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So ift denn eine vor 26 Jahren verworfene Idee wiederum zu vollen Ehren gelangt. Prag, November 1866.

Dito Herm. Müller.

Einiges über die Fabrication des fchmiedbaren Guß

eisens.*) Das Material zu dem schmiedbaren Gußeisen bildet in den meisten Gießereien ein schottisches, schwefel- und phosphorfreies Roheisen; ich sage in den meisten Gießereien, da außerdem auch Steyermark ein fich dazu eignendes Product liefert, was jedoch in dem nördlicheren Theile Deutschlands kaum verbraucht werden kann, da es durch Zoll und hohe Fraditen einen solchen Preis erreicht, daß das fertige Fabricat, dessen Billigkeit eine Hauptbedingung ist

, dem Schmiedeeisen gegenüber nicht concurriren kann, wenigstens nicht so, daß der Fabricant einen den verschiedenen Manipulationen entsprechenden Nußen hat.

Die Marke des Roheisens felbft ist immer Geheimniß der betreffenden Fabricanten; dod hat Verfasser gefunden, daß die verschiedenen Etablissements auch verschiedene Marken verarbeiten.

Das Schmelzen des Roheisens geschieht in Graphittiegeln, ca. 60 Pfd. fassend, die man mit einem Deckel aus Chamottemaffe versteht, um Verunreinigung durch Coks und das nachherige saubere Pußen bes flüssigen Eisens, wobei viel von dem unbedingt bobem Hißegrade verloren geht, zu vermeiden. Der aus Chamottesteinen gemauerte Schmelzraum des Ofens ist 2 bis 3 Fuß (0,63 bis 0“,94) im Quadrat, und fekt man zur Ersparung von Brennmaterial 4 Liegel zugleich ein. Die Anwendung von Geblasc empfiehlt sich nicht, denn was man an Zeit erspart, geht durch Mehrverbrauch an Coks verloren; wenn der Ofen sonst gut angelegt ist, genügt der natürliche Zug durch den Schornstein. Eine Hauptbedingung ist, wie schon erwähnt, die möglichst hohe Tema peratur, mit der das flüssige Eisen in die Form gelangen muß; diesen Grab richtig bemessen zu fönnen, erfordert entsprecyende Praris. Der Gießer erkennt das richtige Maß, wenn von einem in den Siegel getauchten rothwarmen Gisenstabe beim Herausziehen Das Metall sternschnuppenartig abspringt. Man hebt dann den Tiegel mittelst einer denselben umfassenden Zange aus dem Ofen heraus und beginnt möglichst rajdy, nach vorherigem Pußen, das Gießen. Hierbei sei Einiges über das Formen selbst erwähnt, was bei den verschiedenen, mitunter Tehr kleinen und dabei schwierigen Gußstücken bedeutende Sorgfalt erfordert. Kleine Stücken, wie Sdlüffel, Schloßtheile, Theile zu Nähmaschinen 1c., werden unter: cinander,angelihnitten", so daß fie also einen gemeinschaftlichen Einguß haben, bon dem man sie nach dem Erfalten abschlägt.

Beim Einformen eines größeren und complicirteren Modelles hat man sich vorher genau zu überlegen, wo man sogenannte

Sauger“ anzubringen hat; diese bilden gewissermaßen Reservoire, füllen fich bein Gießen init Gisen an, und faugt das erkaltende Gußstück daraus nach. Verabsäumt man dies, so entstchen an den Stellen, wo Sauger nothwendig gewesen wären, Risse oft so klein, daß man fte nidit bemerkt, welche aber beim Glühen zum Vorfchein fommen. Sauger muß man an den Warzen von Hebeln, in den Eden gebogener Stücke sc. anbringen, überhaupt an den Stellen, wo fich die Dimensionen schnell ändern; man hüte sich aber, fie kurz nach dem Gießen abzuschlagen, sondern lasse das Stück recht abkühlen; sonst brechen ste leicht aus und schänden den Guß.

Die Formkäften stellt man entweder ganz vertical oder stark geneigt. Die erstere Stellung wendet man bei kleinen Flaschen durchweg an; es werden deren 4 bis 6 mittelft Zwingen zusammengeschraubt und auf die hohe Kante so gestellt, daß fämmtliche Eingüffe nach oben stehen.

Das Formen muß sehr sauber geschchen, damit das Fabricat ein glattes Anseben erhält und ein Pußen nach den Glüben möglichst umgangen werden kann.

Der leßte Proceß ist das Glühen, wodurch der Guß die Eigenschaften des Schmiedeeisens erlangt; bordein berhält er sich analog dem Stahle.

Das Verfahren besteht darin, daß man die Gußstücke, ein

gepackt in Rotheisensteinpulver, in gußeisernen Käften, Muffeln ges nannt, längere Zeit glüht. Früher war man der Ansicht, daß nur runde Duffeln bazu vortheilhaft wären; doch wendet man jest einfache, viereckige gegossene Kästen, von ca. 1 Zoll (26mm) Wandstärke, an, oben mit Deckel verschließbar, so daß der Inhalt bon der Atmosphäre abgeschlossen bleibt.

Beim Einpacken wechseln Schichten von Rotheisenfteinpulver und Gußstücken mit einander ab, und bildet das Erstere die erste und leßte Schicht.

Der Olühofen ist einfach construirt; born befindet fich die Rostfläche, und zieht die heiße Feuerluft um die im hinteren Raume des Ofens stehenden Räften; ein Schieber an der Seite gestattet, das Glühen im Inneren zu beobachten.

Das Feuern muß mit großer Sorgfalt geschehen, im Anfange etwas darf, um båld einen gewissen Grad von Hiße zu erreichen; dann aber muß in regelmäßigen Zwischenräumen nachgeschürt wers den. Das Glühen währt 3, auch 4 und 5 Lage, je nach den Stücken, welche man eingelegt hat, und faßt ein Ofen immer 7 bis 9 Str. Guß.

Beim Einpacken der Räften muß man beobachten, daß schwache und starke Stücke nicht zusammen kommen, und im Ofen felbft müssen die Muffeln mit den starken Gußstücken dein Feuer am nächsten, die schwachen mehr im Hintergrunde eingeseßt werden, Denn sonst perbrennt entweder das cine, oder das andere wird nur halb geglüht und bildet dann ein Zwischending von Stahl und Sdmiedeeifen.

Glaubt man lange genug geglüht zu haben, so hört man mit Feitern auf, läßt die Rästen allmälig abkühlen, padt fte dann auß und pußt nach Bedarf die Stücke ab. Bei dem Proceß des Glühens spielt die Praris auch eine große Hauptrolle, und kann der richtige Grad der Glühhige nur durch die Ausführung selbst erlernt werden.

Das Rostspieligste sind die gußeisernen Kästen, welche oft idon nach einmaligem Gebrauche zur weiteren Verwendung fich nicht mehr eignen. Das Rotheisensteinpulver fann, jedesmal mit frischem vermischt, öfter benußt werden.

Obwohl die vorzüglichen Eigenschaften des schmiedbaren Gusses, welcher doch bem Somiedeeisen gleichgestellt werden kann, schon oft erwähnt wurden, hat er noch immer nicht die gebührende Anerkens nung und Verwendung gefunden. Noch eine Menge Stücke were den in den verschiedenen mechanischen Werkstätten mit viel Mühe und Kosten aus Schmiedeeisen gefertigt, welche, aus schmiedbarem Gusse hergestellt, ebenso haltbar und dabei billiger wären. Natürlich bezieht sich das auf solche Theile, welche oft ausgeführt wers den und so die Kosten für gute Modelle (die aber ftets nach doppeltem Schwindmaß audzuführen sind bezahlen. Einfache Stude calculiren sich aus schmiedbarem Gusse theurer, als wenn man fte fdmieden läßt.

Schließlich einige mittlere Preise: für Stücke von 2 Pfd. und darüber 41 bis 5 Sgr. 1 bis 2 Pfb. 5 54

pro 1 51 6

Zolpfd. . und darunter 6 65

X.

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Ueber die beim Ausblasen eines Hohofens des Neubrüder Eisenwerkes bei Finnentrop beobachtete Formveränderung

im Sternschachte.

Bon Slep 8. (Vorgetragen in der Versammlung des Bezirksvereines an der Lenne

vom 5. August 1866 in Altena.)

(Hierzu Figur 7, Blatt 6 zu S. 333.) Es ist gewiß von großem Interesse für jeden Hüttenmann, fich mit der inneren und äußeren, durch die Praris festgestellten Construction der verschiedenartigsten Hoböfen befannt zu machen. Von besonderern Interesse möchte es sein, die ursprüngliche Gestalt eines Dfens mit der zu vergleichen, welche derselbe nach der Campagne angenommen hat, und erlaube ich mir, eine Skizze (Fig. 7, Blatt 6) des im Juni 1866 ausgeblasenen Hohohofene Nr. I des Neubrüder Eisenwerkes bei Finnentrop vorzulegen.

Die ganze Höhe des Dfens, vom Niveau des Bodensteines bis zur Gicht, beträgt 41 Fuß 2 Zoll (12",921), die ganze Gestellhöhe 5 Fuß (1",57), die Breite der Ersteren 2 Fuß 2 Zoll (0“,628)

*) Vergl. hierüber Bd. IX, S. 364 und Bd. XI, S. 222 0. 3.

D. Red. (P.)

und die der Lesteren 3 Fuß (0“,942) und 2 Fuß 6 Zoll (0",785). Die Rafthöhe bis zur größten Weite des Kohlensades beträgt 8 Fuß 9 Zoll (24,746), die Breite derselben zuerst 7 Fuß 2 Zoll (2®,249), zulegt 10 Fuß (3",138), der Raftwinkel ca. 40°. Die größte Weite des Rohlensades ist 10 Fuß 6 Zoll (3",296). Bon hier aus verengt sich der Dfen wieder und läuft bis zur Gicht in 5. Fuß 8 Bol (1",779) aus.

Das Material, mit welcher der Dfen zugestellt ist, besteht im Gestelle und den zwei ersten Lagen der Raft aus natürlichen Steinen von Huy, während der übrige Rernschacht aus fünstlichen Casseler Steinen hergestellt ist.

Der Ofen befitt an drei Seiten je eine Form, während die vierte Seite ale Arbeits- und Abftichseite dient. Zur Conservirung der Formen circulirt fortwährend Wasser in denselben.

Der nöthige Wind, durch eine liegende Dampfcylinder-Gebläsemaschine erzeugt, wurde, um eine höhere Temperatur im Gestelle zu erzielen, warm cingeblasen, und konnte je nach der Art des zu erzeugenden Roheisens bis 300° ja 400° C. erhigt werden.

Die nöthige Heizkraft, sowohl für Dampfkesfel, ale Winderhißungsapparat, wurde zum großen Theile durch die aufgefangenen Gichtgase geivonnen und durch Reservefeuerung vervollständigt. Es war deshalb die Gicht mit einem einfachen Deckel geschlossen, welcher beim Chargiren in die Höhe gezogen wurde. Zur vollkommenen Dichtung dieses Verschlusses griff der Deckel in einen um die Gicht gelegten Ring, in welchem Wasser circulirte. Die Gasabführung wurde durch ein feitlich angebrachtes Rohr bewirkt, nachdem die Gase durch einen eingehängten 6 Fuß (1",883) langen und 5 Fuß (1",569) breiten Kessel aufgefangen waren.

Nachdem der Ofen 3 Wochen getrodnet und 3 Wochen angeheizt war, wurde er am 19. September 1864 mit der ersten Erzgicht beschickt, nachdem ca. 200 bis 300 Pfd. Kalk in dicken Stücken als Marfe hineingeworfen worden. Am 23. Mittags 12 Uhr bez gann man mit dem Blasen, und zwar bei 14 Zoll (46) Düsen mit 1 Pfo. (04,073 pro Quadratcentimeter) Pressung. Der Wind hatte eine Tenperatur von ca. 150° C.

Am 24. Morgens ergab der erste Abftich 5236 Pfo. schönes Korneisen. Die Pressung des Windes wurde nunmehr langsam gesteigert bis zu 2 Pro. (0,2 pro Quadratcentimeter) bei 24 Zoll (720) Düsen, welche Pressung als die constanteste während der ganzen Campagne gehalten wurde.

Bei ca. einer Stunde Blafen zeigte es fich, daß der Dfen wegen der geringen Dimensionen des Gestelles schon hohl geblasen war, weshalb an der Pressung etwas abgezogen werden mußte.

Nach Verlauf von 4 Monaten, während welcher Zeit der Dren ziemlich regelmäßig gegangen war, mußten über der hintersten Form schon 7 neue Steine eingefeßt werden.

Von dieser Zeit ab ging der Ofen sehr gut und regelmäßig, und wurde berhältnißmäßig vieles und schönes, meistens weißes und weißstrahliges Eisen erblasen, bis sich im Herbste 1865 auf cinmal Gase zeigten, welche überall zu den Fugen des Raubgemiuers heraustraten. Man glaubte nun, es sei ein Loch im Kernsdachte vorhanden, konnte aber, nachdem einige Gichten weit nieder gegangen waren, Nichts von einem foldhen entdecken, obgleid, einige Fugen der einzelnen Schaditsteine sich merklich erweitert hatten. Um das Entweichen der Gase zu verhindern, wurden die Fugen init Lehm gedichtet. Nach geraumer Zeit nahm indessen das Entweichen der Gase in solchem Maße überhand, daß man durd, abermaliges tieferes Niedergebenlaffen des Ofens vom Vorhandensein eines Loches im Rernschachte gegen die Arbeitsseite des Ofens hin fich überzeugen konnte. 11m nun zu fehen, wie weit das Loch ging und von welchen Dimensionen dasselbe wohl sein könnte, wurde an verschiedenen Stellen der Raft das Rauhgemäuer aufgebrochen, und es ergab sich hierbei, daß ein Theil desselben schon weggebrannt war. Demnach mußten also schon Schadtsteine im Gestelle zum Verschmelzen gefonimen sein, ivas jedod, von den Schmelzern beim Feuerschöpfen und Reinigen den Vorherbes nicht hatte beobachtet werden fönnen. Hierdurch hatte sich ein etwas unregelmäßiger Drengang eingestellt, welcher fich dadurch zeigte, daß die Schladen geestig, und das Eisen demzufolge ziemlich matt war.

Zugleich bemerkte man, daß sich auf der Raft über der Rückform Anfäße gebildet hatten. Auf diesen Anfäßen nun blieb ein Theil der Šichten hängen, so daß hierdurch ein unregelmäßiges Stürzen des Ofens erfolgte, was einen erheblichen Einfluß auf den Ofengang ausübte.

Die hintere Ofenwand wurde deshalb aufgebrochen, nachdem Die Form erst weggeschmolzen war und mit großen krumm gebo:

genen Stangen das Frischeifen herabgestoßen. Die Anfäße ergaben fich an einer Stelle ca. 2 Fuß (628mm) ftark.

Von da an ging der Dfen wieder lange Zeit gut, wenngleich Raft und Gestell ebenfalls fchon sehr gelitten hatten; Doch fonnten dieselben durch rationelles Wasserlassen und neues Steinfeßen noch lange erhalten werden, so daß im vorlegten Monat burchschnittlich 36,000, öfters fogar 41,000 Pfd. in 24 Stunden producirt wurben, während der Dfen auf ca. 30,000 Pt. Ausbringen projecs tirt war.

Dieser gute Gang wurde jedoch wieder unterbrochen, und die alte Calamität trat in noch stärkerem Maße ein.

Die Schlacken wurden geestig durch ferneres Herabstürzen von Kernschachtsteinen; die Rast zeigte durch ein fortwährendes Stürzen des Ofens Anfäße an, und das Eisen wurde sebr matt. Das Aufgeben von Brandgichten und die Erhigung des Windes bis zu 350° blieben erfolglos, und das Ausbringen des Ofens blieb im Verhältniß zum Brennmateriale ein fo unvortheilhaftes, daß das Ausblasen desselben beschlossen werden mußte. Demzufolge wurde damit am 16. Juni begonnen, und ging dasselbe bei vollem Blafen und geschlossener Gicht ganz gut bis ungefähr zur Raft bin, welche über der hinteren Form ganz herausgeblasen wurde, da fic weggebrannt war. Das dadurch entstandene Loch wurde, nachdem die Maschine abgestellt, mit feuerfestem Materiale verstopft und sodann weiter geblasen. Nad) und nach begannen die Formen schwarz zu werden und zuzugehen, größtentheils durch herabfallende Schaditsteine, so daß man befürchten konnte, das Außblasen dürfte kein regelrechtes werden.

Der Ofen war todt, nadidem a. 30 Stunden zum Ausblasen nöthig gewesen waren.

Der Deckel der Gicht wurde geöffnet und Wasser eingelassen, um die geschmolzenen Rückstände am Feftbacken zu berhindern und den Ofen eher falt zu stellen. Am folgenden Tage wurde das Loch fichbar, welches 8 Fuß (2",511) unterhalb der Sicht teraffenförmig fich nach unten hin ziemlich gleichmäßig erweiterte. Beim Aufbrechen des Gestelles sah man, daß die Schachtsteine schon bei der vorlegten Gicht mit herunter gegangen waren. Im Gestelle lagen zu unterst lauter Schachtsteine, welche man beim Ausblasen vor den Formen bemerkt hatte, dann eine Lage Möller und hierauf wieder Schachtsteine.

Die Raft war an den drei Formseiten bis an die Tragebalken weggebrannt. Der Ofen war übrigens fehr glücklich ausgeblasen, so daß nicht die geringste Sau fich vorfand.

Es dürfte schwierig sein, die Entstehung dieses Loches im Kernchachte ausreichend zu erklären. Dessenungeachtet will ich Einiges anführen, was vielleicht von Einfluß darauf gewesen sein dürfte.

Es wurde, wie schon früher erwähnt, ziemlid) stark geblasen, wodurch bei der iminer geschlossenen Sicht ein erheblicher Druck im Ofen wirksam werden mußte. Die in großer Menge vorhandenen Gase, durch den Ressel aufgefangen, mußten durch den zwischen Leşteren und der Schachtwand verbleibenden engen Zwischens raum von 5 Zoll (131") in die 2 Fuß (0",628) im Quadrat große Abzugsöffnung entweichen, welche Maße vielleicht zu gering gewejen sind, zumal fid) außerdem noch viel Gichtstaub abfeßte und somit die Deffnung bedeutend verringerte. Durdy diesen hohen Druck können sid, nun vielleicht nicht ganz besonders gut gefugte Schachtsteine ausgedehnt und verschoben haben, so daß hierdurd, die Fugencrweiterungen entstanden, welche fich beim Niedergebenlassen der Gichten bemerkbar gemacht hatten. Die in Folge derselben augs tretenden Gase drangen vielleicht hinter den Kernschacht und bliesen den daselbst als Zwischenschicht eingefüllten feuerfesten Sand heraus. Hierdurd fann das Verbrennen einzelner von allen Seiten der Hiße ausgeseßten Steine befördert sein, welches unfehlbar das Herausfallen und Nachstürzen der darauf ruhenden Steine zur Folge haben mußte.

Wo, in welcher Ofenzone der erste Stein herausgefallen resp. verbrannt ist, kann nur vermuthet werden; ich glaube in der Gegend der Nast, vielleicht am Ende des Rohlensackes, weil die Steinc terrassenförmig nachgefallen sind, das Lody also unten am weitesten und oben fast regelmäßig nach beiden Seiten enger zu lief. Das ganze Loch dürfte wohl ca. 100 Quadratfuß (10 Qürtmtr.) groß gewesen sein, da wir die Höhe auf 12 Fuß (3,8), die Breite mins bestens auf 8 Fuß (2“,511) sdagen fönnen.

Eine genaue Aufmeffung und Aufzeichnung des entstandenen Loches hatte einige Schwierigkeiten wegen des Darüber bangenden und den Nachsturz drohenden Gemäuers. Deshalb kann den in der zugehörigen Profilskizze eingetragenen Maßen auch nur annahernde Richtigkeit zugesprochen werden.

wird die etwas abgekühlte Tafel mit der Gabel in den Kühlwagen c übergehoben, welch' Lepterer etwa 12 bis 14 Tafeln faßt. 3ft der Kühlwagen gefüllt, so wird er durch Herablaffen des Deckele geschlossen und auf dem Querwagen o ftehend in den Abkühlungo raum D gefahren, um dann auf die Schienenbahn 1 des zweiten Abkühlungsraumes E zu gehen. Der Duerwagen kehrt auf seinen ersten Stand in dem Kühlofen C zurück, woselbst er einen neuen Kühlwagen aus dem Anivårmofen F aufnimmt. Vorher ist der Kühlwagen, welcher in dem Abkühlungøraume D ftand, durch den geöffneten Schieber p auf die Verlängerung der in E liegenden Schienenbahn gezogen worden, um im Freien weiter abzufühlen, und wird dann mittelst des Querwagens q vor die Thüre r des Anwärmofene gefahren, um nach erfolgter Entleerung, sobald der im Anwärmofen befindliche Wagen in den Kühlofen C übergegangen ist, dessen Stelle einzunehmen.

Aus der Beschreibung des Dfens läßt fich ersehen, daß derselbe bei seiner compendiösen Anordnung und dem Vermeiden aller mechanischen Vorrichtungen dem Canalstreckofen gegenüber nicht unbedeutende Vortheile in Bezug auf Anlagecapital und Reparaturkosten bieten kann. Ob indessen die von dem Berichterstatter des Génie industriel“ angegebene Abkühlungszeit von 5 Stunden, welche ftdy auch aus der mitgetheilten, zum Betriebe erforderlichen Anzahl von Kühlwagen ergiebt, zur vollständigen Abkühlung der 14 übereinander geschichteten Tafeln ausreichend sein wird, muß erst die Erfahrung lehren. Sollte sie nicht genügen, so wäre durch Vermehrung der Kühlwagen von 7 auf 9 oder mehr und entsprechende Verlängerung der Schienenbahnen zwischen dem Rühle ofen und Anwärmeofen einerseits und dem Duergeleise für den Wagen q andererseits auch die nöthige Vergrößerung der Abküblungszeit zu gewinnen; indessen wäre dies immer mit einem ers höhten Anlagecapitale' und einer Vermehrung des erforderlichen Plages verbunden, wodurch die gerühmten Vortheile des Ofens zum Theil wieder aufgehoben würden.

Der Erfinder soll, wie mir auch von anderer Seite bekannt geworden, bereits mehrere Monate mit einem solchen Ofen zur Zu= friedenheit arbeiten.

R. Ziebarth.

Streckofen von Dillinger.

(Gierzu Figur 1 bis 3, Tafel VIII.) Der früher ausschließlich und in neuerer Zeit noch häufig, besonders bei kleinerem Betriebe, zum Strecken des Fenster- und geblasenen Spiegelglases angewendete Auflehnofen hatte so manniga fache Nachtheile, namentlich die Verlcßung der gestreckten Platten durch die Streckrißer, das häufige Durchbiegen der im Kühlofen aufgestellten Tafeláí und seine geringe Productionsfähigkeit, daß man bald die verschiedenartigsten Defen construirte, welche durch besondere Vorrichtungen und Anordnung der einzelnen Ofentheile einen oder mehrere der oben angeführten Mängel vermeiden sollten. Unter diesen ncueren Constructionen hat am meisten, namentlich für großen Petrieb und feinere Tafelglassorten, der rheinische Canalstreckofen Eingang gefunden, welcher in der That in Bezug auf continuirlichen Betrieb und gutes Aussehen der Tafeln wenig zu wünschen übrig läßt. Die diesem Systeme noch anhaftenden Nachtheile sind ein häufig vorkominendes Springen besonders der obersten Tafeln auf den Kühlwagen in Folge des Einströmens von kalter Luft in den Kühlcanal und die nicht zu den Seltenheiten gehörenden Störungen in dem Bewegungsmechaniêmue durch Ausspringen der Haken, Neißen der Zugkette u. f. w. Außerdem beansprucht der Ca:ialstreckofen einen sehr bedeutenden Naum.

Auch diese legten Nachtheile fol der Director der Glasfabrik zu Landquart im Canton Graubündten, Dillinger, dadurch vermieden haben, daß er den Kühlcanal beseitigte und daneben ein in der Weißhohlglasfabrication gebräuchliches System des Rühlen auf Tafelglas anwendete, nämlid, seine Kühlwagen als eine Art Kühltöpfe construirte. Wir finden eine Beschreibung diefes Ofené in Armengaud's Génie industriel" (1866, Tome 32, S. 1), welche wir hier mit theilweiser Benußung der zugehörigen Abbildungen in freier Bearbeitung wiedergeben.

Fig. 1 auf Laf. VIII stellt den Ofen im Grundrisse, Fig. 2 im Längenschnitt nach AB in Fig. 1 und Fig. 3 im Querschnitt nach CDEF, sämmtlid in to der natürlichen Größe, bar.

In denselben ist A der Vorderofen mit den beiden über einander liegenden Streckwagen a und b, welche abwechselnd init einer gestreckten Tafel beladen in den Hinterofen gebracht werden, um von ihnen dus die ctwas abgekühlte Tafel in den versa)ließ= baren Kühlwagen c, welcher sich in den Raume C befindet, herüber zu heben. Der Streckofen wird durch die beiden Rose d, d gefeuert, der Kühlofen durch den Rost e und die Feuerzüge f, f... in einer nicht zu hohen, gleichmäßigen Temperatur erhalten. Die verschließbaren Kühlwagen, die Haupteigenthümlichkeit dieses Ofenfyftemes, sind aus Eisen mit Verstärkungørippen gegossen und haben einen in gleicher Weise dargestellten, um Scharniere an der einen Langleite beweglichen Deckel, welder vermittelst ciner durch die Deffnung g im Kühlofengewölbe gehenden Kette h durch eine Winde gehoben oder gesenkt werden kann. Die Seitenwände des Wagens find an beiden Stirnseiten und der Langseite, welche die Scharniere trägt, auf halber Höhe des Rastenê getheilt

, so daß die untere Hälfte dem Wagen selbst, die obere dem Deckel angehört; die legte Langscite, welche nach dem Kühlofen B hin gerichtet ist, befindet sich in ihrer ganzen Höhe am Deckel, um Das Hineinlegen der Tafeln in den Wagen zu ermöglichen. Fig. 2 und 3 zeigen dic Construction der Wagen.

D und E sind die Räume zum Abfühlen der Wagen. Durdy C und D hindurch), welche durch den Schicber i getrennt sind, geht eine Schienenbahn k, auf der ein Wagen o mit quer zu der Ridytung der ersten liegenden Schienen läuft, welche Leştere den geschlossenen Kühlwagen tragen und nach gehöriger Verschiebung des unteren Wagens fich an die Schienenbahn 1 des Kühlraumes E anschließen. An dieselbe Bahn schließen fich die Schienen cines zweiten Dueriragens q, welcher auf einer Bahn außerhalb des Ofen8 läuft und zum Zurückbringen der entleerten Rühlwagen vor dem Anwärmofen F dient.

Betrachten wir noch den Gang der Arbeit an den eben be(driebenen Defen, wobei wir Gelegenheit nehmen werden, die Bedeutung der noch nicht erwähnten, in die Zeidynungen eingeschriebenen Buchstaben zu erläutern.

Die durch die Schiebröhre n cingeführten Walzen werden wie gewöhnlich durch das Streclodh m auf dem Streckwagen a gestreckt und dann mit diesem in den Hinterofen B geschoben, wahrend der Wagen b nach dem Vorderofen geht, um dort die zunächst zu stredende Walze aufzunehmen und dann an Stelle von a nach dem Hinterofen gebracht zu irerden. Vom Wagen a resp. b

Technische Literatur.

Mathematik. System der technisch-malerischen Perspective. Für technische Lehranstalten, Kunstakademieen und zum Selbstunterrichte. Bon Franz Tilsdier, ordentlicher Professer der descriptiven Geometrie am polytechnischen Institute zu Prag. 8. (XVIII und 344 S.) Mit 16 lithographirten und 2 Farbendrucktafeln. Prag, 1867. Verlag von Friedrich Lempsky.

Dieses Werk ist das erste umfangreichere der Jeştzeit, in weldiem sich der Verf. bestrebt, die allgemeinen Gefeße und Prins cipien, denen fid, die bisher üblichen Constructionsmethoden und. Behelfe unterordnen, aufzusuchen und zu entwickeln, ferner bie neueren rein geometrischen Untersuchungen in ihren Anwendungen auf die Perspective zu bearbeiten. Dasselbe zerfällt in drei Abtheilungen.

Die erste Abtheilung (fiche BD. IX, S. 673 D. 3.) enthält die allgemeinen Principien und Constructionsmethoden der Centralprojection räumlicher Gebilde auf eine Ebene und ist mit außerordentlicher Sachkenntniß ausgeführt; jedoch hat der Verf., und zwar mit Rücksicht auf den Zweck des Werkes wohl mit Recht, nur die einfadisten Elemente der Geometrie benußt, obgleich das durd) eine Reihe von äußerst interessanten und praktisch wichtigen Constructionen (3. B. die für die Curven und Flächen zweiten Grabes) dem Praktiker vorenthalten werden.

Die zweite Abtheilung untersucht sehr gründlich die Beräns derungen des Bildes, wenn die Constructionselemente (ba8 Auge, die Bildebene, daß gegebene Gebilde) ihre gegenseitige Lage im Raume åndern, zeigt die fruchtbaren Anwendungen folcher Vers ichiebungen indbefondere für eine begrenzte Bildebene, indem fidy bie Constructionsbehelfe für die Leştere fämmtlich leicht aus solchen Verschiebungen ergeben, bringt ferner die Geseße der Beleuchtung und Spiegelung und endlich nadı Ansicht des Referenten den wichs tigsten Theil der Perspective: die aronounctrische Herstellung perspectivischer Bilder in vorzüglicher Bearbeitung, wenn auch nocy nicht in boller Allgemeinheit.

vermengt, daß verhältnißmäßig: nur wenig Bindemittel zwischen den kleinen Bimfteinen vorhanden ift. Alsbann wird diese Maffe in gewöhnliche Ziegelformen geschlagen und endlich in zahlreichen Holzgestellen getrocknet.

Diese künstlichen Steine sind haltbarer, als die natürlichen Engerser Sandsteine, eben so leicht, aber fefter, und brödeln we niger ab als jene. Man räumt ihnen daher den Vorzug in der Verwendung ein. Es hat diese neue Industrie einen immer mehr wachsenden Aufschwung gewonnen. Für die geeigneten baulichen Zwecke werden in Cöln, Bonn, Coblenz und anderen Rheinstädten fast nur allein noch diese künstlichen Bausteine angewendet.

R. 3.

Die dritte Abtheilung beschäftigt fich mit den Anwendungen der vorhergehenden rein wissenschaftlichen Principien nach Entwidtlung der einschlagenden optischen Geseße auf die praktische Außführung, und hätte Ref. hier ein nod tieferes Eingehen gewünscht. Der Vortrag legt nur die ersten Elemente der Geoinetrie voraus, ist klar, wenn auch hin und wieder etwas breit (jedenfalls aus guter Absicht, um die den meisten Lesern wohl freinden, aber außerordentlich fruchtbaren Säge eingebender zu erörtern) und zeigt, daß der Verf. das Material nicht allein vollständig beherrscht, sondern auch Tchon längere Zeit praktisch verwerthet.

Ref. empfiehlt das Werk insbesondere den Architekten, indem diese aus lauter Eifer für die geschmackvolle Ornamentirung der Bauwerke die Perspectivwissenschaft sehr mit Unrecht vernachlässigen; kein monumentales Bauwerk fann nach Zeichnungen vollständig in Betreff der Wirkung beurtheilt werden, wenn demselben nicht wenigstens eine perspectivische Ansicht hinzugefügt wird. Es wird nicht selten ein Bauwerk nach den geometrischen Zeichnungen den Anforderungen entsprechend gelungen erscheinen, obgleich keine gute perspectivische Ansicht zit erhalten ist, woraus aber immer nur geschlossen werden muß, daß das Urtheil zu vorschnell abgegeben war. Unsere Ardjitekten scheinen dies ganz zu übersehen.

Aber auch denjenigen (der Zahl nach leider wenigen) Malern sei das Werk empfohlen, welche Muth und Energie genug befißen, ein wissenschaftlich gehaltenes Werk zu studiren, und nicht allein Alles von ihrem Genie erwarten; die Mühe bleibt sicher hier nicht unbelohnt.

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Bauwesen. Fabrication von leichten Bausteinen und Ziegeln. - Wied's illuftrirte deutsche Gewerbezeitung", Fahrg. 1866, Nr. 47, S. 372, bringt nach den ,, illustrirten deutschen Monatsheften" einen Auffag von Jacob Noeggerath über die Art, wie, entsprechend der Herstellung leichter Ziegelsteine durch Beimischung von Lohe, Kohlenklein 11. s. w. zum Thon, wie sonst üblich, am Rheine solche leichte Bausteine aus Bimsteinconglomeraten theile natürlich gebrochen, theils fünftlich hergestellt werden. Wir geben hier das Wichtigste darauß wieder.

Die natürlichen Steine werden in der Rheingegend von ihrem Bezugsorte, dem Dorfe Engers, Engerfer Sandsteine genannt, obwohl fte eigentlich aus einem Conglomerat von Bimsteinförnern bestehen. In dein sogenannten Neuwieder Reffel, zwischen Ehrens breitstein und Neuwieb, liegen bei Engers bis nach Neuwied bin und östlich bis nach Sayn in der Ebene die Gruben, welche diejen Stein liefern; sie werden auf Lagebau betrieben. Unter der Dammerde von 09,4 bis 0“,6 Dicke folgt eine Wechsellagerung von Schichten von Cosen Bimsteinförnern, und grauem bulcanischem Luff von verschiedener Mächtigkeit, 3" biß 4”,5, und darunter kommt der Engerser Sandstein zusammenhängend anstehend in einer Mächtigkeit von ca. 3" vor, wird aber selten ganz nach der Tiefe hin gewonnen, weil die Grundwasser hinderlich auftreten.

Dieser Sandstein, also das Bimsteinconglomerat, besteht aus fleinen Bimfteinstücken von Erbsen- bis Kirsdgröße, mehr oder wes niger abgerundet, weißlich oder schmußighellgelb, welche untereinander durch Lehm oder Thon ziemlich fest verbunden sind. Der Lehm ist sehr fein, bräunlidweiß oder gelblich. Die Gewinnung der Steine ist eigenthümlich: fte werden mit großen, dünnen, beil artigen, schneidenden Werkzeugen gleid, in dem Format von Ziegelsteinen aus der ganzen Masse herausgehauen. Die Arbeit in den Gruben geschieht so, daß in dem ganzen Gestein regelmäßige kleine Terrassen oder schmale Treppenstufen über einander gebildet werden. Nach der Gewinnung werden die Steine neben der Grube zum Irocknen aufgestellt.

In neuerer Zeit, seit etwa 20 Jahren, hat man aber auch angefangen, ein ähnliches Conglomerat künstlich nach Art von Pisésteinen herzustellen. Auf der linken Rheinseite, dem Vorkommen des Sandsteines von Engers gegenüber, in der ganzen Strecke von Andernach bis nahe nach Coblenz hin, lagern die Bimsteinförner unverbunden, lose über einander, wohl 4,5 und mehr mächtig. Länge deß Rheines, besonders in der Gegend des Dorfes Weißenthum, hat man eine Anzahl von Ralföfen erbaut, welche ihren Kalkstein aus der Gegend von Mainz beziehen. Der hier gebrannte Ralk in ziemlich steifem gelöschtem Zustande wird mit den losen Bimsteinkörnern, welche an Drt und Stelle nach der Wegräumung der Adererde mit der Schaufel gewonnen werden, so

Eisenbahnbrüde aus Stahl. - Die , Zeitschrift des Vereine deutscher Eisenbahnverwaltungen" (1866, Nr. 45, S. 630) bringt nach dem Engineer“ vom 28. September desselben Jahres einige Notizen über die Eisenbahnbrücke aus Stahl, mittelst welcher die von der Gothenburg-Stocholmer Bahn sich abzweigende Nebenbahn nad udbewaua in der Nähe von Trollhätta über den Götha-Elf geführt ist. Wir geben mit Benußung einiger früheren Angaben aus Nr. 24, S. 332 a. a. D. das Wesentlichste jener Notizen wieder.

Die Spannweite der Brücke beträgt 42", und ruht die eigentlidhe Bahn auf zwei Jrägern nad) Pauli'ichem Systeme, deren oberer Flansch gerade und deren unterer Flansch bogenförmig ist. Die Verbindungsstabe zwischen den beiden Flanschen jedes Trägers bilden gleichsdhenklige Dreiecke.

Da an die Herstellung von Gerüsten im Flußbett zur Aufstellung des Brückenoberbaues nicht zu denken war, so kam es darauf an, die Träger so leicht wie möglich zu machen, und es wurden daher dieselben nicht aus Eisen, sondern aus Pubdelstahl angefertigt, dessen zulässige Inanspruchnahme zu 14 Kilogramm pro Quadratmillimeter angenommen wurde, nachdem jeder einzelne Brückentheil auf eine doppelt so große Spannung probirt war. Das Gewicht des ganzen Brückenoberbaues berechnete fich auf solche Weise nur zu 1000 Ctr. engl. (1120 Zollctr.), während bei einer Eisenconstruction das erforderliche Gewicht fast doppelt so groß, und die Kosten jedenfalls größer gewesen sein würden, als bei der Stahlconstruction.

Die Aufstellung der großen parabolischen Brückenträger ges schah init Hülfe von 2 einfachen Krahnen, welche auf dem Vorlande am Fuß der beiden Landpfeiler aufgestellt waren. Seber Krahn bestand aus 2 starken Bäumen, welche am Ropfe mit einander verbunden, am Fuß weit von einander abstehend, in schräger Stellung über den Strom sich überneigten und dabei durch Ropftaue vom Lande her gehalten wurden. Beber Träger wurde sodann durch ein an seinem Ende befestigtes ftarkes Lau, welches über einen Flaschenzug am Ropfe des auf dem entgegengeseßten Ufer stehenden Krahnes geführt war, theils gehoben, theils vorwärts gezogen, so lange bis das andere Ende des Trägers von dem anderen Rrahne aus ebenfalls gehoben, und der an beiden Krahnen hängende Träger einfach in richtiger Lage auf das Mauerwerk niedergelassen werden konnte.

Bei der ain 24. Mai 1866 stattgefundenen Probebelastung wurde die Brücke mit einer in der Mitte der Spannweite ange= brachten Last von 68,000 Kilogramm, entsprechend einer gleichmäßig vertheilten Belastung von 136,000 Kilogramin beschwert, und betrug bei derselben die Senkung in der Mitte nicht mehr als 30mm. Nachher wurde die Last nach der einen Hälfte der Brücke transportirt, während die andere Hälfte unbelaftet blieb, wobei die Senkung in der Mitte um gam abnahnt, ohne daß eine Genkung des belasteten Theiles zu bemerken war; der unbelastete Theil hob sich um 3mm, und diese Probe zeigte besser noch, als die erste, die Kraft der Construction in allen Theilen. Da eine Locomotive nebst Tender höchstens 25,200 Kilogramm wiegen und eine Länge von circa 12" haben, so kann die Brücke 31 locomotiven zu einem Gewichte von 88,200 Kilogramm Centner faffen. Ein gewöhnlicher Zug, bestehend aus Locomotive und so viel geladenen Wagen, als auf der Brücke Raum haben, belastet dieselbe mit nicht mehr ale ungefähr 72,250 Kilogramm ober der halben Probe belastung.

Die Brücke ist vom Ingenieur-Major Adelsköld projectirt, der Pubbelftahl dazu in dem Walzwerke von Surahammer im nördlichen Schweden fabricirt und in der Bergsund'schen Mas schinenfabrik zu Stockholm berarbeitet.

R. 3.

Dampfmaschinen. Die Ursachen der Dampfkefselerplosionen von Emil Blum, Civil- Ingenieur und ififtent der Königl. Gewerbe-Akademie in Berlin. 29 S. 8. (Preis 6 Sgr.) Chemniß, 1866. Eduard Focke.

Der Berf. will eine Reihe von Gesichtspunkten aufftellen, von deren einein oder anderem jeder bezügliche Fall betrachtet werden kann. Ref. wird auf den Inhalt der Broschüre, inden er fte ihres instructiven Inhaltes wegen der allgemeinen Beachtung em pfiehlt, nicht näher eingehen, sondern nur einige Bemerkungen dazu machen, soweit es ftd, um den Leyden froft'schen Versuch und die sogenannte Kayser'sche hypothese handelt.

Die Priorität dieser Hypothese wird Gharles Potts zuges schrieben, welcher bereits im Jahre 1830 in Franklin Journal" Teine Beobachtungen in einen durchfichtigen Rejscl mittheilt, welche von den Kayser'schen nicht abweidien. Gestüßt auf die von Burg'schen Versuche sagt der Verf.: yes erflärt und somit diese Hypothese keinesweges die Fälle von Resselerplosionen, die beim Deffnen des Sicherheitsventiles stattfanden, ebenso wenig wie diejenigen, bei denen das Anlassen der Maschine, also das Deffnen des Absperrventiles Veranlassung zur Katastrophe gab" - und fährt fort, wie mir fdcint, mehr artig als ernst: ,, Wohl aber trifft die Grklärung für solche Fälle zu, bei denen eine große Deffnung geschaffen worden ist, ste giebt uns Aufschluß darüber, wie ein Reißen des Ressels eine Erplosion nachy fich ziehen kann", und führt Nachstehendes als Beleg an: „In einer Sigung der Manchefter-Boiler-Affociation wurde folgender Erplofion Erwähnung gethan: Am 9. Mai 1864 erplodirte eine Personenzuglocomotive der Great - Northern-Bahn. Der Mantel war an der Basts des Dampfdomncs gerissen, weldier in Folge dessen eine große Strecke fortgeschleudert wurde. Von diesem Risse gingen eine Anzahl anderer strahlenförmig aus, und der obere Theil von dem cylindrischen Mantel 'war dadurch in mehrere Stücke zerriffen worden. Sowohl die Betradītung der Richtungen, nach denen die Stüde geflogen waren, wie eine genaue Besichtigung ihrer Theile ließen kaum einen Zweife. Darüber übrig, daß der erwähnte Riß an der Bafte des Dampfcomes die erste Veranlassung zur Erplofion gegeben haben mußte. Diese Grplofion muß daher so angesehen werden, daß fte durch das Vorhandensein des Dampfdomes entftanden ist und nicht stattgefunden haben würde, wenn er nicht vorhanden gewesen wäre."

Diese Erklärung, möchte ich sagen, muß daher so angesehen werden, daß fie durch eine Verwechselung der eigentlichen Erplos flon mit den nothwendigen Zugaben zur Erplofion entstanden ist. Richte ist unbegründeter als der Rückschluß, daß der Resfel ohne Dampfbom zerstört worden .

In Bezug auf das Leydenfrost'sche Phänomen glaubt der Verf. die Frage: Kann das Phänomen zu Refselerplosionen beitragen? - entschieden mit Nein" beantworten zu müssen. Ich kann der Consequenz der Ausführungen nicht entgegentreten, glaube aber, daß der Verf. nicht das Richtige getroffen hat. Der harmlose Leydenfrost' fihe Versuch hat nur den Werth, daß er uns das eigenthümliche Verhalten des Wassers dem glühenden Eisen gegenüber augenscheinlich vorführt. Dies Verhalten oder die Eigenschaften des Wassers scheinen mir in ihrer Totalität noch nicht genügend aufgeklärt. Ich erinnere an den von Hrn. Kayser angeführten Fall, wo durch zweimaliges Eingießen geschmolzenen Giseng cine Badewanne zertrümmert und ein Menschenleben vera nichtet wurde. Diefer Fall scheint mir sehr wichtig, aber die dafür gegebene Erklärung nicht zu genügen; für die Zerstörung eines irdenen Topfeg mag ste ausreichen.

In den lezten Tagen des vorigen Jahres erplodirte in Brünn ein Ressel, welder eben vorher reparirt war. Die Reparatur war jedoch schlecht ausgefallen; es zeigte sich ein Leck, aus dem fortwihrend Waffer rann. Der Heizer ruft den Bestger herbei, um ihn auf diesen mißlichen Umstand aufmerksam zu machen; dieser läßt die Speisevorrichtung in Thätigkeit feßen, - und in dem selben Augenblicke erfolgt die Erplosion. Der Vorderboden des Reffels wurde durch die Brustmauer geschleudert, zerstörte eine Gartenumzäunung und verschiedene ihm im Wege stebenbe Bäume. Der Ressel selbst flog nach rückwärts durch zwei Mauern von 2 Fuß (6280) Dicke über den Hofraum und drang zur Hälfte seiner Länge in ein anderes Fabriklocal, und zwar betrug das Gewicht des Ressels ¢a. 5000 Pfo.

Wie ist diese Erploston zu erklären? Die Bedingungen zu

einem Siedverzuge fehlen gänzlich; aber die Dufour'schen Auge führungen beziehen sich auf ein luftfreies Wasser. Ausgekocht und . luftfrei konnte dies Kesselwasser, welches längere Zeit nicht gespeift war, und dessen Quantum sich durch fortwährendes Rinnen rasch verminderte, sehr gut sein, war es wahrscheinlich auch.

Die Erfindung von Gale, Pulver für Transporte 1. unerplodirbar zu inachen, hat fid, nach den in London angestellten Versuchen vollständig bewảhrt *); dieser Erfolg wird dadurch erzielt, daß man das Pulver mit Glasstaub mischt, welcher vor der Bes nußung durch ein feines Sieb zu entfernen ift.

Ohne auf den praktischen Werth dieser Erfindung eingeben zu wollen, muß id; mir die Frage erlauben: Kann die im Wasser enthaltene Luft nicht die Stelle dieses Glasstaubes vertreten, und ihre Entfernung gefährlich werden?

3ch weiß mir bei der Erklärung vieler Kesselerplosionen nicht anders zu helfen, als wenn ich mit Bezug auf die Analogie dieses Falles die Vermuthung ausspreche: Üeberhişte 8 luftfreies Waffer ist erplodirbar durch eine heftige an einer Stelle stattfindende Ab- oder Zunahme der Temperas tur, resp. des Drucke 8." Die Consequenzen dieser Hypothese würden sich von selbst ergeben; ste ist nur eine Verallgemeinerung der Dufour'den Ausführungen. Dufour fand als Eigenthüm= lichkeit des luftfreien Wassers eine Verzögerung des Siedens (gegen das Dalton'sche Gefeß) und erklärt aus dieser Eigenthümlichkeit die erplosive Wirkung, welche nach einem Siedberzuge durch die geringste auf das Wasser ausgeübte Ruhestörung hervorgerufen wird. Sehen wir von dem Siedverzuge ab und lassen wir, bevor ein solcher möglich war, statt der kleinen Erschütterung plößlich glühendes Eisen oder kaltes Wasser in jene vorgedachte Wassers menge eintreten; kann dann nicht dasselbe erplosive Resultat statts haben? Es kommt nur auf den Versuch an.

Nach Durchsicht der S. 147 8. Bb. d. 3. enthaltenen Bez merkungen des Hrn. Rayfer scheint mir derselbe troß seiner früheren Grörterungen der Ansicht zu sein, daß Resfelwasser unter gewöhnlichen Verhältnissen erplodirbar ift; wenn fich feine Auða führungen auf erplodirbares Wasser beziehen, dann wird Niemand ste ihm bestreiten. Nach meiner Ansicht sind aber vor Allem noch die Bedingungen festzustellen, unter welchen Wasser erplodirbar ist; ich habe deshalb die Vermuthung ausgesprochen, daß luftfreiem Wasser unter Umständen diese Eigenschaft zukomme, habe aber Nichts dabei zu erinnern, wenn sich herausstellt, daß diese Vermuthung unbegründet ift. —

Mit Bezug auf den zersprungenen Glaskefsel muß ich bei der Ansicht bleiben, daß der aus der plöglichen Entlastung eines Theiles der Oberfläche resultirende Rückschlag im Stande ist, ein Glass gefaß zu zerstören, bin aber weit davon entfernt, diese Erklärungsweise einem Anderen zu unterstellen, möchte vielmehr damit ans deuten, daß mir die Sprödigkeit der Kesselwandungen zum Erperiniente ebenso unzweckmäßig, als ihre Durdistd)tigkeit überflüffig erscheint, denn das Wesen der Erplosion besteht darin, daß die Zerseßung einer Maffe in einem unberechenbar kleinen Zeittheite vor fich geht, sich also auch der Beobachtung entzieht; die Wirfungen äußern fid ja ohnehin.

M. Froning.

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Maschinentbeile. Schmiedeeiserne Röhren statt kupferner. - Die Befürchtung, daß schmiedeeiserne Röhrenleitungen leicht verrosten und schwieriger fu legen sind, als kupferne, führt noch häufig zu einer Bevorzugung Der lebtern, troß ihres mehr als doppelt so hohen Preises. Nach ciner im , Polytechnischen Journal" (Bd. 182, S. 76) enthaltenen, der Zeitschrift des Vereine für Rübenzuckerindustrie" entlehntert Mittheilung des Hrn. Schmidt, Inspectors der Zuckerfabrik Großs Alsleben, kostet nicht nur das Legen der dmiedeeisernen Röhren nur ctwa į bon benı ber kupfernen, sondern auch das Anfressen der Dampfs, Wasser- und Saftröhren wird durch einen jährlichen Anstrich mit Delfarbe vermieden. Die Saftröhren werden durch den Saft nicht angegriffen, und nimmt auch der Saft keine Färbung

Der laufende Fuß eines 3-, 2- und 1 zölligen Robred kostet 19, 101 und 5. Sgr. (der laufende Meter eines 79, 52 'und 26mm weiten Rohres kostet demnach 3 Thlr. 16 Sgr., 1 Thlr. 3; Sgr.

an.

*) Vergl. hierüber S. 279 6. Bd. 0. 3.

D. Red. (2.)

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