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wohl aber kann sie die freie Bewegung des Augapfels hemmen. Die Hydatis der Thränendrüse entwickelt sich in der Masse dieses Organs, gewöhnlich sehr schnell, so dass in wenigen Wochen dieselbe ihre vollkommene Ausbildung erreicht hat. Sie ist ein neues, aus dem Zellstoff hervorsprossendes absonderndes Organ, von seröser Hautbildung, ihr eigenthümliches Leben durch fortwährende Absonderung und Resorption kund gebend ). Der Sack steht mit den umliegenden Theilen in nur sehr loser Verbindung. Die sich vergrössernde Geschwulst kann sich nicht ausdehnen, ohne Druck auf den Augapfel und die in der Augengrube lie– genden Theile hervorzubringen, ohne erstern all– mählig aus der Augengrube vorzudrängen, wobei das Auge immer die Richtung nach innen und abwärts hat. Bei der entstehenden Geschwulst leidet der Kranke an einem stumpfen Kopfschmerz, an welchen sich das belästigende Gefühl des Vordrängens des Auges knüpft; die Bewegungen des Bul– bus, besonders gegen den Schläfewinkel, steigern denselben. Unter Zunahme und Verbreitung des Schmerzes fängt das Auge, an welchem zuvor keine abnorme Erscheinung aufgedeckt werden konnte, aus der Augengrube hervorzuragen an, ist leicht geröthet und trocken. Die Bewegungen des Auges werden unmöglich, die häufig entstehenden Lichtentwicklungen steigern den Schmerz, Der Kranke sieht undeutlich mit dem leidenden Auge, und doppelt, wenn er mit beiden Augen die Gegenstände betrachtet, weil das aus der Augenhöhle verdrängte, schief stehende Auge nicht mehr in der Sehachse des gesunden steht. Ist das Auge so weit aus der Augengrube hervorgetrieben, Ä es nicht mehr mit den Augenliedern bedeckt zu werden vermag, so ist es vollkommen erblindet, glanzlos, mit varikösen Gefässen durchzogen. Die Schmerzen sind unaus– stehlich, ohne Nachlass, mit Verlust des Schlafes und der Esslust. Durch die Heftigkeit der Schmerzen, durch die Zerrung der Nerven in der Orbita können soporöse, apoplectische Zufälle sich einstellen und den Kranken tödten. Zuweilen wird das Auge durch den Druck, den es durch die vordrängende Gewalt erleidet, entzündet; es bil– det sich Eiter in den Augenkammern, die Hornhaut berstet, die Flüssigkeiten entleeren sich, der Augapfel verschrumpft, worauf allmählig die Schmerzen sich verlieren. In seltenen Fällen scheint diese Exophthalmie den carcinomatösen Character annehmen zu können. Die angegebenen Symptome, die rasche Zunahme derselben, und end– lich eine dem Fingerdrucke widerstrebende, kugelichte, fast fluctuirende Härte am obern Augenliede nahe an der äussern Commissur lassen dieses Uebel leicht erkennen.

4) Schmidt's (im a. W. S. 75) Erklärung der Genesis dieser Krankheitsform, dass der Thränendrüsensaft in einer Zelle sich anhäufe, diese ausdehne, dass andere Zellen sich anreihen, und auf diese mechanische Weise die Cistis sich bilde, ist unstatthaft, da in diesem Falle die Cistis hornartig verdickt seyn mässte, was der Fall nicht ist, indem nach Schmidt's eigener Angabe die Cistis so dünn ist, dass Flüssigkeit durch die Wände derselben durchdringt, wodurch die Cistis von den umliegenden Theilen sich loslösst, und in einem Liquor interstitialis liegt. "

Obgleich die ursachlichen Momente, welche diese Geschwülste in das Leben rufen, uns noch unbekannt sind, so ist doch die Aufgabe klar estellt, welche die heilende Kunst zu erfüllen Ä Beim Dacryops, wie bei der Hydatis wird die Entfernung der drückenden und hervordrän– gen Gewalt mothwendig seyn. Da bei der Hydatis die Zufälle dringender sind, so ist auch die Hülse nothwendiger. Das gründlichste Heilmittel wäre dic Exstirpation; allein dieselbe ist ganz unaus

führbar ohne Beschädigung wichtiger in der Orbita gelagerter Theile. Die Entleerung des Säckes und die Aufhebung der absondernden Fähigkeit des– selben, durch Erregung einer Entzündung, ist das zweckmässigste Verfahren. Man hebt das obere

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unter diesem da, wo man die Geschwulst oder ein Vordrängen bemerkt, an dem Schläfewinkel den Troikart in der Richtung gegen die Thränen– drüse ein, schiebt die Spitze desselben so lange vorwärts, bis die Blase geöffnet ist, was aus dem verminderten Widerstand und dem Hervorfliessen der Flüssigkeit erkannt wird. Naahdem das Stilet ausgezogen ist, wird durch die Röhre des Troikarts eine reitzende Flüssigkeit ) in die Höhledes Sackes eingespritzt, die man ausfliessen lässt, und die Troikartröhre auszieht, sobald Schmerz entsteht, welchem alsdann Entzündung und Ad– häsion der Wandungen des Sackes folgt. Sollte auf diese Weise der Wundarzt nicht zum Ziele kommen, so dient das Einlegen einer Kerze, eines Bourdonet's etc., welche Entzündung und Ver– eiterung des Sackes setzen, die Absonderungsfä– higkeit desselben aufheben, zuweilen ein gänzli

ches Loseitern desselben bewirken, so dass der–

selbe in die äussere Oeffnung sich legend her– vorgezogen und entfernt werden kann *). Beim Dacryops fistulosus wird auf dieselbe Weise verfahren; sobald die Absonderungsfähigkeit des Sackes vernichtet ist, oder eine innere Fistel durch Einlegen einer Saite und Verschwielung der mit dem

1) Hiezu eignet sich am besten die Auflösung des Lapis infern, des Kali caust. oder des Sublimats .

2) Ruttorffer handelte auf diese Weise. Schmidt behauptet, dass Geschwülste dieser Art zur Entzündung nicht geneigt seyen, was aber durch mehrere Fälle, ich mache nur auf den von Reherand (Nosographie chirurg T. 2. pag. 426) aufmerksam, widerlegt wird.

Troikart gebildeten Oeffnung bewirkt ist, schliesst sich die äussere Fistel. Nicht nur in dem Zellgewebe der Thränen– drüse, sondern im ganzen Umfange der Augengrube können Sackgeschwülste, deren Inhalt verschieden, bald fettartig, bald eiterförmig oder dem Eiweisse ähnlich ist, entstehen. Am häufigsten bilden sich diese Geschwülste an der untern Wand der Augenhöhle, mehr oder weniger tief in der– selben wurzelnd "). Die sich entwickelnde Ge– schwulst, von oben vom Augapfel, von unten von der unterm Wand der Augengrube gedrückt, ist gezwungen, zwischen diesen Theilen in hori– zontaler Richtung hervorzutreten, wodurch damn im Umfange der Augengrube eine Anschwellung, die das untere Augenlied verdrängt, und bis auf die Wange sich ausbreitet, gebildet wird. Der Augapfel wird allmählig aus seiner Lage, nämlich gegen das obere Augenlied vorgetrieben. Haftet die Geschwulst nicht an der untern Wand, so wird der Augapfel einc dem Sitze der Geschwulst entgegengesetzte Richtung bei seinem Vortreten aus der Augengrube nehmen. Der Augapfel ist unbeweglich, das Sehvermögen aber nicht selten noch vorhanden, obgleich der Sehnerve eine an– haltende Dehnung erleidet. " Wenn die Geschwulst in der Tiefe der Orbita hinter dem Augapfel entsteht, so leidet das Indi– viduum an tief in der Augenhöhle sitzenden Schmer– zen, welche sich über Stirn und Schläfe ausbrei– ten, und bis zum Nacken fortsetzen. Ohne dass die Geschwulst am Rande der Augengrube sichtbar wird, treibt sie den Augapfel allmählig vorwärts, das Sehvermögen erlöscht, die Bewegun– gen der Iris sind träge, hören endlich gänzlich auf; die Pupille befindet sich im Zustande der grössten Erweiterung. Endlich lässt sich die Ge

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schwulst im Umfange der Augengrube wahrneh– men, nachdem der Augapfel auf die entgegengesetzte Seite gewichen ist. . . Je tiefer in der Orbita die Geschwulst ihre Wurzeln hat, desto bedeutender sind die Zufälle. Immer ist die Difformität beträchtlich, die Thrä– nen fliessen anhaltend über die Wange herab; die Augenlieder sind bei starkem Hervorragendes Bulbus ausgestülpt; durch den Druck, durch die Reibung, welche das Auge bei jedem Versuche der Bewegung erleidet, durch den unbedeckten Zustand desselben, da der Patient die Augenlie– der nicht zu schliessen vermag, bilden sich öfters wiederkehrende Entzündungen. Die Exstirpation dieser Geschwülste ist das vorzüglichste Mittel zur Hebung des Uebels. Das– selbe lässt sich jedoch nur in jenen Fällen aus– fuhren, in welchen die Geschwulst auf einer oder der andern Seite der Orbita haftet, und nicht in der Tiefe derselben sich entwickelt hat. Die Geschwulst zeigt sich gewöhnlich dem untern Rande der Augenhöhle gegenüber stehend. Nach– dem der Kopf des Patienten durch einen Gehül– fen gehörig festgehalten ist, spannt der Wund– arzt die Haut, und schneidet dieselbe dem Laufe der Fasern des Orbicularis folgend so ein, dass der Schnitt beiderseits über die Ränder der Geschwulst hinausreicht; der Sack wird nun vor– sichtig von dem locker daran befestigten Zellgewebe gelöst, mittelst eines feinen Häkchens ge– fasst und angezogen, wodurch die Ausrottung erleichtert wird. Sollte der Sack durch unvor– sichtiges Einschneiden geöffnet und entleert, oder durch das eingeführte Häkchen zerrissen wer– den, so muss die Ausschälung dennoch versucht werden, obgleich dieselbe in diesem Falle beträchtliche Hindernisse setzt. Die nachfolgende Blutung ist sehr gering. Wenn der Sack rein

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