Aufruf an die Slaven. Von einem russischen Patrioten Michael Bakunin

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Alexander Wiede, 1848 - 36 Seiten
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[Bild des Orginals: Aufruf an die Slaven, wikisource] Ich sitze ja schon eine Weile daran, Bakunins "Aufruf an die Slawen" zeitgenössisch zu remixen. Die Parallelen der Situation der Ukrainer als Spielball zwischen dem Westen und dem putinschen Russland zu jener, die Bakunin 1848 für die "Austroslaven" beschreibt, stechen ins Auge. Es mag etwas sehr weit hergeholt sein,, Bipolarität des Westens - USA und EU - mit der inneren Führung der Hegemonialmacht Österreich unter Windisch-Graetz vergleichen zu wollen, doch letzten Endes reproduzieren diese analytischen Schwächen die geschichtsträchtige Kritik an Bakunins Pamphlet. Denn der erste Anstoß für diesen Remix war es, eine Brücke zu schlagen von einer prae-ideologischen Zeit zu einer post-ideologischen.
Anders als manche allerjüngsten Online-Kommentatoren, die eine erfolgreiche Gegenöffentlichkeit zelebrieren, die sich von den Mainstreammedien emazipiert haben soll, erfahre und erlebe ich nach wie vor den Ukraine-Komplex von den solchen konventionellen Leitmedien dominiert. Während der Eskalationsstufen von der Osterweiterungsdiskussion, über die Assoziierungsverhandlungen, den Maidan-Demonstrationen, der Krim-Krise bis hin zum jetzigen Konflikt folgt die öffentliche Meinung dem immer gleichen Schema von Russland Bashing über Blaming bis Zu- und Eingeständnis. Nahezu völlig unkommentiert bleibt in dieser Abfolge die intrinsische Schwäche der Ukrainischen Politik.
Nun werde ich gefragt, wie deeskalierend auf die Situation eingewirkt werden kann, nur um der Frage die entsprechenden Tiraden gegen Putin anzuhängen. Die Platitüde, mit der Putin mit einem monolithischen Russland gleichgesetzt wird, in Personalunion mit Idi Amin und / oder Milosevic / Karadzic, erlaubt mir, die Deeskalationsstrategie per se zu verwerfen. Das Missverständnis des diplomatisch und strategisch gewieften Menschen Putin und die Unmöglichkeit das Riesenreich taktisch zu mikromanagen, disqualifizieren kleinteilige Reaktion. Putins Macht rührt daher, den russischen Nationalstolz bedienen zu können. Die maroden Industrieanlagen der Ostukraine hingegen sind ihm, der er immer noch Russland-eigene solche en mas zu sanieren hat, ein Greul. Dasselbe gilt für die oft beschworenen Kohlelagerstätten.
Den russischen Nationalstolz bedient Putin, indem er Klarheit und Ordnung in dem chaotischen Riesenreich schafft, nicht indem er sich auf die Unübersichtlichkeit eines Bürgerskriegs einlässt und die Handlungen unkontrollierbaren Partisanen erklären muss. Denn die Gefahr einer weiteren Eskalation in der Ukraine besteht darin, dass die lokalisierte Gewalt in einen Bürgerkrieg nach dem Muster Bosniens, Srebrenica und Mostar festfährt, der niederschwellige internationale Beteiligung bedingt. [Bild des "Konzentrationscamp", Mostar]
Gegeben aber dass die Strukturen und die Situation eine Entladung der Gewalt fordern, und dass jedes Appeacement und halbherzige Interventionen die Fehler der Vergangenheit reproduzieren, die Probleme verschleppen und die unbefriedigende, verfahrene Situation perpetuieren, bietet sich die Alternative an, das Stadium des bestialischen Bürgerkriegs zu überspringen und in die eingeübten Kanäle eines kontrollierbaren, wohldefinierten und verklausulierten Krieg zu lenken.
Den Krieg produzieren um den Bürgerkrieg zu vermeiden.
Ist doch wahr: Schon 1991 meinte Baudrillard, dass der 2. ("Desert Storm") Golfstrom überhaupt nicht statt fand, weil er von einer überwältigenden Mehrheit der Anteilnehmer als Videospiel erlebt wurde. Heute ärgern wir als uniformierte Burger uns über Drohnen, debattieren die Vaterschaftsurlaubsvertretung an der Front und befördern einen Oberst trotz seines Vertippers, der 70 Benzinräubern das Leben kostet. Und die Soldaten, die durch die offiziellen Kanäle geschickt werden, sind klever genug, die Waffen niederzulegen, als auf ihresgleichen zu schießen.
Anstelle ein Regime und System zu stützen, das seine eigenen Menschen auf einander hetzt, sollte die EU also die
 

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