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Westfälischer Bezirksverein. F. Schulze, Ingenieur, Berg.-Gladbach.

Keinem Bezirksverein angehörend. Max v. Bichowsky, Reg.-Maschinenmstr., Breslau. Joh. Böttger, Ingenieur der Sächs. Gussstahlf. Döhlen b. Dresden. A. G. Dickert, Director, Bochum. Rich. Drossbach, Ingenieur, Wetter a/Ruhr. Paul Groebbels, Ingenieur, Leipzig-Gohlis. Herm. Hochstetter, Ingenieur, Stuttgart. Anton Hoefer, Ingenieur, Welschenennest. H. Kämpfe, Ingenieur bei Ferd. Kraus, Neuss. Dr. W. Kern, Amsterdam, Ruysdalkade 59. Joh. Klotz, Ingenieur bei Meissner & Co., Frankfurt a/O. H. Lienau, Kaufmann, Thale a/Harz. Wilh. Loss, Ingenieur, Wolfenbüttel. Jul. Quaglio, Ingenieur, Berlin W., Kurfürstenstr. 42. Aug. Römpler, Ingenieur, Berlin N., Pankstr. 18. Paul Seeliger, Ingenieur der Geislinger Maschinenf, Geislingen. Eduard Schloemann, Ingenieur der Maschinenf. Bern, Bern. Max Wagner, gepr. Civilingenieur, Chemnitz. G. Willner, Ingenieur bei H. Pauksch, Landsberg a/W.

Verstorben.

Jul. Blecher, Architekt, Barmen.
Gustav Borst, Eisengiesserei, Kirchheim u/Teck.
Heinr. Gackenholz, isF. Uppenborn & Gackenholz, Hannover.
Jul. Meese, Rentier, Hannover.
W. Meyer, Ingenieur, Stöcken bei Hannover.
A. Rabius, Fabrikant, Hildesheim.

Neue Mitglieder.

Berliner Bezirksverein.

Hassert, 2. Ingenieur des Berliner Dampfkesselrevisionsvereines, Berlin N.W., Albrechtstr. 21.

Braunschweiger Bezirksverein. Wilh. Schmidt, Civilingenieur, Braunschweig.

Hannoverscher Bezirksverein. Fr. Lahmeyer, Architekt, Hannover.

Karlsruher Bezirksverein.

Heinr. Janson, Betriebsdirector, Karlsruhe.
Gabriel Zahikjanz, Ingenieur, Karlsruhe.
Hermann Zutt, Ingenieur der badischen Staatsbahn, Karlsruhe.

Magdeburger Bezirksverein.

F. Biemelt, Betriebsingenieur der Maschinenf. der ver. HamburgMagdeburger Dampfschifff-Co., Buckau-Magdeburg.

Pommerscher Bezirksverein. Sehlmacher, Ingenieur, iF. Spohn & Rheinhardt, Stettin.

Keinem Bezirksverein angehörend.

Heinr. Braeker, Ingenieur der Hannoverschen Maschinenbau-A.-G.,
Linden vor Hannover.
A. Gutmann, Maschinenfabrikant, Frankfurt a/O.
Konrad Hanslin, Ingenieur bei Albert Zabel, Breslau.
August Jahnel, Ingenieur der »Kette«, Schiffswerft Uebigau bei
Dresden.
Heinr. Kirschner, Ingenieur b. Langen & Hundhausen, Grevenbroich.
Alfred Körner, Fabrikbesitzer, Görlitz.
Theod. Ostermann, Maschinenfabrikant, Meppen.
Friedr. Pietzsch, Ingenieur der »Kette«, Schiffswerft Uebigau bei
Dresden.
C. Quelms, Ingenieur, Bachmut, Süd-Russland.
Fr. Reber, Ingenieur bei Wagner & Co., Cöthen.
A. v. Rosenberg-Gruszczynski, Ingenieur der Hannoverschen
Maschinenbau-A.-G. vorm. Georg Egestorff, Hannover.
Paul Ruppert, Maschinentechniker, Breslau.
Wilh. Schmitt, Ingenieur b. Langen & Hundhausen, Grevenbroich.
W. A. Tjeen k-Willink, Ingenieur der Zwolleschen Maschinenfabr.,
Zwolle, Holland.

Das städtische Wasserwerk zu Remscheid. Erbaut in den Jahren 1882 und 1883 nach dem Entwurf und unter der Leitung von L. Disselhoff, Ingenieur und Wasserwerks-Director in Iserlohn.

(Hierzu Tafel I bis III.)
(Schluss von S. 4)

4. Die Steigrohrleitung.

Bei der Bewegung des Wassers in einer Rohrleitung nimmt die zur Ueberwindung der Reibungswiderstände erforderliche Kraft, welche man als Druckhöhe bezeichnet, mit der Zunahme des lichten Dmr. der Rohre ab; andererseits nehmen die Kosten der Rohrleitung mit der Lichtweite derselben zu. Die Kosten einer Steigrohrleitung setzen sich ZUS3 III (1EI)

1. aus den eigentlichen Anlagekosten,

2. aus den kapitalisirten Kosten der Betriebskraft, welche zur Ueberwindung der Reibungswiderstände erforderlich ist,

und man erhält für die gesammten Kosten einen Mindestwert, wenn die Summe der beiderlei Kosten ein Mindestwert wird.

Die betreffende Berechnung ist in der beigefügten Tabelle für die Fördermenge von 2000°" in 20 Stunden schematisch durchgeführt, und aus dem sich für diese Menge und für die Menge = 1000°" ergebenden Werten ist der Mittelwert genommen, um bei der voraussichtlich für lange Zeit ausreichenden letzteren Wassermenge nicht eine zu grosse Kapitalanlage zu haben. Es ergiebt sich dann, dass die Kosten der Steigrohrleitung am geringsten ausfallen, wenn der Dmr. = 250 mm gewählt wird.

Die Leitung hat von der Pumpstation bis zum Hochbehälter eine Länge von etwa 3700". Bei dem bedeutenden Druck von 18 Atm., auf welchen die unteren Teile des Rohres in Anspruch genommen werden, war es erforderlich, die Wandstärken entsprechend zu bestimmen. Es ist daher das Steigerohr in 4 verschiedene Abteilungen geteilt, für welche die Wandstärken folgende sind:

2000cbm Wasser in 20 Stunden

T

0,028° in 1 Sekunde zu heben bei 3700" Länge der Rohrleitung.

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1 Manometer.

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1 | Durchmesser der Röhren d = 175mm 200mm 225mm 250mm 275mm 300mm so * g * 9 Q 0,028 _ ID. 0,028 _ 0,028 _ 0,028 _ 0,028 - II. 0,028 - II - 2 | Geschwindigkeit des Wassers v= F 0,024 T 1,16 0,0314 0,88m 0,0397 0,70m 0,049 0,57m 0,059 0,47 0,07 0,40 « QY? 3700 0,028? 3700 0,028? 3700 0,028* | 3700 - 0,028* Z700 0,028? 3700 0,028? Z Reibungshöhe h = F >> (#) 0,1755 400 0,25 400 0,2255 400 0,255 400 0,2755 400 0,3° Ä 400 = 44,19" = 22,66" = 12,68m = 7,42m = 4,61" = 2,98" - 28>< 44,19 28>< 22,66 28>< 12,68 28 >< 7,42 28 >< 4,61 28 >< 2,98 4 | Arbeit zur Ueberwindung des Rei °/4>< T75T °/4 >< =#“- */4 >< =#“ °/4 >< T5T 54 >< –Ä– 75 °4 >< T75T bungswiderstandes (°/4 des theoret.) = 20,62 N = 10,57 N = 5,91 N = 3,46 N = 2,15 N = 1,39 N Kohlen- und Maschinenverbrauch 1,5 >< 20,62 = 1,5 >< 10,57 = 1,5 >< 5,91 = 1,5 >< 3,46 = 1,5 >< 2,15 = 1,5 >< 1,39 = 5 | ad 4 (angenommen 1,50 % für 1 N 30,93 %= 11289,45 15,85 % = 5785,258,86 % = 3233,9 %5,19 %= 1894,35 / 3,22%= 1175,30./2,08 % = 759,20 v/Z und Tag) in 1 Jahr in 1 Jahr in 1 Jahr in 1 Jahr in 1 Jahr in 1 Jahr 6 |KapitoveryÄ bei 7 pe. 161277eso 82 646,43 / 46 198,57 / 27 062,14 % 16 790,00 / 10845,71 % erzinsung 7 Röhrengewicht 187 600kg 226 200kg 266 150kg Z06 500kg Z52 750kg 396 200kg s | Röhrenkosten (0,2 % pro kg an- 22 512 / 27 144 / 31 938 / 36 780 / 42 330./ 47 544 % genommen) 9 Verlegen in v% 9 750 % 11 500 / 13 150./ 14 260 / 16 110 % 17 150 / 10 Summe der Zeile 8 und 9 32 262 % 38 644 / 45 088 / 51 040 / 58 440 / 64 694 / 11 Summe der Zeile 6 und 10 193 539,86 / 121 290,43 % 91 286,57 % 78 102,14 % 75 230,0 / 75 539,11 / Desgl. bei einer Fördermenge von 997,57 % 12 1000cbm in 20 Stunden 52 337,00 / 48 968,30 / 50 719,43 % 54 377,14 % 60473,57 % 65997,57 13 | Mittelwert aus Zeile 11 und 12 122 938,43 / 85 129,37 /Z 71 003,00 // 66 239,64 % 67 851,78 % 70 768,64 / EIWEIL AUS ZEliG Il 9 5 9 Mindestwert C'v . 3 Druck 18 bis 14 Atm. = 18mm Wandstärke 2 Absperrschieber, » 14 » 11 » = 16 X 1 Entleerungsschieber, » 11 » 8 » = 14 X 1 Luftventil, X 8 u. weniger » = 12 X (normal) 1 Sicherheitsventil,

An der Birgderkamp erstrasse (tiefer Punkt)

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Abzweigung Wieringhausen

Band XXIX. No. 2. 10. Januar 1885.

Hydranten wirksamen Gebrauch machen zu können, so ergiebt sich für den mittleren Wasserstand im Hochbehälter eine Höhenlage von 380m N.-N. Wie weiter unten ausgeführt wird, sind in das weit verzweigte Rohrnetz Nebenbehälter eingeschaltet, durch deren Inhalt der Wasserturm entlastet wird. Aus diesem Grunde und wegen der nötigen Sparsamkeit in der Anlage ist der Inhalt des letzteren auf 400° bestimmt; derselbe hat sich bis jetzt als vollständig ausreichend erwiesen.

Die Construction des Wasserturmes, nach dem Patente des Hrn. Prof. Intze ), ist auf Taf. III näher dargestellt”).

Die Rohrleitungen sind in folgender Weise angeordnet. Das Druckrohr, welchem eine eingeschaltete Stopfbüchse kleine Bewegungen gestattet, mündet in der Behältersohle ein. Am Fusse des Turmes, im Kellergeschosse, befindet sich im Druckrohr ein Absperrschieber nebst Sicherheitsventil. Mit dem bis zum höchsten Wasserstande geführten Ueberlaufrohre verbindet sich, durch einen Schieber getrennt, das Entleerungsrohr. Letzteres kann auch mit dem Druckrohre mittels eines Schiebers in Verbindung gebracht werden, damit, wenn der Behälter entleert werden muss und das Wasser von den Pumpen unmittelbar in die Stadt gehoben wird, der unterhalb des Behälters liegende Teil des Druckrohres als Standrohr wirken kann. Ein elektrischer Wasserstandszeiger von Siemens & Halske zeigt den Wasserstand in der Pumpstation an.

Das Aeussere des Bauwerkes ist monumental gehalten, so dass das Ganze, auf der weit sichtbaren Höhe des Remscheider Bergkegels gelegen, einen würdigen Anblick gewährt.

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Abzweigung Bliedinghausen

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Furmtastator

Menninghausen

Disselhoff, Das städtische Wasserwerk zu Remscheid. 23

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Derselbe umfasst mehrere Strassen und Ortschaften mit 4818 Einwohnern; bei 3,44 pCt. Zuwachs nach 25 Jahren 1 1 222 Einwohner zu 40 = 448°" in 12 Stunden zur Verteilung zu bringen, = 10 in 1 Sekunde, was einem Rohr-Dmr. von 125" entspricht.

Der Strang durchzieht als nördlicher Ringstrang den nördlichen Abhang des Remscheider Kegels und vereinigt sich am Fusse des Hochbehälters mit dem Druckrohrstrange wieder.

Hierzu gehören:

Die Ortschaften Bremen, Feld, Hasten, Büchel mit 2838 Einwohnern; bei 3,44 pCt. Zuwachs nach 25 Jahren 6611 Einwohner, zu 40 = 264e" oder rund 300ebm, = 3,5 in 1 Sekunde, entsprechend einem Rohr-Dmr. von 80mm.

Da das Versorgungsgebiet an seinen tiefsten Punkten eine Höhe von 230" N.-N. hat, während der mittlere Wasserspiegel im Hochbehälter in 380" N.-N. liegt, so würde ein Druck von 15 Atm. entstehen. Es ist deshalb für diesen Anschlussteil ein besonderer Behälter angelegt, welcher von dem genannten Strange gespeist wird (Taf. III). Derselbe kommt in eine Höhe von 290" N.-N. zu liegen und erhält einen Fassungsraum von */3 des Tagesverbrauches, mithin 100e". Da diese genannte Wassermenge in 12 Stunden zu verteilen ist, so ist die Leistung des Fallrohres 7 in 1 Sekunde, entsprechend

- einem Rohr-Dmr. von 100".

c) Südlicher Stadtteil.

Derselbe umfasst mehrere Strassen und Ortschaften mit 5452 Einwohnern; bei 3,44 pCt. Zuwachs nach 25 Jahren 12699 Einwohner zu 40 = 508°" in 12 Stunden zu verteilen, = 11,8 oder rund 12 in 1 Sekunde, was einem Rohr-Dmr. von 125" entspricht.

Der Strang durchzieht als südlicher Ringstrang den südlichen Abhang des Remscheider Bergkegels und vereinigt sich kurz vor dem Hochbehälter wieder mit dem DruckrohrStrange.

Hierzu gehören:

Die Stadtteile Schüttendelle, Büchen und die Ortschaften Bruch und Vieringhausen mit 1949 Einwohnern; bei 3,44 pCt. Zuwachs in 25 Jahren 4540 Einwohner zu 40 = 181,6°" in 12 Stunden zu verteilen, = 4,2 in 1 Sekunde, entsprechend einem Rohr-Dmr. d = 80".

Die Anlage eines besonderen Behälters ist für diesen Anschlussteil in Aussicht genommen.

Die Ringstränge stehen ausser an denjenigen Punkten, wo sie sich unmittelbar an den Druckrohrstrang anschliessen, durch die im Strassennetze liegenden Verteilungsstränge mit demselben in Verbindung, so dass das Wasser stets auf dem kürzesten Wege zu den Verbrauchsstätten gelangen kann Ausser einem die hochgelegenen Strassen durchziehenden Rohrstrange von 100" lichter Weite erhalten sämmtliche Rohre einen Dmr. von 80mm. Die hiernach gewählte Anordnung, wobei der Druckrohrstrang den Dmr. des Versorgungskreises, die beiden Ringstränge den Umfang desselben bilden, während alle übrigen Rohrstränge kleinere Lichtweiten erhalten können, ergiebt für die Werte des Materiales und der Arbeit möglichst geringe Beträge, erfordert somit bei vollständig ausreichender Leistungsfähigkeit, welcher ein Bedarf von 2000" für 24 Stunden, in 12 Stunden zu verteilen, zu Grunde liegt, den möglichst geringen Kostenaufwand.

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Diejenigen Rohrstränge von 100 und 80" lichter Weite, welche einem grösseren Druck als 8 Atm. ausgesetzt sind, haben verstärkte Wandungen.

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deutscher Ingenieure.

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Cultur und Technik.)

Von F. Reuleaux in Berlin.

Es kann niemandem, der die heutigen Culturzustände der Welt überblickt, verborgen bleiben, welchen bedeutenden Einfluss die wissenschaftlich begründete Technik unserer Tage ausübt, und wie sie uns zu ungleich grösseren materiellen Leistungen, als vor einigen Jahrhunderten der Menschheit möglich waren, befähigt hat. Sei es auf dem Gebiete der schnellen Beförderung von Lasten zu Wasser wie zu Lande sei es, dass wir Berge durchbohren, in die Erdtiefe hinabsteigen oder in die Lüfte hinauf, dass wir mit Blitzesschnelle Gedankenbilder um den halben Erdball senden oder auf Länderweite unsere Stimmen vernehmbar machen oder, um einen anderen Gesichtspunkt zu wählen, einesteils die gewaltigsten Kräfte in mechanischen Dienst nehmen, andernteils die feinen, sich der gewöhnlichen Beobachtung entziehenden inneren Processe der Körperwelt für unsere Zwecke schaffen und wirken lassen, überall im modernen Leben, rings um uns her, an uns, mit uns, neben uns, ist die wissenschaftliche Technik unsere geschäftige Dienerin und Gefährtin in nimmer ruhender Thätigkeit, deren man erst recht inne wird, wenn uns ihre Hilfe auf kurze Zeit nur versagt ist.

Alles dieses ist bekannt, ja ein Gemeinplatz, und ist dennoch – so scheint mir – in der gebildeten Welt im allgemeinen, ja vielleicht selbst im engeren Kreise der Techiker, noch nicht so vollauf gewürdigt worden, wie geschehen dürfte. Man betrachtet noch keineswegs allgemein genug die wissenschaftliche Technik als den Culturhebel, den Culturfactor, der sie wirklich ist. Das mag davon herrühren, dass

) Nach dem vom Verfasser eingesandten Sonderabdruck eines im Niederösterreichischen Gewerbevereine gehaltenen und in dessen Wochenschrift abgedruckten Vortrages.

die genannte Technik mit der unwissenschaftlichen auf einzelnen Stufen verschmilzt, auch umgekehrt oft aus ihr hervorgesprossen ist, auch vielleicht daher, dass ihre Thätigkeit in so vorwiegendem Masse der Idealität scheinbar entbehrt, weil sie ohne den Gewinntrieb, ja ohne die socialen Uebel, welche mit der industriellen Arbeit noch verbunden sind, nicht ihre Entwicklung gefunden hätte oder fände. Genug! nicht dieser Seite der Frage will ich hier nachgehen; erwarten Sie nicht einen Panegyrikus auf die Technik oder eine Widerlegung derjenigen, welche ihr etwa die erhoffte Anerkennung versagen möchten. Beides scheint mir mehr nur von äusserlicher Bedeutung zu sein. Was ich will, ist etwas anderes. Ich möchte den Versuch machen, einigen wichtigen inneren Fragen der Technik näher zu treten, welche einer besonderen Besprechung in unserer Zeit zu bedürfen scheinen; zunächst derjenigen,

welche Stellung eigentlich die Technik unserer Tage in der Gesammtthätigkeit am Culturproblem einnimmt,

eine Stellung, von welcher wir uns, wie es scheint, lange nicht so genau Rechenschaft geben, als von der socialen, politischen und ökonomischen Wichtigkeit, welche wir der Technik beilegen.

Eine zweite Frage ist die

nach der allgemeinen Methode, oder doch den Hauptzügen einer solchen, welche die Technik befolgt, um ihre Ziele zu erreichen, nach der Methode also, welche dem Ersinnen und Erfinden mehr oder weniger deutlich zu Grunde liegen muss,

Band XXIX. No. 2. 10. Januar 1885.

eine Frage, welche namentlich wegen der Patentgesetzgebungen die Techniker sowohl als die Juristen und die Verwaltungspraktiker lebhaft beschäftigt hat und wohl noch lange beschäftigen wird. Noch eine dritte Frage kann hier berührt werden: es ist diejenige

wegen des technischen Unterrichtes,

welche ja von so vielen Verwaltungen, nicht am wenigsten von der hiesigen, so erfolgreich erwogen worden ist. Immer bestehen indessen ihretwegen noch Controversen. Hier kann sie berührt werden, weil die Beantwortung der beiden vorigen Fragen nicht ohne Einfluss auf diejenige der letzten sein könnte.

Zweifeln Sie nicht, dass ich mir der Schwierigkeiten der hier gestellten Aufgabe vollbewusst bin. Ich möchte aber darum Nachdruck darauf legen, dass ich nur einen bescheidenen Versuch zur Lösung machen will, wenn ich langjährige Einzeluntersuchungen hier zusammenfasse, indem damit wenigstens einige kleine Schritte zu dem so erstrebenswerten Ziele gethan werden können; diesen Versuch gerade Ihrem Vereine vorzulegen, schien mir um so mehr angezeigt, als derselbe bereits wiederholt der in Rede stehenden Aufgabe sein Interesse zugewandt hat.

Wenn man unsere Cultur mit derjenigen der anderen Völker des Erdenrundes vergleichen will, so wird man selbstverständlich an denjenigen Völkerschaften und Völkern vorüber gehen müssen, welche sich noch auf den untersten Stufen befinden, zum Beispiel sich noch nicht bis zur Schrift, diesem wunderbaren Mittel der Gedankenvererbung, aufgeschwungen haben, bei denen deshalb Pflege der Wissenschaften nicht

denkbar ist. Darüber hinausgehend wird man aber bald auf

grosse Völker stossen, welchen eine hohe Cultur seit vielen Jahrhunderten, ja teilweise Jahrtausenden, eigen ist. Das sind die Völker Ost- und Südasiens, die Chinesen, Japaner, Inder, Perser, Araber. Betrachten wir vorurteilsfrei ihre Culturen, so müssen wir zugeben, dass dieselben in vielen Beziehungen hoch sind, auch schon hoch waren, als Mitteleuropa noch tief in Barbarei steckte. Damals gediehen schon bei jenen Völkern Wissenschaften und Künste und haben nicht aufgehört, sich zu entwickeln. In erhabenster Form feierten schon vor drei Jahrtausenden die indischen Veden die Gottheit; schon vor zwei Jahrtausenden schufen indische Dichter ihres Volkes Odyssee, den Mahabharata, und bald auch Dramen in Fülle, darunter die zarte Sakuntala, deren Reiz nicht gewelkt ist

bis heute, weil er aus der Tiefe der Menschenseele geschöpft

ist; die Philosophie, auch die Sprachwissenschaft, blühte erstaunlich, so zwar, dass die indischen Grammatiker noch heute auf eine ungebrochene Reihe von Vorgängern bis zu ihrem vergöttlichten Panini hinaufblicken können. Auch die Mathematik wurde gepflegt; schreiben wir doch heute mit indischen Zeichen unsere Zahlen. Die gewerblichen Künste, wie blühten und blühen sie zum Teile noch heute in Indien, wie in Ostasien. Und Persien, wie glänzte es lange in Dichtkunst! Dem grossartigen Firdusi folgte der »Horaz« von Schiras, Hafis, mit seinen nimmer alternden Liedern, beide auch uns in Uebersetzungen so wert geworden, wofür wir insbesondere Oesterreichern zu Dank verpflichtet sind. Die arabische Litteratur sodann, welche Fülle von Forschung hat sie nicht uns überliefert, wie hat sie die griechische Erbschaft zinstragend angelegt, die Astronomie gefördert, so dass wir noch heute den halben Himmel nach ihnen benennen! Wie haben sie unter toleranten und wissbegierigen Fürsten zu Karls Zeiten die Rechenkunst und andere auch noch weit tiefere Wissenschaft gepflegt, wie auch unseren Chemikern in so mancherlei Stoff und Essenz vorgegriffen! Wo ist denn nun der Unterschied der geistigen Sphäre, der uns und jene zu scheiden erlaubte? Stehen wir doch in einzelnen Künsten ihnen sogar nach. Tapfer sind sie, Edelmut und Gerechtigkeit sind hohe Tugenden auch bei ihnen. Wo sind denn die Unterscheidungspunkte, rein menschlich genommen? Oder fragen wir lieber anders, wenn denn der Vergleich auf dem geistigen Gebiete nicht vermag, das Problem zu lösen, welches doch entschieden vorliegt. Fragen wir, woher stammt unser materielles Uebergewicht über sie? Wie ist es zum

Reuleaux, Cultur und Technik. - 25

Beispiel möglich geworden, dass England mit wenigen Tausenden eigener Truppen die Viertelmilliarde Inder beherrscht; wie war es ihm möglich geworden, deren furchtbarem, fanatischem Aufstande im Jahre 1857 gegenüber Sieger zu bleiben? Wie ist es gekommen, dass wir Europäer, oder, um das europäisch besiedelte Amerika nicht besonders nennen zu müssen, dass die atlantischen Nationen allein es sind, welche den Erdball mit Eisenbahnen umspannen, mit Telegraphenlinien überziehen, seinen Wassergürtel mit mächtigen Dampfern befahren, und dass zu allem diesem die anderen fünf Sechstel der Erdbewohner nicht eine Spanne lang beigetragen haben? dieselben fünf Sechstel, die doch zum grössten Teile staatlich organisirt und zum Teil auch hoch cultivirt sind? Man hat diese erstaunliche Thatsache auf verschiedene Weise zu erklären oder, besser gesagt, wenigstens zu definiren gesucht. Klemm, der fleissige Leipziger Sammler, der schon lange vor den Pfahlbauentdeckungen Prähistoriker war, hat die Unterscheidung zwischen »activen« und »passiven« Völkerschaften vorgeschlagen, und viele folgen ihm darin noch heute. Ihm sind die Atlantiker die activen, jene anderen, bis zu den ganz uncultivirten herab, die passiven; wir machen Geschichte, sie leiden Geschichte nach dieser Theorie. Indessen, so manches die Unterscheidung für sich zu haben scheint, so ist sie doch nicht zu halten. Nationen können, wie die Geschichte lehrt, lange Zeit activ, dann passiv und später wieder activ sein. Activität und Passivität sind also nicht den Nationen innewohnende, immanente Eigenschaften, sondern sind Zustände, in welche und aus welchen sie geraten können, ohne ihre intellectuelle Stellung wesentlich zu ändern. Nach Klemm wechselten sie aber dabei jedesmal ihr ganzes Wesen; es fände überhaupt ein fortwährendes Wechseln desselben statt, je nachdem es die – sagen wir säculare – Geschichte mit sich brachte. Eine Probe an der Wirklichkeit hält diese Theorie nicht aus. Europa könnte morgen von den Asiaten unterjocht, passiv gemacht werden, ohne die Eigenschaft einzubüssen, welche ihm die Eisenbahnen, Dampfer und Telegraphen als geistigen Besitz zugehörig macht. Der Araber würde, wie Omar angeblich die Bücher, so die Erzeugnisse der wissenschaftlichen Technik zerstören können, sie aber nicht wieder hervorzubringen vermögen, wie er mit den Büchern doch wirklich vielfach gethan hat. *) Wir müssen also die Klemm'sche Unterscheidung fallen lassen, wenigstens für unsere Untersuchung, weil sie uns keine Erklärung liefert. Andere haben angenommen und nehmen an, es sei das Christentum, was den Unterschied begründe. Indessen auch das trifft nicht zu. Allerdings wurde ein beträchtlicher Teil der die Ideen umgestaltenden Entdeckungen und Erfindungen in den christlichen Reichen gemacht, keineswegs aber alle. Welchen Einschnitt machte nicht die Buchdruckerkunst! Und doch wissen wir, dass die Chinesen dieselbe gegen 1000 Jahre vor uns erfunden hatten. Auch das Schiesspulver, das bei uns so entscheidend für die Culturumgestaltung wurde, war lange vor der Zeit des Freiburger Mönches von den Arabern schon gebraucht. Dann in der Mechanik: die Wasserräder, diese wichtigen Kraftmaschinen, sie sind asiatischen Ursprunges und uralt. Dies nur beispielsweise. Gehen wir aber auch selbst zu einem echten Sprössling Europas, zur Dampfmaschine, über, so sehen wir an ihrer allmählichen Entwicklung bis zur Gangbarkeit die Renaissancezeit in Italien, Deutschland, Frankreich, England, aber nirgendwo anders in der Christenheit, beschäftigt, nicht also diese selbst mit dem Fortschritte identificirt, im Gegenteil ihre Priester nur zu häufig sich dem letzteren entgegenwerfend. Schauen wir auch weiter um. Leben nicht bis heute die Christen im Osten, in Armenien z. B. und in dem grossen Abyssinien, gänzlich ausserhalb der

!) Man sollte endlich aufhören, immer wieder die Sage von der Vernichtung der Alexandrinischen Bibliothek durch Omar nachzuerzählen. Zunächst fand ja doch die Eroberung der Stadt nicht durch Omar, der fern war, sondern durch seinen Feldherrn Amru statt. Sodann war die Bibliothek lange vorher schon zum grössten Teile zerstört worden, einmal durch eine Feuersbrunst, welche 415 bei der Ermordung der unglücklichen Hypatia durch fanatische Cyrillianer in der Akademie angefacht worden war, und früher schon, im Jahre 30, als die Römer Alexandria in Besitz nahmen, bei welcher Gelegenheit ein grosser Teil der Bibliothek durch Feuer zerstört wurde.

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