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Mechanische Wärmetheorie bon Professor Dr. Carl wolke

46 S. 8. (Preis 10 Sgr.) Stuttgart, 1866. J. B. Megler'sche Buchhandlung.

Dieses Schriftchen ist als leßte Arbeit des im Frühjahre 1865 verstorbenen Verfassers von Hrn. Prof. Dr. Zech herausgegeben worden. Es enthält eine gedrängte Darstellung des Ges schichtlichen der mechanischen Wärmetheorie, wobei u. A. auch der vom Verf. an ihrer ersten Ausbildung genommene Antheil in das gebührende Licht geseßt wird, ferner ihrer Grundfäße, deren Anwendung auf Gase, der sogenannten Rreisproceffe und einiger weiterer physikalischer Folgerungen.

Daß bei dein mäßigen Umfange des Schriftchens, welches wohl hauptsächlich aus Aufzeichnungen zum Zwecke der theoretischphysikalischen Vorträge des Verf. hervorgegangen ist, kein so bolle ständiges Eingehen in den Gegenstand erwartet werden kann, wie in Zeuner & vortrefflichen Lehrbuche dieses Wiffenschaftszweiges, ift selbstverständlich; doch wird auch für Renner des Leşteren die Holßmann'sche Schrift einiges Interesse bieten, besondere durch die Darstellung der Krönig-Olausiu a'schen Theorie des Druckes der Oase.

Einige kleine Mängel dürfen wohl dem Umftande zugeschrieben werden, daß es dein Verf. nicht vergönnt gewesen ist, die Herausgabe des Schriftchens nach einer legten Durchsicht selbst zu besorgen. Wenn z. B. S. 14 das Wesen der gleichen Temperatur zweier Körper darin gefunden wird, daß die Atome derselben gleich lang dauernde und gleich weite Schwingungen machen, somit die lebendigen Kräfte, mit denen die Atome ihre Gleichgewichtslagen paifiren, fich wie die Massen dieser Atome verhalten, so beruht es offenbar auf einem Irrthume, daraus den Dulong'schen Saß zu folgern, wonach bie Atomgewichte den specifischen Wärmen (der Gewichtscinheit) umgekehrt proportional find; nad jener Annahme würden vielmehr die Atomwärmen den Atomgewichten proportional, somit im Gegensaße mit der Erfahrung die speciftfchen Warinen constant sein.

0.

dehnende Kraft wird hervorgebracht durch die Rotation der Gas(Aether-) und Wasseratome um einander." Nach gewiffen Mechnungen, welche wir hier in der Rürze nicht wiedergeben können und daher auch nicht charakteristren dürfen, gelangt der Verf. endlich zu einer Gleichung für die Abhängigkeit der Dichtigkeit des Wassers von der Temperatur, zu deren Prüfung er fich bewogen findet, die Dichtigkeit des Wassers bei verschiedenen Temperaturen auf's Neue zu messen. Seine Methode ist bon überraschender Einfach heit. Er wog die Wassermenge, welche ein cylindrisches Gefäß von Gisenblech bei verschiebenen Lemperaturen zu fassen bermag (ca. 15 Pfd.) auf einer Decimalwage (Gewichte auf der Brücke). Das Gefäß wurde in einem größeren Wasserbehälter erwärmt; sein oberer Boden war durch ein Rohr durchseßt, in welches ein Thermometer gesteckt werden konnte. Nachdem das Wasser im Gefäße auf die bestimmte Temperatur erwärmt war, hob ich Leşteres aus dem größeren Behälter heraus, hängte es mittelft des Henfels an zwei Hafen auf und beobachtete die Temperatur des Wassers; alédann goß ich sehr schnell noch ein wenig erwärmtes Wasser nach (da das Thermometer etwas zu viel verbrängte), regulirte den Wasserstand im Rohre, verschloß Leşteres mit einem Stöpsel

, reinigte vermittelft eines baumwolenen Suches die Außenwände sehr sorgfältig von den daran haftenden Wassertropfen und seşte schließlich das Gefäß auf die Wageschale zum Wägen." Ob die Wägung auf den luftleeren Raum reducirt fel, ist nicht erwähnt. Wegen der Ausdehnung des Gefäßes begnügt fich der Verf. mit der Annahme, daß die Volumenzunahme des Eisens, welche der Teinperaturerhöhung von 0 bis 100° entspricht, ungefähr zoo sei. Die Angaben des Thermometers wurden auf zweifache Weise corrigirt. Erstens: „Ate Thermometer zeigen kleine Differenzen unter einander; es ist deshalb bas bei den Versuchen gebrauchte Thermometer mit drei anderen verglichen worden. Das Mittel aus den vier Thermometerablesungen wurde als richtig angenommen.

Man fteht, der Verf. macht mit den Schwierigkeiten, welche sich dem Physiker in den Weg ftellen, kurzen Proceß. Ob auch die Schwierigkeiten der Auffassung mit demselben Glücke überwunden werden, können wir aus der zweiten Temperaturcorrection abnehmen. Das Duecfilber befolgt nicht genau das Moleculargeses, wonach 0=T+Bm

mt sein müßte; wohlan, man corrigirt die Angaben des Thermometers, indem man für T = 40° (Gefrierpunkt des Wassers) und T=140® die Dichtigkeiten (m) des Queckfilbers bestimmt, hieraus die Werthe von B und ableitet, und dann eben T - mt-B mi feßt. Hiernach hatten wir allerdings eine bestimmte Definition der ,, Temperatur", welche bisher vergeblich in der Schrift gesucht wurde; aber was bedeutet nun das Moleculargesep?

Wie der Verf. glauben kann, die wissenschaftliche Welt von dem Vorzuge seiner Bestimmung der Ausdehnung des Quecksilbers zwischen 0 und 100° (zu 53,statt

55,09) vor der Regnault' schen in einem Berichte von 8 Zeilen zu überzeugen noch dazu wenn er erzählt, daß er die Gewichtsmenge Quecksilber gewogen habe, welche eine Glasflasche bei verschiedenen Temperaturen fassen konnte (ca. 17 Pfo.) – wird durch den Zusaß nicht begreiflicher:

obgleich die angewendete Wage in diesem Fade kaum die nöthige Feinheit besaß, so möchte doch diese Zahl eine ziemlich genaue fein.

Zu den bemerkenswerthen Resultaten dieser Untersuchung gehört, daß der Verf. zu der Ueberzeugung gelangt ist, daß das Wasser seine größte Dichtigkeit nicht bei 40, sondern bei 0° habe.

Wenn wir aus den späteren Abschnitten noch anführen, daß der Verf. Das Arbeitsäquivalent der Wärme zu

1941,9mk *) ausrechnet, und die Calorieen, welche ein Kilogramm Wasser von 0° in Dampf von o' verwandeln, zu 3319 (606,5 Regnault), To werden wir wohl die Spannung des geehrten Lesers soweit erregt haben, daß er diese Abschnitte, welche nod; eine Theorie der Dampfmaschinen und der calorischen Maschinen enthalten, felbft nachzulesen sich beeilen wird.

. Bertram. *) 453 mk. Tresca und Laboutage. Ann. des Conserv. T. VI. 1866.

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1

Matbematik. Fünfftelige gemeine Logarithmen der Zahlen und der Winkelfunctionen von 10 zu 10 Secunden nebst den Proportionaltheilen ihrer Differenzen. Von August Gernerth. 8. VIII und 144 S. Wien, 1866. Friedrich Bed's Verlagebuchhandlung. —

Vorstehende Tabellen find unter den mir bekannten (und ich hoffe fast fämmtliche zu kennen) 5 ftelligen die vorzüglichften der Einrichtung nach. Die Prüfung auf Correctheit habe ich unterlassen in dem Vertrauen, daß der Verf. Der Bemerkungen über ältere und neuere mathematische Tafeln, Wien, Gerold's Sohn 1863" für diefelbe ebenso gewissenhaft gesorgt hat. Nur einige wesentliche Vorzüge will ich hier kurz bemerken:

1) Die Erhöhung der legten Decimalziffer ist durch eine burchftrichene Ziffer angegeben im Gegensaße zu den in neueren Werfen üblichen unterstrichenen; Ref. hat selbst in seinem Werke

Mathematische Tabellen, Formeln und Constructionen" die legte Methode adoptirt und erst zu spät bemerkt, daß wirklich einzelne Striche auf den Stereotypplatten weggebrochen find, ohne daß man den gedruckten Ziffern diesen Mangel ansteht.

2) Die goniometrischen Logarithmentabellen find für alle Winkel von 10 zu 10 Secunden angegeben, wodurch unangenehme zeitraubende Zwischenrechnungen ganz vermieden werden.

3) Die ausführliche Darlegung der Rechnungsregeln mit Rücksicht darauf, ob die leßten Ziffern durchftrichen find oder nicht.

Es werden alle Diejenigen, welche derartige Werke häufig benußen müssen,* auf dieses insbesondere aufmerksam gemacht, und fügt Ref. zu dem Ende noch das Inhaltsverzeichniß bei:

Die gemeinen Logarithmen der dekadischen Zahlen von 0 bis 10,000 mit 5 und von 10,000 bis 10,800 mit 6 Decimalstellen nebst Hülf&tafeln zur Berechnung der gemeinen Logarithmen der Sinus, Tangenten und Cotangenten der Winkel von 0 bis 3o. Verwandlung der gemeinen Logarithmen in natürliche und umgekehrt. Verwandlung der Grade und Minuten in Secunden. Verwandlung der Grade und Minuten in Decimaltheile des Oraded. - Die gemeinen Logarithmen der Sinus, Sangenten, Cotangenten und Cofinus aller Winkel von 10 zu 10 Secunden mit 5. Decimalftellen. – Länge der Kreisbogen für alle Grade,

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Minuten und Secunden der Kreislinie mit dem Halbmeffer 1. Goniometrische Functionen aller Winkel von Grad zu Grad mit 2 Decimalftellen. – Sehnen und Pfeile aller Winkel von 0 bis 180° von Grad zu "Grad mit 2 Decimalstellen. Potenzen der Grundzahl 10 mit 15 Decimalstellen. --- Tafel zur Berechnung der gemeinen Logarithmen der Zahlen mit 15 Decimalstellen. Verivandlung der Grade, Minuten und Secunden in Stunden, Minuten und Secunden. Gonftanten.

Hur.

Lehrbuch der darftellenden Geometrie von 3. Solotke, Lehrer der Darstellenden Geometrie an der öffentlichen Gewerbedule, der öffentlichen Schule für Baubandwerfer und der polytechnischen Vorbildungsanstalt in Hamburg. 4. II und 36 S. Mit 25 lithographirten Tafeln. Hamburg, 1867. B. S. Berenda fohn.

Der Verf. giebt in engen Grenzen eine elementare populäre Darstellung der Projectionslehre für Anfänger mit Ausschluß praktischer Anwendungen.

Hør.

Allgemeine Technologie. Einleitung in die technische Mikroskopie nebst mikroskopischtechnischen Untersuchungen. Von Dr. Julius Wiener, Docent am R. R. polytechnischen Institute in Wien. 271 S. 8. Mit 142 in den Sert gedruckten Holzschnitten. Wien, 1867. Wilh. Braumüller.

Unter diesem Titel bietet uns der Verf. eine vortreffliche Arbeit, welche, auf dem Boden strenger Wissenschaftlichkeit fußend, dem Chemiker und Techniker diejenigen Hülfsmittel vorführt, welche der Gebrauch des Mikroskoped ihnen zur Zeit zu gewähren bers mag. Nach seinen eigenen Worten faßt er die Aufgabe der technischen Mikroskopie dabin zusammen, auf dem Wege der mikrostopischen Beschauung unter Anwendung geeigneter Nebenhülfemittel gewerbliche Waren (Rohproducte, Halbfabricate und fertige Waren) nach Ábstammung und Beschaffenheit zu erforschen und jene Fabricationsprocesse, welche die Verarbeitung organistrter Producte zum Zwecke haben, zur Erzielung eines möglichst gründlichen Verständnisses mit bewaffnetem Auge zu studiren.

Mit Recht betont er, daß jeder Untersuchung eine eracte wissenschaftliche Methode zu Grunde liegen muß, und daß für alle die Fälle, welche in das bezügliche Gebiet einschlagen, neben genauer Renntniß der Physik und Chemie eine solche der Pflanzenanatomie und der Lehre von den thierischen Geweben erforderlich ist. Von dieser Ueberzeugung durchdrungen, bleibt er jeder populären Vers wässerung fern, führt allerdinge in die Wissenschaft ein, fordert aber von dem Leser im Ganzen mandherlei Vorkenntnisse, giebt neben einer wohlgesichteten Auswahl der Resultate

, weldhe bis dahin in anderen Sammelwerken ober Monographieen fidy niedergelegt finden, eine größere Reihe auf eigener Forschung ruhender Beoba achtungen.

Das Budy zerfällt in folgende Abschnitte:
1. Dad Mikroskop und die mikroskopische Beobachtung.
2. Die Zelle im Allgemeinen.
3. Die Pflanzengelle.
4. Das Pflanzengewebe.
5. Die Anordnung der Gewebe im Pflanzenkörper.
6. Die Zellbildung im Pflanzenreiche.
7. Die thierischen Gewebe.
8. Die lintersuchung unorganisfrter Substanzen durd, das

Mikroftop.
Sodann finden sich, als eine zweite Abthetlung, drei Ab-
Handlungen über mikroskopisch-technische Untersuchungen, nämlich:

1. Die Untersuchung der Stärke und des Mebles.
2. Die mikroskopische Untersuchung des Papieres.
3. Die Anwendung des Mikroskopes in der Zuckerfabris

cation. Jeder einzelne Sheil wird im Tone des belehrenden Vors trages abgehandelt, und schon um debwillen ist das Werk nicht als eine , Anleitung" ini gewöhnlichen Sinne des Worte zu nehmen, nicht als ein Handbuch zum Nachschlagen; es erfordert vielmehr in allen seinen Einzelheiten ein wirkliches Studium, ehe C8 Vortheile zu bringen vermag.

Der erfte Abschnitt läßt berhältnismäßig zu wünschen übrig. Wohl immer wird Derjenige, welcher mit dem ernften Willen, Etwas zu lernen, an das Buch herantritt, den beschriebenen Theil der Dioptrik bereits kennen und aus diesem Grunde fofort darüber Hinweggchen; im entgegengesepten Falle bleibt die Beschreibung durchaus unzureichend. Die Entstehung der Bilder ist ohne genügende Erklärung geblieben; auch feblen alle Abbildungen des Mikroskopes selbst, die der Immerstond objective, der Blend- und Beleuchtungsvorrichtungen, der Mikrometer u. s. w. Wohl wird der Leser auf andere, eine nähere Beschreibung enthaltenbe Bücher hingewiesen; allein unserer Ansicht nach müßten bie Construction und der Gebrauch des Instrumentes in einer „ Einleitung in die technische Mikroskopie" eingehender besprochen werden, als es hier geschehen ist.

In jeder Art vortrefflich sind die Abschnitte 2 bis q abgehandelt. Die klare Darstellung wird unterstüßt burch sauber in Holzstich ausgeführte Zeichnungen, welche in richtiger Würdigung das Unwesentliche von dem Wefentlichen getrennt halten und die Aufmerksamkeit nur auf den eben abgehandelten Stoff lenken. Ganz besonders gelungen ist Abschnitt 2, die Pflanzenzelle im Allgemeinen besprechend, sodann auch die Abhandlung über die Hefe im Abschnitte 6, welche die neueren Ansichten über die Un= selbstständigkeit der Hefenpflanze vertritt und bezüglich der Präcis ton' be Áudbrucke und lichtvollen Schärfe musterhaft genannt zu werden verdient.

Daố gleiche lob ist dem Abschnitte 8 leider nicht zuzuerkennen. Allerdings verweist der Verf. auf ein anderes Buch: Harting, das Mikroskop ic."; allein es bleibt im hohen Maße zu bebauern, daß er die Methode der Bestimmung des Brechungoinder von Flüssigkeiten so unzulänglich behandelte. Audh der Beschreibung der mikrochemischen Probe mußté größere Ausführlichkeit gewidmet werden, um so mehr, als die Mifrochemie bie jest noch nicht die gebührende Beachtung fand.

Die Abhandlungen über mikroskopisch-technische Untersuchungen einiger wichtiger Stoffe bieten zunächst Belege für die Art und Weise der Ausführung und Ausführbarkeit berartiger Arbeiten. Fede' Specialităt bildet ein in fich abgeschlossenes, wohl durch gearbeitetes Ganze8, aus welchem fich kaum ein Auszug geben läßt, da sich der Verf. unbeschadet der Deutlichkeit durchweg einer lobenswerthen Kürze befleißigt. Die erste beschäftigt sich zunächst mit dem unterschiedlichen Verhalten der Stärkenrehlkörner verfchiedener Pflanzen, dann mit dem achten Sago, ber Tapioca und ähnlicher Fabricate, den Stärkesorten des Handels und endlich init den verschiedenen Mehlsorten und vorkommenden Verfälschungen. Bei der Unmöglichkeit, auf rein dhemisch-analytischem Wege die wahre Natur der bezüglichen Handelsware festzustellen, gegenüber den so überaus häufigen Anforderungen, welche nach dieser Seite an den Analytiker gestellt werden, ift jede Verschärfung der Methode ein willkommenes, weil wesentliches Hülfámittel. Und ein solches liefert uns der Verf. nicht nur hier, sondern auch in der zweiten Abhandlung über das Papier, welche die wichtigften Sorten beffelben nach Fafersubstanz, Leimung, Füllung und Färbung be: handelt.

Die dritte und leßte Abhandlung hat zunächst wohl nur wissenschaftlichen Werth; allein ste ist nichtsbestoweniger die hervortretendste Arbeit des ganzen Buches. An der Band strenger Beobachtung studirt der Forscher alle Einzelfragen, welche die Zuckerfabrication, namentlich aus der Rübe, ihm bietet; er läßt nicht den Theoretifer, nicht den Praktiker ohne Antwort, bekämpft bisher geltende Vorurtheile und seßt eine rationelle Methode an die Stelle bisher üblicher irrationeller; bas Preßverfahren verwerfend, redet er dem Macerationsverfahren das Wort.

AŰes in Alem genommen ist das besprochene Wert eine werthvolle und seinen Berf. ehrende Bereicherung unserer Literatur, und wir zollen diesem deshalb gern den Dank, welchen die Technik willig allen Denjenigen entgegenbringt, die der Praris nährende, auf dem Felde gründlicher Forschung gezeitigte Früchte barreichen.

F. B.

Chemische Technologie. Löslicher Copal. Violette hat gefunden, daß Copal, Bernstein und die ähnlichen Harze, welche ich nicht in Aether, Terpentinöl, Benzin und anderen Kohlenwasserstoffen, sowie in den fetten Delen auflösen, durch Erhißen in verschlossenen Gefäßen auf 350 bis 400 darin löblich werden und alsdann wirklichen Firniß liefern.

Schon 1862 hatte Violette die Beobachtung beröffentlicht, daß Copal durch Destillation bei 350° in einen löslichen Zustand übergeht. Hierbei findet aber ein Gewichtsverlust bon 25 bis 50 pét. statt, während beiin Erhißen im verschlossenen Raume nicht der geringste Berlust stattfindet. Der durch Destillation umgewandelte Copal ist schon Handelsproduct geworden.

Violette hat die Umwandlung des Copales sowohl in zugeschmolzenen Glasröhren, wie in einem Kupferrohre bon 0®,50 tänge und 0",06 innerem Durchmesser und 09,01 Wandstärke auss geführt und beobachtet, daß die Spannung dabei auf 20 Atmosphären steigt. Durch vorläufiges Austreiben des Wassergehaltes kann die Spannung vermindert werden.

Bernstein erfordert für die Umwandlung eine Lemperatur von 400°.

18.

Eisenbahnwesen. Eisenbahnwagenachfen. - Unter dem Titel: ,,Ein auf prattische Erfahrungen fich fügender Beitrag zur Sheorie der Eisenbahnwagenachsen" vergleicht Hr. Maschineningenieur Georg Meyer zu Hannover in Organ für die Fortschritte des Eisenbahnwesens" (1864, S. 187) die Resultate des in derselben Zeitschrift (Jahrg. 1854, Nr. 28) befindlichen Auffaßes von Ih. Büte Ueber die rationelle Forin der Achsen für Eisenbahnfahrzeuge“ mit den Umftanden, unter welchen die feit 1857 auf den Hannoverischen Eisens bahnen vorgekommenen Achsbrüche stattfanden, woraus eine sehr gute Uebereinstimmung jener theoretischen Resultate mit der Grfahrung fic ergiebt.

Nimnit man an, daß der Druck P des Achslagers auf das Ende des Achsschenkele ausgeübt wird, also bei A in nachstehender Skizze — eine Vorausseßung, deren Angemessenheit zwar zweifelhaft ist, welche indeffen bei Seitenschwankungen des Fuhrwerfe8, also in ungünstigsten Falle der Wahrheit ohne Zweifel nahe kommt –

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Bauwesen. Asphaltfilz- und Pappdächer. Im Anschlusse an unser Referat auf S. 217 d. Bd. ,, über Dachpappe und Dachfilzbes dachungen" geben wir im Nachstehenden einige Notizen aus einem Artikel von W. Hirsofelb über Asphaltfilz- und Pappbacher, welcher in der Zeitschrift des Architekten- und Ingenieurvereines in Hannover", Jahrgang 1866, veröffentlicht ist und hauptsächlich Angaben über einen guten und dauerhaften Anstrich dieser Dacher enthalt.

Nachdem die Pappe oder der Filz gehörig sorgfältig und glatt auf die Verschalung des Daches befestigt ist, schreitet man Hei trođenem Wetter zu dem Anstreichen der Dächer mit der Vorfichst, daß die Arbeiter, welche dieses Geschäft verrichten, nicht Um dieses zu vermeiden, bedient man fich bei dem Anstreichen leichter Leitern, welche an der unteren Fläche mit dünnen Brettern verschalt sind, und an deren oberem Ende man leichte eiserne Bügel anbringt, welche man über die Firfte des Daches hängt. Indessen können, wo diese Leitern nicht zu haben sind, die Arbeiter bei dem Anstreichen der Dächer auch Filzschuhe anziehen.

Das Dach wird mit dünnflüssigem, etwas erivärmtem Steinkohlentheer, der aber nicht gekocht, sondern nur durch erhigte Strine flüssig erhalten wird, bestrichen; gleich darauf erfolgt ein Anstrich mit gelöschtem, gebranntem Rall, zu welchem etwas Swefelfäure gemischt ist. Das Zuseßen der Schwefelsäure zu der faustischen Kalfmilch muß aber mit großer Sorgfalt geschehen. Man macht die Kalkmilch so dünnflüsitg, daß ste das Aussehen abgerahmter Milch hat; dann wird die Schwefelfäure unter starfent, fleißigem Umrühren sehr langsam hinzugefügt, damit der Ralf nidt in Klümpchen gerinnt, sondern die Conststenz von fettem Rahm bekommt, welches als Zeichen des richtigen Mischungsverhältnisses bient. Da nun die auf diese Weise mit Schwefelsäure behandelte Ralfmilch die Neigung zeigt, Gypøkrystalle zu bilden, so muß man eilen, den Theeranstrich damit zu überpinseln, um recht balb einen neuen Anstrich mit warmeni, dünnflüssigem Theer nach folgen zu lassen. Es wird sich bei diesem Verfahren ein schöner blauschwarzer Lacüberzug bilden, welcher elastisch ist, nicht abblättert oder springt und weder bei Hiße noch bei Kälte von seiner Güte einbüßt. Später wird das Dach bei den zu wiederholenden Anstrichen immer zuerst mit der beschriebenen fchwefelsauren Ralflösung und darauf mit dem erwärmten Theer geftrichen.

Man vermeide aber ja das gewöhnliche Uebersteben von Sand, Mauersteinmehl und anderen körnigen Substanzen, weil man damit nur den lackfirnißartigen Ueberzug verderben würde.

In den ersten Jahren ist es gut, wenn der Anstrich einmal jährlich wiederholt wird, wozu man am liebsten recht schönes Wetter erwählen möge.

Gin Versuch, das Dach nur mit schwefelsaurer Kalkmilch anzustreichen und erst im Herbste den Theeranstrich folgen zu lassen, gab keine guten Resultate. Hier mußte aber der Kalkanstrich vor den Theeren erst ausgebessert werden, weil dieser durch Negen zu sehr abgewaden war.

R. 3.

Unter Berücfidtigung der verschiedenen Einwirkungen, denen die Achse im Betriebe auðgesegt ist, und bei Vorausseßung der mittleren Länge a = 11 Zoll engl. gleich ca. 300mm fand nun Hr. Büte, daß, wenn die ganze Achse möglichst ein Körper von gleichem Widerstande sein soll, der Radius BD = r, ihres Quers schnittes an der Nabe ir zu machen sei, daß aber gegen die Mitte der Achse hin dieser Radius aümälig bis r abzunehmen habe, während der Durchmesser des Acheschenkels felbft so zu bes ftimmen ist, daß die Meridianlinie seiner Oberfläche die Curve AC berührt. Da nun bei einer im Dienste befindlichen Achse nur der Schenkel fich abnußt, so wird die schwächste Stelle nach und nach am Schenkelansaße hervortreten, somit auch hier voraussichtlich der Bruch erfolgen, ein Umstand, den der Verf. eben als relativ erwünscht bezeichnet, indem dann bei einem etwa eintretenden Bruche fid, der innere Theil der Adisbüchse auf den vor der Nabe vortretenden stärkeren Sheil der Achse, der dabei gleichsam als Noths acheschenkel dient, auflegt.

கு.

Kraftmafoinen. Die Berechnung der Dampfmaschinen mittelft praktisch eingerichteter Tabellen, welche ohne Anwendung algebraischer Red nungen die effective Leistung, den Dampfberbrauch und den vortheilhaftesten Erpansionsgrad doppeltwirkender Dampfmaschinen leicht bestimmen lassen. Zum Gebrauche für Maschinenconstructeure, Fabrikbefißer, Maschinenleiter, Geschäftsmänner, technische Beamte und Studirende technischer Bildungos anstalten aus Beobachtungsresultaten bearbeitet von O. Jentsch, Ingenieur. Leipzig, 1867. Commission&verlag von Gebhardt & Reialand.

Dem Vorwort" folgen 5 Tabellen *) zur Berechnung der effectiven Leistungen bon doppeltwirkenden Nichtcondensations- und Condensationsmaschinen, und Woolf'schen Maschinen mit verschiez denen Inhaltsverhältnissen der beiden Cylinder: als: Į, und . Eine fechste Tabelle enthält eine Zusammenstellung der Spannung, der Temperatur und des Gewichtes von 1 Cubiffuß Dampf und Producte des Legteren mit verschiedenen Rolbengeschwindigkeiten. Sabelle 7 liefert Zahlen, vermittelft beren bie Dampfverluste zu berechnen find. Eine Tafel für Kreieinhalte ist noch angehängt.

Mit N wird die effective Leistung in Pferbekräften ausgedrückt. Mit Oder Cylinderquersdinitt in Quadratzollen, mit 8 der Hub in Fußen und mit n die Umdrehungen pro Minute.

Man findet nun einer Anleitung zum Gebrauche der Tabellen zufolge N vermittelst der Formel

N=Ons X2, indem man einer der Tabellen I bis V die Zahl z entnimmt, je nach der angenommenen Dampfspannung und dem Füllungsgrade unters, den Weg des Rolbeno bis zum Dampfabschnitte bers ftanden.

Als Grundlage zur Berechnung der Tabellenwerthe hat der Verf. die Formeln benußt, welche in dem vortrefflichen Werke von 7. Völders „Der Indicator"**) aufgeführt sind.

Versteht man aber unter p. den mittleren Nußbampfbrud in Atmosphären, so ift

0.2n8. Pn. 14 N

480.80 Der Tabellenwerth z wäre demnach:

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8

2.

· Pa. 14

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480.60

Die Nußspannung po ist nun nach der Völckers' schen Rechnungsweise gleich der mittleren Spannungsdifferenz des Hinters und Vorberdampfes beim Nußgange der Maschine (pm - pv), weniger dieser Differenz beim Leergange (pm - po), und endlich weniger derjenigen Spannung,

durch welche fich die der Nußwirkung der Maschine proportionelle Reibung (die zufäßliche Reibung") ausbrücken läßt:

P. = P.-P. - (pm --- p.)- kp oder:

pm — (pv + pm — po). PO

1 tk Der Verf. sagt wiederholt (S. 7), daß er die zusäßliche Meia bung bersuch & mäßig bestimmt habe, giebt aber, was wir bedauern, nicht an, wie groß er dieselbe, also nad der vorstehen den Ausdruckweise den constanten Coefficienten k gefunden hat. Völders findet aus einigen Versuchen (S. 65 Feines Werkes) im Mittel k 0,13.

Auch die Ermittelung des Leergangbruces ist mit Stillschweigen übergangen. Zur Berechnung des Werthes pm hat der Verf. das Mariotte' (che Geseß zu Grunde gelegt. Wir finden solches nach Versuchen, die Andere und auch Sdireiber Dieses ges macht haben, gerechtfertigt, aber doch nur unter der Vorausseßung, daß auch der schädliche Raum zum Füllungsraume hinzuges rechnet wird. Den S. 6 und 7 gegebenen Erklärungen nach läßt aber der Verf. bei dieser Gelegenheit ben schädlichen Raum gang außer Acht.

Der Vacuummeterstand im Condensator ist im Allge meinen auf 24 Pariser Zoll (650"") Quedftlbersäule angenommen. Für den Fall, daß derselbe ein anderer ist, oder daß bei Nichts condensation der Auspuff nicht in die freie Atmosphäre ftatta findet, find die Tabellen mit Correctionszahlen versehen.

Ais halben Stolbenweg pro Minute empfiehlt ber Verf. im Allgemeinen zu nehmen a) für eincylindrige Maschinen:

ng=5.(8 +4D+2p), b) für Woolf'sche Maschinen:

sphären verstanden *). Nach diesen Forineln sind ebenfalls Tabellen ausgerechnet.

Die Gewicht&menge Dampf, welche eine Maschine von N Pferdefraft pro Pferdekraft und Stunde verbraucht: bad confumverhältniß, wird nach Nr. IV der Erläuterungen berechnet aus der eigentliden Füllung, wobei der schädliche Raum auf to des vom Kolben zu durchlaufenden Raumes veranschlagt wird, und aus den unvermeidlichen Dampfberluften. Die aus Undichtigkeit von Schieber und Rolben entspringenden Dampfverluste find zwar nicht absolut unvermeidlich, aber in der Regel doch vorhanden. Will man sie überhaupt in Rechnung ziehen, so wird man selbstverständlich von einem durch Versuche bestimmten Mittelwerthe ausgehen müssen. Die Richtigkeit der Vbidera's fden Annahme, daß der zeiteinheitliche Dampfverlust bem Gewichte nach dem Kolbendurchmesser und der Wurzel aus der Druddifferenz des Hinter- und Vorderdampfes, also D V pm - p, proportional zu seßen ist, findet der Verf. durch seine Versuche bestätigt, und hat durch dieselben einen constanten Dichtigkeit&coefficienten ers mittelt, vermittelft dessen er die Werthe der Šabelle VII zur Bee rechnung der Dampfverluste gewinnt. Die Differenz P.-P, wird hier mit Charakteristik bezeichnet. Daß außer dem Dampfvers lufte durch Undichtigkeit der burch Condensation an den Cylinders flachen ein recht bedeutender, wirklich unvermeidlicher und auch ein im Allgemeinen berechenbarer ist, wurde im Bd. VII, S. 423 näher bargethan **). En wie weit es gerechtfertigt ist, jenen Undichtigkeit & coefficienten so groß zu nehmen, daß er auch den Condensation coefficienten involvirt, ist BD. VII, S. 431 angebeutet. Unter XI geht der Verf. auf diesen Gegens stand näher ein. Ju Nr. VI ift ferner durch Tabellen nachges wiesen, wie dampfökonomisch die hohen Dampfspannungen und großen Rolbengeschwindigkeiten, wie die der Locomotiven, find. Auch hier wie überall find die Erläuterungen durch Beispiele berbollftändigt.

.

Die Erklärungen unter VII. über Condensationsmaschinen und über die Superiorität der Dampfmaschinen über die Heißluft maschinen halten wir für recht belehrend für diejenigen Leser, welde immer noch auf einen Meffitas unter den Kraftmaschinen warten, der berufen ist, die Herrschaft des Dampfes zu stürzen.

Den von den Woolf'schen Maschinen handelnden Abschnitt übergehend, gelangen wir zur IX. Nummer über den vortheils haftesten Erpanfione grad mit Tabellen zur Ermittelung desa felben. A18 eines der wichtigen Ergebnisse bieses Abschnittes möge hier nur das hervorgehoben werden, daß, den vortheilhaftesten Füllungograd ein- und für allemal vorausgeseßt, der Dampf in einer Condensationsmaschine fich so viel mehr erpandiren muß, als in einer Nichtcondensationsmaschine, daß unter sonst gleichen Ume standen der Cylinderburdymesser für beide Falle derselbe sein muß. Sehr interessant ist dann der Vergleich sub X zwischen der Drosselung des Dampfes und der selbsttätig variablen Expansion. Die Verstellung der Erpanfton durch den Regulator ist hiernach im Augenreinen vortheilhafter, als die der Drosselklappe ***). In besonderem Maße gilt dies aber für Nichtcondensationsmaschinen.

Unter XII, XIII und 'XIV find noch Tabellen gegeben, welche fich auf die Confumbergaltniffe bei vortheilhafteftem Füllungegrabe für eincylindrige und Woolf'sche Maschinen bes ziehen. Nach einer Berechnung der Seizflächen der Dampfs fefsel und einer Anweisung zum Gebraude der Tafeln für andere Maßsysteme schließt das Werkchen mit einigen vergleichen den Nachrechnungen von Versuchen, welche an Schiff&maschinen und an Locomotiven angestellt worden sind.

Schließlich können wir dieses Buch sowohl Technikern, als Nichttechnikern (für Leştere ift es elementar und verständlich genug gehalten als ein recht nügliches empfehlen. Auch Druck und Papier lassen nichts zu wünschen übrig.

08=5.(6+40+2), unter D ben Cylinderdurchmesser in Fußen (ad b) des großen Cylinders), und unter p die absolute Anfangsspannung in Atmo

R. W.

*) Für D und s in Metern geben diese Formeln über in

a) ns = 1,57 (8 + 12,; D + 2p) und
b) ns = 1,57 (6 + 12,7D + 2p).

D. Red. (L.) **) Siebe aud Bd. VI, S. 225 6. 3.

***) Zu demselben Resultate gelangt Bolders, S. 98, in seinem Werke „Der Indicator“. Berlin, 1863. Verlag von Rudolph Gärtner.

*) Nad rheinländischem Maße und Boulpfund. **) Siehe BD. VIII, S. 503 D. 3.

2

Die Ursachen der Dampfteffelerploftonen und das Dampfkesfelthermometer als Sicherheitsapparat. Von Dr. Ã. Scheffler, Baurath. 72 S. 8. Berlin, 1867. Ernft & Korn.

Der bekannte Name des gelehrten Hrn. Verfaffers macht jede weitere Empfehlung überflüssig. Der Verf. fagt 6. 4: ,,Ich bin der Ansicht, daß keine Festigkeitstheorie die gewöhnlichsten Effecte der Erploston• zu erklären im Stande ist, selbst wenn eine noch so hohe Steigerung des Druces angenommen wird. Jeder Dampfkerfel hat nämlich nach Maßgabe seiner Form, seiner Zusammenlegung und der von Punkt zu Punkt variirenden Beschaffenheit seines Materiales eine Bruchlinie, welche seine schwachste Stelle unter dem Angriffe der fraglichen Kräfte bezeichnet. In Wirklichkeit wird diese Bruchlinie nidit in allen Punkten gleiche Stärke haben, sondern in einem Punkte am schwächsten sein. Dies ist der Bruchpunkt.

Wenn die Dampfspannung ein gewisses Maß übersdyreitet, erfolgt die Zerreißung des Ressels in der Bruchlinie und in keiner

ren Linie, und zwar beginnt die Trennung im Bruchpunkte und schreitet von hier aus vor, indem sich der Kessel nach der Bruchlinie aufschligt. Nun können unmöglich die bald longitudinal, bald transversal, bald gerade, bald krumm, bald durch eine Nietreibe, bald durch das volle Blech laufenden Trennungslinien eines erplobirenden Dampfkessels, welche den Reifel in mehrere, oft in viele Stücke von großem und kleinem Umfange und von den mannigfaltigsten Figuren zerlegen und oftmals ein gesundes Stück von kleinem Umfange aus dem vollen Fleische reißen, Brucha flachen nach der Festigkeitstheorie sein.

Hierzu kommt, daß voin ersten Augenblicke des erfolgenden Bruches der Dampfbrud rasch herabsinfen muß. Das Aufschlißen längs der Bruchlinie müßte also bald aufhören; der Dampf müßte in der Regel durch die in der Nähe des Bruchpunktes fich bildende Deffnung herausfahren. Wenn sich dabei auch die Ränder dieser Deffnung umbiegen, so können doch nicht füglich dieselben Stücke, welche keine Spur von Biegung zeigen, aus dem Kesselmantel ge= rissen werden, und wenn der entweichende Dampf auch wie eine aus einem Gefäße ftrönende Flüssigkeit einen Reactionsdruck nach entgegengesepter Seite äußert, so kann dies doch nicht das Abreißen, Zertrünmern und Fortschleudern vieler Stücke, sondern nur eine Pressung und allenfalls eine Verbiegung des aus elaftischem Materiale bestehenden Ressels, sowie möglicherweise eine Fortrückung des Reffels zur Folge haben.

Allerdings kommen auch Grplostonen vor, bei welchen der Ressel nur aufgerissen und nicht fortgeldleudert wird; allein der Hauptcharakter der meisten Frplosionen sind nicht Verbiegung und Reactionebrud, sondern Zertrümmerung und Fortschleuderung. Die Erplostonen erscheinen also im Wesentlichen nicht als statische, sondern als dynamische Effecte, nicht als Wirkung von Druckkräften, sondern von Stoß- oder eigentlichen Erplosions = fråften.

Der Gr. verf. ertheilt dann der Rabjer'schen Theorie das unbedingtefte Lob, erwähnt der Dufour'schen jedod, nur insoweit, als er angiebt, daß ihm deren Eristenz befannt geworden.

Ref. will nochmals den Unterschied der beiden Theorieen hervorheben *); gemeinschaftlich ist vielleicht beiden, daß fie eine Druckverminderung als Veranlassung der Erplosion ansehen, Hr. Kayser ohne auf das Wasser Rücksicht zu nehmen, während Hr. Dufour die Grplofion nur dem Wasser zuschreibt, welches fich im Zustande eines Siedverzuges befindet. Es wäre zuverlässig ein Unglück, wenn jeder übelgelaunte Reffelwärter durch Aufreißen des Sicherheitsventiles im Stande wäre, zu jeder Zeit eine Erplosion zu veranlassen und die Eristenz jeder gewerblichen Anlage in Frage

meter." Es wird dann auf die Construction und Anbringung desselben nåber eingegangen.

Ref. hat schon früher hervorgehoben, daß thermometrische Beobachtungen unbedingt nöthig seien, um die Dufour' dhe und die Kayser'sche Theorie auseinander zu halten, findet jedoch das Thermometer für den Dampffefselbetrieb nicht so unentbehrlich. Der Hr. Verf. dehnt aber die Möglichkeit eines Siedverzuges oder der Ueber higung des Wassers weit über die Grenzen aus, welche Dufour dafür gezogen. Da nun der Siedverzug zur Erklärung der Erploftonen nicht jedesmal benußt werden fann, jo hat Ref. schon die Vermuthung ausgesprochen (S. 345 d. Bd. 8. 3.), baß nicht allein der Siebberzug gefahrdrobend sei, sondern daß die Umstände, welche Dufour als die Veranlassung des Siedverzuges erkannte, zugleich diejenigen find, welche dein Wasser eine plößliche Verdampfungsfähigkeit (Erplodirbarkeit) verleihen; diese Umstände find vorzugsweise der Mangel an Luft, in zweis ter Reihe der Gehalt an Säuren und Fetten.

Den 6. Abschnitt: ,physikalische Betrachtungen über die Vers dampfung" leitet der Hr. Verf. mit den Worten ein: Da die Spannung in einem Dampffeffel vermöge der im Betriebe liegenden Wechsel einer fast ununterbrochenen Schwankung unterworfen ist, so könnte bei der im Vorstehenden geschilderten Gefahr einer jeden Druckermäßigung die verhältnißmäßige Seltenheit der Erplosionen auffallend erscheinen. Man sollte hiernach, und ba bie bisherige Unkenntniß dieser Gefahr den Maschinenführern feine sonderliche Aufmerksamkeit hinsichtlich der Verhütung einer plog lichen Druckermäßigung auferlegt hat, häufigere Erploftonen vermuthen oder auf den Gedanken kommen, daß noch ein besonders erschierender und darum selten vorkommender Umstand eintreten muß, um aus einer plöglichen Druckermäßigung eine Erplofton zu erzeugen. So scheint es allerdings der Fat zu sein. Ein über die Wirksamkeit der obigen Vorsichtsmaßregeln hinausgehender absolut wirksamer Schuß gegen Reifelerplostonen, welcher doch andererseits die praktische Maschinenführung nicht zu sehr erschwert, kann nur durch ein eingehendes Studium des Siebproceffes mit allen dabei in Frage kommenden physikalischen und chemischen Nebenumständen erwartet werden. Ich bin weit davon entfernt, diese umfassende Aufgabe vollftandig hier lösen zu wollen, was ohnehin auf dem Papiere ohne entsprechende Erperimente ganz unmöglich sein würde.“

Ref. macht noch besonders auf den Abschnitt aufmerksam, unter der Ueberschrift: ,,Das Leidenfrost'iche Phänomen", worin auch das Schwimmen des festen Eisens im flüfftgen seine Ers klärung findet. *)

Das Wesentlidifte, was in der Resselerplostonsfrage noch zu thun bleibt, ist die Vornahme entsprechender Grperimente, beren Ausführung der Verein deutscher Ingenieure vor längerer Zeit beschlossen hat.

Froning.

A

zu ftellen.

Heißluftmaschinen. Heißluftmaschinen. Zur Theorie und Praris derselben find in den legten Jahren so mancherlei Beiträge in technischen Zeitsdriften zerstreut erschienen, daß es ein sehr wünschenswerthes, die Sache wesentlich förderndes Unternehmen sein würde, wenn Jemand fich der Arbeit unterziehen wollte, auf Grund des borhandenen Materiales die historische Entwicelung und den zeitigen Stand dieses technischen Problems vollständig, aber in möglichft gedrängter übersichtlicher Form, erläutert durch nur das Wesents liche der verschiedenen Anordnungen berücksichtigende Skizzen, dars zustellen. Ueber vereinzelte, aus dem Zusammenhange dieses ganzen Gebietes herausgegriffene Vorschläge und Erfahrungen zu res feriren, hat kaum einen Werth, da ade jene Bestrebungen bisher nur als inchr oder weniger gelungene Versuche zur Erreichung eines vorgesteckten Zieles betrachtet werden konnten.

Bei einer solchen zusammenfassenden kritisch-referirenden Arbeit wird, wenn ste ihren Hauptzweck als Leitfaden zur Drientirung und zur weiteren Ausbildung dieser Maschinengattung erreichen fol, vor Allem eine zutreffende Classificirung und eine entsprechende, das Wesen kurz und deutlich bezeichnende Benennung der einzelnen Systemsclaffen Bedürfniß werden, in welcher Bezie

Der Verf. der vorliegenden Broschüre huldigt jedoch auch vollständig der Dufour'schen Theorie, wie schon der Titel er: rathen läßt: „Gegen den schleichenden und gefährlidiften Feind, welcher unvermerkt den Giedepunkt des Wassers festhält, indem er die Temperatur desselben almalig erhöht, um dann bei einer mehr dem Zufalle anheimgestellten günstigen Anregung plößlich mit einer massenhaften Verdampfung Hervorzubrechen, bieten die erwähnten Maßregeln nicht den nöthigen Schuß. — Ein Instrument, welches über die Verrückung des Siedepunktes Rechenschaft giebt, ist hiernach von Wichtigkeit; dieses Instrument ist das Shermo

*) Vergl. hierüber Bd. X, S. 573 8. 3.

*) Siebe BD. VII, S. 510 8. 3.

D. Red. (2.)

D. Red. (P.)

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