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2. Es kann durch Druck oder Stoß nicht zur Entzündung Ä werden. – Diese Eigenschaft, welche es mit dem gewöhnichen Pulver gemein hat*), folgt schon aus der dem letzteren ähnlichen Zusammensetzung und ist durch Versuche erwiesen, welche Hr. Professor Erdmann zu Leipzig anstellte; dabei wurde gleichzeitig die Entzündungstemperatur ermittelt, sie schwankte bei Schießpulver zwischen 260 und 300° C.; bei Sprengpulver war sie noch etwas größer, während gewöhnliches Schießpulver bei 300" sich entzündet. (Wagner, chemische Technologie).

3. Es erplodirt im verschlossenen Raume mit derselben, ja mit höherer Wirkung, als das gewöhnliche Pulver. – In einem Steinbruche auf Syenit bei Taucha, einem bekanntlich sehr festen und zähen Gesteine, sind mehrere Sprengversuche angestellt, wobei der am besten meßbare Schuß folgendes Resultat ergab: An einer Stelle war eine lange Bahn des Gesteines mit fast senkrechter Wand vorhanden. Ein Bohrloch, parallel der Wand laufend, wurde in 0“,566 Entfernung hinter demselben angesetzt (also eine Stärke von 0“,566 vorgegeben), so daß der abzusprengende, als Parallelopiped zu betrachtende Gesteinskörper nur auf zwei Seiten frei war. Das Loch, 0“,595 tief und 0“,029 weit, wurde mit 200 Grm. Pulver geladen und dann mit trockenen Lehmstücken besetzt. Die Zündung geschah mit etwas in das Pulver versenkter Bickford'scher Zündschnur. Es wurde damit ein Gesteinskörper von (im Minimum) 0“,566 Breite, 2“,547 Länge und 1“,273 Tiefe theils absolut losgesprengt, theils so gelockert, daß der Rest mit leichter Mühe losgetrennt werden konnte. Der Schuß lieferte also eine Masse von 1,835 Cbkmtr. oder 7700 Kilogrm. Gestein. Aehnliche Resultate stellten sich bei anderen weniger genau meßbaren Schüssen heraus.

Im October 1865 probirte Hr. Berginspector Pinno auf dem Königl. Steinsalzbergwerke zu Staßfurt das Neumeyer'sche Sprengpulver und berichtete darüber im „Berggeist“ Nr. 90 von 1865, daß das qu. Pulver in Bohrlöcher von 0“,749 bis 1“,132 Tiefe im Steinsalze dem Volumen nach in gleicher Menge, wie das gewöhnliche Sprengpulver angewendet zu werden pflegt, eingebracht und nachdem die Bohrlöcher scharf besetzt waren, mit Bickford'scher Zündschnur abgebrannt wurde. Von überhaupt 58 Schüssen zeigten nur 5 eine ungenügende, die übrigen aber eine so befriedigende Wirkung, daß das qu. Pulver dem gewöhnlichen Sprengpulver unbedingt gleichgestellt werden kann.

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Hr. Wohlfarth hat in Gemeinschaft mit Hrn. Hauptmann Heß am ballistischen Pendel als Durchschnitt einer Reihe von Schüssen und unter Anwendung eines Zündnadelgewehres die Geschwindigkeit des Projectiles beim gewöhnlichen Pulver auf 458“,9 pro Seeunde, bei Neumeyer's Pulver - 463“,7 - 2ermittelt, wobei überdies vom alten Pulver 5,16 Grm., vom neuen nur 4,96 Grm. pro Schuß angewendet wurden, was entschieden sehr zu Gunsten des letzteren spricht. Zu Bouchet bei Paris wurde am 3. April c. mit französischen Musketen geschossen; die Geschwindigkeit des Projectiles war bei neuem Pulver 445“, bei altem französischen nur 414“. Die Ladung war in beiden Fällen 7 Grm.

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7. Es ist billiger als gewöhnliches Pulver. – Aus dem ad 3 Gesagten geht hervor, daß beim Schießen 4,96 Grm. so viel und noch etwas größere Wirkung hatten, als 5,16 Grm. gewöhnlichen Schießpulvers. Da nun die Preise dem Gewichte nach gleich sein werden, wie der Erfinder versichert, so stellt sich das neue Schießpulver im Verhältnisse von 30 zu 31 billiger, als das alte. Noch auffallender ist der Unterschied beim Sprengpulver. Nach den Untersuchungen des Hrn. Pinno hatten gleiche Volumina vom neuen und alten Pulver gleiche Wirkungen. Es ermittelte sich aber das Gewicht gleicher Volumina des neuen und des gewöhnlichen Staßfurter Sprengpulvers wie 30: 37, und in diesem Verhältnisse wäre also das neue Sprengpulver billiger. Beispiels halber wird man daher in Staßfurt statt wie bisher 50,000 Kilogrm. altes, nur 41,900 Kilogrm. neues Pulver jährlich brauchen, was beim Preise von 12 Thlrn. pro 50 Kilogrm. eine Ersparniß von gegen 2000 Thlrn. ergiebt. Nach Zusammenstellen aller günstigen Urtheile, welche die Güte der Erfindung auf's Unzweifelhafteste documentiren, hat Hr. Wohlfarth nicht unterlassen, die entgegen gesetzten Beurtheilungen zu erwähnen, welche dem Erfinder von verschiedenen Seiten zugegangen sind, denn gerade sie sind im Stande, das klarste Licht über die Vortrefflichkeit des Pulvers zu verbreiten. Man hat gefunden, daß im stark zerklüfteten Gesteine das Sprengpulver eine unbefriedigende Wirkung äußert; ebenso hat man umgekehrt im festen Conglomerat des Rothliegenden bei gleichem Volumen einen geringeren Effect mit dem neuen Pulver erzielt; man hat ferner bei den ersten Schießversuchen zu Bouchet die Kugel kaum aus dem Laufe getrieben und erst allmälig die oben erwähnte Geschwindigkeit erreicht, und endlich hat man und wird noch bei Gewehren mit langem engen Zündeanale viele Versager erhalten. Gegenüber solchen Ergebnissen muß an die zwei wichtigen Eigenschaften des Pulvers erinnert werden, daß es um so vollkommener explodirt, je dichter der Luft verschluß ist und daß es schwer entzündlich ist. Es folgt daraus: 1) Im stark zerklüfteten Gesteine wird es keine bessere, vielleicht noch geringere Wirkung, als gewöhnliches Pulver zeigen. 2) Man schoß in festem Conglomerat mit Raketen, nicht mit Zündschnur; nur Letztere ist anwendbar, wenn man nicht einen guten Theil der Wirkung verlieren will, denn die Schnur stellt einen vollkommenen Verschluß des Bohrloches her, was bekanntlich bei der Rakete nicht stattfindet. 3) Als man die ersten Versuche in Bouchet anstellte, lud man in der gewöhnlichen französischen Manier, d. h. ziemlich lose. Erst allmälig verstärkte man die Pfropfen und setzte den Ladestock kräftiger auf; dann aber erreichte man auch die hohe Geschwindigkeit des Geschosses. 4) Beim Laden der Flinten und Büchsen mit langem engem Zündeanale rollt das Pulver gewöhnlich nicht bis in das Piston, weil es in unpolirtem Zustande und eckigkörnig angewendet wird. Dann aber ist das Feuer des Zündhütchens nicht im Stande, bis in die Pulverkammer zu dringen und dort das Pulver zu entzünden; daher erklären sich die vielen Versager. Es folgt aber hieraus nicht etwa, daß das Pulver schlecht, sondern nur, daß es für die gewöhnlichen Gewehre nicht geeignet ist. -Bei Hinterladungsgewehren hat das Pulver noch niemals versagt und da diese sich immer größere Verbreitung verschaffen, so dürfte obiger scheinbare Vorwurf des neuen Pulvers immer seltener gehört werden. Der Verf. glaubt daher die Erfindung Neumeyer’s als einen Segen für die Menschheit bezeichnen zu müssen im Hinblicke auf die gräßlichen Unglücksfälle, welche durch Explosionen jährlich in allen Theilen der Erde sich wiederholen. Es werde, zufällig entzündet, ruhig ausbrennen im massiven Thurme, im Munitionskasten und im Schiffsraume, aber nicht erplodiren, sondern höchstens die anzubringenden Klappen heben und wahrscheinlich nicht einmal den Brand auf andere brennbare Gegenstände fortpflanzen, da es vermuthlich eine ähnliche Wirkung wie Bucher'sche Löschdosen äußern wird. So sicher wie bei dem Verbrennen von 15 Kilogrm. Pulver die Zuschauer in fünf Schritt Entfernung von dem kleinen Häuschen standen, ebenso sicher werde man in geringer Entfernung sein, wenn Hunderte von Centnern brennen. Am Schlusse der Broschüre heißt es: „Ich halte es daher für die Pflicht jedes Menschenfreundes, nach Kräften für die Ausbreitung dieser Erfindung Sorge zu tragen; ich wende mich hierdurch öffentlich an sämmtliche technische Zeitschriften, sowie an die Tagespresse mit der Bitte, vorstehenden Aufsatz entweder vollständig oder im Auszuge in ihre Blätter aufzunehmen; ich ersuche sämmtliche bet heiligte Behörden, diesem Pulver größte Beachtung zu schenken und bitte schließlich im Speciellen meine Fachgenossen, als am meisten bei dem Pulver consume bet heiligt, das neue Pulver zu probiren und nach erlangten günstigen Resultaten (unter Beherzigung des oben Gesagten) in Gebrauch zu nehmen.“ „Die Wichtigkeit und Neuheit der Erfindung sind bereits durch Patente von England, Frankreich, Belgien, Sachsen, Altenburg, Oesterreich anerkannt; die hiesigen Behörden haben mit größter Zuvorkommenheit die Erlaubniß zur Anlage einer Pulverfabrik ertheilt*), wobei gegenüber den sonstigen Vorschriften für Errichtung und Betrieb solcher Fabriken wesentliche Erleichterungen eingetreten sind.“ " Zusatz der Redaction. Die „Deutsche Industriezeitung“ (1866, Nr. 28) enthält die Bemerkung: „Nach dem englischen unterm 17. Juni 1865 auf den Namen A. Klein ertheilten Patente besteht das Neumeyer'sche Sprengpulver aus 75 Th. Salpeter, 18# Th. Kohle und 6 Th. Schwefelblumen. Das nächstliegende einfache Verhältniß: 2 Aeq. KO, NO*, 8 Aeq. C und 1 Aeq. S erfordert 76 pCt. KO, NOs, 6 pCt. S und 18 pCt. C, während bekanntlich das alterprobte Verhältniß im Schießpulver KO, NO* + S + 3C ist.“ – Wenn das angegebene Verhältniß wirklich das des Neumeyer'schen Pulvers ist, so unterscheidet sich der Vorgang bei seiner Zersetzung von dem beim gewöhnlichen Schießpulver stattfindenden, wie die nachstehenden Gleichungen angeben: Gewöhnliches Pulver: 2(KO, NO* + S + 3C) = 2 KS +6CO* +2N; Neumeyer's Pulver: 2(KO, NO* + S + 8C) = KS + KO, CO? –+ 2 CO? –+ 5 CO –– 2N, wonach also bei letzterem die gasförmigen Producte 1 Aequivalent weniger betragen. Auffallend ist, wie auch die „Deutsche Industriezeitung“ bemerkt, die Anwendung von Schwefelblumen. Lß.

*) Die Firma der Fabrik in Altenburg ist: Neumeyer & Co.

Technische Literatur.

Mechanische Technologie.

Der Ä Ein Hand- und Hülfsbuch für Angestellte dieses Faches und solche, die es werden wollen. Her

ausgegeben von F. D. Fischer, Verfasser mehrerer Schriften über Baumwollspinnerei c. 71 S. 8. Mit 8 Tafeln Abbildungen und mehreren Tabellen. (Preis 1 Thlr.) Chemnitz, 1867. Eduard Focke. – Der bekannte Verfasser des „Praktischen Baumwollspinners“ und der „Neuesten Fortschritte in der Technik der Baumwollenspinnerei“ hat sich mit diesem Buche auf ein neues Feld der Spinnerei begeben und dasselbe sehr klar und faßlich bearbeitet, so daß es dem gewöhnlichen Werkführer und Spinnmeister zugänglich ist, welcher der höheren technischen Bildung entbehrt, und auch dem Fabricanten, welcher nicht Fachmann ist, ein anschauliches Bild der ganzen Fabrication giebt. – Dies neue Werk hat einen um so weiteren Leserkreis, als die darin beschriebenen MaÄ sowohl, als auch die Spinnprocesse, welche abgehandelt \W)? DEN 1) die Schafwollspinnerei (aus reiner Wolle), 2) die Vigognespinnerei (aus Wolle und Baumwolle), 3) die Shoddyspinnerei (aus reiner Wolle mit Kunstoder Lumpenwolle vermischt) umfassen. Auch sind die darin dargestellten Feinspinnmaschinen zur Baumwollenspinnerei für grobe Nummern Barchentmules (sogenannte zweicylindrige Garne) verwendbar. Nach einem einleitenden Capitel: Von den Wollen, beschreibt Verf, die Behandlung des Materiales durch das Waschen, das Trocknen und das Einfetten, welches Letztere schon mit der Vorbereitung der Wolle zur Spinnerei auf dem Wolf zusammenfällt. Dieser Maschine folgen die Krempel und ihre Behandlung, sowie ihre verschiedenen Einrichtungen und stufenweise Folge bis zur Lieferung von Vorgarn, welches von dem letzten, dem Vorspinnkrempel, auf die Feinspinnmaschinen gelangt. Nach einer Beschreibung und Berechnung der gewöhnlichen Sorte dieser Letzteren, der Handmules, folgt die Erklärung der Weife und der Numerirung von Streichgarn. Ein jetzt dazwischen geschobener Spinnplan giebt vollständige Disposition der Streichgarnfabrication in allgemeinen Umrissen, nebst Rechnungsbeispielen und Formeln für die Coefficienten zur Bestimmung der dem Garne zu ertheilenden Drehung. Hieran schließt sich die Beschreibung eines für diese Fabrication erst seit einigen Jahren angewendeten Selfactors, Construction Schellenberg, welche nebst Zeichnungen sehr ausführlich gegeben ist. Noch zwei Capitel, welche streng genommen eher in ein Buch für Weberei, als für Spinnerei gehören, beschreiben Zwirnmaschinen und Spulmaschinen. Im Anhange befinden sich außer den gewöhnlichen, vergleichenden Tabellen von Maßen und Gewichten noch die für den praktischen Spinner sehr nützlichen Tafeln, welche den Gewichtsverlust beim Waschen und Preis pro Pfund gewaschener Wolle in sächsischen Pfennigen bei gegebenem Preise pro Centner rohe Wolle angeben. W Außerdem sind die so selten veröffentlichten Angaben über Kraft bedarf, Gewicht und Maß von Streichgarnmaschinen rühmend zu erwähnen. Die begleitenden Zeichnungen und Skizzen sind deutlich und gut dargestellt; am Drucke ist zu rügen, daß Fehler fast auf jeder Seite vorkommen, welche durch sorgfältige Correctur leicht hätten vermieden werden können. - I.

Chemische Technologie.

Erkennung von Baumwolle in Geweben und Garnen, nach Dr. C. Liebermann. – Nachdem der Verf. ohne Erfolg versucht hatte, dieses Ziel durch eine Fuchsinlösung zu erreichen, ist er auf folgende Weise dahin gelangt. Kocht man einige Gramme Fuchsin mit einer Unze Wasser und setzt tropfenweise Kali- oder Natronlauge zu, so erhält man eine farblose Lösung von Rosanilin. Diese wird von einem flockigen Niederschlage abfiltrirt (beim Erkalten scheiden sich Krystallflitter von Rosanilin aus). Taucht man nun ein Gewebe von Wolle und Baumwolle oder gemischtes Garn einige Seeunden lang in diese Flüssigkeit ein, so bleibt es ganz farblos; beim Ausspülen mit kaltem Wasser aber tritt eine Rothfärbung der Wolle ein, während die Baumwolle völlig farblos bleibt. Man kann nach dem Trocknen in einem gemischten Gewebe jeden einzelnen Faden mit dem bloßen Auge bequem verfolgen und als Wolle oder Baumwolle erkennen. Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, daß sich Seide der Wolle und Leinen oder jede andere vegetabilische Faser der Baumwolle gleich verhält.

(Auszüglich aus „Polytechn. Journal“, Bd. 181, S. 133.) Ls.

Ueber Gales Verfahren, das Schießpulver nicht erplodirend zu machen.*) – Im Jahre 1865 ist in englischen Blättern die Erfindung des Chemikers Gale vielfach besprochen, nach welcher dem Schießpulver durch Vermischen mit zermahlenem Glase seine Erplosionsfähigkeit genommen wird. Ein Bericht darüber findet sich im „Polytechn. Journal“ (1865, Bd. 177, S. 456). Besonders mußte ein durch die englische Regierung veranlaßter Versuch die Aufmerksamkeit erregen, über welchen wir dem „Glückauf“ aus einer London den 27. Juli datirten Mittheilung Folgendes entnehmen. Um die Erperimente in größter Ausdehnung anstellen zu können, wurde einer der Martellothürme auf der Küste unweit Hastings dazu benutzt, und nicht weniger als 5 Tonnen Schießpulver verwendet, die mit 20 Tonnen von Hrn. Gale's Erfindung vermischt worden waren. Es wurden die verschiedenartigsten Versuche angestellt, um die Mischung zum Erplodiren zu bringen; alle fielen gleich vergeblich aus. Nachdem man die Masse in 338 Fäßchen verpackt und deren 100 in dem Magazin des Thurmes und die übrigen in dem oberen hölzernen Stocke untergebracht, versuchte man zuerst dieselbe vermittelst Elektricität zu entzünden und als dies fehlschlug, wurde das Holzwerk des Thurmes in Brand gesteckt. Bald drangen dichte Rauchmassen aus Thür und Fenster hervor, und aus der Farbe des Rauches war ersichtlich, daß das Pulver langsam verzehrt wurde; Nichts sah man, was im Entferntesten einer Explosion ähnlich gewesen wäre. Um das zuschauende Publicum in sicherer Entfernung von dem Thurme zu halten, war zuerst eine starke Mannschaft um denselben aufgestellt, eine Vorsicht, die sich bald als überflüssig erwies, so daß der die Experimente leitende General Jedem nach Belieben sich dem brennenden Thurme zu nähern gestattete. Schließlich wurden noch zwei Fäßchen auf einen Haufen Reisig gelegt und dieser angesteckt. Bald stieg eine starke Flamme empor, die Fäßchen gingen auseinander und ergossen ihren Inhalt in das Feuer; aber auch hier keine Spur von Explosion, vielmehr wurde die Flamme dadurch gedämpft – kurz überall derselbe Erfolg, der die Behauptung des Erfinders glänzend rechtfertigt, es könne vermittelst seiner Mischung das stärkste Pulver nicht nur nicht explodirend, sondern sogar fast unverbrennlich gemacht werden. Die Entmischung geschieht in einigen Secunden in großen Kupfersieben, und hat sich bei den angestellten Versuchen ergeben, daß die den Pulverkörnern noch anhaftenden Glastheilchen die erplosive Kraft des Pulvers nicht im Geringsten beeinträchtigen. Ueber Gale’s Erfindung entnehmen wir ferner der „Deutschen Industriezeitung“ (Nr. 32) folgende Mittheilung: Die Erfindung Gale's, für welche derselbe in aller Bescheidenheit eine Belohnung von 1 Mill. Pfd. St. (6 Millionen Thlr.) beanspruchte, ist nicht nur von Piobert und Fadejeff, sondern auch von wenigstens einem halben Dutzend englischer Erfinder schon früher gemacht, von dem englischen Kriegsministerium schon vor mehr als 10 Jahren im Großen versucht und von der französischen Regierung für unbrauchbar erklärt worden; Gale’s erstes und allein rechtsgültiges Patent lautet auch gar nicht auf Zusatz von Glaspulver, welches er thatsächlich verwendet, sondern auf Zusatz von Beinschwarz. Die größten Schießpulverfabricanten Englands verlachten die Idee von Anfang an und erklärten sie für ganz unbrauchbar; die als höchst günstig ausgeschrieenen Versuche, welche die englische Regierung mit Gale's Pulver anstellen ließ, wurden nur ausgeführt, um dem ausdrücklichen Wunsche des Herzogs von Cambridge zu genügen, und es ist derselben nicht eingefallen, auch nur eine Tonne des Gale'schen Pulvers zu bestellen, welches trotz dieser Versuche weit davon entfernt ist, wirklich unerplodirbar zu sein. Das Absieben des Glaspulvers ist nur für ganz grobes Pulver möglich, für feines praktisch nicht genügend ausführbar, und in allen Fällen wird das Pulver dabei ganz wesentlich beschädigt, abgesehen davon, daß das Glaspulver stets Feuchtigkeit anzieht, und die Gewehre und Kanonen, in denen Gale's Pulver verwendet wird, stark angegriffen werden. Kurz, nach der Ansicht aller Sachverständigen ist die Erfin

*) Vergl. S. 273. D. Red. (L.)

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Ueber Gelbfärbung des Glases durch die Metalloide und die Gegenwart von Sulfaten im gewöhnlichen Glase***) enthält das „Bulletin de la Soc. d'encouragement“ (1866, Heft 1) ausführliche Mittheilungen von J. Pelouze. Die Hauptresultate seiner Untersuchung über diesen Gegenstand wiederholen wir in Kürze:

1) Durch Zusatz von Kohle, Schwefel, Silicium, Bor, Phosphor (Phosphorcalcium), Aluminium wird das gewöhnliche Glas in gleicher Weise gelb gefärbt, ebenso durch Glühen in Wasserstoffgas.

2) Alle vom Verfasser untersuchten Proben verschiedener Glassorten (Spiegelglas, Fensterglas, Hohlglas, böhmisches Glas, antikes Glas aus Pompeji) enthielten 1 bis 3 pCt. schwefelsauren Natrons. Aus dem fein zerriebenen Pulver wird dieses durch Wasser ausgelaugt.

3) Reines, d. h. mit schwefelsäurefreier Soda dargestelltes Glas wird durch Kohle, Bor, Silicium oder Wasserstoff nicht gefärbt; durch Schwefel oder die Schwefelverbindungen der Alkalimetalle, wie durch Schwefelcalcium, wird es gelb gefärbt. Um diese Färbung hervorzubringen, sind von diesen wenigstens 1 pCt. erforderlich.

4) Die gelbe Färbung, welche die Metalloide dem Glase ertheilen, hat ihren Grund in ihrer reducirenden Wirkung.

Ls.

Ueber die Fabrication des kohlensauren Ammoniaks. Von J. Carter Bell. – Das kohlensaure Ammoniak wird gegenwärtig in den (englischen) Fabriken durch Zersetzung eines Gemenges von schwefelsaurem Ammoniak oder von Salmiak und gewöhnlicher Kreide dargestellt, welches man in Retorten erhitzt und der Sublimation unterwirft.

Zur Darstellung des schwefelsauren Ammoniaks wird das in den Flüssigkeiten der Leuchtgasfabriken (Gaswasser) enthaltene Ammoniak benutzt. Das Gaswasser wird nämlich erhitzt, und dadurch fast das ganze flüchtige Ammoniak aus ihm ausgetrieben, welches man in Schwefelsäure leitet. Der Rückstand wird aus den Kesseln herausgenommen und auf kohlensaures Ammoniak verarbeitet. Man neutralisirt ihn hierzu mit der erforderlichen geringen Säuremenge

*) Vergl. Bd. VII, S. 107 d. Z. D. Red. (L.) **) Es bildet sich hierbei unlösliches Zinnoxyd. Ls. ***) Vergl. Bd. IX, S. 675 d. Z.

und dampft in großen, halbkugeligen, eingemauerten eisernen Pfannen zum Krystallisiren ab. Hat die Lauge den hinreichenden Concentrationsgrad erreicht, so läßt man sie erkalten, wobei sich Krystalle absetzen, oder sie wird noch heiß in besondere Krystallisirbottiche geleitet. Die Mutterlauge wird abgezogen, worauf die inneren Wandungen der Abdampfpfanne mit intensiv schwarzen Krystallen bedeckt erscheinen, welche, wenn Schwefelsäure zum Neutralisiren angewendet wurde, prismatische, bei Anwendung von Salzsäure hingegen eubische Form zeigen. Die Krystalle werden aus der Pfanne herausgeschaufelt, mit Mutterlauge abgewaschen, mit Anwendung von Wärme wieder gelöst und in Kühlgefäßen umkrystallisirt. Aus dieser zweiten Lösung setzt sich ein reichlicher, hauptsächlich aus fremdartigen, in den Krystallen mechanisch eingeschlossen gewesenen Substanzen bestehender Niederschlag ab. Die Krystalle zeigen nach dem Trocknen eine schmutzig weiße Farbe; sie sind nun zu dem nächsten Processe, zur Umwandlung in kohlensaures Salz, fertig. Hierzu dienen gußeiserne Retorten von der Form langer Muffeln, und von etwa 7 Fuß (2“,13) Länge und 1 Fuß (0“,46) Tiefe, deren Brust rund ist und mittelst einer eisernen, durch Schrauben zu befestigenden Thüre verschlossen werden kann. Je drei solcher Retorten werden in Dreieckform zusammen eingemauert und durch dieselbe Feuerung geheizt; sie communiciren mittelst eiserner Röhren mit einer Bleikammer, dem sogenannten Ballon (balloon), welcher etwa 6 Fuß (1“,83) Höhe, 8 Fuß (2“,44) Länge und 2 Fuß (0“,76) Breite hat. Diese Ballons stehen mit den Retorten in einer Reihe und ruhen auf Gerüsten, an welche sie mit eisernen Bändern befestigt sind. Am Boden jedes Ballons ist ein kleines Rohr angebracht, welches stets offen bleibt; aus demselben entweicht Dampf, und tropft während des Betriebes fortwährend eine concentrirte Lösung von kohlensaurem Ammoniak ab, welche gesammelt und umsublimirt wird. Ohne dieses Sicherheitsrohr würde der Druck im Ballon so bedeutend werden, daß Letzterer auffliegen könnte. Das Heizen der Retorten erfordert viel Aufmerksamkeit, denn in Folge zu starker Erhitzung derselben würden schwere Unfälle nicht zu vermeiden sein. Die Retorten werden in 24 Stunden einmal mit einem Gemenge von kohlensaurem Kalk (in Form von Kreide) und Ammoniaksalz beschickt. Die Kreide wird vorher auf einer durch die Ueberhitze der Feuerungen erwärmten Eisenplatte scharf getrocknet. Die Retorten werden aber nicht auf einmal und zu gleicher Zeit beschickt, da in vielen Fabriken fünf bis sechs Sätze derselben (jeder aus drei Retorten und einem Ballon bestehend) vorhanden sind; sonst würde die Arbeit zu bedeutend werden und eine zahlreiche Bedienungsmannschaft erforderlich sein. Deshalb wird eine Retorte von jedem Satze zu derselben Stunde beschickt und zwar die erste um 7 Uhr Morgens, die zweite um 11 Uhr Mittags und die dritte um 3 Uhr Nachmittags, so daß in dieser Zeit sämmtliche Retorten beschickt worden sind. Die Charge wird in den Retorten mit langen eisernen Gezähen, welche durch die in den Thüren derselben angebrachten Oeffnungen eingeführt werden, fleißig umgerührt, um die Zersetzung des Gemenges zu befördern. Bevor eine neue Beschickung eingetragen wird, müssen die zu den Ballons führenden Verbindungsröhren gut gereinigt werden, da sie sich sehr leicht verstopfen. Der hauptsächlich aus Chlorcalcium bestehende Rückstand wird in eiserne Laufkarren gekrückt und auf einen unbebauten Platz gestürzt; die neue, sorgfältig abgewogene und möglichst innig durcheinander gemengte Beschickung (gewöhnlich aus 2 Th. Kreide und 1 Th. Ammoniaksalz zusammengesetzt) wird rasch in die Retorte eingetragen, die Thür geschlossen und verstrichen, und dann wird gefeuert. «Nachdem die Retorten ungefähr 14 Tage lang in Thätigkeit gewesen sind, werden die Ballons geöffnet; das noch mehr oder weniger unreine kohlensaure Ammoniak bekleidet als eine dicke Kruste, an welcher sich gewöhnlich mehrere, meist verschieden gefärbte Schichten unterscheiden lassen, die Seiten, den Boden und die Decke der Ballons. Die Verunreinigungen bestehen zum größeren Theile aus mechanisch mitgerissenem kohlensaurem Kalk und Chlorcalcium. Das Salz wird von den Wandungen des Ballons abgekratzt, und Letzterer zu einer neuen 14tägigen Campagne in Stand gesetzt. Wenn diese Ballons nicht die genügenden Dimensionen haben, so wird viel Salz mit den Wasserdämpfen fortgerissen, und dadurch werden große Verluste herbeigeführt. An jedem Ballon ist ein kleines mit einem Holzpfropf zu verschließendes Schauloch angebracht, durch welches der Gang der Sublimation beobachtet werden kann.

Das unreine Salz wird in die Umsublimirungspfannen gebracht. Diese sind eiserne, etwa 16 Fuß (4“,88) lange und 24 Fuß (0“,76) tiefe, am Boden 2 Fuß 7 Zoll (0“,79), am oberen Rande dagegen nur 2 Fuß (0“,61) weite Behälter, welche mit zwei eisernen Platten verschlossen werden. Jede dieser Platten ist mit vier, 1 Fuß (0“,31) im Durchmesser haltenden und 1 Fuß (0“,31) von einander entfernten Oeffnungen versehen, über welche conisch geformte Bleigefäße, die Helme oder Recipienten, mit flacher Decke gestellt werden. Ein solcher Helm besteht aus einem Bleibleche, dessen beide Enden durch Krampen und Keile zusammengehalten werden, und auf welches oben eine runde Scheibe von Bleiblech auflutirt ist*); sie sind ungefähr 2 Fuß (0“,61) hoch. Die eisernen Sublimirgefäße sind in Mauerwerk eingelassen und an jedem Ende mit einer Feuerung versehen. (Nach Mittheilungen, welche dem Ref. aus einer deutschen Fabrik zugegangen sind, werden die an Blei sublimirenden Krusten bleihaltig, was bei der VerÄ z kohlensauren Ammoniaks zur Bäckerei Beachtung verdient. Ls.) . Sie werden alle 14 Tage beschickt; erst wird eine bestimmte Menge Wasser in sie gegossen**), dann wird das umzusublimirende kohlensaure Ammoniak eingetragen. Darauf werden die Helme oder Recipienten auf die entsprechenden Oeffnungen der Deckel auflutirt, und dann wird schwach angefeuert. Die Regulirung der Temperatur erfordert große Aufmerksamkeit; denn da das Salz zwischen 49° und 54° C. sublimirt, so darf die Wärme nicht zu hoch gesteigert werden. In dem am Ende stehenden Recipienten ist ein kleines verschließbares Schauloch angebracht, durch welches man beobachten kann, ob die Temperatur zu hoch ist, in welchem Falle das Feuer gedämpft wird; zu diesem Zwecke wird gewöhnlich ein Thermometer angewendet. Anstatt der viereckigen eisernen Pfannen werden auch wohl einzelne Sublimirtöpfe mit Hauben oder Helmen von Blei angewendet, welche entweder eingemauert und durch den Abzugscanal des Retortenofens erhitzt oder in ein Wasserbad gestellt werden. Nach Verlauf von 14 Tagen sind die bleiernen Recipienten mit einem dicken Sublimate von gereinigtem kohlensaurem Ammoniak mehr oder weniger vollständig angefüllt; sie werden abgehoben und durch Lösen der Krampen und Keile auseinander genommen. Da die Außenseite der erhaltenen Salzmasse meistens ziemlich schmutzig ist, so wird sie sauber abgeschabt; dann wird das Sublimat zerschlagen, in Gefäße (meistens aus Steinzeug) verpackt und so in den Handel gebracht. Die Bleirecipienten werden sorgfältig ausgewaschen und wieder zusammengesetzt. Von der in den Umsublimirpfannen rückständigen Flüssigkeit wird ein kleiner Theil ausgeschöpft; der größere Theil aber bleibt in denselben zurück. Nachdem die Pfannen mit einer neuen Charge von rohem Carbonat beschickt worden, werden die Recipienten auflutirt, und die Operation beginnt von Neuem. (Aus „Chemical News“. – Durch „Polytechn. Journal“; Bd. 180, S. 384.) L 3.

Untersuchungen, welche Bolley im schweizerischen Polytechnicum anstellen ließ, haben bestätigt, daß die sogenannte Chlormagnesia als Bleichmittel vor den anderen unterchlorigsauren Salzen zu empfehlen ist. Zuerst wurde eine klare Chlorkalklösung dargestellt. Ein gewisses Volumen desselben wurde einerseits mit einem gleichen Volumen Wasser, andererseits mit einem gleichen Volumen Bittersalzlösung unter starkem Schütteln gemischt, so daß nach Absetzenlassen des Gypses gleiche Volumina der beiden Flüssigkeiten gleiche Mengen bleichenden Chlors, was chlorometrisch bestimmbar war, enthielten.

Es wurden nun

1) in gleiche Maße der stark verdünnten Flüssigkeiten indigblaugefärbte Stücke von Wollenstoff gebracht und beobachtet, daß die Entfärbung in der Chlormagnesia rascher vor sich ging, als im Chlorkalk.

2) Gleiche Volumina beider Bleichlösungen wurden in offenen Gläsern drei Tage lang neben einander stehen gelassen und dann

*) Die Fugen werden mit Papierstreifen verklebt. (Mus prattStohmann, Chemie, 2. Aufl., Bd. 1, S. 555.) **) Die von den Consumenten geschätzte, oft von den Fabricanten nicht erreichte Durchscheinheit des Sublimates soll durch einen Wassergehalt bedingt sein. L S.

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Festigkeit der Maschinenziegel. – Professor Dr. C. M. Bauernfeind hat mit Maschinenziegeln Festigkeitsversuche angestellt („ Bayer. Kunst- und Gewerbebl.“, 1866, S. 193, darnach „Hamburg. Gewerbebl.“, 1866, Nr. 40, S. 318). Es haben danach die ungepreßten hellrothen Maschinenziegel aus der Fabrik von Hirschberger & Co. in München eine durchschnittlich 50 pCt. höhere rückwirkende Festigkeit, als die bessere Sorte der gewöhnlichen Münchener Backsteine, und zwar ist dieselbe gleich der, welche Gauthey, Rennie und Poncelet für starkgebrannte Mauersteine fanden.

Die gepreßten dunkelrothen Maschinenziegel aus der Fabrik von Hirschberger & Co. und der von Sickenberger in Bogenhausen tragen mindestens doppelt so viel, als die bessere Sorte gewöhnlicher Münchener Backsteine. Die hellrothen ungepreßten Maschinenziegel von Hirschberger & Co. können auf die Dauer mit 220 Ctr. bayer. pro Quadratfuß bayer. (resp. 37,990 und 51,400 Kilogr. pro Quadratmeter) belastet werden, wenn der Mörtel vorzüglich bereitet, richtig verwendet und nach der Erhärtung ebenso fest ist, wie der Backstein. W

R. W.

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Zwei bemerkenswerthe Vorkommen von Kohle werden in einem Berichte über die Cölner Ausstellung von 1865 von von Dechen hervorgehoben („Glückauf“, 1866, Nr. 27). Unter dem Namen Gaskohle hatte der westböhmische Bergbau- und Hüttenverein sehr Ä Stücke ausgestellt, welche in ihrem Aeußeren eine große Aehnlichkeit mit dem schottischen Boghead zeigt und wie dieser eigentlich als ein bituminöser Schiefer zu betrachten sein möchte. Nach der Angabe der Vertreter des obigen Vereines, Schäffer & Budenberg in Buckau bei Magdeburg, liefert 1 Ctr. dieses Materiales 550 Cbkfß. (16,500 Liter) Gas, dessen Leuchtkraft sich zu derjenigen des Gases aus Steinkohlen der Grube Hannibal bei Bochum wie 8 zu 3 verhalten soll. Die Vortheile eines stark leuchtenden Gases sind sehr bedeutend; sie werden noch durch eine kürzere Destillationszeit unterstützt. Der Gegenstand ist der Aufmerksamkeit sehr werth. –

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Der Kronstädter Bergbau- und Hüttenactienverein Siebenbürgens hatte ein großes Kohlenstück aus den Zsilthaler Gruben ausgestellt. Dieselben liegen im Bezirke Puj, Kreise Broos, an der äußersten, in die Walachei vorgeschobenen Südostgrenze von Siebenbürgen im Thale Zsily. Diese Kohle ist sehr merkwürdig; sie ist sehr dicht, von tiefschwarzer Farbe und besitzt auf dem Bruche vollkommenen Pechglanz, gleicht daher einigen Abänderungen ächter Steinkohle. Dennoch stammt sie aus einer jüngeren Tertiärformation, wie auch die große österreichische Karte deren Verbreitung in dem Grenzgebiete Siebenbürgens nachweist. Es sind darin 137 Kohlenflötze von 2 bis 24 Fuß (0“,628 bis 7“,5) Mächtigkeit in der Breite des Thales von 4 Meile (3,75 Kilomtr.) bei 44 Meile (33,75 Kilomtr.) Länge regelmäßig gelagert, bekannt. Es ist ein großer Schatz, zu dessen Hebung freilich erst die Verbindungswege, namentlich die Piski-Zsilthaler Eisenbahn von der AradHermannstädter Bahn ausgehend, geschaffen werden müssen, der aber alsdann wesentlich beitragen wird, den Mineralreichthum des Kaiserstaates zu erhöhen und an der Grenze der Walachei eine neue Pflanzstätte der Cultur zu begründen. L

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Ueber die Darstellung von Gußstahl in einem Flammofen. (Hierzu Figur 4 und 5, Tafel VII). – Dr. Liebermeister in Barmen schlägt („ Berg- und hüttenmännische Zeitung, 1866, Nr. 29) eine Construction eines für die Gußstahlfabrication bestimmten Flammofens vor. Als Bedingungen, welchen ein solcher Ofen entsprechen muß, stellt Verfasser auf: 1) die Erzeugung des zum Schmelzen des Stahles erforderlichen Hitzegrades; 2) die Regelung der Entkohlung; 3) die Anwendung von solchen Schlacken, welche nicht als Ueberträger von Sauerstoff, falls solcher noch in ungebundenem Zustande in den Verbrennungsgasen enthalten sein sollte, an den Kohlenstoff des Eisens wirken können; 4) die Anwendung von solchen Schlacken, welche möglichst wenig zerstörend auf das Ofenmaterial einwirken. Um dem Eisen die oben angegebene Temperatur zu ertheilen, ist es erforderlich, daß die zur Verbrennung dienende Luft stark erwärmt und möglichst innig gemengt mit den brennbaren Gasen (Generatorgasen) in den Ofen gelangt; ferner muß eine solche Einrichtung getroffen werden, daß die Flamme auf die zu schmelzende Masse gerichtet ist. Wie dieser, sowie den übrigen Bedingungen entsprochen werden soll, ist am besten aus der Construction selbst ersichtlich, Fig. 4 und 5, Taf. VII. G ist der innere Raum des Ofens, worin die zur Gußstahlbereitung bestimmte Beschickung eingebracht wird. T ist der Herd, welcher, sowie die Seitenwände des Ofens, aus feuerfestem Materiale besteht. Die erforderliche Hitze wird durch Verbrennung von Generatorgasen erzeugt, welche, von einem gewöhnlichen isolirt stehenden Gasgenerator entwickelt, durch das Zuleitungsrohr A in die Kammer H und von dort durch 12 Düsen C, C.., welche auf den Herd des Ofens gerichtet sind, in den Feuerungsraum gelangen. BB ist ein Zuleitungsrohr für die durch die abziehende Feuerluft erhitzte Gebläseluft, welche vermittels eines Ventilators zugeführt wird und in die Kammer J strömt. Von dort geht dieselbe durch die Formen D, D... und verbrennt die von C, C.. kommenden Gase. EE, EE sind Abzugscanäle für die verbrannten Gase, welche in den horizontalen Canal F münden und dort bei ihrem Abzuge die Luft erhitzen. Die Rohre A und B, sowie die Arbeitseanäle E sind mit Klappen zur Regulirung des Luft- und Gaszutrittes versehen, so daß man je nach Bedürfniß mehr oder weniger Luft und brennbare Gase einströmen lassen und die Spannung im Ofen selbst reguliren kann. L, L sind Schieber, um die Canäle bequem reinigen zu können. Der Boden des Herdes besteht aus einer gußeisernen Platte M, dem feuerfesten Materiale O und der zweiten Platte N. Die Platten QQ, QQ dienen zur größeren Festigkeit des Ofens. R ist die Arbeitsöffnung. S ist die Abstichöffnung zum Ablassen des fertigen Stahles. Die Masse T ist fest auf die Platte M gestampft und besteht aus basischem feuerfestem Thone. Bei dieser Art von Thon ist die Affinität der Thonerde zu Kieselsäure so stark, daß eine Reduction der Kieselsäure, wodurch Silicium in den Stahl eingehen könnte, nicht zu befürchten ist.

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