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die Krankheiten desselben erkannt und zur Heilung geführt zu werden vermögen, Ophthalmiatrik im engern Sinne* ).

§ 6.

Das Auge hat auch seine semiologische Kunstlehre; diese lehrt uns die Erscheinungen an ihm im gesunden und kranken Zustande aufzufinden, und giebt uns deren Deutung. Hier aber dürfen wir unsere Betrachtung nicht auf das Auge beschränken, sondern berücksichtigend, dass das– selbe, wiewohl eigenthümlicher vitaler Verhältnisse sich freuend, doch nur einen Theil des Organis– mus ausmacht, müssen wir an diese Alles anknü– pfen, was der Organismus hieher Bezug habendes uns darbietet. Nur so vermögen wir, auf ratio– mellem Wege, die krankhaften Zustände richtig zu beurtheilen, und deren Behandlung zu leiten.

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Der grösste Theil der Untersuchung des Auges, da dieses an der Oberfläche liegt, mehrentheils aus durchsichtigen Häuten und Flüssigkeiten besteht, geschieht durch das Gesicht. Himh**) nennt diese Ophthalmoscopia. Das gewöhnliche Tageslicht ist in den meisten Fällen zur Untersuchung hinreichend; manchmal aber, um Veränderungen in der Tiefe wahrzunehmen, wird eine stärkere Beleuchtung nöthig. Man verschafft diese am besten darch der Reflex von einem Spiegel. Bisweilen, bei lichtscheuem Zustande des Auges müssen wir, um die Untersuchung vornehmen zu können, das einfallende Licht mildern, durch Be– schattung des Auges mittelst der Hand, oder durch eine solche Stellung, dass der Kranke dem ein

') Busse, Pathologiac oculi generals pars prima. Berol. p. 3. “) Ophthalmologische Bibliothek. 3. B. 2. St. S. 29.

fallenden Lichte den Rücken zuwendet. Oft ist es nothwendig, um genau den Zustand einzelner Theile des Auges bestimmen zu können, sich der Lupe zu bedienen; die Entzündung der Krystallkapsel wird nur erst durch die mit der Lupe angestellte Untersuchung klar.

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Die Augenlieder setzen der Untersuchung des Auges oft Schwierigkeiten entgegen. Bei lichtscheuem Auge mässige man das Einwirken des Lichtes; bei unfolgsamen Kindern mache man die Neugierde rege, und leite ihren Blick auf einen ihnen interessanten Gegenstand; bei Paralyse des Augenliedes hebe man dieses in die Höhe. Auf solche Weise wird es gewöhnlich gelingen, den Augapfel zu entblössen; bisweilen aber ist man genöthigt, beide Augenlieder durch einen gelin– den Zug von einander zu entfernen. Die Iris setzt der Untersuchung der tiefliegenden Gebilde des Auges ebenfalls Hindernisse, da sie gleich einem Vorhange zwischen der vordern und hintern Augenkammer ausgespannt, bei hellem Lichte in den Zustand der Expansion tritt, und dadurch die in dem Boden des Auges liegenden Theile bedeckt. Beschattung des Auges vermag in etwas diesem Umstande abzuhelfen; um aber den Umfang der Linse, der Kapsel, die krankhaften Veränderungen der Retina, der Glashaut gehörig beurtheilen zu können, müssen wir durch das Eintropfen des Belladonna – oder Hyosciamusextractes, die Erweiterung der Pupille bewirken.

- § 9. Bei der Untersuchung darf man sich nicht begnügen, das Auge nur von vorne anzusehen, sondern, um sich von der oberflächlichern oder tiefern Lage eines Gegenstandes zu unterrichten,

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muss man dasselbe auch von der Seite her unter– suchen. Auf diese Weise können wir richtig beurtheilen, ob eine Trübung auf, in oder hinter der Hornhaut, vor oder hinter der Iris ist. Wenn ein Object die Ränder der Iris berührt, so ist es oft zweifelhaft, ob es vor oder hinter der Pupille liegt. Wird nach künstlicher Erweiterung der Pupille das Object grösser, so deutet dieses da–

rauf hin, dass dasselbe hinter der Iris seine Lage habe.

§ 1 o.

Vor allem nehme man Rücksicht auf die Grösse, Bewegung und Richtung der Augen, auf die Prominenz oder das Tiefliegen derselben, auf den Zustand der angränzenden, die Augengrube bildenden Theile, auf die Spaltung der Augenlieder, auf die Veränderungen derselben in Hinsicht der Beweglichkeit, der Farbe und des Umfanges, auf den Zustand und die Stellung der Cilien, der Thränenpuncte, der Thränenkarunkel, der ver– schiedenen Theile der Bindehaut, welche die in– nere Fläche der Augenlieder, die Sclerotica, und als Bindehautblättchen die Hornhaut bedeckt, den Zusammenhang derselben mit den unterliegenden Theilen. Von der Hornhaut berücksichtige man deren Durchsichtigkeit, Wölbung, an der Sclerotica die gleichmässige weisse Färbung derselben ohne blaulichte Wülste, oder Ueberladung mit Gefässsträngen. Bei der Iris achte man vorzüg– lich darauf, ob die Beweglichkeit und die Farbe derselben unverändert sind, ob sich die Iris stark nach vorwärts wölbt , ob ihre Gefässe sehr entwickelt sind, ob die Pupille vollkommen klar oder mit einem graulichten Netze verlegt ist. Die Trübungen der Pupille können von der Linse

oder der Kapsel ausgehen, bisweilen aber haben

sie ihren Ursprung im Glaskörper. Immer muss man auch bemüht seyn, den Zustand der wässrichten Feuchtigkeit, und den Umfang der vordern und hintern Augenkammer zu bestimmen. Nicht selten ist die Thränendrüse der Sitz der Krankheit, und auch dahin muss unsere Aufmerksamkeit sich richten. Mittelst des Tastsinnes suchen wir uns über die Consistenz des Auges zu belehren, was oft von der grössten Wichtigkeit ist, auch die Gefühle und Empfindungen des Patienten werden uns zu Zeichen, um die Diagnose eines abnormen Zustandes gehörig festzusetzen.

§ 11.

Die Heilmittel treten uns in zwei Reihen entgegen; entweder sind es solche, welche man innere Mittel nennt, unter welche nicht nur alle eigentlichen Arzneikörper, sondern auch physisches und moralisches Regimen gehören, oder aber es sind solche, welche äussere, chirurgische Mittel genannt werden, worunter man die Anwendung zweckmässiger mechanischer Hülfleistungen begreift. - Das Auge hat seine Specifica; man begreise nur nicht unter specifischem Mittel ein gegen irgend einen krankhaften Zustand untrügliches Mittel, sondern nan verstehe darunter die jedem Organe verwandten eigenthümlichen Reize. Das Auge hat eine eigenthümliche Mischung und Organisation, mithin eigenthümliche vitale Verhältnisse; dadurch lässt sich die specifische Action gewisser Reize auf das Auge erklären. Kein Theil des Organismus hat gleich dem Auge die hohe Stufe individueller Bildung erreicht; der, der Empfindung vorstehende Theil desselben ist ein centrifugal sich ausbreitender Nerve; der bewegende Apparat besteht aus mehreren Muskeln, deren jeder seine eigenthümliche Nerven hat. Die Narcotica, die stickstoffkohlenstoffigen Substanzen, jene Thiere unter den Pflanzen, die bittern an diese sich anreihenden Mittel sind es, welche Ä

das Auge und auch nur einzelne Theile desselben in Reaction versetzen; das Licht wirkt specifisch

auf es ein. Wahrscheinlich erfolgt diese specifike Wirkung durch einen animalisch – chemischen Process, indem mittelst derselben eine veränderte Mischung, also auch veränderte Lebensstimmung, entweder durch Zusatz eines neuen, oder durch Entziehung eines der Mischung integrirenden Stoffes erfolgt.

§ 12.

Es ist von grosser Wichtigkeit, die Form, welche man den Mitteln zu geben pflegt, um dieselben zweckmässig auf dem Auge anzuwenden, zu kennen. Durch die Form, welche das Mittel erhält, wird der Eindruck und die stattfindende Reaction mehr oder weniger modificirt.

Die Salbenform wird sehr häufig angewendet, und nicht mit Unrecht. Man kann in dieser Form die Mittel concentrirt, und in einem animalisch homogenen, das Auge schon befreundet ansprechenden Vehikel eingehüllt anwenden. Die Substanzen, welche sich nicht verdunsten, auch nicht in eine wässrichte oder geistige Auflösung bringen lassen, werden vorzugsweise in dieser Form angewendet. Man nimmt gewöhnlich als formgebende Substanzen die Butter oder das Schweine

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schmalz. Beide haben den Nachtheil, dass sie,

besonders im Sommer, leicht ihren Zusammen

hang verlieren, und desshalb leicht schwere Substanzen niedersinken lassen, so dass der obere Theil zu schwach, der untere zu stark wird. Himlr* ) giebt den Rath, um diesen Nachtheil zu vermeiden, den Salben eine festere Consistenz zu geben, dadurch, dass man weisses Wachs

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') ophthalmologische Bibliothek. 3. B. 2. St. S. zg

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