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Hat die Entzündung sich vollkommen entfaltet, dann dürfen die direct Contraction setzenden Mittel, z. B. der Baté'sche Liquor, nicht an– gewendet werden, indem dadurch Stockungen und Trübungen herbeigeführt würden. Die Narcotica, indem sie die gesteigerte Receptivität herunterziehen, sind hier angezeigt. Ä Opium wird täglich - mal mittels eines feinen Miniaturpinsels als thebaische Tinktur in das Auge geStrichen, und, um den zwischen dem Augapfel und den Augenliedern stockenden Eiter, dieses qualitativ abnorme Product der Schleimhaut, zu entfernen, wird zum Auswaschen des Auges ein lauwarmes, aus einem Decoct.capit. papav. oder Infus. hb.digital bereitetes, mit dem Estr. aquos. opii verbundenes Augenwasser angewendet. Fängt endlich der Schleim an, weiss und dünne zu werden, schreitet also die Entzündung zurück, so bediene man sich des Baté'schen Liquors oder der Schmidt'schen Mischung. Zeigt sich aber

eine besondere Neigung-der ...“, cherungen, so dient in diesem Stadium eine Quec Ksilbersalbe mit Bolus und ein mit Sublimat bereitetes Augenwasser. . Es wurde oben bemerkt, dass beim Oeffnen der Augenlieder oder beim Schreien der Kinder wegen sarcomatöser Verbildung der Conjunctiva das Augenlied sich umstülpt und ein Ectropium sich bildet. Wenn dieses in 24 Stunden nicht von selbst sich hebt, was bisweilen im Schlafe der Kinder geschieht, indem die herausgetretene Conjunctiva sich zurückzieht, und der umgeworfene Tarsus wieder in seine Stellung tritt, so trachte man, nach dem von Schmidt empfohlenen Verfahren, die Einrichtung zu bewirken. Man befeuchte die Spitze des Daumens und ZeiÄ beider Hände mit einem milden Fette fasse mit den Fingern der einen und andern land

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den umgeworfenen Knorpel am innern und äussern Augenwinkel, ziehe ihn langsam in die Hö– he, und dann rasch nach abwärts, wenn das obere, nach unten und dann nach aufwärts, wenn das untere Augenlied leidet. Durch diese Bewegungen tritt der Augenliedwulst nach innen und die Umstülpung ist aufgehoben. Gelingt die Einrichtung nicht, so müssen die Finger der Mitte des Augenliedes mehr genähert werden, und beide Daumen, welche auf die hervorgetretene Conjunctiva zu liegen kommen, müssen eine einwärts streifende Bewegung machen. Hat das Ectropium schon mehrere Tage bestanden, und gelingt die Einrichtung nicht, so suche man die Wucherungen der Bindehaut zu beschränken. Man Ä eine Merkurialsalbe ein, bis die Geschwulst durch den Rückgang der Afterorganisation kleiner ist. Missglücken dann noch die Umstülpungsversuche, so schreite man zur Operation des Ectropium. 3. Die Coniumciti Ä tritt immer mit ophthalmoblennorrhoischen TETscheinungen auf; unterscheidet sich dadurch, dann durch den raschen Verlauf, vorzüglich aber durch die grosse Neigung, Exulceration der Hornhaut zu setzen ) von der beschriebenen Entzündungsform. Es entsteht heftiges Jucken und schmerzhaftes Brennen im Auge und an den Augenliedrändern. Darauf schwillt sehr bald mehr die Bindehaut der Sclerotica, als jene der Augenlieder an *). Sie röthet sich beträchtlich, die Geschwulst ist fest und gleichmässig. Von der Conjunctivitis blennorrhoica unterscheidet sich diese

4) Benedict commentatio ophthalmiatrie de sanatione Blennorrbaeae oculi syphiliticae. p. 6.

2) Walther, Abhandlungen aus dem Gebiete der praktischen Medicin etc. 4. B. S. 455.

Entzündungsform, dass hier die Ophthalmoconjunctiva, dort die Augenlieder mehr geschwollen sind, und dass dort die Geschwulst der Conjunctiva weniger gleichmässig, mehr parthieenweise, und violet ist. Auch charakterisirt sie sich durch ihren viel raschern Verlauf, da sie in 12 bis 24 Stunden eine beträchtliche Höhe zu erreichen vermag. Der spannende Schmerz im Auge ist sehr gross, die Bewegungen des Bulbus und der Augenlieder sind erschwert. Die Lichtscheue, der Schmerz und alle Entzündungsphä– nomene nehmen mit jedem Augenblicke zu; die Conjunctiya wirft sich gleich einem Walle rings um die Hornhaut auf. Von der Chaemosis unterscheidet sich diese Entzündungsform durch die geringere Röthe und Härte der angeschwollenen Conjunctiva ?), und durch den in grosser Quantität stattfindenden Schleimfluss, welcher anfänglich weissgelb, nachher gelbgrünlich von Farbe, und dem beim Tripper ausfliessenden, eiterförmigen Schleim ähnlich ist. Der Schleim quillt aus allen Puneten der Conjunctiva häufig hervor. Tritt nicht thätige und zweckmässige Hülfe ein, so schwillt die Hornhaut an, blättert sich auf, sie ulcerirt an einzelnen Stellen; dadurch wird die vordere Augenkammer geöffnet und ein Vorfall der Iris, oft ein Staphyloma racemosum gebildet. Die in das Innere des Auges sich ver– breitende Entzündung kann Bersten und Colliquation des Augapfels hervorbringen. Beim heftigen Grade der Entzündung hängt das obere Augenlied gleich einem Fleischklumpen über das untere, nnd birgt den Augapfel; auch das untere stülpt sich manchmal mit seinem Knorpel nach auswärts. Ein Fieber mit dem Character der Sy– nocha gesellt sich bald dem örtlichen Leiden bei; es spricht sich durch den vollen harten Puls, Durst, Schlaflosigkeit, brennende Hitze etc. aus. Oft bleiben nach dieser Entzündung Flecken und Narben der Hornhaut zurück. Gewöhnlich befällt diese Entzündung nur ein Auge, doch immer nimmt in der Folge das andere Auge grössern oder geringern Antheil an dem Leiden des protopathisch afficirten Auges. Diese Entzündung entsteht, wenn bei Tripperkranken die Schleimsecretion der Harnröhre, entweder durch örtliche Erkältung, durch adstringirende Einspritzungen, durch körperliche oder Gemüthsbewegungen, durch balsamische Mittel etc. plötzlich unterdrückt wird, und eine besondere individuelle Uebereinstimmung zwischen der Schleimhaut der Harnröhre und jener des Augapfels besteht. Es weicht dann die specifike Irritation von der Harnröhre und begiebt sich in die durch organisch vitale Verhältnisse mit ihrer Schleimhaut verwandte Conjunctiva, oder sie steigert sich in der Harnröhre, daselbst den heftigsten Entzündungsgrad setzend, und verbreitet sich, auch an Extensibilität gewinnend, auf grössere schleimhäutige Flächen, der Conjunctiva sich nmittheilend. Im erstern Falle sind die Erscheinungen des Trippers vermindert und haben beinahe nachgelassen, im letztern Falle ist nur die Secretion, als Folge des höchsten Entzündungsgrades, in der Harnröhre aufgehoben, während die den Tripper begleitenden Erscheinungen, nämlich das Harnbrennen, die schmerzhaften Erectionen etc. noch fortbestehen. Beer) bemerkte diese Entzündung immer nur bei robusten vollsaftigen Männern, nnd jedes Mal wenige Stunden nach der Hemmung des Tripperflusses aus der Harnröhre. Auch soll nach ihm der durch dies vicarirende Leiden secernirte Schleim ebenso ansteckend, als jener in der Harnröhre abgesonderte seyn. . - Die Besudlung des Auges mit Tripperschleim soll nach einigen Schriftstellern ebenfalls die Augenentzündung zu bedingen vermögen, wogegen aber die Erfahrung der bewährtesten Beobachter spricht; obgleich diese zugeben, dass durch die dem Tripperschleime inwohnende Schärfe eine blennorrhoische Entzündung, die jedoch in Hinsicht der Heftigkeit weit der beschriebenen nachsteht, wie durch jedes Acre gesetzt werden kann ). Benedict bemerkte zuweilen ein consensuelles, durchaus nicht specifisches Leiden der Conjunctiva und Entzündung derselben ohne die geringste Störung der Secretion der Harnröhre, wo aber dann die Entzündung ebenfalls den heftigen Character, den sie bei Unterdrückung des Ausflusses zu haben pflegt, nicht hatte. Die erste Indication besteht in der Zurückführung der durch metastatische Reitzung er– zeugten Secretion auf ihren ursprünglichen Sitz. Um dieses zu erreichen, berücksichtige man den

4) Beer im a. W. 4. B. S. 544.

1) I. a. W. 4. B. S. 543.

1) Frank (Epitome de curandis hominum morbis) sagt: eine blennorrhoische Entzündung vermöge durch den in's Auge gebrachtcn Tripperschleim, so wie durch jeden scharfen Stoff hervorgebracht zu werden. Beer ( i. a. W. 1, B. S. 548), beobachtete öfters Besudlungen der Augen mit Trippermaterie, worauf gewöhnlich nur eine - einfache Conjunctivitis folgte. Walther (i. a. W. 4. B. S. 454) sagt: die durch Verunreinigung entstandene gonorrhoische Ophthalmie ist viel gelinder, als jene durch Unr terdrückung des Trippers hervorgebracht, ist auch weniger zerstörend, wenigstens nicht so schnell zerstörend, als jene, und äussert sich durch eine blepharoblemnorrhoische, nicht ophthalmoblennorrhoische Schleimabsonderung. Benedict (i. a. W. p. 6. ) beobachtete in solchen Fallen einen langsamern weniger heftigen Verlauf der Entzündung und nicht dic ausgesprochene Neigung zur Zerstörung der Hornhaut, - *

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