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werden bedingen, weniger gefährlich werden, wie diefes jeßt namentlich bei den der Erschütterung ausgesegten Schiffs- und Locomobilfeffein der Fall ist.

Weil durch das Abströmen hochgespannter Dämpfe durch die Ventile nicht nur der Wasserstand im Reel rasch abs nimmt, wodurch Wassermangel namentlich in der Ruhe der Maschine entsteht, sondern auch weil dabei Dampf als theures Fabricat nuklos verfliegt und weil die Ventile doch gar kein Präservativ gegen eine Knallgasexplosion sein fönnen, aber gegen die Ueberspannung der Dämpfe, als ungefährlich, nicht nothwendig und feinenfalls dafür so theuere und für den Wasserverlust gefährliche Mittel angewendet werden follten, so halte ich es für zweckmäßig, die jeßt vorgeschriebene Größe der Ventile zu verringern und zwar nur so groß vorzuschreiben, als zu dem Zwede, dem Kesselwärter die Ueberspannung des Dampfes anzuzeigen, nothwendig ist. Einen weiteren Zwed brauchen die Ventile nidyt zu haben, indem bei richtigem Wasserstande die durch das Reffelfeuer entstandene Ueberspannung des Dampfes in furzer Zeit durch Mäßigen des Kesselfeuers oder Beipumpen von kaltem Wasser beseitigt werden kann. Niemals aber soll eine Ueberspannung, wegen des damit verbundenen gefährlichen Wasserverlustes, durch Abströmen des Dampfes durch die Ventile aufgehoben werden. Die hiernad) erforderlichen fleinen Ventile können, wegen des nur geringen Drudes darauf, bei allen vorkommenden Kesselspannungen direct belastet werden, wodurch deren Functionirung nicht nur gesichert ist, sondern damit auch eine jegt vielfach sehr störende Zuthat der Dampffefsel beseitigt wird.

Da die Manometer eine Knallgasexplosion nicht anzeigen, eine Ueberspannung des Dampfes bei wasserberührter Feuerfläche aber eine Gefahr für den Kessel nid)t hat, so haben dieselben den ihnen bis jeßt beigelegten Werth nicht. Die Ueberspannung wird durch die Ventile, so lange sie dauert, ganz zuverläsity angezeigt, und braudit es dazu eines Manometers nicht. Für eine noch höhere Spannung braucht ein Zeichen nicht vorhanden zu sein, da die Ueberspannung sdon das Zeichen ist, die Dampfentwickelung zu mäßigen, und dauert dieses Zeiden audy so lange an, bis die Mäßigung eingetreten ist. Das Manometer fann nur den Zweck haben und braucht nur dazu zu dienen, dem Kesselwärter die Dampfspannung anzuzeigen, welche unterhalb der Ventilbelastung vorhanden ist, damit er ein Urtheil über die Betriebsfähigkeit erlangt und darnach das Kesselfeiter einzurichten hat. Da diese Anzeige aber nur einen öfonomischen und feinen Sicherheitswerth har, so genügt hierzu jede irgend verlässige Manometerconstruction, und sollte auch von allen Controlmanometern abgesehen werden.

Zur Erhaltung und Ergänzung des Wasserstandes im Kessel sind die bisher vorgeschriebenen mehrfachen Pumpen oder Jujecteure vollständig ausreichend.

Die Wasserstandsanzeiger sollen so beschaffen sein, daß dadurch ein noch viel tieferer Wasserstand angezeigt wird, wie nach den bisherigen Vorschriften möglich war, und fann dieses durch Anbringung mehrerer Krahne unter dem normalen Wafferstande, wie auch durch ein weit hinabreichendes, oder besser noch durch zwei übereinander stehende Wasserstandsgläser er: reicht werden. Wie unnöthig diese Einrichtung erscheint, da ja der Wasserstand nie unter die Marke finken soll, so ist fle

durch eine überall anzutreffende Läffigkeit der Kesselwärter ges boten, welche namentlich beim Anmachen des Feuers nad Stills stand des Reffels, wo sich bei nicht dichtem Refsel meistens Wassermangel findet, immer vorausseßen, daß der Wasserstand nur eben bis unter den unteren Rand des Wasserstandeglases, also nicht viel tiefer wie die Marke gesunfen ist, und dann in der Meinung, ihn durch die Maschinenpumpe nach Angangfeßung der Maschine bald erseßen zu können, davon feinen Nachtheil befürchten. Darin liegt aber die größte Gefahr für eine Explosion, indem beim Wassermangel immer überhißte, wenn auch noch nicht glühende Bleche vorhanden sind, wobei die Dampferzeugung aber so zunimmt, daß fich die Ventile bald öffnen und einen so großen Dampf- also auch Wassers verlust erzeugen werden, daß die Maschinenpumpen diesen Verlust nicht mehr erfeßen können, so daß der Wasserstand daher immer mehr sinfen wird. Die nächste Folge hiervon ist das Erglühen der Bleche, womit die Explosion schon eingeleitet ist, indem der sich dann nothwendig bildende Wasserstoff den feblenden Sauerstoff beim Einpumpen des Wassers erhält, und die Explosion unvermeidlich ist.

Wenn der Kesselwärter sich aber von dem wirklich tieferen Stande des Wassers durch tiefer liegende Zeichen überzeugen kann, so müßte die Gewissenlosigkeit alle Grenzen überschreiten, wenn derselbe dennoch Feuer anlegt, ehe er den Wasserstand erseßt, oder in der Ruhe weiter feuert und die Maschine in Gang bringt, ehe er Wasser zugepumpt hat.

Wie sehr auch die hier vorgeschlagenen Sicherheitsmaßregeln von den bisher darüber bestehenden Ansichten und Vors schriften abweichen, so werden dieselben doch allen denen voll: ständig genügend erscheinen, welche mit mir die knallgasbildung als die einzige Ursache der Kesselexplosionen annehmen.

Die sich immer häufiger wiederholenden Kesfelexplosionen zwingen zuin Entschluß.

$ipp.

Zusaß der Redaction. Indem wir im Sinne einer freien Discuffion der so hochwichtigen und vielfach räthselhaften Frage der Kesselerplosionen obigem Artifel, trop mancher uns sehr bedenklich scheinender Behauptungen desselben, die Aufnahme nicht versagen zu sollen glaubten, können wir jedod, nicht umhin, denselben mit einigen Bemerkungen zu begleiten, welche zur Klärung der Begriffe und namentlich dazu dienen mögen, diese Streitfrage aus dem Stadium allgemeiner Erörterung in das fruchtbarere einer mathematischen Behandlung überzuführen.

Der Berr Verfasser geht zur Begründung seiner Ansicht, daß die Bildung und Entzündung von Knalgas im Inneren des Sefsels in Folge von Wassermangel und entsprechendem Glühendwerden der Bleche die einzige Ursache von Keffelexplosionen seien, sowie zur Erflärung des behaupteten Umstandes, daß bei allen ihm bekannt gewordenen Explosionen ein längeres und stärkeres Abblasen der Ventile vorhergegangen fei, zunächst von der Behauptung aus, daß, je mehr der Wasserstand eines Refsels sinft, je mehr also die feuerberührte Fläche wasserfrei, und daselbst das Blech glühend wird, desto mehr und desto höher gespannte Dämpfe in einer gegebenen Zeit unter sonst gleichen Umständen fich bilden müßten. Die überhaupt noch eine nambafte Menge Sauerstoffgas enthält. Darüber könnten nur specielle Versuche entscheiden.

Der Ør. Berfaffer meint, daß der beim Verbrennen des Knallgases erzeugte şißegrad in Ermangelung jeden Vergleiches fich gar nicht angeben laffe, daß aber die entsprechende Spannung nur nach Tausenden von Atmosphären gerechnet werden könne. Diese Schäßung ist sehr übertrieben, wie die folgende Rechnung erkennen läßt.

Nach den Versuchen von Favre und Silbermann werden bei der Verbrennung von 1 Kilogrm. Wasserstoff 34500 Wärmeeinheiten entwidelt, und da das Resultat der Verbrennung 9 Kilogrm. Wasserdampf ist, fo find zur Ers hißung von 1 Kilogrm. Wasserdampf

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Richtigkeit dieser Behauptung kann bestritten werden; denn fte würde den Sap in sich schließen, daß unter sonst gleichen Ums ständen durch glühendes Blech aus Luft (den Heizgafen) in Dampf eine größere Wärmemenge transmittirt wird, als durch warmes, nicht glühendes Blech aus Luft in Wasser. Erfahrungsmäßig ist aber die Wärmemenge, welche durch gleich bes schaffene Wände und unter sonst gleichen Umständen aus Luft in Luft oder Dampf übergeführt wird, gerade umgekehrt wes sentlich kleiner, als die aus Luft in Waffer übergeführte Wärme, während auch der Umstand, daß das auffochende Wasser am Rande seiner Oberfläche mit dem heißeren Blede in Berührung fommen kann, nur zur Folge haben wird, daß es im vor: liegenden Falle keine scharfe Grenze zwischen glühendem und nicht glühendem Bleche giebt, sondern in dieser Beziehung ein allmäliger Uebergang stattfindet. Daß Wassermangel ein stes tiges Wachsen der Dampfspannung zur nothwendigen Folge habe und somit durch das heftige Abblasen der Ventile ans gezeigt werde, ist somit nicht wahrscheinlich. Wohl fann eine vorübergehend ftärfere Verdampfung dadurch herbeigeführt werden, daß Wasser plößlich mit glühendem Bleche in Berührung kommt, besonders in Folge des Abspringens von Reffelstein, welcher bis dahin diese Berührung verhindert hatte; doch ist bei der verhältnißmäßig geringen Maffe und Wärmecapacität des bloß gelegten glühenden Bleches diese Gefahr gewiß nicht groß, zumal fich erwarten läßt, daß das fragliche Abspringen von Refselstein nidt sowohl an der vom Wasser berührten, als vielinehr an der vom Dampfe berührten Seizfläche oder besonders an der Grenze beider vorkommen wird, wo der plötzlich erzeugte Dampf ohne Finderniß einer darüber stehenden Wassersäule, d. h. ohne Widerstand einer unzusammendrüdtbaren, trägen Masse, somit ohne Stoß in der übrigen Dampfmasse sich verbreiten kann.

Ganz unzulässig erscheint die Annahme, durch welche der ør. Verfasser die Schwierigkeit zu umgehen sucht, welche für feine Ansicht darin besteht, daß die Mischung mit einem indifferenten Gase oder mit Wasserdampf die Entzündung des Knalgases erfahrungsmäßig verhindert. Er feßt zu dem Ende voraus, daß der Wasserstoff, welcher aus dem durch Berüh. rung mit dem glühenden Eisenbleche zerseßten Wasserdampfe frei wird, da er leichter, als Wasserdampf fei, im oberen Theile des Dampfraumes fich sanımele und erst bei fortges feßter Ansammlung bis zum glühenden Bleche herabreiche, wo dann bei Vorhandensein von Sauerstoff, welcher sich aus dem Speisewafser entwickelt, die Explosion erfolge. Diese Annahme widerspricht aber dem bekannten Geseke, wonach verschies dene Gase oder Dämpfe unabhängig von ihrem verschiedenen fpecifischen Gewichte sich in demselben Raume gleichförmig vers breiten und gegenseitig durchdringen, ein Vorgang, welcher bei großer Ruhe wohl verlangsamt werden kann, bei der beständigen Bewegung im Dampfraume eines Reffels aber nothwendig sehr schnell fich vollziehen muß.

Wenn unter den Gasen, welche fich im natürlichen Wasser condenstrt befinden, das Sauerstoffgas inniger haftet, als die übrigen, so daß Wasser, welches eine Zeit lang erwärmt wors den oder einem geringeren Drude ausgeseft gewesen ist, derhältnißmäßig mehr davon enthält, als zuvor, so folgt daraus noch nicht, daß das Speisewaffer, welches dem von der Luftpumpe aus dem Condensator geförderten entnommen wird,

disponibel. Nun ist die Spannungszunahme überhißten Wasserdampfes, welche bei constantem Volumen durch Zuführung von Q Wärmeeinheiten pro 1 Kilogrm. hervorgebracht wird, bes stimmt durch die Gleichung:

Q= (p— p.)v, (vergl. den Aufsaß von Zeuner d. Zeitsdr., S. 63, Gl. 50), worin p die Pressung im Endzustande in Kilogramm pro Qua

dratmeter, p, die Pressung im Anfangszustande in Kilogramm pro

Quadratmeter, v, das speciftide Volumen im Anfangszustande bedeutet. Seßt man hier das Wärmeäquivalent der Arbeitseinheit A = da, ferner mit Zeuner x=und drückt man die Pressungen in Atmosphären aus, so erhält man mit Q=3833 die Gleichung:

10333 3833

p - v.

} und daraus:

52,43
p=p+

V
Indem nun bei 0° und atmosphärischem Drucke

1 Cbfmtr. Wasserstoff 0,08957 Kilogrm.,
1

Sauerstoff 1,42980 wiegt, so wiegt unter denselben Uinständen

2.0,08957 + 1,42982 1 Obfmtr. Knallgas

0,63631 Kilogrm.,

3 folglich bei der absoluten Temperatur T, und bei p, Atmosphären Drud:

273 0,58631 . p.

1

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T,

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Wenn übrigens der Druck im Ressel plößlich von P. auf p Atmosphären wächst, so wird, vorausgeseßt daß selbst diesem größten Druce der Refsel gewachsen ist, feine Spans nung vorübergehend größer, als sie bei ruhigem Drude p sein würde. Indem nämlich der Kessel in Dfcilationen ges räth, wobei er sich abwechselnd erweitert und zusammenzieht, schwankt seine Spannung zwischen folchen Grenzen, welche einer ruhigen Belastung von P, Atmosph. und von P, + 2 (p - P.) = 2p -- p, Atmosph. entsprechen, und er wird gesprengt, wenn er diesem lekteren Drude, welcher deshalb in der 4. Columne obiger Tabelle eingetragen wurde, nicht gewachsen ist. Wenn es ich nun auch hierbei nicht um ,,Tausende von Atnosphären" handelt, so ist es doch allerdings feine Frage, daß der Sessel gesprengt würde, selbst wenn das explodirende Sinalgas nicht ganz bis zum Wasser hinabreichte oder wenn es mit Wasserdanıpf gemischt, somit feine Anfangsspannung P, entsprechend kleiner, als die totale Resselspannung wäre - porausgeseft daß im lekteren, dem thatsächlich vorhandenen Falle, die Entzündung überhaupt stattfinden könnte.

Wenn der Gr. Verfasser es auffallend findet, daß neben der Entzündung des, durch Wassermangel und damit verbundenes Glühen der Blectie gebildeten, Wasserstoffes noch ganz unbekannte und unnatürliche Eigenschaften der Körper als Urjadhe dieser Gyplosionen aufgestellt und zu begründen gesucht werden", so findet dieses Räthfel darin seine einfache Lösung, daß eben sehr viele Fälle constatirt sind, in denen trop der Erplosion ein Wassermangel nicht stattgefunden hat. Uebrigens ist es eine unbillige und im Juteresse des Fortschrittes der Naturwissenschaften sehr schädliche Identificirung von „unbefannten" und „unnatürlichen" Eigenschaften der Körper, wenn der Gr. Verfasser init Bezug auf die schönen Dufour': schen Versuche über den Siedeverzug bemerkt, daß man „, bei Resultaten, weldje mit den Naturfräften nicht übereinstimmen, voraussegen dürfe, daß dieselben auf Täusdung beruhen oder Ergebnisse ungenauer Beobachtung sind". Wenn aber gar der ør. Verfasser diese Versuche mit den Worten abfertigt, ,, es sei eine eigene Wahrnehmung, daß man beim Experimentiren das findet, was man finden will", so ist dies gewiß, um nicht einen unparlamentarischen Ausdruck zu gebrauchen, mindestens eine sehr harte Bemerkung.

Daß bei dem Sprengen des gläsernen Versuchsfeffels des Breslauer Bezirfsvereines durch plößliches Deffnen des Sicherheitsventiles die Sprödigkeit des Glases und die Temperaturdifferenzen seiner inneren und äußeren Oberfläche mit

gewirft haben mögen, muß ohne Zweifel zugegeben werden, und es erscheint in der That aus diesem Grunde ein Reifel von Glas wenig geeignet zur Aufklärung der vorliegenden Frage, sofern der Druď bis zum Springen des Ressels gesteigert wird. Daß indessen die Sprödigkeit des Glases nicht jene explosionsartige Sprengung mit heftigem Umberchleudern der einzelnen Theile erklärt, zeigt gerade das vom Verfaffer zur Vergleichung herangezogene Verhalten der holländischen Glastropfen, welche man fich in der Band fann zerspringen laffen, ohne sich wehe zu thun. Auch zeigten spätere Versuche mit einem solchen Glasfeffel, welche nicht bis zur Sprengung getrieben wurden (Bd. X, S. 610 d. Zeitschr.), ein blißähnliches Wachsen des Manometerstandes nach dem Deffnen des Ventiles; für diesen Versuch ist das Material des Ressels ganz gleichgültig.

Wenn nun endlich der ør. Verfasser die Erklärungsversuche von Dampffefselerplostonen nach Dufour und Rayser dadurch darakterisirt, daß er sagt, man nehme fälschlich an, daß fich im Momente der gleichzeitigen Dampfbildung in der ganzen Waffermaffe Dampf von viel größerer Spannung bilden könne, als vor der Entlastung der Wasseroberfläche Spannung vorhanden war", und wenn er hierauf seine ganze Pos lemif gegen diese Anschauungen begründet, so zeigt er dadurch, daß er die Sache eben mißverstanden hat. Der in der Entwickelung befindliche Dampf hat in der That keine größere Spannung, als nach bekannten Gefeßen der Temperatur des Wassers entspricht, aus welchem er fich eben entwidelt; daß aber dessen ungeachtet ein viel größerer Druck auf die Resselwand ausgeübt werden kann, ist ebenso begreiflich, wie daß ein Centnergewicht unter Umständen einen Drud von vielen Centnern auf den Boden ausübt, wenn es nur aus entsprechender Höhe herabfällt. Räthselhaft fann dies nur dem sein, welcher die Begriffe: Kraft und Arbeit verwechselt.

In der That muß man sich aber nach der angefochtenen Erklärungsweise die Sache folgendermaßen vorstellen. Wenn aus irgend einem Grunde das Wasser eines Kessels eine höhere Temperatur t, annimmt, als dem Drude pa des darüber befindlichen gesättigten Dampfes entspricht, oder, was auf Eins hinauskommt, dieser Dampf einen fleineren Druď Ps, als der Temperatur t, des Wassers entspricyt, so erfolgt bei plößlicher Störung dieses labilen Gleichgewichtes eine plößliche massenhafte Verdampfung des Waffers, und da wegen der Cohäfton und Trägheit des Wassers diese große Dampfmenge nicht schnell genug durch das übrige Wasser emporfteigen fann, lo wird dasselbe empor gehoben und auch nach den anderen Seiten weggedrängt, insoweit es die Nachgiebigkeit der Kesselwände gestattet. Der fich entwidelnde Dampf hat im ersten Augenblicke der Entwickelung die der Temperatur t, entsprechende Pressung Pi; indem aber im Verlaufe der Verdampfung die Temperatur des Wassers abnimmt, die Pressung des oberen Dampfes dagegen im Verlaufe der Wassererhebung wächst, so dauert dieser Vorgang fo lange fort, bis die Wassertemperatur von t, auf t gesunfen, die Dampfpressung dagegen im Wasser von p, auf p gesunken, über dem Waffer von Pa auf p ges stiegen ist, unter t und p fich entsprechende Werthe von Temperatur und Pressung gesättigten Dampfes verstanden, wo also t>t>tz und P, >p>P, ist. Der Ueberdruď, durch welchen dabei die Wassermasse nach Dben, nach Unten und

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seitlich weggetrieben wurde, war Anfangs = p. — Pa, hat aber allmälig bis Null abgenommen; tropdem, daß dieser veränderliche Ueberdrud nur flein ist, kann er doch eine bedeus tende Arbeit verrichtet und an das weggetriebene Wasser übertragen haben wegen des großen Volumens des im Inneren dieses Wassers gebildeten Dampfes, dessen Multiplication mit dem Mittelwerthe jenes Ueberdrudes diese Arbeit liefert. In Form von lebendiger Kraft ist diese Arbeit in der Wassermasse enthalten, und indem die Leştere vermöge derselben gegen die Kesselwände anprallt, müssen diese eine solche Des formation erleiden, daß die entsprechende Deformationsarbeit jener lebendigen Kraft in dem Augenblide gleich ist, in wels dyem die Geschwindigkeit des Wassers vernichtet ist, vorausgeseßt, daß ste dazu befähigt sind und nicht schon früher ges sprengt werden.

Daß auf solche Weise das gelegentliche Erzittern, das „Tanzen“ eines Dampffefsels, seine natürliche Erklärung fins den fann, dürfte feinem Zweifel unterliegen; ob aber auch innerhalb solcher Temperaturgrenzen des Siedeverzuges, wie sie von Dufour beobachtet worden, das Plazen des Ressels dadurch zu erklären ist, läßt fich durch allgemein gehaltenen Wortstreit nicht, sondern nur durch Zahlen entscheiden. 68 muß dazu die lebendige Kraft L, welche dem Reffelwasser durch einen Vorgang der gedachten Art ertheilt wird, be: rednet werden, was mit einer für den vorliegenden Zweck ausreichenden Näherung, wie folgt, geschehen kann. Es sei für die Temperatur t gesättigten Dampfes :

p der Drud in Kilogramm pro Quadratmeter,
y das specifische Gewicht,
q die Flüssigkeitswärme,

e die innere latente Dampfwärme; die entsprechenden Größen feien für die Temperatur t, mit

p; 2; 4; ? und für die Temperatur tz mit

P2; 72; 92; 02 bezeichnet. Dabei habent, t, und tą die oben idon erklärten Bedeutungen. Ferner sei das Volumen des Reffel8 = V Cubifmeter, und vor der plöglichen Verdampfung Q, V das Wasservolumen, a, v das Dampfvolumen in demselben. Dann ist im Anfangszustande

das Wassergewicht 1000 a, V Kilogrm.

Dampfgewicht = 720, V Kilogrm., folglich das unveränderliche Gesammtgewicht

= (1000 a, + 70g) V. Indem die plöglich verdampfte Wassermasse nur einen verhältnißmäßig kleinen Theil der ganzen Anfangs vorhandenen Wassermasse beträgt, fo ändern sich des constanten Ges sammtvolumens wegen auch die Einzelvolumina a V und a, V von Wasser und Dampf nur sehr wenig, so daß das Gewicht des im Endzustande vorhandenen Dampfes (im Inneren des Wassers und über dem Wasser zusammengenommen) = γα, V geseßt werden kann. Was aber das Volumen des über dem Wasser befindlichen Dampfes betrifft, so wird dasselbe verfleinert. Wäre dieser Dampf durch eine Wand von der Wasseroberfläche getrennt, so würde er bei dieser Compreffion ohne Zuführung oder Entziehung von Wärme überhißt werden; in Folge der plöblichen Verdampfung der obersten Wasser

Eine genauere Berechnung von L ist schon deshalb ohne wesentlichen Nußen, weil ja die Voraussepung, es habe bis zum Augenblide des im ganzen Refsel gleichen Zustandes (p, t) noch gar feine Dampfblase die darüber stehende Wasserschicht durchbrochen, offenbar nur einem idealen Verlaufe des in Rede stehenden Vorganges entspricht.

In dem Ausdrucke von L ist die zwischen den Grenzen P, und Pa liegende Größe p durch die Bedingung bestimmt, daß die im Anfangszustande im Ressel enthaltene Wärmemenge um das Wärmeäquivalent von L, d. 5. um AL größer fein muß, als die im Endzustande vorhandene Wärme, also durch die Gleichung: 1000 a, V.9, + Yoog V(92 +9)=(1000«, +4209) V.9+

+ya,V.0 + AL oder mit Rüdficht auf Gl. (1): 1000 & 9, +420g (q+a)= (1000 a, +7,0g) +

(2).

MP - P2 +yage + Aag 1 Fierang fann p durch Probiren berechnet werderi, sofern q, o und y bekannte empirische Functionen von p sind (siehe die Haupttabelle für gesättigte Wasserdämpfe als Anhang zu Zeuner's Grundzügen der mechanischen Wärmetheorie); A ist gleich zia, und statt yo fann der in der Zeuner'schen Tas belle enthaltene Werth gesetzt werden.

e 오
3st z. B. a, = 0,6; a, = 0,4,
p=4 Atm.) = 41336, entsprechend t,=
PA(=3,5 s )= 36169,

t2 = 139,24, die Ueberhißung also:

t-tz = 4,76° C., so ist

9,= 145,31; 92 = 140,44; P2=465,26; Yo = 1,9676

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р

u

144,00,

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(3)

gesegt werden kann. Hieraus ergiebt sid, daß bei gegebener Ueberhibung des Wassers oder bei gegebener Druckvermin: derung im Dampfraunie eines Reffels die mit dieser plöplichen Dampfentwidelung verbundene Gefahr mit der Größe des Dampfraumes a, V wädyst; je größer dieser ist, desto mehr wird das Wasser durch den in seinem Juneren gebildeten Dampf fortgetrieben, und eine desto größere lebendige Kraft nimmt es also auch in fidy auf, bevor mit der Druck- und Temperaturausgleichung im Wasser- und Dampfraume die Ursache der plöblichen Dampfentwickelung aufhört. Weil aber andererseits die Drudverminderung durch plögliche Dampfentziehung um so weniger beträchtlich ist, je größer der Dampfraum, so mag in Wirklichkeit auf die verhältnißmäßige Größe des Wasser- und Dampfraumes eines Refsels in der vorlies genden Beziehung nicht gerade viel anfommen.

Aus Gl. (3) ergiebt sich mit a, = 0,4 und p (= 4 Atmosphären) = = 41336

für Pz (= 3,6 Atmosphären) = 36169,

also t, - 12 =4,76: L=114,7.V; für p2 (= 3 Atmosphären) = 31002,

also t - tg = 10,09: L = 462,8. V. Ob nun diese lebendige Kraft oder Arbeit, zur Deformation des Kessels verwendet, denselben zu sprengen im Stande sein wird, ergiebt sich durch die folgende weitere Ueberlegung *). Es werde dabei ein cylindrischer Ressel ohne Feuerrohr vors ausgesept;

I sei seine Länge,
d fein Durchmesser,

& die Dide des Kesselbledjes.

Die Deforination des Kessels unter der Einwirkung eines inneren Ueberdruckes ist streng genommen von zusainmengefegter, für die Redinung nicht ohne Sdhwierigkeiten zugänglicher Art, indem die Erweiterung der Quersdynitte von den Enden gegen die Mitte der Kessellänge hin wächst, und somit die elastische Mittelfläche der deformirten Resselwand eine Art faßförmiger Gestalt hat mit dem Unterschiede jedoc, daß fie nur in ihrem mittleren Theile conver-convey, gegen die Enden der Kessels länge hin dagegen concav-convex gekrümmt ist; die Meridianlinie dieser elastisden Fläche hat nämlich zwei Inflexionspunkte der Art, daß sie zwischen ihnen nach Außen conver, jenseits derselben bis an die Enden des Kessels dagegen nach Außen concav ist. In Folge dieser Veränderung der ursprünglich cylindrischen Kesselwand findet an den Enden derselben in der äußeren Oberfläche eine Zusammendrüdung, in der inneren

eine Ausdehnung im Sinne der Länge des Kessels Statt; durch den Dampfdruck auf die Endflächen des Reffels wird jene Zusammendrückung vermindert, diese Ausdehnung dagegen vergrößert, und die fo resultirende Ausdehnung, welche an den Enden des Ressels an der Innenfläche der cylindrischen Wand im Sinne der Länge stattfindet, ist, wie die nähere Unters suchung lehrt, die größte resultirende Ausdehnung, welche überhaupt in irgend einein Punkte der Kesselwand nady irgend einer Richtung hervorgerufen wird; insbesondere ist sie ungefähr doppelt so groß, als die Ausdehnung, welche in der Mitte des Kessels an der Stelle der größten Erweiterung im Sinne des Umfanges stattfindet, somit auch ungefähr doppelt fo groß, als die größte Ausdehnung des Kesselbleches nach der gewöhnlichen elementaren Berechnungsweise geschäft zu werden pflegt. Mit anderen Worten, es ist die Sicherheit, welche durch die üblichen Dimensionen des Reffelbleches gegen den Bruch erzielt wird, in der That nur etwa halb so groß, als man gewöhnlich glaubt. Auch ergiebt sich aus diesen Verhältnissen, daß selbst unter normalen Umständen ein Refsel der Art durch inneren Ueberdrud zerstört wird, daß fein cylins drischer Theil an den Enden ringsum von den Böden abbricht, und es ist zur Erklärung dieser oft beobachteten Zerstörungsart nicht nöthig auzunehmen, daß der Stoß der durch plők: liche Verdampfung fortgetriebenen Wassermasse vorzugsweise gegen die Endflädjen des Kessels hin gerichtet sei.

Die Berechnung der Deformationsarbeit auf Grund dieser zusammengesepten Deformationsart ist nun aber mit erheblichen Weitläufigkeiten verbunden, und es möge für vorliegenden Zwed die einfache Annahme genügen, daß der Kessel unter der Einwirkung des inneren Stoßes nach der Nichtung der Länge gleichförmig ausgedehnt und ebenso in allen Quers schnitten gleichmäßig erweitert werde. Ist dann im Augenblicke der größten Deformation

o, die specifische Spannung,
2,

Ausdehnung nad) der Längenridytung, 02

Spannung, ag

Ausdehnung nach der Umfangsrichtung, alfo

12, die totale Ausdehnung nach der Längenrichtung, πάλη και

Umfangsrichtung, so ist die Deformationsarbeit L, abgesehen von der schon ursprünglich vorhanden gewesenen Spannung und Ausdehnung, sowie mit Rüdsicht darauf, daß während der Defor: mation die Spannungen proportional den von Null an stetig wachsenden Ausdehnungen zunehmen,

L=0,..do +0.18ad, Taldo (0,2, + ogle) oder mit

2. = f (6,-); 2. = (0,-). unter E den Elasticitätsmodul des Kesselbleches verstanden,

(o? —+0+) Dabei ist, wenn p den, dein Zustande größter Deformation entsprechenden, inneren Ueberdrud pro Flächeneinheit bedeutet,

=p

0,=

>

2

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L =

2 E

πd2

d

0,. ad 8

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4

40

гр

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*) Vergl. Bd. X, S. 141 8. 3.

D. Red. (?)

25p=20,

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