Abbildungen der Seite
PDF

Bestätigung geben. Dass Vorfall der Iris Statt finden kann, bekräftige eine vom Erfinder dieses Verfahrens aufgestellte Beobachtung "). Ob diese Extractionsweise vor den ältern Vorzug habe, möchte zu bezweifeln seyn, da hier eine dop– pelte Verwundung gesetzt, und jener Zufall, der Vorfall der Iris, der hauptsächlichste Vorwurf der ältern Extractionsmethode hier nicht verhütet wird, Man hat versucht die Cataracte durch eine Wunde der Sclerotica auszuziehen. Benj Bell *) schlug dieses Verfahren vor, um jeden Druck und Vorfall der Iris zu verhüten, welche, wenn die Cataracte durch die Pupille tritt, entstehen könnte. Eearle *), Quadri, Löbenstein, Löbel *) etc. haben hierüber Beobachtungen bekannt gemacht. Diese Methode scheint jedoch gefahrvol– ler als alle übrigen zu seyn, eine verheerende Entzündung erfolgt leichter, als nach einer andern Operation, und nicht selten wird der Wundarzt, ohne dem vorgesteckten Zwecke zu entsprechen, operren. Die zusammengesetzten Werkzeuge scheincn weniger zur Verübung dieser Operation sich zu eignen, als ein zweischneidiges Staarmesser, wel– ches an der obern Hälfte des Auges, eine Linie von der durchsichtigen Hornhaut entfernt, ein– gestochen werden müsste. Durch den Einschnitt würde dann mittelst eines Häkchens der Staar ausgezogen. >

Die Nachbehandlung nach Staaroperationen fordert Verhütung und Bekämpfung der Entzün

4) Adams, im a. W. S. 223. 2) Lehrbegriff der Wundarzneikunst. 3. B. S. 295. 3) An Acc. of a new method. of operat, London, 1807. 4) Allg. Annal. des 19. Jahrh. J. 1818. S. 81. Auch in Himy und Schmidt oph. Bibl 1. B. 1. H. S. 131. 2. B. 3. H, S. 17o. 3. B, 2. H, S. 67 und in Langenbeck Bibl. 4. B. 2. St. S. 496 findet man hierüber Auskunft, - -

dung. Die Entzündung darf die Höhe, die zur Ausgleichung der getrennten Continuität nöthig ist, und den plastischen heilenden Trieb hat, nicht übersteigen. Es kann Chorioideitis und Iritis, Cap– sulitis, zuweilen die Phlegmone des Auges, Hypopyon, Pupillensperre, gänzliche Vereiterung des Bulbus der Operation folgen, dadurch kann der Erfolg, welchen man von einer gelungenen Ope– ration mit Recht erwartet, vernichtet werden. Die erste Regel ist, alles zu vermeiden, was die in der Verwundung selbst begriffene Irritation steigern könnte. Man vermeide daher sorgfältig die Sehversuche; ist der Staar aus der Sehachse vollkommen entfernt, so wird der ungewohntc Lichtreiz, um so mehr die innern Theile des Auges irritiren, als das Uebel schon längere Zeit bestanden hat, und dadurch das Licht von der Retina abgehalten wurde; ist er nur zerstückt, dann kann erst nach Verlauf einiger Zeit die Her– stellung des Sehvermögens erwartet werden, und die Sehversuche erfüllen dann den Kranken mit Unruhe über den bevorstehenden Erfolg. Das Auge werde geschlossen (nur nach verübter Extraction finde ich es angemessen, durch einen schmalen englischen Pflasterstreifen das Eröffnen der Au– genlieder zu hindern), um dem Zutritt des Lichtes zu wehren. Das Zimmer, in welchem der Blinde sich aufhält, werde verdunkelt, der Kranke beobachte, wo möglich, eine Rückenlage, und verhüte jeden Druck des Auges. Wurde zerstückelt, so ist die Berücksichtigung dieser Regel nicht nothwendig; man empfiehlt sogar in diesen Fäl– len die Lage des Patienten auf dem Bauche, in– dem dadurch das Vorfliessen der Staarstückchen aus der hintern in die vordere Augenkammer befördert werde. Man depotencire die sensible Stimmung, um das schrankenlose Hervortreten des irritabeln Factors zu verhüten. In den ersten Momenten nach der Verwundung vermag der Wundarzt vorzüg– lich günstig einzuwirken. Die kalten Umschläge, vorzüglich des Bleiwassers, sind in allen Fällen an– zuwenden. Selbst bei arthritischen Individuen müssen dieselben angewandt werden, da hier die arthritische Entzündung nicht primär, sondern secundär aus der traumatischen sich entwickelt, und die frühzeitige Bekämpfung der traumatischen Ir– ritation die Entwicklung der ärthritischen Entzündung hindert. Ist das Individuum plethorisch, zu Entzündung geneigt, war die Operation lange dauernd, mehr verletzend, dann muss eine starke Venäsection, besonders wenn Schmerzen im Kopfe und im Auge sich einzustellen beginnen, zugleich Umschläge mit Eis gemacht werden. Das warme Bedecken des Auges hat sich immer schädlich bewiesen. Der innerliche Gebrauch antiphlogi– stischer, die Plasticität und Belebung des Blutes vermindernder Mittel, worunter Calomel mit Di– gitalis sich vorzüglich hier eignen, eine strenge antiplogistische Diät, Wiederholung der Aderlässe, ableitende Mittel, sind nothwendig, sobald die entzündlichen Erscheinungen deutlich hervortreten. Ich habe bei dyscrasischen Individuen niemals Nutzen von Antiarthriticis etc. gesehen; nur das kräftige Bekämpfen der traumatischen Inflammation als solcher wirkt heilsam "). Nur allmählig und bei langsamer Zunahme der Beleuchtung lasse man den Operirten Gebrauch vom wiedererlangten Sehvermögen machen. Einige Zufälle, welche nach der gewählten

*) Diese Ansichten erhalten vielleicht den Vorwurf der Einseitigkeit, allein eigene und fremde Erfahrung haben mir

- die Richtigkeit dieser Sätze bewiesen. Ich lasse immer kalte Umschläge nach Staaroperationen machen; nach drei Tagen, wenn kein Schmerz im Auge oder im Kopfe Entzündung anzeigt, wird damit ausgesetzt, aber wiederderholt in Anwendung gezogen, sobald Kopfschmerzen sich einstellen

Methode, sich einstellen können, nebst der Behandlung, müssen noch berücksichtiget werden. Der Scleroticonyxis und der Keratonyxis, besonders, wenn dieselben in der Absicht zu dis– lociren, angewandt wurde, folgt zuweilen Erbrechen, welches durch Druck, Zerrung oder Verletzung der Ciliarnerven oder der Markhaut entsteht. Dieses wird am besten durch Verminderung der bestehenden Irritation, durch streng an– tiphlogistisches Verfahren, kalte Umschläge und Narcotica entfernt. Man empfiehlt gewöhnlich Antispastica, die Valeriana, den Moschus, das Castoreum, allein mit Unrecht, da sie der Natur des Uebels nicht entsprechend sind "). Drückt der niedergedrückte Staar auf die Markhaut, so ent– steht amaurotischc Erblindung und Erbrechen gleichzeitig. Diese Zufälle heben sich, wenn der Druck auf die Retina durch Veränderung der Lage des Staares aufhört, was durch Schütteln des Kopfes erzweckt wird. Beim Vornehmen der Scleroticonyxis zeigt sich zuweilen an dem Einstichspunkt eine kleine Blutgeschwulst, welche durch die Verletzung eines grössern Gefässes der Conjunctiva entsteht, und unter dieser sich bildet. Man vermeidet diesen Zufall, wenn man beim Einstich den grössern Gefässen der Conjunctiva ausweicht. Er fordert keine Behandlung, denn die Resorption des nur in geringer Menge extravasirten Blutes geht rasch vor sich. Erhebt sich aus der Stichwunde ein leichtblutendes kleines Aftergebilde, so wird das– selbe mit Höllenstein berührt und schnell entfernt. Der Keratotomie folgt zuweilen ein Hornhautbruch, der sich in Form einer weissgraulich

') Bei Verletzungen des Gehirns, und daher folgendem consensuellen Erbrechen verfahrt man streng antiphlogistisch; mit demselben Recht wird auch in diesem Falle as antiphlogistische Verfahren angewandt, und die besten Dienste leisten, - /

ten, halbdurchsichtigen Blase nach der ganzen Länge der Hornhautwunde zeigt. Derselbe bildet sich durch die ungleichmässige Vereinigung der Wundränder, indem die Wunde der descemetischen Membran sich schliesst, während die Wundränder der mittleren und äusseren Hornhautlamelle unvereiniget sind. Die descemetische Haut wirddaher durch den Andrang der wässerichten Feuchtigkeit nach der ganzen Länge des Hornhautschnittes hervorgetrieben. Man weckt den plastischen Process in den Rändern der Wunde durch das Einstreichen des Laudanum, oder durch Berühren mit Höllenstein. Beer empfiehlt das Wegschneiden, Andere das Aufstechen des Bruchsackes. Nach der Keratotomie entsteht zuweilen ein Vorfall der Iris, und giebt zur Entstehung eines grossen Regenbogenhautstaphyloms mit Aufhebung oder Verminderung des Sehvermögens Anlass. Un– ruhe des Patienten, Druck etc. sind gewöhnlich die Veranlassungen des Vorfalles; er bildet sich zuweilen ohne auffallende Ursache. Der Patient hat das Gefühl eines fremden Körpers im Auge, und die Thränen fliessen in grosser Menge aus dem– selben. Oeffnet man die Augenlieder, so erscheint der Vorfall, und das Auge beträchtlich entzündet. Das Eintröpfeln des Belladonnaextractes, das Einreiben desselben in die Nähe des Auges, der innerliche Gebrauch desselben, um die Iris im Zustande der Contraction zu erhalten, dadurch das Vorfallen eines grössern Stückes derselben zu ver– hüten, scheint mir das zweckmässige Verfahren. Die übrigen für diesen Zufall empfohlenen Ver– fahrungsweisen sind erfolglos und schädlich. Man räth durch Frictionen, durch das Einfallen des Lichtes, die Expansion der Iris hervorzurufen, und dadurch das Zurückziehen derselben aus dem Wund– rändern zu bewirken, oder den Vorfall mittelst des Daviel'schen Löffels zu reprimiren. Man muss

« ZurückWeiter »