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spricht in Hinsicht der Intensität der Entzündung und des Ausganges das Hordeolum (Gerstenkorn) und unterscheidet sich von dieser vorzüglich durch die Ausbreitung, indem es blos eine besckränkte Stelle des Augenliedes zu seinem Sitze wählt. An dem Rande des einen oder des andern Augenliedes, mehrentheils in der Nähe des grössern Augenwinkels, erscheint eine rothe, schmerzhafte, umschriebene Geschwulst von der Grösse eines Gerstenkornes und darüber. Die Geschwulst ist gewöhnlich schmerzhafter, als man bei ihrem schmalen Umfange erwarten sollte. Die Bewegungen der Augenlieder vermehren diesen Schmerz. Die Schleimabsonderung ist vermehrt und die Augenlieder verkleben Nachts unter sich. Die Rö– the wird tiefer, sie geht vom Centrum aus und verbreitet sich gegen die Peripherie, wo sie all– mählig abnimmt. Die Geschwulst wird spitziger, die Spitze derselben erweicht sich, ihre Farbe wird anfangs bräunlicht, dann gelblicht, und jetzt öffnet sich diese gewöhnlich durch mehrere Oeffnungen. Obgleich der in dem Abscess enthaltene mit Blut gemischte Eiter entleert ist, so wird die Geschwulst doch dadurch nicht beträchtlich vermindert, was erst dann geschieht, wenn ein weiss– gelblichter consistenter Körper, welchen man für verdichtetes, abgestorbenes Zellgewebe leicht er– kennt, herausgedrückt wird. Es treten nun die Wandungen des Abscesses unter sich in Berührung, und in Bälde bildet sich die Vernarbung. Der ganze Verlauf zeigt, dass das Hordeolum eine furunculöse Entzündung ist, dass die Entzündung im Zellgewebe beginnt, sich von dort der Haut mittheilt, dass der Ausgang der Eiterung unvermeidlich ist. In diesem Falle befindet sich die entzündete Stelle auf dem Rande oder auf der convexen Fläche der Augenlieder. Es giebt aber ein Hordeolum, welches auf der concaven Fläche

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- v. der Augenlieder gegen den Rand derselben als eine rothe umschriebene Entzündungsgeschwulst sich zeigt, und durch Entzündung eines Büschels der Meibom'schen Drüschen gesetzt ist. Es un– terscheidet sich dieses von dem gewöhnlichen Hordeolum durch seinen kleinern Umfang und den raschern Verlauf, da gewöhnlich schon in vier und zwanzig Stunden der Abscess ausgebil– det ist. /

Es entstehen bisweilen gleichzeitig mehrere Gerstenkörner, oder treten wohl auch mit andern Formen der Ophthalmitis auf, wodurch diese ge– steigert werden, wie Demours"), ganz meiner ei– genen Erfahrung gemäss, bemerkt. Beer *) stellt den Unterschied zwischen dem idiopathischen und scrophulösen Hordeolum auf; allein es kommen diese in ihrem Verlaufe so sehr überein, dass eine Trennung überflüssig ist; nur ist zu bemerken, dass bei scrophulösen Indivi– duen sich eine besondere Neigung zur Verhär– tung ausspricht, und bei fortdauernden Schäd– lichkeiten ein bösartiges Geschwür an die Stelle des Hordeolum tritt. Ueberhaupt neigt diese Ent– zündung zur Verhärtung, einer Krankheitsform, welche die Nosologen mit der Benennung Chala– zion bezeichnen, und letztere wird herbeigeführt durch Störung der Entzündung oder der sich bildenden Eiterung. Obgleich diese Entzündungsform bei ganz gesunden Individuen auftritt, so ist doch nicht in Abrede zu stellen, dass besonders Individuen, deren Constitution scrophulös, dyscra– sisch ist, deren Verdauungsorgane geschwächt sind, davon befallen werden. Gewisse Nahrungsmittel, z. B. der Genuss fauler Käse, das übermässige Brannte– weintrinken, der Genuss verdorbener Milch und un- 4) Traité des maladies des yeux, T.1. P. - 18. 2) J. a. W. S. 6o5. 4. B. - -

verdaulicher Breie bei Kindern scheinen besonders deren Entwicklung zu begünstigen. Mit dem Eintreten der Regeln scheint das Vorkommen des Gerstenkornes bisweilen zusammen zutreffen, und periodisch sich zu wiederholen. Nach Weller", sollen traumatische Ursachen diese Entzündung zu setzen vermögend seyn. Da die Entzündung durch Eiterung sich ausgleichen muss, so ver– meide man die Anwendung reperkussiver Mittel, und suche durch erweichende, die Spannung vermindernde Breie den Eiterungsprocess herbeizuführen, und diesen solange zu erhalten, bis alle Härte geschmolzen ist. Semmelkrummen in Milch gekocht, mit Safran gemischt, der Aepfelbrei in Leinwand gewickelt (die Stelle derselben, welche mit dem Hordeolum in Berührung könmmt, herausgeschnitten); das Emplastr. de cimt., diachyl. c. gy. etc. sind die passenden Mittel. Jede Oefnung des Abscesses ist schädlich. Bisweilen bleibt etwas abgestorbenes Zellgewebe in der Abscesshöhle zurück, der Eiterungsprocess fängt zu stocken an. Nach S. Cooper*) leisten erweichende Mittel wenig Hülfe; der Wundarzt soll die Spitze eines Kameelhaarpinsels in Schwefelsäure eintauchen, und diesen in die Abscesshöhle einbringen, worauf denn die zweckmässige Eiterung und Abstossung des Todten erfolgt. Bleibt eine ödematöse Anschwellung des Augenliedes zurück, so dient ein mit Weingeist versetztes Bleiwasser. So wie das Hordeolum der phegmonösen Blepharophthalmitis entspricht, ebenso kommt das Anchylops ( die erysipelatöse Nasenwinkelgeschwülst) mit der erysipclatösen Blepharophthalmitis überein, wovon es sich nur durch seinen

4 ) Die Krankheiten des menschlichen Auges. Berlin 89S. 34. Neue Aufl. 1822.

2) Dictionary of practical Surgery. - 1847. p. 588.

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beschränkten Sitz an dem grossen Augenwinkel unterscheidet. Sein Verlauf ist gewöhnlich der des Erysipelas; es kann aber phlegmonös wer– den und alsdann in seinen Ausgängen der Pfleg– mone entsprechen. Beer hat zuerst diese Krank– heitsform richtig gezeichnet und von der Dacry– ocystitis und deren Ausgängen unterschieden. An dem innern Augenwinkel bildet sich eine glänzend rothe, brennend schmerzende Geschwulst, welche gleich dem Erysipel nicht begränzt ist, sondern über das obere und untere Augenlied hinaus sich erstreckt. Die Röthe weicht dem Fin– gerdrucke, kehrt aber nach Aufhebung desselben augenblicklich wieder. Der auf die Thränen– punkte sich fortsetzende Reitz bewirkt Verschliessung derselben und dadurch gestörte Leitung der Thränen, deren Folge ein Thränenträufeln ist. Die Sekretion der Nasenschleimhaut ist verändert, bei mässiger Entzündung vermehrt, bei heftigem Zustand derselben unterdrückt. Nur bei em– pfindlichen Individuen zeigen sich Fieberbewegun– gen. Die Entzündung reflectirt sich oft auf den Thränensack, so, dass durch die Reitzung sei– ner Ein – und Ausmündungen eine entzündliche Reaction in demselben geweckt wird. Beer ) giebt an, dass man in einem solchen Falle in der erysipelatösen Geschwulst bei einer sorgfäl– tig angestellten Befühlung eine bohnenförmige, begränzte, harte, äusserst empfindliche Geschwulst finde, die sich durch stärkere Röthe auszeichne, wogegen man, so lange der Thränensack nicht in den Entzündungsprocess gezogen ist, nirgends in der Geschwulst eine besondere Härte bemerke. . Behält die Entzündung den erysipelatösen Charakter, so zertheilt sie sich, indem die Röthe und der Schmerz unter dem Destructions – und

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1 ) J. a. W. 4. B. S. 332.

Reproductionsprocess die Epidermis allmählig schwinden. Gewöhnlich stellt die Thätigkeit der Thränenpünktchen nur nach und nach sich wie– der her, und der in dem Thränensacke etwa hastende Schleimfluss schwindet endlich. Beschränkt sich aber die Entzündung nicht auf die Haut, sondern greift diese auf das unterliegende Zellgewebe ein, so bildet sich ein Abscess. Der dem Anchylops folgende Abscess wird Aegilops ge– nannt. Bleibt der Natur das Eröffnen desselben überlassen, so dringt der Eiter gewöhnlich durch einige Oeffnungen des destruirten Hautorgans hervor. Bei derbem Hautorgane und tiefer Lage des Eiters kann dieser die vordere Wand des Thrä– nensacks, nach innen schreitend, durchlöchern, wodurch dann eine nach Beer unächte Thränen– sackfistel entsteht, indem sich der Eiter nicht aus dem Thränensack einen Ausweg gebahnt hat, sondern die Eiterung von aussen, von der erysipelatösen Entzündungsgeschwulst aus, auf denselben gewirkt hat. Allein es kann anch die Continuität des Thränensackes dadurch gestört wer– den, dass der in ihm quantitativ und qualitativ verändert abgesonderte Schleim denselben öffnet, in das Zellgewebe sich ergiesst, und endlich die Haut durchbricht. Gewöhnlich wird der letztere Zustand unter der Benennung Aegilops begriffen"). Die auf die eine oder die andere Art bewerkstelligte Durchbrechung des

4 ) Pott (on fistula lachrymalis) glaubt, dass der im Thränensack angesammelte Schleim diesen durchbreche. Demours (Traité des maladies des yeux 4. B. S. 141 u. 442) sagt: wenn die im Thränensacke eingeschlossene Materie, die weder durch die Nase, noch durch die Thränenpunkte entleert werden kann, gährt, so entstchen heftige Schmerzen an der Stelle, an welcher die Materie durchzubrechen strebt; endlich bcrstet Haut und Thränensack, es entsteht ein fistulöses Geschwür im Nasenwinkel, welches man Aegilops neunt.

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