkürzten Hebelarmen; ausserdem ist eine sorgfältige Ausgleichung der Gewichte des Gestänges sowie des Expansionsschiebers durch die Gegengewichte gi und ge erreicht.

Der entsprechend kleine, in einfachster Weise nur durch eine Gussrohrleitung gebildete Behälter (Receiver) R ist zweckmässig quer über die beiden Dampfcylinder gelegt. Die 4 auf der Schwungradwelle befindlichen Kurbel

scheiben zeigen die durch TextFig. 18.

figur 18

verdeutlichte Construction. Die

Zwecke leichterer Bearbeitung kreisförmig begrenzten Kurbeln n sind von dem die Kurbelscheibe concentrisch mit der Schwungradwelle ergänzenden Gussstück o umgeben, dessen Hohlräume p zur Erzielung einer vollkommenen Gewichtsausgleichung mit Blei ausgegossen und durch Platten 9 (s. Fig. 2 auf Tafel XXX)

verschlossen sind. Schnelllaufende Maschinen dieser Art, namentlich wenn dieselben unbedingt während langer Zeit keinen Stillstand erleiden dürfen, müssen in zuverlässiger Weise geschmiert werden. Für die Schmierung der bewegenden Teile der vor

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zum

zu den

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welle bezw. über der Mitte des von den Kreuzkopfzapfen zu durchlaufenden Weges sind durch Arme e gehaltene feste und während des Betriebes gefahrlos zu füllende Schmiervasen f angebracht, welche fortdauernd und durch Schraube g und Spindel h regelbar den über einen Bügel i gelegten endlosen Docht k durch die Bohrung 1 mit Oel versehen. Die Höhenlage dieses Dochtes ist derart, dass bei jedem Doppelhube der Maschine die Schaufeln (Lecker) d einmal an dem Docht entlang streichen, von diesem das Oel aufnehmen und dem Gefäss a zuführen, von welchem aus es durch Bohrung m zu schmierenden Teilen gelangt. Es ist auf diese Weise eine regelbare, fortdauernd gleiche und nur bei der Bewegung der Maschine wirksame Schmierung erzielt.

Es bleibt nur noch zu erwähnen, dass die Welle r der Dynamomaschine mittels der Kupplungsscheibe w mit der Schwungradwelle m verbunden ist, um auf diese Weise, wie schon oben erwähnt, jede Riemenübertragung und derart die Gefahr einer möglichen Betriebsstörung zu vermeiden. Im ganzen erscheint die Art, in welcher es die Görlitzer Maschinenbau-Anstalt und Eisengiesserei in Görlitz auf der dortigen Ausstellung unternommen hat, die Beleuchtungsfrage in ihrem ganzen Zusammenhange zu lösen, als eine gesunde und glückliche.

(Schluss folgt.)

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Band XXIX. No. 41.

10. October 1885.

Holzmüller, Zur Frage der Berechtigung der Realgymnasien.

791

war.

wovon 4 Jahre auf die Direction der alten Provinzialgewerbeschule, 7 auf die einer berechtigten höheren Bürgerschule nebst mittlerer Fachschule für Maschinentechnik fallen, während er vorher 4 Jahre lang an bedeutenden Gymnasien thätig

Die Reorganisationskämpfe sind ihm nicht erspart geblieben. Nur mit Mühe gelang es ihm, seine Schule zu retten, während so viele zusammenbrachen. Jetzt ist sie herrlich emporgeblüht?). Klingt aber der erste Abschnitt etwas polemisch, so erklärt dies sich nicht nur aus zahlreichen Reminiscenzen aus der Zeit des Kampfes, sondern besonders aus pädagogischen Ueberzeugungen, die der Verfasser auch auf der westfälischen Directoren-Conferenz vom Jahre 1884 nicht ohne Erfolg ausgesprochen hat.

Dass die gegebene Auffassung der Sachlage Gegner finden wird, ist ganz selbstverständlich. Gegnerische Beleuchtungen der Angelegenheit werden dem Verfasser sehr willkommen sein. Vielleicht findet sich später Gelegenheit, sachliches und namentlich statistisches Material ins Feld zu führen, an dem es nicht mangelt.

Durch Streit wird man auch in diesen Fragen zur Klarheit gelangen. Ist erst die Ansicht der Vereinsmajorität in bestimmten Ausdruck gefasst, so wird die Staatsregierung die Wünsche von mehr als 5000 Technikern und Industriellen nicht unberücksichtigt lassen. Die geringsten Aenderungen auf dem Gebiete des Schulwesens sind in socialer Hinsicht von so grosser Bedeutung, dass der Verein sich nur ein Verdienst erwirbt, wenn er die angeregten Fragen prüft und zur Entscheidung zu führen sucht.

zu

Wie soll sich der Verein deutscher Ingenieure der angeregten Berechtigungsfrage und dem höheren Schul

wesen überhaupt gegenüberstellen? Der Unterzeichnete beantragt, die vom Niederrheinischen bezw. Hannoverschen Bezirksvereine vorgeschlagenen Resolutionen, wonach die Zulassung zur Technischen Hochschule von der Absolvirung des Realgymnasiums abhängig gemacht bezw. diese Absolvirung dringend empfohlen werden soll, auf das entschiedenste abzulehnen.

Dagegen schlägt er vor, zu dem gesammten höheren Schulwesen in näher zu bestimmender Weise Stellung zu nehmen.

der Schüler und Uebermals des Lehrstoffes erreicht werden kann. Das Vielerlei des letzteren ist diesen Schulen oft genug zum Vorwurfe gemacht worden.

Durch die Lehrpläne von 1882 ist das Realgymnasium auch staatlicherseits dem ursprünglichen Zwecke gänzlich entfremdet worden. Das Beiwort »Gymnasium« erkennt an, dass die Anstalt amtlich als Gelehrtenschule betrachtet wird, und das Vorwort »Real« ist fast bedeutungslos geworden. Das Streben nach den gesammten Gymnasial-Berechtigungen und nach Eröffnung aller Studienzweige ist die praktische Folge dieser geschichtlichen Entwicklung.

Soll man sich nun freuen, eine Anstalt zu besitzen, welche behauptet, »real und gymnasial« zugleich zu sein? Soll man in den Triumph der Realschulmänner einstimmen, denen es gelungen ist, für einige Studienzweige den Eintritt auf Grund halb moderner, halb antiker Vorbildung gewonnen zu haben? Nein! Zum Triumphiren wäre nur Anlass vorhanden, wenn die Realschule, auf der alten lateinlosen Grundlage verharrend, ihre Herrschaft Schritt für Schritt erweitert, wenn sie ihre Berechtigungen erobert hätte, ohne dem Lateincultus Opfer auf Opfer zu bringen, ohne sich in ein Gymnasium umzuwandeln. Man modernisirt das höhere Schulwesen nicht dadurch, dass man Schritt für Schritt die lateinlose Anstalt in eine Lateinschule verwandelt, sondern dadurch, dass man die lateinlose Anstalt als solche fördert und ihr Macht, Rang und Stellung erobert.

Das Recht des Realgymnasiums, sich als Träger der modernen Interessen betrachten, ist also schon aus historischen Gründen ein zweifelhaftes. Nicht die Bedürfnisse des Handels- und Gewerbestandes, sondern die persönlichen Wünsche und Interessen der Lehrer haben das Realgymnasium als eine künstliche Schöpfung hervorgerufen, die, da sie moderne und antike Bildungsanstalt zugleich sein will, an Halbheit krankt, an Ueberfülle des Unterrichtsstoffes leidet, und, da sie un haltbar ist, Schritt für Schritt der Verschmelzung mit dem Gymnasium entgegentreibt.

Was die Ueberfülle des Lehrstoffes anbetrifft, so sei nur ein mathematischer Punkt erwähnt. Die technische Hochschule beansprucht von dem eintretenden Studirenden nur die Beherrschung der Elemente der Mathematik. . Einige Realgymnasien haben bis in die neueste Zeit Differential-Rechnung gelehrt! Die analytische Geometrie steht noch heute auf dem Lebrplane. Wozu das, wenn Universität und technische Hochschule doch von vorn beginnen? Weder die Hochschule noch das Publikum beansprucht solche Fachkenntnisse. Nur die Lehrer der Realgymnasien halten an ihnen fest, überfüllen damit den Lehrplan und halten einen angeblich wesentlichen Unterschied zwischen Gymnasium und Realgymnasium auf diese Weise aufrecht.

Um die Treibhauspflanze Realgymnasium zu erhalten, bedarf es künstlicher Mittel, die mit der naturgemässen Entwicklung nicht im Einklang stehen, und unter diesen hat in erster Linie das der Agitation geschickte Anwendung gefunden. Weder gegen den Realschulmännerverein, noch gegen die zahlreichen Streitschriften soll hier ein Vorwurf ausgesprochen werden. Das Ganze kann man nicht für Ueberschreitungen der Einzelnen verantwortlich machen. Aber ein Punkt sei hervorgehoben: Durch den Interessenkampf, der sich um

um das Wort Realschulfrage entwickelt hat, ist in unser höheres Schulwesen auf lange Zeit ein gewisser Grad gegenseitiger Entfremdung, sogar der Verbitterung, hineingetragen worden. Aus dem Tone vieler Streitschriften kann man auf den Grad der letzteren schliessen, obwohl man dergleichen Dinge der Oeffentlichkeit nicht in voller Grösse vorzuführen pflegt.

Abgesehen von den Schäden in idealer Hinsicht ist dadurch für die Gesammtentwicklung des höheren Unterrichtswesens ein bedeutender Schaden entstanden. Das Gymnasium, welches schon der Zahl nach unter den höheren Schulen den Vorrang hat, dem sich entschieden auch die besten Elemente unserer Jugend zuwenden, wurde durch die Angriffsstellung des Realgymnasiums zur Reaction gezwungen, es wurde gehindert, moderne Gedanken ent

1) Bedenken gegen den Antrag der beiden Bezirksvereine.

Der Verein deutscher Ingenieure hat jedenfalls das grösste Interesse daran, dass unser höheres Schulwesen in moderne Bahnen gelenkt werde, und dass besonders die naturwissenschaftlichen Errungenschaften der neueren Zeit der Jugend nicht in zu hohem Masse vorenthalten bleiben. Der Antrag der beiden Bezirksvereine scheint diesen Wünschen zu entsprechen. Aber dieses Entsprechen ist nur ein scheinbares. Es stellen sich in der That dem Antrage die grössten Bedenken entgegen. Um diese zu erläutern, erlaubt sich der Verfasser zunächst eine kurze historische Betrachtung anzustellen.

Die Realschulen (jetzt Realgymnasien) wurden ursprünglich als lateinlose Anstalten für die Bedürfnisse des Handelsund Gewerbestandes begründet. Obwohl sie sich befriedigenden Besuches erfreuten, fühlten sich ihre Directoren und Lehrer unbehaglich berührt durch das Bewusstsein, eine Schule zweiten Ranges zu vertreten. Um die Schulen und damit die eigene gesellschaftliche Stellung zu heben, wünschten sie Berechtigungen zu erobern. Zu diesem Zwecke führten sie das Latein erst schwach, dann stärker und stärker ein, und so begann der Wettkampf mit dem Gymnasium bezüglich der Studien berechtigungen. Das Latein ist schliesslich die Hauptsprache der Realschulen geworden. Letztere unterscheiden sich von dem Gymnasium im wesentlichen nur noch dadurch, dass von Tertia ab an Stelle des Griechischen das Englische tritt. Wird von Realschulmännern betont, dass der Lehrplan weit mehr Mathematisch-Naturwissenschaftliches enthalte, so ist zu bemerken, dass dieses Mehr, wenn es wesentlich sein soll, nur durch Ueberbürdung

1) Schülerzahl 390, Lehrerzahl 21.

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