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Band XXIX. No. 30. 25. Juli 1885.

Glattbrandtemperatur nur 15- bis 16009 beträgt, während diejenige des Hartporzellans auf 18- bis 2000° zu schätzen ist. Infolge dessen ist die Palette der Scharffeuerfarben eine ungleich umfangreichere als beim Hartporzellan und gestattet eine Ausschmückung mit Unterglasurfarben. Auch die Auswahl der farbigen Glasuren ist wesentlich umfangreicher als beim Hartporzellan und erstreckt sich auf alle Farben. Besonders hervorzuheben sind die Rosa-Farbentöne vom blassesten bis zum dunkelsten Rosa. Die Auschmückung mit dick aufliegenden farbigen Emaillen ist insofern vervollkommnet worden, als die Brenntemperatur derselben auf diejenige der Muffelfarben herabgesetzt worden ist, so dass beide nunmehr in einem Feuer aufgebrannt werden können (wie der Redner durch eine grosse Anzahl Musterstücke zeigt). Die wichtigste Errungenschaft des vergangenen Jahres ist die Herstellung des chinesischen Rot (Kupferrot), welches bisher nur in einigen Fabriken in Nanking hergestellt wurde. Es ist Seeger gelungen, diese schöne farbige Glasur mit Sicherheit zu erzeugen und eine Fabrikation darauf zu gründen – gewiss ein schöner Beweis, welche Erfolge erzielt werden, wenn Wissenschaft und Technik Hand in Hand gehen. - Mit Majolika bezeichnet man jetzt alle farbig glasirten Thonwaren, soweit sie nicht Porzellan sind, teils Steingut, meist aber Irdengeschirr mit groben Scherben und durchsichtiger Glasur. Wegen der geringen Festigkeit des groben Scherbens haben Majolikasachen, im Gegensatz zu Porzellan, plumpe Formen und doch sind sie leichter zerbrechlich. Majolika eignet sich daher wohl für Oefen und Wandbekleidungen; für Vasen, Teller u. dergl. solch groben Stoff zu verwenden, ist als Verirrung zu bezeichnen. Es erinnert dieses an die Unsitte der sogenannten »altdeutschen Zimmer«, deren Ausstattungen absichlich meist in rohen Formen und matten Farben gehalten werden, nur damit sie »alt« aussehen. Die Fenster sind mit kleinen dunklen Scheiben in Bleifassung versehen, welche eine für die Augen gewiss nicht vorteilhafte unruhige Beleuchtung geben, und in deren Bleifassung üppige Pilz- und Bacterienvegetationen gedeihen, welche die Zimmerluft verderben. – Gewiss wäre es würdiger, statt solcher Geschmacklosigkeiten überall nur solche Sachen anzuschaffen, welche dem hohen Standpunkte der deutschen Technik entsprechen! Im Anschluss an den Vortrag wünscht Hr. Rühlmann, dass die emaillirten Metallgefässe den Thongefässen bald tüchtig den Rang streitig machen möchten, da sie ihrer Unzerbrechlichkeit wegen im Haushalte besser zu verwenden seien, und dass es der deutschen Technik gelingen möge, die auswärtige Concurrenz auf diesem Gebiete siegreich zu bestehen. Hr. Ebel weist auf die roten Kupferfarben der Seeger-Vasen hin. Bei der roten Färbung im durchsichtigen Glase sei die Verteilung des Kupfers so sein, dass man mit dem stärksten Mikroskope die einzelnen Teilchen nicht von einander unterscheiden könne. Bei der roten Farbe würde Kupferoxydul dem schmelzenden Glase zugesetzt; Kupferoxyd gebe eine grüne Farbe. Aus Grün und Rot lassen sich dann verschiedene Mischfarben herstellen. Das weisse Email sei von

Bedeutung bei Anwendung des elektrischen Lichtes. Bisher habe

man zu diesen Emailglasuren phosphorsauren Kalk verwendet, jetzt mehr Kryolith; letzterer gebe dem Email keinen rötlichen Schein wie der phosphorsaure Kalk. Die Kryolithlager seien jedoch aufgekauft, und werde der Preis für die Folge wohl sehr hoch werden. Hr. Knoevenagel, an den Wunsch des Hrn. Rühlmann anknüpfend, dass die Fabrikation emaillirter Metallgefässe in Deutschland sich bald Bahn brechen möge, bemerkt, dass die Arbeiter in Japan, welche die schönen Sachen herstellten, nur etwa 20 Pf. täglichen Lohn bekommen, und dass es daher für uns wohl schwer halten werde, eine solche Concurrenz zu bestehen. Hr. Fischer schliesst sich der von Hrn. Rühlmann ausgesprochenen Hoffnung an, um so mehr, als berücksichtigt werden müsse, dass die Japaner erst nach langer Zeit und ungeheurem Fleisse so grosses hätten erreichen können, während uns die Wissenschaft zur Seite stehe; ausserdem würden wohl in Japan auf ein gelungenes Gefäss mehr Ausschussgefässe kommen, als bei uns der Fall sein würde. Vielleicht lohne es sich, die Schalen, Vasen u. dergl., nachdem der Zeichnung entsprechend die Metallfäden zur Herstellung der die Glasflüsse aufnehmenden Gruben aufgelötet seien, galvanoplastisch zu vervielfältigen und dann die Glasflüsse aufzutragen. Allerdings fehle dann den Sachen die Originalität, und verlören sie dadurch ebenso für den Liebhaber an Ä wie z. B. die Oeldruckbilder. Hr. Rühlmann weist auf den Jacquard'schen Webstuhl hin,

der auch einer Kunstindustrie einen ungeheuren Aufschwung ge

. Hannoverscher Bezirksverein: W. Fränkel’s Durchbiegungszeichner. - 579

geben habe; etwas ähnliches könne auch in dem vorliegenden Falle eintreten.

Im Fragekasten befindet sich die Frage: »Ist ein Baubeamter, welcher über die Concessionirung eines Dampfkesselbetriebes zu entscheiden hat, berechtigt, bestimmte Stärken der Blechwände des Kessels zu beanspruchen?« Hr. Rühlmann hält den Baubeamten dazu für nicht berechtigt, da das Gesetz keine Blechstärken vorschreibe, und zwar aus guten Gründen, denn das dickste Blech sei nicht immer das beste. Er ist der Ansicht, dass der Baubeamte sich begnügen müsse, wenn bei der hohen Wasserdruckprobe sich keine Undichtigkeiten und Formänderungen einstellten; es sei unmöglich, dass eine Formel über die Güte des Materiales entscheide. Hr. Grashof in Karlsruhe klage in seinen neuesten Büchern über die Unzuträglichkeit der betreffenden Theorie und empfehle die Fairbairn'schen Erfahrungswerte. Uebrigens habe Hr. Grashof selbst derartige Formeln aufgestellt, und seien dieselben für die Praxis sehr empfehlenswert. Hr. Eckert teilt mit, dass der Verband der Dampfkesselüberwachungsvereine auf seiner diesjährigen Hauptversammlung Tabellen für Blechstärken aufgestellt habe. Hr. Herhold ist der Meinung, dass man eine Vorschrift für die Blechdicken machen müsse; denn es komme vor, dass ein Kessel trotz stellenweise dünnsten Bleches die Wasserprobe aushalte. Hr. Riehn teilt mit, dass englische Classificationsgesellschaften für ihre Kessel bestimmte Blechdicken vorschreiben und alle Kessel zurückweisen, die nicht danach gebaut seien. Auf die Bemerkung des Hrn. Pieper, dass der Baubeamte doch die Construction des Kessels zu prüfen habe, erwidert Hr. Rühlmann, dass unter Construction nur die Bauart des Kessels zu verstehen sei. Hr. Eckert teilt noch mit, dass bei einer Explosion in Osnabrück das ursprünglich 3/2" starke Blech stellenweise auf /2" abgerostet vorgefunden sei.

Sitzung vom 12. December 1884. – Vorsitzender: Hr. v. Borries. Schriftführer: Hr. Haasemann. Anwesend 78 Mitglieder und Gäste. Hr. H. Fischer hält einen Vortrag über den augenblicklichen Stand der Städteheizungsfrage.) In der darauf folgenden Besprechung bemängelt Hr. F. Fischer die von v. Ehren werth in einer Brochure über diesen Gegenstand angegebenen Zahlen. Dieselben seien viel zu gross, sowohl für Wassergas, als auch für Leuchtgas. Die sämmtlichen Angaben besässen nur einen beschränkten Wert, da es auf die Grundpreise der einzelnen Materialien ankomme. Für Deutschland sei jedenfalls die Städteheizung mit Gas die vorteilhafteste. Hr. Riehn macht einige Mitteilungen über den am 3. September 1884 stattgefundenen Zusammenstoss des Dampfers »Hohenstaufen« mit der Panzercorvette »Sophie«, unter Vorzeigung von Photographien, und Hr. Herhold schildert daran anschliessend als Augenzeuge einen vor mehreren Jahren stattgefundenen Zusammenstoss zweier Schiffe, wobei eins derselben zu Grunde ging. Im Fragekasten befindet sich die Frage: Haben sich Cupolöfen mit Dampfstrahlgebläse bewährt? Sind solche vorteilhaft für kleinen Betrieb??) Hr. Joh. Körting bemerkt, dass er einen solchen Ofen bei dem Patentinhaber A. Herbertz in Köln im Betriebe gesehen habe. Derselbe soll mit sehr geringem Druck arbeiten, Hr. H. Fischer ist der Ansicht, dass man zum Betrieb eines Cupolofens seit Krigar's Vorgange nur geringen Druck nötig habe. Hr. F. Fischer fügt hinzu, dass Herbertz das Patent nur bekommen habe für die Anordnung eines Dampfkessels auf einem Cupolofen, wobei der Kessel von den Abgasen des Ofens geheizt werde und den Strahlapparat treibe. Hr. Bolze teilt mit, dass Krigar einen Cupolofen mit Dampfstrahlgebläse aufgestellt habe, der noch im Gange sei; soviel er wisse, habe derselbe keine guten Resultate ergeben.

Sitzung vom 19. December 1884. – Vorsitzender: Hr. v. Borries. Schriftführer: Hr. Block. Anwesend 40 Mitglieder. Hr. E. Müller hält einen Vortrag über

W. Fränkel’s Durchbiegungszeichner.”)

Um die Durchbiegung eines Trägers zu messen, ist immer ein fester Punkt nötig. Doch macht die Schaffung desselben, besonders wenn das Bauwerk einen schiffbaren Fluss überbrückt, vielfach wesentliche Schwierigkeiten. Selbst das Einrammen eines einzigen Pfahles verursacht oft unverhältnismässige Kosten und Störungen.

1) Z. 1885 S. 169.

?) Z. 1884 S. 648 und 714.

*) Vgl. Civilingenieur 1884 S. 466 und Dingler's polyt. Journal 1885 Bd. 255 S. 371.

Diese Schwierigkeiten umgeht nun Prof. FränkelDresden dadurch, dass er ein schweres Gewicht a (15ks genügt) an Leinen auf den Flussgrund usw. hinabsenkt und von diesem aus einen Draht b (vergl. Fig. 3 und 4) parallel zu der Richtung spannt, in welcher die Durchbiegung des Trägers gemessen werden soll, für lotrechte Durchbiegungen also lotrecht nach oben. Die relative Verschiebung zwischen einem Drahtpunkt, der fest bleibt, und dem Träger wird von dem Durchbiegungszeichner selbstthätig in gleicher Weise aufgezeichnet, wie beim Fränkel'schen Dehnungszeichner!).

Der Durchbiegungszeichner (Fig. 1 und 2) wird mittels der beiden Klemmen d! d” an einem Constructionteile der Brücke befestigt. Auf der im Gestelle c drehbar gelagerten Achse e sitzen zwei mit einander gekuppelte Scheiben f und g; um die Durchbiegung in vergrössertem Massstabe aufgetragen zu erhalten, ist f doppelt so gross wie g gewählt. Die Bewegungen der Scheibe f werden mit Hilfe eines Stahlbändchens h ik auf den Schreibstift n übertragen, wobei eine in m befindliche Spiralfeder für die fortwährende Anspannung des dünnen Bandes h i k sorgt. Vom Umfange der kleineren Scheibe g aus geht ein Stahlband u, welches mittels einer Klemme v an dem vor dem Apparate straff ausgespannten Drahte befestigt ist. Biegt sich der Träger durch, so wird sich die Scheibe g an dem fest bleibenden Drahte b abrollen und so den Schreibstift um ein dementsprechendes Stück auslenken. Um aber die Durchbiegung für verschiedene Zeiten bezw. für verschiedene Stellungen einer Last zu erhalten, wird der Papierstreifen a senkrecht zur Stiftverschiebung fortgezogen, so dass ein Diagramm zustandekommt, dessen Abscissen bestimmten Zeiten und dessen Ordinaten den Durchbiegungen in diesen betreffenden Zeitpunkten entsprechen. Die Papierführung und die Vorrichtung zum hervorheben be

1) Z. 1884 S. 482.

deutscher Ingenieure.

stimmter Diagrammpunkte ist ebenso construirt wie beim
Dehnungszeichner und aus den Figuren ersichtlich.
Es wäre noch zu erläutern, auf welche Art und Weise
der Draht b vor dem Apparate gespannt erhalten wird. Mit
seinem unteren Ende ist er an das Gusseisengewicht a be-
festigt, während das obere Ende unter Zuhilfenahme des
Stahlbändchens r durch die Spiralfeder, welche in der Rolle s
sich befindet, fortwährend nach oben gezogen wird. Das
Anspannen der Feder erfolgt in einer beliebigen Stärke durch
Drehen an der Kurbel t; ungefähr 5*s genügt. Auf diese
Weise kann dem Drahte eine bestimmte Spannung erteilt
werden, welche während der Dauer des Versuches gleich
bleibt, da bei der nur geringen Senkung und Hebung der
Träger die Spiralfeder in s sich nur wenig auf- und ab-
wickelt, wobei die Federspannung unmerklich verändert wird.
Um übrigens jedes Bedenken bezüglich der Unveränderlich-
keit der Drahtspannung während des Versuches zu heben,
werden bei den jetzt in Ausführung begriffenen Apparaten
die Scheiben s derart unrund gemacht, dass bei der Auf-
bezw. Abwickelung des Stahlbändchens entsprechende Aus-
gleichung der Drahtspannung eintritt.

So, wie eben beschrieben, genügt der Apparat für Versuche von kurzer Dauer. Bei länger andauernden Versuchen ist aber auf eine unterdessen möglicherweise eintretende Temperatur veränderung des Drahtes Rücksicht zu nehmen. Der Apparat ist daher mit folgender sehr sinnreicher Einrichtung ausgerüstet worden, welche den Einfluss der Dehnungen infolge der Temperaturänderungen vollständig ausschaltet: Statt eines Drahtes b sind zwei Drähte von verschiedenen Materialien, deren Ausdehnungscoëfficienten wesentlich verschieden sind, angeordnet, und zwar ist ein Zinkdraht b und ein Stahldraht h! (Fig. 1 und 2) gewählt. Die oberen Enden derselben stehen mittels der Klemmen q q" mit den unteren Enden der an den Scheiben s s” befestigten Stahlbändchen in Verbindung. Die beiden Schei

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Band XXIX. No. 30. 25. Juli 1885.

ben g g! sitzen ebenso wie die Scheibe f lose auf der Achse e. Mit g bildet das Zahnrad , mit g! das Zahnrad 4 einen zusammenhängenden Körper. In die Zahnräder / und ugreifen die beiden zu einem Stücke vereinigten Zahnsectoren ? und u’ ein, deren Drehachse 7 in der Scheibe f festsitzt. Die Uebersetzungsverhältnisse zwischen . . und u u sind gleich gemacht, und zwar ist jedes gleich der Quadratwurzel aus dem Verhältnisse der Wärmeausdehnungscoéfficienten von Stahl und Zink. An jeder der beiden hinter einander befindlichen Scheiben g g” sind in entgegengesetzter Richtung Stahlbändchen u u! befestigt, welche an ihren Enden Klemmen v v" tragen, mittels deren je einer der beiden Drähte b b” gefasst wird. Nach entgegengesetzter Richtung sind die Bändchen angebracht, damit immer eines durch Zug wirken kann. So lange der Träger sich nicht durchbiegt, soll f trotz der durch Temperaturänderung hervorgerufenen Längenänderung von b b! sich nicht drehen; dies tritt nur ein, wenn der Stift zt seine Lage nicht verändert, und dies bewerkstelligen die zwischen geschaltenen Zahnräderverbindungen. Die Wirkungsweise der Räderverbindung lässt sich vielleicht an der Bewegungsumkehrung am leichtesten deutlich machen. Das Uebersetzungsverhältnis je eines Räderpaares sei ß. Nehmen wir also an, zt bleibt an seinem Platze und der Körper 'u' dreht sich nach der Pfeilrichtung (Fig. 5), so wird sich, wenn die strichpunktirt angegebene Scheibe u sich um eine Einheit nach links dreht, die

Fig. 5. Scheibe ? um 8” solcher Einheiten drehen; das sind genau dieselben fest- Bewegungen, welche die Klemmen

v v" veranlassen, wenn sich die beiden Drähte infolge gleichmässiger Erwärmung ausdehnen. Umgekehrt wird daher unter den vorliegenden zi„ . Verhältnissen durch Temperaturz schwankungen keine Lagenänderung von 7t und f hervorgerufen werden, Ausdehnungen des Drahtes durch Wärme bleiben somit auf den Schreibstift ohne Einfluss; nur muss die Klemme b! mit dem Stahldraht und b mit dem Zinkdraht, welcher sich mehr dehnt, verbunden worden. In der beschriebenen Form ist der Durchbiegungszeichner in lotrechter Stellung befestigt gedacht (Fig. 3). Soll derselbe dagegen wagerecht, z. B. an einem Trägergurte (Fig. 4)

Fig. 4.

i draht.

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Mittelrheinischer Bezirksverein. – Patentbericht. 581

befestigt werden, so ist der die Spannrollen s und so tragende Arm B nach Lösen der Befestigungsschraube z um 909 zu drehen, bis der kurze Arm C sich an den Rahmen c anlegt, in welcher Stellung dann der Arm mittels derselben Schraube 2, welche bei 7 (Fig. 2) eingesteckt wird, zu befestigen ist. Die fernere Benutzung des Apparates ist wie die früher beschriebene. Die Befürchtung liegt nahe, dass bei der Anwendung des Durchbiegungszeichners in fliessendem Wasser oder bei starkem Winde ein störendes Schwingen des langen Drahtes eintreten könnte. Doch haben Versuche mit 14" langem Drahte, von welchem 2" in das Wasser der Elbe tauchten, gezeigt, dass diese Drahtschwingungen auf den Schreibstift keinen merkbaren Einfluss ausübten. Letzterer schrieb eine tadellos gerade Linie. Bei der geringen Ausbiegung, welche der schwingende Draht erleidet, ist der Unterschied zwischen den Längen des gebogenen und des geraden Drahtes einflusslos. Fränkel hat mit dem Apparate interessante Versuche nicht nur über senkrechte Durchbiegungen, sondern auch über wagerechte Schwingungen von Brücken usw. angestellt und die Ergebnisse derselben im Civilingenieur 1884 S. 466 ff mitgeteilt!). In der dem Vortrage folgenden Verhandlung bemerkt der Vorsitzende, dass der Apparat infolge der jetzt vorgeschriebenen periodischen Brückenrevisionen an Bedeutung gewinne. Es scheine noch an guten derartigen Apparaten zu fehlen. Hr. Schöttler Äpricht sodann die Weitmann’sche Keilnuten stossmaschine”). Hr. M. Knövenagel bemerkt, der Apparat sei von besonderem Wert bei sehr grossen, schwer zu bewegenden Gegenständen. Er habe sich in einem solchen Falle, wo die Keilnute für ein grosses Schwungrad herzustellen war, in der Weise geholfen, dass er den Stahl auf den Drehbanksupport spannte und auf diese Weise hinund herbewegte. Auf eine Anfrage bemerkt Hr. Schöttler, dass man den Stahl so breit wie die Nute nehmen könne. Da sich jedoch auf diese Weise im allgemeinen schlecht arbeiten lasse, so wende man gewöhnlich mehrere Stähle an und arbeite die Nute mit einem schmalen Stahle vor, mit einem breiten Stahle nach. Man müsse den Span nicht zu stark nehmen. Die grösste Nutenbreite, welche das Werkzeug gestatte, sei 45". Hr. Polchau teilt mit, dass eine derartige Maschine mittlerer Grösse bei Krigar & Ihssen in Hannover im Gebrauch sei. Eine Nute von 18 bis 20" Breite lasse sich schwer bei Anwendung eines gleichbreiten Stahles stossen. Im allgemeinen könne das Gerät für alle diejenigen Werkstätten empfohlen werden, welche keine grösseren Stossmaschinen besitzen.

Eingegangen 3. Juni 1885. Mittelrheinischer Bezirksverein.

Versammlung am 19. April 1885. – Vorsitzender: Hr. Graemer. Schriftführer: Hr. Jungbluth. Anwesend 18 Mitglieder und 4 Gäste.

Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten erhält Hr. v. Horstig das Wort zu einem Vortrag über kolbenlose Dampfpumpen, welcher ausführlich veröffentlicht werden soll.

Darauf kommen die Anträge des Magdeburger Bezirksvereines zur Verhandlung, betreffend 1) die Aufnahme technischer Rechtsfragen in die Vereinsschrift und 2) die Errichtung technischer Schiedsgerichte durch die Bezirksvereine. Es wird einstimmig beschlossen, 1) anzunehmen, 2) dagegen abzulehnen.

*) Der Durchbiegungszeichner wird nach Fränkel’s Angabe durch das mechanische Institut von Oscar Leuner in Dresden hergestellt; letzterem ist auch das Recht eingeräumt worden, das Patent für das Deutsche Reich auf seinen Namen anzumelden. ?) Z. 1885 S. 413. »

Patent bericht.

K1. 46. No. 31487. Heissluft- bezw. Heissluftdampfmaschine. W. Schmidt, Braunschweig. Um den Zweck der bei Heissluft- und Gashmaschinen gebräuchlichen Wassereinspritzung: Kühlung der Cylinderwände und Schmierung des Kolbens, sicher zu erreichen, Arbeitsverluste aber zu vermeiden, erfolgt die Einspritzung nicht wie bisher an der Arbeitsseite 1, sondern an der nicht arbeitenden (bei doppeltwirkenden Maschinen an der augenblicklich nicht arbeitenden) Seite 2 des Kolbens. Die Menge des Einspritzwassers, welche durch das

Rohr 3 und eine Mulde des Schiebers 4 bei 5 in den Cylinder gelangt, wird durch eine bei 6 eingeschlossene thermometrische Flüssigkeit mittels Gestänges 7, 8 nach der Temperatur der beim Arbeitshube verdichteten Luft geregelt, welche sammt Wasser durch das Rückschlagventil 16 und Rohr 9 in eine Heizschlange gepresst wird. Letztere wird von den Feuergasen im Zickzack bestrichen und liefert die neue Ladung durch den Kanal 17 und das Rohr 10 in den Ventilkasten l 1, von wo sie, sobald die Schieberstange vermöge des toten Ganges 12 das Ventil 13 rechtzeitig öffnet, nach 1 und auf dem Rückhube durch 14 und 15 ins Freie gelangt. Durch

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die thermometrische Flüssigkeit 18, Gestänge 19, 20 und Klappe 21 wird der Luftzug der Feuerung nach der Temperatur der Arbeitsgase geregelt.

Kl. 13. No. 31361. Neuerung an Wasserröhrenkesseln. Ch. A. Knight und G. W. Thode, Glasgow. Um eine möglichst vollständige und rauchfreie Verbrennung zu erzielen, sollen die Röhren in ihrem vorderen Teile durch zwischen gelegte Formstücke aus feuerfestem Materiale, welche als Wärmespeicher dienen, zu geschlossenen parallelen Wänden verbunden werden. Ein Teil der Heizgase soll durch die seitlich gelassenen Kanäle b, in welche durch die Seitenmauern Luft eingeführt wird, zunächst über die Röhren geführt werden und erst in dem «- h folgenden zweiten Teile der Röhren, welcher keine Einlagen enthält, dieselben bespülen.

KI. 13. No. 31468 (Zusatz zu No.24216). Neuerunganschrägliegenden Rosten. G. Rochow, Offenbach a. Main. Um das Abstossen der Schlacken zu erleichtern und die Roststäbe besser vor dem Verbrennen zu schützen, sind die letzteren über den unteren Querträger g hinaus verlängert und ist dieser aus zwei Façoneisen derart vernietet, dass zwischen beiden ein Spalt für die Durchströmung der Luft bleibt.

Kl. 14. No. 31596. Zusatz zu No. 30101 (Z. 1885 S. 212). Niederdruck-Dampfmaschine. H. Davey, Leeds (England). Der Schieber liegt nicht, wie beim Hauptpatent, frei im Dampfraum, sondern ist in einen Schieberkasten eingeschlossen. Die Dampfeinströmung in denselben und damit der Gang der Maschine werden durch einen vom Regulator bethätigten Drosselkolbenschieber geregelt. Der Z * . Condensator besteht aus einem NTF. mit Wasser gefüllten Behälter, z z- in den ein oben und unten durch § - Kasten verbundenes Röhrenbündel eingebaut ist, und einem mit dem Behälter oben und unten verbundenen grossen offenen Gefässe, in welchem das Kühlwasser die vom Dampfe aufgenommene Wärme an die freie Luft abgeben soll. Das Speise

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deutscher Ingenieure.

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Kl. 59. No. 31492 (Zusatz zu No. 29 810; vergl. Z. 1885 S. 192). Oscillirender bezw. rotirender Dampfwasserheber (Pulsometer). S. v. Ehrenstein, Zduny (Posen). Die Skizze stellt einen rotirenden Wasserheber dar, welcher unter Wasser liegt, um ihn mittels irgend einer verdichteten Gasarttreiben zu können. Zu diesem Zwecke besitzt die Walze a bezw. deren auswechselbarer Mantel b die Ein- und Austrittskanäle c und e bezw. o und o” für das Wasser bezw. das verdichtete Gas. Entsprechende Oeffnungen haben die 3. Kammern. Ausserdem ist jede Kammer mit einem Entluftungsventil h versehen, durch welches die unter dem Atmosphärendrucke stehende Luft bei der Füllung der Kammer mit Wasser entweicht, welches sich aber bei der Drehung der Kammer nach unten schliesst. Der Apparat kann auch Verwendung finden, wenn die Flüssigkeit mit möglichst geringer Temperaturerhöhung durch Dampf gehoben werden soll. Derselbe pufft dann durch den Kanal o” aus, bezw. wird durch das Ventil vom Wasser verdrängt. g «

Kl. 76. No. 31524. - Verfahren und Einrichtung zum Fangen gerissener Fäden an Ringspinnmaschinen. J. J. Bourcart, Zürich. Damit bei eintretendem Fadenbruche die Fäden der Nachbarspindeln nicht in Mitleidenschaft gezogen werden, ist entweder längs der Maschine ein Kratzenband ungefähr in der Höhe der Spindelspitzen angebracht, oder es

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Band XXIX. No. 30. 25. Juli 1885.

sind kurze Abschnitte von Kratzenband zwischen je zwei Spindeln in passender Nähe der Spitzen dieser angeordnet. Bricht ein Faden, so kann sich das durch die Centrifugalkraft herumgeschleuderte Fadenende an den Kratzenband fangen.

Kl. 60. No. 31607. Centrifugalregulator. J. L. Heald, Crockett, California (V. S. A.). Die auf der Scheibe q drehbaren Schwungpendel w ziehen bei steigender Geschwindigkeit die Federn a abwärts und drücken mittels der kurzen Arme u die Spindel i nach unten. Diese ist mittels der Hülse g bei a undrehbar geführt und wird mittels Handhabe i” und Gegenmutter i“, s. Nebenfigur, mit der Ventilspindel ec so verschraubt, dass das entlastete Drosselventil im Ruhezustande ganz offen ist. Lezteres besteht aus vier Scheiben b und dem Gehäuse a” mit zwei oben und unten offenen Kammern d, welche den Dampf in der Richtung der Pfeile leiten.

Kl. 65. No. 31525. Steuerschraube für Schiffe. J. White, W. Ross, J. Th. Creasy und W. H. Gritton, Boro (England). Der hintere Zapfen der Schraubenwelle g ist in dem als Steuerruder wirkenden um eine senkrechte Achse drehbaren Rahmen r gelagert, während der vordere Zapfen eine mit Ringnute versehene Kugel e trägt. Die Kugel e wird von der auf der Maschinenwelle festgekeilten Muffe a umschlossen und in ihre Nute f greifen die Finger d der Muffe a. Durch diese Anordnung macht die Schraube alle Bewegungen des Ruders mit, ohne in ihrem Umlaufe gestört zu werden, und die Wirkung des Ruders wird durch die der umgetriebenen Schraube bezüglich der Cursänderung vermehrt.

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Litt er a tur. Zuschriften an die Redaction. 583

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dass zwischen den Rücken der Spindel oder die die Spindel am Aufklappen hindernde Feder und den Quersteg des Spindelgehäuses ein Sicherungskeil k eingeschaltet wird. Der leztere wird in seiner tiefsten Stellung durch Eingreifen der Nase a des Keiles in einen Schlitz der Feder i festgehalten.

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Mayer'sche Wassersäulenmaschine. *. Geehrte Redaction!

Infolge einer persönlichen Mitteilung des Hrn. Ph. Mayer in Wien bezüglich der Anschauungen, welche ich in meinem Aufsatz über die Mayer'sche Wassersäulenmaschine mit veränderlicher Füllung in No. 24 der Vereinszeitschrift niedergelegt habe, sehe ich mich zu der ergänzenden Bemerkung veranlasst, dass die bei Füllungsänderungen auftretenden Kraftverluste durch geeignete Wahl der Constructionsverhältnisse für die mittlere geforderte normale Leistung abgeschwächt sind. Hierdurch wird der unzweifelhafte Vorteil gewonnen, dass Schwankungen der Füllung ohne erheblichen Nachteil innerhalb weiterer Grenzen zulässig erscheinen, weil sich die Abweichungen von den normalen Verhältnissen alsdann um die günstigste Sachlage als Mittelwert gruppiren und daher praktisch weniger fühlbar werden, als wenn man die Constructionsverhältnisse

so wählt, dass die theoretischen Forderungen der Luftregulirung nur bei der grössten Füllung genau erfüllt sind und die Abweichungen von den normalen Grundbedingungen einseitig mit der Verminderung der Füllung stetig zunehmen. «Dieser an sich naheliegende Grundgedanke, die Effectverluste bei veränderlicher Füllung durch Zugrundelegung der mittleren Verhältnisse für die ganze Constructionsausführung zu beschränken, welcher auch bei anderen Wassermotoren in der Praxis ganz allgemein verwertet wird, lässt sich bei den in Rede stehenden Wassersäulenmaschinen auf verschiedene Weise mit mehr oder weniger günstigem Erfolge verwirklichen. Der speciell von Hrn. Ph. Mayer eingeschlagene Weg ist mir leider nur vertraulich mitgeteilt, ohne Erlaubnis, denselben bekannt zu geben. Hochachtend Stuttgart, 16. Juli 1885. Ad. Ernst.

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