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Pumpenkolben mit Birkenrindeliderung. (Hierzu Figur 5 bis 10, Tafel XVII.) – Bergingenieur Heberle zu Falun beschreibt in „Berg- und hüttenmänn. Zeitung“ (1866, Nr. 36, S. 307) einen Kolben mit Liderung aus Birkenrinde für Bergwerkspumpen zum Heben eisenvitriolhaltiger Grubenwasser. Die Liderung ist eine sogenannte „hydraulische“, selbstthätige, indem die über dem Kolben stehende Wassersäule die Liderung gegen die Pumpenstiefelwandung anpreßt, und somit kein Nachspannen des Liderungsmateriales nothwendig ist. Der Kolben selbst ist ein durchbrochener (Ventilkolben), bei welchem aber, entgegen der sonst gewöhnlichen Anordnung, nicht das Ventil, sondern der Kolben selbst beweglich ist, und also jenes (eine Kugel) an der Stange festsitzt. Der Kolben verschiebt sich mithin auf der Stange. Är Kolben, mit Kolbenstange und ohne Liderung in Fig. 5 halb in Ansicht, halb im Durchschnitte gezeichnet, ist aus Birkenholz angefertigt; in den 1# Zoll schwedisch (52“) hohen und 14 Zoll (45“) tiefen Einschnitt am Umfange wird die Liderung eingelegt. Diese besteht aus 8 in einander gesteckten Theilen, Fig. 8 und 9, welche somit einen Ring bilden, der nach außen hin verschiebbar ist, sich also durch inneren Wasserdruck ausdehnen kann. Jeder der 8 Theile besteht wieder aus 2 Theilen, Fig. 10, und jeder der Letzteren aus 12 bis 16 Stückchen Birkenrinde, welche mit gepechtem Hanfzwirn (Schuhdraht) zusammengenäht sind. Der Kolben ist durchbohrt, und die 3 Zoll (89“) weite Oeffnung ist oben auf 2 Zoll (60“) Höhe bis auf 4? Zoll (141") erweitert, so daß sich derselbe an den kleinen Hölzern k,k, welche mit hölzernen Nägeln an der Kolbenstange befestigt sind, um 14 Zoll (37“) auf- und abbewegen kann. Fig: 6 giebt die Seitenansicht der Kolbenstange ohne Kolben und Fig. 7 einen Querschnitt derselben. Beim Niedergange der Kolbenstange tritt das Wasser über die an derselben befestigte Kugel aus Birkenholz zwischen Kolben und Stange hindurch; Ersterer hebt sich bis unter die Hölzer k, k, setzt sich dann beim Aufwärtsgehen der Kolbenstange auf die Kugel auf und sperrt dem Wasser den Rückweg. Da wo der Einschnitt für die Liderung angebracht ist, ist

die schwache Wandung des Kolbens durch 6 rechteckige Oeffnungenc, c durchbrochen, welche das Druckwasser hinter die Liderung treten lassen. Die Ventilkugel ist auf die Kolbenstange von unten her aufgeschoben und festgekeilt.

Ein so aus Birkenrinde angefertigter Liderring hält mindestens ein, oft sogar zwei Jahre und kostet nur etwa 15 bis 20 Sgr. D

L.

Arbeitsmaschinen.

Die Steinschleudermaschine von P. v. Rittinger. (Hierzu Figur 3 und 4, Tafel XVIII.) – In der XIV. Versammlung deutscher Architekten und Ingenieure gab P. v. Rittinger eine Notiz über eine neue, von ihm construirte Maschine zum Zerkleinern von Steinen und Erzen, über welche wir nach dem Berichte über jene Versammlung auszüglich das Folgende wiedergeben. Das Princip der Steinschleudermaschine beruht darauf, daß man einem mehr oder weniger spröden Körper eine solche Geschwindigkeit, mittheilt, daß er beim Stoße gegen eine feste Fläche zersplittern muß. Am passendsten hierzu ist die rotirende Bewegung, indem bei derselben dem Körper auch innerhalb eines kleinen Raumes eine bedeutende Geschwindigkeit in tangentialer Richtung gegeben werden kann. Es werden nun bei der in Rede stehenden sogenannten Steinschleudermühle die zu zerkleinernden Gesteinstücke durch eine Einschüttöffnung auf eine, in schnelle Umdrehung versetzte, mit radialen Schaufeln besetzte horizontale, Scheibe gebracht und durch die Centrifugalkraft von derselben gegen einen mit Zähnen versehenen starken Ring geschleudert. Das zerkleinerte Gut fällt zwischen Scheibe und Ring hindurch in zwei Abfalltrichter und von diesen nöthigenfalls auf eine Kornsortirvorrichtung. Fig. 3 und 4, Taf. XVIII, geben die Skizze einer solchen Zerkleinerungsmaschine im Querschnitt und horizontalen Durchschnitt nach AB, Fig. 3 in T's der natürlichen Größe. In denselben bedeutet aa das Gestell der Maschine, welches oben den gezahnten Ring bb trägt; Letzterer ist in dem Gestelle festgekeilt. Das Gestell geht unten in die Abfalltrichter cc über und ist oben durch Ä Deckeld geschlossen, in welchem sich die Einschüttöffnung e efindet. Die rotirende Scheibe ff mit den radialen Blechschaufeln g, g.. ist auf der stehenden Welle h befestigt, welche Letztere ihre Bewegung mittelst conischer Räder von einer liegenden Welle erhält, Bei einigen vorläufigen Versuchen über die Leistungsfähigkeit dieser Maschinen hat man bei einer disponiblen Kraft von 4 Pfrdst. und bei 1000 Umgängen der Scheibe in der Minute stündlich 10 Ctr. quarzige Bleiglanzgraupen von 6“ Korngröße vollständig in Mehl verwandelt. R. Z

Berichtigungen zu

In Fig. 1, Blatt 8 (zu Seite 434) lies: 2; y«; n; v

Seite 434, Zeile 12 von oben lies: 10334 statt: - 436, - 10 - - lies: 2 . 10334 statt: 2. < - 11 - - lies: 5 . 10334 statt: - 12 - - lies: 8 . 10334 statt: 2- - 13 - - lies: 14 . 10334 statt: #_ 461, - 9 - - lies: VPr statt: - 557 in der Tabelle bei 11. lies: Rheinfisch statt: 2. - - - - - 12. lies: Steinkohl statt: D. D - 2 D - 39. lies: Jülcher statt: Z - unter der Tabelle bei **) lies: 2,092 statt: - 559, Zeile 8 von oben lies: Jülcher statt: - - - 11 - - lies: James-Grube statt: Z L - 13 - - lies: Ichenberg statt: - 590, - 8 - unten lies: Fortsetzung statt: 629, - 2 - - lies: 386 statt:

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336.

A. W. Schad e’s Buchdruckerei (L. Schade) in Berlin, Stallschreiberstr. 47.

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M it th e il u n gen
aus den Sitzung Spro t ok 0 ( [en der Bezirk S - un d 3 weig 0 e r ein e.

Bezirksverein an der Lenne. (Fortsetzung von Seite 481.)

VI. Versammlung vom 28. April 1867 in Siegen. – Vorsitzender: Hr. Hardt. Protokollführer: Hr. H. Thomée sen. Anwesend: 21 Mitglieder und 15 Gäste. Gemäß der unterm 18. Februar. a. c. durch den Vorstand des Hauptvereines an sämmtliche Bezirksvereine ergangenen Aufforderung unterzog sich Hr. Kugel einer nochmaligen eingehenden Erörterung der schon mehrfach behandelten*) Drahtlehrenfrage, an derem Schlusse zu nachstehender, von der Versammlung einstimmig gebilligten Resolution gelangend: 1) Die Einführung einer allgemein gültigen Normallehre für Draht, Blech und verwandte Artikel ist ein schon längst gefühltes und nachgerade so dringend gewordenes Bedürfniß, daß dessen endliche Befriedigung mit allen Kräften anzustreben bleibt. 2) Die Lösung dieser für die ganze Geschäftswelt in commercieller nicht minder, als auch in technischer Beziehung so hochwichtigen Aufgabe gehört recht eigentlich zur Competenz des Vereines deutscher Ingenieure und wird zweifelsohne dadurch herbeizuführen sein, daß derselbe es unternimmt, auf Grund der von sämmtlichen Bezirksvereinen eingehenden gutachtlichen Aeußerungen demnächst durch eine besondere Fachcommission eine rationell entworfene Lehre festzustellen und deren obligatorische Einführung bei den deutschen Regierungen zu beantragen – eventuell auch (gleich wie es hinsichtlich des Metermaßes in so erfolgreicher Weise bereits geschehen) innerhalb

*) Vergl. Bd. X, S. 33, 545 u. 611 und Bd. XI, S. 135, 241,

369, 409, 428, 565 u. 681 d. Z. D. Red. (L.)

seines eigenen Wirkungskreises geradeweges Propaganda dafür zu machen sucht. 3) Der Bezirksverein a. d. Lenne erkennt dafür, daß die von Thomée vorgeschlagene „Vereinslehre“ allen Ansprüchen vollständig genüge, und steht daher nicht an, deren Adoption hiermit auf's Angelegentlichste zu empfehlen. – Der zweite Gegenstand der Tagesordnung betraf ein Referat des Hrn. Heinemann über «die Stellung der Civil-Ingenieure der Privatindustrie gegenüber*), wozu gleicherweise vom Vorstande des Hauptsvereines durch oben angezogenes Schreiben die besondere Veranlassung geboten worden war. Das Referat hatte eine recht lebhafte Discussion zur Folge und führte schließlich zu einer vom Referenten concipirten Resolution in nachstehender Fassung: 1) Der Bezirksverein a. d. Lenne schließt sich mit seinen Ansichten zur Sache den in der Generalversammlung des Berliner Bezirksvereines vom 19. März 1866 von A. Pütsch entwickelten**) durchaus an und erklärt seine völlige Uebereinstimmung damit. 2) Insbesondere hält er dafür, daß zunächst eine zweckmäßige Vereinigung das wirksamste Mittel zur Hebung der bisherigen Stellung der Civil-Ingenieure gegenüber dem Publicum sein würde. 3) Nicht nur das eigene Interesse der Civil-Ingenieure, sondern auch das Interesse des industriellen Publicums und des deutschen Ingenieurvereines machen es jedoch äußerst wünschenswerth, daß eine solche Vereinigung nicht *) Vergl. hierüber Bd. IX, S. 41 u. 726; Bd. X, S. 257 und Bd. XI, S. 691. **) Siehe Bd. X, S. 257 d. Z.

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aus sich selbst, sondern aus dem deutschen Ingenieurvereine heraus sich constituire. Die ersten Mitglieder dieser Vereinigung, welche etwa die Benennung „ Deputation der Civil-Ingenieure“ führen könnte, würden von vornherein eine Vertrauen erweckende Stellung erlangen, wenn dieselben aus der freien Wahl der Bezirks- und Zweigvereine, in welchen zugleich einflußreiche Factoren des industriellen Publicums vertreten sind, hervorgehen. Die späteren Mitglieder des Vereines werden zweckmäßig keinesfalls ohne vorgängigen Vorschlag eines Bezirks- oder Zweigvereines und ohne den Nachweis praktischer Bewährung durch die Vereinigung selbst ernannt werden. 4) Die Frage über die geschäftlichen Normen der CivilIngenieure möchte am zweckmäßigsten in den Statuten der neuen Vereinigung, welche von derselben, nach ihrer Constituirung durch die Wahl der Bezirks- und Zweigvereine, zu vereinbaren und der Genehmigung des Hauptvereines zu unterbreiten sind, ihre Erledigung finden. – Hr. Gregor fesselte sodann längere Zeit hindurch die Aufmerksamkeit der Versammlung durch einen Vortrag über Siemens'sche Gasgeneratoren. Einige gegen die Haltbarkeit gedachter Apparate aufgeworfene Bedenken glaubte Redner am besten mit dem Hinweis auf die in neuester Zeit an vielen Orten und zu den verschiedensten Zwecken bewirkten, höchst gelungenen Ausführungen heben zu dürfen. – Redner referirte hierauf über eine im „Engineering“ (1867, Nr. 68) beschriebene und abgebildete, in den India-Docks in Gebrauch stehende eigenthümliche Aufziehvorrichtung und empfahl dieselbe für geeignete Fälle zur Nachahmung. Zum allgemeinen Verständniß des sehr einfachen Mechanismus genügt es, sich eine horizontal gelagerte Schraubenspindel mit sehr steilem Gewinde zu denken, welche vermittelst einer alternirend auf derselben durch Wasser- oder Dampfdruck hin- und hergeschobenen Mutter (ähnlich wie bei einem bekannten kleinen Bohrwerkzeuge) in die entsprechend drehende Vor- und Rückwärtsbewegung gesetzt und somit unter Zuhülfenahme einer auf dem einen freien Spindelende befestigten Seil- oder Kettenscheibe angemessener Größe ohne Weiteres zum Aufziehen resp. Herablassen von Lasten geschickt gemacht ist. Zwei dieser Aufzugmaschinen arbeiten mit einem Wasserdruck von 700 Pfd. engl. pro Quadratzoll (49,5 Kilogrm. pro Quadratcentimeter); die eine hebt 5 Ctr. 24 Fuß (7“,3) hoch, die andere 1 ton (20,3 Ctr.) 40 Fuß (12“) hoch. Bei der letzteren beträgt der Hub des Kolbens 4 Fuß (1“,37), die Steigung der Schraube 15 Zoll (380“) und der Durchmesser der Windetrommel 2 Fuß 7 Zoll (787“). Die Maschinen arbeiten mit größter Ruhe und Regelmäßigkeit. – Hiermit war die heutige Tagesordnung erschöpft, welchem, Dank der gütigen Vorsorglichkeit der Siegener Freunde, ein recht heiteres Mahl folgte. VII. Versammlung vom 28. Juli 1867 in Werdohl. – Vorsitzender: Hr. Hardt. Protokollführer: H. Thomée sen. Anwesend: 15 Mitglieder und 1 Gast. Hr. Carl Kugel erstattete Bericht über die diesjährige Hauptversammlung in Alerisbad, welchem ein Vortrag des Hrn. Oscar Schrader über Oekonomie des Wasserdampfes im Walzwerksbetriebe folgte. Redner erklärte sich zur ausführlicheren Veröffentlichung seiner Anschauungen durch das Vereinsorgan gern bereit.*) –

*) Der Vortrag wird in einem nächsten Hefte ausführlich mitgetheilt werden. D. Red. (L.)

Ein dritter von Hrn. C. Kugel angesagter Vortrag

über die Mittel zur Hebung der arbeitenden Classen mußte mangels Zeit zurückgezogen werden. Das Thema gab indeß zu einer vorläufigen Erörterung darüber, ob denn überhaupt die Verfolgung solcher dem socialen Gebiete entlehnten Materien mit der Tendenz eines Ingenieurvereines nicht im Widerspruche stehe.*)

Es mußte indeß anerkannt werden, daß das Gedeihen von Industrie und Gewerbe einerseits und das Wohlergehen der arbeitenden Classen andererseits in zu enger Wechselwirkung miteinander stehen, als daß nicht Jedermann und vorzugsweise also auch der so recht mitten im praktischen Leben stehende Techniker sich berufen fühlen sollte, zur Lösung der hier sich bietenden schönen Aufgaben nach Kräften beizutragen. Es wurde daher unter besonderem Hinweis auch auf andere durch den Verein deutscher Ingenieure

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Unter Führung des Hrn. Kern wurde das Etablissement dem Gange der Fabrication entsprechend in allen seinen Einrichtungen besichtigt. A.

Der Bau des ganzen Werkes wurde im Jahre 1865 begonnen, und im November 1866 dasselbe in Betrieb gesetzt.

Zum Betriebe sämmtlicher Arbeitsmaschinen c. dient eine im Mittelbau des Hauptgebäudes befindliche 70pferdige Hochdruckmaschine aus der Fabrik des Hrn. Fabriken-Commissarius Hofmann in Breslau. Von der Hauptwelle aus werden mittelst Räderbetrieb 4 Wellenleitungen in Bewegung gesetzt. Die beiden ersten Wellen treiben im linken Flügel des Gebäudes 8 Grobdrahtzüge, die dritte Welle die im rechten Flügel befindlichen 21 Drahtnägelmaschinen in den verschiedensten Größen. Außerdem befinden sich in diesem Locale eine Drehbank, eine Bohrmaschine, 6 Schraubstöcke und ein kleines Schmiedefeuer zum Glühen und Härten der Werkzeuge. Die vierte Transmissionswelle überträgt die Bewegung in den ersten Stock auf 2 Linien zum Betriebe von 18 Feinzügen im Mittelbau und auf 3 Linien im

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linken Flügel von 12 Mittelzügen; 12 weite Mittelzüge in demselben Locale sind noch im Bau begriffen. Im ersten Stock des rechten Flügels befindet sich der Packund Magazinraum. Hinter dem Hauptgebäude und parallel mit diesem ist das Wasch-, Glüh- und Kesselhaus und dahinter die 100 Fuß (32“) hohe Esse. Der Waschraum enthält 12 Drahtwäschen, welche ihre Bewegung von einer der Grobzuglinien erhalten. Ueber den Wäscheplätzen befindet sich auf der ganzen Länge ein Wasserreservoir mit Hähnen und Brausen zum Spülen des Drahtes. Zum Beizen sind 4 große mit Dampfzuleitung versehene und 4 kleinere desgl. nebst 2 Kalkbottichen vorhanden. Gegenüber der Wäsche sind 4 Glühöfen kreisförmig um einen 60 Ctr. tragfähigen Krahn angelegt; die Heizung derselben geschieht vom gewölbten Souterrain aus. Im Kesselhause sind 2 Stück Dampfkessel aus je einem Oberkessel und 2 Siederohren bestehend nebst den nöthigen Dampfpumpen aufgestellt. Noch ist in einem abseits belegenen Gebäude die Grobschmiede mit 2 Feuern und 2 Scheeren zum Schneiden der Kettenglieder vorhanden; dahinter liegt die Kettenschmiede mit 6 Reihen à 5 Feuer und in der oberen Etage die Tischlerwerkstatt. Nachdem Hrn. Kern seitens des Vorstandes für die so freundliche Aufnahme und Bereitwilligkeit der Dank der Versammlung ausgesprochen war, begaben sich die Anwesenden hierauf nach dem in der Nähe gelegenen Etablissement der Draht- und Kettenfabrik des Hrn. W. Hegenscheidt in Petersdorf bei Gleiwitz. «Das Etablissement, welches das älteste seiner Art in Oberschlesien ist, umfaßt: Ein Drahtschnellwalzwerk mit Riemenbetrieb, durch eine Dampfmaschine (sogen. Schnellläufer) von 120 Pferdestärken betrieben. Den Dampf liefern 6 Dampfkessel; zum Wärmen der Paquete sind 2 Schweißöfen vorhanden. Die Verfeinerung und Bearbeitung des erzeugten Grobdrahtes erfolgen vermittelst: 34 Grobzügen, 32 Feinzügen, 5 Glühöfen, 12 Drahtwäschen, 40 Nagelmaschinen, 63 Kettenschmiedefeuern (mit Ventilator) mit 2 Scheeren, 12 Polirfässern, 1 Drahtseilmaschine (nach schottischer Bauart), welche zusammen mit 3 Dampfmaschinen von in Summa 80 Pfrdst. betrieben werden. Hanfseilerei. Zum Probiren der Ketten auf ihre Tragfähigkeit dient eine Kettenprobirmaschine. Außerdem ist eine Reparaturwerkstatt mit 4 Schmiedefeuern, 1 Hobelmaschine und 2 Drehbänken vorhanden. Die beiden getrennt liegenden Werke, das ältere mit den Drahtzügen und den Schmieden e. und das neuere mit dem Walzwerke, sind, sowie die einzelnen Fabricationszweige, durch Schienengeleise untereinander verbunden. In den verschiedenen Branchen werden zusammen ca. 350 Arbeiter beschäftigt, und beträgt die Production des Etablissements ca. 12% pCt. der Gesammtproduction in Preußen. – Der unter Leitung des Hrn. Hegenscheidt und der Werksbeamten stattgefundenen Besichtigung folgte auf freundliche Einladung des Hrn. Besitzers die Einnahme eines Imbisses und hierauf die Vereinssitzung. Nach geschäftlichen Mittheilungen des Vorsitzenden fand die Bestellung mehrerer Commissionen Statt zur Begutachtung der vom Vorstande des Hauptvereines zur Behandlung vorgelegten Fragen. Sitzung vom 14. April 1867 in Kattowitz. – Vorsitzender: Hr. Nack. Protokollführer: Hr. Reichel. Anwesend 16 Mitglieder und 6 Gäste.

Nach geschäftlichen Mittheilungen verlas der Vorsitzende ein Schreiben des Hrn. Gier, worin derselbe die interessante Mittheilung macht, daß bei einem Gesuche, um Ertheilung einer Concession zur Erbauung einer neuen Dampf

kesselanlage,

der betreffende Königliche revidirende Baubeamte zwischen dem Mauerwerke der einzelnen Kessel ebenso, wie zwischen dem Kesselmauerwerk und den Gebäudewänden einen Spielraum von mindestens 3 Zoll (79“) verlangt habe. Alle Anwesenden waren darüber einig, daß eine derartige Interpretation den gesetzlichen Vorschriften, welche in ihrem Wortlaute eine solche Forderung nicht begründen*), nur zu sehr den Wunsch rechtfertige, die Revision von Kesselanlagen durch wirkliche Fachtechniker ausgeführt zu sehen.**)

Auf das Rundschreiben des Bezirksvereines, betreffend die Versuche über die Festigkeit des oberschlesischen Eisens, waren von mehreren Werken zustimmende Antworten eingegangen, welche verlesen wurden. –

Hierauf sprach Hr. Schmahel

«. über Gebläsemaschinen.

Redner verwarf unter Anerkennung vieler Vorzüge die Anwendung liegender Gebläsemaschinen und hielt die stehenden Maschinen mit Balanciers und Schwungrad für die besten. Bei einer Anlage von 2 und mehr Hohöfen sei es ferner besser, mehrere statt einer großen gleich starken Maschine anzuwenden, da bei einer bei Reparaturen jedesmal die ganze Anlage außer Betrieb gesetzt werden muß. Es seien auch die Unterhaltungskosten mehrerer Maschinen geringer, als die Nachtheile betragen, welche durch plötzliche Betriebseinstellung sämmtlicher Hohöfen entstehen, wenn durch Reparatur ein längerer Stillstand der einen großen Maschine geboten ist.

Ueber
Anwendung von Chlorbarium*)

zur Verhütung von Kesselsteinansatz theilte Hr. Reichel mit, daß er jenes Material mit gutem Erfolge bei dem Dampfkessel der Drehwerkstatt zu Laurahütte anwende. Der Kessel hat 139 Odrtfß. (13,7 Odrtmtr.) Heizfläche, ist von Cornwaller Construction mit einem Feuerrohre und wird mit gypshaltigem Wasser gespeist. Ein Quantum von 2 Pfd. Chlorbarium pro Woche, in das Speisewasser in aufgelöstem Zustande geschüttet, genügt, um die Kesselwandungen von Kesselstein frei zu halten. Dabei wird jede Woche zweimal etwas Wasser abgeblasen, wodurch ein Theil des am Boden befindlichen, sehr feinen weißen Schlammes mit fortgerissen wird. Alle 2 bis 3 Monate wird der Kessel gereinigt; d. h. der auf dem Boden befindliche durch das Abblasen nicht vollständig entfernte Schlamm wird ausgekehrt. & * Sitzung vom 1. Juni 1867 zu Zabrze. – Vorsitzender: Hr. Hammer. Protokollführer: Hr. H. Schimpf. Anwesend 10 Mitglieder und 4 Gäste. Der Vorsitzende theilte der Versammlung mit, daß sich in Warschau und Umgegend ein Bezirksverein des Vereines deutscher Ingenieure gebildet habe. In Betreff der über schlesische Eisensorten vorzuneh

*) Vergl. Bd. V, S. 275 d. Z. **) Vergl. über die Revision der Kesselanlagen Bd. IV, S. 198 u. 199; Bd. V, S. 223 u. 275; Bd. VI, S. 92; Bd. VII, S. 80, 86, 169, 170 u. 249; Bd. VIII, S. 35, 88, 160 n. 185; Bd. IX, S. 28, 73, 366, 568, 592 u. 593 und Bd. X, S. 230 d. Z. ***) Vergl. Bd. VIII, S. 283; Bd. IX, S. 315 u. 428 und Bd. X,

S. 351 d. Z.
(D. Red. L.)

menden Festigkeitsversuche *) wurde der Antrag des Hrn. Schimpf angenommen: „ Eine Commission aus mindestens 5 Mitgliedern zu wählen, zur Feststellung eines Kostenanschlages und Vertheilung der resultirenden Summe auf die einzelnen Werke, deren Eisensorten probirt werden, nach Maßgabe der Höhe ihrer Production, sowie zur Leitung der Versuche im Allgemeinen und Speciellen.“ Zur Vertretung des Bezirksvereines auf der diesjährigen Hauptversammlung zu Alexisbad bewilligte die Versammlung die Summe von 40 Thlr. und wählte einen Vertreter. Darauf wurde das nachstehende Protokoll der Commissionssitzung zur Begutachtung der Dr. Grothe'schen Abhandlung (Bd. X, S. 535d. Z.) über die Lehranstalten zur Vorbildung für polytechnische Schulen**), welches von der Versammlung genehmigt wurde, verlesen. Bezüglich Zweck und Charakter besagter Schulen erkannte die Commission die von Hrn. Dr. Grothe aufgestellte Forderung an; diese Schulen sollen die Erlangung vollständig umfassender Vor

bildung für den Beruf des höheren Gewerbslebens, der

neueren jetzigen Fabrikthätigkeit, sowie für das erfolgreiche weitere Studium der Ingenieurwissenschaften ermöglichen Dagegen trat die Commission der Ansicht des Verfassers entgegen, daß dieser Zweck durch die auf Grund besagter Abhandlung umgeänderten Gewerbschulen erreicht werden könne. Vielmehr wäre, um obigem Zwecke zu entsprechen, eine weit umfassendere Umgestaltung sämmtlicher, bis jetzt vorhandenen Vorbildungsschulen zu technischen Zwecken nöthig. Ad Abschnitt B: Aufnahmebedingungen für quästio nirte Schulen, beansprucht Verfasser für diese Schulen den Standpunkt von Schulen höheren Grades und motivirt denselben durch das Vorhandensein einer allgemeinen Ausbildung, welche er specieller in 9 Punkten erklärt. Die in diesen 9 Punkten aufgezählten Kenntnisse entsprechen jedoch dem Ausbildungsgrade eines Quintaners und nicht, wie Verfasser behauptet, dem eines Obertertianers eines Gymnasiums, geschweige eines Secundaners einer Realschule. Die Commission ist daher der Ansicht, diese Kenntnisse als Aufnahmebedingungen zu denen eines Secundaners zu erweitern; zugleich aber auch die vom Verfasser aufgestellten Bedingungen über das Alter und polizeilichen Nachweis sittlicher Führung der aufzunehmenden Schüler fallen zu lassen, die Aufnahme vielmehr lediglich von den erlangten Kenntnissen und Fähigkeiten abhängig zu machen, welche in so jungen Jahren wohl schwerlich von der Polizei überwacht werden dürften. Ad Abschnitt C: Verfahren zur Ergründung dieser Aufnahme erfordernisse, stellt Verfasser, als zur sofortigen Aufnahme genügend, das Abgangszeugniß von der Obertertia eines Gymnasiums, resp. von der Secunda einer Realschule hin, setzt also letztere Schule dem Gymnasium nach, obwohl er im Abschnitt A die Realschulen dem Gymnasium vorzieht. Die fernere Forderung der Gewissenhaftigkeit des Urtheiles über ein Aufnahmeexamen in zweiter Linie dürfte wegfallen, da man von jedem Examinator Gewissenhaftigkeit des Urtheiles voraussetzen muß. Ad Abschnitt D, E, G und H: Lehrgegenstände und ihre Bedeutung. Ausdehnung der Lehrgegenstände. Vertheilung des Lehrstoffes auf Curse und Stunden. Diese drei Abschnitte mußten wegen der Uebersichtlichkeit und Abhängigkeit untereinander zusammen betrachtet werden. Verfasser geht aus von einem obligatorischen Gesammteursus von 2 Jahren, welchem er einen nicht obligatorischen Cursus von einem Jahre hinzufügt. Hiergegen sprach sich die Commission ganz entschieden aus. Bei der großen Anzahl von verschiedenen Lehrfächern und der Bedeutung des zu absolvirenden Pensums sind nach Ansicht der Commission 3 Jahre durchaus erforderlich. *) Vergl. Bd. VII, S. 524 d. Z. **) Vergl. hierüber Bd. X, S. 298 und Bd. XI, S. 127, 187,

233, 359, 420, 421 u. 868 d. Z. D. Red. (L.)

Auch nahm die Commission aus Abschnitt D Veranlassung zu dieser Ansicht, in welchem Abschnitte Verfasser die Lehrfächer in Hauptgebiete und solche zweiter Linie trennt, was wohl nur so zu verstehen ist, daß die Lehrfächer in solche von allgemeiner Bedeutung und solche von nur fachlicher Bedeutung zu trennen seien. Commission erachtet daher dafür, daß die in D genannten Hauptgebiete in 3 Semestern für sämmtliche Schüler obligatorisch sein sollen, während in den nächsten 3 Semestern eine Trennung der Lehrfächer in fachlicher Hinsicht eintreten müßte. Nur auf diese Weise ist es möglich, bei zahlreichem Besuche der Anstalt den Schülern in der gewählten speciellen Fachrichtung die nöthigen und auch vom Verfasser gewünschten Vorkenntnisse beizubringen. Mit der in Abschnitt E ausführlich dargestellten Ausdehnung der Lehrgegenstände konnte sich die Commission im Allgemeinen einverstanden erklären, namentlich über die Handhabung des Unterrichtes in der deutschen Sprache, sowie in den Naturwissenschaften. Nach Ansicht der Commission ist jedoch der Unterricht in der Bauconstructionslehre, sowie der in der Maschinenlehre bei Vertheilung des Lehrstoffes auf Stunden zu dürftig bedacht, und müßten mehr Stunden dafür angesetzt werden. Verfasser motivirt zwar die Beschränkung des Unterrichtes in der Bauconstructionslehre dadurch, daß besagte Schulen keine Schüler als Abiturienten für die Hochbauschulen entlassen dürften; jedoch soll dies ja nicht der einzige Zweck der Schulen sein, sondern vielmehr sollen diese Schulen auch die sogenannten Bauhandwerkerschulen in sich vereinigen. Eine Ausschließung des Bauhandwerkes hieße ja wieder etwas Halbes schaffen, während doch sämmtliche technischen Gewerbe ihre Pflanzstätten in besagten Schulen haben sollen. Ferner konnte sich die Commission der Ansicht und Hoffnung nicht erwehren, daß falls diese Schulen die in der Einleitung ausgeführte Organisation erhalten, dieselben auch zu Entlassungsprüfungen für die Bauhochschulen Preußens berechtigt sein werden, was dann um so eher der Fall sein muß, wenn, wie in dem, dem Vereine vorliegenden, Promemoria des Hrn. C. Gaertner über die technischen Hochschulen Preußens, die Vereinigung dieser Bauhochschulen mit den Gewerbe-Akademieen als nothwendiges Bedürfniß angestrebt wird. Nur in diesem Sinne sind besagte Schulen wirkliche und zu Recht bestehende Vorbildungsschulen der für das höhere Gewerbsleben sämmtlicher technischen Zweige nöthigen Kenntnisse. Mit dem in den übrigen Abschnitten aufgestellten Forderungen konnte sich die Commission zwar im Allgemeinen einverstanden erklären; doch hielt sie dafür, daß, da dieselben nur eigentlich Schulregulative sind, diese dem jeweiligen Vorstande der Schulen im Speciellen überlassen werden UNüssen. ss Dreßler. R. Peschke. Hammer. H. Schimpf. – Hierauf wurde die Sitzung unterbrochen, und eine Excursion zur Concordiagrube und Donnersmarckhütte unternommen. Nach Einnahme eines gemeinsamen Mittagsmahles kehrte man zur Tagesordnung zurück, und verlas Hr. Troschel das Protokoll der Commissionssitzung zur näheren Beleuchtung des Standes der Civil-Ingenieure, welches genehmigt wurde. – Hierauf machte Hr. Rott Mittheilung über eine auf Gleiwitzerhütte vorgenommene Sprengung einer Hohofensau mittelst Nitroglycerin.*) Dieselbe, von etwa 350 Ctr. Gewicht, wurde durch 12 Schüsse mit glänzendem Erfolge in Stücke von 15 bis 20 Ctr. zerrissen, und zwar so günstig, daß die einzelnen Stücke am Sprengungsorte unmittelbar liegen blieben. Zu jedem Schusse wurden 2 bis 4 Loth Nitroglycerin, je nach Größe des Bohrloches, in einer Papierpatrone in das Loch gesenkt, in Letztere ein Stück mit Guttapercha umsponnener Zündschnur, an derem Ende ein Kupferhut mit Pech befestigt war, eingehängt, das Bohrloch mit Sand gefüllt, und nun die Zündschnur mittelst Schwefelfaden entzündet.

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