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Eine gewöhnliche elektrische Glocke ist mit der Batterie (zwei Elemente Leclanche) mittelst einer Art Relais (Fig. 2, Blatt 15) und mittelst einer ganz kurzen Drahtleitung derart verbunden, dass, wenn ein anderer Strom (II) durch den Spulendraht des Relais circulirt, also der Anker desselben angezogen ist, der erstere Strom I unterbrochen bleibt; wird dagegen der Strom II unterbrochen, so stösst der losgelassene Anker des Relais-Elektromagneten an eine Contactschraube, wodurch erst der Strom I geschlossen und die Glocke in Thätigkeit gesetzt wird.

der in der Glaskugel eingeschlossenen Luft eben so gross, dass die Unterbrechung des Stromes und die Signalisirung erfolgt; es fragt sich nun, bei welcher Temperatur t das Luftvolumen dieselbe Grösse erreichen wird, wenn der Barometerstand B, = 752,6 (mittleres Maximum) ist? Diese Temperatur berechnen wir wie bekannt nach dem Gesetze, dass bei gleichem Volumen die absolute Temperatur (von – 2739 gerechnet) der Spannung proportional ist. Die Spannung der Luft im Apparate ist gleich dem Barometerstande weniger der Quecksilbersäule zwischen den beiden Niveaus im Röhrchen, d. h. dem Barometerstande weniger ungefähr 15" (im Augenblicke der Stromunterbrechung). Also ist die Spannung beim mittleren Barometerstande

(p = 742,6 – 15 = 727,6, beim mittleren Maximum dagegen p, = 737,6. Folglich ist die gesuchte Temperatur: 737,6

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Wir sehen also, dass, wenn der Barometerstand um 10mm höher ist als der mittlere, die Temperatur, bei welcher die Signalisirung erfolgt, um 4,39 C. höher wird, und dass bei aussergewöhnlich hohen Barometerständen (in Krakau war am 17. Januar 1864 B = 765,58) die Signalisirungstemperatur um 9 bis 10° C. höher ausfallen kann als die mittlere. Dasselbe gilt umgekehrt für niedrigere Barometerstände.

In Fig. 7 ist das Verhältniss zwischen Spannung und Temperatur graphisch dargestellt, natürlich die Spannung = B – 15 gesetzt. M

Daraus folgt, dass solche Apparate sich keineswegs zur Signalisirung einer ganz bestimmten Temperatur eignen, jedoch zur Signalisirung eines ausbrechenden Feuers sich gut verwenden lassen; denn, wo in einem geschlossenen Raume eine Feuersbrunst entsteht, wird dort die Temperatur so rasch steigen, dass eine Differenz von etwa 100 C. nicht wesentlich erscheinen kann; jedenfalls aber muss darauf bei Einrichtung der Wächter Rücksicht genommen werden.

Der in Fig. 4 dargestellte Wächter ist folgendermassen construirt. Ein schmales Glasröhrchen a, in welches nahe von dem oberen geschlossenen Ende ein Platindraht eingeschmolzen ist, wird mit Aether und Quecksilber derart gefüllt, dass der Aether nur den Raum in der oberen Spitze, oberhalb des eingeschmolzenen Drahtes einnimmt; das Röhrchen stellt man dann in ein kleines Gefäss in der Art eines kleinen und kurzen Probirglases, in welchem ein wenig Quecksilber sich befindet, und steckt in das letztere einen Platin- oder Eisendraht, welcher auf diese Weise mit dem erwähnten eingeschmolzenen Drahte durch das Quecksilber leitend verbunden wird. Man kann also den Apparat in die Drahtleitung einschalten, wo der Strom II circuliren kann, so lange der Wächter nicht einer Temperatur ausgesetzt wird, bei welcher der im obersten Theile des Röhrchens befindliche Aether verdampft; denn tritt das letztere ein, so wird das Quecksilber im Röhrchen niedergedrückt und der Strom unterbrochen.

Statt Aether können andere Flüssigkeiten benutzt werden, z. B. Schwefelkohlenstoff oder ein Gemisch aus Aether und Alkohol. Bei dem atmosphärischen Druck von 760" siedet Aether in 34,99 C., der Schwefelkohlenstoff dagegen in 46,69 C.; diese Siedepunkte ändern sich nur wenig unter dem Einflusse des Barometerstandes. In Fig. 7 sind die Druckcurven der Aether- und Schwefelkohlenstoffdämpfe verzeichnet, woraus man die Abhängigkeit der Signalisirungstemperatur von dem Barometerstande ganz deutlich ersehen und ziemlich genau abmessen kann. (Bezüglich der Spannung gilt dasselbe, was oben bei dem Luftapparate gesagt wurde.)

Da der Anker des Elektromagneten nur äusserst leichte und geringe Bewegungen auszuführen hat, so braucht auch der Strom II ein nur sehr schwacher zu sein, selbst bei einer

sehr langen Drahtleitung. Bei einem Versuche wurde ein

Relais aus einer alten elektrischen Glocke gemacht und mit
einem einzigen Meidinger- Element durch eine Drahtleitung
verbunden, deren Widerstand dem Widerstande einer tele-
graphischen Drahtleitung (4" Durchm.) von der Länge von
über 2" gleich kam; in dem Elemente war das Zink nur
etwa 3" in die Flüssigkeit getaucht, der Verbrauch an Kupfer-
vitriol betrug nur 1505 in 36 Tagen, die Wirkung des Relais
war aber dabei vollkommen sicher.
Daraus ist ersichtlich, dass die Unterhaltung des
Stromes II jährlich nur etwa 2 % kosten kann,
selbst bei einer sehr langen Drahtleitung.
Die Unterbrechung des Stromes II soll nun durch einen
in die Drahtleitung II eingeschalteten Wächter bewirkt wer-
den, sobald die Temperatur eine gewisse feuerverdächtige
Höhe, z. B. 409 C. erreicht. «»
Die Wächter können sehr verschieden construirt werden;
in den Fig. 3 bis 6 sind in natürlicher Grösse vier ver-
schiedene Constructionen angegeben.
In der Fig. 3 ist er ein Uförmiges Glasröhrchen, welches
an einem Ende in eine Kugel ausgeblasen ist, an dem anderen
Ende aber einen kleinen Trichter trägt. In den Trichter
wird ein wenig Quecksilber gebracht, an die Mündung des
Trichters ein Kautschukschlauch stumpf angesetzt und ein
wenig Luft aus dem Apparate ausgesogen, so dass das Queck-
silber nach der Entfernung des Schlauches bis zu der Glas-
kugel emporsteigt. Gleich unter der Kugel ist bei a ein
kurzer Platindraht in das Röhrchen eingeschmolzen und unter
dem Blechstreifen verborgen, welcher das Röhrchen an die
Unterlage befestigt. Ein anderer Platin- oder auch Eisendraht
wird durch das offene Ende des Röhrchens in das Queck-
silber gebracht und mit einem anderen Blechstreifen b leitend
verbunden. Vermittelst der beiden Blechstreifen a und b kann
nun der Wächter in die Drahtleitung eingeschaltet werden,
in welcher der Strom II circuliren kann, so lange das Queck-
silber eine leitende Verbindung zwischen den erwähnten
Drähten und Blechstreifen bildet; wird aber infolge der
Temperaturerhöhung die Luft in der Glaskugel so weit aus-
gedehnt, dass das Quecksilber unter den bei a eingeschmol-
zenen Platindraht herabgedrückt wird, so wird der Strom
unterbrochen und die Glocke in Thätigkeit gesetzt.
Es versteht sich von selbst, dass die Temperatur, bei
welcher diese Wirkung erfolgt (bei gegebenen Dimensionen
des Wächters), von der in der Glaskugel eingeschlossenen
Luftmenge abhängig ist, und dass man das Volumen der Luft
der gewünschten Temperatur anpassen muss, was bei gewisser
Uebung keine Schwierigkeit bietet und leicht verificirt wer-
den kann.
Es muss aber dabei der Umstand berücksichtigt werden,
dass die Wirkung dieses Wächters dem Einflusse des atmo-
sphärischen Druckes (Barometerstand) unterworfen ist.
Bei höherem Barometerstande ist auch die Luft in der
Glaskugel stärker zusammengedrückt und sie muss stärker
erwärmt werden als bei geringerem atmosphärischen Druck,
um das Volumen zu erhalten, bei welchem die Signalisirung
erfolgt.
Um den Einfluss des atmosphärischen Druckes in be-
stimmten Zahlenwerthen auszudrücken, müssen wir von einem
bestimmten mittleren Barometerstande ausgehen. Nehmen
wir z. B. an, die mittlere Barometerhöhe eines gewissen Ortes
(Krakau) ist B = 742",6, und es sei ein Wächter bei diesem
mittleren Barometerstande auf eine Temperatur von t = 409 C.
eingerichtet, d. h. bei dieser Temperatur wird das Volumen

Aus dieser Figur entnehmen wir folgende Data:

Signalisirungstemperatur: Barometerstand in Krakau: Luft- Aether- Schwefelkohl.- in Milli

apparat apparat apparat meter

49,9 34,6 46,30 C. 765,58 am 17. Januar 1864. 44,3 34,0 45,7 752,6 mittler. Maxim.) aus 40,0 33,7 45,3 742,6 Mittelstand 50 34,6 33,3 44,7 730,0 mittler. Minim.) Jahren. 27,4 32,6 44,0 713,2 am 29. März 1864.

Aus dieser Zusammenstellung geht hervor, dass die Luftapparate, welche bei mittlerem Barometerstande (in Krakau) auf 409 C. eingerichtet sind, bei einem minimalen Stande, welcher in 50 Jahren einmal vorgekommen ist, schon bei 27,40 C. alarmiren. Sollte also der Wächter für eine Localität bestimmt werden, in welcher die normale Temperatur bis zu dieser Höhe steigen kann, so müsste er bei mittlerem Barometerstande auf eine höhere Temperatur eingerichtet werden als 409 C., wenn kein falscher Alarm gegeben werden soll. Dieses Beispiel wird wol genügen, um die Aufmerksamkeit des Lesers auf die Wichtigkeit des Umstandes zu lenken, dass die Wächter den localen Verhältnissen gemäss eingerichtet werden müssen, und dass das Anpassen für einen gebildeten Techniker keine Schwierigkeit bietet. Es braucht kaum erwähnt zu werden, dass man bei den Apparaten Fig. 3 ebenfalls in die Glaskugel etwas Aether oder andere Flüssigkeit einführen, und dass man die Apparate Fig. 4 für Luft einrichten kann, indem man das obere Ende des Röhrchens in eine Kugel ausbläst. Die Leistungsfähigkeit der eben beschriebenen Apparate ist von allen sonstigen Aeusserlichkeiten unabhängig, und es lässt sich auch keine zufällige Beschädigung derselben denken, welche nicht die Unterbrechung des Stromes zur Folge hätte; wird z. B. einer der Apparate zerschlagen, so fällt das Quecksilber (wenigstens bis zum Ausgleichen der beiden Niveaus), wodurch der Strom unterbrochen, die Glocke in Thätigkeit gesetzt und also das Alarmsignal gegeben wird; das Läuten dauert so lange, bis die Einrichtung in Ordnung gebracht wird. Es ist auch selbstverständlich, dass eine Unterbrechung (Zerstörung) der Leitung II die Signalisirung zur Folge hat. Schaltet man daher in die Leitung an verschiedenen Punkten kleine Stücke leicht schmelzbaren Drahtes oder schmale Blechstreifen, so werden diese bei erhöhter Temperatur geschmolzen und der Strom wird unterbrochen. Auf diese Weise kommt man zu der Construction Fig, 5. Hier ist der Draht der Leitung II einfach zerschnitten, die Schnittenden werden (ohne sie von der Isolirbekleidung zu entblössen) in einander gedreht, so dass sie wieder mit einander (aber nicht leitend) verbunden werden, und dass nur kurze Endstücke frei bleiben. Diese frei gebliebene Enden entblösst man von der Isolirhülle und verbindet sie leitend mit einander mittelst eines leicht schmelzbaren Drahtes oder Streifchens, welches man mittelst Bindfaden anbindet. Auf diese Weise ist der leicht schmelzbare Draht keiner Spannung ausgesetzt und kann ein wenig von der Wand entfernt werden, was die Einwirkung der Wärme erleichtert. Von den leichtflüssigen Legirungen wäre hier die Lipowitz’sche (3 Th. Cadmium, 4 Th. Zinn, 15 Th. Wismuth und 8 Th. Blei), welche bei 639 C. schmilzt, anwendbar. Da aber diese Legirung beim Schmelzen sich leicht oxydirt und eine zusammenhängende metallische Asche bildet, welche in dem letztbeschriebenen Apparate eine leitende Verbindung trotz des Abschmelzens der Legirung bilden könnte, so thut man gut, wenn man an dem Legirungsdrahte einen kleinen Drahtring anhängt, welcher durch sein Gewicht den Zusammenhang des geschmolzenen Drahtes sofort unterbricht. Wollte man den Apparat bei einer niedrigeren Temperatur wirksam machen, z. B. bei der Temperatur des Schmelzens von Wachs, Paraffin oder Stearin, so bildet man aus diesen Stoffen dünne Kerzchen, in welchen Quecksilber die Stelle der Dochte einnimmt, und steckt die Drahtenden der Schleife derart in ein solches Kerzchen, dass sie in das Quecksilber eindringen. Schmilzt das Kerzchen, so fällt das Quecksilber herunter und der Strom wird unterbrochen. Da aber die Anbringung des Kerzchens an diesem Apparate nicht bequem geschehen könnte, so ist es besser den Wächter für diesen Fall nach Fig, 6 einzurichten. In dieser Figur ist a das oben beschriebene Kerzchen, welches in den Wächter dadurch eingeschaltet wird, dass man es zuerst auf die eiserne Nadel b einsteckt, dann die Nadel c hineinbringt und letztere mit der Schraube d befestigt. Die Enden des Kerzchens erwärmt man vorher ein wenig, damit sie beim Einstechen der Nadel nicht springen. Bei allen oben beschriebenen Apparaten, so wie es übrigens bei den älteren der Fall war, kann die Glocke auch

mittelst eines Tasters in Thätigkeit gesetzt, oder die Glocke als Thor- oder Büreauglocke zum Rufen der Diener benutzt werden. Mittelst dieses Tasters wird auch eine leichte Controle der ganzen Einrichtung ermöglicht. Die Glocke kann unmittelbar bei einem Feuerwehrposten angebracht werden, was etwa für Bibliotheken, Museen u. dergl. wichtig wäre, und was um so leichter geschehen kann, da wie gesagt die Relaisbatterie selbst bei grossen Entfernungen ganz klein zu sein braucht, auf die Glockenbatterie aber ist die Entfernung der Wächter von der Glocke ohne Einfluss. Eine Zusammenstellung der ganzen Einrichtung ist in Fig. 8 dargestellt: W, W sind die Wächter, in jedem besonderen Raume wenigstens ein Stück möglichst hoch (unter der Decke) an der Wand angebracht; wenn nöthig, mit Schutzgitter gegen Beschädigung versichert; die Oeffnungen der Gefässe mit Baumwolle zum Schutz gegen Staub verstopft. s Taster zum beliebigen Unterbrechen des Stromes. L, L die Hauptleitung. E, E Erdplatten, welche jedoch nur bei grösseren Entfernungen benutzt werden. I Glockenbatterie. R Relais. Sollte die Einrichtung für ein grösseres Etablissement verwendet werden, so wäre es nöthig sie so zu treffen, dass im Falle der Signalisirung zugleich der Ort der Gefahr angegeben würde. Dies kann offenbar mittelst der in Hötels üblichen Anordnung geschehen; eine jede Nummer des Zifferblattes muss aber mit einem besonderen Relais verbunden werden, wogegen eine Glocke für die ganze Anlage ausreicht.

II Relaisbatterie. G Glocke.

Abschätzung der an Gebäuden durch den Bergbau verursachten Schäden.

Zur Richtigstellung der Urheberschaft der im Juniheft, S. 280 mitgetheilten Grundsätze für die Entschädigung durch den Bergbau zu Bruch gebauter Gebäude möge der nachstehende Schriftwechsel einen Beitrag liefern.

Saarbrücken, 29. Juli 1878. Verehrter Herr Dihm !

Durch Zufall habe ich Kenntniss eines von Ihnen im Pfalz-Saarbrücker Ingenieurverein über die Höhe der Entschädigung für die durch den Grubenbau zu Bruch gebrachten Gebäude gehaltenen Vortrages erhalten und liegt mir augenblicklich auch die betreffende Veröffentlichnng in der Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure vor.

Die von Ihnen gegebenen Ermittelungen und Formeln sind, abgesehen von einigen Buchstabenänderungen, genau die von mir in dem Gutachten in der W.'schen Processsache niedergelegten, deren Priorität in Bezug auf die Minderwerthsschätzung von gerissenen Gebäuden ich beanspruche.

Da mir nun Ihre Publication in sofern unverständlich ist, als dieselbe den Glauben erregt, dass Sie der Autor der betreffenden Formeln u. s. w. seien, so bitte ich Sie um gefällige ausreichende Erklärung in dieser Angelegenheit, welcher ich binnen 8 Tagen entgegensehe, widrigenfalls ich die Sache zur öffentlichen Besprechung bringen müsste.

Ergebenst
Schnebel,

Eisenbahn-Baumeister.

Saarbr., 30. Juli 1878.

Herrn Eisenbahn-Baumeister Schnebel, Saarbrücken.

Auf Ihr gestriges Schreiben beehre ich mich, Ihnen Folgendes mitzutheilen.

In meiner Besprechung des qu. Themas im hies. Zweigverein deutscher Ingenieure, in welcher Hr. E. W. gegenwärtig war, habe ich erklärt, dass die betreffenden Formeln dem Gutachten des W.'schen Processes entnommen seien.

Dass Sie der intellectuelle Urheber unter den drei Herren Experten seien, erfahre ich eben erst durch Ihr Schreiben, ich würde sonst sehr gern Ihren Namen genannt haben.

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Zur Frage über den Bau von Local- (Secundär-) Eisenbahnen. 120 S. Danzig, 1877. A. W. Kafemann. –

In der vorliegenden Broschüre giebt der preussische Abgeordnete Rickert zunächst die Gesichtspunkte an, welche zu dem Bau von Bahnen minderer Ordnung geführt haben, setzt die Vortheile auseinander, welche sich von ihnen erwarten lassen und die Bedingungen, unter welchen sie erbaut und betrieben werden müssen. Den Hauptinhalt bildet indessen eine reichhaltige Zusammenstellung von Documenten über solche Eisenbahnen in den verschiedensten Gegenden Deutschlands auch Frankreichs, welche in ihrer Gesammtheit und Vielseitigkeit ein äusserst interessantes und lehrreiches Material für das Studium dieser Frage bilden. R. Z.

Bergwesen.

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Feuer-Telegraphen, Vortrag, gehalten in der Gesellschaft der Telegraphen - Ingenieure in London von R. v. Fischer-Treuenfeld. Aus dem Englischen übersetzt von G. & F. Kitzinger. Mit 6 Holzschnitten und 3 lithogr. Plänen, Tabellen u. s. w. 70 S. (Preis 1,80 %). Stuttgart, 1877. W. Kitzinger. –

Zweck des angeführten Vortrages, dessen deutsche Uebersetzung ein Bändchen der „Deutschen Feuerwehr-Bibliothek“ bildet, ist der Nachweis, dass in einer Stadt, welche mit einem ausgedehnten System von Feuertelegraphen versehen ist, die Zahl der grossen Brände ein viel geringeres Verhältniss zur Gesammtzahl der Brände einnimmt. Der Verfasser hat das hierzu erforderliche Material mit grossem Fleisse gesammelt und übersichtlich zusammengestellt; die eingehendere Beschreibung der betreffenden Anlagen in einigen Städten mit zugehörigen Plänen, giebt ein Bild solcher Einrichtungen und die Beschreibung der Apparate zeigt die einfache Handhabung derselben. - R. Z.

Skizzenbuch für den praktischen Maschinen-ConStruCteUr. Ein Hilfsbuch für Maschinentechniker aller Branchen sowie für Schüler technischer Lehranstalten. Herausgegeben von W. H. Uhland, Ingenieur u. s. w. in Leipzig. Heft 1 und 2. 8 S. Text mit 24 Tafeln. (Preis pro Heft 1 %). Leipzig, 1877. Baumgärtner. –

Der durch seine mannigfachen Publicationen in der technischen Literatur sehr bekannte Verfasser hat in dem vorliegenden Unternehmen gewiss etwas sehr Zweckmässiges begonnen, indem er dem construirenden Maschinentechniker in übersichtlicher Weise, von kurzem erläuternden Texte begleitet, eine „Auswahl von Zeichnungen ausgeführter Constructionsdetails aus allen Branchen des Maschinenbaues, sowie Skizzen allgemein interessanter Apparate und einfacher Maschinen der verschiedensten Art“ bringt. Was uns in den beiden vorliegenden Heften geboten wird, ist als durchaus eigenthümlich und mittheilenswerth zu bezeichnen, und die Art, wie es geboten wird, hat in dem zweiten Hefte gegenüber dem ersten auch schon eine wesentliche Verbesserung erfahren, indem hier auf demselben Papierbogen nur Gleichartiges vereinigt ist. Eine Benutzung des Skizzenmaterials wird durch solche Anordnung, welche das Vertheilen und Sichten in Skizzenmappen wesentlich erleichtert, erst recht ermöglicht.

Wir können dem wacker begonnenen Skizzenbuche nur im Interesse derjenigen, welche es zu benutzen berufen sind, den glücklichsten Fortgang wünschen.

Anleitung zum Gebrauche des Erdbohrers. Von A. Fauck. Mit 10 lithographirten Tafeln. 75 S. (Preis 6 %). Leipzig, 1877. Arthur Felix. – -

Der als gewiegter und erfahrener Bohringenieur weitbekannte Verfasser hat in dem vorliegenden Buche aus der Praxis seines Berufes das zusammengestellt, was dem nicht specialistischen Techniker wie auch dem Laien ein übersicht

liches Bild über die Bohrtechnik überhaupt, ihre Mittel,

Zwecke und Resultate bieten kann. Die Auswahl dessen,
was dem Leser, und die Form, in der es ihm vorzuführen
war, erscheint als eine wohl überlegte, wenn auch nach unserer
Ansicht einiges Aeltere gegen die neueren Verfahren noch
mehr hätte in den Hintergrund treten können.
Seinem Inhalte nach zerfällt das Werkchen in fünf Ab-
schnitte, deren erster die Bohrwerkzeuge für drehendes und
stossendes Bohren sowie die Freifallinstrumente behandelt;
der zweite bespricht die Hilfswerkzeuge, zur Vorröhrung, zur
Erweiterung der Bohrlöcher und die Fangapparate, der dritte
die verschiedenen Arten der Bohrthürme. Zur eigentlichen

Technik des Bohrens übergehend bringt dann der vierte Ab

schnitt den Bohrbetrieb und der letztere die Unfälle bei dem-
selben und die Mittel zur Beseitigung derselben.
Bei jeder Bohrmethode werden die damit gemachten
Erfahrungen theils angegeben, theils angedeutet, ihre Anwend-
barkeit für bestimmte Verhältnisse abgeleitet, so dass das
Buch, dessen recht verständliche Darstellungsweise durch
passende Zeichnungen unterstützt wird, seinem Zwecke recht
wohl entsprechen dürfte. R. Z.

Maschinenbau.

Bemerkungen zu F. Reuleaux’s Kinematik über die Frage: Ist Reibung eine Kraft oder ein Widerstand? Von Th. Beck. 18 S. 8. (Preis: 40 Pf) Darmstadt, 1876. L. Brill. –

Es hat mehrere Jahre gewährt, dass die Reuleauxschen neuen kinematischen Anschauungen durch die Literatur und vom Katheder herab bekannt geworden waren, ohne dass sich Mitarbeiter auf diesem neuen Felde der Maschinenwissen

A. W. Schade’s Buchdruckerei (L. Schade) in Berlin, Stallschreiberstr. 47.

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Untersuchungen über den deutschen Bessemerprocess. Von Dr. Friedrich C. G. Müller, Lehrer der Naturwissenschaften a. d. Realschule I. Ordnung zu Osnabrück.

Durch die Güte des Hrn. Haarmann, Director des Eisen- und Stahlwerkes Osnabrück, habe ich seit zwei Jahren Gelegenheit gehabt, den Bessemerprocess gründlich zu studiren. Meine Arbeiten wurden auf das Wesentlichste gefördert durch den Ingenieur des Werkes, Hrn. Schemmann, dem ich für die gütige und offene Mittheilung seiner reichen Erfahrungen zum grössten Dank verpflichtet bin. Einen Theil meiner in Osnabrück gemachten Beobachtungen habe ich im letzten Märzheft der „Berichte der Deutschen chemischen Gesellschaft“ veröffentlicht, namentlich zu dem Zweck, mir auch den Zutritt zu anderen Werken zu erleichtern. Ich erkenne es dankbar an, dass alle Directoren, an welche ich mich wandte, mir bereitwillig gestatteten, ihre Werke zu besuchen und die gewünschten Proben zu entnehmen. Noch mehr Gewinn für meine Arbeit konnte ich aus der Offenheit ziehen, welche ich auf den von mir besuchten Werken angetroffen. Nament

lich hat mein Wissen durch einen mehrtägigen Auf

enthalt auf der Gussstahlfabrik zu Bochum, einem mit allen wissenschaftlichen Hilfsmitteln wissenschaftlich arbeitenden Werke, eine bedeutende Erweiterung erfahren; ich spreche deshalb auch an dieser Stelle dem technischen Director jenes Werkes, Hrn. Helmholtz sowie seinen Ingenieuren, den Herren Wasum und Schweiss gut meinen warmen Dank aus. –

§ 1. Zur Einleitung sei es gestattet, eine kurze Beschreibung des Bessemerprocesses zu geben, wie sie in jedem ausführlichen chemischen Lehrbuch zu finden ist.*) Das in Anwendung kommende Rohmaterial ist dunkelgraues Roheisen, welches nicht über 0,18 pCt.

*) Man vergleiche die ebenso reichhaltige, wie übersichtliche Abhandlung von Gurlt, über das Eisen in Hofmann's „Bericht über die Entwickelung der chemischen Grossindustrie“ II, 757. Diese Abhandlung wird im Folgenden kurz unter dem Titel „ Gurlt“ citirt werden.

XXII.

Phosphor und wenig mehr Schwefel und Kupfer enthalten darf. Unerlässlich, also charakteristisch, für das Bessemerroheisen ist ein namhafter Siliciumgehalt von 1,5 bis 2,0 pCt. Von diesem Material gelangen etwa 7500“, entweder im Cupolofen eingeschmolzen, oder bei Werken, deren Disposition es gestattet, direct aus dem Hohofen, in den Converter. Mit Hilfe starker Gebläse wird dann unter etwa 1/2 Atm. Pressung ein durch zahlreiche Düsenöffnungen möglichst vertheilter Luftstrom hindurchgetrieben. Das aus dem Abbrande zu berechnende Luftquantum beträgt etwa 150° pro Minute, das durch den Gang der Gebläse indicirte ist bedeutend grösser. Die Luft wird nicht vorgewärmt, erhält aber infolge der Comprimirung eine Temperatur von etwa 1009. Der Luftstrom bewirkt ein schnelles Verbrennen von Silicium, Kohlenstoff und Mangan, so dass nach 15 bis 18 Minuten der Process beendet und ein von jenen Substanzen fast ganz befreites Eisen erzeugt ist, welches in der Regel Platinschmelzhitze hat.

Den Process hat man in drei Perioden eingetheilt. Die erste entspricht der Feinperiode im Puddelofen; die Flamme ist schwach, mehr eine Feuergarbe, continuirliches Spectrum mit Natriumlinie. Die Verbrennung beschränkt sich also fast ganz auf das Silicium und Mangan und verläuft geräuschlos. Nach einigen Minuten beginnt die Verbrennung des Kohlenstoffs, und eine grosse Flamme von brennendem Kohlenoxyd schlägt unter donnerndem Geräusch aus dem Converterhalse. Nach etwa 12 Minuten erreicht diese zweite sogenannte Eruptionsperiode ihren Höhepunkt. Charakteristisch für diese Periode ist das Hervortreten von Liniengruppen in Grün, welche dem Mangan angehören. Allmäliges Verlöschen dieser Linien bezeichnet die dritte sogenannte Entkohlungsperiode. Die Flamme wird kleiner, zuerst durchsichtig, dann von dickem Rauch umhüllt; das Getöse im Converter hört auf. Wenn die Flamme beinahe verschwunden ist, wird gekippt. Nach Anstellung der Schlackenprobe, deren Theorie im zweiten Theil dieser

25

Arbeit gegeben werden wird, erfolgt auf fast allen

Werken ein Nachsatz von Spiegeleisen mit hohem Mangangehalt, womit eine Reduction der aufgelösten Eisenoxyde sowie eine Rückkohlung erreicht werden soll. Nach Spiegelzusatz wird auf vielen Werken noch etwas geblasen, jedoch höchstens 40 Secunden. So schnell und stürmisch der Process verläuft, ist er dennoch nicht schwierig zu verfolgen, weil es leicht angeht, zu jeder Zeit Proben aus dem gekippten Converter zu entnehmen. Nur bei abnorm gesteigerten Eruptionsphänomenen, bei denen das Eisen centnerweise ausgeschleudert werden kann, ist der Converter nicht wohl zu kippen. Allein in diesem Falle vermag man durchaus homogene Stücke im Auswurf zu finden.

Schlackenproben können ebenso leicht jederzeit erhalten

werden. Schwieriger ist es, Gase und Flugstaub während des Processes für die Analyse aufzufangen.

§ 2.

Obgleich zugegeben werden muss, dass es ein gutes Stück Arbeit ist, eine Charge gründlich durchzuanalysiren, ist es doch befremdlich, wie wenig derartige Untersuchungen veröffentlicht sind. Diese wenigen fallen zudem in die Kindeszeit der betreffenden Werke. Zu erwähnen sind die werthvollen Untersuchungen von Snelus zu Dowlais*), sowie die leider ohne genaue Zeitangaben veröffentlichten Analysen der Charge 599 zu Neuberg vom Jahre 1867. Beide Untersuchungen bilden noch in den neuesten Lehrbüchern und Abhandlungen die thatsächliche Grundlage für die Besprechung und Theorie des Bessemerprocesses. Weniger bekannt sind vier Chargenuntersuchungen, welche in einer mit sehr werthvollem Versuchsmaterial ausgestatteten Abhandlung von Garke**) enthalten sind. Die erste derselben ist auf Veranlassung des für die Bessemertechnik verdienten John Brown in Sheffield untersucht, die zweite, wenn ich recht verstehe, auf dem Stahlwerk Hösch zu Dortmund. Besonderes Interesse verdienen zwei in der genannten Abhandlung graphisch dargestellte Chargen vom Stahlwerk Osnabrück aus dem Jahre 1871. Die betreffenden Analysen sind von Kessler ausgeführt und von demselben auch veröffentlicht, ohne Nennung des Werkes.*) Endlich finden sich in dem neuesten Werke Kerpely’sf) Analysen einer zu Reschitza in Ungarn erblasenen Charge von 1870.

Der durch die angeführten Analysenreihen bestimmte Verlauf des metallurgischen Processes im Converter ist in zwei Fällen (Osnabrück II, Reschitza ++)) ein nahezu idealer, d. h. die Abbrandscurven laufen in der graphi

*) Vergl. Dingler's „Polytechn. Journ.“ 200, 25. **) Garke, Untersuchungen über die Bruchfähigkeit des Schienenstahls. „Zeitschr. für Bauwesen“ XXVI, 423. ***) Dingler’s „Polytechn. Journ.“ 205, 437. †) Kerpely, Ungarns Eisensteine und Eisenhüttenerzeugnisse. ††) In der Abhandlung von Dr. E. F. Dürre: „Das Eisenhüttenwesen auf der Wiener Weltausstellung“, diese Zeitschrift XIX, 721, finde ich für die Charge von Reschitza andere Werthe als bei Kerpely, so dass der Verlauf dem der Neuberger Charge ähnlich wird.

schen Darstellung ziemlich geradlinig auf einen Nullpunkt zu. Obgleich auch in Bochum früher ein derartiger Gang der Charge in zwei Fällen festgestellt ist, scheint er niemals regelmässig aufgetreten und gegenwärtig aus der Praxis ganz verschwunden zu sein. Eine zweite Art des Bessemerprocesses, repräsentirt durch die angeführten Chargen von Neuberg und vom Stahlwerk Hösch, welche nach meinen Erkundigungen früher in Deutschland ziemlich verbreitet gewesen sein muss, nähert sich, soweit das Silicium in Frage kommt, dem englischen Processe: Die Siliciumcurve fällt anfangs steil ab, wird in der Mitte flacher, erreicht aber gegen Ende die Abscissenaxe, so dass bei 2,0 pCt. Si im Roheisen ein siliciumfreier Stahl entsteht. Die Kohlenstoffcurve hingegen, von Anfang an fallend, ist die nämliche wie in den unserer heutigen Arbeit beigefügten Diagrammen. Auch diese Species ist gegenwärtig verschwunden, wohl aber existirt eine Abart in dem unten näher zu besprechenden schwedischen Process, mit weniger als 1 pCt. Silicium im Roheisen. Die dritte Art des Processes zeigt sich in der sogenannten kalten Charge. Die Anfangstemperatur liegt nur wenig über dem Schmelzpunkte des Roheisens; infolge dessen ist die Verbrennung des Kohlenstoffs in den ersten 4 Minuten (mitunter 15 Minuten) gleich Null. Dagegen verbrennt das Silicium von vornherein sehr rasch und steigert die Temperatur bis zur Entzündung des Kohlenstoffs, welche bei etwa 14000 erfolgt. Falls der Gehalt an Si im Anfange nicht über 2 pCt. hinausgeht, ist dasselbe bereits in der Mitte des Processes fast verschwunden. Diese älteste von allen vom Cupolofen arbeitenden englischen Werken - noch heute beibehaltene Art des Bessemerprocesses bezeichnen wir fortan als den „englischen Process“.

§ 3.

Ganz verschieden von den vorher charakterisirten, theilweise erloschenen Arten des Bessemerprocesses ist diejenige, welche ich zuerst in Osnabrück, später auf dem Stahlwerk Hösch und der Union zu Dortmund, sowie in Bochum genauer verfolgt habe, und wie dieselbe Privatmittheilungen zufolge wol auf allen deutschen Werken zur Zeit zu finden ist. Wir bezeichnen diese Art als den „deutschen Bessemerprocess“. Ein flüchtiger Blick auf die folgenden von mir ausgeführten Analysenreihen und die zugehörigen Diagramme genügt zur Erkennung der Charakteristik, nämlich der zweiten Hitzperiode am Ende des Processes.

Vor Aufführung der Ergebnisse der Analysen sei bemerkt, dass sämmtliche Proben, mit Ausnahme der zu Charge II gehörenden, in meiner Gegenwart entnommen und zerkleinert wurden. Die Roheisenprobe nahm man aus dem Converter, nachdem einige Secunden geblasen. Alle Analysen sind von mir selber nach den besten Methoden, welche in Zusatz II näher besprochen werden sollen, ausgeführt. In den Diagrammen sind nur die Analysenresultate in Procenten eingetragen, nicht die schwer zu ermittelnden absoluten Mengen.

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