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59 findet sie sich doch auch in der beschriebenen Gestalt bei Erwachsenen vor. Die Behauptung von Schmidt ), dass immer ein vierwöchiger Verlauf dieser Entzündung eigen sey, ist gegen die Erfahrung. Die Ursache des häufigen Vorkommens dieser Entzündung bei Kindern in den ersten Tagen nach der Geburt ist in der vorschreitenden Evolution des kindlichen Organismus so begründet, dass schädliche Potenzen diese zu setzen vermö– gen. Während des Fötuslebens ist die Haut gefässreich, dem Charakter der Schleimhäute entsprechend und stark absondernd. Nach der Geburt steigert sich die Thätigkeit der mukösen Häute und der ihnen entsprechenden Secretionsorgane; gegen diese, also auch gegen die Con– junctiva findet ein vermehrter Zufluss der Säfte Statt. Die Erfahrung zeigt, dass auch die kräftigsten Kinder von dieser Entzündung befallen werden, dass schwächliche, cachektische, von phtisischen, scrophulösen etc. Eltern gezeugte Kin– der nicht mehr disponirt sind, (was gegen die bestehende Meinung spricht) als robuste saftvolle Individuen. Die Erkältung, besonders jene der Augengegend, scheint uns vorzüglich schädlich und diese Entzündung setzend zu wirken; das derbe Waschen des Auges mit einem rauhen verunreinigten Badschwamm, die langsam vorschreitende Geburt, vermöge welcher starke Stockungen der Säfte in der Orbita entstehen, Störungen in den Verdauungsorganen und Ueberladung des Körpers mit Auswurfsstoffen, gesetzt durch eine verdorbene Muttermilch oder durch zurück– gehaltenes Meconium *), dieses scheinen mir die vorzüglich bedingenden Potenzen zu seyn.

4 Oph. Bibliothek. 3. B. 2. St. S. 126. 2) J. P. Franck, Epitome. P. 2. p. 69.

Die Einwirkung des unvorsichtig auf das kindliche, zart gebaute Auge zugelassenen Lichtes, dessen es bis jetzt entbehrte, wurde von be– rühmten Männern als vorzügliche Ursache mit Unrecht, wie Jüngken") hinlänglich dargethan, aufgestellt. Das Auge, zu kuglicht gestaltet, bricht die Lichtstrahlen zu sehr, als dass sie die Retina mit der Spitze des Lichtkegels zu berühren ver– mögend wären, zudem schläft noch das Sinnen– leben, das erst allmählig durch die äussern Eindrücke geweckt wird. Auch würde, wenn diese Ursache bestünde nicht die Blepharoconjunctiva, sondern der Augapfel selbst aflicirt werden *). Doch sind wir Ä geneigt, einem zu grellen Lichte alle Schädlichkeit hier absprechen zu wol– len. Wenn die Mütter an einem syphilischen oder auch gutartigen weissen Flusse leiden, so kann beim Durchgange des Kopfes durch die Vagina der scharfe dort abgesonderte Schleim auf das Auge einwirkend diese Ä hervor– rufen. Besonders ist der Luftkreis, der oft in seinen eigenen Bestandtheilen sündiget oder mit fremden Stoffen geschwängert ist, in welchem das Individuum lebt, zu berücksichtigen. In Gebär – und Findelhäusern scheint die Decomposition der Atmosphäre durch das Zusammenleben vieler Menschen, durch die Zumischung der se – und excernirten Stoffe der Wöchnerinnen und Kinder hervorgebracht, die Entzündung endemisch zu setzen *). 1) Nunquam lux clara ophthalmiae neonatorum causa est occasionalis. Berolini. 2) Metsch de blepharophthalmia blennorrhoica recens natorum. p. 52. Berolini. 3) Ich halte dieses Uebel nicht für contagiös, obgleich der in diesen Fällen ausfliessende Schleim eine solche Schärfe gewinnt, dass, wie Jägers Versuche, den Pannus zu heilen, beweisen, leichte blennorrhoische Entzündungen durch das Einbringen desselben in das Auge hervorgebracht werden.

Bei Erwachsenen entsteht sie vorzüglich durch die Einwirkung eines zersetzten Luftkreises gewöhnlich aus einer einfachen Blepharoconjunctivitis, wenn sich die Kranken in Ställen, Kloaken, engen dumpfigen Wohnungen etc. aufhalten. Man irrt sehr, wenn man glaubt, dass diese Ent– zündungsform nur, wenn sie durch syphilitisches Contagium gesetzt ist, den ophthalmoblennorrhoischen Charakter annehme.

Die Behandlungsweise dieser Krankheit wird so verschieden angegeben, dass gewisse Mittel von guten Aerzten empfohlen, von andern als schädlich verworfen werden. Gerade sich ent– gegenstehende Methoden werden aufgestellt. Es scheint dieses daher zu rühren, dass die Behand– lung nach den verschiedenen Zeiträumen der ver– laufenden Entzündung und nach der individuellen Stimmung des Patienten und des Auges insbesonders differirt; auch vermag jede der aufgestellten Methoden gelungene Heilung für sich anzuführen, da öfters diese Entzündung leicht verlauft und die Naturthätigkeit stark genug ist. nicht nur die Krankheit, sondern auch die Eingriffe einer unpassenden Behandlung zu besiegen. Eine Behandlungsart, die häufig noch Statt findet, besteht in Anwendung erweichender Mittel zum Auswaschen und Fomentiren des Auges, nach einigen in Form der Cataplasmen ). Die– ses Verfahren findet nicht ungestraft. Statt; durch den erhöhten Wärmegrad wird die Sensibilität

1) Die Milch empfehlen Frank (Epitome de curandis hominum mörbis, p. 2. p. 69), Carus ( Lehrbuch der Gynäkologie, 2. B. S. 62 1 ), Bernstein (praktisches Handbuch der Geburtshülfe, S. 153). Kort u n (Handbuch der Augenkrankheiten) empfiehlt die Cataplasmen,

Demours (i. a. W. S. 198), das Auswaschen mit dem
Infus. Sambuc.; andere rathen hier ein loccoct. Alth,

Malv, Verbasc., Chamomill. etc. . . . . - -

mehr und mehr gesteigert, mithin die Differenzirung des Capillarsystems vermehrt, die Stockun

gen im Lymph- und Venensystem nehmen mehr

überhand, der Zusammenhang der Theile unter sich wird vermindert, und die Auflockerung der– selben gesteigert. Die Erfahrung zeigt, dass auf die Anwendung erweichender Mittel die Röthe und Geschwulst sich vermehren, der Schleimfluss häufiger wird, die Erschlaffung des obern Augenliedes so zunimmt, dass dasselbe einen halben Zoll über das untere herabhängt, dass durch die– sen verkehrten Heilplan die Krankheit in die Länge gezogen wird. Eine dieser Behandlungsweise gerade entgegengesetzte beruht auf Anwendung adstringirender Mittel, welche von einigen ") durch alle Sta– dien des Uebels, von andern blos nach verlau– fener Irritation und gegen das Ende der Krankheit angewendet werden. Es wird dem unbefangenen Beobachter nicht entgehen, dass dieses Verfahren, einseitig und nicht den wechselnden Zuständen der Entzündung entsprechend ist. Wenn es auch zweckmässig ist,

4) Ware rühmt das Baté'sche camphorirte Vitriolwasser unter allen Umständen in jedem Stadium und in jedem Grade der Krankheit als das zuverlässigste Mittel. Die Vorschrift ist: Rec.: Vitriol. roman, Bol. armen. âäunc. iv. Camphor. unc.j. Eine Unze dieses Gemisches wird mit einem Pfunde siedenden Wassers übergossen, colirt, und beim Gebrauche ein Quintchen des Liquors mit zwei Unzen Wasser vermischt. Es wird auch auf folgende Weise verschrieben: Rec: Cupr. sulphuric. Bol. armen. ää gr.viij. Camphor. grij. m. et infund, aq bullient. uncviij. Dieser Liquor soll bei Zunahme des Uebels verstärkt werden. Er wird zum Ausspritzen des Auges - benutzt, auch werden Compressen, hiermit befeuchtet, auf das Auge gelegt. Richter (Anfangsgründe der Wundarz. § 562.) Schmidt (ophthalmologische Bibliothek 3. B. 2. St. p. 13o.) theilen diese Ansicht. Schmidt glaubt, weniger adstringireude Metallsalze, nemlich das Blcicxdie überwiegende Arteriellität, das differenzirte Capillargefäss durch solche Mittel zu depotenziren, welche die Expansion hindern, so darf die– ses doch nicht mehr geschehen bei gebildeter Exsudation, indem dadurch die Tendenz der Entzündung zur sarkomatösen Verbildung gesteigert würde, und Stockungen und Trübungen in der Hornhaut gesetzt würden. Was die allgemeine Behandlung betrifft, so waltet hier verschiedene Ansicht ob. Beer) scheint das Uebel als symptomatisch zu beachten, und verlangt die Behandlung mit flüchtigen und anhaltend stärkenden Mitteln. Schäffer *) und andere würdige Männer bestehen besonders auf der Reinigung der Digestionsorgane und su– chen die zweckentsprechenden Ableitungen zu bewirken durch Brech – und Abführungsmittel, Kly– stiere, Vesicantien etc. Man verliere bei der Behandlung niemals aus dem Gesichte, dass örtliche und allgemeine Behandlung sich die Hände bieten müssen. Man erforsche das ursächliche Verhal– ten der Entzündung. Ist die Entzündung Folge eines constitutionellen Leidens oder eines Giftes,

tract und der Zinkvitriol in den ersten zwei Stadien dem Baté'schen Liquor vorziehen zu müssen. Seine Vorschrift ist: Rec.: Aq. destill. unc.x. Vitr. Zinc scr.j Extract. Saturn. dr. 3. Spirit. vin. camph. drij. Damit wird das Auge ausgewaschen und dann getrocknet. Vermindert sich der Schleimfluss und die Röthe der Cönjunctiva, dann wird der Bate'sche Liquor angewendet. Spricht sich in der Bindehaut die Neigung zur luxurirenden Afterorganisation aus, dann wird eine Merkurialsalbe angewendet. Be er lässt in allen Stadien des Ucbels Compressen mit kaltem Wasser benetzt, auf das Auge legen. In den meisten Fällen, die ich zu beobachten Gelegenheit hatte, war der Erfolg günstig,

4) J. a. W. 4. B. S. 32 1.

2) Von der Eiterung der Augendcckeldrüse, in der Sammlung auserl. Abhand., B. 44. St. 1. S. 78.

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