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ausgeschnitten wurde, so kann die Wunde vereinigt, und die Heilung durch die erste Intention versucht werden. Bleibt aber ein Theil desselben zurück, so wird die Wunde locker mit Charpie ausgefüllt, und der Rest des Sackes durch die nachfolgende Eiterung zerstört. Der zurückgelassene Theil desselben granulirt, er schreitet zur Fleischwärzchenbildung, zum Zellgewebe wie– der zurück, aus welchem er sich bildete. Hat die Geschwulst ihren Sitz und Ursprung in der Tiefe der Orbita hinter dem Bulbus, dann kann, so lange nicht die Geschwulst sich nach aussen zeigt, der Heftigkeit der Zufälle ungeachtet, kein direct auf das Uebel gerichtetes Verfahren eingeschlagen werden. Die Ausrot– tung selbst ist unausführbar. Die Entleerung des Sackes entfernt den Druck, der auf dem Auge und dem Nervus opticus lastet. In die gebildete Oeffnung wird eine Darmseite, ein Bougie etc. eingelegt, um das Verschrumpfen des Sackes zu bewirken, und die absondernde Fähigkeit des– selben zu vernichten. Zu diesem Zwecke kön– nen reitzende Einspritzungen, selbst mit gehöriger Vorsicht Aetzmittel, sowohl in fester als flüs– siger Form, angewendet werden. Schliesst sich die gebildete Oeffnung, und füllt sich der Sack wieder, so wird die Punction wiederholt. Hat die Geschwulst eine solche Beschaffenheit, dass sie wegen dem consistenten Inhalt nicht entleert, und wegen tiefem Sitze nicht exstirpirt werden kann, und stellen sich gefährliche Zufälle ein, so müsste die Ausrottung des Augapfels und der Geschwulst vorgenommen werden. Nach geschehener Entleerung des Sackes oder nach gänzlicher Ausrottung desselben tritt der Augapfel von selbst, oder, wenn die Muskeln desselben durch langes Andauern des Uebels unthätig sind, durch einen leichten Druck, den - s man einige Zeit fortsetzt, in die Augengrube zurück *). Die Entstehung des Exophthalmos wird zuweilen durch jene Geschwülste bedingt, welche aus vielfach verschlungenen und durch laxes Zellgewebe verbundenen Blutgefässen bestehend, in Hinsicht ihrer innern Structur am besten mit dem Penis, der Milz oder der Pacenta- verglichen wer– den können, und Angiectasien *), Anevrysma-per anastomosin *), Euugus_haematodes“), Tumeur

erectile ) benannt werden. Eine abnorme TTT

dTung und zahlreichere Entwicklung der Ca– pillargefässe liegt diesem Uebel zu Grunde "), daher

4 ) Das Vordrängen des Augapfels aus der Augengrube geschieht nicht nur allein durch Geschwülste, wclche in der Augengrube sich entwickeln, sondern auch durch Knochengeschwülste, durch Dislocationen, welche die Knochen durch Ausdehnung der benachbarten Höhlen erleiden. Das Zellgewebe in der Tiefe der Augengrube kann sich entzünden, kann seinen Umfang vergrössern, es kann in der Augengrube Eiterung sich bilden Das solchen Structurveränderungen zu Grunde liegende Uebel, nicht selten syphilitischer Art muss dann bekämpft werden Wenn der Augapfel durch eine dieser Ursachen aus seinem normalen Raumc verdrängt wird, ohne dass er durch eigene Umfangsvergrösserung und Desorganisation das Hervortreten setzt, so nennt man die Krankheitsform Exophthalmos, zum Unterschiede von Exophthalmie, wo Ä Ursache des Hervortretens Ä -- . - - nisation des Bulbus bedingt, oder wenigstens dieselbe - damit verknüpft ist. 2) Gräfe, de notione et cura angiectaseos labiorum. 3) J. Bell, Principles of Surgery. V. 2. pag 456. , 4) Diese Benennung wird von den meisten Franzosen dieser Krankheitsform gegeben, wo hingegen viele Engländer unter Fungus haematodes das Marksarcom verstehen,

- mit welchem diese Krankheitsform nicht verwechselt werden darf.

5) Nach Dupuytren (Scarpa, maladies des yeux. Edit. par Fournier Pessay, in den Zusätzen 2 V. pag. 94.

6) Chelius, Handbuch der Chirurgie. 1, B. pag 8 O 1.

zeigt das Innere einer solchen Geschwulst ein Convolut von unzähligen Gefässen, welche von einem lockern Zellgewebe umgeben sind und mehrere kleine Höhlen bilden, in welche Blut abgesetzt wird, welches die Venenzweigchen wieder resorbiren. Eine äussere Ursache kann zur Entstehung dieser Geschwülste Anlass geben, gewöhnlich aber entwickeln sie sich aus den angebornen rothen Flecken. Wenn sich eine solche Geschwulst in der Augengrube bildet, so entstehen Schmerzen in dem Auge und dem Kopfe. Nach und nach entsteht eine immer fühlbarer werdende Pulsation; man hat beim Befühlen der Augengegend das Gefühl von Brausen; der Kranke selbst fühlt ein eigenthümliches Kriebeln und Klopfen in der Augengrube. Das Auge tritt nun hervor, in dem die Geschwulst immer mehr und mehr Raum gewinnend jenes verdrängt. Die Geschwulst drängt sich an einer oder mehreren Stellen aus der Au– gengrube hervor, sie pulsirt und lässt sich leicht zusammendrücken. Die benachbarten Venenstäm– me sind angeschwollen, die Augenlieder aus ihrer normalen Stellung verdrängt. Durch einen auf die Geschwulst angebrachten Druck wird dieselbe in die Orbita zurückgetrieben, dadurch aber heftige Schmerzen erregt. Bei starken Bewegungen, auf den Genuss excitirender Stoffe wird das Klopfen heftiger und der Umfang grösser. Die Compres– sion der benachbarten Arterie bewirkt keine Verminderung der Geschwulst, wohl aber der Druck auf die Carotis, welcher die vibrirende Bewegung in derselben aufhebt, und eine Verkleinerung der– selben verursacht. Kalte Umschläge können blos palliativ einigen Nutzen gewähren; die Exstirpation ist hier unanwendbar. Travers hat gezeigt, dass die Verminderung der dahin zu führenden Blutmenge durch Unterbindung der Art. Carotis nicht allein das fernercWachs–

thum hindert, sondern auch eine gründliche Heilung bewirke. Durch dieses Mittel gelangten Trawers, Dalrymple und Wardrop ) zur gründlichen Beseitigung des Uebels. Hodgson *) bemerkt, dass die Heilung nach dieser Operation durch ein rigoröses antiphlogistisches Verfahren kräftig unterstützt werden könnte.

Von dem Krebse des Augenliedes und des - - - - Augapfels.

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Alle Theile des Organismus, vorzüglich das Auge und die demselben anhängenden Parthien, Ä der carcinomatösen Metamorphose unterwor– fen. Das Zellgewebe scheint den Stoff zur Bil– dung eines neuen Organes zu geben, welches dann, wenn es eine individuelle Gestaltung erreicht hat, nicht nur das Organ, das ihm als Boden dient, sich aneignet, und in seine Natur umwandelt, sondern allmählig der reproductiven Sphäre des Organismus sich bemächtigend, eine krankhafte Stimmung in dieser setzt, vermöge welcher die bildende Thätigkeit nur Gewebe und Stoffe erzeugt, die der Natur des neuen Organes entsprechen, wodurch dann allmählig verschie– dene Organe umgewandelt werden. Im Anfange scheint das Uebel örtlich zu seyn, bald aber überträgt sich dasselbe auf den ganzen Organismus, und gestaltet sich zum Leiden der ganzen Constitution. Jener Krebs, welcher sich zuerst in Form der Induration, als Scirrhus zeigt, ist in seiner Entwicklung träge, und trägt sich weniger schnell auf die ganze Constitution über; als das Marksarcom, welches immer mit der Nervensub–

1) Medico-chirurgical Transactions. V. 2, pag. 1. V. VI.

Pag. 1 1 1. V. IX. pag. 2o3. 2) Traité des maladies des arteres et des venes, T. 1. Irechct, T. 2 pag. 297.

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stanz in genauer Berührung steht, in die vorzüg– lichste Lebensquelle unmittelbar eingreift, und durch dieses unmittelbare Eingreiffen auf die Nerven der ganzen Constitution schneller eine fehlerhafte Richtung zu geben im Stande ist. Letzteres beginnt als eine weiche, elastische, fast fluctuirende Geschwulst. Auch dieser Krebs ist gewiss anfangs örtlich, allein schnell bildet sich ein Leiden der ganzen Constitution, so, dass der Moment, in wel– chem das Uebel örtlich ist, dem Arzte entgeht. Die Entwicklung des Krebses findet im Auge sclbst oder in den ihm anhängenden Parthien Statt, wornach auch das Uebel verschiedenartig sich gestaltet. Er geht von den Augenliedern, von dem Augapfel, von der Thränendrüse oder vom dem Zellgewebe der Augengrube aus. Die Krankheit, wenn sie an dem Augenliede entsteht, spricht sich zuerst als Scirrhus aus. Es entwickelt sich in Folge vorausgegangener Entzündung oder ohne diese eine harte, oft begränzke, dem Chalazion ähnliche, oder eine schwielichte, weniger genau begränzte, der Tylosis gleichende, oder endlich eine warzenartige oder knotichte Geschwulst auf einer oder der andern Fläche, oder auf dem freien Rande des Augenliedes. Es unterscheidet sich der Scirrhus von den ihm gleichenden Zuständen durch die Unbeweglichkeit der Haut, durch die beträchtliche Härte, durch die livide verdächtige Farbe, und durch den Reichtbum der Gefässe, die in varikösem Zustande sich befindend, die Geschwulst umlagern und durchströmen. Das Uebel ist im Beginnen schmerzlos, aber bald entsteht ein stechender heftiger Schmerz, die Hautfarbe wird bläulichtroth, die Gefässe, welche die Geschwulst umlagern, werden varicöser, die Haut öffnet sich, und es bildet sich ein Krebsgeschwür ).

*) Die verschiedenen Ausbildungsstuffen sind Scirrhus, ver

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