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Die Geschichte des Eisens von Dr. Ludwig Beck. Verlag von Friedrich Vieweg Söhne. Braunschweig, 1884.

Wenn wir erst heute dazu kommen, ein Werk zu besprechen, welches in hohem Grade beachtet zu werden verdient, obgleich es schon länger als ein halbes Jahr auf dem Buchhändlermarkt erschienen ist, so liegt die Entschuldigung gerade in der Bedeutung und dem Umfange des Werkes, dem Reichtume und der Vielseitigkeit des Inhaltes, welche eine flüchtige Kenntnisnahme als nicht ausreichend zur Beurteilung erscheinen lassen. Beck's Geschichte des Eisens ist ein Werk besonderer Art, dessen Studium jedem Techniker, zunächst jedem Eisentechniker, warm empfohlen werden kann. Auf so breiter Grundlage ist die Geschichte der Eisenindustrie unseres Wissens noch nicht behandelt worden. Der Verfasser bespricht Verhältnisse der Vergangenheit, die weit hinter uns liegen, Gewinnungs- und Verarbeitungsmethoden, die in ihrer primitiven Kleinheit mit dem heutigen Riesen der Eisenindustrie kaum einen Zusammenhang zu haben scheinen, und doch ist der Riese aus dem unscheinbaren Kind emporgewachsen; es ist dasselbe Blut, derselbe Stoff. Wie kurz ist die Zeit, seit welcher die Gewinnungs- und Verarbeitungsmethoden, die jetzt die Industrie beherrschen, Einführung fanden! Jahrtausende aber liegen hinter uns, in denen das Eisen auch schon eine hervorragende Rolle spielte, in denen es aber nur mit den beschränktesten, für unsere heutige Anschauung armseligsten Hilfsmitteln gewonnen und verarbeitet wurde.

Und doch war auch in jenen fernen Zeiten das Eisen schon das wichtigste Culturmittel, welches dem Menschen gerade die Werkzeuge verschaffte, die ihm , wie noch heute, für den Kampf um’s Dasein die unentbehrlichsten waren. In sehr geschickter Weise versteht es der Verfasser, der selbst Techniker ist, diese culturgeschichtliche Bedeutung des Eisens in Verbindung mit der technischen Entwickelung zu schildern.

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Inbezug auf die Bronzefrage wird eingehend nachgewiesen, dass von einem Bronzezeitalter in dem üblichen Sinne, wonach auf die Steinzeit eine Bronzezeit gefolgt sei, in der man Eisen gar nicht gekannt habe und erst nach der Bronze das Eisen erfunden worden sei, nicht die Rede sein könne. Nur die ganz ausnahmsweisen Verhältnisse Europas, dessen Bewohnern die Bronze als Handelsware aus dem Orient zugeführt wurde zu einer Zeit, da ihnen die Metallgewinnung noch fremd oder sehr unvollkommen bekannt war, hätten diese Irrlehre erzeugen können. Bei allen alten Culturvölkern sei die Bekanntschaft mit dem Eisen älter als die frühesten Ueberlieferungen; was aber über diese hinausgehe, sei Vermutung.

Darauf wird in Einzeldarstellungen die Geschichte des Eisens bei den wichtigsten Culturvölkern des Altertumes vorgeführt. Die Reihe eröffnet selbstverständlich das uralte Volk der Aegypter; dann folgen die Chaldäer, Babylonier, Assyrier sowie deren Stammesbrüder, die Syrier und Juden. Von den Semiten wendet sich der Verfasser zu unseren Blutsverwandten, den Ariern in Asien, und hier teilt er bei der Geschichte der Indier Thatsachen mit, die einen merkwürdigen Rückblick auf die Grossartigkeit der einstmaligen Eisenindustrie jenes Wunderlandes, seit deren Blüte Jahrtausende verstrichen sein mögen, gewähren. Die bedeutende, nur durch ihre Ueberreste bekannte Metallindustrie der »Tschuden« in den Berggebieten des Altai führt von selbst zu dem uralten Industrievolk der Chinesen, die schon 2000 v. Chr. den Stahl und die Magnetnadel kannten, indem ihr Kaiser Tschen-Kiang auf einem mit einem Compasse versehenen Wagen durch das Land fuhr. An dieses Kapitel ist die Geschichte des Eisens bei den Japanesen angereiht und daran etwas willkürlich die der Naturvölker in Afrika, Amerika und Asien.

Nach dieser Abschweifung kehrt die Schilderung mit dem Kapitel »Griechenland« wieder in die richtige historische Ordnung zurück. Die beiden Kapitel Griechenland und Italien werden den Philologen vielfach Stoff zu Controversen sowie zu anregenden Betrachtungen geben; aber auch der Techniker findet reiche Ausbeute; namentlich sind des Autors eigene Untersuchungen über römische Rennherde bei der Salburg bei Homburg v. d. H. (S. 514 ff.) von bedeutendem Interesse.

In dem blutigen Zeitabschnitt, in welchen die Wiedergeburt Europas fällt, und den man als den »der Völkerwanderung« zu bezeichnen pflegt, kam das Eisen zur unbedingten Herrschaft. Im Männerkampf bewährte der Stahl seine Ueberlegenheit gegenüber der goldschimmernden Bronze, für welche die prunksüchtigen Römer eine Vorliebe bewahrt hatten. Dieser bedeutsame Abschnitt bildet auch ein Kapitel in dem vorliegenden Werk. Indem der Verfasser sich ganz der Entwickelung der Eisenindustrie in Europa zuwendet, beginnt er mit einem Rückblicke auf dessen Vorgeschichte die sogenannte »prähistorische« Zeit. Hier kommt ganz besonders die Archäologie zur Geltung, die in den letzten 30 Jahren auf diesem Gebiete Erstaunliches geleistet hat. Die Funde in den Pfahlbauten, im Hallstädter Grabfeld, in den nordischen Torfmooren usw. werden eingehend inbezug auf ihre Bedeutung

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zuschaffen.

deutscher Ingenieure.

für die Eisenindustrie besprochen, und hier wiederholt sich der Verfasser in der Art, dass er nochmals polemisch gegen die dänischen und skandinavischen Verfechter des Metallzeitalters auftritt. Mehr auf dem Boden der historischen Ueberlieferung bewegen sich die Kapitel der ältesten Metallgeschichte Hispaniens, Galliens und Britanniens, nach welchen sich der Verfasser mit grösserer Ausführlichkeit unserem eigenen Volke, den Germanen, zuwendet. Von hier ab wird der Stoff massgebend für die Einteilung und dem entsprechend auch die Behandlung der technischen Entwickelung eingehender. Die Eisenbereitung im Mittelalter ist die Hauptüberschrift eines Abschnittes, der in folgende Unterabteilungen zerfällt: Die Eisenbereitung in Herdgruben: Luppenfeuer, Rennfeuer, Windöfen, Korsikaschmiede, Katalanschmiede. Die Eisenbereitung in Schachtöfen: die Bauernöfen im Norden, die Stucköfen, die Stahlfabrikation im Mittelalter und die Schmiedekunst. – In diesen Kapiteln

sind viele Einzelheiten gegeben, nicht nur in technischer, son

dern auch in wirtschaftlicher und bergrechtlicher Beziehung. Einen grossen Einfluss auf die weitere Entwickelung der Eisentechnik hatte die Einführung der Schusswaffen, die Erfindung des Schiesspulvers. Diesem Gegenstande ist denn auch in ausführlicher Weise Rechnung getragen, um den Nachweis zu erbringen, dass diese militärische Umwälzung die wichtige Erfindung des Eisengusses, und zwar zuerst zur Darstellung gegossener Eisenkugeln, zur Folge hatte; damit stand die Benutzung der Wasserkraft für die Bewegung der Gebläse in unmittelbarstem Zusammenhange. Dieser doppelte Fortschritt: die Erfindung des Eisengusses und die Verwendung der Wasserkraft als Betriebskraft für die Eisenindustrie, drückt dem 15. Jahrhundert, mit welchem die erste Abteilung des Werkes schliesst, seinen Stempel auf und bildet den Ausgangspunkt für unsere neuere Eisenindustrie, deren Geschichte in dem folgenden Bande abgehandelt werden soll. Es wird unserer Empfehlung keinen Abbruch thun, wenn wir auf einige verbesserungsbedürftige Punkte hinweisen; so

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ZuSchriften an die Redaction.

Honigmann’s Aetznatronmaschine.

Geehrte Redaction! Unter der Ueberschrift »Das Honigmann’sche Natron

verfahren« veröffentlicht Hr. Gutermuth in No. 6 d. Z. Experi

mente mit Natronlocomotiven, bringt dann Vergleichsberechnungen solcher im Gegensatze zu Lamm-Francq’schen Heisswasser-Maschinen und greift schliesslich meine Auslassungen vom 7. December v. J. im Eisenhüttenverein an. Hätte Hr. Gutermuth die Natronmaschine in seinem Beispielen mit der gefeuerten Maschine, die jeder kennt und die sie ja berufen sein soll zu verdrängen, verglichen, so würde er seinen Standpunkt besser gewahrt und vielleicht passendere Vergleiche gefunden haben; so aber sind leider seine Vergleichsrechnungen für die Praxis wertlos. Die Rangirlocomotive ohne Feuer des ersten Beispieles scheint einer von mir in Glaser’s Annalen No. 133 vom 1. Januar 1883 veröffentlichten Abhandlung entnommen zu sein. Hr. Gutermuth hat jedoch nicht berücksichtigt, dass, wie ich in diesem Artikel ausdrücklich hervorhob, die feuerlose Rangirmaschine nur mit dem Dampfe niedriger Spannung der auf dem Werke vorhandenen Betriebskessel gespeist werden soll, so dass keinerlei stationäre Anlagen erforderlich sind, während er auf S. 104 d. Z. der Heisswasser

maschine 15 Atm. Anfangspressung zuteilt. Bei diesem Anfangsdrucke würde die Maschine gerade die Hälfte der angegebenen 45008

Füllung brauchen; jedoch wäre es von mir sehr zwecklos gewesen, Studien über feuerlose Rangirmaschinen anzustellen, welche mit 15 Atm. Anfangsspannung arbeiten, für welche also eine besondere Kesselanlage notwendig wird. Niemand würde es einfallen, eine so teure und daher unpraktische Anlage für eine Rangirmaschine anIn diesem speciellen Falle würde es genau so unzweckmässig sein, wie die Anschaffung einer Aetznatronrangirmaschine nebst Eindampfstation; wer das thäte, wäre ein schlechter Geschäftsmann! Hr. Gutermuth wird bei genauer Durchsicht des angezogenen Artikels in Glaser’s Annalen finden, dass ich mit der feuerlosen Rangirmaschine von 18 bis 19" Gewicht eine gefeuerte Maschine von 16 bis 17 ersetzen will; in beiden Fällen soll die Maschine bis zu 100 N leisten können, durchschnittlich aber nur 15 N. Das sind der Praxis entnommene Zahlen, wie sie beispielsweise auf vielen Kohlenzechen sich täglich wiederholen. Dort sind die gefeuerten Rangirmaschinen von 16 bis 17" sehr beliebt und haben oft Züge von 30

beladenen Doppelladern zu ziehen, dann wieder die Güterwagen einzeln auf die Ä zu schieben, ebenso aber zeitweise wieder vollständige Ruhe, in welcher bei feuerlosem Betriebe eine neue Dampffülluug bequem genommen werden könnte.

Eine feuerlose Rangirmaschine wird für diesen Betrieb sehr am Platze sein; die Dampffüllungen mit 3 bis 5 Atm. Druck kosten verschwindend wenig, da die Kohlen dort nur niedrig verrechnet werden; zur Bedienung der Maschine genügt ein etwas intelligenter Hofarbeiter, und sind die gesammten Beschaffungskosten nach der neueren Construction geringer als die einer gleich kräftigen Maschine mit Feuer. Wird diese Maschine auf Hochofenwerken zum Rangirdienste, Erz- und Schlackentransport angewandt, so reduciren sich die Betriebskosten noch weiter, da für die mit den Hochofengasen gefeuerten Kessel das Brennmaterial absolut nichts kostet. Hier Aetznatronmaschinen mit Eindampfstationen anzulegen, wird niemand einfallen.

Auf Hüttenwerken, grossen Maschinenfabriken und Eisenbahnwerkstätten, wo überall Dampf in Menge producirt wird, eignet sich die Heiswassermaschine für den Rangirdienst und den Transport der Halbfabrikate zwischen den Werkstätten ausgezeichnet, besonders, wenn die Dampffüllungen möglichst vor Beginn der Arbeit, in den Arbeitspausen und nach Feierabend genommen werden, wo Dampf im Ueberflusse vorhanden ist. Speciell für Hüttenwerke usw. wird mir jeder praktische Fachmann, dem an einem ökonomischen Betriebe gelegen ist, zugeben müssen, dass die Benutzung der Aetznatronmaschine nebst Anlage der dazu gehörigen Eindampfstation unzweckmässig wäre.

Hrn. Gutermuth's Rechnungen geben wohl das nötige Quantum Natronlauge an, aber sonst keinen Aufschluss über die Verhältnisse des Kessels, ich meine der Heizfläche, denn diese ist nach seiner Ansicht in ihrer Leistungsfähigkeit unbegrenzt. Mir scheint's, als ob es mit der Natronmaschine so geht, wie mit der gefeuerten Locomotive vor 60 Jahren; damals hatte man auch nur einen unbestimmten Begriff von dem Werte der Heizfläche. Auch bei der Natronmaschine wird man mit der Zeit zur Erkenntnis des Wertes der Heizfläche kommen, falls dieselbe in der Praxis angewandt werden und das jetzige Experimentirstadium überleben sollte. Die zu 8 q" auf Seite 1 1 1 d. Z. 1884 berechnete Heizfläche wird nach den neuesten Experimenten gewiss noch übermässig gross sein, um die von der Ä erzeugten 100 N zu entwickeln.

Band XXIX. No. 10. 7. März 1885.

Das zweite Beispiel, welches Hr. Gutermuth aufführt, ist recht unglücklich gewählt, denn eine 3 N-Trambahnlocomotive wird sich auf den gewöhnlichen Steigungen selber schwerlich fortschaffen: das Beispiel ist gar zu wenig der Praxis angepasst und dadurch für die Heisswassermaschine zu ungünstig. Die Heisswassermaschine hat ihre Gesammtleistung aufgespeichert, so dass sie zeitweise nach Belieben grössere Leistungen ausüben kann, beispielsweise bei plötzlicher Ueberwindung von starken Steigungen. Bis jetzt wendet man in der Praxis Motoren nur vorteilhaft bei solchen Trambahnen an, auf welchen entweder starke Steigungen zu überwinden, grosse Lasten zu ziehen sind oder mit grosser Geschwindigkeit gefahren werden soll; einspännige Wagen hat man bis jetzt noch nicht durch mechanischen Betrieb verdrängen können; erst wo 2 Pferde und darüber zum Ziehen des Wagens oder Zuges erforderlich sind, rentirt sich mechanischer Betrieb. Steigungen von 1 : 40 und darüber sind bei Dampftrambahnen sehr gewöhnlich, so auch auf der Dampftrambahn von Batavia nach Meester Cornelis, auf welcher jetzt 23 Heisswassermaschinen laufen und jede derselben meistens 3 achträdrige Wagen mit je 50 Personen mit 15" Geschwindigkeit zieht. Die Geschwindigkeit wird aber gleichmässig eingehalten, unabhängig davon, ob Steigung oder Gefälle. Die Maschinen in Batavia leisten zeitweise bis über 60 N, doch nehmen sie keine Füllung für 12 Stunden, wie in Hrn. Gutermuth's Beispiel angenommen, sondern nur für eine Strecke von etwa 10km. Das financielle Resultat dieser Linie ist, wie »Engineering« in No. 992 vom 2. Januar 1885 auf S. 15 mitteilt, ausgezeichnet. Wenn nun auf dieser Strecke Hrn. Gutermuth’s 3 N-Maschine ohne Wagen laufen sollte, so würde, um nur allein auf Steigung von 1:40 mit 15" Geschwindigkeit hinauffahren zu können, das Gewicht der Maschine nur wenig mehr als 1000*6 betragen dürfen, und selbst bei 10" Geschwindigkeit dürfte sie nur 2000*é wiegen. Das dürfte doch unausführbar sein! Ebenso wenig, wie das Beispiel der 3 N-Trambahnmaschine der Praxis entspricht, ebenso wenig ist das Beispiel der 40 N-Schiffsmaschine für 12stündigen Betrieb glücklich gewählt; es würde schwerlich jemand einfallen, an eine solche Ausführung in der Wirklichkeit zu denken, man würde unter allen Umständen Betrieb mit Feuer, wenn auch mit Koksfeuerung, wählen.

Düsseldorf, Februar 1885. G. Lentz.

Geehrte Redaction!

Vorstehende Zuschrift des Hrn. Lentz beschäftigt sich in keiner Weise mit den von ihm seinerzeit in Düsseldorf aufgestellten Behauptungen, betreffend die Wirksamkeit der Heizflächen von Natronkesseln, und auch nicht mit dem Wesen der Ausführungen meines Aufsatzes der Zeitschrift 1885, Seite 101 u. s. f., sondern nur mit allgemeinen geschäftlich-technischen Erwägungen, welche zu widerlegen ich keinen Anlass habe. Zudem existiren die Behauptungen, die Leistungsfähigkeit des Natronkessels sei eine unbegrenzte und die Natronkessel seien berufen, die gefeuerten Kessel zu verdrängen, nur in der Einbildung des Hrn. Lentz. Soweit die Einzelheiten der Zuschrift eine Entgegnung überhaupt notwendig machen, erlaube ich mir zu bemerken, dass das Honigmann'sche Natronverfahren vor allem in den Fällen in Frage kommen wird, wo überhaupt feuerloser Betrieb erwünscht erscheint; deshalb habe ich auch nur die Vergleichsrechnungen mit dem Lamm-Francq’schen Kessel und nicht mit dem gefeuerten durchgeführt. Inwieweit sich die angeführten Beispiele einem speciellen Falle unterordnen, ist offenbar gleichgiltig, da dieselben nur dazu dienen sollten, einerseits für bestimmte Anforderungen die Ermittlung der notwendigen Ausführungsverhältnisse zu zeigen und andrerseits die Ausführungsmöglichkeiten darzulegen. Dass eine 3pferdige mit Natronkessel versehene Trambahnmaschine bei geeigneten Cylinderdimensionen auch imstande ist, 50 N und darüber zu leisten, möchte nach den seitherigen mitgeteilten Thatsachen sowie nach dem Nachweis der Verdampfungsfähigkeit eines in Aachen betriebenen Trambahnkessels (s. Zeitschrift 1885, Seite 160) wohl zweifellos sein. Die Möglichkeit der Forcirung ist bei Natronkesseln gegenüber jedem anderen System eine grössere. Die Beispiele können ohne weiteres für grössere Normalleistung durchgerechnet werden; sie würden aber für die Warmwasserkessel noch ungünstigere Vergleichsresultate ergeben. Wenn mit einem Heisswasserkessel bei einer Höchstspannung von 5 bis 6 Atm. 100 N geleistet werden können, so ist es selbstverständlich, dass dieser Effect mit dem Natronkessel bei gleichen Verhältnissen der Maschine um so sicherer und anhaltender zu erreichen ist, da bei ersterem der Dampfdruck notwendigerweise sehr rasch sinken muss, während er beim Natronkessel bei angestrengtem Betrieb bedeutend zunimmt (s. Zeitschrift 1884, S. 535). Alle diese Verhältnisse sind wiederholt erörtert und durch Betriebsergebnisse mit Natronkessel längst erwiesen (s. die obenangezogenen Stellen früherer Berichte). Nachdem aber Hr. Lentz

Zuschriften an die Redaction. «- 195

alle diese Thatsachen überspringt und in seiner Zuschrift den »angebornen Mangel, sowie seine ersten Behauptungen« unberührt lässt, so erscheint jede weitere Erörterung überflüssig. Für jeden Fachmann liegen die Verhältnisse genügend geklärt vor. Ich möchte hingegen diese Gelegenheit benützen, folgendes in Bezug auf den theoretischen Vorgang beim Eindampfen beizufügen, welches in den bisherigen Berichten nicht Erwähnung gefunden hat. Beim Eindampfen der Natronlauge wird nicht, wie ursprünglich im Berichte der Zeitschrift 1884, S. 112 irrtümlich angenommen, gesättigter Wasserdampf von 1000 unter atmosphärischem Druck erzeugt, sondern überhitzter Dampf von der Temperatur der Natronlauge, eine Thatsache, die auch inzwischen in einer Abhandlung über den Honigmann'schen Natronbetrieb von Hrn. Bauer in Leoben entsprechende Berücksichtigung findet. Welchen Einfluss die Ueberhitzung des Abdampfes auf die Gesammtökonomie des Natronverfahrens ausübt, wird sich aus neuerdings angestellten Versuchen ergeben, auf welche zurückzukommen ich Gelegenheit nehmen werde. Bei den bisherigen Abdampfeinrichtungen waren wissenschaftliche Beobachtungen leider nicht durchführbar.

Aachen, 24. Februar 1885. M. J. Gutermuth.

Ueber den Gebrauch von Fremdwörtern.

Geehrte Redaction!

Die verehrliche Redaction bitte ich, obgleich schon viel wertvoller Raum in der Zeitschrift dieser Angelegenheit geopfert wurde, noch einigen Worten zur »Fremdwörterfrage« ein Plätzchen zu gönnen. Audiatur et altera pars! Obgleich das Bestreben, die Fremdwörter aus der deutschen Sprache zu entfernen, an sich sehr lobenswert ist, so glaube ich doch, dass die Technik am wenigsten geeignet ist, hier als Versuchsfeld zu dienen. Die Technik ist international, und deshalb sollte es unser Bestreben sein, möglichst einheitliche Ausdrücke für Maschinen und Maschinenteile in allen Cultursprachen zu haben und nicht aus übel angebrachtem Lokalpatriotismus die vaterländische Sprache um Worte zu bereichern, welche weder deutsch sind (wie Verbund) noch das Wesen des Mechanismus genügend bezeichnen. Der Erfinder der Compoundmaschine hat das Recht, dieselbe »Compound« zu nennen, und ist es ein Eingriff in das Recht des Erfinders, seine Maschine mit irgend einem weithergeholten Ausdruck in irgend einer Landessprache zu bezeichnen, welcher das Wesen der Maschine ebenso wenig präcis ausdrückt. Wie schwer würde z. B. Anderssprechenden das Verständnis der deutschen technischen Litteratur werden, wenn wir auf Grund der jetzigen Anregung alle in den Cultursprachen gleichlautenden technischen Ausdrücke verdeutschen wollten! Ginge nun jede andere

Nation in derselben Weise vor, so würden wir für die nächsten

10 Jahre ein Chaos geschaffen haben, aus dem die Technik sicher

keinen Gewinn zöge. Ich schlage deshalb vor, wir lassen es beim

alten! Ä Köln, den 14. Februar 1885. G. Wiedemann.

Geehrter Herr Redacteur! Noëhmals das Kapitel der Fremdworte berührend, erlaube ich mir meine unmassgebliche Meinung dahin auszusprechen, dass ein Ersatz für die beiden Bezeichnungen »Woolf'sche-« und »CompoundDampfmaschine« nach dem heutigen Stande der Dinge kaum noch möglich sein dürfte. Sie sind eben schon typisch geworden, und unsere technische Sprache ist derartig mit Fremdworten durchsetzt, dass es auf ein Paar mehr oder weniger nicht ankommt, wenn sonst nur Präcision und Einheitlichkeit im Gebrauche der Worte erzielt wird. In No. 5 d. Z. ist bereits mit Recht darauf hingewiesen, dass der Fachmann mit der »Verbundmaschine« oder »Verbundbeikammermaschine« ganz abgesehen von der etwas ungeheuerlichen Composition – nichts anzufangen weiss; es fehlt ihm immer noch die Angabe: ob Woolf'sche Compound- oder gekuppelte Maschine. Anders liegt die Sache bei dem Worte »Receiver«; es dürfte da noch Abhilfe möglich sein und sich eine gute Verdeutschung wie: Zwischenbehälter, Beikammer oder Zwischenkammer einbürgern. Compound-Receiver-Maschine zu sagen, ist vollständig überflüssig, denn eine Compoundmaschine ist ohne Receiver nicht denkbar. Das schlimmste Beispiel der Sprachverwirrung bietet wohl die Bezeichnung: Pleuelstange, Pleyelstange, Flügelstange, Kurbelstange, Lenkerstange usw., alles Worte für ein und dasselbe Ding. Woher die beiden Fremdworte stammen, ist nicht recht ersichtlich, da der Franzose den betreffenden Maschinenteil »bielle«, der Engländer connecting rod« nennt; jedenfalls dürfte es sich empfehlen, da einmal reine Bahn zu machen und das Wort »Treibstange«, das bereits u. a. mehrere Bahnverwaltungen anwenden, allgemein zu adoptiren.

Hochachtungsvoll A. M.

Geehrter Herr Redacteur!

Die Anregung des Hrn. Reuleaux zur Verdeutschung unserer

Sprache scheint doch etwas Anklang gefunden zu haben; erlauben Sie mir daher, auch eine kleine Bemerkung zu dieser Sache fallen zu lassen. Ich bin der Ansicht, dass derartige Vorschläge vorläufig wenig Wert haben, so lange nämlich gewissen Kreisen der schriftstellernden Ingenieure noch nicht das Verständnis darüber aufgegangen ist, welche Gewalt sie ihrer Muttersprache tagtäglich anthun. Statt der allereinfachsten Wörter werden in hergebrachtem Schlendrian des lieben Strassendeutsch, wohlverstanden bei nicht strengtechnischen Beziehungen, fremdsprachliche Wortungetüme, die oft noch nicht einmal den Vorzug der Kürze besitzen, angewendet. Man sollte doch beispielsweise annehmen, dass Patentbeschreibungen, welche von Patentanwälten herrühren, mit einer gewissen Sorgfalt in der Schriftsprache abgefasst werden. Dennoch findet man massenhaft das beliebte etc., das noch beliebtere eventuell (wenn schon, denn doch richtiger eventuellement oder eventualiter), ferner successive, circa, ad, sub (warum nicht auch subter und infra?), irrelevant, absolut u. dergl. m. So lange man noch die abgehackten Wörter: Kondenswasser(!), Riemscheibe, Kompresspumpe (dem entsprechend könnte man ja auch Kohlbügel, Maschinrahm u. dergl. bilden) anwendet und die eine vakantwerdende Stelle, die schauderöse Wortbildung »maschinell« und viele andere unzählbare Wortungeheuer nicht zur Ruhe kommen, ist auch wenig Hoffnung vorhanden, dass so gut geformte Wörter wie die vorgeschlagenen jemals Gemeingut der technischen Schriftsteller werden. Neben dem Strudel-Prudelwitz- usw. Stil, dem sich ein gewisser kaufmännischer »Geschäftsstil« würdig an die Seite reiht, droht sich ein besonderer »Patentstil« auszubilden, der sich durch grösstmögliche Häufung fremdsprachlicher Ausdrücke kennzeichnet. Warum also in die Ferne schweifen? Sieh', das »Schlechte« liegt so nah! «

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ständlich sein. Hr. Hausding tadelt das Wort »Bläser«, weil man bei demselben »eher und berechtigter an einen Trompeter« denken könne. Eine derartige Begründung des Tadels enthebt mich eigentlich der Aufgabe, ein weiteres Wort über sie zu verlieren; ich will aber darauf aufmerksam machen, dass man in besonders lustiger Stimmung sein muss, um an einen Trompeter zu denken, wenn man in Lüftungsanlagen betreffenden Kostenanschlägen, Beschreibungen oder Unterredungen dem Worte »Bläser« begegnet. Wenn Hr. Hausding »Gebläse« für besser hält, so muss er auch »Gesäuge« dem »Sauger« vorziehen. «Der von Hrn. Hausding gegen das Wort »Sauger« geltend gemachte Umstand, dass dieses Wort bereits anderweit benutzt werde, kann eine durchschlagende Rolle nicht spielen, da diese anderweitige Benutzung sich auf sehr kleine Kreise beschränkt, keineswegs allgemein anerkannt ist. d B 7 Gegenvorschläge sind: Drucklüfter und Sauglüfter. Diejenigen Leser, welche mit dem Lüftungswesen unmittelbar zu thun haben, brauche ich nur daran zu erinnern, dass diese Wörter längst anderweit benutzt werden. Im allgemeinen mache ich darauf aufmerksam, dass die Wörter für die Gegenstände, welche sie bezeichnen sollen, ungenau und unbequem sind; ersteres, weil die betreffenden Maschinen nur je ein Glied der Lüftung bilden, blasend oder saugend wirken, aber nur unter Beihilfe anderer Mittel dem Zweck der Lüftung entsprechen können, letzteres, weil Zusammensetzungen wie SchleuderDrucklüfter oder Schrauben-Sauglüfter doch gewiss nicht den anderen: Schleuderbläser bezw. Schraubensauger vorgezogen zu werden verdienen. " Die Wörter »Druckwindrad« und »Saugwindrad« aber sind nicht allein schwerfälliger als »Bläser« und »Sauger«, sondern auch ungenauer, indem sie unklar lassen, ob die betr. Maschinenthätig oder leidend sind. Das Wort »Niederschlagswasser« findet ebenfalls bei Hrn. Hausding keine Gnade. Dass es besser ist, als das bisher gebräuchliche Wort »Condensationswasser«, wird zugegeben, aber das neue

deutscher Ingenieure.

Wort »Dampfwasser« vorgezogen. Ich würde letzteres, als das kürzere Wort, gern statt Niederschlagswasser benutzen, wenn es nicht zu argen Missverständnissen führen könnte. Hat Hr. Hausding bei Wahl des Wortes »Dampfwasser« nicht an die »Dampfwasseröfen« gedacht? Ich finde keine Unzuträglichkeit darin, dass man das Regenwasser und ebenso das an Fenstern und kalten Wänden sich bildende Wasser ebenfalls »Niederschlagswasser« nennt, entstammt es doch derselben Quelle, nämlich dem Wasserdampf, und demselben Vorgange, nämlich der Abkühlung. Ich erinnere noch an den von Hrn. Hausding angezogenen und gebilligten Satz Georg Sanders': »es wird sich in den bei weitem meisten Fällen darum handeln, die richtigen (bereits vorhandenen) deutschen Bezeichnungen zu finden, statt neue Wörter zu erfinden«, und überlasse den Lesern zu beurteilen, ob meine Worte: »Niederschlagswasser«, »Bläser«, »Sauger« oder diejenigen, welche Hr. Hausding vorgeschlagen hat, hiermit im Einklange stehen. » »Selbstleerer« soll noch weniger deutlich und bezeichnend sein als »Bläser« und »Sauger«; »Dampfwasser-Ableiter« wird von Hrn. Hausding vorgezogen, weil es, »völlig den Sinn des Fremdwortes wiedergebend«, richtiger sei. Es soll überflüssig sein, die Selbstthätigkeit der betreffenden Einrichtung anzudeuten. Demgegenüber muss ich zunächst betonen, dass die Selbstthätigkeit das Wesen der hier in Rede stehenden Vorrichtungen bildet; als Niedersçhlagswasser-Ableiter dienen vielfach auch die gewöhnlichen Hähne und Ventile. In Deutschland werden folgende Fremdwörter für den Selbstleerer gebraucht: Condensationswasserableiter, Condensationstopf, Automat. Das letztgenannte Wort kommt – vielleicht nicht in Berlin – ebenso häufig vor, wie das erste. Anscheinend hat Hr. Hausding in seinem Schreiben das Wort Condensationswasserableiter gemeint. Dasselbe leidet nun nicht allein an Schwerfälligkeit, sondern ist auch falsch, indem die meisten Selbstleerer unter Zurückhaltung des Dampfes nicht allein dem Niederschlagswasser, sondern auch der Luft freien Austritt gewähren sollen. !) Gleiches gilt von dem Hausding'schen Worte »Dampfwasser - Ableiter«; dasselbe leidet ferner an der Fehlsamkeit des Wortes »Dampfwasser«. Mir sagt von den hier angeführten Fremdwörtern das Wort »Automat« am meisten zu, weil es das Wesen des betr. Gegenstandes am meisten in den Vordergrund stellt; es hat gegen sich, dass es auch für sehr viele andere Dinge gebraucht wird. Engländer und Amerikaner nennen den Selbstleerer »steam trap«, »Dampffänger«. Ich war längere Zeit geneigt, dieses Wort aufzunehmen, weil es sehr bezeichnend ist, entschied mich aber für die in Frankreich nahezu ausschliesslich gebräuchliche Bezeichnung »purgeur automatique« bezw. das gleichwertige deutsche Wort »Selbstleerer«, teils des Wohlklanges halber, teils weil es die Selbstthätigkeit mehr hervorhebt. Uebrigens fühle ich mich Hrn. Hausding dafür zu Dank verpflichtet, dass er mir Gelegenheit gegeben hat, über die vorliegende Frage etwas zu sagen; die technischen Zeitschriften pflegen derartigen Erörterungen für gewöhnlich ihre Spalten nicht zu öffnen. Hannover, d. 21. Februar 1885. Hermann Fischer.

Wir haben unsern Standpunkt zur Frage des Gebrauches von Fremdwörtern bereits in No. 4 d. l. Jahrganges zu erkennen gegeben; jedoch erscheint es uns erforderlich, hervorzuheben, dass man einen wesentlichen Unterschied machen müsse zwischen der Anwendung von solchen Fremdwörtern im allgemeinen, für welche fast ausnahmslos jede entwickelte Sprache die entsprechenden Wortausdrücke haben wird, sofern ihr eben deren Begriffe selbst nicht fremd sind, und der Anwendung solcher aus fremden Sprachen übernommenen, ausdrücklich technischen Bezeichnungen, für welche, als einem neuen technischen Begriff entsprechend, ein deutsches Wort erst gebildet oder gefunden werden müsste. Den Gebrauch von Fremdwörtern in ersterer Weise glauben wir nach wie vor aus den in No. 4 d. Bl. entwickelten Gründen bekämpfen zu müssen, und weil wir darin nicht, wie manche thun, eine Bereicherung der deutschen Sprache finden können, sondern eigene Wortarmut oder schlechte Angewöhnung für die Ursache ansehen. Dagegen halten wir, was den Ersatz technischer Fremdwörter durch deutsche betrifft, grosse Vorsicht für geboten; sind wir auch nicht der Meinung, dass die Sprache der Technik international gestaltet werden könne und solle, so stellen wir doch die unzweifelhafte Deutlichkeit und Verständlichkeit auf diesem Gebiete höher als die Verdeutschung, glauben also in jedem einzelnen Falle den Versuch der letzteren mit grösster Vorsicht in diesem Sinne prüfen zu sollen. In dieser Auffassung möchten wir bitten, eine allgemeine Erörterung der Frage an dieser Stelle nicht fortzusetzen. s Die Redaction.

*) Vergl. Hermann Fischer, Ueber CondensationswasserAbleiter oder sogen. Automaten: Dingl. polyt. Journ. 1877, Bd. 225, S. 20. o

Selbstverlag des Vereines. – Commissionsverlag und Expedition: Julius Springer in Berlin N. – A. W. Schade's Buchdruckerei (L. Schade) in Berlin S.

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Der Zweck der vorliegenden Abhandlung ist ein zweifacher; sie soll denjenigen Lesern, welchen Zeit und Gelegenheit fehlt, die vielfach zerstreuten Veröffentlichungen über den vorliegenden Gegenstand aufzusuchen, zu lesen und zu prüfen, eine Uebersicht über die Entwicklung des in Rede stehenden Arbeitsverfahrens und Einsicht in den heutigen Stand desselben gewähren; sie soll aber gleichzeitig der geringeren Leserzahl, welchen die Möglichkeit eingehenderen Studiums geboten ist, das Aufsuchen der Quellen erleichtern. Man wird finden, dass beide Zwecke sich nicht gegenseitig beeinträchtigen.

Das Schneiden hölzerner Gewinde lasse ich in dem folgenden ausser Acht, weil heute die betreffenden Werkzeuge noch gerade so eingerichtet sind, wie sie Plumier!) 1706 beschrieben hat. Altmütter”), Karmarsch”) und Holtzapffel*) fügen ebenso wenig erhebliches hinzu wie neuere Verfasser, und in unseren Drechslerwerkstätten findet man dieselben Werkzeuge. Diese Erscheinung, dass nämlich innerhalb 180 Jahren ein nennenswerter Fortschritt auf diesem Gebiete nicht zu verzeichnen ist, dürfte teils dem Rückgange in der Benutzung hölzerner Schrauben, teils aber der frühzeitigen Vollkommenheit der betreffenden Werkzeuge zuzuschreiben sein.

Für Horn, Elfenbein und andere Stoffe benutzt man meistens dieselben Werkzeuge, welche zur Herstellung hölzerner Gewinde dienen, teils aber auch, wenn die Natur der betreffenden Stoffe es zulässt, diejenigen der Metallarbeiter.

Gegenstand der folgenden Besprechung bleibt sonach allein die Verfertigung der metallenen Schraubengewinde, wodurch nicht ausgeschlossen sein soll, an geeigneter Stelle auf andere hinzuweisen. «.

Ich gedenke die folgende Reihenfolge für meine Erörterungen innezuhalten: sogenannte Schneideisen, Backen, Bohrer, sogenannte Schraubenschneidmaschinen, Gewindeschneiden mittels Leitgewindes, auch unter Benutzung der Fräser. Die genannten Werkzeuge bezw. Verfahren setzen das Vorhandensein eines Vorbildes voraus, weshalb ihrer Besprechung eine Quellenangabe betreffend die Gewinnung dieses Vorbildes sich anschliessen soll.

!) L'art de tourner, par Plumier, Paris 1706, S. 175. ?) Jahrbücher des k. k. polytechnischen Institutes in Wien, 1824, Bd. 4, S. 396. S *) Technolog. Encyklopädie von J. J. Prechtl, 1843, Bd. 13, . 555. *) Turning and mechanical manipulation, 1846, Bd. 2.

A. Gewindeschneiden unter Benutzung des sich bildenden Gewindes zur Schaltbewegung.

Das hierher gehörige ältere »Schneideisen«, welches lediglich aus einem gehärteten Muttergewinde besteht, findet man in älteren Büchern!) und neueren Schriften behandelt; es ist leider auch noch in unseren Werkstätten vertreten.

Zur Fertigung eines Bolzengewindes benutzt man zwei bis vier solcher gehärteter Muttergewinde hinter einander; das erste derselben beginnt die Bildung des neuen Gewindes, die anderen führen es stufenweise der Vollendung zu. Es lohnt sich dieser Entstehung des Gewindes zu folgen.

Der mit Gewinde zu versehende Bolzen a Fig. 1 wird ein wenig zugespitzt, um das Angreifen des Schneideisens b zu erleichtern. Zunächst benutzt man das weitere Schneideisen (Fig. 1 A); man drückt dasselbe gegen die Spitze des Bolzens und dreht es in geeigneter Richtung um, wobei die erhabenen Teile des Werkzeuges einen nur wenig tiefen Gewindegang auf dem Bolzen hervorbringen, indem das Metall zur

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Seite gedrückt wird, links und rechts von der Furche Wälle bildend. In dem zweiten, engeren Werkzeuge (Fig. 1 B) wird

das Gewinde tiefer, die Wallbildung höher und bei der letzten Bearbeitung (Fig. 1 C) wird so viel Metall aus der Tiefe verdrängt, dass die beiden neben einander liegenden Wälle in einen übergehen. Bei Verwendung guter Werkzeuge, geschmeidigen Metalles, bei vorsichtiger Arbeit und guter Schmierun

gelingt es, ein solches Gewinde ohne irgend welchen Abfall herzustellen; unter gewöhnlichen Umständen wird ein Teil des Metalles abgerieben, aber das Wesen des Vorganges hierdurch nicht nennenswert beeinflusst. Der äussere Durchmesser des fertigen Gewindes ist etwa um die Gangtiefe desselben

*) Leupold, theatrum machinarum, mech. Wissensch. Frankfurt # Taf. XX. Thiont, traité de l'horlogerie, Bd. 1, Paris 1741, S. 36.

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