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seuchtigkeit ist in eine eiterartige, oder steinharte, oder ganz wässerichte Masse umgewandelt. Nebst diesem findet man zuweilen die Retina roth gefleckt, oder auf andere Weise verändert, die Chorioidea im varicösen Zustand, daher die blaue Färbung der Sclerotica, und beim längern Bestehen des Uebels die Linse verdunkelt *. Wenn man nun die Frage aufwirft, ob das Glaucom in Verdunklung des Glaskörpers, oder in einer organischen Krankheit der Retina begründet, oder ob bei diesem Uebel, wie Authenrieth *) vermuthet, die Gefässhaut krankhaft verbildet sey; so wird geantwortet werden müssen, dass diese verschiedenen Ursachen eine durch die andere gesetzt, gewöhnlich vereint bestehen. Demours") hat daher nicht Unrecht, das Glaucom eine mit Desorganisation des Glaskörpers verbundene Amau-. rose zu nennen. Selten wird dieses Uebel bei jungen Leuten beobachtet. Beim längern Bestehen zeigt sich am Auge varicöse Verbisjg oder atrophischer Zustand, die Linse verdunkelt, die Pupille sehr erweitert und verzogen, die Iris nach vorn getrieben, bewegungslos, und keine Spur von Lichtempfindung. Durch diese Erscheinungen und durch den Gang, welchen die Krankheit bei ihrer Entwicklung einschlägt, lässt sie sich leicht vom Staare unterscheiden; leichter könnte das beginnende Marksarcom mit dem anfangen– den Glaucom verwechselt werden. Die Prognose ist schlimm. Keines der bis jetzt angewandten Verfahren hat günstigen Erfolg gehabt. Man hat Cicuta, Calomel, Seife etc., und andere Resolventia in Gebrauch gezogen. Man hat vorgeschlagen, mittelst einer Nadel die Hyaloidea, wie bei Zer– stücklung des Staares, zu zerreissen; da aber die Tiefe der organischen Verwandlung derselben nicht voraus erkannt wird, die Retina immer leidend ist, der vorgenommenen Operation immer Entzündung und abermalige Verdunklung folgen müsste, so kann diesem Verfahren das Wort nicht geredet werden. Die für die Amaurose Ä Heilmethode verdiente eher hier versucht zu werden!). Die Synchisis (Auflösung des Glaskörpers) entsteht durch eine Entzündung der Glashaut, oder auf eine schleichende Weise, indem der Nutritionsprocess der Hyaloidea allmählig verändert wird”). Die Glasfeuchtigkeit verliert ihre eiweissähnliche Consistenz, und wird so dünn, wie Wasser. Zuweilen büsst sie ihre Klarheit ein, und nimmt eine braunröthlichte Farbe an. Die Glashaut wird aus

1) Die Verdunklung der Linse folgt dem Glaucom, da die Nutrition derselben durch die Ursache, welche das Glaucom gesetzt hat, leidct. s

2) Versuche für die practische Heilkunde aus den klinischen Anstalten von Tübingen. 1. B. 2. H.

3) Wenzel (Manuel de l'Oculiste T. 1. p. 321 ) hält das Glaucom für eine Krankheit der Retina. Diese lcidct immer, denn die Abnahme des Sehvermögens steht niemals mit der vorhandenen Trübung im Verhältnisse. Weller (im a. W. 2. Aufl. S. 2o2) glaubt die grünlich trübe Farbe der Pupille liege nicht im Glaskörper, sondern in der ihn umkleidenden Netzhaut, so wie in dem verschwundenen Lebensturgor der durchsichtigen Medien des Auges, welche hiedurch ein grösseres und deutlicheres Sichtbarwerden der Retina bei der erweiterten Pupille zulassen. Wenzel hatte dieselbe Ansicht längst schon aufgestellt. Da aber häufig die Glasfeuchtigkeit getrübt, der Glaskörper consistenter als im normalen Zustande ist, so möchte doch diesc Erklärung nicht immer Anwendung finden.

4) Ritter (Journal f. Chirurgie und Augenheilk. von Gräfe

und Walther. 4. B. 2. H.) empfiehlt warme Bäder, Exutorien, Spiessglanzmittel und Campher etc., um durch Steigerung der Hautthätigkeit das Auge und den Sehnerven von der auf ihnen lastenden giftigen Thierschlacke zu befreien.

2) Beer (im a. W. 2. B S. 259) beobachtete sie vorzüglich nach der syphilitischen Iritis. Der Missbrauch der Mercurialmittel soll das Uebel vorzüglich bedingen; letzteres ist unwahrscheinlich, da das Uebel weniger selt.cn scyn würde.

serordentlich dünne, sehr mürbe, einzelne Zellen fliessen zusammen, indem die Scheidewände absorbirt werden, die Hyaloidea verschwindet end– lich gänzlich, so dass der Angapfel seine Resistenz vollkommen verliert, und einer mit Wasser gefüllten Blase gleicht ). Aus dieser Ursache wird, wenn bei einer mit Synchisis complicirten Cataracte die Keratotomie gemacht wird, gleich nach Eröffnung der Hornhaut, die Glasfeuchtigkeit hervorstürzen, und das Auge sich entleeren. Die Synchisis giebt sich durch folgende Erscheinungen zu erkennen: Das Sehvermögen ist sehr geschwächt, in der Folge wird es aber bis zu einer undeutlichen Lichtempfindung völlig aufgehoben *). So lange der Leidende noch sieht, ist er fernsichtig. Die Pupille ist in einigen Fällen verengert *), in andern erweitert *), mehr oder weniger winklicht verzogen. Die normalen Bewegungen der Iris finden nur schwach, oder gar nicht Statt. Bei schneller Rotation des Auges bemerkt man ein Vor- und Rückwärtsschwanken derselben. Im höhern Grade der Ausbildung des Uebels gesellt sich diese Erscheinung, Verdunklung der Linse, welche käseartig mit weisser, zuweilen mit grünlichter Farbe sich entmischt, bei. Die Sclerotica wird blaulicht, der Augapfel wird ganz weich, so dass die Sclerotica sich in Falten drücken lässt. Endlich fängt der Augapfel zu schwinden an. - Wenn das Uebel im Entstehen ist, so dass nur Fernsichtigkeit, aber keine Erblindung besteht, und dasselbe der syphilitischen Iritis folgt, so soll nach Beer!) durch den häufigen Gebrauch der Holztränke, der Sassaparilla, der China no– dosa, und der peruvianischen Rinde, vereint mit einem stärkenden Regime, die leichte Entmischung des Glaskörpers schwinden. Alle Mittel, selbst das Eisen, werden fruchtlos im ausgebildeten Grade des Uebels angewandt.

1) Wardrop, im W. 2. V. pag. 123.

2) Es geht daraus hervor, dass hier, wie beim Claucom Amaurose besteht, und dass dieselben Momente der Entstehung vorhanden sind.

3) Beer, im a. W. 2. B. S. 258.
4) Maitre Jan , Maladies des Yeux, P. 197.

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Von dem Schwinden des Auges und der

Theile desselben.

Wenn eine Krankheit des Auges durch Ab– nahme der organischen Masse, und verminderten Umfang des ergriffenen Theiles sich ausspricht, so bildet sie Phthisis oder Atrophie, je nachdem die Verkleinerung des Umfangs durch einen ul– cerativen Process im Wege der Eiterung, oder ohne Eiterung durch Störung der Ernährung gesetzt ist. Zuweilen gehen einzelne Theile gröss– tentheils oder gänzlich verloren. In dieser Krank– heitsfamilie werden aufgeführt: 1. die Madarosis, 2. das Entropium, die Trichiasis und Distichiasis, ei Corneae et Oculi, nebst der Atrophia

UllD1.

Von der Ma da rosis *).

Durch Entzündung und Ulceration der Augenliedränder entsteht zuweilen Verbildung derselben mit theilweisem oder gänzlichem Verlust der Cilien. Gewöhnlich zeigen sich an den Augenliedrändern kleine Narben, in Form röthlichter Flecken, welche der Kante des Augenliedes

*) Im a. W... 2. B. S. 26o.

*) Diese, die deutsche Benennung » Augenbrauneausfalls führende Krankheitsform wird von einigen Ploss, VON andern Mi e "ern Milehosis genannt,

eiu ausgefranztes zerrissenes Ansehen geben. In andern Fällen ist der Augenliedrand callös, schwielicht mit gleichzeitig bestehendem Verluste der Cilien. Nicht nur die Augenliedhaare, sondern auch die Haare der Augenbraunen gehen zuweilen verloren. Die gebildete Kahlheit ist bleibend oder vorübergehend. Am häufigsten beobachtet man diese Verbil– dung im Gefolge der variolösen Entzündung, und gewöhnlich auf eine unheilbare Weise gesetzt, da durch die vorausgegangene Ulceration die Haarzwiebel zerstört, ein Substanzverlust am Augenliedrande bewirkt wurde. Die zurückbleibenden Narben werden bei jedem Temperaturwechsel röther und sichtbarer. Durch Psorophthalmie wird zuweilen eine ähnliche Verbildung bewirkt. Die Syphilis, indem sie impetiginöse Geschwüre auf dem behaarten Theile des Kopfes, in den Augenbraunen, welche tief und um sich greiffend sind, hervorruft, giebt Anlass zur unheilbaren Kahlheit der Augenbraunengegend, kann selbst die Cilien zerstören, und die Augenliedränder verbilden. Das Scrophelübel bedingt oft impetiginöse Geschwüre der Augenlieder, welche Geschwüre und Verbildung der Ränder, und Verlust der Cilien bedin– gen. Oft verhärten sich die Augenliedränder bei scrophulöser Ophthalmie, während die Cilien ausfallen. Bei vermehrter Schleimabsonderung kleben die Augenliedhaare zusammen, beim unvorsichtigen Oeffnen der Augenliedspalten werden

O sie ausgerissen etc. “).

“) Die Phthiriasis der Augenbraunen und Augenlieder verdient hier Berücksichtigung, da sie oft Madarosis zur Folge hat, und mit Ulceration des Augenliedrandes oder der Augenbraunen verknüpft ist. Eine ganz besondere Art der Filzläuse scheint sich in diesen Theilen einzunisten. Sie stecken in kleinen ulcerirten Stellen und bedecken diese so, dass der nicht aufmerksame Beobachter dieselben für Schleimkrusten halten könnte. Unrein

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