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stige Einreibungen, belegt dasselbe mit reitzend zertheilenden Pflastern. Diese Zertheilungsversuche bringen, indem die Geschwulst immer weicher, beweglicher und kleiner wird, Zertheilung her– vor, oder aber sie erregen Entzündung, die Ge– schwulst wird empfindlich und roth; es bildet sich Eiterung, welche durch Breiumschläge unterhalten, wie beim Hordeolum behandelt werden muss. Man hat vorgeschlagen, das Chalazion durch den Aetzstein zu entzünden, zum Theil zu zerstören, und bis zur gänzlichen Vereiterung desselben mit einer scharfen Digestivsalbe zu verbinden; oder einen Schnitt in horizontaler Rich tung durch das Chalazion zu führen, nnd das– selbe alsdann durch reitzende Arzneistoffe in Ei– terung zu versetzen "). Bei beiden Heilversuchen, die immer nur sehr langsam wirken, lauft man Gefahr, eine carcinomatöse Metamorphose herbeizuführen, oder einen zu grossen Theil der Decken des Augenliedes zu zerstören, und Verbildung des Augenliedrandes oder des ganzen Augenliedes zu bedingen. - - - Wenn man bei den Sackgeschwülsten Zertheilungsversuche, die jedoch gewöhnlich ohne Erfolg sind, machen will, so hüte man sich vor starkreitzenden Einreibungen, welche, statt zu zertheilen, die Haut entzünden, und einen Substanzverlust hervorbringen können. Man unterlasse, in der Absicht den Sack zu öffnen und zu vereitern, Aetzmittel anzuwenden; schwer zu he– bende Nachkrankheiten, die Trockenheit des Aug– apfels durch Verschliessung der Ausführungsgänge der Thränendrüse, fistulöse Haaröffnungen dersel– ben, Lagophthalmos können durch Verlust der Hautdecken etc. die traurigen Folgen eines solchen Verfahrens seyn. - Die Exstirpation ist für die Chalazien sowohl,

“) Schmucker chirurg Wahrnehmungen. - Thl. S. 568.

als für die Balggeschwülste das geeignetste Verfahren. Hat irgend eine Geschwulst dieser Art Neigung zur carcinomatösen Metamorphose, dann darf die Ausrottung derselben nicht verschoben werden. Beim Chalazion sowohl, als beim Tumor cisticus des Augenliedes macht man einen horizontalen Hautschnitt, damit die Fasern des Orbicularis nicht durchgeschnitten, sondern nur getheilt werden, und eine nach der Operation zurückbleibende Narbe in den Falten des Augenliedes sich zu verbergen vermag. Die Winkel, des Schnittes müssen beiderseits über die Ränder der Geschwulst hinaus sich erstrecken; auch muss die Haut gänzlich durchgeschnitten seyn. Bei der Ausschälung einer Balggeschwulst mit flüssigem Inhalte, hüte man sich beim Hautschnitte, den Balg zu öffnen, da derselbe nach der Entleerung zusammensinkt und dadurch die Ausschälung er– schwert. Mit der anatomischen Pincette fasse man nun einen Wundrand nach dem andern, um mittelst eines Scalpells die Verbindungen der Geschwulst mit dem umliegenden Zellgewebe aufzuheben. Man lasse nun die Wundränder von einander entfernt halten, setze die Spitze eines Häkchens in die Geschwulst, ziehe diese etwas gegen sich, und trenne sie behutsam von ihren Verbindungen los. Die Blutung wird durch kaltes Wasser gestillt, und dann die Vereinigung bei kleinen Wunden durch Streifcheu des englischen Taffets, bei grössern Wunden durch blutige Hefte, sorgfältig bewirkt. Das Chalazion, welches an der innern Fläche des Augenliedes liegt, wird ebenfalls exstirpirt, bei Vornahme der Operation wird das Augenlied umgestülpt, der erste Schnitt durch die Conjunctiva palpebralis geführt ).

) Delpech (im a. w. 3. B. S. 437 ) bemerkt, dass, wenn die auszurottende Geschwulst in der Nähe der Commissuren sich befände, die Ausstülpung nicht genügend beNicht immer lassen die Balggeschwülste und die Chalazien eine vollkommene Ausschälung zu, indem die Ausführung derselben Verbildung des Augenliedes, und eine dieser folgende Nachkrank– - keit bewirken könnte. Wenn das Chalazion auf dem Rande des Tarsus unmittelbar aufsitzt, oder wenn eine Balggeschwulst, mit dem Augenlied– knorpel, oder mit der vordern Wand des Thrä– mensacks in Verbindung steht, dann würde die Losschälung, ohne Verletzung der unterliegenden Theile nicht gelingen. In diesen Fällen begnügt man sich mit der partiellen Exstirpation, erregt den Eiterungsprocess, durch welchen die zurückgebliebenen Theile des Chalazion schmelzen, und durch welchen die zurückgebliebene hintere Wand des Balges bei Balggeschwülsten ihre Individualität als seröshäutiges Gebilde verliert, eine regressive Metamorphose einschlägt, und zur allgemeinen Zellform zurückschreitet, aus welcher sie sich hervorgebildet hat. Auf diese Weise wird, wie bei der vollkommenen Ausschälung Heilung erlangt. .

Von den Geschwülsten in der Augengrube.

In jedem Theile des Organismus kann vermöge seiner zellstoffigen Grundlage durch krankhaften Process ein neues Organ, das seine individuelle Stellung durch eigenthümliche Producte ausdrückt, hervortreten.

In der Augengrube findet auf diese Weise die Bildung neuer Organe Statt, welche unter verschiedenen Benennungen aufgeführt werden. In dem Zellgewebe der Thränendrüse bildet sich der Dacryops und die Hydatis, an verschiedenen Puncten der Augengrube Hygrome, Atherome, Steatome und selbst jene Geschwülste, welche Blut

wirkt werden könnte, in welchen Fällen alsdann der Einschnitt von aussen her gemacht werden müsste.

schwämme (Angiectasien, Anevrismen durch Anastomose) genannt werden. Die Folgcn dieser G

eschwülste sind nach ihrer Lage, Grösse und Beschaffenheit verschieden; sie bestehen in Druck des Augapfels und der in der Augengrube ent– haltenen Theile, in Vordrängen des erstern aus seiner normalen Stellung; man beobachtet die Zufälle des Exophthalmos oder der Exophthalmie. Der Dacryops und die Hydatis der Thränendrüse!) bilden dem Wesen nach eine und die– selbe Krankheit. Es entsteht in dem Zellstoffe der Drüse ein seröser absondernder Sack. Die Verschiedenheit der Form dieser Krankheit rührt von der Lage des Sackes her *). Hat sich die Cistis auf der Oberfläche der Thränendrüse gez bildet, so entsteht der Dacryops, eine an dem obern Augenliede gegen die Ä. hin bemerkbare, elastische, beim Drucke unschmerzhafte, mit der Haut gleichfarbige, begränzte Geschwulst, die nussgross werden kann. Wird die Geschwulst von aussen gedrückt, so zeigt sich dieselbe zwischen den Augenliedern und dem Augapfel. Der Druck

1) Beide Benennungen, obgleich unpassend, sind allgemein angenommen, und werden auch hier beibehalten. 2) A. Schmidt (über die Krankheiten des Thränenorgans. Wien, 18o3. S. 68) erklärt die Entstehung der Geschwulst, welche er Dacryops nennt, durch die fehlerhafte Ausmündung eines oder mehrerer Ausführungsgänge der Thränendrüse in eine Zelle des in der Nähe der Thränendrüse liegenden Zellstoffes. Je mehr die Menge der Thränenfeuchtigkeit zunehme, um so mehr vergrössere sich der Raum der Zelle, indem diese dichter an andere Zellen gedrängt würde, deren Raum eben dadurch aufgehoben werden müsste. Dadurch bilde sich dann zuletzt aus dem von einer ursprünglich aufgetriebenen und angefüllten Zelle dicht zusammengedrängten Zellstoffe der eigene Sack, der als Behälter der Thränenfeuchtigkeit zu betrachten sey. Würde auf diese mechanische Weise der Sack gebildet, so müsste er hart, kallös seyn, bringt im Auge feurige Funken, und eine lästige schmerzhafte Empfindung hervor. Bei genauer Untersuchung kann man Fluctuation und den tiefern in die Orbita sich erstreckenden Sitz dieser Geschwulst wahrnehmen. Wenn der Sack durch was immer für eine Veranlassung geöffnet wird, so bleibt, gewöhnlich gegen den Schläfewinkel hin, eine fistulöse, die Grösse eines Stecknadelkopfes nicht übersteigende Oeffnung zurück. Die Absonderungsfähigkeit der serösen Umkleidung des Sackes dauert fort, eine durchsichtige, dem Glaskörper ähnliche Flüssigkeit, wie in den Hygromen, sammelt sich an, dehnt den Sack aus, der durch einen gelinden Druck, indem die Flüssigkeit in dem feinsten Strahle durch die fistulöse Oeffnung hervorgepresst wird, entleert werden kann. Die absondernde Thätigkeit des Sackes ist so gross, dass derselbe täglich 2 bis 3 Mal sich füllt. Wenn er beim Weinen des Individuums schneller sich füllt, so läst sich dieses durch die, von der Thränendrüse dem belebten absondernden Sacke mitgetheilte, vermehrte Thätigkeit erklären. Niemals erregt diese Geschwulst Exophthalmos, " - - - - was jedoch der Fall nicht ist; die Ausdehnung müsste bis 7um Zerplatzen zunehmen, und es würde sich das Uebel, da die fehlerhafte Ausmündung als Bildungsfehler bestehen würde, in der ersten Kindheit zeigen. Die Individuen, an welchen Schmidt das Uebelheobachtete, hatten, eines das 12te, das andere das 16te Jahr erreicht. Schmidt selbst hatte nur diese zwei Fälle gesehen; das Vordrängen der Bindehaut zwischen den Augenliedern nnd dem Augapfel in Gestalt eines Sackes, wenn die Geschwulst aussen am Augenliede gedrückt wird, nebst der sichtbaren Zunahme des Sackes, wenn der Patient weint, hält er für die einzigen pathognomonischen Merkmahle Das erstere hat aber das Uebel mit andern Geschwülsten gemein, das zweite lässt sich nicht leicht begreifen, ohne sich nicht auch eine nachfolgende Abnahme der Geschwulst zu denken, es würde sonst ein ungeheuer schnelles Wachsthum derselben Statt finden. -

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