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Verbrennung erhaltene Kohlensäure zum Stickstoffe stand, die Formel C"H“ (NO“)* O". Berücksichtigt man die Angaben Gladstone's („Erdmann's Journal“, 72, 380, 1867), welcher je nach dem Verfahren bei der Darstellung zwei in ihren Eigenschaften verschiedene Producte erhielt, so könnte man annehmen, daß de Vrij und Railton verschiedene Körper untersucht haben, und die Formeln Beider richtig sind. Hiernach würden mehrere Nitroverbindungen des Glycerin's existiren, welche dadurch von einander verschieden wären, daß in ihnen 3, 2 oder auch vielleicht nur 1 Atom NO“ enthalten ist, und die entstehen würden, je nachdem die Salpetersäure mehr oder weniger kräftig auf Glycerin einwirkte – eine Ansicht, die sich in einem neueren Aufsatze von Liecke ausgesprochen findet („Polytechn. Journal“; 1866, Heft 2).*) 3. Obgleich keine anderen Analysen veröffentlicht sind, wird allgemein angenommen, daß das zur Benutzung als Sprengmittel dargestellte Nitroglycerin im möglichst reinen Zustande der Formel C*H“ (NO“)* O" entspricht, weshalb es auch zuweilen genauer als Trinitroglycerin bezeichnet wird. Wir haben diese Frage nach der Zusammensetzung hier besprochen, weil sie nicht nur von theoretischem Interesse ist. Abgesehen davon, daß wir nach der Formel den theoretischen Effect des Nitroglycerin's als Sprengmittel berechnen können, so würde der Umstand, daß das Glycerin verschiedene Nitroverbindungen liefert, einige Widersprüche in den Angaben seiner Eigenschaften erklären (siehe unten III. 13). 4. Wir müssen hier noch erwähnen, daß sich das Nitroglycerin gegen Reductionsmittel anders, als die meisten übrigen Nitroverbindungen, verhält. Während nämlich aus diesen bekanntlich, z. B. bei der Einwirkung von Wasserstoff, in statu nascendi der Stickstoff des NO“ Molecul's nicht wieder ausgeschieden, sondern nur dessen 4 Sauerstoffatome austreten, um sich mit Wasserstoff zu verbinden, während an ihre Stelle 2 Atome Wasserstoff treten, z. B.: ; Nitrobenzol: Anilin: C*H* (NO“) + 6 H = C” NH7 + 4HO, so wird unter denselben Verhältnissen aus dem Nitroglycerin NO“, zu NO” reducirt, wieder ausgeschieden und wieder durch Wasserstoff ersetzt, so daß das Glycerin regenerirt wird: C*H* (NO“)* O° + 9H = C"H° O° + 3NO? + 6HO. Aehnlich verhält sich auch der Nitromannit (Knallmannit), und beide Körper werden daher von Edmund S. Miles als Nitrosogene bezeichnet, um sie von den gewöhnlichen Nitroverbindungen, welche er Amidogene nennt, zu sondern („Chem. Centralblatt“; 1866, Nr. 16, S. 229). 5. Die Darstellung des Nitroglycerin's geschieht, wie im Allgemeinen die der Nitroverbindungen, durch Vermischen von Glycerin mit einem Gemenge von concentrirter Salpetersäure und Schwefelsäure. Letztere dient hierbei nur dazu, das bei der successive fortschreitenden Zersetzung der Salpetersäure frei werdende Hydratwasser derselben zu binden und also eine Schwächung des später zur Einwirkung auf das

*) Nach einer dem Ref. von Hrn. Liecke gemachten gefälligen Mittheilung hat derselbe keine eigenen Untersuchungen über das Nitroglycerin angestellt; sein in den „Mittheilungen des hannoverschen Gewerbevereines“ zuerst veröffentlichter Aufsatz war nur zur Belehrung der Mitglieder dieses Vereines bestimmt.

Glycerin gelangenden Theiles der Salpetersäure zu verhindern. Das Verhältniß für das Säuregemisch, 2 Volumen Schwefelsäure von 66° B. auf 1 Volumen Salpetersäure von 509 B., welches von Sobrero schon 1860 angegeben ist, hat sich auch für die Darstellung im Großen bewährt. Vor Kurzem sind von E. Kopp Versuche ausgeführt, um die Brauchbarkeit verschiedener Vorschriften zu prüfen („Comptes rendus“; 1866, Tom. 63, 189); als das zweckmäßigste hat sich das folgende Verfahren erwiesen. Man mischt in einem durch Wasser abgekühlten Gefäße rauchende Salpetersäure von 46 bis 50° B. mit dem doppelten Gewichte concentrirtester Schwefelsäure; zugleich wird Glycerin des Handels, welches jedoch frei von Kalk und Blei sein muß, eingedampft, bis es 30° B. zeigt, wo es nach völligem Erkalten syrupartig ist. Von dem gut abgekühlten Säuregemisch werden 3300 Grm. in einen in einem Kühlgefäße befindlichen Glasballon gegeben, und langsam unter stetem Umschütteln 500 Grm. Glycerin hinzufließen gelassen. Hierbei muß jede fühlbare Erwärmung verhindert werden, weil sonst eine stürmische Oxydation des Glycerin's zu Oxalsäure stattfindet. Wenn die Mischung vollständig ist, läßt man sie 5 bis 10 Minuten stehen und gießt sie dann in das 6- bis 8fache Volumen kalten Wassers, welches man vorher in kreisende Bewegung versetzt hat. Das Nitroglycerin scheidet sich sehr schnell als schweres Oel aus, welches man in einem mehr hohen, als weiten Gefäße durch Decantiren sammelt und einmal mit etwas Wasser wäscht. Nach dem Abgießen des Waschwassers ist das Nitroglycerin zum Gebrauche fertig; es ist zwar noch etwas säure- und wasserhaltig; hierdurch wird aber seine Brauchbarkeit, wenn es bald nach der Bereitung angewendet wird, nicht beeinträchtigt. A. Nobel läßt (nach den Angaben seines Patentes) zu dem Gemische von Salpetersäure von 1,3 specifischem Gewichte und starker Schwefelsäure das Glycerin vermittelst eines Rohres fließen, ohne eine Abkühlung vorzunehmen; bei stärkerer Salpetersäure (von 1,5 specifischem Gewichte) muß der Zusatz des Glycerin's langsamer und unter guter Abkühlung geschehen. Als sehr geeignet hat Nobel auch die Flüssigkeit bezeichnet, welche man erhält, wenn man in 3 Th. Schwefelsäure von 1,83 specifischem Gewichte 1 Th. Kalisalpeter auflöst. Beim Abkühlen auf 0° krystallisirt fast alles entstandene, saure schwefelsaure Kali heraus; in die davon abgegossene Flüssigkeit läßt man das Glycerin eintropfen. Bei dieser Bereitungsweise berechnet Liecke die Kosten für 1 Pfd. Nitroglycerin, die Arbeit abgerechnet, auf 18 Groschen. 6. Die Eigenschaften des Nitroglycerins sind fast alle von Bedeutung für seine praktische Anwendung. Es ist eine gelbliche ölartige Flüssigkeit, schwerer als Wasser, von 1,6 specifischem Gewichte, von süßlichem Geschmacke, äußerst giftig, in Wasser unlöslich, löslich in Weingeist, Holzgeist und Aether.

Bei mäßiger Kälte gefriert es zu einem Haufwerk nadelförmi

ger Krystalle. Es läßt sich nicht ohne Zersetzung verflüchtigen*); erhitzt man einen Tropfen auf einem Platinbleche

*) E. Kopp sagt im Widerspruche zu allen übrigen Angaben, „daß es sich bei mäßigem Erwärmen unzersetzt verflüchtigen lasse; wenn das Sieden lebhaft wird, tritt eine eminente Explosion ein.“ Sollte die anfänglich beobachtete Gasentwickelung nicht dem Wassergehalte des Oeles zuzuschreiben sein?

allmälig, so zersetzt es sich ruhig unter Entwickelung salpetriger Dämpfe. Bei raschem Erhitzen findet die Zersetzung unter heftiger Explosion statt (Sobrero); nach de Vrij tritt diese ein, wenn die Temperatur 180° überschreitet. E.. Kopp beobachtete, daß ein auf ein mittelmäßig heißes Eisenblech fallender Tropfen sich ruhig verflüchtigte; war das Blech rothglühend, so brannte der Tropfen geräuschlos wie Pulverkörner; wenn aber das Blech „ohne rothglühend zu sein, heiß genug war, um das Nitroglycerin sofort in's Sieden zu versetzen, so zersetzte sich der Tropfen schnell mit heftigem Knalle.“ – Ueber die Entzündlichkeit des Sprengöles werden wir weiter unten Ausführliches mittheilen (siehe III. 8.).

7. Die wichtigste Eigenschaft des Nitroglycerin's, unter plötzlichem starken Drucke zu explodiren, ist schon seit 1855 durch die Angabe von de Vrij bekannt; erst in neuerer Zeit, wo sie praktische Wichtigkeit erlangt hat, ist erkannt worden, daß die Explosion der durch den Stoß selbst getroffenen Theile sich nicht auf die übrige Masse fortpflanzt, so daß man also mit einigen über eine Fläche ausgegossenen Tropfen durch auf verschiedene Stellen geführte Hammerschläge mehrere Explosionen erzeugen kann. Anders verhält sich das Nitroglycerin im festen Zustande. Der bekannte Unglücksfall auf der schlesischen Gebirgsbahn im Herbste vorigen Jahres (wo durch den Schlag mit einer Hacke, welchen ein Arbeiter auf ein Stück gefrorenes Sprengöl führte, um es zu zertheilen, das Ganze zur Explosion kam, bei welcher der Unglückliche sogleich getödtet und 40 Fuß (12“,5) weit weggeschleudert wurde) hat zuerst gelehrt, daß im gefrorenen Nitroglycerin die an einem Punkte durch einen Schlag hervorgerufene Explosion sich durch die ganze Masse fortsetzt. Daß endlich nur durch momentan wirkenden Stoß, nicht aber durch einen allmälig wachsenden, wenn auch zu einem hohen Grade gesteigerten Druck die Explosion hervorgerufen wird, ist vom Ref. durch Mittheilung eines Vorfalles gezeigt worden, über welchen weiter unten ausführlicher berichtet werden soll (III. 11. und 14.).

8. Auch durch einen starken elektrischen Funken, welcher durch die Masse des Nitroglycerin's hindurch geht, kann seine Explosion bewirkt werden („Polytechnisches Journal“; 1867, Bd. 183, 223).

II. Die Wirkung des Nitroglycerins als Sprengmittel.

1. Zehn Jahre nachdem die Wissenschaft das Nitroglycerin in seinen wesentlichsten Eigenschaften kennen gelehrt hatte, hat die Industrie von dem ihr Dargebotenen Besitz genommen. Vielleicht sind schon früher Versuche gemacht worden, es zu Sprengungen zu verwenden, aber unbekannt geblieben, weil sie erfolglos blieben, indem es nicht gelungen war, auf das Nitroglycerin in einem Bohrloche den zur Explosion erforderlichen Schlag zu führen. Diese Schwierigkeit überwand A. Nobel durch den glücklichen Gedanken, innerhalb des mit Sprengöl gefüllten Bohrloches eine geringe Menge Schießpulver zu entzünden, welches nun durch seine Explosion den plötzlichen Druck erzeugt, der das Sprengöl selbst explodiren macht.

2. Die neue Sprengmethode wurde zuerst im Herbste 1864 in Schweden, in Deutschland zuerst am 11. und 12. April 1865 bei Eisleben in einem Steinbruche und einem Einschnitte der Halle-Casseler Eisenbahn versuchsweise

angewendet. Ihre außerordentlichen Wirkungen erregten allgemeines Aufsehen, und da Sprengversuche an den meisten Orten, wo sie ein allgemeineres Interesse hatten, namentlich durch den Patentträger veranlaßt und ihre Erfolge durch die Zeitschriften veröffentlicht wurden, so ist die Literatur über das Nobel'sche Sprengöl schon zu bedeutendem Umfange angewachsen, und es wird auch bald möglich sein, daraus ein bestimmtes Urtheil über den Werth des Nitroglycerin's als Sprengmittel zu entnehmen. Um dieses unseren Lesern zu erleichtern, wollen wir aus dem reichen vor uns liegenden Materiale das Wichtigste hervorheben.

3. Der größeren Uebersichtlichkeit wegen ordnen wir die Berichte nach den Gesteinsarten, in welchen die Sprengungen vorgenommen sind, und beginnen mit der Grauwacke, nicht nur weil ihr des geognostischen Alters wegen der Vortritt gebührt, sondern weil uns besonders schätzenswerthe Mittheilungen vom Oberharze über die Anwendung des Nobel'schen Sprengöles in der dortigen Grauwacke vorliegen (in der „Berg- und hüttenmännischen Zeitung“; Jahrgang 1865, Nr. 34 und 35; 1866, Nr. 15), von denen wir hier das Wesentlichste wiedergeben. Nachdem schon früher einige Versuche mit ungünstigem Erfolge angestellt waren („Berggeist“; 1865, Nr. 41. – „Polytechn. Journal“; 177, 168), – auf welche indeß kein großes Gewicht gelegt wurde, da für das neue Sprengmittel erst die richtige Zündungs- und Besetzungsweise aufgefunden werden mußte –, wurde unter der Leitung des Bergrath Koch im Trogthaler Steinbruche bei Lautenthal eine Reihe von Versuchen ausgeführt („Berg- und hüttenmännische Zeitung“; 1865, Nr. 34 und 35 und 1866, Nr. 15. – „Polytechn. Journal“; 177, 478).

„Man wählte für die ersten 5 Löcher eine unten im Bruche anstehende, circa 70 bis 80 Zoll (1“,8 bis 2“) mächtige Grauwackenbank, die in Abständen von 80 bis 100 Zoll (2“ bis 2“,6) von verticalen, aber fest geschlossenen Querschlächten durchsetzt war, und setzte dieselben absichtlich nicht zu stark an, um für das Anweisen der Löcher nicht nur leichter und sicherer Erfahrung erkaufen zu können, sondern auch dem Wegthun mehrerer folgenden Löcher im ungünstigsten Falle nicht hindernd entgegen zu treten. Jedes dieser 5 Löcher erhielt 50 Zoll (1“,3) Tiefe und es wurden dieselben der Reihe nach bei 60, 70, 80, 90, resp. 80 Zoll (1",6, 1“,8, 2“, 2“,3 resp. 2“) Entfernung von der Stirne des Stoßes so angesetzt, daß sie etwa in der Mitte zwischen zweien der erwähnten Querschlächten zu stehen kamen und im Tiefsten noch 1+ bis 1 Zoll (34 bis 26“) weit blieben.

Das erste Loch am nördlichen Ende der hier allmälig gegen ein dahinterliegendes Längenschlächtes auslaufenden Bank erhielt als schwächstes Geschick 4 Pfd. Oel; dieses nahm 9 Zoll (235“) Höhe ein, und es blieben demnach noch 41 Zoll (1“,07) für den Besatz übrig. Dieser wurde nach Nobel's Vorschrift durch Wasser hergestellt. Nachdem man nämlich die mit einem über das untere Ende geschobenen Zündhütchen versehene Bickford’sche Zündschnur bis etwa auf die Mitte der Oelladung eingelassen hatte, wurde der Raum über dem Oele mit Wasser gefüllt, die Schnur auf die zum Anzünden erforderliche Länge überstehend gelassen und mit einem ausgespurten Holzpfropfen oben im Loche befestigt.

Nach dem ersten Anzünden brannte der Zünder erfolglos unterhalb des Holzpfropfens ab; man beseitigte diesen und befestigte den neu eingeführten Zünder mittelst Letten. Etwa zwei Minuten nach dem zweiten Anzünden erfolgte die Erplosion in der erwünschtesten Weise. Das vorgegebene Gestein war nicht hinweggeschleudert, aber bis in die Sohle und die benachbarten Querschlächten hinein so vollständig zerrissen, daß es mittelst der Brechstange leicht beseitigt werden konnte. Das Besetzen des nächstfolgenden Loches geschah ganz in derselben Weise. Dasselbe erhielt aber auf 16 Zoll (418“) Höhe # Pfd. Sprengöl. Die Zündung ging unbehindert von Statten, und die Wirkung war eine noch vollständigere, als beim ersten Loche. Das vorgegebene Gestein wurde nicht nur vollständig zerrissen, sondern auch gehoben und in Blöcken an Ort und Stelle übereinander gethürmt; außerdem aber war das benachbarte dem dritten Loche vorgegebene Gestein schon durch einen starken, auf 1 Lachter (2“) Länge bis zum nächsten Querschlächten sich erstreckenden Riß aus seinem Zusammenhange gebracht und in Form eines 70 Zoll (1“,8) starken, eben so hohen und 80 Zoll (2“) langen Blockes um einige Zolle vorgeschoben. Hierdurch wurde das Wegthun des dritten Loches überflüssig. Das vierte Loch, 50 Zoll (1“,3) tief, 90 Zoll (2“,3) vom Stoße entfernt angesetzt, erhielt 1 Pfd. Oel; diese nahmen 19 Zoll (500“) Lochhöhe ein. Besetzung und Zündung dieselbe; Letztere erfolgte in erwünschter Weise. Die Wirkung war eine enorme; nicht nur das vorgegebene Gestein war vollständig aufgerissen, sondern auch das Wegthun des nächsten Loches entbehrlich gemacht, da das demselben vorgegebene Gestein bis auf 10 Fuß (3“,14) Länge auf die ganze Mächtigkeit der Bank durchrissen und um etwas auf der unterliegenden Schichtungskluft vorgeschoben war. Auf diese Weise erreichte man mit 3 Löchern eine Wirkung, auf die man 5 Löcher verwenden zu müssen glaubte. Man löste damit eine Masse von ca. 50 Fuß (15“,8) Länge, 8 Fuß (2“,55) Stärke und 6 Fuß (2“,0) Höhe = 2600 Cbkfß. (80,5 Cbkmtr.) Gestein aus ihrem natürlichen Zusammenhange, so daß kein Stück unnöthiger Weise fortgeschleudert wurde. Freilich bedürfen die größeren Stücke noch fernerer Sprengungen zur weiteren 3erkleinerung. 4. Bei den übrigen Versuchen hatte man an den zweckmäßigsten Ansetzpunkten Löcher bis zu 90 Zoll (2“,3) Tiefe niedergebracht und denselben auch bis zu 90 Zoll (2“,3) stark Gestein vorgegeben. Die Wirkungen des Sprengöles zeigten sich beim Wegthun dieser Löcher geradezu überraschend. Die anfangs angewendete Besetzung mit Wasser und die Zündung mittelst an die Schnur gesteckten Zündhütchens wollten nicht gelingen trotz aller vorsichtigen Behandlung. Die Zünder brannten bei einigen Löchern zu wiederholten Malen erfolglos ab und zeigten sich bei dem Herausziehen theils stückweise am oberen Ende, theils ganz bis ins Oel hinein verkohlt. Es wurde nun zur Anwendung von Sandbesatz geschritten. Die Zünder wurden mit ihrem unteren Ende in eine mit Pulver gefüllte Holzhülse von etwa 3 Zoll (78“) Länge eingeschoben, befestigt und vorsichtig so in die Oelladung eingesenkt, daß kaum die Hälfte der Hülse ins Oel tauchte; alsdann ward Quarzsand in Körnern von 1" Stärke bis oben aufgegeben. Diese Art des Besetzens hinderte die Zündung kein einziges Mal; es wurden ohne die geringste Schwierigkeit 6 Löcher hintereinander weggethan. Das zuerst weggeschossene Loch war 64 Zoll (1“,67) tief; erhielt auf 26 Zoll (0“,68) 1 Pfd. Oel und warf ea. 640 Cubikfuß (20 Cbkmtr.) Gestein in größeren Blöcken, wovon 1 Block 75 Cbkfß. (2,3 Cbkmtr.) haltend und ca. 100 Etr. schwer auf 3 bis 4 Lachter (6“ bis 8“) hinweggeschleudert, das übrige Gestein aber in Blöcken übereinander geworfen war. Noch größere Wirkung zeigte das hiernach mit 2 Pfd. Oel auf 35 Zoll (0“,914) abgeschossene Loch von 90 Zoll (2“,3) Tiefe und 90 Zoll (2“,3) starkem Vorgeben; es warf circa

1000 Cbkfß. (31 Cbkmtr.) = 1250 Ctr. Gestein in mehreren großen – über 100 Cbkfß. (3 Cbkmtr.) – und kleinen Blöcken, welche vollständigst gelöst unregelmäßig über- und nebeneinander gelagert waren. Das folgende Loch, einen schwachen Zoll (26“) im Pulversack weit und 60 Zoll (1“,57) tief, warf von sehr fester Grauwacke, ohne besonders günstige Zerklüftung, bei 14 Pfd. schwerem, 31 Zoll (0“,81) Lochhöhe einnehmenden Oelbesatz ca. 400 Cubikfuß (12,4 Cbkmtr.). Ein anderes Loch, 75 Zoll (1“,96) tief, hatte 1 Lachter (2“) stark Gestein vor und wurde auf 30 Zoll (0“,78) Höhe mit 1 Pfd. Oel besetzt; es hob nicht nur das vorgegebene Gestein – circa 1100 Cbkfß. (34 Cbkmtr.) – hinweg, sondern riß hinter sich und in dem hohen freien Stoße wohl an 10 bis 12 Fuß (3 bis 4“) unter sich, so daß man mit Zuhülfenahme noch eines zweiten Loches ein paar Tausend Cubikfuß Gestein gewinnen wird. -Ein anderes mit 2 Pfd. Oel auf 31 Zoll (0“,82) Höhe besetztes Loch warf, bei 90 Zoll (2“,3) Tiefe und 90 Zoll (2“,3) Stärke des Vorgebens, an 700 Cbkfß. (21,6 Cbkmtr.) Gestein. Schließlich ist noch eines im riesigen Maße angelegten Versuches zu erwähnen. Im unteren Trogthaler Bruche war auf einem von zwei freien verticalen Seiten und einer nahezu horizontalen (oberen) Fläche begrenzten Gesteinsvorsprunge in je 12 Fuß (3“,77) Entfernung von den freien Seiten ein Loch 138 Zoll (3“,61) tief niedergebracht und im unteren Theile kaum 1 Zoll (26“) weit. Dasselbe wurde mit 3 Pfd. Oel besetzt; diese nahmen 67 Zoll (1“,65) Höhe ein, und darauf kamen also noch 71 Zoll (1“,75) hoch Sand. Die Erplosion erfolgte etwa 4 bis 6 Minuten nach dem Anzünden der Schnur. Bei derselben hob sich die ganze Masse in der Mitte um 10 bis 15 Zoll (0“,260 bis 0“,393) hoch in die Höhe und sank dann wieder zusammen. Auch hat man von tieferen Standpunkten aus eine seitliche Ausdehnung und nachfolgende Zusammenziehung wahrgenommen. Das Gestein blieb nach erfolgter Explosion freilich an Ort und Stelle, war aber nach den Richtungen seiner geringeren Cohärenz, in den aufeinander lagernden Bänken, so zerrissen, daß ein Abheben von mehreren Tausenden Cubikfußen Steinen ohne große Schwierigkeiten möglich war. In einigen anderen Steinbrüchen sind die Versuche gleichfalls günstig ausgefallen, und ist in Folge dessen das Nobel'sche Sprengöl beim Betriebe der herrschaftlichen Steinbrüche am Oberharze mit eingeführt. An besonders geeigneten Punkten werden tiefe Bohrlöcher mit Sprengöl weggeschossen; dagegen geschieht das Zerkleinern größerer Blöcke und das Lossprengen geringerer Massen mittelst des Pulvers.“ H

5. „Wenngleich nun die Anwendung des Sprengöles in der angegebenen Weise bei einigen Steinbruchbetrieben als unzweifelhaft günstig und vortheilhaft sich herausgestellt hat, so läßt sich dies doch keinesweges von allen Steinbruchbetrieben behaupten. Bei einigen Steinbrüchen ist es nach den bisherigen Erfahrungen noch zweifelhaft, ob das Hinwegthun großer und tiefer Bohrlöcher mittelst Sprengöles vortheilhaft ist. z“

Bei einem Steinbruchbetriebe kommt es darauf an, in einer bestimmten Zeit, mit einem bestimmten Kostenaufwande und mit einem bestimmten Aufwande an Arbeitskraft die größtmöglichste Menge guter und brauchbarer Bausteine zu gewinnen. Da nun bei Anwendung des Sprengöles meist größere Gesteinsmassen fallen, welche erst durch Zersprengen in brauchbare Mauersteine verwandelt werden müssen, so hängt es von

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den mehr oder weniger günstigen Lagen des Gesteines und von der größeren oder geringeren Leichtigkeit, mit welcher sich die größeren Massen in brauchbare Bausteine verwandeln lassen, ab, ob sich das Sprengöl beim Steinbruchbetriebe mit Vortheil anwenden läßt. Im Einersberger Steinbruche unterhalb Zellerfeld ist einige Wochen lang mit Sprengöl geschossen; sodann ist mit der gleich starken Mannschaft ebenso lange mit Pulver gesprengt, und hat sich das in beiden Fällen gewonnene Quantum brauchbarer Bausteine als ganz gleich herausgestellt. Wenngleich nun auch dieser Versuch noch nicht als hinreichend maßgebend zu betrachten ist, so geht doch mit einiger Sicherheit daraus hervor, daß der Unterschied in der Wirkung der beiden Sprengmittel in diesem Falle nur als gering zu betrachten ist. 6. Nachdem sich das Sprengöl beim Steinbruchbetriebe als ein ausgezeichnetes Sprengmittel bewährt hatte, schritt man nun zu den äußerst wichtigen Versuchen, ob sich dasselbe mit gleichem Vortheile in den Gruben anwenden ließe. Im Falle des Gelingens mußte sich ein enormer pecuniärer Nutzen herausstellen, ein Nutzen, der so groß ist, daß die Existenzfrage mancher Grube davon abhängen wird. Anfänglich versuchte man 50 bis 60 Zoll (1“,3 bis 1“,6) tiefe, zweimännische Bohrlöcher, denen man die vier- bis sechsfache Gesteinsmasse eines gewöhnlichen, zweimännischen Bohrloches vorgab, mit Sprengöl wegzuschießen. Man gab diesen Löchern eine Ladung von nahezu 1 Pfd. Sprengöl. Da wo das Gestein vollkommen fest und unzergänzt war, wurde das Sprengöl in das Bohrloch gegossen; bei schwebenden, trockenen oder unganzen Bohrlöchern bediente man sich zur Aufnahme des Sprengöles blecherner Patronen. Auf das Oel führte man sodann eine mit Pulver und Zündschnur versehene, gut verschlossene Holzkapsel und besetzte die Löcher in der gewöhnlichen Weise mit Besatzgrand. Diese Versuche fielen aber so ungünstig aus, daß man dieselben bald aufgeben mußte. Die Löcher hoben mit geringen Ausnahmen gar nicht, zeichneten hier und da feine Risse an den Ansetzpunkten der Bohrlöcher vor oder ließen das Gestein ganz unverändert. Der Grund davon erklärt sich auch gar leicht aus dem ungemein großen Widerstande der vorgegebenen Gesteinmengen, welcher in einem sehr ungünstigen Verhältnisse zur Masse stand. Während man den Löchern die vier- bis sechsmal so große Gesteinsmenge vorgegeben hatte, wie gewöhnlichen zweimännischen Bohrlöchern, war in Folge der engeren Grubenräume und der den Löchern mangelnden Freiheit der Widerstand für dieselben nicht in gleicher Weise, um das Vier- bis Sechsfache, sondern vielleicht um das Dreißigbis Vierzigfache und mehr gestiegen. 7. Durch die Anwendung starker und tiefer Bohrlöcher ließ sich also die im Sprengöle vorhandene bedeutende Sprengkraft nicht nutzbar machen, und man wählte zu diesem Zwecke nun den anscheinend allein richtigen Weg, daß man mit dem Ansetzen der Bohrlöcher in den Grenzen starker Geschicke (wie sie meist nur zweimännischen Bohrlöchern vorgegeben werden konnten) blieb, diese Löcher aber mit kleinem, einmännischem Bohrgezähe abbohren ließ und mit Sprengöl wegschoß. Dies Verfahren hat sich als äußerst günstig und zweckmäßig herausgestellt. Die Kosten eines zweimännischen Bohrloches ergeben sich annähernd, wie folgt: Arbeitslohn . 10 Sgr. Gezähkosten . . . 1 Pulver . . . . 1 Summa 12 Sgr.

Die Kosten eines 24 Zoll (628“) tiefen einmännischen Bohrloches für Sprengöl betragen dagegen: Arbeitslohn . . . 5 Sgr. – Pf. Gezähkosten . 1 Sprengöl . . . . 1 - 6 Summa 7 Sgr. 6 Pf, so daß sich bei einem solchen Bohrloche ein Gewinn von wenigstens 4 Sgr. oder ein Dritttheil der Gesammtkosten eines gleich starken zweimännischen Bohrloches herausstellt. Ein fernerer Vortheil besteht darin, daß mit den Sprengöllöchern in Folge des reineren Weghebens noch etwas mehr Gebirge gewonnen, und damit ein Gewinn an Arbeitskraft erreicht wird. Die voraufgestellte Kostenrechnung kann für die Folge noch geringe Abänderungen erleiden durch Aenderungen in den Preisen für Pulver und Sprengöl, sowie auch in den Kosten für das Bohrgezähe*); trotzdem wird man mit Sicherheit annehmen können, daß wenigstens ein Dritttheil der Gesammtkosten eines zweimännischen Bohrloches durch die Anwendung des Sprengöles statt des bisherigen gewöhnlichen Sprengpulvers gespart wird. Diese Erfahrung ist eine so bedeutende und bei jedem Grubenbetriebe so sehr in die Wagschale fallende, daß die dem Sprengöle anhaftenden, bis jetzt bekannten Uebelstände von der Einführung desselben nicht abschrecken können und dürfen.“ 8. Bedeutendes Gewicht legen A. Nobel & Co. in ihrem Prospecte mit Recht auf die Erfolge, welche Rud. Horche aus Elspe in Westphalen berichtet. Derselbe hatte Versuche in dem Kramenzel (Cypridinenschiefer) der Devongruppe gemacht, bei denen sich die Sprengkraft des Nitroglycerin's auf sehr vortheilhafte Weise herausstellte. „ Das Kramenzelgebirge ist nämlich bekanntlich theilweise sehr schöllig und das Schießen mit Pulver im Hangenden wenig fördernd; ja man könnte sagen, fast # aller in den Schichten dieser Gebirgsmassen eingebrachten Bohrlöcher sind vergeblich gewesen.“ Die mit dem Sprengöle angestellten Versuche haben die Aussagen des Prospectes, der eine 20- bis 30fache Wirkung dem Pulver gegenüber aufstellt, vollkommen bestätigt. „Die Schüsse wirken, sowohl beim Schachtabsinken als auch beim Stollenbau, in dem hiesigen Gebirge durchgehend mehr nach den oberen Seiten zu, als nach innen hinein; geworfen wird verhältnißmäßig wenig oder nur Dasjenige, was unmittelbar das Bohrloch einschließt; dagegen ist das Geschäft des Abtreibens von größerer Wichtigkeit, so daß schließlich ein Vortheil dem Pulver gegenüber von 30 bis 40 pCt. resultirt . . . Ein Schuß hatte nicht weniger als 16 Schiebkarren Berge losgebrochen, ein Quantum, welches man vordem höchstens in 1 bis 2 Tagen zu transportiren gewohnt war.“ 9. Im flšsleeren Sandsteine der Steinkohlenformation sind Versuche mit Nitroglycerin in den ansehnlichen Steinbrüchen bei Wetter a. d. Ruhr (bei Hagen) gemacht worden. Nach Mittheilungen, welche Ref. den bedeutendsten der dortigen Steinbruchbesitzer verdankt, hat auch hier das Sprengöl eine dem Pulver weit überlegene Sprengkraft gezeigt; dennoch ist es beim regelmäßigen Betriebe nicht eingeführt worden, weil sich bei den gemachten Versuchen kein Vortheil in ökonomischer Beziehung herausstellte und von Versuchen, um den Gebrauch des Nitroglycerin's den gegebenen Verhältnissen anzupassen, die Scheu vor der Gefährlichkeit des

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*) Später hat Hr. Neimbke, Verfasser der hier mitgetheilten Nachrichten, diese Berechnung wesentlich modificirt, indem er zeigt, daß die Gezähkosten hier zu niedrig angesetzt sind, indem sie in Wirklichkeit nicht unter 3 Sgr. herabgedrückt werden können. S. unten 30.

durch die ungenügende Bekanntschaft noch unheimlicheren Stoffes abgehalten hat. 10. Im eigentlichen Steinkohlengebirge haben die Sprengversuche mit Nitroglycerin gleich anfangs großen Erfolg gehabt. Die ersten darüber in die Oeffentlichkeit gelangten Mittheilungen („Berggeist“; 1865, Nr. 65) stammen aus einem Berichte des Bergrath Meizen zu Königshütte in Oberschlesien und melden im Wesentlichen Folgendes:

„In einem Querschlage wurde ein in festem Sandstein stehendes 18 Zoll (470“) tiefes Bohrloch, welchem eine sehr bedeutende Gebirgsmasse vorgegeben, und welches bis zu seiner Mündung mit Wasser angefüllt war, derartig mit Sprengöl geladen, daß man dasselbe in einer Quantität von 3 Loth mittelst eines in das Wasser eingeführten kupfernen Röhrchens auf die Bohrlochssohle gelangen ließ. Hiernach wurde ein Kupferhütchen an das Ende eines der Bohrlochstiefe entsprechend langen Bickford'schen Sicherheitszünders gesteckt und zur Verhütung des Ersaufens desselben zwischen Kupferhütchen und Zünder ein dichter Verschluß mit Letten hergestellt. Der Zünder wurde hierauf so weit in das Bohrloch hinabgeführt, daß das Kupferhütchen auf der Bohrlochsohle aufstieß, sich also im Sprengöle befand. Das Wasser, welches das Bohrloch anfüllte, diente als Besatz. Die Wirkung des Schusses übertraf alle Erwartungen, indem nicht nur die dem Bohrloche vorgegebenen bedeutenden Gebirgsmassen vollständig abgerissen, sondern auch das nächst anstehende Gestein erheblich aufgelockert wurde. Die Detonation des Schusses war eine sehr bedeutende. Beim Wiederhinzutreten zeigten sich zwar nur wenig Verbrennungsgase; ihre Einwirkung auf die Respirations- und Gesichtsorgane war indeß eine so reizbare und empfindliche, daß die, die Versuche leitenden, Personen es darin nicht auszuhalten vermochten und erst den Abzug derselben abwarten mußten, um die Wirkung des Schusses in Augenschein nehmen zu können.

Ferner wurde ein 20 Zoll (525“) tiefes, im Grundstreckenorte des sehr festen Gerhardflötzes angesetztes Bohrloch, welchem ebenfalls größere Massen vorgegeben worden, als sonst nach den Regeln der Technik zu geschehen pflegt, mit 2 Loth Sprengöl gefüllt, und hierbei Sandbesatz und die Zündung mittelst der Nobel'schen Holzpatentzünder und Rziha'schen Zündschnur zur Anwendung gebracht. Die Wirkung dieses Schusses war ebenfalls eine ganz außerordentlich bedeutende, indem derselbe mehr als die ihm vorgegebene Kohlenmasse theils abgeworfen, theils gerissen hatte.

Nicht minder groß war die Wirkung des Sprengöles bei mehreren anderen, in festem wasserführendem Kohl angesetzten und theils mit Wasser, theils mit Sand besetzten Bohrlöchern, unter denen sich auch ein Firstenloch von 24 Zoll (628“) Tiefe befand, welches mit einer aus gepichtem Papier hergestellten, mit Sprengöl gefüllten und mit einem Sicherheitszünder nebst Kupferhütchen dicht verbundenen Patrone gefüllt und mit Letten besetzt wurde.

Vier andere, im Sandsteinbruche der Königsgrube hinweggethane, mit Sprengöl geladene Bohrlöcher ließen in Bezug auf die Wirkung desselben gleichfalls sehr günstige Resultate erzielen.

Soweit sich aus diesen Versuchen ein Urtheil bilden läßt, ist anzunehmen, daß das Sprengöl, trotz seines hohen Preises, welcher sich bei directem Bezuge pro Loth auf 1 Sgr. 3,3 Pf, stellte, während 1 Loth Sprengpulver gegenwärtig 1,9 Pf, kostet, und trotz der bei seiner Verbrennung sich entwickelnden, auf den menschlichen Organismus nachtheilig einwirkenden, sehr heftige Kopfschmerzen verursachenden Gase eine große Zukunft hat und, das Sprengpulver in vielen Fällen auch beim Bergbau vollständig zu ersetzen, im Stande sein wird.“

Diese Voraussicht ist denn auch nicht getäuscht worden; in einem von A. Nobel veröffentlichten Schreiben des Hrn.

Bergrath Meizen vom 1. März 1866 meldet derselbe, daß die Anwendung des Sprengöles bald eine allgemeine geworden und in kurzer Zeit auf mehrere Centner gestiegen ist.

„ Ungeachtet sich das Oel bei den damit angestellten Sprengungen in allen Fällen sehr bewährt hat, so ist es beim Schachtabteufen unter Wasser und beim Forttrieb von Grundstrecken in sehr wasserreichem Kohl in Rücksicht auf die damit verbundenen, außerordentlich großen Vortheile geradezu unentbehrlich geworden und hat die Anwendung von Sprengpulver hierbei vollständig verdrängt. Der beste Beweis für die große Zweckmäßigkeit des Sprengöles dürfte wohl in dem Umstande zu suchen sein, daß die Arbeiter es verlangen und dem Pulver unbedingt vorziehen.“

11. Die neuesten Nachrichten aus Oberschlesien finden wir in der „Berg- und hüttenmännischen Zeitung“ vom 8. Februar 1867, in welchen Hr. Wabner von der Königsgrube mittheilt, daß, nachdem man sich dort davon überzeugt habe, daß das Sprengöl sowohl in seiner Anwendungsweise, wie in seiner Wirkung bedeutende Vortheile vor dem Pulver habe, man trotz einer Explosion, bei welcher zwei Bergleute im wahren Sinne des Wortes zerstäubt seien, nicht von seiner Anwendung abstehen werde. Vor Streckenörtern wendete man es bisher nur versuchsweise an; sehr nützlich, ja unentbehrlich hat es sich beim Abteufen des großen zur Wasserhaltung bestimmten Krugschachtes bewiesen, in welchem die Schachtsohle sich beständig unter Wasser befindet, so daß ein 21zölliger (550") Satz recht tüchtige Arbeit hat, um die Zuflüsse zu sumpfen – ca. 80 Cbkfß. (2,5 Cbkmtr.) pro Minute. Gerade bei dieser schwierigen Arbeit bietet das Nitroglycerin außerordentliche Vortheile . . . .

12. Ueber die Anwendung des Nitroglycerin's im westphälischen Kohlenbergbau können wir unsere Mittheilungen neben den in den Zeitschriften zerstreuten Notizen einem Berichte entnehmen, welcher vom Königl. Oberbergamte zu Dortmund dem Handelsministerium gemacht ist. Dem Hrn. Berghauptmann, Sr. Durchlaucht dem Prinzen von SchönaichCarolath sprechen wir auch hier unseren Dank dafür aus, daß derselbe uns gütigst in Stand setzte, diesen Bericht für die Zeitschrift zu benutzen. Zuerst scheint das Sprengöl auf der Grube „Verein. Constantin der Große“ in Anwendung gekommen zu sein. Der „Berggeist“ (1865, Nr. 66) berichtet darüber nach dem „Glückauf“, nachdem es seit vier Wochen mit ausgezeichnetem Erfolge in Gebrauch genommen war. In einem Querschlage in schieferigem Gesteine wurden „vorzugsweise die irregulären eingeklemmten Bohrlöcher von 3 bis 34 Fuß (0",94 bis 1“,1) Tiefe mit 2 bis 3 Zoll (52“ bis 78“) Sprengöl geladen, wo man eine Pulverladung für beinahe vergeblich hätte erachten müssen. Die Wirkung war meistens eine ganz vorzügliche; manche Schüsse warfen 15 bis 20 Cbkfß. (0,46 bis 0,6 Cbkmtr.) Steine.“ In dem Schachte Nr. 2 wurden in festem derbem Sandsteine „gleichfalls eingeklemmte Löcher von 3 Fuß (0“,94) Tiefe und 3 bis 4 Fuß (0“,94 bis 1“,25) Vorgabe mit 3 bis 4 Zoll (78“ bis 104“) Nitroglycerin theils in Patronen, theils direct geladen, und auch hier wurde die Vorgabe mitunter ganz vollständig gehoben.“ Ueber die in genannter Grube erzielten Erfolge meldet der amtliche Bericht, daß „die Kraftwirkung auf das 2- bis 8fache des Pulvers geschätzt werde.“ Die Bohrlöcher konnten tiefer geschlagen und stärker in's feste Gestein gestellt werden.

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