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Thränensacks erkennt man, wenn aus dem Aegilops nicht allein Eiter, sondern auch Schleim – und Thränen fliessen, wenn diese in solcher Menge hervorquellen, dass der einfache Abscess diese Quantität nicht zu enthalten vermögend wäre. Das Sondiren setzt dann in vollkommene Ge– wissheit. Die auf diese Weise gebildeten Fi– stelgänge widerstehen oft auch der zweekmässigen Behandlung hartnäkig, besonders wenn der Nasengang aufgelockert ist. Hat die Entzündung eine Obliteretion der Thränenpünktchen gesetzt, so bleibt ein unheilbares Thränenträufeln zurück.

Individuen mit einem feinen empfindlichen Hautorgan scheinen geneigter zu dieser Entzündungsform zu seyn, als jene, deren Haut derb ist. Schnelle Veränderungen der Temperatur des Auges und consensuelle gastrische Reitze liegen oft dieser Entzündung zu Grunde. Als eine diese Entzündung vorzüglich begünstigende Ursache giebt Beer !) ein heftiges anhaltendes Weinen, bei einem zarten ÄÄ Hautorgan an, wenn sich der Weinende zugleich schnell einer kalten Zugluft aussetzt. Diese Ursache scheint je– doch nicht gegründet.

Nach Entfernung des Ursächlichen beschränkt sich die Behandlung im Anfang auf Anwendung erwärmter Kräutersäckchen, wie bei der Rothlaufentzündung überhaupt. Kalte Umschläge wir– ken schädlich. Man versetze das Auge in eine befreundete trockene Atmosphäre. Beginnt der Ei– terungsprocess, so werde dieser durch warme Breie unterstützt. Sobald die Fluctuation deutlich ist werde der Abscess geöffnet. Hat die Naturthätig– keit schon die Eröffnung bewirkt, so werde, wenn der Eiter keinen leichten Ausfluss hat, die Wunde vergrössert.

Auf das Leiden des Thränensacks muss noch

1 ) I. a. W. 4. B. S. 335.

besonders Bedacht genommen werden. Hat eine Trennung im Zusammenhange desselben Statt, so bewirke man, dass die Wunde des Thränensackes und jene der allgemeinen Decken in paralleler Richtung zu einander stehen; man vergrössere die äussere Wunde, damit der Schleim und der Eiter leicht ausfliesst. Man suche die krankhafte Stimmung der Schleimhaut des Thränensackes, und den abnormen Secretionszustand desselben durch passende Einspritzungen, z. B. einer Sublimatsolution, zu entfernen; während man die äussere Wunde solange durch eingeschobene Bourdonette offen hält, bis die Wunde des Thränensacks geschlossen ist. Diese Fisteln sind der Art, dass sie die sogenannte Operation der Thränenfistel nicht verlangen, da sie ohne krankhaften Zustand des Nasenganges bestehen.

Von der Conjunctivitis.

Die Entzündung spricht sich, in der Conjunctiva wurzelnd, auf zweifache Weise aus; dieselbe ist entweder mit Blennorrhöe oder ohne diese vorhanden. Jede Conjunctivitis zeigt zwar in bestimmten Stadien auffallende Veränderungen der Schleimsekretion, allein nur einzelne Fälle der Entzündung sind mit einer vollkommenen Blennorrhöe vermählt. Darnach bilden sich zwei Rei

hen der Entzündungen dieses Gebildes. Obgleich

die Conjunctiva in allen Entzündungsprocessen ihrem Charakter getreu als Schleimhaut sich verhält, so ist doch in der Reihe der blenorrhoischen Entzündungen dieser Charakter deutlicher ausgesprochen. Das Auftreten dieser Entzündungen darf nicht dem Quantitativen der irritirenden Potenzen und der Receptivität des Gebildes zugeschrieben werden, sondern es rührt dieses von

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einer qualitativ vcränderten Mischung und qualitativ verändernden Ursachen her. Mehrentheils werden diese Entzündungen durch specifische Ursachen hervorgerufen, denn die Natur sucht das tiefe Eindringen derselben in den Organis– mus durch Entgegenstellung einer heftigen Absonderung zu verhüten; oder aber wir finden sie bei Individuen, bei welchen die Reproduction feh– lerhaft und vorherrschend gestimmt ist, und die übrigen Dimensionen zurückgedrängt sind. Jene Individuen, bei welchen Ueberschuss an Lymphe, Eyweiss und Serum sich vorfindet, der Cruor in geringer Menge vorhanden ist, bei welchen die Muskelfaser blafs, und Mangel an Kraft sich zeigt, sind vorzüglich den blenorrhoischen Entzündun– gen unterworfen. Es treten diese Entzündungen in drei verschiedenen Formen auf: a) Conjunctivitis blennorrhoica, b) C. gonorrhoica, c) C. contagiosa. Die Entzündungen ohne Schleimfluss treten in verschiedenen Gliedern anf, welche gleichsam als Stufen zu einem höhern Grade der Entzün– dung, nemlich zur Phlegmone oculi angesehen werden können; man darf sich hier Ä nicht denken, als müsste immer ein stufenweises Durch– laufen durch die verschiedenen Glieder Statt finden, sondern jedes der einzelnen Glieder besitzt eine gewisse Selbstständigkeit. Die Glieder, wel– che hier aufgestellt werden, sind: a) Blepharo– conjunctivitis, b) Conjunctivitis, welche letztere bald als Taraxis, bald als Chemosis, oder als Pleg– mone, nach grösserer oder geringerer Extension und Intensität der Entzündung sich formt. Die Conjunctivitis blennorrhoica spricht sich gewöhnlich nur unter der Form der Blepharo– blennorrhoe aus, kann aber auch zu Ophthalmo– blennorrhoe sich steigern. Die Ränder der Augenlieder sind geröthet und gescbwollen; die die

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innere Fläche des Augenliedes überziehende Schleimhaut lockert sich auf, wird geröthet, und nimmt im erhöhten Zustande der Entzündung ein sar– comatöses Ansehen an. Es wird ein anfangs weisslichter, dann gelblichter dicker Schleim in beträchtlicher Menge abgesondert, der bei jedem Versuche, die Augen zu öffnen, herausfliesst. Der bedeutenden Lichtscheue wegen sind die Augen krampfhaft geschlossen. Die äussere Fläche der Augenlieder wird hochroth, in das Braune spielend; die Augenlieder selbst, besonders das obere, sind beträchtlich geschwollen. Oft drängt sich die sarcomatös verbildete Schleimhaut zwi– schen der Augenliedspalte hervor, so, dass durch das Schreien des Kindes, oder durch eine un– vorsichtige Bemühung, die Augenlieder von einander zu ziehen, ein Ectropium verursacht wer– den kann. Bisweilen entsteht eine Blutung aus dem Auge, welche sich einigemal wiederholt, und beträchtliche Verminderung der Entzündung und Geschwulst nach sich zicht. Ebenso verhält es sich, wenn der secernirte Schleim mit Blutstreifen durchzogen ist. Als ungünstige Erscheinung aber ist das Ausfliessen einer jauchichten, stinkenden, dem Fleischwasser ähnlichen Flüssigkeit, die die Destruction einzelner Theile bezeichnet, zu betrachten. Oft beschränkt sich diese Ent– zündung auf die Blepharoconjunctiva, es schwin– den allmählig die Erscheinungen, ohne dass eine Nachkrankheit der Entzündung folgt, Bei fortdauernden schädlichen Einflüssen schreitet die Entzündung auf die Conjunctiva des Aug– apfels, es wulstet sich diese auf, und röthet sich; sie sondert eine eiterförmige Flüssigkeit ab, ge– winnt endlich ein sarcomatöses Ansehen, so dass die Hornhaut begraben und nur noch in ihrer Mitte sichtbar erscheint. Die abgesonderte Ma– terie legt sich oft in Flockon über die Hornhaut

hin, so, dass diese in Eiterung zu stehen scheint. Oft trübt sich die Hornhaut, das Bindehautblätt– chen derselben hebt sich, die im lamellösen Theile der Hornhaut befindliche Feuchtigkeit, sulzartig gerinnend, bewirkt Verdunklung, welche manchmal nach verlaufener Entzündung als Nephelium zurückbleibt. Bisweilen bildet sich in der Hornhaut selbst ein Eiterungsprocess aus, sie wird, weiss, und schichtet sich gegen ihren Rand, wie die Blätter eines gelesenen Buches auf; sie verwandelt sich, indem sie immer mehr und mehr aus der sie umgebenden Bindehaut sich emporhebt, in einen Abscess, der sich allmählig unter heftigen Schmer– zen öffnet. Die Eröffnung des Hornhautabscesses geschieht cntweder mit mehreren Oeffnungen, in– dem der Eiter die Hornhaut an verschiedenen Stellen destruirt und den Austritt sich verschafft; bisweilen scheint die Gangränescenz einzelner Punkte derselben sich zu bemächtigen; die Iris drängt sich dann durch diese Oeffnungen in Form eines beerenförmigen Ringes hervor und bildet das Staphyloma racemosum; oder aber die Hornhaut berstet in ihrer Mitte mit einer einzigen Oeffnung; nicht selten drängt sich die Linse, selbst der Glaskörper durch die Oeffnung her– vor, so, dass der Augapfel grösstentheils entleert wird. Das bisweilen sich aussprechende fieberhafte Allgemeinleiden ist nicht Folge der Ent

zündung, sondern der Zerrüttung der Constitu–

tion und jener Einflüsse, welche die Entzündung setzten. Gewöhnlich werden Kinder, 3–4 Tage, selbst oft mehrere Wochen nach der Geburt von dieser Entzündung befallen, wo sie dann die Benennung Ophthalmitis neonatorum oder Blepharoblennorrhoea infantum recens natorum trägt. Obgleich diese Entzündungsform dem kindlichen Organismus vorzüglich eigen zu seyn scheint, so

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