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deutscher Ingenieure.

Litteratur. Die Selbstkosten des Eisenbahn- Transportes und Belgien die meisten künstlichen Wasserstrassen heute nicht die Wasserstrassenfrage in Frankreich, Preussen und mebr bauwürdig wären. Von England ist gesagt, dass die Oesterreich. Von W. von Nördling, Sectionschef und Kanäle daselbst aufgehört haben, den Eisenbahnen ernste Generaldirector a. D. des Oesterreichischen Eisenbahnwesens. Concurrenz zu machen. Bei Nordamerika ist besonders Wien, 1885; Verlag von A. Hölder; Preis 12 M.

der von den Kanalfreunden so häufig als Vorbild hingestellte In dem vorliegenden 224 Seiten starken Werke werden Eriekanal besprochen und aus einem französischen Bericht die genannten Tagesfragen in durchaus vorurteilsfreier und über die dortige Binnenschifffahrt der Schluss gezogen, dass wissenschaftlicher Weise erörtert. Der Verfasser, welcher die Eisenbahnen überall im Zuge sind, über die Wasserfrüher bei den französischen Kanälen thätig war, dann aber im strassen den Vorrang zu erringen. Oesterreichischen Eisenbahnwesen eine hervorragende Stellung

Der folgende 5. Abschnitt enthält die aus den besprocheeinnahm und daher auf Grund eigener praktischer Erfahrung nen Angaben gezogenen Schlussfolgerungen, nämlich, dass 1. zur Behandlung des Gegenstandes in hohem Grade befähigt der Hauptgrund des Siechtumes der Kanäle in der Langsamist, hält sich einerseits von den optimistischen Anschauungen keit und den Unterbrechungen des Verkehres zu suchen sei; der meisten Kanalfreunde, welche eben vor seiner praktischen 2. die Einführung des Dampfbetriebes, welcher keine andere Erfahrung nicht zu bestehen vermögen, durchaus fern, stellt Betriebsart neben sich dulden könne und daher ein Betriebsandererseits aber auch die Eisenbahnfracht-Verhältnisse nach monopol bedinge, mit der Wohlfeilheit und Freiheit des BeMassgabe des wirklich bestehenden fest; sein Werk, welches triebes nicht vereinbar und daher von derselben kein Vorsich durch besondere Gründlichkeit und klare Darstellung teil zu erhoffen sei; 3. ein beliebiges Anlegen an jedem auszeichnet, ist daher zur Aufklärung des Gegenstandes Punkt überhaupt unzulässig sei; 4. die Nebenvorteile der Kawie kaum ein anderes geeignet und wird allen beteiligten näle, als Be- und Entwässerung, Wasserkraft, Schutz gegen Fachgenossen hiermit bestens empfohlen.

Ueberschwemmungen usw. in Wirklichkeit nur ausnahmsweise Nach einem Vorworte und einer Einleitung, welche die nutzbar gemacht werden können. . Inbetreff Oesterreichs Grundsätze der Erörterung und die durch Beschlüsse des wird dann aus einzelnen besonderen Betrachtungen der Schluss Oesterreichischen Abgeordnetenhauses gegebene Anregung zu gezogen, dass es sich durch den Sirenengesang der Kanalder ganzen Arbeit enthalten, folgt im 1. Abschnitte die Fest- freunde nicht verleiten lassen möge. stellung der Selbstkosten des Eisenbahn-Gütertrans

Als Anhang ist eine Uebersetzung der französischen portes. Der Verfasser legt hier zunächst seine Anschauung Kanalordnung beigegeben, welche erkennen lässt, dass zur dar, nach welcher die Zinsen der Anlagekosten der Bahnen den Erhaltung des Betriebes auf den Kanälen in Wirklichkeit die Selbstkosten nicht zugezählt werden sollten, welche vielmehr strengsten Beschränkungen der von den Kanalfreunden so viel lediglich aus den laufenden Ausgaben, und zwar annähernd belobten Freizügigkeit unumgänglich notwendig sind. aus einem constanten und einem zur Verkehrsmenge im geraden Den Schluss des Werkes bildet eine Abhandlung über Verhältnisse stehenden Teile beständen. Nach diesen Grund- Eisenbahntarife, in welcher der Verfasser seinen schon sätzen sind dann die bei der Theissbahn und anderen Oester- eingangs bezeichneten Standpunkt eingehend darlegt,, woreich - Ungarischen Bahnen enstandenen Selbstkosten aus den nach die Tarife im wesentlichen nach Massgabe der Erwirklichen Ausgaben und unter Verteilung derselben auf den tragsfähigkeit der beförderten Gegenstände, also auf Grund Personen- und Güterverkehr nach Massgabe der gefahrenen des Erwerbsprincipes, festzustellen seien, während die Betriebsbrutto-tkm berechnet und für die letztgenannten Bahnen zu kosten nur als untere Grenze derselben gelten, die Verzinsung 1,2 Pfg., bei sehr regem Verkehr zu 0,85 Pfg. für 1 tkm ange- der Anlagecapitalien aber hierbei ausser Betracht bleiben und geben. Im Anschlusse hieran sind die niedrigsten Tarife, der wie bei anderen industriellen Unternehmungen der Gunst der Einfluss der Herabsetzung derselben, Refactien und Special- Verhältnisse überlassen bleiben müsse. Da der

der Vertarife besprochen. Den Schluss dieses Abschnittes bildet eine fasser diese Grundsätze nicht nur für Privatbahnen, sondern allgemeine Besprechung des Concurrenzverhältnisses zwischen auch für Staatsbahnen aufstellt, so gestatten wir uns zu beEisenbahnen und Kanälen, wobei die Selbstkosten der letzteren zweifeln, dass dieselben vor dem für die letzteren allein mit 0,85 Pfg. für 1tkm angegeben werden. Besondere Beachtung massgebenden volkswirtschaftlichen Standpunkt allgemein zu verdient hier die Bemerkung, dass in Frankreich infolge der Recht bestehen können, da Frachtsätze, welche die Verzinsung Vorliebe des Handels für die Eisenbahnen der Frachtsatz der nicht eintragen, eine Belastung der Steuerzabler, solche, welche letzteren bei Concurrenzgleichheit im Durchschnitt um 50 pct. mehr eintragen, eine Belastung der betr. Versandtgegenstände höher als auf den Kanälen anzunehmen sei.

bilden, beides Dinge, welche nur in beschränktem Masse bezw. Der 2. Abschnitt behandelt die französischen Wasser- zeitweise zur Anwendung gebracht werden dürfen, wenn der strassen und enthält nächst einer eingehenden Beschreibung Gesammtheit keine Nachteile entstehen sollen. der Entwicklung derselben besondere Angaben über den Ver

An mehreren Stellen seines Werkes bedauert der Verkehr der Kanäle, Flüsse und gleichgerichteten Bahnen, 'aus fasser, dass in wirtschaftlichen Fragen nur selten auf Grund welchen die Ueberlegenheit der letzteren gerade für den eingehender Prüfung verfahren, bei der ausschlaggebenden Massentransport leicht zu erkennen ist. Die folgende Dar- grossen Menge vielmehr meistens Schlagworte massgebend stellung der neueren Kanalbauten enthält u. a. den Nachweis, seien, welche einmal die nötige Verbreitung erlangt hätten. dass gerade auf dem mit kleinen Schiffscalibern betriebenen Es muss leider zugegeben werden, dass dem vielfach so ist; sehr leistungsfähigen Kanale von Berry die Frachten besonders um so grösser ist das Verdienst des Verfassers, durch seine niedrig sind. Hieran reihen sich vollständige Angaben über verständnisvolle und klare Darlegung der wirklichen Verhältdie Unterhaltungkosten, Sommer- und Wintersperre, Verkehrs- nisse zu einer nüchternen und wirtschaftlichen Auffassung der und Frachtverhältnisse dieser Kanäle. Die Schlusserörterung Kanalfrage in hohem Masse beigetragen zu haben. lässt sich kurz dahin zusammenfassen, dass in Frankreich den

v. Borries. Eisenbahnen vor neuen Kanälen der Vorzug gebühre. Es folgt hierauf der 3. Abschnitt, welcher die Preussi

Bei der Redaction eingegangene Bücher: schen Wasserstrassen, deren Verkehrs- und Concurrenzverhältnisse und insbesondere die bekannten neueren Kanal

Die Fördermaschinen der Bergwerke. Von Julius entwürfe behandelt. Wesentlich erscheint hier die Bemerkung,

Ritter von Hauer. Dritte vermehrte Auflage. Zweite Liefedass die Concurenzfähigkeit der Wasserstrassen vorzugsweise

rung. Leipzig 1885, Arthur Felix. auf dem starren Tarifsystem der Preuss. Staatsbahnen beruhe.

Handbuch der Elektrotechnik. Von Dr. Erasmus Der 4. Abschnitt, welcher die Wasserstrassen ande

Kittler. Zwei Bände. I. Band, I. Hälfte. Stuttgart 1885, rer Länder behandelt, enthält zunächst den Nachweis, dass

Ferdinand Enke. der Bayerische Ludwigskanal die von den Kanalfreunden

Beitrag zur Behandlung der mechanischen Wärmelehre stets hervorgehobenen Nebenerträgnisse nicht geleistet und an höheren Maschinenfachschulen. Von E. Wilda. Beilage keinen regen Localverkehr entwickelt hat, sowie, dass in zum XI. Jahresberichte der k. k. Staatsgewerbeschule zu Brünn.

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Angelegenheiten des Vereines. Diese Nummer enthält eine Beilage für die XXVI. Hauptversammlung in Stettin. Zu derselben ist zu bemerken, dass sich die von den Eisenbahnen zugestandene Vergünstigung nur auf die Mitglieder, nicht auf deren Damen und Gäste erstreckt.

Zum Mitglieder-Verzeichnisse.

Aenderungen.

Bergischer Bezirksverein. C. Bormann, königl. Baurat, Elberfeld.

Berliner Bezirksverein. L. Epstein, Elektrotechniker, i/F. Epstein & Co., Martinikenfelde bei Berlin.

Hannoverscher Bezirksverein. L. Strobel, Ingenieur, Magdeburg.

Pfalz-Saarbrücker Bezirksverein.
Georg Nottebohm, Ingenieur, Saarbrücken.

Westfälischer Bezirksverein.
Fritz Schulten, Ingenieur bei Briegleb, Hansen & Co., Gotha.

Württembergischer Bezirksverein.
Gust. Hilliger, Ingenieur, Frankfurt a/M.

Keinem Bezirksverein angehörend.
Jul. Schatte, Civilingenieur, Wien IV, Theresianum-Gasse 31.
Friedr. Schmidt, Ingenieur, i/F. Schmidt, Kranz & Co., Comman-

ditgesellschaft für Fabrikation von Eismaschinen, Nordhausen.

Const. Schneider, Ingenieur bei H. R. Leichsenring, Schönebeck a E.
Const. v. Steindel, Director des Zwickauer Brückenberg-Stein-

kohlenbauvereines, Zwickau.
Th. v. Wagner, Ingenieur der Schiffswerft Germania, Gaarden.
Wilh. Wagner, Hüttendirector, Julienhütte bei Bobrek.
R. Ziomczynski, Chemiker der Zuckerraffinerie von A. Brockhoff
& Co., Duisburg.

Verstorben.
Ackermann, Hüttenmeister, Marthahütte bei Kattowitz,
Gottfried Stumpf, Civilingenieur, Berlin S.W., Belleallianceplatz 6.

Neue Mitglieder.

Bayerischer Bezirksverein.
Franz Hocheder, Ingenieur bei L. A. Riedinger, Augsburg.

Pommerscher Bézirksverein.
Robert Plönzig, Ingenieur für Brauerei- und Mälzerei-Einrich-
tungen, Stettin.

Bezirksverein an der niederen Ruhr.
Ewald Berninghaus, i/F. Ewald Berninghaus, Kesselschmiede,
Schiffsbauanstalt usw., Duisburg und Herne.

Gesammtzahl der ordentlichen Mitglieder: 5371.

Geschäftsbericht und Rechnungsablage für das Jahr 1884. Unserem Vereine sind im Jahre 1884 insgesammt 531 neue zu berufenden Delegirtenversammlung vorlege. Diese DeleMitglieder beigetreten; durch den Tod und durch Austritt hat girtenversammlung tagte am 5. und 6. Januar 1885 in Berlin; er 189 Mitglieder verloren, so dass die Zunahme 342 betrug ihr Ergebnis war die einstimmige Annahme der in einigen und seine Gesammtmitgliederzahl bis Ende des Jahres 1884 Punkten geänderten Commissionsvorlage und der Beschluss, auf 5177 gegen 4835 zu Ende 1883 stieg. 1)

dieselbe zum Gegenstand einer Eingabe an den Fürsten ReichsUngeändert ist die Zahl der Bezirksvereine, 29, und auch kanzler zu machen. Die Ausführung dieses Beschlusses erdas Verhältnis der den Bezirksvereinen angehörigen zu den folgte durch den engeren Vorstand, welcher am 25. März 1885 ausserhalb derselben stehenden Mitglieder ist nahezu dasselbe

Anträge des Vereines mit folgendem Begleitschreiben wie früher, rund 75 pct. : 25 pCt.

überreichte. Der umstehende Rechnungsabschluss für 1884 hat einen

»Ew. Durchlaucht beehrt sich der ganz gehorsamst Ueberschuss von 6356,13 M ergeben, so dass das Vereins

unterzeichnete Vorstand des Vereines Deutscher Ingenieure vermögen sich auf 41492,40 M erhöhte.

in der Anlage Von wesentlichstem Einflusse auf die Jahresrechnung ist die Entwicklung der Zeitschrift gewesen, seit Beginn des

Anträge zur Abänderung des Patentgesetzes Jahres 1884 als einheitliche Verschmelzung der früheren

vom 25. Mai 1877 Monatszeitschrift und Wochenschrift wöchentlich erscheinend.

ehrerbietigst mit der Bitte zu überreichen, Dass diese Massregel in geschäftlicher Beziehung eine richtige war, zeigt die starke Steigerung der Anzeigeneinnahme von

Hohe Reichsregierung wolle unter hochgeneigter Berund 34 000 M auf rund 44000 M. Wenn demnach und

rücksichtigung dieser Anträge die gesetzgeberische gegenüber der reichlichen Einnahme aus Eintrittsgeldern der

Initiative baldthunlichst ergreifen, geeignetenfalls aber Ueberschuss kein grösserer geworden ist, so hat die Geschäfts

zur Vorbereitung der erbetenen Gesetzesänderungen führung zur Erklärung im wesentlichen anzuführen, dass sie

eine Sachverständigen-Commission berufen, den reichlich der Zeitschrift zufliessenden Stoff angesichts der

In den Kreisen der Deutschen Industrie und Techgesicherten Geldmittel nicht leicht abweisen mochte, und hofft

nik ist fast ohne jede Ausnahme die Ueberzeugung Gesie damit im Sinne vieler Mitglieder gehandelt zu haben.

meingut geworden, dass in der Reihe der zum Schutze Folgende Arbeiten haben im Laufe des Jahres 1834 bezw.

der vaterländischen Arbeit gegebenen Gesetze das Patentseit der XXV. Hauptversammlung den Verein beschäftigt.

gesetz vom 25. Mai 1877 ein Glied darstelle, welches

weit über jede Erwartung hinaus sichtbar segenbringend 1) Prüfung der Industrie-Schutzgesetze (Patent-,

gewirkt hat. Dem Vereine Deutscher Ingenieure war es Marken- und Musterschutz) und ihrer Handhabung.

vergönnt, bereits auf die Gestaltung des gegenwärtig beIn Fortführung der begonnenen Arbeiten (Z. 1884 S. 634

stehenden Gesetzes durch den von ihm dem hohen Bunhat die Commission der Hauptversammlung des Jahres 1884

desrat überreichten Entwurf eines solchen, welcher bei einen vollständigen Entwurf, Anträge zum Patentgesetz und

der Legislative vielfach Berücksichtigung gefunden hat, deren Begründung enthaltend, vorgelegt. Diese Ausarbeitung,

Einfluss zu üben. Er hat jetzt, nachdem er auf über von den Bezirksvereinen geprüft, bildete die Grundlage einer

5000 Mitglieder angewachsen und in 29 Bezirksvereinen umfassenden Verhandlung auf dieser Hauptversammlung, welche

über ganz Deutschland organisirt ist, nachdem ferner eine mit Rücksicht auf einige wesentliche Widersprüche und

achtjährige Erfahrung über die Wirkungen des Gesetzes Aenderungsanträge beschloss, die Vorlage den Bezirksvereinen

vorliegt, den Eintritt der schon im Jahre 1881 in seiner zu wiederholter Beratung zu überweisen, damit die Commission

Hauptversammlung zu Stuttgart überwiegend anerkannten auf Grund der eingehenden Aeusserungen derselben ihre Ar

Notwendigkeit einer Novelle zum Patentgesetz dadurch beit nochmals prüfe und sie einer zur endgiltigen Beratung

vorzubereiten gesucht, dass er eine Commission zum

Zwecke der Sammlung aller auf dem Gebiete der In1) Das am 1. April 1885 abgeschlossene Mitgliederverzeichnis

dustrieschutzgesetzgebung gemachten praktischen Erfahweist 5282 ordentliche Mitglieder auf und gegenwärtig beträgt dio

rungen und zur Bearbeitung des dadurch gewonnenen Zahl derselben 5371.

Materiales einsetzte. Dieses Material ist in selten reich

deutscher Ingenieure.

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Der Unterschied der Vermögenszunahme gegen den Betriebsüberschuss (M 200,20) entspricht der wirklichen Mindereinnahme aus Beitragresten gegen den in die Vermögensaufstellung vom 31. December 1883 dafür eingesetzten geschätzten Betrag.

Band XXIX. No. 32.

8. August 1885.

Geschäftsbericht und Rechnungsablage für das Jahr 1884.

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haltiger Weise von allen Seiten eingegangen und durch jene Commission einer eingehenden, mehrjährigen Prüfung unterzogen worden.

Das Resultat der Beratungen ist der Hauptversammlung des Vereines vorgelegt worden und hat dessen wesentliche Zustimmung gefunden, insbesondere ist von der Hauptversammlung zu Mannheim im Jahre 1884 beschlossen worden:

Die Vereinigung der Handhabung der drei Gesetze (Patent-, Muster- und Markenschutz) in einer Behörde und die Führung eines Centralmarkenregisters vorzuschlagen und die mehrbezeichneten Anträge zur Abänderung des Patentgesetzes Ew. Durchlaucht zu überreichen.

Indem wir uns dieses Auftrages ehrerbietigst entledigen, haben wir die Ehre, uns zum Organe der allgemeinen Ueberzeugung zu machen, dass die Bildung einer Reichscentralbehörde für die Handhabung aller auf den Schutz des nationalen Gewerbfleisses gerichteten Gesetze mit dem Sitze in der Reichshauptstadt notwendig erscheint; insbesondere bedarf es einer Centralisation der jetzt bei allen Amtsgerichten des Deutschen Reiches gesetzlich möglichen Anmeldung und Niederlegung von Mustern und Marken an einer Stelle, damit die durch die Unmöglichkeit der Kenntnisnahme von dem Schutze berechtigter Muster und Marken geschaffene Rechtsunsicherheit ihr Ende finde.

Ebenso erstrebenswert erscheint uns die Verwirklichung des allgemein gehegten Wunsches, die gesammte auf das Patentwesen bezügliche Rechtssprechung in höchster Instanz an den Sitz dieser Centralbehörde zu verlegen.

Indem Ew. Durchlaucht wir ganz gehorsamst die Frucht fleissiger und sorgfältiger Arbeit überreichen, dürfen wir uns der Gewissheit hingeben, dass unsere Anträge den Wünschen der deutschen Industrie und Technik entsprechen, und der Hoffnung leben, dass diese Anträge einer hochgeneigten Berücksichtigung seitens Ew. Durchlaucht für wert erachtet werden möchten.

Zu solcher Hoffnung fühlen wir uns um so mehr ermutigt, als Ew. Durchlaucht Rescript vom 17. Februar d. J., dessen demnächstige eingehende Erörterung innerhalb der Kreise unseres Vereines wir für unsere Pflicht erachten, uns die freudige Gewissheit gegeben hat, dass den Vorschlägen und Anträgen unseres Vereines innerhalb der hohen Reichsregierung eine Berücksichtigung zu Teil wird, für welche unseren ehrerbietigsten Dank auszusprechen wir nicht verfehlen.

In tiefster Ehrerbietung
Der Vorstand des Vereines deutscher Ingenieure.

Derselbe hat sofort der Direction des Polytechnikums und sodann auch der Direction der Baugewerkeschule hiervon Mitteilung gemacht, je mit der Aufforderung zur Aeusserung von ihrem Standpunkte.

Hierauf hat die Maschinenbaufachschule des Polytechnikums sich mit den Resolutionen Ziff. 1 bis 7 durchaus einverstanden erklärt und nur der Ansicht Ausdruck gegeben, dass der zweite Satz der Resolution unter Ziff. 3:

> Eine Einschiebung der Werkstattausbildung zwischen das Hochschulstudium ist durchaus zu ver

werfen, wegfallen sollte, da sein Inhalt bereits im ersten Satze der Resolution 3 genügend zum Ausdruck komme, und doch noch Fälle möglich seien, in welchen die Einschiebung der praktischen Ausbildung in das Hochschulstudium mit Rücksicht auf die abzulegenden Staatsprüfungen zugelassen werden könne.

Die Direction der Baugewerkeschule sodann hat darauf hingewiesen, dass § 5 des Statutes der Diplomprüfung für Maschinentechniker eine mindestens zweijährige praktische Vorbereitung verlange, die, da die Diplomprüfung unmittelbar nach Absolvirung der Baugewerkeschule stattfinde, dem Besuche wenigstens der oberen Klassen vorhergehen müsse, während der Unterricht in den unteren, sog. mathematischen Klassen diese Voraussetzung nicht mache. Dementsprechend hat die Direction der Baugewerkeschule der Ziff. 5 der Resolutionen, wonach die Werkstattausbildung derjenigen jungen Leute, welche eine technische Mittelschule besuchen wollen, vor dem Besuche derselben stattzufinden habe, in dem Sinne sich angeschlossen, dass hier nur der eigentliche Fachunterricht gemeint sei, welcher an der kgl. Baugewerkeschule dahier erst mit der dritten Klasse beginnt, wogegen der Besuch der mathematischen Klassen recht wohl der Werkstattausbildung vorhergehen könne und in diesem Fall auf den Erfolg der letzteren nur von gutem Einflusse sein werde.

Indem ich mich beehre, Euer Hochwohlgeboren vorstehende Kundgebungen zu übermitteln, füge ich für die sehr geschätzte Mitteilung der Vorschläge den diesseitigen verbindlichsten Dank bei und beharre

mit ausgezeichneter Hochachtung Der Staatsminister des Kirchen- und Schulwesens.

Stuttgart, den 7. Mai 1885. Dr. v. Sarwey, Im Anschluss an die Resolutionen des Vereines hat der Hannoversche Bezirksverein auf Wunsch des Vorstandes einen Entwurf für die Gesichtspunkte ausgearbeitet, welche bei der praktischen Ausbildung von Maschinentechnikern zu beachten sind, und sind dieselben den Bezirksvereinen bezw. der bevorstehenden Hauptversammlung zur Beschlussfassung unterbreitet.

4) Das von der XXV. Hauptversammlung genehmigte Preisausschreiben von 3000 M für die beste Lösung der Aufgabe:

»Ueber die vorteilhafteste Dampfgeschwindigkeit in Dampfleitungsröhren bei guter Umkleidung derselben

exacte und ausführliche Versuche anzustellen« ist vom engeren Vorstande mit den in Zeitschrift 1885 S. 61 veröffentlichten, unter Zuziehung der als Preisrichter gewählten Mitglieder festgestellten Bestimmungen zur allgemeinen Kenntnis gebracht worden.

2) Die Berechtigungen der Realgymnasien.

Gemäss dem Beschlusse der XXV. Hauptversammlung haben der Hannoversche und der Niederrheinische Bezirksverein Beschlüsse über diese Frage vorbereitet; dieselben sind den Bezirksvereinen zur Beratung überwiesen worden und werden einen Gegenstand der Verhandlungen der bevorstehenden Hauptversammlung bilden. 3) Die Werkstattsausbildung der Maschinentechniker.

Die von der XXV. Hauptversammlung beschlossenen Resolutionen (Z. 1884 S. 758) sind zum Gegenstand einer Eingabe an die beteiligten deutschen Regierungen gemacht worden; von denselben liegt bisher nur seitens des Württembergischen Staatsministeriums des Kirchen- und Schulwesens die folgende auf das Wesen der Sache eingehende an den Director unseres Vereines gerichtete Aeusserung vor:

Euer Hochwohlgeboren haben in Gemeinschaft mit zwei weiteren Mitgliedern des engeren Vorstandes des Vereines deutscher Ingenieure mittels sehr geschätzten Schreibens vom 3. October v. J. meinem Herrn Amtsvorgänger Vorschläge zur Organisation der praktischen Werkstattausbildung der Maschineningenieure zu übersenden die Güte gehabt.

Gemäss dem Beschlusse der XXV. Hauptversammlung hat der Vorstand in einer Eingabe an das Reichskanzleramt den Eintritt Deutschlands in die »Union zum Schutze des gewerblichen Eigentumesc befürwortet; die ihm darauf zuteil gewordene Antwort, welche in eingehendster Weise die Vorschläge des Vereines und die dem Antrag entgegenstehenden Bedenken erörtert, wird zunächst dem Gesammtvorstande zu weiterer Beschlussfassung vorgelegt werden.

Ueber die Beteiligung des Vereines an den Aufgaben verwandter Vereine und Körperschaften dürfte folgendes zu berichten sein.

deutscher Ingenieure.

Den Vertretern unseres Vereines würde Gelegenheit geboten, an der Entstehung und weiteren Entwickelung des Centralverbandes preussischer Dampfkessel-Ueberwachungs-Vereine teilzunehmen und dadurch sein Interesse an der Gestaltung dieses wichtigen Zweiges des industriellen Lebens von neuem zu bethätigen; die von dem Verbande gegebene Anregung einer gemeinsamen Arbeit betr. die Prüfung der bestehenden gesetzlichen Vorschriften für die Ueberwachung der Dampfkessel und etwaige Vorschläge zur Aenderung derselben, welche dem Vorstande zu weiterer Beschlussfassung vorliegt, giebt gleichfalls Zeugnis von den zwischen beiden Körperschaften bestehenden lebhaften Beziehungen.

In nicht gleich günstiger Weise haben unsere Bestrebungen Fortgang genommen, an der Gestaltung von Normen für die Lieferung von Eisenconstructionen für Brückenund Hochbau (Z. 1884 S. 754), aufgestellt von dem Verbande Deutscher Architekten- und Ingenieurvereine, weiter mitzu

wirken. Die auf Grund der Aeusserungen unserer Bezirksvereine von der Commission des Westfälischen Bezirksvereines aufgestellten zahlreichen und gewichtigen Aenderungsvorschläge sind jenem Verbande mitgeteilt, eine weitere Mitwirkung von unserer Seite ist bisher jedoch nicht erbeten worden.

Mit besonderem Danke darf der Verein der Aufforderung zur Mitwirkung an einer vom königl. preuss. Ministerium der öffentl. Arbeiten veranlassten Beratung der Grundlagen des Submissionswesens gedenken, welcher er durch mehrere Vertreter Folge leistete; wurde ihm doch dadurch Gelegenheit geboten, von neuem in dieser wichtigen Frage mitzusprechen, welche ihn in früheren Jahren wiederholt beschäftigt hat.

Th. Peters.

Die von dem Vereinsdirector Hrn. Geh. Rat Dr. Grashof genehmigte Rechnungsvorlage für das Jahr 1886 ergiebt folgende Zahlen.

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Bericht über die Thätigkeit der Bezirksvereine im Jahre 1884/85. . Weder in der Zahl (29) der Bezirksvereine noch in dem kation und Verwendung der Schwefelsäure; Zuckergewinnung Verhältnisse der Zahl der denselben angehörenden Mitglieder aus Rübenmelasse; die neue Heizmethode von Fr. Siemens; zur Gesammtmitgliederzahl (3946 von 5282 am 1. April 1885) das Wasserwerk der Stadt Düren und neuere Wassertürme, ist gegen das Vorjahr eine Aenderung eingetreten.

Oel- und Gasbehälter. Eine Versammlung war anberaumt In ganz besonders hohem Masse sind im verflossenen worden behufs Beschlussfassung über Resolutionen und Motive Vereinsjahre die Bezirksvereine durch Vorlagen des Haupt- zur Abänderung des Patentgesetzes. Neben diesen grösseren vereines, Anträge von Bezirksvereinen usw. in Anspruch ge- Vorträgen wurden kleinere technische Mitteilungen gemacht nommen worden; sie haben denselben meist durch Vorberatung und Fragen, dem Fragekasten entnommen, beantwortet. in Commissionen eine sorgfältige Prüfung zuteil werden lassen. Das Stiftungsfest des Vereines wurde am 6. December a. pr. Auf diese Weise wurde es ermöglicht, wichtige Vereinsarbeiten, in hergebrachter Weise durch ein gemeinsames Abendessen wie die Prüfung des Patentgesetzes, die Grundsätze und An- gefeiert. leitung für die Untersuchungen an Dampfkesseln und Dampfmaschinen u. a. m., zu einem Abschluss seitens unseres Ver

Bayerischer Bezirksverein. Der aus den zwei eines zu bringen, während andere Angelegenheiten soweit ge- Gruppen München und Augsburg bestehende Verein besass fördert sind, dass sie der bevorstehenden Hauptversammlung

am Schlusse des Jahres 1884 zur Beschlussfassung vorgelegt werden können. Während

an Mitgliedern in München wegen dieser gemeinsamen Arbeiten auf den oben gegebenen

» Augsburg

52 Jahresbericht verwiesen werden kann, so ist bezüglich der

» Bayern zerstreut

26 besonderen Thätigkeit der einzelnen Bezirksvereine folgendes

im ganzen 142 zu berichten.

und besitzt augenblicklich Aachener Bezirksverein. Der Verein zählte anfangs

an Mitgliedern in München

63 Juli 1885 196 Mitglieder gegen 203 im Vorjahre. Es haben

» Augsburg

50

27 in der angebenen Zeit 11 Versammlungen stattgefunden, und

» Bayern zerstreut waren dieselben von durchschnittlich 43 Mitgliedern besucht.

im ganzen 140 Ueber folgende Gegenstände wurden Vorträge gehalten: Com

Ein reges Leben fand in den Abendversammlungen statt, pensationseinrichtungen an Rohrleitungen; Ventile für Pumpen, weil es dem Vorstande gelungen war, eine Reihe von Mitgliedern Wasserhaltungen und Gebläse; Massbestimmung von Eisen- für ebenso interessante als wichtige Vorträge zu gewinnen, constructionen und Wertziffern; die Anwendung des Telephons; und zwar wurden in München 12 und in Augsburg 5, also Temperaturänderung von Metalldrähten während der Debnung; im ganzen 17. sehr gut besuchte Abendversammlungen mit Einrichtung der elektrotechnischen Laboratorien der Aachener folgenden Vorträgen abgehalten. München: die Remingtechnischen Hochschule; Natrondampfkessel von M. Honig- ton'sche Schreibmaschine; das Schleifen optischer Gläser; mann; Versuche mit Kohlenstaub und Grubengas; selbst- graphische Untersuchung der Regulatoren; Berichterstattung thätige Bremsen für Eisenbahnen; Neuerungen in der Fabri- über die am 6. und 7. Juli zu Brüssel abgehaltene Delegirten

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