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Am folgenden Morgen, Sonntag, den 16. Juni, fuhren die fämmtlichen Mitglieder nach Thale, von wo ein Theil noch an demselben Tage der Heimath zueilte, während die größere Zahl noch eine Ercursion nach Staßfurt machte, um die dortigen Bergwerke in Augenschein zu nehmen. Referent war leider nicht im Stande, der Legteren beizuwohnen; er muß deinnach die Schilderung derselben einer anderen Feder überlassen.

Ieder, welchem die Gelegenheit wurde, das schöne Feft mitzus maden, wird ficherlich die Ueberzeugung nach Hause genommen haben, daß in beiden Vereinen, dem Ingenieurbereine und

ber fütte, ein gesunder Stern und ein trefflicher Geift lebt, und möchte demnach zum Schlusse der während der Fefttage bielfach laut gewordene Wunsch und die Hoffnung ausgesprochen werden,

daß es allen Feft theilnehmern vergönnt sein möge, einem 20. resp. 30. Stiftung8fefte beider Vereine, an gleicher Stelle und in gleicher körperlicher und geistiger Jugendfrische beizus wohnen.

E. P.

Abhandlungen,

Die Roheisenindustrie Nordenglands.

Von H. Schlink, Şüttendirector.

(Vorgetragen in der Versammlung des technischen Vereine für Eisenhüttenwesen vom 18. März 1866 zu Düsseldorf.)

(Hierzu Figur 1 bis 4, Tafel XVII.)

(Schluß von Seite 645.)

Fig. 1 und 2, Tafel XVII, geben einen Grundriß und einen Querschnitt, legteren in größerem Maßstabe, der neueren Hobofenanlage in Southbant. Da dieselben nach einem flüch- : tigen Halbtägigen Besuche aus dem Gedächtnisse sfizzirt sind, so können sie nur Anspruch auf annähernde Richtigkeit machen, und mag manches Fehlerhafte sich eingeschlichen haben.

Eine stark geneigte Rampe (vielleicht 1:30) führt von dem Niveau der Eisenbahn auf eine Reihe ziemlich großer Röstöfen a, a .. mit regelmäßig zwischenliegenden Brüden b,b.. In die Röstöfen werden die Erze direct gestürzt, zwischen die Brüden Cofe und Ralfstein, und ist der Gots so fest, daß er verhältnißmäßig wenig dabei leidet. Um die Rampe nicht zu steil zu machen und doch eine entsprechende Höhe der Rösts öfen und des Raumes unter den Brüden zu erhalten, liegt das Terrain zwischen den Röstöfen und þohöfen c,c.. (mit Gußplatten belegt) 15 Fuß (4",6) tiefer, als der Bodenstein der Bohófen, und ist zum Abschlusse in der Frontlinie der Legteren die Futtermauer d,d.. gezogen.

Die Formgewölbe sind durch Brücken den Schmelzern zugänglich gemacht. Soweit erinnerlich sind die meisten Waggons Trichterwagen, welche durch Deffnen der unteren Klappe fich entleeren. Mehrere den vereinigten Werfen gehörige Tenderlocomotiven besorgen den Transport der Rohmaterialien auf den Hüttenplägen. Die Einfachheit des Betriebes auf den Rampen würde manchem deutschen Eisenbahnbeamten zu einem bedenflichen Kopfschütteln veranlaßt haben. Mit einigen fräftigen Püffen wird die ganze Wagengesellschaft auf ihren hohen Standpunkt befördert, und dem Grundlage treu: „time is money“ eilt die Tendermaschine schnaubend und puffend die Rampe hinunter, über Weichen, Drehscheiben und Brücken fliegend, um dem Nachbar denselben Liebesdienst zu erweisen. Diese Kampenanlage für die Anfuhr der Rohmaterialien ist eine im Norden Englands ziemlich stereotype, nur oft ohne die Röstöfen.

Für 6 Oefen find 2 Gichtthürme e, e vorhanden, aus 6, durdy 6 bis 7 zöllige (150 bis 180mm) Flanschenröhren ge

bildeten, Säulen bestehend, welche durch gußeiserne Traversen und schmiedeeiserne Spannstangen zu einem soliden Ganzen verbunden sind. Die Röhren dienen zugleich als Wasserleitung für die die Gichtthürme abschließenden Baffins f,f (Fig. 2) der Wasseraufzüge. Sehr viele neuere Werke sind mit diesen bei uns gar nicht mehr beliebten Aufzügen versehen, deren freie, ausgefeste Lage nur durch das milde Klima motivirt werden fann. Die Gichtthürme machen einen eigenthümlichen spinnwebeartigen Eindruck, scheinen aber solide und bei der großen Höhe nicht sehr theuer zu sein. Die Fördergestelle sind groß und zur Aufnahme mehrerer Wagen eingerichtet. Leßtere, mit 2 leichten, großen Rädern versehene, schiebfarrenartige Fahrzeuge, lassen sich sehr bequem und leicht handhaben, haben aber feinen großen Fassungsraum; die Räder find ohne Spurkränze, da allenthalben Plattenbelag eingerichtet ist.

Die 6 neuen Defen haben von Bodenstein bis Gicht eine Höhe von 81 Fuß engl. (24",7) (erscheinen natürlich von der hinteren Seite 15 Fuß (4",6) höher), 7 Fuß (2",1) Gestell weite, 19 Fuß (5",8) Kohlensad, 11 Fuß (3",3) Gichtweite und 3 Formen. Selbst das Gestelle ist aus kleinen Steinen hergestellt. Das untere massive Rauhgemäuer ist achtfantig in Ziegelmauerwerf aufgeführt, auf welches sich der obere Theil in Form eines cylindrischen Blechmantels auffeßt. Sämmtlid Defen sind durch breite Blechbrüden g verbunden und arbeiten mit geschlossener Gicht und zwar mit dem befannten von Parry in Ebbw - Vale in Süd-Wales erfundenen sich nach unten senkenden Trichter*). Die Gase werden in zwei unter dem Gichtplateau liegenden Canälen nach außen und von dort mittelft der senkrechten Rohre g,gi.. nach der 8 Fuß (2”,5) weiten Leitung bh geführt, welche, durch Säulen ges stüßt, den Defen entlang bis nach den Kesseln i,i.. fich hin: zieht. Legtere, sowie die Seizapparate fönnen mit den Gichts gasen betrieben werden.

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1

Die Kefselanlage i,i.. besteht aus 12 in eine Gruppe zusammengedrängten, incl. der halbfugelförmigen Enden 71 Fuß (21”,7) langen, 5 Fuß (1“,5) weiten Kesseln. Die Gichtgase treten an dem Kopfe ein und streichen nur einmal direct unter den Kesseln her, zum Zugcanale hin. Ein großer Hahn oder Drehschieber ist zur Absperrung eines jeden Gaszuführungsrohres vorhanden; die Speisung geschieht durch mächtige Injecteure. Auffallend waren die sehr eleganten Thürplatten mit Rosettenschieber zur Regulirung des Luftzutrittes. Die Kessel waren übrigens auch mit Rosten zur directen Feuerung vers sehen.

Für die 6 Defen sind 3 Maschinen angeordnet (eine war bereits im Gange), jede in einem besonderen Bause j,j,j. Es sind einfache Hochdrudbalanciermaschinen ohne Condensation und irgend eine Pumpe, von 8 Fuß (21,44) Şub und 100 Zoll (2“,54) Gebläsecylinderdurchmesser. Die neuesten Maschinen hatten starte Blechbalanciers (von Fairbairn in Manchester ausgeführt), und war die mittlere Stellung der Kurbelstange feine senkredyte, sondern eine schiefe (Fig. 4), wodurch die Kurbel eine größere Länge erhält, Zapfen und Stange einem geringeren Drucke ausgeseßt sind.

Die Kurbelstangen bestehen, wie in England ießt häufig, aus Eichenholz mit durchgehenden schmiedeeisernen Beschlag(dienen. Sehr sauber gehobelt und gefirnißt machen sie einen ganz gefälligen Eindruck und haben jedenfalls den Vorzug der Leichtigkeit bei großer Stärke. Das Holz dazu muß aller: dings sehr guter Qualität und durchaus troden sein. Schwere jolide ganz durchgehende Fundamentrahmen bilden die Basis der Maschinen. Die älteren Gebläse (das System ist auf den 3 combinirten Werfen noch in mehreren Fremplaren vertreten) haben wohl starfe Pyramiden als Unterstügung der Balancierlager, die neueren dagegen einen in den Umfassungsmauern des Gebläsehauses aufliegenden Querbalken, unterstüßt durch 2 fräftige Säulen.

Schön und einfach ist die Ventilsteuerung construirt, welche Expansionen von }, , , gestattet, und wird jedes Ventil durd, ein besonderes Excentrif gehoben. Bei 16 ilmdrehungen, welche wir beobachteten, 42 Pfd. pro Quadratzoll (2,95 Kigrm. pro Quadratcentimeter) Dampfspannung und 4 Pfd. pro Quadrats zoll (0,28 Klgrm. pro Quadratcentimeter) Windpressung, liefert jede Maschine ein theoretisches Windquantum von 13,864 Cbffb. englisch (387,631 Cbfmtr.) pro Minute, also für jeden Ofen 6932 Sbffl. (193,765 Cbfmtr.); 256 Fuß (78m) Kolbengeschwindigkeit pro Minute; für den Gebläsekolben ist dies ziema lich viel und wird von hiesigen Gebläsen nicht oft erreicht. Es war zweifellos, daß die Maschinen audy noch rascher arbeiten fönnen. Der Dirigent der 3 vereinigten Werke, Mr. Hill, erklärte, in den nächsten Tagen den dritten Ofen anblasen zu wollen, ohne die Fertigstellung der zweiten Maschine, mit deren Montirung man beschäftigt war, abzuwarten.

Das Princip und die Ausführung der Maschinen halte ich für eines der empfehlenswerthesten Systeme; nur dürfte der Sub noch etwas größer sein, denn die Grenze für die Schnelligkeit des Ganges wird bei Gebläsen weniger durdy die Größe der Kolbengeschwindigkeit, als durch die Anzahl der Wechsel bedingt. Der Preis der neuesten Gebläsemaschinen wurde uns zu 2600 £s. (17,333 Thlr.) angegeben.

Das Windwärmersystem besteht aus nicht weniger

als 21 Heizapparaten, nämlich 9 Stück k, k.. mit 3 Reihen und 12 Stüd 1,1.. mit 2 Reihen von je 8 Doppelröhren (sogenannten Hosenröhren) von 164 Fuß (4",88) Länge und einem lichten ovalen Querschnitte von 124 Zoll X 41 Zoll (317mm x 114mm). Die totale Heizfläche (innerer Querschnitt) ergiebt sich demnach = 33,660 Qdrtfß. (3,127,014 Qdrtmtr.) oder 5610 Qdrtfß. (521,169 Qdrtmtr.) für den Ofen, 1870 Quas dratfuß (173,723 Qdrtmtr.) für jede Form.

Sämmtliche Apparate erhalten den falten Wind aus dem durch Säulen gestüzten Windregulator mm von 6 Fuß (1",83) Durchmesser und geben den erwärmten wiederum in eine geineinschaftliche, aber fleinere Röhrenleitung n (Fig. 2) ab, von welcher die einzelnen Leitungen nach den Düsenständern sich abzweigen. Das ganze Röhrensystem liegt über Tage, ist in Folge dessen leicht zugänglich und sehr regelmäßig angeordnet.

Fünf niedrige Essen 0,0.. vermitteln den Zug. Die Apparate fönnen sowohl durch Gichtgase, sowie auch durd) directe Feuerungen betrieben werden. Die Windwärme war bei unserer Anwesenheit wenigstens Bleischmelze (350° C.), denn es wurde ein Schmelzer beobachtet, welcher ein Bleistäbchen in einen Düfenständer einsenfte und es abgetropft herauszog. Daß übrigens die Calamität des öfteren Durch brennens der Röhren auch dort existirt, bewiesen große Baufen verbrannter Gußstücke auf den Nachbarwerfen, welde mit ähnlichen Apparaten ausgerüstet sind. Bei der großen Anzahl fann aber faum eine Betriebsstörung durch nöthige Reparaturen, felbst bei mehreren Apparaten zugleich, entstehen.

Eine Gießhalle ist, wie bei den meisten englischen Werken, nicht vorhanden. Eine 3 bis 4 Fuß (0",9 bis 1",2) hobe Mauer p,p.. und der zwischenliegende ansteigende Raum, mit feinem, idhneeweißem Meeressande, mit zahllosen Muschelresten, ausgefüllt, bilden das Maffelbett. Das Eisenbahngeleise a liegt einige Fuß tiefer als das Sandbett, und ist dadurch dàs Einladen des Roheisens fehr erleichtert. Noch warm werden die Masseln in die Waggons geworfen und abgefahren. Ein Roheisenvorrath

, auf den einzelnen Werfen war nicht zu sehen.

Southbank hat den besten Schlackensturz, welcher überhaupt denkbar ist, nämlich das weite Weltmeer, in specie die Nordsee. Eine Locomobile schafft die mit großen Schladenfuchen beladenen Wagen auf den Zweigbahnen r,r.. zur See und stürzt lange Molen in's Meer hinein.

Nicht so glüdlich sind die Nachbarwerke: Clay-lane hat einen recht stattlichen Aufzug und machte fünstliche Berge. Cleveland bildet ganze Züge von großen Schlackenwagen (normaler Spurweite), und schaffen gewöhnliche Locomotiven dies jelben auf der Hauptbahn zum Meere. Es machte einen eigens thümlichen Eindruck, auf demselben Bahnhofgeleise, auf welchem eben ein Personenzug uns in Eston-Junction ausgeladen hatte, einen solchen Schlađenzug mit Wagen ohne Federn unter großem Gerassel dahinfegen zu sehen und zu hören. Ein be fonderes Personal an den Schlackentriften bemerkten wir nicht; wahrscheinlich besorgten die beiden Leute auf der Locomobile in Verbindung mit den Schmelzern das Nöthige.

Die Baulosten der Neuanlage der 6 Defen wurden zu 120,000 £s. = 800,000 Thlr. angegeben, in wieweit dabei

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Grunderwerb, Eisenbahnverbindung 2. betheiligt sind, fann nicht angegeben werden; aber wahrscheinlich sind es allein die directen Bauauslagen.

Die älteren Theile der Werke in Eston, sowie das, was wir in Middlesborough faben, boten nichts Bemerfensiverthes dar. Die meisten Neubauten hatten mit der oben beschriebenen Anlage in Disposition und Details viel Aehnlichkeit, während dessen das Heltere sich in den mannigfaltigsten, nicht immer schönen Anordnungen und Formen darstellte. Wahre Rumpelkammern von älteren Gebläsemaschinen, wo namentlich M'. Slate mit seinen Mantelschiebergebläsen wenig Lob eingeerntet hatte, eine vollständige Musterfarte von Aufzügen, schiefe Ebenen, Dampfzüge mit einem einzigen Korbe, wo die Gegengewichte in den 4 Säulen, welche den Gichtthurm bildeten, niedersanken, pneumatische Aufzüge 26.

Ein Curiosum mag hier noch erwähnt werden. Gine Firma in Middlesborough, ich glaube Silfes & Co., hatte fich zur Anlage großer Horizontaler Gebläsemaschinen verstanden. Eine war aufgestellt, die andere im Baue begriffen. Die colossalen Maschinen von 9 Fuß (2",7) Hub und 9 Fuß (2,7) Gebläsecylinderdurchmesser (Kolbenstange 7 Zoll (180mm) resp. 10 Zoll (255mm) did und massiv, Schwungrad 22 Fuß (6",7), hatten die eleganteste Behausung, einen wahren Palast mit gothischen Fenstern in Hausteinen und im Inneren mit schön verzierten Säulen ausgerüstet. Die Anstreicherkunft hatte ihr Möglichstes geleistet. So gut und trefflich die Balanciermaschinen waren, so wenig konnten die horizontalen einer streng prüfenden Kritis entgegentreten. Die reichen bei uns gemachten Erfahrungen an solchen Maschinen sind bis dorthin noch nicht gedrungen. So war beispielsweise zu den Windklappen vulcanifirter Kautschuk in Anwendung gebradit und hatte sich denn in kurzer Zeit nach der Inbetriebseßung zu Feken verarbeitet. Bei unserer Anwesenheit war man im Begriffe, dieselben durch Leder zu erseßen. Allerdings wenn England feine besseren Muster horizontaler Masdyinen aufzuweisen hat, so ist der Mißcredit begreiflid), in welchem dies System dort steht.

Die uns auf den versdiedenen Werfen gezeigten Bruchproben erwiesen sid) als ein graues, etwas förniges Gießereieisen. Wir würden es mit Nr. II bezeichnen. Percy giebt Analysen von zwei auf Southbant erblasenen Robeisensorten aus Cleveland - Erz:

Die oben angeführte Abhandlung von Mr. $. Lowthian Bell (Mitbesiber der Clarence iron works bei Middlesborough, Firma Bell Brothers) enthält noch manches Thatfächliche, welches in Verbindung mit den eigenen Beobachtungen einigermaßen Aufklärung giebt über das Auffallende und Abweichende der dortigen Verhältnisse, und dahin zählen wir hauptsächlich die enorme Höhe der neueren Defen.

Zu Clarence iron works ist durch Versuche festgestellt worden, daß selbst bei der doppelten Quantität Coks, weldje sonst graues Eisen bei warmem Winde erfordert, nur stets weißer Eisen mit faltem Winde erblasen wurde. Derartige Erfahrungen mußten natürlich zu Versuchen führen, den Wind so start wie möglich zu erhißen, und da die Grenzen bei der Anwendung eiserner Röhren doch bald überschritten waren, so wurden audy Experimente mit Defen nach Cowper's System *) (den befannten Siemens'schen Apparaten) angestellt. Es gelang, den Wind bis zu 1000 bis 1200° F. (537 bis 650° C.) zu erhiben; aber bald verloren die Apparate durch den massenhaft fich ablagernden Gichtstaub ihre Wirksamfeit.

In der Neuzeit soll allerdings diesem Uebelstande abgeholfen sein, und die Apparate zur Zufriedenheit arbeiten. Wir sahen nirgends auf den Werfen derartige Einrichtungen, Tondern nur Apparate gewöhnlicher Construction, aber in so großer Anzahl, daß selbst bei mäßiger Feuerung und Defectwerden inehrerer zugleich eine ernstliche Betriebsstörung durch Abnahme der Windwärine kaum eintreten konnte. Die gewöhnlichen Defen des Districtes haben 42, 45 bis 55 Fuß (12,8, 13",7 bis 16",8) Höhe, 14 bis 18 Fuß (4",3 bis 5",5) Kohlenjackdurchiliesser, und erreicht die Production bei 600 bis 700° F. (315 bis 370° C.) die Höhe von 200 bis 220 tons pro Wodje (57,000 bis 63,000 Pfd. pro 24 Stunden).

Nach inündlichen Angaben sollen die 81 Fuß (24",7) hohen Defen auf Southbank 300 tons pro Woche (85,000 bis 86,000 pfd. in 24 Stunden) produciren. Das Eisen, welches bei unserer Anwesenheit erblasen wurde, war grau, und gilt obige Production auch für diese Qualität, so ist sie als eine recht hohe zu bezeidhnen.

Messungen bei zwei Sohöfen der Clarence iron works hatten die Temperatur eines mit geschlossener Gicht arbeitenden Ofens 8 Fuß (2“,5) unter derselben durchschnittlich zu 1200° F. (650° C.) und die eines offenen wenigstens 600° F. (315o C.) höher ergeben.

Die mittlere Temperatur der entweichenden Gase bei ges schlossener Gicht:

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*) Beschrieben Bd. V, S. 141 $. 3.

D. Red. (L.)

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Clarence Nr. 4 producirend

710° F. 2

825° mittlere Temperatur des Gasrohres von 4 Defen 808° Walfer Nr. 4 (pröde

740 Middlesborough weißes Gisen producirend 715°

also durchschnittlich 760° F. = 404° C.

Die Beobachtung der hohen Temperaturen der entweichenden Gase mußte natürlid, auf den Gedanken führen, durch entsprechende Erhöhung der Defen eine bessere Ausnußung der entweichenden Wärme herbeizuführen *). Die Firma Bolfow & Vaughan ging mit dem Beispiele voran, auf Clay - Lane 75 Fuß (22",8) hohe Defen zu bauen, welche, Nr. 4 producirend, im Mittel 517° F. (270° C.) Temperatur der ents weichenden Gase ergaben, also pp. 200° weniger, als die niedrigeren Defen. Da eine erhöhte Production auch herbeigeführt wurde, wie oben erwähnt, so war das Glück der hohen Oefen gemacht. Die 81 FUB (24",7) hohen auf Southbank und die 96 Fuß (291,3) hohen auf Cleveland sind eine weitere Consequenz, und scheint die Schwärmerei so weit zu gehen, daß man, wie mündlich mitgetheilt wurde, fogar Defen von 120 Fuß (36",6) Söhe bauen will. Die Möglichkeit das bei beruht natürlich nur auf der außerordentlichen Festigkeit der verwendeten Cofs und der stüdreichen Beschaffenheit des Erzes und Kaltes, welche selbst bei den colossalen Höhen der Schmelzs säulen nod den nöthigen lockeren Zustand desselben erhält.

Ein Hauptgrund für die Erhöhung mag auch darin zu suchen sein, daß man einen Theil des Röstprocesses in den Hohofen selbst legen wollte. Wenn auch die Sütten durch gehends mit einer großen Zahl Nöftöfen versehen, so sind diese doch keinenfalles genügend, um bei dem vollen Betriebe die Erze in einem gut durchgerösteten Zustande liefern zu können. Welchen Werth man auf eine gute Röstung legt, zeigten eine Werke in Middlesborough, welche so große Röstöfen befaßen, daß wir sie aus der Ferne für kleinere Gohöfen hielten, und erst der nähere Augenschein uns aufflärte.

Bestimmtes über den Cofsverbrauch mitzutheilen, ist uns leider unmöglich); weder die Abhandlung von M'. Bell in den „Transactions“, noch Percy geben darüber genügende Aufklärung. Sdräßungsweise mag derselbe bei der Darstellung des grauen Eisens zwischen 150 bis 170 Pfd. pro 100 Pfd. Eisen liegen. Percy giebt das Schema einer Charge für Clarence iron works wie folgt: Cleveland-Erz 8 Cwts. 0 Qrs. bis 8 Cwts. 1 Qrs.,

(8,16 bis 8,42 Zollctr.) Kalfftein .. .. 2 2 Qrs. bis 2 Owts. 3 Qrs.,

(2,65 bis 2,81 Zollctr.) Cofs .. . 6 0 Qrs. (612 Zollctr.).

Da nicht angegeben ist, ob das Erz geröstet oder nicht, wahrscheinlich aber das Erstere der Fall war, aber feine Analysen gerösteter Erze vorliegen, so könnte die Angabe nur zur Anstellung einer ganz rohen Rechnung dienen.

Hiermit die flüchtige Schilderung der Yorkshire-Verhältnisse beschließend, mag noch der andere Hauptfactor der nordenglischen Roheisenindustrie in wenigen Worten erwähnt werden.

Wenn, wie oben schon erwähnt, die quantitative Pros duction Cumberlands nicht die Bedeutung seiner östlichen Nachbarn hat, so ist die qualitative dagegen von dem größten Werthe. Nicht nur als festes ausgezeichnetes Material für Gießereizwecke ist das Eisen fehr geschäft, sondern auch für den ungemein wichtigen Bessemerproceß bis ießt noch unents behrlich. Hematit, Cleaton f. a. b. Witebaven wurde Des cember 1865 I. Qualität mit 85 sh., III. Qualität mit 70 sh. pro ton (1 Thlr. 11 Sgr. 10 Pf. resp. 1 Thlr. 4 Sgr. 3 Pf. pro Centner) notirt, und nach mündlichen Angaben werden augenblicklich die besten Sorten für den Bessemerproceß sogar bis zu 90 sh. (1 Thlr. 14 Sgr. 3 Pf. pro Centner) bezahlt.

1862 wurden producirt in:

Cumberland 103,455 tons (105,111 fr. Tonnen).
Lancashire 138,563 (140,781

). 1862 wurden in dem Ulverstonebezirke selbst verschmolzen:

167,634 tons (170,316 Tonnen). Ausgeführt nach: Newcastle und Middles borough

3,548

(3,604 = ), nach anderen Pläßen 388,209 (394,420

Summa: 559,391 tons (568,340 Tonnen). 1861 wurde die Anzahl der Hohöfen angegeben:

im Betriebe: Cumberland 13

8,
Lancashire 12

10.
1862:
Cumberland 13

7
Lancashire 14

11. Sowohl die Erzausbeute, als Production und Anzahl der Hohöfen sind augenblidlich viel höher, als obige ältere Angaben.

Das Erz, das bekannte red hematite iron ore, ist ein derber fester Rotheisenstein mit vielen glaskopfartigen Stufen und zuweilen schönen Kaltipathfrystallen. Percy giebt auf Seite 889 und 890 folgende Zusammenstellung von Analysen.

Eisenanalysen: pig iron from red Hematite. Hematite Iron Company Whitehaven, Cumberland.

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Ein Grubencomplex, welchen wir besuchten, in der Nähe der prachtvollen, dem Herzog von Devonshire gehörigen Ruine Furness Abbey, ist ein mit vielen kleinen Schächten bedecktes, nicht sehr großes Terrain, durch eine Zweigbahn mit der Hauptbahn verbunden. Ein rechtes Bild der dort herrschens den Thätigkeit ließ fich nicht gewinnen, da die strenge englische Sonntagsfeier jedes Leben verscheucht hatte. Jedoci fündigte die Menge Waggons, welche zum Beladen bereit standen, ein recht reges Treiben an.

*) Diese Temperaturen sind auffallend hod und finden sich bei normalem Betriebe kaum auf einer Hütte Rheinland-Westphalen8.

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Der Preis des Erzes wurde uns (in preuß. Gewicht und Geld umgewandelt) zu 6 Sgr. pro Centner loco Grube angegeben; doch ist für die Richtigkeit der Angabe feine Garantie zu übernehmen, da sie von einem einfachen Arbeiter herrührt. In der Ebene dicht unter den Gruben wurde uns ein mit vielen Ziegelbränden bedectes Feld, als für die Neuanlage von 6 Hohöfen bestimmt, bezeichnet. Auffallend ist die starke Ausfuhr des Erzes nach den älteren Eisendistricten Englands.

Whitehaven und Barrow an der Westküste Englands scheinen nach eigenen Anschauungen die Haupthäfen für die Verschiffung zu sein. An beiden Orten sind besondere Werfte für das Einladen des Eisensteines errichtet, welcher in für diesen Zweck gebauten, zur Seite zu fippenden Waggons von ca. 80 Ctr. (ca. 4100 Klgrm.) Ladungsfähigkeit, direct von den Gruben angefahren und durch einen Trichter auf einmal in den weiten Bauch eines Seeschiffes gestürzt wird. SüdWales wurde als Hauptbestimmungsziel genannt. Waggon, Trichter, Werft, Schiff und Mannschaft glänzten durch das start abfärbende Erz in einem fettigen rothen Farbentone.

Das bedeutendste Werf des Bezirkes ist das renommirte Ulverstone hematite iron works von Schneider & fans nay in Barrow in Furneß, dicht am Meer (Irish Sea) ges legen. Es wird ausschließlich nur red hematite verhüttet, und erreicht bekanntlich die Production hier die größte Höhe, welche in England bis jegt erzielt ist. Sie wird im Maris mum zu 600 tons pro Woche (171,000 Pfd. in 24 Stunden) angegeben. M. L. Bell giebt für Whitehaven Iron Company 500 tons (143,000 pfd.) an. Die Production ist in der That colossal, denn die Schäßung eines Abstiches (drei in 24 Stunden) ergab mindestens 50,000 Pfd. Die Anlage besteht aus 8 im Betriebe befindlichen (August 1865) in

einer Reihe stehenden Defen und 2 neuen noch im Bau bes griffenen. Die älteren Defen, in normalen Dimensionen, find in der befannten schottischen Weise*) (Blechmantel auf 6 Säulen stehend) construirt, jedoch so eingerichtet, daß man eventuell an 12 verschiedenen Stellen blasen kann. Die neuen Defen sind in größeren Dimensionen erbaut, und roll nad münds lichen Angaben die Production in denselben erheblich vers mehrt werden. Die Rampenanlage für die Materialienanfuhr ist ähnlich, wie in Yorkshire, das Heizapparatsystem wie dort sehr ausgedehnt, und bilden zwei colossale schiefe Ebenen die Gichtaufzüge, auf welchen die Bedienungsmannschaft jedesmal mit nach oben fährt.

Schön sind die neuen Gebläse. In einem eleganten Gebäude befinden sich 3 Maschinen von 100 Zoll (21,5) Gebläsecylinderdurchmesser und 8} Fuß (2",6) resp. 9 Fuß (2,7) Şub (2 Stück 8z, 1 Stück 9 Fuß Sub). Es sind Balanciermaschinen mit Condensation und Pumpen. An einem Ende der Gebläsecylinder, am anderen der Dampfcylinder und von dort aus der Balancier hornartig in die Höhe ges bogen zum Betriebe einer schiefstehenden Kurbelstange und Kurbel von großem Şube. Die Maschinen machten 16 bis 17 Touren, also ca. 288 Fuß (87",8) Rolbengeschwindigkeit pro Minute. **)

Ein Curiosum ist bemerkenswerth. Man wollte bei einem Hohofen die Gase durch ein eingesenktes Rohr ziemlich tief unter der Gicht ableiten. Der Bau eines hohen Kamines

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