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Als einziger Fall, in welchem sich gleichfeste Formen verwenden ließen, fallen uns augenblicklich nur die Gestänge und Förderseile der Bergwerke ein, obgleich man auch bisher bei diesen aus anderen Gründen von dem Gebrauche derselben abzustehen pflegte. Zu der in § 5 behandelten Schubfestigkeit ist nichts Erhebliches zu bemerken, ebenso wenig zu den einleitenden Bemerkungen des § 6 über die Biegungsfestigkeit; dagegen hätten wir bei der weiterhin daselbst gegebenen Zusammenstellung der Tragkraft der Stäbe je nach Auflager und Belastungsart gern einige Bemerkungen gefunden, um dem Anfänger die Anwendung der gegebenen Formeln zu erleichtern. Wir meinen, daß man fast ohne Ausnahme den zweiten Fall des freien Auflagers der Enden des Stabes als vorhanden anzunehmen hat, da bei günstigerem Auflager eine Lockerung der Einspannung der Enden kaum jemals undenkbar ist. Dies gilt auch von den Constructionen des Baufaches, da es bei diesen stets schwierig sein wird, zu ermitteln, ob der mit den Enden eingemauerte Träger auch wirklich fest eingespannt ist. Zumeist ist es noch bei schmiedeeisernen und hölzernen Trägern statthaft, den günstigeren Fall anzunehmen, denn, wenn bei diesen auch durch ungenügende Befestigung der Enden die berechnete Tragkraft auf die Hälfte redueirt würde, so bleibt die Tragkraft der Bruchbelastung noch ziemlich fern, wenn auch die jetzt eingetretene Spannung den Tragmodul nahezu erreicht. Anders beim Gußeisen, dessen Tragmodul mit 7,5 Kilogramm pro Quadratmillimeter der Bruchspannung von 11 Kilogramm pro Quadratmillimeter allzunahe liegt. Als fest eingespannt ist ein Träger eigentlich nur dann zu betrachten, wenn er continuirlich über mehrere Stützen fortgeht. Dies ist bei hölzernen und schmiedeeisernen Trägern wohl der Fall; gußeiserne Träger aber macht man niemals länger, als daß sie von einem Unterstützungspunkte zum nächsten gehen, um Inflectionspunkte zu vermeiden. Geht aber ein Stab über mehrere Stützen fort, so entstehen Spannungen darin, welche zum Theil bedeutend höher sind, als die bei dem nur an den Enden eingespannten Stabe ohne mittlere Stützpunkte, und da diese Spannungen für den Querschnitt des Trägers maßgebend sind, so kann aus der Verwendung langer Träger keine bedeutende Materialersparniß resultiren. Wir hätten daher die Formeln zur Bestimmung der Spannungen mehrfach unterstützter Stäbe gern im „Constructeur“ gefunden und würden dafür die Fälle XI bis XIII, Seite 14, unbedenklich hingegeben haben. Hr. Reuleaux mißt freilich denselben, vorzüglich dem Falle XII, für die Construction von Speichern praktischen Werth bei, während wir der Ansicht sind, daß es sich nicht um die beste Ausnutzung der Tragkraft der Träger, sondern um die des ganzen Gebäudes handelt, welche nur bei gleichmäßiger Belastung des Bodens sich erreichen läßt. In § 7 erhalten wir eine reichhaltige Tabelle mit den Trägheitsmomenten verschiedener Querschnitte. Einige derselben haben hier allerdings keine Bedeutung; doch dient die Tabelle ja auch für die Berechnung der rückwirkenden Festigkeit, und kommen derartige Säulenquerschnitte gelegentlich vor. Andere Profile freilich vor allen XXVI und XXVII können heute kaum mehr ausgeführt gedacht werden, indem Jedermann schmiede

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In § 8 und 9 wird die Bestimmung der Querschnitte der Träger unter Annahme ungleicher Werthe der beiden Tragmodule für Zug und Druck abgehandelt, wie dieses beim Gußeisen der Fall ist. Das Verhältniß der Tragmodule ist nun freilich ein sehr wechselndes; wir stimmen aber mit Hrn. Reuleaux überein, welcher es wie 1 : 2 annimmt, da diese Annahme praktisch bewährte Profile liefert. & Mit Bedauern jedoch haben wir in der neuen Auflage des „Constructeur“ und jetzt wieder in der unter den Augen des Verfassers entstandenen siebenten Auflage des „Taschenbuches“ der Hütte, welche uns so eben vorgelegt wurde, die Normalprofile der „Constructionslehre“ gefunden. Einerseits ist die Aufstellung derartiger Normen den so verschiedenen Bedingungen, welche in Wirklichkeit vorkommen, gegenüber überflüssig; andererseits sind die gewählten Musterprofile nichts weniger als vortheilhaft und liefern in Bezug auf Materialverwendung weit schlechtere Resultate, als die allgemein verwendeten Profile. Daß Hr. Reuleaux nicht auch hier ändernd eingegriffen hat, muß uns um so mehr Wunder nehmen, als er doch auf die Abhandlung des Hrn. Klose: „Theorie der eisernen Träger mit Doppelflanschen“ lobend hinweist, dessen mit Hülfe der Lehre vom Größten und Kleinsten bestimmte Normalprofile einerseits weit bessere Resultate geben, als die seinigen, andererseits aber mit den wirklich vorkommenden nahezu identisch sind, deren Materialverwendung dennoch Nichts mehr zu wünschen übrig läßt. Hr. Klose nimmt im Laufe seiner Untersuchungen die Lage des Schwerpunktes und die Stoffstärke der Flanschen sowie der Mittelrippe als aliquote Theile der Höhe an und bestimmt nun nach bekannten Grundsätzen die vortheilhafteste Höhe bei gegebener Fläche. Das so entstandene Profil hat also die größte Tragkraft, welche bei den vorgeschriebenen Verhältnissen sich erreichen läßt. Wir wollen eine der Tabellen, welche Hr. Klose giebt, hier theilweise wiedergeben, indem wir derselben die entsprechenden Werthe für Hrn. Reuleaux’s Normalprofil Nr. IV, sowie für zwei ausgeführte Träger, welche wir unserer Abhandlung (diese Zeitschrift, Band IX, S. 199 bis 202) entnehmen, hinzufügen.

Das Verhältniß # der Entfernungen des Schwerpunktes

von den äußersten Punkten des Profiles nimmt Hr. Klose auch zu 1 : 2 an; mit p bezeichnet er das Verhältniß der Dicke der Mittelrippe zu der Höhe des ganzen Trägers und mit c das Verhältniß der Stärke der unteren Flansche zu der der Mittelrippe. Der oberen Flansche giebt er dieselbe Stärke, wie der Mittelrippe. (b ist die Breite der oberen und B die der unteren Flansche, H die Höhe des Profiles.) Die anderen Bezeichnungen der Tabelle sind mit den im „Constructeur“

üblichen gleich. Die Colonne # hatten wir in der gedachten

Abhandlung mit C, bezeichnet und dazu bemerkt, daß sie nicht als Maßstab für die Verwendung des Materiales dienen könnte,

daß man vielmehr diese nach dem Werthe von S = be

beurtheilen müßte, wie es auch von Hrn. Reuleaux in seiñer

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Wir sehen, daß das Profil des „Constructeur“ allerdings in der Colonne C, einen guten Platz einnimmt, aber daß sein Werth für S und S, sehr schlecht ist. Dies läßt sich leicht erklären; die Höhe der Mittelrippe ist zu gering; daher fallen S und S, klein aus. Andererseits ist aber die Fläche der Mittelrippe im Verhältnisse zu der der Flanschen klein, und

daher die Materialvertheilung bei gleicher Höhe den anderen

Profilen gegenüber eine vortheilhafte. Wir wollen dieses noch weiter erläutern: Q

Zöge ich zwei Träger z. B. von dem Querschnitte des hannoverschen Trägers in einen von gleicher Höhe zusammen, so würden die Dimensionen desselben in der Breite verdoppelt und das Trägheitsmoment desselben das zweifache des früheren sein. Das neue Profil würde nun p = 0,092 haben, was viel zu viel wäre; wir können daher die Mittelrippe dünner machen und das so gewonnene Material den Flanschen zuführen, was mit einiger Steigerung der Tragkraft verbunden sein würde, so daß wir für C jetzt einen höheren Wertherhielten. S und S, dagegen würden, wie leicht ersichtlich, schlechtere Werthe erhalten.

In Wirklichkeit sind nun aber fast immer Zahl und Entfernung, sowie Belastung der einzelnen Träger bestimmt, während die Höhe derselben möglichst vortheilhaft gewählt werden kann. Wir müssen daher das Profil so wählen, daß S, möglichst groß wird. Wäre hingegen die Höhe des Profiles bestimmt, Zahl und Belastung der einzelnen Träger aber vollkommen willkürlich, so müßte uns der Werth von # bei der

Wahl des Profiles leiten. Dieser Fall kommt aber so selten

vor, daß wir glauben berechtigt zu sein, die Aufstellung des
Profiles der „Constructionslehre“ als eines normalen durch-
aus zu verwerfen. –
In § 10 finden wir wieder die Formen gleicher Fe-
stigkeit und zwar eine reichhaltige, weit mehr als das Uebliche,
enthaltende Sammlung derselben, denen freilich nahezu alles
praktische Interesse abgeht, indem mit einer einzigen Ausnahme
die in Wirklichkeit vorkommenden Profile viel complicirter sind,
und die in der Tabelle gegebenen einfachen Fälle gar nicht vor-
kommen.
Nun aber sind diese einfachen Fälle wirklich so leicht
aus der allgemeinen Formel herzuleiten, daß mit einer etwas
schärferen Hervorhebung derselben mehr genützt wäre, als mit
dem wirklich Gegebenen.
Die eben erwähnte Ausnahme ist der Fall einfacher run-
der Achsen, bei denen die Form Nr. Vll unmittelbar ver-
wendbar wäre; aber auch bei diesen läßt man sich bei der
Ausführung nicht auf die Herstellung der strengen Form ein,
sondern geht von der Verstärkung in der Mitte der Achse ein-
fach conisch zu den Zapfen über. Ob der dann entstehende
Conus aber gerade mit dem in Fig. VIII als passende Nä-
herung an die strenge Form gegebenen identisch sein wird, ist
mehr als fraglich.
Wir können hier einschieben, daß wir die den strengen
Formen beigefügten Näherungsformen für ganz unnöthig halten.
An und für sich kommen sie natürlich stets zur Ausführung,
da ja bei den sogenannten strengen Formen nicht auf die Ab-
scheerungsfestigkeit Rücksicht genommen ist; je nach Umständen
aber wird man die angenäherte Form sehr verschieden gestalten.

Endlich legt man noch bei der Berechnung gußeiserner Achsen mit sternförmigen Querschnitten eine runde auf gleiche Festigkeit berechnete Achse zu Grunde, wie weiter unten ausführlich gelehrt wird; weitere Verwendungen einfacher, gleich fester Formen sind uns aber augenblicklich nicht gegenwärtig. Bei zur Schwerpunktsaxe nicht symmetrischen Profilen sind die bei Achsen anwendbaren Verwandlungen des Querschnittes unausführbar, und muß daher bei den gußeisernen Trägern, dem weitaus wichtigsten Falle von Formen gleicher Festigkeit, eine Reihe von Profilen einzeln so berechnet werden, daß ihre Tragfähigkeit die gewünschte wird.

Daß auf die Details gußeiserner Träger, sowie der mit denselben verwandten Säulen im „Constructeur“ gar nicht eingegangen ist, und dieselben im speciellen Theile auch nicht behandelt werden, hat uns überrascht, da die Anordnung solcher Constructionen fast ohne Ausnahme dem Maschinenbauer anheim fällt. – «d

§ 11 bis 14 handeln von der Torsionsfestigkeit, und zwar geben § 11 bis 12 die allgemeinen Grundsätze, sowie eine Zusammenstellung der am häufigsten stattfindenden Angriffsweisen von Torstonskräften, während §. 13 wieder die Formen gleicher Festigkeit für kreisförmige Querschnitte bringt, deren Aufnahme wir nur billigen können. Wir müssen freilich auch hier gegen die Näherungsformen protestiren; es kann doch nimmermehr als Regel aufgestellt werden, daß eine Wellenleitung # resp. # der anfänglichen Stärke am Ende zum Durchmesser haben soll. Je länger also eine Leitung bei entsprechender Zunahme der durch sie vertheilten Kraft, je größer müßte der Durchmesser des letzten Stückes werden! Die Regeln freilich, welche Hr. Reuleaux später über die Berech

nung der Wellen giebt, liefern unter Umständen noch unge

wöhnlichere Resultate. – Die Strebfestigkeit oder rückwirkende Festigkeit findet ihre Erledigung in § 14 bis 15. Wir vermissen auch hier Bemerkungen, welche zur Anwendung der Formeln Anleitung geben. So weit im eigentlichen Maschinenbau Fälle dieser Angriffsweise vorkommen, vor allen bei Kolben und Lenkstangen, ist bei der speciellen Beschreibung dieser Theile das Nöthige gesagt; der Säulen aber geschieht, wie schon bemerkt, nirgends wieder Erwähnung. Die Frage, wann eine Säule als fest eingespannt zu betrachten ist, um welche es sich hauptsächlich handelt, ist um so wichtiger, als je nach Art der Befestigung der Enden die Tragkraft ja um das Vierfache wächst; da nun Hr. Reuleaux nur sechsfache Sicherheit vorschreibt und zugleich bemerkt, daß diese in Wirklichkeit nicht vorhanden sei, weil die theoretischen Formeln zu günstige Resultate liefern, so scheint es bedenklich, den günstigsten Fall jemals als maßgebend zu nehmen. Dazu kommt, daß, wie bekannt, Säulen von etwas erheblicher Länge immer bedeutende Unterschiede in den Wandstärken zeigen, daß der Druck niemals mit Sicherheit als central wirkend angesehen werden kann, und daß bei Proben der Säulen bald genug meßbare Durchbiegungen sich zeigen, welche freilich niemals bleibend sind. Nimmt man den zweiten Fall der Tabelle, der Säule mit drehbaren Enden, an und schlägt auch die Belastungen, bleibende und zufällige, nicht allzu niedrig an, so erhält man bei Annahme 5 bis 6 facher Sicherheit brauchbare Dimensionen. Bei englischen Ausführungen finden sich die

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Träger in der Regel nicht stärker, als durchaus erforderlich, construirt; den Säulen aber ist mit Recht sehr reichliche Sicherheit gegeben. Es erscheint demnach bedenklich, daß Hr. Reuleaux ohne Weiteres darauf aufmerksam macht, daß nach Hodgkinson's Versuchen Säulen mit stumpf abgeschnittenen Enden sich ungefähr wie an den Enden eingespannte verhalten, denn wenn man mit der üblichen Sicherheit unter dieser Annahme berechnet, so bekommt man entschieden zu schwache Dimensionen. Eine Säule von 15 Fuß (4“,7) Länge bei einem äußeren Durchmesser von 9 Zoll (235“) und einem inneren von 6 Zoll (170“) bricht, nach dem zweiten Falle berechnet, unter einer Last von 970,000 Pfd., und würde Verwendung finden bei einem vierstöckigen feuerfesten Gebäude. Nehmen wir an, daß die Säulen 10 Fuß (3“,14) von einander ständen, die lichte Länge der Träger 25 Fuß (7“,8) sei und der Quadratfuß mit 250 Pfd. (der Quadratmeter mit 1389 Kilogr.), was freilich für ein Fabrikgebäude sehr hoch gegriffen ist, belastet sei, so trägt jede Säule eine Last von 250,000 Pfd. und gewährt knapp vierfache Sicherheit. Die Enden solcher Säulen sind immer flach; betrachtet man dieselben daher als fest eingespannt, so würde die Tragkraft derselben vervierfacht, und

#

brauchten die Durchmesser für gleiche Tragkraft nur das V4fache ihrer vorher angenommenen Werthe zu haben. Die Durchmesser würden sich nun zu 6 Zoll (170“) und 4 Zoll (128") resp. ergeben; aber eine solche Säule für den angegebenen Zweck zu verwenden, widerspräche Allem, was wir bis jetzt gesehen.

Nur da, wo keine so große Lasten vorkommen, bei Perronhallen und ähnlichen leichten Bauten, finden wir Säulen, bei denen auf die feste Lagerung ihres unteren Endes Rücksicht genommen ist; in anderen sonst ähnlichen Fällen, z. B. bei den Sheds für mechanische Weberei, bedingt das Triebwerk an den Säulen für "diese stärkere Dimensionen.

In der Tabelle des „Constructeur“ findet sich, wie auch sonst, eine Columne, welche die Grenzen angiebt, über welche hinaus auf einfache Druckfestigkeit zu rechnen ist, und zwar muß diese Berechnungsart eintreten, wenn bei gleichbleibendem Querschnitte die Länge der Säule unter eine gewisse Grenze sinkt. Wann dieses eintritt, ist leicht zu berechnen. Die Tragkraft einer Säule mit drehbaren Enden z. B. ist:

7t? JE P=Ä.

Die Last, welche man derselben bei Berechnung auf Druck

auflegen darf, ist, wenn F die Fläche ihres Querschnittes ist,

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des „Constructeur“ nicht ganz. So hat der Ausleger des im zweiten Hefte des Skizzenbuches für den Ingenieur beschriebenenen Krahnes, den wir als eine an beiden Enden drehbare Säule betrachten müssen, nur siebenfache Sicherheit, und wenn wir nach dem im § 15 am Schlusse Gesagten die starke Verjüngung desselben berücksichtigen, nur reichlich fünffache Sicherheit. s Noch geringer ist die Sicherheit bei den großen Shears in Southampton (Artizan, 1856), welche nur vierfach oder gar nach dem eben Gesagten nur dreifach ist. Dennoch wird in der angezogenen Quelle die dieser Sicherheit entsprechende Last von 52 Tons (1055,6 Zolletr.) als beträchtlich unter der Leistungsfähigkeit des Krahnes stehend betrachtet. – Die zusammengesetzte Festigkeit wird in § 16 und zwar zum Theil in etwas abstracter Weise behandelt; doch wollen wir darüber, sowie über die späteren graphostatischen Excurse uns jedes Urtheiles. enthalten, da wir hier nur die Resultate des „Constructeur“, nicht aber seine Methoden zu betrachten gedenken. Jedenfalls hätten wir es für passender erachtet, die graphostatischen Erörterungen am Schlusse des Werkes als Anhang zu vereinigen. – Auf § 17 „Festigkeit der Gefäßwände“ werden wir später noch zurückkommen. In § 18 „Berechnung der Federn“ ist einerseits weit mehr gegeben, als der Ingenieur jemals braucht, andererseits aber das Kautschuk, ein Material, welches praktisch höchst wichtig ist, mit der Bemerkung abgefertigt, daß es bislang zu wenig experimentell untersucht sei. So weit wir uns erinnern, ist doch Einiges darüber veröffentlicht, Anderes wäre gewiß bei der Stellung Hrn. Reuleaux's von den technischen Directionen der Eisenbahnen und den renommirtesten Fabricanten in Erfahrung zu bringen gewesen; im schlimmsten Falle aber wären ein paar Beispiele ausgeführter Kautschukfedern noch immer dem Anfänger fördersamer gewesen, als die obige

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V er mischt es.

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Von dem „Ausstellungs-Ausschuß“ geht uns betreffs dieser Ausstellung eine Mittheilung zu, welcher wir Nachstehendes auszugsweise entnehmen. Als im vergangenen Jahre der eherne Kriegsgott über Deutschlands Gefilde dahin schritt, da schlossen sich auch die schon zum Eintritte geöffneten Hallen des großen Industrieausstellungsgebäudes zu Chemnitz. Dieses gemeinnützige und bedeutungsvolle Unternehmen, welches die Gesammtindustrie aller sächsischen Lande, einschließlich der preußischen Provinz Sachsen, der reußischen und schwarzburgischen Fürstenthümer umfaßt und welches von vollständigen Erfolg versprechenden Aussichten begleitet war, mußte in dem Augenblicke, als es seiner Verwirklichung ganz nahe stand, sistirt werden. Allein der Geist, der es ins Leben rief, ließ selbst dann nicht seine Hände muthlos sinken, als der Kriegssturm über seinem Haupte dahin brauste; mit dem Wiedereintritte des Friedens setzte er alle Kräfte in Bewegung, um das angefangene Werk in diesem Jahre zu einem mit Erfolg gekrönten Austrage zu bringen. Wurde doch das ganze Unternehmen von dem Gedanken getragen, daß diese Ausstellung

der Industrie und des Gewerbefleißes der industriellsten Länder Deutschlands, wie kein anderes derartiges Unternehmen geeignet sei, einen so vollständigen Ein- und Ueberblick über die reiche industrielle Entwickelung dieser Lande zu gewähren; daß aber auch bei keinem die Ehre der sächsischen Industriellen und Gewerbetreibenden so engagirt sei, und daß es gelte, wie ein Mann zusammen zu stehen, um bei dieser vielleicht nie wiederkehrenden Gelegenheit in glänzender Weise darzulegen, welche Bedeutung dieser deutsche Volksstamm in der Industriewelt hat, und über welchen Reichthum an industriellen Kräften er gebietet. Kaum dürfte darauf hingewiesen werden müssen, wie die Veranstaltungen der Wichtigkeit des Unternehmens entsprechen; wie sowohl die Ausstellungshalle alle Vorzüge vereinigt, als auch alle übrigen Vorkehrungen allen gerechten Anforderungen Genüge leisten. Der Schlußtermin der Anmeldungen fand am 28. Februar Statt, und ist der Eröffnungstermin auf den 15. Mai angesetzt. Da an etwa 900 Angemeldete schon 70,000 Odrtfß. sächs. (5,600 Odrtmtr.) Ausstellungsraum vergeben sind, so stellt das Unternehmen einen sicheren Erfolg in Aussicht. Es läßt sich die Hoffnung aussprechen, daß die Pariser Welt

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dern, eher zu einer erhöhten Frequenz beitragen dürfte, indem wohl viele von Denjenigen, welche auf der Reise nach Paris begriffen sind, soweit sie ihr Weg nicht allzuweit abführt, ihre Disposition so treffen werden, daß sie Chemnitz mit berühren.

Das Werk ist angefangen! Die Industriellen und Gewerbetreibenden haben es nun in ihrer Hand, es zu einem Abschlusse zu bringen, welcher die Industrieausstellung aller Länder sächsischen Namens in Chemnitz im Jahre 1867 ehrenvoll in die Jahrbücher der Culturentwickelung einträgt.

L.

Die Vertretung der deutschen Aussteller in Paris und die „Deutsche Ausstellungszeitung“.

Der „Verein deutscher Ingenieure“ faßte bekanntlich bei seiner letzten Generalversammlung in Breslau den Beschluß, behufs einer Vertretung der deutschen Industriellen bei den wichtigeren Ausstellungen durch sachkundige Fachmänner von sich aus durch seinen Vorstand eine solche Fachmännercömmission zu ernennen und diese dann den deutschen Ausstellern zu ihrer Benutzung zu empfehlen (vergl. Bd. IX, S. 631 und 641 d. Z.). Wie nothwendig und zeitgemäß dieser Gedanke und seine baldige Durchführung waren, hat sich bei der jetzt in Paris eröffneten Weltausstellung recht treffend gezeigt. Nachdem der Vorstand des Vereines deutscher Ingenieure in seiner Sitzung vom 28. bis 30. December 1866 in Berlin für die diesjährige große Ausstellung eine Ausstellungscommission aus den Vereinsmitgliedern HHrn. Chemiker Haußknecht, Fabrikbesitzer C. Kesseler und den Civil-Ingenieuren C. Kayser, L. Schmelzer und F. Walkhoff ernannt hatte, ging diese zusammengesetzte Commission frisch ans Werk, und bald hatte sich in Folge der erlassenen Circulare eine recht beträchtliche Zahl deutscher Aussteller zusammengefunden, welche richtig erkannten, wie wirksam ihre Interessen durch eine solche gemeinnützige und für das Wohl der gesammten deutschen Industrie berechnete Einrichtung gewahrt werden konnten. Als die Commission, vertreten durch 3 ihrer Mitglieder, an Ort und Stelle in Paris ihre Thätigkeit mit Anfang März begann, fühlte sie bald, wie wichtig und zugleich aller möglichen Anstrengung bedürftig ihre Thätigkeit dort sein würde. Für die vielseitigen Interessen von ca. 300 deutschen Ausstellern mußte sofort in der mannigfaltigsten Weise gesorgt werden; die zur Vertretung zu bringenden Branchen waren dabei der verschiedensten Art, vorzüglich Maschinenfabriken, Hüttenwerke, chemische Fabriken, Papierfabriken, Gerbereien, Thonwarenfabriken u. s. w. Eine genauere Statistik dieser nur erst begonnenen Thätigkeit wird demnächst veröffentlicht werden. – Die Commission trat jedoch auch sofort noch mit einem Unternehmen in die Oeffentlichkeit, welches berechnet ist, nicht nur den speciell vertretenen Ausstellern, sondern auch dem größeren technischen Publicum einen sehr erfreulichen Nutzen zu gewähren, indem sie ein besonderes Journal in seinen Probenummern Ende März erscheinen ließ, welches unter dem Titel: & „Deutsche Ausstellungszeitung herausgegeben von dem Bureau des Vereines deutscher Ingenieure für die allgemeine Ausstellung zu Paris pro 1867“ vom 1. April d. J. ab wöchentlich 3mal ausgegeben wird und durch alle Postanstalten zu beziehen ist für den vierteljährlichen Abonnementspreis von 2 Thlr. Die „Deutsche Ausstellungszeitung“, welche wir auch unseren Lesern hierdurch aufs Wärmste empfehlen wollen, wird enthalten: 1. Fortlaufende Industrieberichte von Fachmännern über hervorragende Leistungen auf allen Gebieten der Pariser Weltausstellung von 1867, wobei auch in gedrängter Kürze statistische Notizen und Beschreibungen ausgezeichneter Etablissements und ihrer Specialitäten gegeben werden sollen. 2. Ein Feuilleton, gewidmet der Schilderung kulturhistorischer Ergebnisse und allgemein interessanter Einzelheiten der Weltausstellung.

3. Mittheilung aller officiellen Erlasse, die Ausstellung be

treffend. ff 4. Eine Fremdenliste, welche die Namen derjenigen in Paris anwesenden deutschen Aussteller und ihrer Wohnungen mittheilt, die zu diesem Zwecke rechtzeitige Meldung an uns ergehen lassen. 5. Illustrationen der hervorragendsten Erscheinungen der Ausstellung, die in künstlerischer Darstellung dem Leser ein anschauliches Bild gewähren werden.

Möge das in seiner Probenummer wacker begonnene Werk zu einem seinen Zweck vollseitig erfüllenden weitverbreiteten Journal erstarken, welches gewiß mancher deutschen technischen Zeitschrift als gern benutzte Quelle dienen wird. L

Verfahren zur Bereitung von Sauerstoff*) nach M. C. Tessié du Motay.

Das den HHrn. Tessié du Motah und R. Maréchal in Metz für Preußen und Frankreich, auch für England patentirte Verfahren beruht darauf, daß eine Mischung von Mangansuperoxyd und Natronhydrat beim Erhitzen in Luft unter Aufnahme von Sauerstoff leicht in mangansaures Natron übergeht, welches unter Einwirkung von überhitztem Wasserdampf lebhaft Sauerstoff entwickelt und wieder die ursprünglich vorhanden gewesene Mischung liefert.

NaO + HO; MnO, = NaO + MnO2; HO
NaO + MnO, ; HO = NaO + HO; MnO2; O.

Dieser Proceß hat seine volle Richtigkeit. Die bezüglichen Substanzen lassen sich abwechselnd oxydiren und wieder desorydiren, und es ist sonach das Mittel geboten, der Luft nach Willkür Sauerstoff zu entnehmen und rein wieder zu gewinnen, ohne Verbrauch anderer Körper, als Luft, Wasserdampf und Brennmaterial; gewiß leichter und vollständiger, als nach dem Vorschlage Boussingault's durch Anwendung von Baryumsuperoxyd.

Der für Versuche im größeren Maßstabe am hiesigen Orte construirte Apparat bestand aus einer eisernen Röhrenretorte von 1",0 Länge und 0",3 Weite, welche durch eine locker eingepaßte, vielfach durchlöcherte Platte in eine Mittel- und Vorkammer abgetheilt war. In der Vorkammer befand sich eine spiralförmig gewundene eiserne Röhre, welche zur Ueberhitzung des Wasserdampfes diente; dieser durchströmte dieselbe, trat dann durch die

Löcher der Eisenplatte auf das in der Mittelkammer in einem

eisernen Korbe enthaltene mangansaure Natron und von dort aus, mit Sauerstoff beladen, in eine Kühlschlange. Das in dieser condenstrte Wasser sammelte sich in einem vorgelegten Gefäße an und floß aus diesem successive ab, während der Sauerstoff nach einem Gasometer geleitet und dort aufgefangen werden konnte. Nach beendigter Desoxydation wurde dem schwach dunkelroth glühenden Gemische von Mangansuperoxyd und Natronhydrat mit Hülfe eines Gebläses Luft zugeführt, dadurch die Wiedererzeugung des mangansauren Natrons bewerkstelligt, und weiterhin auf's Neue die Zersetzung durch überhitzten Dampf eingeleitet und ausgeführt. Die Charge betrug bei den angestellten Versuchen durchschnittlich 40 Kilogrm. eines Gemisches, welches ursprünglich durch anhaltendes orydirendes Schmelzen von 0,4 Braunstein von 95 pCt. Gehalt und 0,6 verwitterten kohlensauren Natrons von 92 pCt. Gehalt dargestellt worden war und der Analyse nach 74,62 pCt. mangansaures Natron enthielt. Der chemischen Rechnung nach mußte 1 Kilogrm. dieses Gemisches * - = 0,072 Kilogrm. Sauerstoff entwickeln, die Charge von 40 Kilogrm. dem entsprechend 40. 0,072 Kilogrm., welche ein Normalvolumen von 2036 Cbkdemtr. besitzen. Die Ausbeute betrug aber pro Charge durchschnittlich 1700 bis 1800 (Cßkdclltr. von 8 bis 109 C. Und 760 bis 761". Tension, normal und trocken im Mittel 1672 Cbkdemtr.; das sind 82,1 pCt., wobei das erstübergehende Gemenge von Luft und Sauerstoff nicht aufgefangen wurde und deshalb außer Berechnung blieb. Die Reinheit des Gases ließ Nichts zu wünschen übrig. Da der nöthige Wasserdampf einem größeren Dampfkessel entnommen werden konnte, und die Arbeitskräfte ohne Entschädigung zur Verfügung standen, so lassen sich Angaben über die Darstellungskosten zur Zeit nicht machen. Wohl aber wurde durch die beschriebenen Versuche die leichte Ausführbarkeit des Verfahrens constatirt, und damit die Ansicht befestigt, daß für gewisse Zweige der Technik die Anwendung eines reinen Sauerstoffgases in Aussicht genommen werden darf. In der That gehen die Patentinhaber mit dem Plane um, die Umgebung des Pariser Ausstellungsgebäudes nach einem neuen Systeme zu beleuchten und das dazu erforderliche Sauerstoffgas nach dem erläuterten Verfahren zu gewinnen. Saarbrücken, im Februar 1867. - Dr. F. Bothe.

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