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schend dabei auftritt, weisst dem Krankheitsprocesse seine Klasse an. Keine physische Verletzung kann Statt finden ohne dynamisch-organisches Mitleiden, doch wird die Verletzung der Form das im Krankheitsprocesse vorherrschende seyn, und daher die Einreihung in die Klasse bestimmen.

§ 29.

Die Ordnungen der dynamischen Krankhei– tem bilden sich, je nachdem der Krankheitsprocess in einem oder dem andern Lebensfactor sich äussert, je nachdem die Irritabilität oder Sensibilität vorzüglich ergriffen ist; es zeigen sich sonach die Entzündungen und Nevrosen. Function und Organisation entsprechen sich; die Erregbarkeit richtet sich nach der Structur und Mischung des Theiles, welchen sie bewohnt. Die entzündliche Action eines Theiles kommt mit der Structur desselben überein. Die zweckmässigste Eintheilung der Entzündungen ist die nach dem Sitze derselben. Wir führen daher dieselben auf 1) jene der mucösen, 2) jene der fibrösen, 3) der serö– sen und 4) der parenchymatösen Gebilde. Varietäten erhalten wir, wenn die Entzündung als Aeusserung einer Verstimmung des Organismus, einer krankhaften Mischung und Belebung der Säfte auftritt, als Folge der Dyscrasien erscheint, wo dann das Bild des Leidens sich darnach müançirt.

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Die Nevrosen bestimmen sich ihre Gattungen nach den Verrichtungen des Nervensystems. Die Nerven nehmen einen äussern Eindruck auf, leiten ihn zum Gehirn, wo er zur Empfindung ge– staltet wird; oder aber die Wirkung ist centrifugal, vom Gehirn mittelst der Nervenleitung auf die Muskeln und übrigen Organe. Die Nervenkrankheiten, da die Nerven Empfindung und Bewegung vermitteln, erlauben daher folgende Abtheilung: 1) Nevrosen, bei welchen Störung der Sen– sation sich ausspricht, 2) jene, bei welchen die Locomotivität gestört ist.

§ 31.

In die Klasse der organischen Krankheiten fallen die Störungen der Structur und Mischung der Theile. Sie gestalten ihre Unterabtheilungen darnach, ob 1) eine übermässige Zunahme der organischen Masse sich ausspricht, ob Wucherungen derselben bestehen, Bildung neuer Organe vorhanden ist, oder ob 2) Abnahme der organischen Masse durch Schwinden und Vereiterung sich ausspricht, ob 3) ohne dass das quantitative der organischen Masse gestört ist, eine auffallende qualitative Störung der Mischung und des Baues sich zeigt. Meistentheils gesellen sich diesen Zuständen Störungen der Se – und Excretionen als Folge der abnormen Nutrition bei; da dieselben nur der Ausdruck dieses abnormen Processes sind, so können sie keine Unterabtheilungen abgeben.

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Die Störungen in der Form, in rein physischen Verhältnissen der Theile fassen wir in die dritte Klasse auf, welche die mechanischen Krankheiten in sich begreift. Es sind vorzüglich jene Störungen, welche auch gewisse mechanische Hülfsleistungen zu ihrer Entfernung verlangen. Wir fassen sie in folgende drei Unterabtheilungen auf: 1) fehlerhafter Zusammenhang der Theile, 2) sehlerhafte Trennung, endlich 3) fremde Körper mit oder ohne Verwundung. - - - -

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b) Qualitative, nicht quantitative Störung der «' - - - - organischen Masse. 2. c) Abnahme der organischen Masse, Schwin- - - - - den und Vereiterung. - 2. 3 ) Mechanische Krankheiten. - 2.

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b) fehlerhafte Trennung. - - -
é) fremde körper mit oder ohne Verwun-
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1. Klasse, dynamische Krankheiten.

Von der Entzündung.

Das häufige Vorkommen der Entzündung macht dieselbe für den Ophthalmologen vorzüglich wichtig. Sie ist das edelste Mittel, das zur Heilung der aufgehobenen Continuität unentbehrlich ist. Um den Entzündungsprocess dem Heilzwecke aneignen zu können, fordert es die genaue Bekanntschaft mit derselben. Sie ist die am häufigsten sich zeigende Augenkrankheit, und aus ihr entfalten sich unzählige Metamorphosen, die dann wieder als selbstständige Leiden auftreten. "ln allen Zeiten erkannte man die Wichtigkeit dieser Krankheit, und keine wurde mit so vielem Fleisse beobachtet, als dieselbe. Wir ken– nen die Erscheinungen derselben, können uns, der rühmlichsten Bemühung der vorzüglichsten Physiologen ungeachtet, nicht schmeicheln, ihr Wesen ganz erforscht zu haben. Als allgemeine Erscheinungen der Entzündung des Auges führt man Schmerz, Röthe, Hitze, Geschwulst, Lichtscheue, Thränenträufeln, Lichtentwicklungen auf. Ehe wir jede dieser Erscheinungen würdigen, und zeigen, in wie weit dieselben zur Diagnose der Augenentzündungen brauchbar sind, müssen wir bemerken, dass die Erscheinungen der Entzündung sich modificiren nach der Beschaffenheit des befallenen Gebildes, nach der Intensität der Entzündung, nach dem Zeitraume, in welchem dieselbe sich befindet, und endlich nach der Individualität des Patienten. Die erste Erscheinung, welche sich bei der Entzündung darbietet, ist eine vermehrte Empfindlichkeit des Theiles, welche in Schmerz übergeht Bei der leisen Entzündung hat der Patient gewöhnlich nur das Gefühl von Beissen, oder als wäre ein fremder Körper im Auge befindlich. Bei wachsender Entzündung wird der Schmerz drückend und stechend, bisweilen klopfend und spannend. Der Patient hat das Gefühl, als wäre der Raum der Augenhöhle zu klein, um das Auge in sich fassen zu können, als würde der Augapfel herausgeschnitten. Eine drückende Empfindung beschwert oft die Gegend der Cilien und der Augenbraune; der Schmerz verbreitet sich bisweilen über die Peripherie des Auges hinaus, setzt sich in die Stirn – und Schläfegegend fest, oder zieht bis in das Hinterhaupt. Die Heftigkeit des Schmerzes richtet sich in der Regel nach der Structur und Empfindlichkeit des ergriffenen Gebildes, nach der Individualität des erkrankten Subjectes, endlich nach der Heftigkeit oder dem Zeitraume der vorhandenen Entzündung. Ist das ergriffene Gebilde sehr derber Textur, oder ist es von nicht expansibeln Gebilden umschlossen, so ist der Schmerz sehr heftig, es kann sich das entzündete Gebilde nicht entfalten, das Capillarsystem nicht gehörig entwickeln; es erfolgt Einschnürung, welche mit heftigen Schmerzen verbunden ist. Gehört das Gebilde zu den empfindlichen, steht es in vielen Wechselbeziehungen, so wird der Schmerz stärker seyn, als wenn ein auf einer tiefern Stufe des Lebens stehendes Gebilde befallen wird. Auch richtet sich der Schmerz nach der Heftigkeit der Entzündung, indem er beim höchsten Stande des Entzündungsprocesses auch seine höchste Stufe erreicht hat. Doch auch hier macht die Individualität Ausnahmen von der Regel, welche den Schmerz zu einer trüglichen Erscheinung machen können. Es giebt Fälle, in welchen bei einer heftigen Entzündung geringe nud vorübergehende Schmerzen sich zeigen; es giebt leichte Entzün

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