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Band XXIX. No. 40. 3. October 1885.

Ruhr-Bezirksverein: Werkzeuggussstahl. - 783

wird. Es giebt – namentlich in Schweden – Bessemerstahl, der hinsichtlich chemischer Reinheit vor den allerbesten Sorten von Tiegelstahl nicht zurückzustehen braucht; die gleichen Eigenschaften erhält er aber erst dann, wenn er mit der nötigen Sorgfalt in Tiegeln umgeschmolzen wird, die Gare erlangt und in der richtigen Weise gegossen wird. Den Zeitpunkt, wo die Gare eintritt, kann ein geübtes Auge sehr wohl erkennen; die Flüssigkeit erscheint wasserklar; bei dem Umgiessen des noch in voller Hitze befindlichen Stahles spiegelt der obere Teil des Tiegels sich ab, und man kann den unteren Rand des Tiegels durch die überfliessende Flüssigkeit hindurch klar und deutlich sehen. Diejenigen Fehler, welche an Werkzeuggussstahl bei seiner Verwendung hervortreten, haben ihre Ursache meistens in mangelhafter Fabrikation. Einzelne harte oder weiche Stellen sind in ungenügender Schmelzung begründet. Langrisse, soweit sie durch vorhandene Poren beim Schmieden entstehen, oft aber erst beim Härten zum Vorschein kommen, sind entweder auch auf mangelhafte Schmelzung oder auf unrichtiges Ausgiessen zurückzuführen. Lose »Felle« und ähnliche Unganzheiten an der Oberfläche entstehen durch Angiessen und Anspritzen an die Seitenwände der Coquillen. Hohle Stellen im Kern einer Stange rühren, wenn sie an einem Ende der Stange sich finden, von nicht genügender Entfernung des Lunkers her; sie finden sich aber auch wohl in der halben Länge der Stange vor, wenn die eine Hälfte der Stange in einer anderen Hitze als die andere geschmiedet wird, an der Stelle, wo »beide Hitzen sich decken«, infolge zu kalten Schmiedens. Risse an der Oberfläche sowie gänzliches Entzweischneiden entstehen beim Ausschmieden unter zu schweren Hämmern; dünne Stäbe müssen unter leichteren Hämmern ausgeschmiedet werden, als stärkere. Letztere Fehler können auch ihren Grund in chemischen Bestandteilen haben, welche Rotbruch erzeugen, und namentlich ist Kupfergehalt für die Entstehung von Langrissen bei dem Ausschmieden dicht gegossener Blöcke gefährlich; Stahl aus deutschem Eisen (namentlich Siegener) zeigt diesen Fehler in hohem Grade. Mit Zusatz von Spiegeleisen muss man daher auch sehr vorsichtig sein und denselben möglichst beschränken. Auch diese Art von Langrissen tritt hauptsächlich erst bei dem Härten hervor; dass die Risse aber vor dem Härten bereits vorhanden sind, kann man erkennen, wenn man ein ungehärtetes Stück zum zweiten Male warm macht und langsam erkalten lässt; die Langrisse, welche sich früher wieder zugeschmiedet hatten, sind dann nach Entfernung des Glühspanes sehr deutlich erkennbar. Unganzheiten, gleich viel aus welcher Ursache sie entstanden sind, sind der verhängnisvollste Fehler, den Gussstahl haben kann, denn bei dem Härten nehmen Härtesprünge dort ihren Anfang und zerstören häufig ein Werkzeug, das an Bearbeitung zehnmal so viel gekostet hat, als der dazu verwendete Stahl. Kleinere Unganzheiten an der Oberfläche, welche von mangelhafter Beschaffenheit der Coquillen oder Anspritzen bei dem Giessen herrühren, können nach dem Vorschmieden mit dem Handmeissel herausgehauen werden; die entstehenden flachen Furchen verschwinden wieder bei dem Fertigschmieden oder Auswalzen. Hr. Seebohm sagt, manchmal sei es notwendig, der Oberfläche des Stahles, nachdem er zum ersten Male gehämmert wurde, eine Schweisshitze zu geben, um die hier und dort auf der Oberfläche zerstreuten Blasenlöcher zu schliessen. Ich halte dies für durchaus unzulässig; abgesehen von dem damit verbundenen nachteiligen Ueberhitzen, kann man jede Schweissung von Gussstahl, wenn man richtig zu Werke geht, wieder aufreissen. Dicht geschweisst ist also offenbar nicht eben so gut, wie dicht gegossen; die Fehler werden durch Zuschweissen nicht beseitigt, sondern nur verdeckt. Es bleibt da lediglich der allerdings kostspielige Ausweg, alles, was bei sehr sorgfältiger Untersuchung Unganzheiten zeigt, die nicht vollkommen mit dem Handmeissel beseitigt werden können, nicht an die Kundschaft gelangen zu lassen, sondern umzuschmelzen. Zur Herstellung guter dauerhafter Werkzeuge genügt indessen nicht allein Gussstahl von guter fehlerfreier Beschaffenheit, sondern es ist auch durchaus erforderlich, dass der zu verwendende Stahl einen der zu leistenden Arbeit entsprechenden Härtegrad besitzt.

So eignet sich z. B. guter Drehstahl nicht zu Döppern, denn wegen zu grosser Härte und zu geringer Zähigkeit würde ein daraus gefertigter Döpper schon, bei Beginn der Arbeit ausbrechen. Umgekehrt würde ein aus gutem Döpperstahl gefertigter Drehmeissel nicht die zur Dreharbeit erforderliche Härte haben und sehr rasch stumpf werden. Durch eine sehr grosse Anzahl von Versuchen ist festgestellt worden, welcher Härtegrad, d. h. welcher Kohlenstoffgehalt, für jeden einzelnen Zweck der geeignetste ist. Bei den verschiedenen Verwendungszwecken schwankt bei Werkzeuggussstahl der Kohlenstoffgehalt im allgemeinen zwischen 0,75 bis 1,50 pCt., und man teilt diesen Zwischenraum zur bequemen praktischen Handhabung in mehrere, gewöhnlich 6 bis 7, verschiedene Härtegrade, in welche man die einzelnen Verwendungszwecke einreiht. Man giebt den Härtegraden möglichst passende Benennungen und fügt kurze Bemerkungen über Behandlungsweise und Etiquettirung des Stahles bei, wie folgt:

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Wie Sie aus meiner Ihnen vorliegenden Härtescala ersehen, ist dort ausser 6 verschiedenen Härtegraden noch – quasi als 7. Härtegrad .– Wolframstahl, geeignet für Magnete und für die Bearbeitung von sehr hartem Material, aufgeführt. Wolframstahl mit 5,5 bis 7 pCt. Wolframgehalt und ca. 1,8 pCt.

Kohlenstoffgehalt wurde zuerst von Mushet als »Specialstahl«,

in den Handel gebracht. Dieser Stahl ist naturhart, d. h. er ist so hart, dass er zur Bearbeitung der härtesten Gegenstände nicht gehärtet zu werden braucht. Diese grosse Härte erschwert indessen ganz ausserordentlich die Fertigstellung der Werkzeuge. Aus diesem Grunde sind einige Fabriken dazu übergegangen, Wolframstahl mit nur 4 pCt. Wolframgehalt und auch etwas geringerem Kohlenstoffgehalt anzufertigen, und von dieser Art ist auch der von mir fabricirte Wolframstahl. Wie der Zusammensetzung nach, steht er auch in seinen Eigenschaften in der Mitte zwischen Gussstahl des Härtegrades »Sehr hart« und Mushet’s Specialstahl. Er lässt sich recht gut bearbeiten, erträgt vollkommen genügend Hitze und wird vor dem Gebrauche gehärtet; er nimmt dabei gleiche Härte an, wie sie Mushet’s Specialstahl hat, und ist ebenso zäh und schneidig wie dieser. Statt Wolfram hat man zur Erzeugung ähnlichen Stahles auch wohl Chrom benutzt, indessen bietet dieses Metall keinerlei Vorzug vor Wolfram. Titan soll denselben Zweck erfüllen, indessen findet man in angeblichen Titanstahlen kein Titan, sondern nur Wolfram. Der Werkzeugstahl, wie er in Stangen von dem Fabrikanten geliefert wird, muss behufs Fertigstellung guter Werkzeuge in den Werkstätten des Kunden noch verschiedenen Arbeiten unterworfen werden. Die gute Ausführung dieser Arbeiten und die möglichste Schonung des Materiales sind von grosser Wichtigkeit, und es erfordern dieselben stets einen mehr oder minder hohen Grad von Sachkenntnis, Vorsicht und Geschicklichkeit. Ich will hier wenigstens auf die wichtigsten Punkte, welche in Betracht kommen, aufmerksam machen. Zum Gebrauche bestimmte Stücke sollen niemals von den Stangen kalt abgeschlagen, sondern warm abgeschrotet werden. Das Warmmachen des Stahles soll niemals in ganz frischer Steinkohle geschehen, sondern die Steinkohle muss bereits bis zur Entfernung des flüchtigen Schwefels angebrannt sein; besser ist es, Koks oder Holzkohle zu verwenden, damit der Stahl an seiner Oberfläche keinen Schwefel aufnehmen kann, wodurch Risse beim Schmieden und Sprünge beim Härten entstehen. Das Anwärmen soll in nicht zu heissem Feuer langsam und ohne Ueberhitzung vorgenommen werden, und beim Schmieden ist jedes Stauchen zu vermeiden; man muss also eine Stahlstange wählen, die der dicksten Stelle des Werkzeuges entspricht. Döpper sollen nicht, wie das häufig geschieht, mit dem Ballhammer, sondern auf der Drehbank fertig gemacht werden. Bei Beendigung des Ausschmiedens muss an derjenigen Stelle, an welcher das Werkzeug Arbeit zu verrichten hat, stets etwas Stoff von der Oberfläche weggearbeitet werden, weil an der Oberfläche der Stahl bei dem öfteren Warmmachen etwas gelitten hat. Viele schneidende Werkzeuge, z. B. Hand- und Drehmeissel usw., werden abgeschliffen, andere, z. B. Gewindbohrer, Fräser, Scherenmesser usw., werden abgedreht oder abgehobelt. Man soll daher Stangen von nicht allzu knappen Abmessungen auswählen. Scherenmesser nur auf einer schmalen Fläche zu behobeln, ist eine sehr unkluge Sparsamkeit; wenigstens die an die Schnittkante anstossende breite Fläche muss auch behobelt werden. Zeigen sich frühzeitig bei der Bearbeitung eines Stückes, welches bis zur Fertigstellung noch grossen Kostenaufwand verursacht, unganze Stellen im Materiale, so überlege man, ob dieselben sich vollständig entfernen lassen, und

prüfe dieselben nötigenfalls vorsichtig mit dem Handmeissel.

Ist das Ergebnis nicht zufriedenstellend, so verwerfe man lieber das Stück, denn man läuft Gefahr, dass es bei dem Härten springe. An Werkzeugen schwierigerer Form soll man so viel wie möglich einspringende Winkel vermeiden, und, wo es thunlich ist, dieselben abrunden, da an diesen Stellen am leichtesten bei dem Härten Sprünge und bei angestrengtem Gebrauche Brüche entstehen. Noch viel wichtiger, als bei der Formgebung, ist vorsichtiges Anwärmen bei dem Härten der Werkzeuge. Wenn Stahl vor dem Ausschmieden etwas, jedoch nicht zu sehr, überhitzt wird, so wird meistens der Fehler durch das nachfolgende Schmieden

wieder vermindert; der entstandene grobkörnige matte Bruch nähert sich wieder mehr demjenigen von gutem und richtig behandeltem Stahl; ist das Werkzeug jedoch bis zum Härten fertig, so kann es nicht mehr nachgeschmiedet und ein durch Ueberhitzung gemachter Fehler also auch nicht wieder gut gemacht werden. Das Werkzeug springt dann leicht bei dem Härten, und wenn es auch nicht springt, so ist es doch nicht haltbar und dauerhaft und hat keinen scharfen Schnitt. Die in den Härtescalen für jeden Härtegrad angegebenen Grade der Erhitzung müssen möglichst genau eingehalten werden, um möglichst hohe Leistungen der Werkzeuge zu erzielen. Ich habe eine Stange von 1,25 pCt. Kohlenstoffgehalt an einem Ende in Abständen von je 20" eingekerbt, dann an diesem Ende bis zum Abtropfen überhitzt, in kaltem Wasser abgelöscht und an den eingekerbten Stellen gebrochen. Von

den einzelnen Stücken, die Ihnen geordnet hier vorliegen, ist

das erste am stärksten überhitzt gewesen, jedes folgende minder stark als das vorhergehende; bei dem zehnten Stücke war nur schwach dunkelrote Hitze zu erkennen. Die ersten, bei sehr hoher Hitze abgeschreckten Stücke haben einen sehr grobkörnigen Bruch und sind der Länge nach aufgerissen; in der Richtung nach dem anderen Ende hin wird der Bruch allmählich feinkörniger. Das 7. Stück hat die richtige Wärme zum Härten gehabt; nur dieses kleine Stück würde, als Werkzeug benutzt, eine gute, lange scharf bleibende Schneide geben. Die vorhergehenden Stücke sind verdorben; die nachfolgenden, minder feinkörnigen und allmählich in das Bruchansehen ungehärteten Stahles verlaufenden Stücke sind nicht hart genug. «Ferner ist zu beachten, dass beim Anwärmen für das Härten der Stahl keinen oxydirenden Gasen ausgesetzt werde, die ihm an der Oberfläche den Kohlenstoff und somit die Härte entziehen würden. Geschieht das Anwärmen in einem Ofen, der mit Gebläse betrieben wird, so muss derselbe vor

dem Einbringen des zu härtenden Werkzeuges genügend an

gewärmt sein, so dass nachher der Wind ganz oder zum grossen Teil abgestellt werden kann. Zur Beobachtung der Entkohlung an der Oberfläche habe ich ein Stück Stahl von 1,20 pCt. Kohlenstoffgehalt in einem Regenerativwärmofen bei ganz geöffnetem Luftventil angewärmt und nach erlangter Hellrotwärme noch 20 Minuten im Ofen liegen lassen. Von dem Stücke wurden sodann dünne Schichten von je */5" abgehobelt und untersucht. Die oberste Schicht zeigte nur noch 0,60 pCt. Kohlenstoff, bei der vierten Schicht war der Kohlenstoffgehalt 1,10 pCt. Die Entkohlung war überhaupt etwa 1" tief eingedrungen. Stücke, welche ganz gehärtet werden sollen, müssen in allen Teilen bis zum Kerne möglichst gleichmässig angewärmt werden. Bei dem Eintauchen in das Wasser müssen sie ganz senkrecht und nicht schief stehend gehalten werden, weil sie sich sonst krumm ziehen oder springen. Während des Erkaltens im Wasser bewege man sie hin und her, damit alle Teile gleichmässig abgekühlt werden. Werkzeuge, welche nicht ganz, sondern nur an einer Stelle gehärtet werden müssen, sollen, so weit möglich, nicht weiter warm gemacht werden, als sie gehärtet werden müssen. Bei schneidenden Werkzeugen soll eben nur die Schneide warm gemacht werden, und während des Abkühlens bewegt man sie auf und ab, damit ein allmählicher Uebergang aus dem gehärteten in den ungehärteten Zustand stattfinde; an der Stelle, wo ein plötzliches Uebergehen aus dem gehärteten in den ungehärteten Zustand vorhanden wäre, würden die Werkzeuge bei dem Gebrauche leicht brechen. Sollen nur einzelne Flächen, z. B. bei Hämmern und Ambossen, gehärtet werden, so geschieht das am besten vermittels eines kräftigen Wasserstrahles oder einer Brause. Ebenso werden Matrizen vermittels eines durchfliessenden Wasserstrahles oder eines mit vielen kleinen Seitenöffnungen versehenen durchgesteckten Rohres durch eingespritztes Wasser gehärtet. Das Anlassen geschieht entweder, indem man die Werkzeuge noch hinreichend warm aus dem Wasser zieht und das Erscheinen der richtigen Anlauffarbe abwartet und dann gänzlich ablöscht, oder indem man das Werkzeug nach gänzlichem Erkalten bis zum Erscheinen der richtigen Anlauffarbe langsam erwärmt und dann ablöscht; dieses Erwärmen kann vorsichtig über dem Feuer, in heissem Sande, durch aufgelegte

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glühende Eisenstücke oder auf irgend eine andere zweckmässige Weise geschehen.

Das Härten mancher Werkzeuge erfordert einen ausserordentlich hohen Grad von Erfahrung und Geschicklichkeit; kleine Fehler, die bei dem Anwärmen, Härten oder Anlassen begangen werden, haben das Missraten des Werkzeuges zur Folge, sei es, dass dieses stellenweise zu hart und stellenweise zu weich ausfällt oder sich krumm zieht und von neuem gehärtet werden muss, sei es, dass der Stahl seine Güte verloren hat oder bei dem Härten springt und so das ganze Stück zu Grunde geht. Es kommt zuweilen vor, dass Werkzeuge, bei denen man des Erfolges bereits vollständig sicher zu sein glaubt, mehrere Tage nach dem Härten bei ruhigem Liegen plötzlich springen, scheinbar ohne jede Veranlassung.

Es würde sehr weit führen, auf genauere Einzelheiten hier näher einzugehen. Indessen will ich noch einiges darüber sagen, in welcher Weise die Anfertigung und Instandhaltung der Werkzeuge in Maschinenfabriken und ähnlichen Werkstätten im allgemeinen zu handhaben ist.

Es giebt in jeder grösseren und auch in kleineren Werkstätten sorgfältige und geschickte Arbeiter und auch solche, welche die entgegengesetzten Eigenschaften haben. Letztere taugen unbedingt nicht zur Anfertigung von Werkzeugen. Arbeiter, die ihre Werkzeuge nicht sorgfältig verschliessen, deren Hand- und Drehmeissel, trotzdem guter Stahl ausgegeben wird, immer über und über mit Rissen und Sprüngen bedeckt sind, weil sie diese Werkzeuge unnötiger Weise in frischen Kohlen stets auf ihre ganze Länge weisswarm machen und sie auch in diesem Zustande härten, dabei die Hälfte der Arbeitszeit mit neuem Zurechtmachen der Werkzeuge verbringen, schliesst man am besten von dieser Arbeit ganz aus und überträgt dieselbe lediglich einem oder, nach Bedürfnis, mehreren wenigen geschickten und sorgfältigen Arbeitern. Die Werkzeugschmiede sind nicht nach der Zahl der fertig gestellten Werkzeuge zu bezahlen, sondern nach Möglichkeit soll jeder derselben für eine bestimmte Anzahl von Werkzeugmaschinen, z. B. Drehbänken, Hobelmaschinen usw. die Instandhaltung der Werkzeuge zu einem bestimmten AccordSatze besorgen. Diese Leute eignen sich bald sehr grosse Uebung an; es wird in der Fabrik viel weniger Stahl verbraucht und die Leistungen an den Arbeitsmaschinen erhöhen sich ganz wesentlich. Damit die Werkzeugmacher richtig arbeiten können, ist es nötig, dass ihre Schmiedefeuer und ihre Löschtröge an ziemlich dunklen Stellen in der Fabrik sich befinden, namentlich, dass dort kein directes Sonnenlicht hinkomme. Nur an ziemlich dunklen Stellen, wo das Licht stets möglichst gleichmässig ist, kann man den Grad der Glühhitze richtig beurteilen. Im directen Sonnenlichte kann selbst der geübteste Arbeiter die Hitze nicht beurteilen, er überhitzt die Werkzeuge, ohne es zu wissen und zu wollen, und wenn dann später an der Oberfläche Sprünge und bei dem Zerschlagen grobkörniger Bruch sich vorfinden, so glaubt er, schlechten Stahl unter Händen zu haben, obschon das in Wirklichkeit nicht der Fall ist.

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Von grosser Wichtigkeit für den Käufer ist noch die Unterscheidung zwischen gutem und minder gutem Stahle. Viele glauben, an der Feinheit des Kornes im Bruch ein sicheres Kennzeichen zu haben; es ist dies weiter nichts als ein altes Vorurteil. An der Beschaffenheit des Bruches kann man bei Stahl aus gleichem Rohmateriale wohl einen Schluss auf die Härte, keineswegs aber auf die Güte ziehen. Gussstahl aus Siegener Rohmaterial zeigt bestechend schönen Bruch, taugt aber doch als Werkzeugstahl nicht. Ueberdies ist der Stahlfabrikant in der Lage, bei der letzten Bearbeitung des Stahles die Entstehung eines schönen Bruchansehens hervorzurufen. Das einzige Mittel, die Güte von Werkzeugstahl zu erfahren, besteht darin, ihn zu den Zwecken, wozu er bestimmt ist, zu versuchen.

Bei manchen Werkzeugen, die zur Anfertigung einige Zeit erfordern und im Gebrauche lange halten müssen, dauert es lange, bis man zum Resultate gelangt, und es genügt dann auch, wenn man den Stahl einer Probe auf seine Widerstandsfähigkeit gegen das Zerspringen und auf seine Haltbarkeit

bei schneidenden Werkzeugen unterwirft.

Die erstere Probe macht man, indem man von dem zu untersuchenden Stahl und von einer anderen Stahlsorte, deren Verwendbarkeit man kennt, je ein Stück in einer schwefelfreien, nicht oxydirenden Flamme – am besten in Holzkohlen oder Koks – bis zum beginnenden Abtropfen an einem Ende überhitzt, in senkrechter Haltung in kaltem Wasser ablöscht und dann die an beiden Stücken entstandenen Risse mit einander vergleicht. Selbstverständlich müssen beide Stücke von gleichen Abmessungen (etwa 20 bis 30a") und von gleichem Härtegrade sein und das Ueberhitzen und Ablöschen bei beiden Stücken in ganz genau übereinstimmender Weise erfolgen. Sollten sich bei beiden Stücken keine Sprünge zeigen, so wiederholt man den Versuch bei beiden Stücken an derselben Stelle wie zuvor. Die Haltbarkeit und Güte der Werkzeuge prüft man am besten, indem man guten Accordarbeitern – keinen Tagelöhnern – mit wenig bemerkbaren Zeichen versehene Stücke von verschiedenen Stahlsorten, die man mit einander vergleichen will, in Gebrauch giebt, z. B. Dreh-, Schrot- und Handmeissel usw., ohne den Arbeitern zu sagen, dass sie Stahl probiren sollen, oder gar, dass die eine Probe ausländisches, die andere inländisches Fabrikat sei, damit jedes Vorurteil ausgeschlossen bleibe. Nach etwa acht Tagen beobachte man stillschweigend, welcher Werkzeuge die Arbeiter sich mit Vorliebe bedienen, und ob sie etwa, wenn sie für kurze Zeit von der Arbeit weg müssen, das eine Werkzeug sorgfältig verschliessen oder verbergen, das andere dagegen sorglos liegen lassen. » Ein Werkzeug von hervorragender Güte gebraucht der fleissige Arbeiter stets mit Vorliebe; es ist sein Schatz, den er hütet wie sein eigenes Geld.« o Zum Schlusse der Sitzung widmet Hr. Dr. Otto Grass einen warmen Nachruf dem Erfinder des Thomas-Processes, dem am 1. Februar d. J. verstorbenen Sydney Gilchrist Thomas, welcher in dieser Zeitschrift S. 227 mitgeteilt worden ist.

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deutscher Ingenieure.

des Hobelapparates auf der Drehbank dienen die beiden Ansätze B2, und, falls nötig, auch noch der Bolzen o. Der Supportschieber D läuft quer zur Drehbankwange und wird von der in der Länge veränderlichen Kurbel G durch die Drehbankspindel in Bewegung gesetzt. Die Uebertragung der Bewegung erfolgt hierbei durch einen mit Schlitzführung versehenen Hebel F, welcher mit einem in der Grundplatte drehbaren Bolzen f starr verbunden ist, und durch Lenkstange E. Andererseits ist der Bolzen f auch mit dem Hebel f starr verbunden, der eine dreieckige Aussparung besitzt, so dass der Hebel H einen grösseren oder kleineren Ausschlag erhält, welcher Hebel durch Klinke und Sperrrad mittels Spindel J den Vorschub des Tisches bewirkt. Das Zurückziehen des Tisches erfolgt mittels Handkurbel durch das konische Getriebe MN, wobei die Sperrklinke durch die Anschlagenase L ausgelöst erhalten wird.

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