Schilderung der Gebirgsvölker der Schweitz, Teil 1

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Wolf, 1798 - 478 Seiten
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Seite 102 - Der Landammann, das Haupt des ganzen Volks, präsidirt die Versammlung, oder, wie der Appenzeller sagt, führt die Gemeinde. Er tritt auf ein hölzernes, von der Erde um einige FUSS erhöhtes Gerüst, welches ungefähr wie eine breite Kanzel gebaut ist und hier Stuhl genannt wird. Dieser Stuhl ist der Landesfarbe gemäss halb weiss und halb schwarz angestrichen, und an jedem Ende desselben steht ein grosses Schlachtschwert. Dem Landammann zur Seite standen Landweibel und Landschreiber, vor welchem...
Seite 403 - ... beleidigend und beißend. Merken sie aber, daß andere sie zum besten haben wollen, so sind ihre Antworten gewöhnlich scharf und derb, welches sie bei ihren Nachbarn in den Ruf grober Leute gesetzt hat. Außer ihrem Lande stellen sie sich da, wo sie wissen, daß man sie nicht gerne sieht, einfältig und dumm. Wenn ihre Gegner, dadurch dreist gemacht, ihren Spöttereien freien Lauf lassen, und sich schon an ihrem Triumphe kitzeln, so ergreift der schlaue Appenzeller plötzlich die scharfe Waffe...
Seite 402 - Als ich zum erstenmal dieses Land betrat und von allen Seiten Jauchzen hörte, wohlgekleidete Menschen im lachenden Grün der Wiesen hüpfen und sich freuen sah, glaubte ich in einer der glücklichen Inseln zu seyn, wovon sich ein Schatten im Südmeere befindet.
Seite 403 - ... nicht gerne sieht, einfältig und dumm. Wenn ihre Gegner, dadurch dreist gemacht, ihren Spöttereien freien Lauf lassen, und sich schon an ihrem Triumphe kitzeln, so ergreift der schlaue Appenzeller plötzlich die scharfe Waffe seines Witzes und vernichtet seinen Feind, indem er ihn zum Gelächter der ganzen Gesellschaft macht. Gewöhnlich duzen sie dann den Angreifer, welches ihren Wendungen und Ausdrücken mehr Originalität und Kraft zu geben scheint. Hier einige Proben sowohl von witzigen...
Seite 102 - ... breite Kanzel gebaut ist und hier Stuhl genannt wird. Dieser Stuhl ist der Landesfarbe gemäss halb weiss und halb schwarz angestrichen, und an jedem Ende desselben steht ein grosses Schlachtschwert. Dem Landammann zur Seite standen Landweibel und Landschreiber, vor welchem letztern das grosse...
Seite 441 - Gebirgsbewohner, welches bloß daher kommt, daß sich der Gesang des Kuhreihens in den Alpen immer mehr und mehr vermindert hat und bei weitem nicht so allgemein beliebt und gepfiffen ist als ehedem, wo alle Gebirgsschweizer Hirten waren und das einfachste Leben führten.
Seite 67 - Alles, was ich von jeher über die Natur der Gebirgsschweitz, und die freien Hirtenvölker, welche sie bewohnen, las und hörte, zog mich mit dem lebendigsten Interesse an. Je weniger ich in der Natur, die mich umgab, und in der bürgerlichen Gesellschaft, in der ich lebte, etwas kannte, welches mir nur die fernste...
Seite 465 - Obrigkeit herrscht, oder wenigstens von dieser viel mehr Achtung und Aufmerksamkeit verlangt, als er ihr zu erweisen geneigt ist: so muß ich nach allen meinen Beobachtungen und nach allen einstimmigen Nachrichten...
Seite 163 - Lande genießt mehr der Achtung, welche jedem nützlichen Wesen der Natur gebührt, und befindet sich glücklicher als Millionen Menschen Europas, welche unter dem Prügel und der Knute ihr Leben verfluchen, ist es möglich, daß diese Parallele am Ende des achtzehenden, des so genannten philosophischen Jahrhunderts wahr sey, wahrhaftig in einem so empörenden Sinn Statt finde?
Seite 5 - Der Anblick des Bodensees riß mich auf einmal aus der eintönigen, trüben Stimmung, welche magere Einförmigkeit, und der halbdunkle Ton der Natur an einem stürmisch regnigten Tage leicht erzeugen. Es war nicht Sonnenhelle, nicht der entzückende Wechsel des Lichts und Schattens auf Berg und Thal, nicht der magische Luftschimmer eines heitern Frühlingsmorgens, sondern der Eindruck einer ganz neuen und in ein furchtbares Gewand gehüllten Natur, das eine so plötzliche Veränderung in meinem Gefühle...

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