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Zur näheren Begründung des letzten Punktes mag eine Kostenberechnung dienen, welche im „Glückauf“ (1866, Nr. 12) enthalten ist.

„Auf der Kohleneisensteinzeche Neu - Hiddinghausen ist im September v. J. ein Querschlag von 1 Lachter (2“) Höhe und Weite in festem, quarzigem Sandsteine bei Anwendung von Pulver in 327 sechsstündigen Schichten 3. Lachter (7“,5) lang aufgefahren, und dabei ca. 200 Pfd. Sprengpulver incl. des zum Anzünden der Schüsse erforderlichen Halmpulvers verbraucht. Im November ist derselbe Querschlag im gleichen Gesteine bei Anwendung von Nitroglycerin in 280 sechsstündigen Schichten 6 Lachter (12“,56) weit aufgefahren, wobei 935 Loth Nitroglycerin nebst 212 Fuß (66“,65) Guttaperchazündschnur aufgegangen sind.

Der Kostenaufwand hat im ersten Falle für Pulver 28 Thlr. 5 Sgr. im Ganzen, also 7 Thlr. 15 Sgr. 4 Pf. pro Lachter (pro Meter 3 Thlr. 17 Sgr. 7 Pf) betragen; während für Sprengöl und Zündschnuren in den obigen 6 Lachtern (12“,5) 42Thlr. 11 Sgr. 7Pf. und außerdem noch 5 Thlr. für Pulver, in Summa also 47 Thlr. 11 Sgr. 7 Pf., oder pro Lachter 7 Thlr. 26 Sgr. 11 Pf. (pro Meter 3 Thlr. 23 Sgr. 2 Pf) verausgabt sind. Die Kosten für

Sprengmaterial betragen demnach bei Anwendung von Sprengöl 11 Sgr. 7 Pf. pro Lachter (pro Meter 5 Sgr. 7 Pf) mehr, als beim Schießen mit Pulver. Die Kosten für Arbeitslohn sind nicht genau angegeben. Nehmen wir an, daß der Aufwand für Bohrgezähe und Hauerlohn pro Arbeitsschicht nur 25 Sgr. betragen habe, so würden für diese Kosten bei Anwendung von Pulver resultiren so Sgr. gleich 72 Thlr. 20 Sgr. pro Lachter (pro Meter 34 Thlr. 21 Sgr.), während bei Anwendung von Sprengöl das Lachter nur

o 25 Sgr. = 38 Thlr. 26# Sgr. (pro Meter 18 Thlr. 17 Sgr.

1. Pf) an Arbeitslohn gekostet hätte, wenn die Gedinge gleichmäßig gestanden hätten. Nach Abzug obiger 11 Sgr. 7 Pf, betrüge demnach die reine Ersparniß auf 1 Lachter

72 Thlr. 20 Sgr. – [38 Thlr. 26 Sgr. 8 Pf. + 11 Sgr. 7 Pf.]

= 33 Thlr. 11 Sgr. 9 Pf. (pro Meter 15 Thlr. 28 Sgr. 4 Pf) bei obiger Annahme; und um so mehr, je höher die in beiden Fällen verdienten Löhne sind. Abgesehen davon resultirte aber noch eine sehr bedeutende Zeitersparung, die oft mit Geld nicht aufzuwiegen ist.“ (Fortsetzung folgt.)

Die Steinkohlenreviere in der Gegend von Aachen
von Herrn Oberberghauptmann Dr. von Dechen in Bonn.

Mit Plänen der Herren Director F. Baur in Eschweiler, Director L. Honigmann in Höngen und Generaldirector Striebeck in Aachen.

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Die Kohlengebirgsmulde auf der Nordwestseite des von Burtscheid und Aachen nach Verlautenheid und Haaren ziehenden Sattelrückens der Devonschichten ist hierdurch in der Querlinie gänzlich von der Eschweiler Mulde getrennt. Es ist bereits oben erwähnt, daß diese nördliche Kohlenmulde von einer großen Verwerfung, dem Feldbiß, quer durchschnitten wird, auf deren Westseite das eigentliche Worm-Bassin liegt, während die Fortsetzung derselben auf der Ostseite des Feldbisses unter den bedeckenden Tertiärschichten seit noch nicht 20 Jahren aufgefunden worden ist. Der Feldbiß, welcher die Worm oberhalb Herzogenrath durchschneidet (Blatt 11 zu Seite 557), erstreckt sich gegen Südost über Bardenberg, Morsbach, Würselen und trifft ziemlich genau mit der Münstergewand überein, welche die westliche Begrenzung der Eschweiler Mulde bildet. Das eigentliche Wormrevier (früher auch „Ländchen von der Heiden“ genannt) liegt also in demjenigen Gebirgstheile, welcher die südwestliche Fortsetzung der Eschweiler Mulde enthält, in welcher der höheren Lage wegen selbst die Flözgruppe der Außenwerke nicht vorhanden ist. Der östlich vom Feldbiß in Angriff genommene Abschnitt der Wormmulde entspricht dagegen dem Abschnitte zwischen der Münstergewand und der Sandgewand, worin die Eschweiler Gruben liegen.

Auf der Westseite der Grubenpartie an der Worm ist das Vorkommen von Kohlenflötzen unter der Bedeckung durch die Kreideformation durch Bohrlöcher nicht allein bis zur niederländischen Grenze, sondern sogar darüber hinaus nach

gewiesen worden. Auch dieser Gebirgstheil ist durch eine bei Ursfeld und Bank durchsetzende Verwerfung getrennt, deren Verhalten bis jetzt aber wenig bekannt ist. Die Kohlenflöze des Wormrevieres bilden eine große, gegen Nordost hin einsinkende Mulde, welche aber durch enge, spitze Sättel vielfach in besondere Mulden getheilt ist (Blatt 10 und 11 zu Seite 557) und sich dadurch ganz ungemein von der einfachen und abgerundeten Eschweiler Mulde unterscheidet. Auf der Südseite dieser Mulde tritt das Kohlengebirge am meisten zu Tage; da aber die liegendsten Flötze an diesem Muldenrande in neuerer Zeit nicht bearbeitet werden, auch nicht regelmäßig ausgebildet zu sein scheinen, so ist das Verhalten nicht genau bekannt. Der nördliche Muldenrand ist von mächtigen Tertiärschichten überlagert, und es ist daher das Verhalten zu den weiterhin bei Magerau in großer Teufe erbohrten Flötzen nicht bekannt. Die Flötze dieser Ablagerung sind durch einen schon sehr alten Bergbau bekannt. Die oberen Flötze sind daher schon seit langer Zeit größtentheils abgebaut und die Nachrichten darüber theilweise unvollständig. Die nachfolgende Zusammenstellung der Kohlenflöze des Wormrevieres auf Seite 623 und 624 ist nach den älteren Nachrichten und den Ergebnissen des neueren Betriebes entworfen. Die Flötze sind von oben nach unten aufgeführt. Die oberen 11, weniger genau gekannten Flötze, haben eine Mächtigkeit von 18 Fuß (5“,65) und die nur unvollständig angegebene Gebirgsmächtigkeit beträgt 90,3 Lachter (188“,7). Nach einer genauen Ermittelung liegt das 12. Flötz

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Groß Langenberg in der tiefsten Specialmulde 230 Lachter (480“,7). Die 34 tieferen Flöze von Groß Langenberg bis Steinknipp einschließlich haben nach den niedrigsten Angaben eine Mächtigkeit von 65 Fuß (20“,5) in einer Gebirgsmächtigkeit von 188 Lachter (393“). Unter denselben befinden sich nur 12 Flöze, welche überall bauwürdig sind, und 14, welche überhaupt als bauwürdig angesehen werden können. Diese letzteren enthalten 39 Fuß (12“,25) Steinkohle, die 20 unbauwürdigen Flöze 26 Fuß (8“,21). Im Durchschnitt kommt auf jedes bauwürdige Flöz eine Mächtigkeit von 33 Zoll (875"). Die Mächtigkeit dieser Flötze verhält sich zu derjenigen der Gebirgsschichten, worin sie eingeschlossen sind, wie 1 zu 30. Die Tiefe, welche das liegendste Flöz Steinknipp in der tiefsten Specialmulde erreicht, beträgt 470 Lachter oder 3133 Fuß (982“,3). Die Mächtigkeit der Gebirgsschichten, welche sich zwischen diesem Flötze und dem Kohlenkalksteine finden, ist nicht bekannt, und es kann daher auch nicht angegeben werden, wie tief der Kohlenkalkstein in der tiefsten Mulde unter der Oberfläche liegt. Aus diesem Grunde ist auch eine Vergleichung der Gliederung der Flötze in der Eschweiler Mulde mit dem Verhalten der Flötze in der Wormmulde nicht möglich. Nur ganz im Allgemeinen fällt der Unterschied sehr auf, welcher in dieser Beziehung zwischen den beiden Kohlenablagerungen stattfindet, indem ein großes flötzleeres Mittel, wie zwischen den Innen- und den Außenwerken der Eschweiler Mulde, in der Wormmulde nicht vorkommt. Ebenso groß ist der Unterschied in der Beschaffenheit der Steinkohle. Die ganze Wormmulde, soweit sie hier betrachtet wird, liefert nur Steinkohle (Karsten) oder magere Kohle; dieselbe nähert sich dem Anthracit und wird daher auch wohl als anthracitische Kohle bezeichnet. Die Kohle des Wormrevieres zeichnet sich durch große Festigkeit und Reinheit aus, liefert daher viele Stücke und Brocken, wenig Grus oder Kleinkohle. Der Stückkohlenfall wird durch die, die Kohlenlagen in regelmäßigen Abständen durchsetzenden, parallelen Klüfte sehr befördert, und da diese Klüfte die Flötze eben unter einem spitzen Winkel schneiden, so erhalten die abgesonderten Stücke eine schiefe parallelepipedische Gestalt. Diese Kohlen können daher nicht zur Darstellung von Coks verwendet werden, sind dagegen sehr geeignet für den Hausgebrauch, ganz besonders zur Stubenfeuerung, weil sie langsam verbrennen und das Feuer sehr lange erhalten und werden auch passend für die Heizung von Dampfkesseln theils allein, theils mit Fettkohlen gemischt, benutzt. Die Kleinkohlen sind ein ausgezeichnetes Brennmaterial für die Feldziegelbrände. Nur die oberen Flöze, wie Sandberg, Hüls und Trumpf, welche aber im Ganzen als abgebaut zu betrachten sind, weichen etwas von dieser Beschaffenheit ab und nähern sich den Sinterkohlen. *) Die Flöze werden unmittelbar im Hangenden und Liegenden von Schieferthon begleitet. Die größeren Zwischen

mittel enthalten aber Lagen von Sandstein, welcher zum Theil

sehr feinkörnig und quarzig ist, sich dem Quarzit der devonischen Schichten nähert und im Reviere den Namen „Mauer

*) Der Anmerk. * zu S. 559 entsprechend, gehören die Kohlen des Wormrevieres meistens der Classe f, den Anthracitkohlen, an, und ganz im Einklang mit dem dort am Schluß angeführten Gesetz folgen darauf in den hangendsten Flötzen Sandberg, Hüls und Trumpf die sinternden kurzflammigen oder Eßkohlen. R. P.

lage“ führt. Er ist licht gelblich-grau bis dunkel-aschgrau und eignet sich wegen seiner Härte und Festigkeit zu Pflastersteinen. In demselben kommen viele Klüfte vor, in denen sich wasserhelle Quarzkrystalle, Kalkspathkrystalle, Braunspath mit eingewachsenen Quarzkrystallen, Schwefelkies, Blende, auch wohl etwas Kupferkies finden. Kohleneisenstein findet sich besonders zwischen den Flötzen Groß-Langenberg und Meister in der Nähe des Flötzes Bruch und unter dem Flöze Furth in Verbindung mit den Flötzen Stinkert. Das erste Vorkommen besteht aus abwechselnden Lagen von Steinkohle, Kohleneisenstein und thonigem Sphärosiderit. Der Kohleneisenstein selbst ist reich an Steinkohle und besteht aus dünnen Lagen; er ist auf den Gruben Hoheneich und Gouley aufgeschlossen. Der Sphärosiderit findet sich dagegen auf den Gruben Vockert, Furth und Ath. Die Mächtigkeit des unmittelbar über dem Flötze Stinkert 2 lagernden Kohleneisensteines wechselt zwischen 14 und 54 Zoll (365“ und 1“,41); doch sind die brauchbaren Lagen nicht über 15 Zoll (390“) stark. Der Gehalt an Eisen ist ungemein schwankend. Phosphorsäure und Schwefelkies kommen in demselben überall vor; eine Gewinnung desselben hat bisher ebenso wenig stattgefunden, wie der vielen vorkommenden, aber wenig aushaltenden Lagen und Nieren von thonigem Sphärosiderit. sos Der Gebirgsabschnitt, in welchem das Wormrevier zwischen der westlichen Verwerfung bei Ursfeld und Bank und dem Feldbiß liegt, hat eine Länge von 1700 Lachter (3553"), nahe eine halbe Meile. Am Feldbiß, also da, wo die Ablagerung ihre größte Breite erreicht, beträgt die Entfernung des südlichsten und nördlichsten Flügels des Flözes Merl von Elchenrath bis Kirchrath und Klosterrath 3000 Lachter (6270") ( Meile). Das nödlichste Platte des untersten Flözes Steinknipp liegt noch 250 Lachter (522“) weiter entfernt. Die Sattel- und Muldenlinien, welche das ganze Becken in Specialmulden theilen, haben im Allgemeinen eine starke Neigung von 9 bis 14° gegen Osten; doch kommen mehrere Ausnahmen in der Weise vor, daß diese Linien auch nach der entgegengesetzten Weise sich senken, und dadurch Sattelkuppen gebildet werden, welche ein allseitiges Abfallen zeigen, oder Mulden, welche völlig geschlossen sind. Bei weitem nicht alle diese Sattel gehen in ihrer Längenerstreckung von dem westlichen Ausheben bis zum Feldbisse durch die ganze Partie hindurch; vielmehr verschwinden von (dem westlichen Ausheben bis zum Felde) den 20 bekannten Satteln 6 gegen Ost hin so, daß die beiden durch sie getrennten Mulden sich zu einer einzigen vereinigen. Ein Sattel verschwindet in westlicher Richtung und gehen daher nur 13 Sattel durch die ganze Partie hindurch. Die Lagerung ist daher gegen Ost in der Tiefe der Hauptmulde einfacher, als an dem westlichen Rande. Die Südflügel der Specialmulden sind im Allgemeinen sehr steil und fallen an einzelnen Stellen selbst widersinnig gegen Süd ein; je weiter gegen Nord, um so weniger tritt dieses steile Fallen bei denselben hervor; doch wechselt dasselbe. Auf der Südseite der Hauptmulde haben sie eine beträchtliche, geradlinige Längenerstreckung, welche bis 1250 Lachter (2612“) geht, und der eine bedeutende Höhe entspricht; gegen Nord hin nimmt dieselbe ab. Diese Südflügel werden mit dem Localnamen „Rechte“ bezeichnet. Die Nordflügel der Specialmulden haben eine mittlere und flache Neigung

gegen Süd, welche stellenweise bis 20° und selbst bis 12" herabsinkt. Auf der Südseite sind dieselben kurz, und ihre Länge, sowie die derselben entsprechende Breite, nimmt gegen Nord zu. Der nördlichste Nordflügel hat eine Länge von 1500 Lachter (3130“); auf dem liegendsten Flötze in der Stollensohle, auf den hangenderen Flötzen und in größerer Tiefe nimmt diese Länge sehr ab; auf dem Flöze Merl in der 104 Lachtersohle (217“) beträgt dieselbe nicht über 600 Lachter (1250“). Die Nordflügel werden in dem Reviere „Platte“ genannt. Die Mulden- und Sattellinien sind ungemein scharf. Die Flügel halten bis in ihre unmittelbare Nähe mit gleichem Streichen und Einfallen aus, bilden scharfe, häufig von Störungen begleitete Kanten, oder sind durch enge und kurze Bogen verbunden; nur wenige sind ausnahmsweise flach abgerundet. Je steiler die Rechten sind, um so mehr nähert sich die Lage der Mulden- und Sattellinie ihrem Streichen; bei ganz senkrechter Lage fallen dieselben zusammen. Die Sattelund Muldenlinien der verschiedenen untereinander liegenden Flötze liegen daher nicht in derselben senkrechten Ebene, sondern sie verschieben sich um so mehr seitwärts von einander, je verschiedener das Einfallen der beiden Flügel ist. Bei diesem Verhalten der Flötze weichen die Sattellinien auch ziemlich von der parallelen Lage ab. Im südlichen Feldestheile ist ihre Richtung ziemlich nahe von West-Südwest gegen Ost-Nordost; je weiter nach Nord, um so mehr nähert sich dieselbe der Richtung von Südwest gegen Nordost. Von Süd gegen Nord gezählt, hat die 5. Sattellinie, welche durch Spidell und Gouley geht, die Richtung Nord 61° 28 gegen Ost (des wahren Meridians), und die 19. Sattellinie, welche durch Neu-Vockert geht, Nord 50° 56“ gegen Ost. Sie bilden mithin einen gegen Nordost offenen Winkel von 10° 12“. Die mittlere Richtung der Sattellinien im Wormreviere ist Nord 56° 44“ gegen Ost und weicht um 12° 36' von der mittleren Richtung der Eschweiler Muldenlinie ab. Die Streichungslinien der Rechten im südlichen Felde liegen zwischen St. 4 und 6, der Platten im nördlichen Felde zwischen St. 1. bis 4. Der größte Winkel, den die Steigungslinien der Flügel bilden, beträgt daher 67 °. Außer den beiden Verwerfungen, welche das Wormrevier auf der Ost- und Westseite begrenzen, sind nur vier größere Verwerfungen in demselben bekannt, die also beträchtlich weit von einander entfernt liegen und ebenso, wie der Feldbiß, ge

gen Ost und Nordost einfallen. Außerdem kommen viele kleine, nicht weit fortsetzende Verwerfungen vor und neun größere Wechsel oder Ueberschiebungen, welche in einer nahen Beziehung zu den Sätteln und Mulden stehen. Das Streichen derselben hält sich innerhalb der Streichungslinie der Flötzflügel, zwischen St. 2 und 5. Das Einfallen ist mit wenigen Ausnahmen gegen Südost gerichtet.

Der Feldbiß streicht mit vielen beträchtlichen Biegungen zwischen den bekannten Endpunkten in St. 10 und fällt mit 70° gegen Nordost ein; derselbe ist an mehreren Stellen aufgeschlossen.

An der Südseite des Revieres ist er auf Königsgrube in der 82. Lachtersohle (172“) durchfahren und besteht hier aus einer 6 Lachter (12“,5) mächtigen, mit Letten und Bruchstücken von Schieferthon und Sandstein erfüllten Kluft. Im Liegenden derselben halten die Flötze und Gebirgsschichten regelmäßig bis an den Abschnitt aus, während im Hangenden ein unregelmäßiges, gestörtes Gebirge in wechselnder Beschaffenheit bis zu einer Entfernung von 100 Lachter (210“) fortsetzt und sich dann erst nach mehreren kleineren Verwerfungen regelmäßig gestaltet.

Auf der Grube Gouley ist diese Verwerfung in der 104 Lachtersohle (217“) durchfahren. Das Flöz Hüls hält bis zum westlichen Abschnitte der Kluft, welche in St. 9 streicht und mit 70" gegen Nordost bis zur seigeren Stellung einfällt, regelmäßig aus. Die Kluftausfüllung mit großen Keilen vom Kohlengebirge erreicht hier eine Mächtigkeit von 45 Lachtern (94“). Die östliche Kluft streicht in St. 10 und fällt ebenfalls gegen Ost ein. An dieselbe schließt sich gestörtes Gebirge an, welches bis zu einer Entfernung von 110 Lachtern (230“) fortsetzt und dann erst regelmäßig wird. Dann ist ein regelmäßiges Flöz von 42 Zoll (1“,1) Kohle und 18 Zoll (470“) Bergmittel getroffen worden, welches durch die backende (fette) Beschaffenheit von allen mageren Flötzen des Wormrevieres sich unterscheidet. In den Zwischenräumen zwischen den Punkten, wo der Feldbiß und die Münstergewand bekannt sind, zeigt sich die Verbindung beider an der Oberfläche in dem plötzlichen Abfall des Hügelzuges, welcher sich aus dem Atscher Walde über Verlautenheid erstreckt, und in dem Abbrechen der Devonschichten und des Kohlenkalkes in ihrem Fortstreichen gegen Nordost. Das Erzvorkommen vom Aachener Herrenberg liegt nahe an dieser Linie.

(Schluß folgt.)

Notizen über Papierfabrication. Von Otto Krieg.

Die Literatur der letzten Jahre hat nicht viel Neues über Papierfabrication gebracht. Die Frage nach geigneten Surrogaten für die bei dem steigenden Consum von Papier immer mehr fehlenden Lumpen beschäftigt noch immer alle Interessenten*). Die Sache hat sich aber bereits sehr ge

*) Ueber Surrogate zur Papierfabrication s. Bd. IV, S. 266 und Bd. VIII, S. 384 d. Z. D. Red. (L.)

klärt, und man ist bei uns in Deutschland allgemein zu dem Resultate gekommen, daß (abgesehen von Stroh) die Holzfaser vorläufig das einzige praktische Surrogat sei. Die meisten übrigen Vorschläge, andere Pflanzenstoffe zu Papier zu verwenden, so viel Patente auch darauf genommen wurden, haben sich in der Praxis als unausführbar erwiesen, theils weil die betreffenden Faserstoffe nicht in den gehörigen Quantitäten zu haben waren, theils aber auch, weil das Surrogat höher im Preise zu stehen kam, als Lumpen selbst. Für keines der vorgeschlagenen Surrogate ist wohl so viel Reclame gemacht worden, als von Oesterreich aus für die Mais faser*). Wir erinnern nur an den auf Maisfaserpapier gedruckten Katalog der österreichischen Abtheilung auf der Londoner Industrieausstellung vom Jahre 1862. Die österreichische Regierung hatte die große Papierfabrication zu Schlögelmühl speciell für Maispapier eingerichtet, hat aber so schlechte Geschäfte damit gemacht, daß vor einigen Jahren die ganze Fabrik aufgelöst, und die Maschinen einzeln verkauft wurden. Ein anderer Faserstoff, welcher zu einer ungleich größeren Bedeutung gelangt ist, wenn auch nicht bei uns, so doch in England, ist das Espartogras. Diese Pflanze wächst wild in Spanien und an der Nordküste von Afrika, hauptsächlich in Algier. Die billige Seefracht, die billigen Chemikalien für die Verarbeitung und die Steuerverhältnisse ermöglichen gerade für England die Einfuhr dieses Surrogates; für Deutschland und selbst für Frankreich wird dieser Stoff zu theuer. In Deutschland ist der Verbrauch von Holzstoff in der Papierfabrication gegenwärtig so allgemein geworden, daß wohl nur noch wenige Papierfabriken existiren möchten, die noch gar keine Bekanntschaft mit diesen Surrogaten gemacht hätten. In den seltensten Fällen bereitet sich der Papierfabricant den Holzstoff selbst, weil es ihm zumeist an der großen dazu erforderlichen Betriebskraft fehlt; er kauft denselben vielmehr fertig von den Holzschleifereien, welche jetzt schon in großer Zahl in der Nähe der Papierfabriken, besonders wo es billige Wasserkräfte giebt, sich etablirt haben. – Im Allgemeinen ist freilich der Holzstoff nur zu geringeren Papiersorten zu verwenden. Zu ganz weißen feinen Papieren erlaubt schon die gelbliche Farbe des Holzes (meist Fichtenholz) keinen Zusatz, und Holzstoff läßt sich leider nicht bleichen, wenigstens nur auf so außerordentlich schwierigem Wege, daß man es vorläufig aufgegeben hat. Am besten ist der Holzstoff für Zeitungspapiere (und welche ungeheuren Quantitäten werden nicht gerade davon gegenwärtig verbraucht!) zu verwenden; dieselben können ganz gut zur Hälfte oder zu Zweidrittheilen aus Holzstoff bestehen. Auch mittelfeine Druckpapiere erlauben einen Holzzusatz bis zu 25 pCt.; doch muß der Faserstoff ein wenig weißer gebleicht sein als sonst, um damit die gelbliche Nüance des Holzstoffes zu compensiren. Der Holzstoff für Druckpapier hat noch den Vortheil, daß es sich besser darauf drucken soll, als auf dieselbe Qualität Papier ohne Holz; Holzpapier saugt die Buchdruckerschwärze sehr gut an und verhält sich entfernt ähnlich dem chinesischen Papiere (welches aus jungem Bambusrohre ohne alle Lumpen gefertigt wird*)). Zu guten Schreibpapieren ist der Holzstoff mit weniger Vortheil zu verwenden, da das Papier dann für die Stahlfeder immer ein wenig rauher erscheint; auch wird ein Conceptpapier ohne Holzzusatz beim Satiniren wesentlich glatter, als ein gleiches Papier mit Holz. Trotz alledem werden große Quantitäten Holzstoff zu Conceptpapieren verwendet.

*) Vergl. Bd. VIII, S. 336 d. Z.

**) Vergl. Bd. VIII, S. 289 d. Z. D. Red. (L.)

Ob ein Papier Holzstoff enthalte oder nicht, vermag ein geübtes Auge bald mit ziemlicher Sicherheit zu unterscheiden; ein leichtes Hülfsmittel dabei ist ein Betupfen des fraglichen Papieres mit verdünnter Salpetersäure; ist Holz vorhanden, so entsteht sofort ein brauner Fleck, während im entgegengesetzten Falle keinerlei Einwirkung zu sehen ist. Was nun die Maschinen zur Zerfaserung des Holzes betrifft, so sind die besten unstreitig die von Heinrich Völter in Heidenheim in Württemberg. Der Genannte hat überhaupt die größten Verdienste um Einführung des Holzstoffes in die Papierfabrication. Seine ersten Anfänge, Holzzerfaserungsapparate zu construiren, datiren schon aus dem Jahre 1846. Der Apparat besteht bekanntlich im Wesentlichen aus einem großen, um eine horizontale Achse schnell sich drehenden Mühlstein, auf welchen unter beständigem Wasserzuflusse Holzklötze, die Fasern parallel der Axe des Steines, mittelst selbstthätiger Schraubenvorrichtungen aufgepreßt und nach und nach ganz zu Brei geschliffen werden 2c. 2c. Eine recht ausführliche Beschreibung des Völter’schen Apparates mit besonderer Berücksichtigung seiner Entstehungsgeschichte befindet sich in dem Aufsatze von Professor Rühlmann „über Papierzeug aus Holz“ in den „Mittheil. des Gew.-Ver. f. d. Königr. Hannover“ (1865, S. 17 bis 32). Ein Völter’scher Apparat, welcher in 24 Stunden circa 10 Ctr. fertigen Holzstoff (trocken gerechnet) liefert, kostet 2500 Thlr. und erfordert 40 bis 50 Pfrdst. Ein anderer, aber sehr ähnlicher, Holzzerfaserungsapparat ist von Siebrecht in Cassel construirt worden, welcher sich eigentlich nur durch die Art der Anpressung des zu schleifenden Holzes unterscheidet; hier werden die Holzklötze erst vorher cylindrisch abgedreht und beim Zerfasern selbst in einer rotirenden Bewegung erhalten, was nach unserer Ansicht die Maschine unnöthiger Weise complicirt macht. S. Endlich wird in neuester Zeit noch nach einem ganz anderen Principe mit dem Zerfasern des Holzes verfahren. Die Holzklötze werden durch eine Art Raspelmaschine in ziemlich grobe Späne verwandelt, welche in rotirenden eisernen Kochkesseln mit starker Lauge und unter möglichst hohem Dampfdruck gekocht werden. Nach dieser Behandlung werden die Holzspäne so weich, daß sie sich wie Lumpen im Holländer klein mahlen lassen. Doch giebt dies Verfahren einen ziemlich ordinären Holzstoff; wir sahen dasselbe in einer Fabrik in Anwendung, wo nur ordinäre Tapeten- und Packpapiere gefertigt wurden. Eine sehr großartige Fabrik von Holzstoff nach diesem Principe soll aber in Manayunk in Amerika existiren. Das „Practical Mechanic's Journal“ (Juli, 1865, S. 125) und daraus das „Polytechn. Centralblatt“ schreiben darüber: „Die Manayunker Holzzeugfabrik liegt am Schuylkillflusse und hat einen Canal und eine Eisenbahn zur Verfügung. Sie wurde im August 1864 begonnen und ist jetzt vollendet. Die Gebäude sind massiv aus Stein gebaut, umfassen einen Raum von 1000 Fuß engl. (305") Länge und 350 Fuß (107“) Breite, und kosten über 5 Million Dollars (685,000Thlr.). Die tägliche Production ist zu 240 bis 300 Ctr. engl. (12,120 bis 15,150 Kilogrm.) Papierstoff angenommen. Der wichtigste Theil der Fabrik ist das Verdampfungs- oder sogenannte Rundhaus, in welchem das Holz durch Soda erweicht wird. Daran

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