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180 erfeCtU1 Das Augenlied ist hier vollkommen Umgestülpt, die Conjunctiva desselben bildet eine weiche, glatte, schlüpfrige, leicht blutende Fläche, ohne jedoch in ihrer Organisation auffallend gestört zu seyn. Die Art der Ausstülpung geht gewöhnlich in das sargomatöse Ectropium, welches jedoch auch gleich ursprünglich in der sarcomatösen Form aufzutreten vermag, über, wobei die Anschwellung der Conjunctiva beträchtlich, und körnicht beschaffen ist. Durch das längere Bestehen dieses Zustandes wird die Conjunctiva so, abgestumpft, dass die rohesten Betastungen, ohne Schmerz zu erregen, vertragen werden. Mit dem sarcomatösen Ectropium kommt die Ausbildung einzelner Fleischgewächse überein, welche der Conjunctiva entsprossen, und gewöhnlich eine theilweise oder gänzliche Umstülpung des Augenliedes bedingen. Hier ist die sarcomatöse Ver– bildung nur auf einzelne Puncte der Conjunctiva. beschränkt. Man unterscheidet das mit einer breiten, Basis aufsitzende Sarcoma von jenem, welches einen Stiel oder Hals hat. So wie das sarcomatöse Ectropium oft schon während einer heftigen Entzündung sich zeigt, so dass es selbst in diesem Zeitpuncte keine Einstülpung mehr erlaubt, eben so findet gewöhnlich im Verlaufe der Entzündung die Bildung der Sarcome Statt. Der Ä ist nichts anderes, als ein hoher Grad des Ectropiums, wobei die Integumente verkürzt sind, und das Augenlied ausgestülpt ist; es wird nun bald ein krankhafter, aufgewulsteter, durch chronische Entzündung bedingter Zustand der, den äussern Schädlichkeiten aus– Ä Conjunctiva folgéro. Der Patient ist bei ohem Grade des Uebels, die Augenliedspalte zu schliessen, nicht vermögend. Befindet sich Verkürzung am obern Augenliede, so wird der Augapfel immer unbedeckt seyn; der Kranke wird mit offenem Auge schlafen.

so eher ein Ectropium sich bildet. Die Lähmung

Ein krankhaft veränderter Zustand des Tarsus ist

senden Mittel, durch eine geregelte Lebensweis

Scarpa ) giebt vorzüglich zwei Ursachen an, welche das Entstehen des Ectropium bedingen, die krankhafte Verlängerung der Conjunctiva, und die Verkürzung der äussern Bedeckungen. Die erste ist Folge schleichender Entzündungen der Conjunctiva; die letztere entsteht durch zusammenfliessende Pocken, Verbrennungen, Geschwülste,

Abscesse, Furunkel, Carbunkel, welche einen Theil

der Bedeckungen des Augenliedes zerstören, und einen Substanzverlust bedingen. Es scheint eine angeborne Disposition zum Ectropium durch Kürze der Bedeckungen des Augenliedes zu bestehen. Wenn eine oder die andere Ursache ursprünglich, einzeln eingewirkt hat, so werden sie doch bei, ausgebildeter Krankheit mehr oder weniger sich wechselseitig bedingen. Wenn eine Conjunctivitis längere Zeit besteht, so giebt sie zuweilen Anlass zu Ulcerationen, welche in die Commissuren der Augenlieder eingreifen, wodurch dann, bei dem aufgelockerten Zustande der Conjunctiva um

des Orbicularis soll ebenfalls das Ectropium setzen

gewiss die häufigste Ursache des Ectropiums”). Wenn das Ectropium Folge der Wucherung der Conjunctiva ist, so ist die Prognose gewöhnlich günstig. Vor allem greife man die Ursache des

krankhaft Ä Vegetations-Processes an.

Man hebe die –- - - - - - - liegende Entzündung; man verhüte die Rückfälle der Entzündung. Man bekämpfe ein etwa als Ursache dienendes Allgemeinleiden durch die pas

erselben etwa noch zu Grunde

- - -w- •« - * - ", man suche durch Erregung anderwärtiger Secre

«) Traité des principales maladies des yeux. Trad.de

- Fournier, Pessar et Begin. Paris, 1824. T.1 p. 65.

2) Küntzel (Diss Actiologiae Ectropi et Entropii examen criticum continens. Halae, 1792, S. 27), hat durch Gründe diese Behauptung festgestellt.

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tionsorgane durch Setzüng der Fontanelle, des Haarseils, des Seidelbastes etc. die hier eingenistete krankhafte Reizung zu entfernen. Bei dem geringern Grade des öÄ. dienen örtlich der Mercur. dulc., Bolus, Tutia, in Verbindung mit Fett, um die fehlerhafte Irritation zu heben; adstringirende Augenwasser, Scarificationen, werden ebenfalls empfohlen. Das Opium als Tinctur für sich allein, oder in Verbindung mit Naphten täglich über das Ectropium einige Mal gepinselt, soll ingeringerem Grade desselben Hülfe gebracht haben. Das vollkommene Ectropium, so lang, der sarcomatöse Zustand und die Härte des Augenliedes nicht beträchtlich sind, eben so däs unvollkommene Ectropium, im Falle es den genannten Mitteln nicht weichen würde, fordern die Anwendung der Aetzmittel, unter welchen der Höllenstein das diesen Fällen entsprechendste ist. Zu diesem Behufe wird das umgestülpte Augenlied abgetrocknet, und dann die Ä Fläche im Ä Umfange mit dem Höllensteine stark beupft, damit sich ein Schorf bilde. Die bedupfte Fläche wird mit einem reinen Oele bepinselt, damit nicht etwa Theilchen des Aetzmittels, mit den Thränen sich mischend, den Augapfel berühren. Sollte die nachfolgende Entzündung heftig zu werden, drohen, so dient zur Verhütung eines hohen Grades derselben das öftere Eintröpfeln der lauen Milch. Das Aetzmittel muss gewöhnlich durch mehrere Tage wiederholt angewendet werden !). Wenn man bei körniger Verbildung der Conjunc1iva von diesem Verfahren Gebrauch machen will, so muss dieselbe jedes Mal zuvor scarificirt werden *). Ist der sarcomatöse Zustand der Conjunctiva beträchtlich, dann dient das Ausschneiden derselben. Man fasst mittelst der Pincette oder

4) Scarpa, im a. W. 1. B. S. 47 1. 2) Beer, i. a. W. 2. B S. 136.

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eines Häkchens die granulirende Fläche, hebt dieselbe, um sie von Ä Augenliedknorpel zu entfernen, in die Höhe, und schneidet sie mittelst der Schere oder des Messers aus, ohne jedoch den Tarsus zu verletzen, da durch dessen Verletzung ein Entropium gebildet werden könnte. Bleiben nach der Operation Theile der wuchernden Bindehaut zurück, oder zeigt sich neue Gramulation, so wird das Messer oder der Höllen– stein, oder beide abwechselnd ) zur Entfernung derselben in Gebrauch gezogen. Das Glüheisen wurde von Hippocrates, Celsus, in neuern Zeiten von Percy empfohlen, von Gräfe aber mit Er– folg in Anwendung gezogen, nachdem durch ihn eine zweckmäsige Encheirese aufgestellt war. Das Auge wird vor der Einwirkung der Hitze durch ein nassgemachtes Kartenblatt geschützt; das Glüheisen hat eine dem Umfange der zu berührenden Fläche entsprechende Form. Die Anwendung muss gewöhnlich einige Mal wiederholt werden, wobei jeÄ zu bemerken ist, dass immer ein Zeitraum von 14 Tagen abgewartet werden muss, ehe man zur Wiederholung der Operation schreitet *). Hängende und breit aussitzende Sarcome müssen weggeschnitten und der Boden, auf welchem sie wurzelten, mit Höllenstein berührt werden. Wenn eine Verkürzung der Integumente des Augenliedes das Ectropium verursacht, und der Verlust derselben nicht beträchtlich war, so dient das angeführte Ausschneiden der Conjunctiva, um die Heilung zu bewirken. Ist die ausgestülpte Membran sehr hart, so soll sie durch lauwarme Bähungen und ölichte Einreibungen vor der Ope– ration etwas erweicht werden, wodurch die Integumente nachgiebiger werden sollen. Das Aus

lich dieses gemischten Verfahrens 2) De Ectropio sarcomatoso per serramentum candens sanando. Auct. G. Luce. Berolini, 4 81 8.

) Deneur (i. a. W. 4. B. S 4oo) bedient sich gewöhn

dehnen der letztern mittelst der Heftpflaster ist ein ungeeigneter, zweckloser Vorschlag. Nach Scarpa *) soll die Conjunctiva des Augenliedes in dem ganzen Umfangc exstirpirt werden; sie werde an dem Rande des Augenliedes mittelst eines kleinen Scalpels eingeschnitten, wobei die Verletzung des Thränenpünctchens gemieden wird; mit der Pincette wird an dieser Stelle die Conjunctiva gefasst, bis dahin losgetrennt, wo sie über den Augapfel sich umschlägt, dann mittelst der Schere vollends losgeschnitten. Der Monoculus wird angelegt, um das Augenlied an den Augapsel anzudrücken, und das Anschliessen des erstern an den letztern zu bewirken. Scarpa bemerkt, dass in Fällen, in welchen die Verkürzung der Decken nicht beträchtlich ist, die Missstaltung zwar nicht gänzlich, jedoch grösstentheils durch dieses Verfahren gehoben werde. -

Für solche Fälle, und auch dann noch, wenn ein beträchtlicher Theil der Integumente zerstört,

wenn das Augenlied durch Narben herabgezogen

ist, und so tief steht, dass es in der Höhe des

Orbitalrandes sich befindet, hat Adams *) ein Verfahren vorgeschlagen, für dessen Werth die Erfahrung entschieden hat, da Fälle, in welchen die angegebenen Encheiresen fruchtlos angewendet wa– ren, dadurch geheilt wurden *). Ist eine Narbe 1) I. a. W. 4. B. S. 68. - - 2) Pratical observations on Ectropium, or Eversion of the Eyelids etc. London, 1812. p. 4 et seq. 3) Roux (Relation d'un voyage fait a Londres. Paris, 1815. p. 29 ) behauptet, dass nach der gewöhnlichen Operation des Ectropiums durch Ausschneidnng der Conjunctiva, keine Neigung zu Rückfällen vorhanden sey, dass die Heilung in den Fällen, in welchen keine beträchtlicbe Verkürzung der Bedeckungen vorhanden ist, durch - das gewöhnliche Verfahren vollkommen gelinge. Adams - behauptet, dass durch seine Methode immer eine vollkommenere Heilung folge, und dass nie ein Rückfall möglich sey. -

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