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Beispiele von der intelligenten Bauart und der grossen

Leistungsfähigkeit englischer Bahnhöfe. Die meisten derselben sind Kopfstationen und liegen theilweise mitten in dem bevölkertsten Theil in der City. Den Abschluss vor Kopf bildet bei vielen derselben ein riesiges Bahnhofshotel. Auf dem Vorhofe des Hotels findet die Auffahrt der Equipagen und Wagen in einer Richtung statt. Auf dem Wege von der Auffahrt bezw. den Eingängen durch die unteren Räume des Hotels befinden sich die Billetschalter nebst dem Gepäckbüreau. Beim Betreten der grossen überdeckten Bahnhofshalle kommt man zu einem, die ganze Breite der Halle einnehmenden grossen Perron, an dem die Gleise, 9 bis 12 an der Zahl, abschliessen, und von welchen aus zungenartige Perrons zwischen die Gleise laufen. Dieser Perrons sind so

viele, dass die Hauptzugrichtungen, der locale und grosse Verkehr, die ankommenden und abgehenden Züge bestimmte Gleise und Perrons für sich haben. Die Auffahrt der Droschken u. s. w. zur Aufnahme der ankommenden Passagiere geschieht vielfach durch einen Tunnel mit geneigter Ebene unter den Gleisen her, so dass die in der Halle ankommenden und in derselben unmittelbar neben den Perrons in einer Reihe haltenden Wagen mit den Pferden gegen das abschliessende Gebäude stehen. Wenn beladen, fahren sie gerade fort durch eine für sie bestimmte Ausfahrt des Gebäudes auf den Vorplatz des Hotels und von da auf die Strasse. Das Abgehen des Publicums von den Bahnhöfen geschieht ebenfalls getrennt von den Eingängen durch besondere Ausgänge. (Schluss folgt.)

Die Quellwasserleitung der Stadt Frankfurt aM. Von Fr. Marx.

(Vorgetragen in der Versammlung des Siegener Bezirksvereines vom 29. September 1877.)

Das Wasser ist unzweifelhaft eines der wichtigsten Nahrungsmittel, „denn wenn das Leben Stoffwechsel ist, so ist Flüssigkeit des Lebens unerlässliche Bedingung.“ Alle Verbindungen und Zersetzungen, welche die Thätigkeiten unseres Körpers im Stoffe hervorrufen, sind nicht möglich ohne Wasser. Daher ist denn auch das einfachste Getränk zugleich das nothwendigste von allen, und tritt an alle Städte früher oder später die Aufgabe und deren Lösung heran, das erforderliche Quantum von gutem Trink- und Nutzwasser zu beschaffen. Obgleich die Wasserversorgung der Städte

wesentlich von den localen und geognostischen Verhält

nissen abhängig ist, so lässt sich im Allgemeinen die

selbe in Beziehung der Wasserentnahme nach zwei Richtungen verfolgen und zwar:

1) In der Zuführung natürlicher Quellen von höher

gelegenen Gebirgspartien, wobei darauf zu achten ist, dass die Ursprungsstellen derselben für alle Zeiten von der Nachbarschaft irgendwie differenter Stoffe befreit

werden, auch die Aufräumungs- und Fassungsarbeiten

selbst jede Garantie einer guten Qualität für alle Zeiten bieten, und die technische Ausführung der Zuleitung vollkommen möglich ist. 2) Die Entnahme des Wassers aus Flüssen und Bächen, die sogenannten Flusswasserwerke, wobei, um das Wasser brauchbar herzustellen, vor der Entnahme eine natürliche oder künstliche Filtration stattfinden muss. - » Abgesehen davon, dass die sogenannten Flusswasserwerke zur Hebung der Wasser die Anlage kostspieliger maschineller Kräfte bedingen, so sind andererseits Bäche und Flüsse steten unzähligen, zufälligen und regelmässigen Verunreinigungen unterworfen. Daraufhin dürfte denn auch für Frankfurt bei dem grossen Wasserreichthum der Quellen im Bieber- und Casselgrunde im Spessart, sowie der Quellen bei Fischborn im Vogelsberg die Lösung der Wasserversorgungs

frage in der Zuführung obiger Quellen mit Recht gefunden worden sein. * Es braucht wol kaum einer Erwähnung, dass vor

der Ausführung eines grösseren Wasserwerkes die Qua

lität des zu entnehmenden Wassers festgestellt sein muss, und so wurde denn bei der Generalversammlung am 25. April 1872 die Beschaffenheit des Wassers der jetzigen Frankfurter Quellwasserleitung dahin constatirt, dass es alle diejenigen Haupteigenschaften habe, welche von einem Wasser vollkommenster Qualität zu verlangen sind. – Nach dieser kurzen Einleitung gestatte ich mir, in wenigen Umrissen die geographische Lage und geognostischen Verhältnisse des Spessart und Vogelsberg vorzuführen. so «Von dem Nordrande des Schwarzwaldes an erhebt sich als waldiges Massengebirge mit abgerundeten Kuppen der Spessart als die Fortsetzung des Odenwaldes aus dem Mainthal und schliesst hier die Reihe der Erhebungen des Schwarz- und Odenwaldes, deren Erhöhungen aus Gneiss und Granit bestehen; der bunte Sandstein umgiebt diese Gebirgskerne zunächst und bildet einzelne isolirte Kuppen auf den Höhen. Mit dem Spessart endigt der bunte Sandstein, und stellt sich nun die westliche Grenze des Rhein-Systems auf eine sehr bestimmte Weise von Friedberg an mit dem Rande des niederländischen Schiefergebirges ein. Der äussere Saum längs des Mains, namentlich im Westen wird der Vorspessart, das innere aus dicht zusammenschliessenden Bergen bestehende Waldgebirge, welches keine breite Bergebene aufweist, als Hochspessart, die plateauartige Absenkung gegen die Kinzig und Kohl hin, als Hinters pessart bezeichnet. Die höchste Kuppe des Spessart ist der Geyersberg von 605“ über dem Meere. Kleinere Bäche entspringen demselben, so z. B. die Lohr, Aschaff, Kohl, welche nach Ost, Süd und Südwest zum Main fliessen. Grösser ist die Kinzig, welche nach südwestlichem Laufe bei Hanau mündet. Im Kinzigthale, beziehentlich im Bieber- und Casselgrunde in der Nähe der Quellen der Frankfurter Quellwasserleitung soll nach den Anführungen in der Festschrift der diesjährigen Hauptversammlung zu Frankfurt sich ein schmales, vielfach zerrissenes Band von Zechstein, Kupferschiefer und Rothliegendem zwischen dem Buntsandstein und den Vorbergen des Spessart, welche aus einer Schichtenfolge von Gneiss und Glimmerschiefer bestehen, hindurch schlingen. Die vielfache Zerklüftung dieser Schichten, sowie der mehrfache Wechsel verschiedenartiger Gesteine auf einem sehr engbegrenzten Gebiete, mit steil ansteigend sich erhebenden Bergen und tief eingeschnittenen Thälern sind nach obiger Festschrift als Hauptursache des ausserordentlichen Wasserreichthums anzusehen, dessen sich der Cassel- und Biebergrund erfreuen. s Zwischen dem Gebiete der Lahn, andererseits zwischen der Kinzig und Fulda erhebt sich der basaltische Vogelsberg, welcher durch das Kinzigthal vom Spessart geschieden wird. Dem Vogelsberg entspringen zahlreiche kleine Bäche, die nach allen Himmelsgegenden strahlenförmig abfliessen, die Nidda mit der Nidder im Osten und die Wetter im Westen zum Main, die Ohm zur Lahn, die Schwalm zur Eder, die Altfell und Lüder zur Fulda. Die Quellen im Vogelsberge, welche die Frankfurter Quellwasserleitung speisen, liegen beim Dorfe Fischborn in einer flachen Mulde eines Hochplateaus, welches auf beträchtlichem Umkreis aus blasigem Basalt besteht, der auf einer schwer durchlässigen Schicht derben Basaltes liegt und so die natürlichen Sammelbecken und Reservoire für die atmosphärischen Niederschläge bildet. Bevor ich zur Beschreibung der Quellenfassung am Vogelsberge übergehe, möchte ich an den interessanten und geistreichen Vortrag des Hrn. Dr. Volger über Quellenbildung, mit Rücksicht auf die Wasserversorgung der Städte, bei der vorjährigen Hauptversammlung zu Frankfurt aufmerksam machen (s. Novemberheft des vorigen Jahrganges); welcher allseitig mit grosser Aufmerksamkeit verfolgt wurde, der Kürze der Zeit wegen aber nicht zur Discussion gelangte. Hr. Dr. Volger bekämpft die Lehre, dass die Quellen von den Regenniederschlägen kommen; vielmehr entstehen die Quellen nach seiner Forschung aus der alles durchdringenden Atmosphäre. Dieser Theorie kann ich mich vorab nicht anschliessen, stehe derselben vielmehr vom bergtechnischen Standpunkt aus und mit Rücksicht der beim Bergbau gemachten Erfahrungen ganz entschieden fern. Schon Aristoteles sagt ausdrücklich, dass Berge und andere hochgelegene Orte die atmosphärischen Niederschläge anziehen, in Höhlen sammeln und als Quellen abfliessen lassen. Die beim Bergbau gewonnenen Thatsachen, die geognostische Kenntniss von der Beschaffenheit und dem Wechsel der Gebirgsformationen, die Erscheinungen der artesischen Brunnen lassen den Ursprung der Quellen mit Sicherheit und Klarheit erkennen. Die atmosphärischen Niederschläge (die Meteor

wasser), das Wasser der Bäche, Flüsse, Seen, Gletscher

sind die natürlichen Erzeuger der Quellen. – Zum Zweck der Anlage eines Wasserwerkes zur Versorgung der Stadt Frankfurt mit gutem Trink- und Nutzwasser bildete sich im Jahre 1870 eine Actiengesellschaft „Frankfurter Quellwasserleitung“, welche den Bau mit der eigentlichen Quellenaufdeckung und den Fassungsarbeiten der Fischborner Quellen am Vogelsberg Mitte März 1872 begann. Die ganze Anlage ist nach dem Project des Hrn. Ingenieur Schmick, welcher auch den Bau unter Mitwirkung des Hrn. Ingenieur

Carl Friedrich, jetziger Director der Frankfurter

Quellwasserleitung und des Hrn. Blecken ausführte. Unter den vielen in der Thaleinsenkung bei Fischborn stattfindenden Quellenaustritten, die es den Bewohnern von Fischborn möglich machen, im eigenen Wohngebiete Quellwasser zur Verfügung zu haben, sind wol die ergiebigsten Quellen in drei Gruppen vereinigt, von denen eine jede in einem gewissen Zusammenhang zur Fassung gelangt ist. Die erste östliche Gruppe wird gebildet durch die Quellen in der Aue. Die Quellen dieser Gruppe laufen in einem Ssmmelstolln zusammen, welcher in einer elliptischen wasserdichten Ausmauerung hergestellt und zugleich fahrbar (gangbar) ist. Bei der Besichtigung und Befahrung war dieser Sammelstolln in seiner ganzen Länge beleuchtet, was auf alle Besucher einen jedenfalls unvergesslichen Eindruck hervorrief. Nicht unerwähnt lasse ich, dass über der Sohle des Stollns in der Mitte ein in Cementmauerung ausgeführtes Gerinne, worüber man gleichzeitig ging, hergestellt war, in welchem das Wasser für den Fall einer Untersuchung oder einer Verunreinigung einer jeden einzelnen Quelle abgeführt bezw. von den übrigen ausgeschaltet werden kann. Bei der Aufdeckung und Fassung haben sich im Ganzen 139 kleinere und grössere Quellen ermittelt, welche bis zu ihren Ausgangspunkten im geschlossenen Gestein verfolgt worden sind. Die Felseinschnitte sind alsdann mit umgekehrten Cementrinnen und darauf gesetztem Beton dicht überwölbt, wodurch ein wasserdichter Abschluss hergestellt und das Eindringen der Tagewasser unmöglich ist. Die zur Verwendung gekommenen Betonmaterialien und Cemente sind vorher auf ihr relativ indifferentes Verhalten zum Wasser geprüft worden und zeigten nach ihrer Erhärtung vollkommene Einflusslosigkeit. Ihre durchschnittliche chemische Zusammensetzung ist wie folgt angegeben:

Kieselsäure . . . . . . 23,85 Thonerde . . . . . . 7,58 Eisenoxyd . . . . . . 4,26 Kalkerde . . . . . . 58,99 Magnesia . . . . . . 1,63 Kali . . . . . . . . 1,18 Natron . . . . . . . 0,42 Kohlensäure . . . . . 1,40 Wasser . . . . . . . 0,53 Schwefelsäure . . . . . 0,14 99,98.

(Schluss folgt.)

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