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Das Dacryostagon, als Folgekrankheit einer Entzündung, weicht bei einem gesunden Individuum ohne ärztliches Handeln durch zweckmäs– sige Pflege des Auges, wohin der Aufenhalt in einer trocknen warmen Luft vorzüglich gehört. Bci cachcctischen Individuen muss Ä constitutionelle Leiden bekämpft, und, im Falle ein Krankheitsgift zu Grunde liegt, dieses getilgt werden. Bei gesunden Individuen leisten der Lapis divinus, das Plumb. acet. mit Tinct.opii als Augen– wasser die besten Dienste; nebstdem müssen Einreibungen von Spirit. aromatic., Cöllnerwasser etc. in die Augenbraunen – und Schläfegegend täglich mehrere Mal gemacht werden. Bei tiefer wurzelndem Uebel, bei bestehender Cachexie sind die Merkurialien wirksamer; man giebt als Augenwasser eine Auflösung des Sublimats im destillir– ten Wasser, die gelbe salpeter – oder schwefelsaure Merkurialsalbe, die Janin'sche Salbe mit oder ohne Bolus. Man lässt die graue Quecksilbersalbe in die Augenbraunen- und Schläfegegend einreiben. Bei der Dacryohaemarhysis hebe man den Scorbut. Wegen der grossen Empfind– lichkeit des Auges werden Adstringentia, z. B. Auflösungen des Alauns, des Lap. divin. mit Weingeist etc. gewöhnlich nicht vertragen. Mindert sich die Empfindlichkeit des Auges, so sind die genannten Mittel indicirt.

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einen Faden einzuziehen. Ant. Petit ist der Erfinder des Verfahrens, bei welchem eine Incision zwischen dem untern Augenliede und dem Augapfel in den Thränensack gemacht, dann einc Bougie eingelegt wird, um auf diese Weise den Thränen einen Abfluss zu geben. Chopart und Desault (Anl. chirurg. Krankh. . B. S. 196) und Borer (T. de malad. chirurg. T. V. p. 293), Depech (. a. W. 1. B. S 444 ) halten diese Operation für unnütz , da die zerstörte resorbirende Mündung nicht durch eine callöse Oeffnung ersetzt werden kaum.

Von der Geschwulst und Fistel des
Thränensackes.

Die Geschwulst des Thränensackes zeigt sich unter der Gestalt einer unter dem innern Augenwinkel in der Gegend des Thränensackes liegenden, länglichten, meist fluctuirenden Anschwel– lung, welche durch die hier Statt findende Anhäufung der Thränen, und des auf der schleimhäutigen Fläche des Thränensackes abgesonder– ten Schleimes hervorgebracht wird. Zeigt sich auf der Geschwulst eine fistulöse Oeffnung, so wird sie Thränenfistel genannt). Der Nasenkanal, wel– cher in einer knöchernen Röhre liegt, und die Thränenröhrchen sind keiner Ausdehnung, durch

welche die Geschwulst gebildet werden könnte,

fähig. Da die Anschwellung des Thränensackes durch die in diesem sich anhäufenden Flüssigkeiten hervorgebracht wird, so werden alle Ursachen, welche den Ausfluss der Thränen oder des hier abgesonderten Schleimes in die Nase hemmen, Bedingungen zur Entstehung dieser Geschwülste seyn. Die Leitung der Flüssigkeiten

wird gehindert entweder durch die Qualität der– selben, indem sie zu consistent abgesondert werden, oder durch die Unwegsamkeit des Nasen– ganges, oder durch beide gleichzeitig bestehende Ursachen "). Bei der Dacryoblennorhaea, welche sich in Folge einer krankhaften Stimmung des Thränen– sackes entwickelt, als Ausgang der Dacryocistitis gewöhnlich sich zeigt, und entweder durch äus– sere Einflüsse, durch miasmatische Gifte, oder durch ein Leiden der Constitution gesetzt ist, son– dert die innere schleimhäutige Fläche des Thrä– nensackes einen veränderten Schleim ab, es besteht hier Eiterung ohne Ulceration. In Folge dessen bildet der Thränensack eine bohnenför– mige, schmerzlose Geschwulst, welche durch den Fingerdruck, sowohl durch die Thränenpünktchen als den Nasengang ausgedrückt werden kann: Das Ausgedrückte ist weiss und flockicht, mit den Thränen nicht gemischt. Durch die Entleerung des Sackes wird die Geschwulst vollkommen zum Verschwinden gebracht, was beweist, dass keine beträchtliche Aufwulstung der Schleimhaut des Thränensackes und des Nasenganges vorhanden ist, dass die Ursache der Nichtleitung in der Qualität des zu leitenden begründet ist. Im höheren Grade des Uebels ist der ausedrückte Schleim ganz dem Eiter ähnlich. Die Geschwulst des Thränensackes wird durch das Ausdrücken des Inhaltes zwar vermindert, aber nicht gänzlich entfernt, da die Schleimhaut im Zustande schwammichter Aufwulstung sich befin– det. Der aufgelockerte Zustand beschränkt sich

“) Die Alten führten alle Krankheiten, in welchen die Leitung der Thränen gehindert war, unter der Benennung: Thränenfistel auf. Schmidt (i. a. W. S 275), und Beer (i. a. W. 2. B. S. 151 ) bestimmten die Begriffe hierüber genauer, indem sie eine Thränenfistel jenen Zustand nannten, bei welchem sich eine Oeffnung des Thränensackes mit einer oder mehreren callösen Hautöffnungen vorfand. Beer nennt eine solche Krankheit, wenn sie primär im Thränensacke haftet, eine ächte Thränensackfistel; unächte Thränensackfistel ist nach ihm, wenn sie durch versäumtes Oeffnen eines Aegilops, dessen Eiter die vordere Wand des Thränensackes durchbrach, entstanden ist. Einfache Fistel nennt er jene, bei welcher die äussere Oeffnung mit der innern in paralleler Richtung steht; complicirt ist jene, bei welcher die Richtung der Oeff

nungen von einander abweicht. Y

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*) Die Thränensackgeschwulst wurde früher verborgene Fistel genannt, da man glaubte, dass in allen diesen Fällen Ulceration des Thränensackes bestehe ( St. Yves, nouveau Traité des maladies des yeux pag. 6o). Alle Leiden der Thränenorgane wurden mit der Benennung: Thränenfistel belegt, worüber sich Heister (Diss. de fistula lacrymali. Altdorf. 1746) schon äusserte.

nicht auf die Schleimhaut des Thränensackes, son– dern zieht sich in den Nasengang fort, wesshalb die im Thränensack befindliche Flüssigkeit ge

wöhnlich nicht durch den Nasengang in die Nase

getrieben werden kann, sondern durch einen Druck aus den Thränenpünktchen hervortritt. Beer ) belegt diesen aufgelockerten Zustand des Thrä– nensackes mit der Benennung: Bruch des Thränensackes, (Hernia sacci lacrymalis *). Geschwülste dieser Art bleiben auf einer gewissen Höhe stehen; der Umfang derselben beträgt niemals über den einer grossen Bohne, da die Flüssigkeit von selbst von Zeit zu Zeit durch die Thränenpünktchen aus– fliesst, oder vom Patienten ausgedrückt wird *). Eine besondere Art der Thränensackgeschwulst bildet sich, wenn der in diesem und im Nasengang befindliche Schleim eine vermehrte Cohä– renz gewinnt, welchen Zustand Beer durch die Benennung: Hydrops sacci lacrymalis (Thrä– nensackwassersucht)*) bezeichnet. In der Ge– gend des Thränensackes bildet sich eine länglicht

runde Geschwulst, welche mit jedem Tage grös–

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nen Grube beobachtet, und in diesem Falle verdient das

Uebel die Benennung hernia. Es war eine allgemeine Erschlaffung der Theile erkennbar. Dacryoblennorrhae war nicht vorhanden, und nicht der Bildung des Uebels vorausgegangen. Der Sack hieng aus der knöchernen ser wird, da die im Thränensacke angehäufte consistente Materie weder durch die Thränenpünktchen noch durch den Nasengang entleert werden kann, und endlich ohne Bersten des Sackes die Grösse eines Taubeneies zu erlangen vermag. Die die Geschwulst bedeckende Haut hat eine röthlichblaue Farbe, und wird, je mehr der Umfang der Geschwulst sich vergrössert, immer dunkler gefärbt. Nach dem Grade der Cohärenz der in dem Sacke stockenden Flüssigkeit fühlt man entweder eine undeutliche oder gar keine Fluctuation. Hat die Geschwulst einen beträchtlichen Umfang, so erregt sie eincn spannenden Schmerz, der über die Augen, die Augenbraunen und die Schläfe sich fortsetzt; auch vermag alsdann der Kranke nur unvollkommen die Augenliedspalte zu öffnen. Gewöhnlich lässt sich nach dem Umfange und der Farbe der Geschwulst auf den Inhalt schliessen. Die Farbe ist blauröthlich und der Umfang steigt nicht über den einer grossen Bohne, wenn der im Thränensacke befindliche Schleim noch tropfbar flüssig ist. Ist aber die Farbe blau, und keine Fluctaation wahrnehmbar, so hat der Schleim die Consistenz der Gallerte ). Die Bildung der Thränengeschwulst findet gewöhnlich allmählig Statt, und das Uebel bleibt auf einer gewissen Höhe, ohne Schmerzen zu erregen, stehen *); zuweilen aber reizt der in dem

Grube heraus, bildete eine umschriebene Geschwulst von ovaler Gestalt. Auf einen leichten Druck trat der Thrä

nensack mit einem Geräusch, ohne dass eine Flüssigkeit entleert wurde, zurück. Für einen solchen Fall möchte sich die Anwendung der Compression vorzüglich eignen.

3) Schmidt nennt diese Zustände varicöser Erweiterungen des Thränensackes. 4) Eine Benennung, deren sich St. Kves (i. a. W. S. 52 ), und Janin (i. a. W. S. 1o8) u. A., jedoch für die gewöhnliche Form der Dacryoblennorrhoe, bedienten.

4) Scarpa theilt den Gang der Krankheit in vier Perioden; die erste soll sich durch eine sehr geringe Anschwellung des Thräneusackes, die zweite durch eine stärkere Geschwulst desselben verbunden mit Irritation der Schleim- haut, die dritte durch die Gegenwart der Fistel, die vierte durch Carics des Thränenknochens erkennen lassen. Diese Affectionen sollen gewöhnlich durch chronische Entzündung und veränderte Secretion der Meibomschen Drüschen bedingt seyn (i. a. W. 1. V. 1. Ch.). 2) Der Polyp des Thränensackes, welcher zuerst von Walther (Ness, defst. et Polyp. sacc. lacrym. p. 37) beobachtet - wurde, kommt in vielem mit diesem Zustande überein. Der

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