Abbildungen der Seite
PDF

Der Vorfall der Iris (Uvatio, prolapsus iridis, hernia uyeae) kann bei Verwundungen der Hornhaut vorkommen; gewöhnlich aber wird er durch penetrirende Geschwüre der Cornea bedingt :); durch diese wird die Hornhaut geöffnet, die wäs– serichte Feuchtigkeit fliesst aus, die in der hintern Augenkammer befindliche Flüssigkeit drängt die Regenbogenhaut durch die bestehende Oeffmung der Hornhaut hervor. Der Vorfall der Iris hat eine dunkle Farbe und ist elastisch *). Besteht derselbe einige Zeit, so erhält er die Benennung Staphiloma iridis; in diesem Falle hat der vorgefallene Theil eine graulichte Farbe, indem eine neu producirte Membran denselben überzieht. Die Hornhaut ist mit dem Vorfalle verwachsen, was sich durch den graulichten Kreis, der um den Boden des Vorsalles herumgezogen ist, erkennen lässt *). Die Pupille ist immer verzogen, und wenn der Vorfall gross ist, bedeutend verengert oder geschlossen.

Der Vorfall der Iris, sowohl im frischen, als im veralteten Zustande stellt sich unter verschiedenen Gestalten dar, wornach er auch seine Be

schneiden des Bläschens. Demours (im a. W. 1. V. pag. 3o5) empfiehlt die Ä des Bläschens, und einen leicht comprimirenden Verband, ein Verfahren, welches geeignet ist, einen einfachen Hornhautbruch in einen complicirten umzuwandeln. 1) Bei einer heftigen Contusion des Augapfels kann Zerreissung der Hornhaut, und dieser Vorfall der Iris folgen (Scarpa, im a. W. 2. V. pag. 2 ). Der Vorfall erfolgt besonders dann, wenn der Augapfel Druck oder Erschütterung durch Verband, convulsivische Augenmuskeln, oder Hustenanfälle etc. erleidet. 2) Durch die Einwirkung der Luft, der Thränen auf die nervenreiche Iris entsteht Entzündung, welche mit Lichtscheue und Thränenträufeln verknüpft ist. Leicht erfolgt eine Vergrösserung des Vorfalls (Scarpa, im a. W. 2. V. pag. 5). - 3) Bei einem veralteten Vorfall hat die Iris eine compacte Beschaffenheit.

nennung erhält, ist die Iris durch die am verschiedenen Stellen durchlöcherte Hornhaut in mehreren kleinen Portionen vorgefallen, so dass einige Aehnlichkeit mit einer Traube oder vielmehr mit einer schwärzlichten Maulbeere besteht, so wird der Vorfall Traubenstaphylom (Staphyloma racemosum) genannt. Der Vorfall der Iris, der nicht bedeutender, als der Kopf einer Mücke ist, wird Myocephalon (Mückenkopf), wenn er etwas grösser und durch die Augenlieder flach gedrückt ist, Clavus, Hillon (Nagelkopf), wenn er so gross ist, dass er durch die Augenlieder kaum mehr bedeckt werden kann, Melon genannt. Wenn der Vorfall der Iris kürzlich entstanden ist, so muss man das Zurücktreten derselben zu bewirken suchen, was vorzüglich durch das Eintröpfeln der Auflösung des Belladonna – oder Hyoscyamus – Extractes und das demselben nachfolgende Collabiren der Iris gelingt. Nach 8 bis 10 Stunden wird das Eintröpfeln wiederholt, da– mit die Wirkung des Mittels bis zur zur geschehenen Vernarbung der Hornhaut anhalte. Das Erwecken der Expansion der Iris durch das Einfallen des Lichtes, bewirkt gewöhnlich das Zurücktreten derselben in ihre normale Stellung, da aber die Expansion nicht anhaltend bestehen kann, indem das Auge geschlossen werden muss, so ist das erstere Heilverfahren diesem vorzuziehen"). Man trachte durch Ruhe des Körpers und streng

“) Scarpa (im a. W. 2. V. pag. 6) erwartet von diesem Verfahren so wenigen Nutzen, als von dem Zurückschieben des Vorfalls mittelst des Daviel'schen Löffels. Er verwirft mit Recht die Erweiterung der Wunde, durch welche die Iris vorgefallen ist, und die Ansicht, als bestehe hier dasselbe Verhältniss, wie bei einem eingeklemmten Bruche. Demours (im a. W. 4. V. P. 3o2) glaubt, dass die Natur das Heilgeschäft zu bewirken vermöge, indem der Vorfall als Pfropf, welcher das ferÄ Ausfliessen der wässerichten Feuchtigkeit hindert, 1EnC.

W

antiphlogistisches Verfahren eine schnelle Vernarbung zu bewirken. Zieht sich auf das angegebene Verfahren der Vorfall nicht zurück, oder tritt er sogleich wieder hervor, so verhüte man die Vergrösserung desselben dadurch, dass man Ver– wachsnng der Iris und Hornhaut durch die Anwendung adstringirender Mittel oder das vorsichtige Betupfen mit Höllenstein bedingt. Der veraltete Vorfall der Iris bewirkt, wenn er von Umfang ist, das lästige Gefühl eines fremden Körpers unter den Augenliedern, und wird in diesem Falle entweder mittelst der Aetzmittel oder des Messers entfernt.

Von den Trennungen mit Ueberhäutung der

- Ränder. "

Wenn bei einer verticalen penetrirenden Wunde des Augenliedes, die Vereinigung nicht bewerkstelligt wird, so erfolgt das isolirte Vernarben der Ränder und demnach eine Missbildung, welche mit der Hasenscharte Aehnlichkeit hat. Dieses Uebel, welches unter der Benennung Coloboma beschrieben wird, verlangt, damit es zur Heilung gebracht werde, ein operatives Einwirken, welches mit dem für die Hasenscharte geeigneten Verfahren über– einkömmt; die überhäuteten Ränder müssen ab– getragen, und die Wundränder alsdann unter sich bis zur erwirkten Vereinigung in Berührung erhalten werden.

Das einzuschlagende Heilverfahren wird auf

folgende Weise ausgeführt: Operateur, Gehülfe und Patient lagern sich wie bei Vornahme der Operation der Cataracte. Der Wundarzt hält die dem freien Rande des Augenliedes entsprechenden Winkel der Spalte entweder mittelst eines Häkchens oder der Zahnpincette, oder besser mittelst einer durchgezogenen Fadenschlinge fest, worauf er den einen, dann den andern Rand mittelst einer feinen, scharfschneidenden geknöpften Schere abträgt. Man hüte sich, mehr als nothwendig ist, wegzuschneiden. Die Vereinigung wird durch die blutige Nath gemacht. Die Nadeln müssen durch ihre Feinheit dem Baue des Augenliedes entsprechen. Die Knopfnath ist der umschlungenen Nath vorzuziehen. Man verneide bei Verrichtung derselben den Tarsus, da hiedurch heftige Entzündung veranlasst werden könnte, zu durch– stechen. Die Schlinge werde dem Rande des Augenliedes so viel als möglich genähert. Gewöhn– lich genügt die Anwendung einer Schlinge, indem der andere Theil der Wunde durch englische Pflaster sich vereinigen lässt ).

Von den fremden Körpern.

Wenn ein fremder Körper mit dem Auge, oder den dasselbe umkleidenden Theilen in Be– rührung tritt, so muss vorzüglich auf Lage, Be– schaffenheit, Form desselben, auf die damit ver– bundene Verletzung, und die nachfolgende Entzündung und Ulceration Rücksicht genommen werden. Der fremde Körper steckt in dem Augenliede, oder er liegt zwischen dem Augapfel und dem Augenliede, er ist zuweilen in die Conjunctiva eingedrungen und daselbst eingekeilt. Der fremde Körper lässt sich durch die Thränenfeuchtigkeit auflösen oder nicht. Im erstern Falle, da durch die Irritation vermehrte Absonderung der Thränenfeuchtigkeit erregt wird, erfolgt Auflösung des fremden Körpers. Hat der fremde Körper keine rauhe unebene Fläche, ist derselbe nicht in die Bindehaut eingedrungen, so kann er aus dem Auge durch die vermehrt zufliessenden Thränen ausgespült werden. Steckt der fremde Kör

') Roux Nouveaur, Elemens dc medicinc operatoire T. l. Pag. 457. -

per fest, oder verweilt er, ohne in die Conjunctiva eingedrungen zu seyn, längere Zeit im Auge, so weckt er Entzündung, die, wenn sie sich begränzt, mit Bildung eines den fremden Körper umlagernden Abscesses, endigt, vermöge dessen der fremde Körper ausgestossen wird. Zuweilen aber verbreitet sich eine heftige Entzündung über das ganze Auge, welche die Entstehung des Hy– Ä , Staphyloma, Prolapsus iridis, Colliquatio

ulbi etc. bedingen kann !). /

Steckt der fremde Körper in der äussern Platte des Augenliedes, so ist es leicht denselben aufzufinden, und mittelst eines passenden Werkzeu– ges zu entfernen *). Liegt derselbe zwischen dem Augenliede und dem Augapfel, so fordert es genaue Untersuchung, um denselben, besonders wenn er klein ist, zu entdecken. Zu diesem Zwecke zieht man das untere Augenlied herab, und stülpt es aus, um die halbmondförmige Falte zu ebnen, wo in der Gegend des Thränensees gewöhnlich der fremde Körper liegt; zugleich lässt man den Augapfel nach oben rollen. Befindet sich der fremde Körper unter dem obern Augendeckel, so

1) Man hat jedoch Fälle beobachtet, wo fremde Körper längere Zeit in der Bindehaut, Hornhaut oder Sclerotica hafteten, ohne Eiterung zu veranlassen. Goekel (Ephemerid. nat. curios. dec. III. ann. 6. obs. 14), Manniske Loders Journal II. 1 ), Home (Arnemanns Magazin II. 4. 5o3) zogen fremde Körper mehrere Monate nach dem Einfallen derselben aus dem Auge aus. Wardrop (Rust's Magazin VII 3 447 ) fand ein Stückchen Weissdorn in der Bindehaut der Sclerotica, welches der Kranke 1o Jahre hindurch, ohne es zu wissen bei sich getragen hatte, und wslches in einer zelligen Kapsel eingeschlosSEI WAT".

2) Diese Verletzungen können durch den Stich der Bienen, Wespen und anderer Insekten erzeugt werden. Beer (im a. W. 1. B. p. 234) beobachtete solche Fälle, und in in zwei Fällen, in welchen der Stachel der Bienen nicht ausgezogen wurde, bildete sich Gangrän des Augenlin

dcs aus.

« ZurückWeiter »