Weimarisches Jahrbuch für deutsche Sprache, Litteratur und Kunst, Band 1

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August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Oskar Schade
C. Rümpler, 1854
 

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Seite 82 - Denn alle Kraft dringt vorwärts in die Weite, Zu leben und zu wirken hier und dort; Dagegen engt und hemmt von jeder Seite Der Strom der Welt und reißt uns mit sich fort. In diesem innern Sturm und äußern Streite Vernimmt der Geist ein schwer verstanden Wort: Von der Gewalt, die alle Wesen bindet, Befreit der Mensch sich, der sich überwindet.
Seite 325 - Tüchtigkeiten glänzend hervorthaten, und so befreundete man sich auch mit der Dichtkunst jener Zeiten. Die Minnesänger lagen zu weit von uns ab; die Sprache hätte man erst studiren müssen und das war nicht unsre Sache, wir wollten leben und nicht lernen.
Seite 326 - Hans Sachs, der wirklich meisterliche Dichter, lag uns am nächsten. Ein wahres Talent, freilich nicht wie jene Ritter und Hofmänner, sondern ein schlichter Bürger, wie wir uns auch zu sein rühmten. Ein didaktischer Realism sagte uns zu, und wir benutzten den leichten Rhythmus, den sich willig anbietenden Reim bei manchen Gelegenheiten. Es schien diese Art so bequem zur Poesie des Tages und deren bedurften wir jede Stunde.
Seite 419 - Damals trugen Sie das Schicksal meines Geistes an Ihrem freundschaftlichen Herzen und ehrten in mir ein unentwickeltes, noch mit dem Stoffe unsicher kämpfendes Talent. Nicht durch das was ich war und was ich wirklich geleistet hatte, sondern durch das, was ich vielleicht noch werden und leisten konnte, war ich Ihnen wert.
Seite 270 - Ein unbegreiflich holdes Sehnen Trieb mich, durch Wald und Wiesen hinzugehn, Und unter tausend heißen Tränen Fühlt ich mir eine Welt entstehn.
Seite 63 - Meiner Einsicht nach, sind solche, nicht einen Schuß Pulver werth; und verdienten nicht aus dem Staube der Vergessenheit gezogen zu werden. In meiner Bücher-Sammlung wenigstens, würde Ich, dergleichen elendes Zeug, nicht dulten; sondern herausschmeißen. Das Mir davon eingesandte Exemplar mag dahero sein Schicksal, in der dortigen großen Bibliothec, abwarten. Viele Nachfrage verspricht aber solchem nicht, Euer sonst gnädiger König Frch.
Seite 400 - Abend gegeben und er habe den Schauspieler ersucht, ja nicht den Namen Kalb auszusprechen. — Bald kehrte er wieder, — freudig trat er ein, Willkommenheit sprach aus seinem Blick. Durch Scheu nicht begrenzt, traulich, da gegenseitig mit dem Gefühl des Verstandenseins das Wort gesprochen werden konnte, löste der Gedanke den folgenden Gedanken, ohne Wahl oder Nachsinnen. - Wohl die Rede eines Sehers. - Im Laufe des Gesprächs rasche Heftigkeit, wechselnd mit fast sanfter Weiblichkeit, und es weilte...
Seite 423 - Bedürfnisse und selten der Klugheit. Liebe bedürfte keines Gesetzes. Die Natur will, daß wir Mütter werden sollen, vielleicht nur, damit wir, wie Einige meinen, Euer Geschlecht fortpflanzen. Dazu dürfen wir nicht warten, bis ein Seraph kommt; sonst ginge die Welt unter. Und was sind unsere stillen, armen, gottesfürchtigen Ehen? Ich sage mit Göthe und mehr als Göthe: „Unter Millionen ist nicht Einer, der nicht in der Umarmung die Braut bestiehlt.
Seite 410 - Seele hing nur noch an diesem Gedanken - und als sie mich hatte, war ihre Empfänglichkeit für Freude dahin. Ein langes Harren hatte sie erschöpft, und Freude wirkte bei ihr Lähmung. Sie war fünf, sechs Tage nach der ersten Woche meines Hierseins fast jedem Gefühl abgestorben, nur die Empfindung dieser Ohnmacht blieb ihr und machte sie elend.
Seite 415 - Ich hab ihr diesen Sommer gar wenig geschrieben, es ist eine Verstimmung unter uns, worüber ich Dir ein35 mal mündlich mehr sagen will. Ich widerrufe nicht, was ich von ihr geurtheilt habe, sie ist ein geistvolles edles Geschöpf. - ihr Einfluß auf mich aber ist nicht wohlthätig gewesen.

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