Abbildungen der Seite
PDF

sorgfältig; die Dauer dieser Periode ist jedoch nach den verschiedenen Roheisensorten nicht so verschieden, wie die des Rühreus. Die Art der Arbeit des Puddlers ist in beiden Perioden eine sehr verschiedene. In der Rührperiode hat der Puddler die aus geschmolzenem Roheisen und Schlacke bestehende flüssige Schlacke so durcheinander zu rühren, daß Eisen und Schlacke sich fortwährend mischen. Es geschieht dies meistens durch geradlinige Bewegungen, indem der Puddler von der Thüre aus seinen Haken (Krücke) strahlenförmig über die ganze Herdfläche hin- und herführt. Diese Bewegungen sind durch mechanische Vorrichtungen leicht nachzuahmen, indem es nur nothwendig ist, dem Rührhaken eine geradlinige hin- und hergehende Bewegung zu geben, verbunden mit einer im Halbkreise schwingenden, wodurch es dem Haken möglich ist, strahlenförmige Furchen über den ganzen Herdboden zu ziehen. Anders verhält sich die Arbeit beim Aufbrechen und Luppen machen. In dieser Periode liegt das gare Eisen in schwammiger, schweißbarer Masse, von Schlacken durchtränkt, auf dem Herdboden, muß losgebrochen, mehrere Male umgesetzt und schließlich mit großer Kraftanstrengung zu Ballen gedrückt werden, welche so fest sind, daß sie den ersten Schlägen des Hammers widerstehen. Der Arbeiter hat es hier nicht mehr mit einer flüssigen, sondern mit einer steifen Masse zu thun; die Arbeit läßt sich nicht mehr auf einfache geradlinige Bewegungen zurückführen, sondern erfordert sehr verschiedene Handgriffe und große Kraftanstrengungen. Es geht daraus hervor, daß eine Maschine, welche die Handarbeit in der Rührperiode ersetzen kann (mechanischer Puddler oder vielleicht bezeichnender „Rührapparat“), nicht genügen wird für die Periode des Aufbrechens und Luppenmachens. Ebenso erhellt aus Vorstehendem, daß eine solche mechanische Vorrichtung (Rührapparat) nicht für alle Werke den gleichen Vortheil bringt. Puddelwerke, welche gewöhnlich weißes, rasch gehendes Roheisen mit kurzer Rührperiode verarbeiten, werden in der Anwendung von solchen Maschinen keinen Vortheil finden, während er nicht abzuleugnen ist für solche Werke, welche stets langsam gehendes Roheisen für bessere Qualitäten, wie Draht, Feinkorneisen und Puddelstahl, verarbeiten. Der Ursprung und die Verbreitung der bisher in Anwendung gekommenen Puddelmaschinen bestätigen diesen in der Verschiedenheit des Processes beruhenden verschiedenen Werth der Maschinen. Der zuerst bekannte, auch in unserer Zeitschrift ausführlich beschriebene Rührapparat, der mechanische Puddler von Dumény & Lemut ist in der Champagne zur Anwendung gekommen, wo ausschließlich langsam gehendes Holzkohlenroheisen, besonders für Draht, verarbeitet wurde. Aehnliche Vorrichtungen finden jetzt Anwendung in Staffordshire, also in demjenigen Bezirke Englands, wo die besseren Qualitäten aus mehr langsam gehenden Roheisensorten hergestellt werden. In Wales dagegen, wo im Allgemeinen geringere rasch gehende Roheisensorten zur Schienenfabrication verarbeitet werden, können solche Rührapparate nicht genügen; man ging daher in der Anwendung der Maschinen einen Schritt weiter und suchte die Arbeit des Puddlers vollständig zu ersetzen durch den rotirenden, selbstthätigen Puddelofen.

Abgesehen von früheren Versuchen mit Puddelmaschinen (Rührapparaten), welche bis zum Jahre 1839 datiren, in der Praxis aber sich nicht halten konnten, ist der eben erwähnte mechanische Puddler von Dumény & Lemut, wie es scheint, zuerst mit Erfolg angewendet und seit Jahren beibehalten worden. Da seine Beschreibung in Bd. VIII, S. 459 d. Z. sehr ausführlich gegeben ist, so genügt es, hier auf diese Beschreibung hinzuweisen. Einige englische Vorrichtungen scheinen sich die Aufgabe gestellt zu haben, den von Dumény & Lemut eingeführten und bewährten Apparat zu vereinfachen, besonders aber die langen Transmissionen und die dazu nothwendigen Riemen überflüssig zu machen, ein Bestreben, welches nur anzuerkennen ist, da die Verbreitung dieser mechanischen Vorrichtungen wesentlich abhängen wird von ihrer Einfachheit und leichten Instandhaltung. Als einfache Construction, welche im Uebrigen dieselben Bewegungen, wie der mechanische Puddler von Dumény & Lemut, hervorbringt, ist der mechanische Puddler von Eastwood *) zu nennen, welcher auf dem Schienenwalzwerke „Derby“ in Thätigkeit sein soll. Dieser Apparat (Fig. 4, Taf. IV) kann an der Vorderplatte des Ofens befestigt werden. Die Bewegung erhält er von einer Transmission durch eine Kette, welche über eine hohl ausgedrehte Rolle läuft, welche auf der gekröpften Achse ab aufgekeilt ist. Der Krummzapfen dieser Achse überträgt die Bewegung durch eine Zugstange auf einen Winkelhebel, an dessen langem Arme der Puddelhaken befestigt ist, welcher auf diese Weise eine hin- und hergehende Bewegung erhält. Auf der Achse ab sitzt noch eine Schraube ohne Ende, welche ein Schraubenrad in Bewegung setzt; dieses ist durch eine Zugstange mit dem Arme in Verbindung, an welchem der Winkelhebel befestigt ist. Das Schraubenrad, welches die Zugstange in der rotirenden Bewegung mit sich nimmt, führt dadurch den Arm, an welchem der Winkelhebel befestigt ist, in einem Halbkreise hin und her, durch welche Bewegung die ganze Fläche der Herdsohle nach und nach von dem Puddelhaken bearbeitet werden kann. Durch eine Ausrückung mit Hebel wird der Apparat in Bewegung gesetzt und abgestellt. Verschieden von diesen beiden mechanischen Puddlern ist der von Harrison *), welcher von Transmissionen, Riemen und Ketten ganz absieht und den Apparat direct durch eine kleine Betriebsmaschine treiben läßt (Fig. 1 bis 3, Taf. IV). Im Uebrigen sind die Bewegungen dieselben wie bei jenen. Die Kraftmaschine besteht aus einem Cylinder mit Kolben, Schieber und den nöthigen Ventilen und kann durch Dampf, comprimirte Luft oder Wasser betrieben werden. Die ganze Maschine ruht auf einem Zapfen, um welchen sie sich drehen kann. An dem Cylinder a ist ein Arm d befestigt, an welchem die Stange e aufgehängt ist, deren unteres Ende bis zur Höhe der Arbeitsthür hinabreicht und den Puddelhaken g trägt. Eine Zugstange f verbindet die Kolbenstange mit der Stange e, welche hierdurch eine schwingende hin- und her

*) „Revue universelle“, 1864, Livr. 6, S. 576. **) „Revue universelle“, 1864, Livr. 6, S. 575.

gehende Bewegung erhält und dem Arbeitshaken g des Puddlers eine geradlinige rück- und vorwärtsgehende Bewegung in der Richtung der Breite des Ofens ertheilt. Mit dem Zapfen, auf welchem der Cylinder sich drehen kann, ist ein Schraubenrad h verbunden, in welches eine Schraube ohne Ende eingreift. Die Lager dieser Schraube sind an dem Cylinder befestigt. Ein Sperrrädchen k ist auf der Achse der Schraube aufgekeilt. Ein Hebel l, welcher auf derselben Achse lose sitzt und mit zwei Sperrhaken n, n versehen ist, erhält durch die Zugstange m eine hin- und hergehende Bewegung, welche dem Sperrrädchen und der Achse der Schraube eine ununterbrochene kreisförmige Bewegung mittheilt. Die beiden Sperrhaken, welche an dem Hebel l befestigt sind, sind mit einem Gegengewichte o versehen, welches denjenigen von beiden eingreifen macht, auf dessen Seite das Gewicht hängt. Durch diese einfache Uebertragung der Bewegung des Kolbens dreht sich, wie aus Obigem ersichtlich, der Cylinder um seinen Zapfen, indem er den Puddelhaken in dieser Bewegung mit sich führt, welcher dadurch alle Theile des Puddelofenbodens berühren kann. Sobald der Cylinder seine rotirende Bewegung in einer Richtung vollendet hat, wird die Bewegung in entgegengesetzter Richtung einfach dadurch herbeigeführt, daß das Gegengewicht auf die andere Seite geworfen wird, was sich leicht durch eine einfache selbstthätige Vorrichtung bewirken läßt. Die Schiebersteuerung geschieht durch die Zugstange m, deren Hebel bei der hin- und hergehenden Bewegung gegen die Ansätze q, q stößt. - m. Dieser mechanische Puddler läßt sich auch bei Doppelpuddelöfen mit gegenüberliegenden Thüren anwenden, indem die Kolbenstange auf beiden Seiten des Cylinders verlängert wird, und die nöthigen weiteren Bewegungstheile angebracht werden. – Die bisher erwähnten mechanischen Puddler von Dumény & Lemut, Eastwood und Harrison befolgen gleichmäßig das einfache und richtige Princip, durch mechanische Vorrichtungen dem Puddelhaken dieselben Bewegungen beizubringen, welche ihm bisher die Hand des Arbeiters gegeben, im Uebrigen aber den Ofen nicht zu verändern. Einen anderen Weg haben die HHrn. Williams & Bedson eingeschlagen, indem sie einen Puddelofen mit rotirendem Herde construirten. In der Periode des Rührens dreht sich der Boden des Puddelofens vermittelst einer stehenden Welle und conischer Räder, während der Rührhaken des Arbeiters an der Puddelofenthüre festgestellt wird und auf diese Weise das flüssige Roheisen umrührt. Obwohl diese Construction auf Einfachheit keinen Anspruch machen kann und aus diesem Grunde wohl auch keine Zukunft hat, im Vergleiche mit den oben beschriebenen Vorrichtungen, welche die Aufgabe viel besser lösen, so mag der Puddelofen mit rotiren dem Herde von Williams & Bedson der Vollständigkeit halber doch näher beschrieben werden. Dieser Ofen (Fig. 5, Taf. IV) ist eine Modification des Georg Bedson früher patentirten Puddelofens, dessen Boden von Schmiedeeisen die Form eines Behälters hat, in welchem Wasser eireulirt.

Der Boden ee des jetzigen Ofens, welcher auf einer stehenden Welle gg befestigt ist, erhält eine rotirende Bewegung, so daß der Haken des Puddlers, welcher fest gestellt wird, das Rühren des flüssigen und sich drehenden Roheisens bewirken kann. Die stehende Welle gg dreht sich auf dem Spurzapfen b und in dem Halslager ii. In der Mitte der oberen Bodenplatte erhebt sich ein Rohr kk, welches durch das Gewölbe des Ofens vermittelst eines Wasserabschlusses lmm hindurch geht. Das Rohr nn, welches das Wasser zuführt, reicht bis in den hohlen Behälter ee, welcher den Boden des Ofens bildet. Zwei oder mehrere Abflußröhren h, h, welche bis nahe an die obere Platte des Behälters reichen, gehen durch die Bodenplatte hindurch und münden in der runden Rinne pp. Die Rollen q, q halten den Boden im Gleichgewichte und erleichtern seine rotirende Bewegung. Das Rohr kk ist gegen die Hitze des Ofens durch eine Bekleidung rr von feuerfesten Steinen geschützt, welche auf einem an dem Rohre befestigten Ansatze ruht. Sobald der Boden durch das conische Rads die drehende Bewegung erhält, führt der Puddler seinen Haken durch eine der beiden Thüren ein und befestigt ihn an einer zu diesem Zwecke angebrachten Nuthe; auf diese Weise findet das Rühren des Roheisens Statt. Während der Arbeit geht ein Wasserstrom ununterbrochen durch den hohlen Behälter, welcher den Boden bildet. Der entwickelte Dampf und das Wasser, welches die höchste Temperatur hat, gehen durch die Röhrchen h,h in die Rinne pp, welche sich durch das Rohr w entleert. Sobald das Wasser das Rohr kk bis oben füllt, fließt es durch das Rohrt in die Rinne wu, welche sich durch das Rohr v entleert. Der Boden des Ofens wird wie gewöhnlich mit Schlacke besetzt. 1 Es bedarf für Praktiker keiner weiteren Worte, um auf das Unpraktische eines solchen Ofens aufmerksam zu machen. Trotz einer mit Wasser abgekühlten Ofensohle (welche übrigens in anderer Construction vortheilhaft ist) ist die Hitze unter dem Ofen so groß, daß die dort angebrachten Bewegungstheile schwierig in Schmiere zu halten, ein Nachsehen oder gar eine Reparatur im Betriebe unmöglich sind. Noch bedenklicher sind jedoch das Wasserrohr in der Mitte des Ofens und der als Boden dienende Wasserbehälter von Schmiedeeisen, resp. Blech, welcher schwerlich Stand halten wird, wenn Eisen auf dem Boden sich festgesetzt hat und mit schweren Brecheisen und Hammerschlägen losgebrochen werden muß. – Hiermit sei die Reihe der mechanischen Vorrichtungen geschlossen, welche den Zweck haben, die Handarbeit des Puddlers in der Periode des Rührens zu ersetzen. Bei Einführung und Anwendung dieser Vorrichtungen tritt nach Beendigung dieser Periode die Handarbeit wieder ein, und der Arbeit des Puddlers bleibt das Aufbrechen und Luppenmachen. 1. Es bleibt nun noch übrig, die sogenannten rotirenden, selbstthätigen Puddelöfen zu erwähnen, welche die Handarbeit des Puddlers vollständig ersetzen sollen. Der erste Apparat, welcher versuchsweise in Anwendung gekommen, ist der des schwedischen Ingenieurs G. Oestlund. Derselbe ist ausführlich beschrieben von Tunner (im neunten Bande seines Jahrbuches) und veröffentlicht in Hartmann's Fortschritten des metallurgischen Hüttengewerbes, Bd. IV, S. 211. Leider fehlt aber in der mir vorliegenden Ausgabe irrthümlich die Zeichnung, so daß ich den Apparat nur kurz im Auszuge nach dem „Berggeist“ (1865, Nr. 46) erwähnen will. Der Apparat bestand aus einem gußeisernen Topfe oder Grapen, welcher sich mit beliebiger Geschwindigkeit um seine verticale Axe drehen, während gleichzeitig dieser Axe jede beliebige Neigung zu dem Horizonte gegeben werden konnte. In diesen vorher mit Puddelschlacken ausgekleideten und hinreichend erhitzten Grapen wurde ca. 1 Ctr. geschmolzenes Roheisen eingetragen, und derselbe dann unter starker Neigung seiner Axe in Umdrehung versetzt. Um die Abkühlung des Eisens und des Apparates zu verhüten, wurde durch seine Oeffnung eine starke Löthrohrflamme von Generatorgasen auf das Eisen und die innere Wandung geleitet. Das Roheisen ging so durch alle Stadien des Puddelprocesses hindurch und fand sich nach Beendigung der Operation, welche mit verschiedenen Umdrehungsgeschwindigkeiten und Neigungen des Apparates etwa # Stunde dauerte, in soweit gegartem Zustande, daß es als eine oder zwei Luppen unter den Zänghammer gebracht und zu Rohschienen ausgewalzt werden konnte. Dieser Apparat von Oestlund hat nur historischen Werth, von praktischem dagegen ist der rotirende Puddelofen von Menelaus (nach „Génie industriel“, 1865, October), besonders da er auf einem Werke ausgeführt zu sein scheint, worüber unten ein Bericht von Dr. Gurlt folgt. Dieser rotirende Puddelofen, construirt von Menelaus, Director der Eisenwerke von Guest & Co. in Dowlais, besteht aus drei getrennten Theilen, dem Feuerungsraume, dem Herde oder Arbeitsraume und der Esse. Der Feuerungsraum, welcher in der inneren Construction demjenigen eines gewöhnlichen Puddelofens ähnlich ist, unterscheidet sich eben dadurch, daß er auf Rädern steht, so daß er auf einer kleinen Eisenbahn leicht fortgerollt werden kann, um, wenn nöthig, die Arbeit und die Reparatur an dem Arbeitsraume zu erleichtern. Das Mittelstück A bildet den Arbeitsraum oder Herd, welches durch einen aus zwei Theilen bestehenden schmiedeeisernen Cylinder gebildet wird; die innere Form ist am besten aus der Zeichnung (Fig. 6, Taf. IV) ersichtlich. Jede der beiden Hälften des Cylinders hat eine eiförmige Vertiefung a,a, welche sich jedoch nicht gegenüber liegen; dadurch wird bewirkt, daß bei der rotirenden Bewegung das flüssige Eisen außer der Rotation noch eine zweite Bewegung erhält, nämlich eine hin- und hergehende von vorne nach hinten und umgekehrt. Diese Bewegung ist aus den punktirten Linien der Zeichnung, welche die innere Form des Ofens klar machen, ersichtlich. Diese Form wird als besonders wichtig und als Hauptverbesserung früherer Patente angesehen. Der dritte Theil des Ofens besteht aus dem gemauerten Kamine C, in welchem der Fuchsbrücke gegenüber eine Thüre c sich befindet, welche gestattet, einen Haken oder Rengel in den Ofen zu führen, um nöthigenfalls im Arbeitsraume etwas abstoßen oder arbeiten zu können. Ebenso dient diese Thüre zur Beobachtung des Processes im Ofen. Das Mittelstück dieses Ofens, der Arbeitsraum A, ruht vermittelst zweier Ringe gg, gg auf zwei Rollen G, G und

erhält eine rotirende Bewegung durch eine Schraube ohne Ende V, welche in das den Cylinder umschließende Schraubenrad R eingreift. Die Originalbeschreibung erwähnt nicht, ob sich dieser Ofen in der Praxis bewährt, und geht über die Schwierigkeit, die Herdsohle im Stande zu halten, mit Stillschweigen hinweg. Besseren Aufschluß giebt hierüber ein Bericht von Dr. Gurlt über einen ähnlichen Ofen, welcher Bericht hiermit, theilweise im Auszuge, nach dem „Berggeist“ (1865, Nr. 46 und 48), folgt. Nach dem Berichte von Dr. Gurlt, welcher auf eigener Anschauung beruht, sind auf dem großen Hüttenwerke in Dowlais (Südwales) vier rotirende Puddelöfen in Betrieb, welche in der Beschreibung (eine Zeichnung liegt nicht vor) mit dem eben beschriebenen von Menelaus bis auf kleine Abweichungen übereinstimmen, so daß die Zeichnung des Ofens von Menelaus auch hier zur Erläuterung dienen kann. Diese Oefen bestehen ebenfalls aus drei getrennten Theilen; jedoch ist hier nur der mittlere Theil, der Puddelraum, mobil, der Feuerraum dagegen stabil, nicht wie bei Menelaus auf Rollen beweglich; die Oefen münden nicht direct in den Kamin, sondern in einen Canal, welcher in einen gemeinschaftlichen Kamin führt. Der eigentliche Ofen (Puddelraum), dessen Inneres eiförmig ist, besteht aus zwei cylindrischen Theilen von Eisenblech, welche aneinander geschraubt sind. Dieser Cylinder ruht und rotirt auf zwei Rollen, auf welchen er leicht wie eine Trommel bewegt werden kann. Die rotirende Bewegung erhält der Cylinder durch ein aufgeschraubtes Zahnräd. Der cylindrische Ofen hat ferner auf seiner Mitte zwei starke schmiedeeiserne Zapfen rechtwinklig gegen seine Längenaxe, welche dazu dienen, denselben vermittelst eines Bügels und eines starken Dampfkrahnes aus seiner Lage zu heben und beliebig zu versetzen. Die Anlage ursprünglich auf 8 Oefen berechnet, von denen 4 ausgeführt sind, befindet sich in der Fronte eines Hohofens, und war dazu bestimmt, das flüssige Roheisen direct aus dem Hohofen zu verpuddeln. Sie besteht aus 4 (resp. 8) selbstthätigen rotirenden Puddelöfen, einem Dampfkrahne, einem Ständer zum Entleeren des Cylinders und einem Dampfhammer zum Zängen der Luppen. Die 8 Puddelöfen (1 bis 8) sind so arrangirt (Fig. 7, Taf. IV), daß sie (wenn vollendet) einen Kreis bilden, und die Längsaxe eines jeden Ofens mit dem Radius dieses Kreises zusammenfällt. Denkt man sich die Mittellinie des Hohofens A verlängert, so theilt sie den Kreis in gleiche Hälften; in jedem dieser beiden Halbkreise stehen 4 Oefen mit dem Fuchsschachte nach dem Mittelpunkte des Kreises gekehrt, während der Dampfkrahn B sich genau in demselben befindet, um alle 8 Oefen bedienen zu können. Der Ständer C, auf welchen das Ei (der cylindrische Ofen) jedesmal gehoben wird, um es von der Schlacke und der gebildeten Luppe zu entleeren, befindet sich in der Front der Gasse, welche von den beiden Ofenreihen gebildet wird, und in deren Mitte der Krahn steht, natürlich in gleichem Abstande von diesem, wie die horizontalen Zapfen des Eies, mit denen es auf dem Ständer aufruht. Der Dampfhammer D befindet sich einige Schritte weiter dem

Ständer gegenüber.

Zwischen je 2 Oefen ist in der Nähe des Krahnes eine kleine derticale Dampfmaschine angebracht, welche eine über ihr befindliche Kurbel treibt, auf deren Welle ein gezahntes Triebrad sitzt, welches beliebig in die Getriebe der rotirenden Oefen eingeschaltet werden kann. Auf diese Weise können beide Oefen gleichzeitig und auch einzeln betrieben werden. Der Ständer zum Entleeren der Oefen besteht aus zwei gußeisernen Trägern, welche so weit von einander entfernt stehen, daß das mit dem Krahne aufgehobene Ei mit seinen Zapfen in die Zapfenlager paßt, welche sich so hoch über der Hüttensohle befinden, daß, wenn das Ei durch Kippen in eine vertieale Lage gebracht wird, unter demselben hinreichend Platz für einen kleinen Wagen zur Aufnahme der Luppe bleibt. Das Kippen des Eies wird durch ein einfaches Vorgelege, welches an dem Ständer befestigt ist, bewirkt.

Der Plan, nach welchem diese Anlage betrieben werden sollte, war ursprünglich folgender: Nachdem die Oefen hinreichend heiß waren, sollte ein Ei nach dem anderen mit dem Krahne vor den Stich des Hohofens gebracht, mit flüssigem Roheisen chargirt und wieder zurückgehoben werden, um die Charge zu puddeln; nach Beendigung dieses Processes hatte der Krahn das Ei auf den Ständer zum Entleeren und wieder zurück vor den Stich des Hohofens zu heben. Es zeigte sich jedoch bald, daß mit der bearbeiteten Beschickung des Hohofens und dem in ihm erzeugten weißen Roheisen dieser Plan kaum ausführbar war, da das Eisen, wenn das Puddeln beginnen sollte, stets schon zu kalt war, um mit Vortheil verfrischt zu werden. weilen aufgegeben, und die Oefen werden einzeln mit kaltem Roheisen besetzt, welches in ihnen eingeschmolzen wird, ehe das Puddeln beginnt.

Der Verlauf des Puddelprocesses ist nun folgender:

[ocr errors]

nebst einer entsprechenden Menge Puddelschlacken durch das Arbeitsthor im Fuchsschachte eingetragen und eingeschmolzen, während der Ofen still steht. Kurz vor beendetem Einschmelzen läßt man den Ofen jedoch einige Umdrehungen machen, um eine bessere Zertheilung des noch halb teigigen Eisens und seine Mengung mit der Schlacke zu bewerkstelligen. Darauf versetzt man das Ei in mäßige Umdrehung und sehr bald wird man gewahr, daß die Kochperiode unter starkem Aufwallen und Blasenwerfen im Gange ist. Nach einiger Zeit zeigen sich in der Masse glänzende Körner von Eisen, deren Zahl rasch so zunimmt, daß sie beginnen, sich zu kleinen Klumpen von Erbsen- bis Nußgröße zu vereinigen. Wie Schneebälle, welche einen Abhang hinunterrollen, ballen sich diese zu größeren Klumpen von Faustgröße unter fortwährendem Drehen des Eies zusammen. Um nun alle diese Klumpen zu einer einzigen Luppe zu formen, wird der Ofen jetzt etwa 2 bis 3 Minuten stillgestellt, eine neue Portion Puddelschlacke chargirt und der Ofen von Neuem in langsame Drehung versetzt. Nach wenigen Umdrehungen haben sich dann die kleineren Ballen zu einer einzigen Masse von der Form eines länglichen Brotes vereinigt, welches sich desto besser abrundet, je häufiger sie sich in dem Ofen überstürzt, wobei sie einen großen Theil der Schlacke verliert und viel compacter wird, als eine gewöhnliche Luppe. Alsdann wird der Ofen stillgestellt, der Bügel des Krahnes

Der Plan wurde daher einst

in die Zapfen des Eies eingehakt und dieses auf den Ständer gehoben; dasselbe wird dann mittelst des Vorgeleges mit der Fuchsseite so weit geneigt, daß die Schlacke ausfließt, und endlich zurückgekippt, bis es fast senkrecht mit der Feuerbrückenseite nach unten steht, und die Luppe auf einen untergeschobenen eisernen Wagen fällt. Diese wird dann unter den Dampfhammer gebracht, gezängt und zu einem Parallelepipedon zusammengeschlagen, welches, nochmals schweißwarm gemacht, zu einer Rohschiene ausgewalzt wird. Die während des Processes zu verrichtenden Arbeiten beschränken sich auf das Schüren des Feuers und gelegentliches, aber unbedeutendes Arbeiten mit einer Krücke, um Eisentheilchen, welche sich an der Wand des Eies festgesetzt haben, abzulösen. Statt einer erfolgen zuweilen zwei und mehrere Luppen von verschiedener Größe, wenn das Ballen nicht gehörig stattgefunden hat; zuweilen sind sie flach, kuchenartig, wenn sie sich nicht gehörig überstürzt haben.

Ein großer Unterschied in der Arbeit zwischen dem selbstthätigen und einem gewöhnlichen Puddelofen ist der, daß durch Ersteren bei Weitem weniger freier atmosphärischer Sauerstoff streicht, daher die oxydirende Wirkung auf das Eisen viel schwächer ist und länger dauert. Dieser Ofen wird sich daher ganz besonders zum Stahlpuddeln mit geeignetem Roheisen empfehlen.

Ein anderer Unterschied ist, daß die Herstellung des Herdes oder Futters des Eies viel größere Schwierigkeiten verursacht, als bei dem gewöhnlichen Ofen, da es möglichst in different, zugleich aber feuerfest und compact sein muß, um den Anforderungen zu entsprechen. Als Material wurde ein thoniger, gemahlener Sandstein, sogenannter „ganister“ verwendet, welchen die Sheffielder Stahlschmelzer zum Ausfüttern ihrer Oefen sowie der Bessemer’schen Stahlöfen gebrauchen; mäßig angefeuchtet, läßt er sich gut über eine Schablone formen und festrammen. Sein größter Uebelstand ist, daß er die mit dem Eisen chargirte Puddelschlacke durch

[ocr errors]

schlacke verwandelt, welche sich gegen das Eisen sehr indifferent verhält und das Garwerden sehr verzögert. Durch Beschickung mit garenden Zuschlägen beim Beginne der Kochperiode ist jedoch diesem Uebelstande nach Dr. Gurlt abgeholfen, und durch zeitweise Bildung einer Garschlacke im rechten Augenblicke sind reinere Luppen in um Stunde kürzerer Zeit dargestellt worden. Die mechanische Abreibung bleibt aber immer noch ein unbeseitigter Uebelstand. Ferner wurden als Material für das Futter ein Gemenge gerösteter Puddelschlacke (bulldog) mit gepulvertem Rotheisenstein angewendet; doch war es nicht compact genug. Ferner sind im Versuche Gemenge von Graphit und feuerfestem Thone, Kalkstein, Graphit und Steinkohlentheer, von denen das Graphitfutter sich am besten zu halten scheint, was namentlich für das Stahlpuddeln wichtig ist. Ein jeder Ofen macht bis jetzt nur 6 bis 7 Chargen (à 6 Ctr.) in 12 Stunden; doch ist Hoffnung, daß sich ihre Zahl auf 9 bis 10 steigern wird, sobald ein vollkommen geeignetes Futter mit den erforderlichen garenden Zuschlägen angewendet wird. Zur Bedienung sind erforderlich ein gewöhnlicher Arbeiter pro Ofen, ein Krahnwärter, und zwei Schmiede, welche Letzteren die Arbeit von 8 Oefen besorgen können,

Im Anschlusse an diesen interessanten Bericht von Dr. Gurlt sei darauf hingewiesen, daß gelegentlich eines Vortrages des Hrn. Moll über mechanisches Puddeln im Cölner Bezirksvereine, Hr. Dr. Grüneberg Magnesia für die Bekleidung des Puddelraumes vorschlug (Bd. X, S. 230 dieser Zeitschrift).

Ueber die Entstehung

Da durch die neueren Untersuchungen der Steinkohlen*) die Fragen, zu welchen dieses nicht bloß für die Industrie überaus wichtige Material Veranlassung giebt, in den Vordergrund getreten sind, so dürfen wir voraussetzen, daß der Kampf, welcher unlängst wegen der wissenschaftlichen Erklärung ihrer Entstehung geführt worden ist, für unsere Leser ein erhöhtes Interesse gewonnen hat.

Dieser Streit, welcher zum Theil mit großer Erbitterung gekämpft worden ist, scheint seinen Anfang in einem Vortrage genommen zu haben, welchen Hr. Lasard aus Minden auf der Hauptversammlung des naturhistorischen Vereines von Rheinland und Westphalen zu Bochum 1864 gehalten hat*). Derselbe legte eine Suite aus einem Schweizer Torflager vor, die er als ein neues Beispiel der von Forchhammer und Göppert schon beschriebenen Erscheinung bezeichnete, daß Torf durch den durch Belastung hervorgerufenen Druck eine derartige Beschleunigung des Vermoderungsprocesses erfährt, daß aus dem Torfe ein vollständig kohlenartiges Product hervorgeht. Er erkannte hierin Belege für die Ansicht, daß die Steinkohlen ihren Ursprung aus Torfmooren haben, und, eine größere Arbeit zur Begründung derselben in Aussicht stellend, führte er damals hauptsächlich die Analogie an, welche darin besteht, daß, wie im Hangenden und Liegenden der Steinkohlenflötze stets verschiedene Pflanzenformen sich finden, so auch in dem Dache der Torfmoore, namentlich der Tiefmoore, alle möglichen Pflanzen, am Grunde derselben aber nur die gefunden werden, welche als ächte Sumpfpflanzen die Wasserlachen schließen und in eine breiartige weiche Masse verwandeln.

Das Maiheft der Westermann'schen Monatsblätter, Jahrgang 1865, brachte darauf einen Aufsatz von dem, durch seine Titrirmethoden und als kühner Geologe der neuen Schule bekannten Dr. Friedrich Mohr: „Ueber die Entstehung der Steinkohle“. Er sucht darin nachzuweisen, daß die bisherigen Ansichten über die Art der Pflanzen, welche die Steinkohlen geliefert haben, und über die Weise, wie sie sich ablagerten, „weder mit dem Vorkommen in der Natur, noch mit den Forderungen der Chemie übereinstimmen“. Daß die Steinkohlen durch Torfbildung entstanden seien, hält er für unmöglich, weil hierzu eine Fruchtbarkeit erforderlich sei, wie sie nur für die Phantasie der Anhänger dieser Theorie existire. Die sogenannte Braunkohlentheorie aber, nach welcher die Steinkohlen aus angeschwemmten Holzmassen entstanden sein sollen, ist nach dem Verf. unhaltbar, weil die in ein

*) Vergl. über dieses Thema die Ansichten von Goeppert und Lyell Bd. III, S. 202 d. Z. D. Red. (L.) **) Vergl. Bd. X, S. 697 und weiter unten in diesem Hefte.

***) Correspondenzblatt des naturhistorischen Vereines, 1864, S. 72.

Das heutige Referat möge einstweilen ohne weitere Betrachtungen über den praktischen Nutzen aller dieser Vorrichtungen veröffentlicht werden; ich behalte mir jedoch vor, in weiteren Mittheilungen dieselben zu besprechen, sowie die Nachrichten aus England und Frankreich mitzutheilen. C. P.

der Steinkohlen.*)

zelnen Steinkohlenschichten gefundenen Stämme mit deutlicher Holzstructur, weit entfernt davon, Stützen dieser Theorie zu sein, im Gegentheile zeigen, daß wirkliche Holzmassen, unter den Verhältnissen, unter welchen sich die Steinkohlen bildeten, ihre Structur bewahren konnten, die völlig structurlose Steinkohle selbst ihren Ursprung also nicht in solchen Holzmassen haben kann. Auch die Ansicht, daß die in der Steinkohle, besonders aber in den zwischenliegenden Lettenschichten, sich findenden Reste baumartiger Farnkräuter wesentlich an der Anhäufung der Kohle Antheil hätten, wird für irrig erklärt, „weil die Farnkräuter niemals im unverletzten Zustande vorkommen, sondern nur in Stücken von zerbrochenen Wedeln, welche höchstens handgroß sind. Fast niemals findet man eine Wurzel dabei“. Sie sind „vom Festlande durch Hochwasser und Stürme abgerissen, zugleich mit dem Schlamme in die Steinkohlenbildung gerathen, beim gleichzeitigen Niedersinken mit dem Flußschlamme eingehüllt und in ihrer Gestalt so wundervoll erhalten“. Daß die Entstehung der Steinkohlen analog der Bildung des Torfes, d. h. durch Vermoderung einer noch üppigen Vegetation in loco vor sich gegangen sei, erklärt Mohr für unmöglich, weil „niemals aus Gefäßpflanzen die Masse der Steinkohle entstehen kann, welche in einem gewissen Zeitraume ihrer Vermoderung schmelzbar ist, während Torf und Braun

kohle niemals schmelzbar erscheint“; auch hat man die große

Menge der Asche, die sich immer im Torfe findet, nicht beachtet, die mit der Nähe des Landes und dem daher stammenden Schlamme in Verbindung steht, während die Steinkohle wesentlich aschenarm ist.

Die schwächste Seite aller bisherigen Ansichten über die Bildung der Steinkohlen besteht nach Mohr darin, daß sie keine Erklärung für die Eigenthümlichkeit ihrer Ablagerung geben, besonders für das Durchlaufen von oft nur einen Zoll oder weniger dicken Kohlenflözen und durch viele Quadratmeilen der ihnen immer parallelen Lettenschichten.

Endlich erklärt Mohr die chemische Zusammensetzung der Steinkohle für „so abweichend von der der Braunkohle und des Torfes, daß ein gemeinschaftlicher Ursprung unmöglich ist“. Er schließt dieses daraus, daß „jede Steinkohle ein ammoniakalisches Destillat giebt, während Braunkohle und Torf immer saure Destillate mit vorwaltender Essigsäure geben“. Es muß also die Steinkohle von Pflanzen abstammen, welche eine größere Menge Stickstoff enthielten und denselben bei der Vermoderung nicht gehen ließen. Auch der Umstand, daß jede Steinkohle „einmal im Zustande der Schmelzbarkeit gewesen ist“, zeigt, daß Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff und Sauerstoff in ihnen anfänglich in anderen Verhältnissen verbunden waren, wie in Torf und Braunkohle.

« ZurückWeiter »